Groß-Schützener Gesundheitslehre
Kochrezeptsammlung. Deutsche Handschrift auf Papier.
Los 1031
Schätzung
18.000€ (US$ 18,750)
"Von der vierfussigen thier flaysch - Von dem weyne vnd anderm getranck" - Einzige Überlieferung einer Diätetik des Spätmittelalters
Groß-Schützener Gesundheitslehre. Deutsche Handschrift auf Papier. 68 nn. Bl., davon 126 beschriebene S., Rest vacat. Sehr ordentliche, frühneuzeitliche romanische Rotunda. 29-36 Zeilen. Schriftraum: 18 x 11 cm. Format: 22,5 x 16,5 cm. Modernes hellbraunes Halbziegenleder mit Rückenvergoldung (minimal berieben). Großschützen, Westslowakei, um 1530.
Umfangreiche, vollständige und ausschließlich in der vorliegenden Handschrift erhaltene spätmittelalterliche Diätetik, eine in deutscher Sprache abgefasste, um 1530 datierbare und lokalisierbare Ernährungslehre aus dem Ort Großschützen, dem heutigen Vel’ké Leváre in der Westslowakei (Region Záhorie an der Rudava), die aus der Bibliothek des Grafen Carl von Kollonitz (auch Kollonitsch) stammt. Der Heidelberger Mediävist, Germanist und Medizinhistoriker Prof. Dr. Gerhard Eis (1908-1982) gelang der Erwerb durch einen Katalog eines Prager Antiquariats und verfasste mehrere Aufsätze in regionalen wie mediävistischen, germanistischen und medizinhistorischen Zeitschriften. Er schreibt:
"Die ‚Groß-Schützener Gesundheitslehre‘, die in einer einzigen Handschrift aus dem Anfang des 16. Jh.s überliefert wird, ist in zweifacher Hinsicht von Bedeutung. Ihr vielseitiger Inhalt macht sie zu einer wertvollen Quelle für mehrere Gebiete der allgemeinen Kulturgeschichte, und ihre Wirkung im Herrschaftsbereich der Grafen Kollonitsch verleiht ihr einen besonderen Wert für die Erforschung der deutschen Kultureinflüsse im Südosten. Schriften ihrer Art sind bisher noch nicht zum Gegenstand umfassender Studien gemacht worden. Eine Auswertung allein zugunsten der Geschichte der Medizin oder der Botanik ließe sich wichtige Erträge entgehen. Bei dem Ziel, eine Zusammenfassung der Grundlagen für ein gesundes Leben zu geben, bietet der unbekannte Verfasser auch Angaben über Wohnhygiene, Leibesübungen, Bereitung Von Speisen und Getränken für Gesunde und Kranke, Tischsitten, Tierzucht, Jagd, Feld- und Gartenbau, Drogeneinfuhr und manche volkskundlich bemerkenswerte Einzelheiten." (Eis, Die Gross-Schützener Gesundheitslehre, 1943, Vorrede S. 8).
"Das Werk ist eine systematische, zusammenfassende Darstellung der diätetischen Anschauungen des Mittelalters. Es ist nach den sechs sogenannten res non naturales ("Veranlassungen") geordnet, und zwar in dieser Reihenfolge: I. aër (Von dem luft), 2.motus animi (Zufall), 3. exercitium (Übung), 4. somnus (Von dem slaffen vnd wachen), 5. cibus et polus. Die sechste "Veranlassung", evacuatio, hat kein eigenes Kapitel, sondern wird in einigen Kapiteln, die sich mit Speise und Trank befassen nebenbei berücksichtigt. Die Veranlassungen Nr. I-4 haben nur je ein Kapitel, so daß sie mit ihrem geringen Gesamtumfang zusammen nur einen einzigen Abschnitt (I) bilden. Speise und Trank sind dagegen in umfassender Weise behandelt, so daß sie in die Abschnitte II-XV gegliedert werden können: II. Von dem essen vnd trincken (Allgemeines, 2 Kapitel enthaltend), III. Federwild und Hausgeflügel (18 Kapitel). IV. Von der vierfussigen thier flaysch (14. Kapitel), V. Von den teylen der thyer, die da ynwendig seyn vnd außwendig (27 Kapitel). VI. Eier und Milcherzeugnisse (5 Kapititel), VII. Von den fischen (5 Kapitel), VIII. Von Krebsen, Austern und Schnecken (2 Kapitel), IX. Von dem weyne vnd anderm getranck (8 Kapitel), X. Von den krewttern (24 Kapitel), XI. Von den wurczeln, die yn vnsern nutz kummen (9 Kapitel), XII. Von den samen and grana, die man gemaynlichen vnd gewönlichen brauchet (12 Kapitel), XIII. Von den früchten yn die gemayne (29 Kapitel), XIV. Honig, Zucker, Salz (3 Kapitel), XV. Von dem gewürcze (11 Kapitel)." (Wolfgang Stammler, Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon V (1955), Sp. 263-265).
"Der Verfasser steht auf dem Boden der Lehre von den vier Qualitäten und deren vier Graden und beschreibt nach diesem Schema sämtliche Nahrungs- und Genußmittel. Wenn die Beurteilung bei den verschiedenen ‚Meistern‘ differiert, weist er kritisch darauf hin und hat gelegentlich auch den Mut, eine eigene Ansicht oder Zweifel anzudeuten. Er bietet zahlreiche Angaben über die mittelalterliche Krankheitslehre und Therapie […]. Der Verf. ist unbekannt. Es ist möglich daß er in der Preßburger Gegend gelebt hat, wo er etwa Mitglied der Academia Istropolitana oder der Sodalitas Litteraria Danubiana gewesen sein könnte. Auch die Sprache läßt diese Lokalisierung möglich erscheinen. Er war in der medizinischen Literatur sehr belesen; und zwar scheint er besonders aus venezianischen Frühdrucken geschöpft zu haben.
Benützung dt. Quellen ist nicht zu erweisen, doch sind seine Autoren zum großen Teil die nämlichen, von denen auch die älteren nationalsprachlichen Diätetiker des Spätmittelalters abhängig sind. Er erwähnt neben antiken (Hippokrates, Galen, Ruphos von Ephesos, Oreibasios, Dioskurides) besonders arabische Autoren (Mesue, Joannitius, Avicenna, Rhases, Isaak-ben-Soleiman, Averroes, Jesus Haly, Ali ben Rodh- wan, Ali Abbas, Avenzoar, Baldach) und mehrere Italiener von den Salernitanern bis zu den Humanisten (Nicolaus Praepositus Matthaeus Platearius, Wilhelm on Saliceto, Petrus Aponensis, Michael Savonarola, Platina de Sacchis, Theodosius). Da die von Theodosius besorgte Ausgabe des 'Commentum super aphorismos Hippocratis' des Nicolaus Nicoli erst 1522 erschien, kann die 'Groß-Schützener Gesundheitslehre' frühestens in diesem Jahre verfaßt worden sein. Die Darstellung ist klar und sorgfältig aber nicht besonders gewandt. Latinismen sind nicht selten; auch einzelne Wörter und kleine Sätze sind unverändert aus den lateinischen Vorlagen übernommen.
Der Wert der 'Groß-Schützener Gesundheitslehre' beruht auf ihrem reichen Inhalt, so daß sie mit Nutzen zur Interpretation der älteren, dt. Mediziner heranzuziehen ist. Literarische Wirkungen auf die spätere gedruckte Literatur sind nicht nachzuweisen, doch ist die Hs. von ihren Besitzern praktische zu Rategezogen worden. Von den aus Groß-Schützen stammenden dt. Hss. ist diese die älteste." (Gerhard Eis, ebenda, Sp. 264-265). Vgl. auch Gerhard Eis, Streiflichter zur Geschichte der Gesundheitslehre, 1956.
– Kaum fleckig, wenige Braunränder, insgesamt bemerkenswert sauber, außergewöhnlich gut lesbare Handschrift, auf dem ersten weißen Blatt ein alter Vermerk aus dem Barock: "Eine uralte Physikalische [dann ausgestrichen und in Bleistift überschrieben:]medizinische Handschrift 1788 Aug."
Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 21. Mit einmontierter Fiche auf dem fliegenden Vorsatz: "Handschrift Nr. 21. Die Groß-Schützener Ernährungslehre, um 1530 im Besitz von Dr. Gerhard Eis, Pilsen, Karlsbaderstraße 39 ist nach den Grundsätzen der Königl. [durchgestrichen] Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin von Herrn Doz. Dr. Gerhard Eis im April 1937 aufgenommen worden". Erworben hat Eis die Handschrift bei dem Prager Antiquar O. Pysvejc (Katalog Knihovna hrab. Ch. K. ze zámku V. L., Choix des livres d'occasion de la bibliothèque du Comte Ch. K., Nr. 348a)." und ediert: Gerhard Eis, Die Groß-Schützener Gesundheitslehre, in: Studien zur Geschichte der deutschen Kultur im Südosten, Brünn, München und Wien 1943, S. 17. Derselbe und Rainer Rudolf, Altdeutsches Schrifttum im Nordkarpatenraum. München 1960, S. 57ff. (ausführliche Literaturangaben in eigenhändiger Notiz auf dem hinteren fliegenden Vorsatz).
Kollonitz, Carl Graf von
Kochrezeptsammlung. Deutsche Handschrift auf Papier.
Los 1032
Schätzung
400€ (US$ 417)
Luxus und Geschmack der
ungarisch-oesterreichischen Küche
Kollonitz, Carl Graf von. Kochrezepte aus dem Besitz des Grafen Carl von Kollowitz. Deutsche Handschrift auf Papier. Mehrere Faszikel in 16 Bl. zusammengeheftet. Schrift: Deutsche Kurrent des 17. und 18. Jahrhunderts. 25 x 19,5 cm. Neuerer Umschlag (kaum fleckig). Großschützen, Westslowakei, 18.-19. Jahrhundert.
Sammlung von deutschem Schriftgut in den Nordkarpaten, aus dem Ort Großschützen, dem heutigen Vel’ké Leváre in der Westslowakei (in der Region Záhorie an der Rudava), die aus der Bibliothek des Grafen Carl von Kollonitz stammt, über die eine beiliegende lange eigenhändige Notiz aus der Feder von Gerhard Eis (1908-1982) Auskunft gibt: "Sammlung von deutschem Schriftgut in den Nordkarpaten, aus dem Ort Großschützen, dem heutigen Vel'ké Leváre in der Westslowakei (in der Region Záhorie an der Rudava), die aus der Bibliothek des Grafen Carl von Kollonitz stammt, über die eine beiliegende handschriftliche Notiz Auskunft gibt: "In den 30er Jahren gelangte die reichhaltige Bibliothek des Schlosses Großschützen (i. d. Slowakei) in den Prager und Wiener Antiquariatshandel. Neben einigen 1000 Drucken des 16.-19. Jhdts […] befanden sich auch mehrere Hss. […]. Die wertvollste Hs. eine Diätetik in deutscher Sprache aus dem Anfang d. 16. Jhdts ward 1943 von G. Eis herausgegeben […] ein Kochbuch das für den General Graf Kollonitz, Kämmerer d. oesterr. Kaisers, am Ende des 18. Jhdts. angelegt wurde. Diese Hs. hatte ein riesiges Format und enthält eine Sammlung von vielen 100 Anweisungen zur Bereitung erlesener Fleisch- u. Fischgerichte, Pasteten, Mehlspeisen u. Getränke.
Graf K. v. K., der Herr des Schlosses Gr.-Schützen besaß aber noch andere Sammlungen von Küchenschriften, die als Blattbüschel und Einzelblätter in den Originalen angeboten wurden. Eine kleine Anzahl solcher Aufzeichnungen hat sich in d. Sammlung Eis erhalten. Sie sind zu einem Bändchen zusammengeheftet, dessen 1. Blatt eine Zuschrift an Monsieur le General Comte Charles de Kollonitz, enthält. Sie sind von verschiedenen Händen gerchrieben, die z. T. noch dem 18. Jhdt., z. Teil bereits dem 19. Jhdt. angehören.
Die Rezepte beziehen sich auf Fleisch- und Fischgerichte, der fürstl. Küche. Einige bemerkenswerte Rezepte aus dieser Sammlung seien hier mitgeteilt. Sie sind kennzeichnend für den Luxus und Geschmack der ungarisch-oesterreichischen Küche jener Zeit. Aber auch die gute Hausmannskost fand Anklang und Interesse in der fürstl. Küche, wie das Rezept von den 'guten Bratwürst meiner Frau Mutter' beweist. Die altdeutsche Literatur über die Bereitung von Speisen u. Getränken ist noch weitgehend unerforscht. Im günstigsten steht es noch um die Kenntnis der wissenschaftl. deutschen Kochbücher, deren Überleiferung im 14. Jhdt. einsetzt […]" (Fragment beiliegend).
An einem Falz die Fiche: "Monsieur le General Comte Charles de Kollonitz, Chambellan actuel de sa Majesté L'Empéreur et Roi à Venice". Vgl.: Gerhard Eis, Die Groß-Schützener Gesundheitslehre, in: Studien zur Geschichte der deutschen Kultur im Südosten, Brünn, München und Wien 1943, S. 17. Derselbe und Rainer Rudolf, Altdeutsches Schrifttum im Nordkarpatenraum. München 1960, S. 57ff. – Geringe Gebrauchsspuren, teils leicht gebräunt. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 31. Mit einmontierter Fiche auf dem fliegenden Vorsatz: "Handschrift 31 Kochrezepte aus Groß-Schützen, 18. und 19. Jhdt. im Besitz von Dr. Gerhard Eis. hen Akademie der Wissenschaften zu Berlin von Herrn Doz. Dr. Gerhard Eis im September 1938 aufgenommen worden".
Geomantia
Eyn kunst des warsagens. Deutsche Handschrift auf Papier. Süddeutschland, frühe Mitte des 16. Jahrhundert
Los 1033
Schätzung
900€ (US$ 938)
Geomantia Eyn kunst des warsagens. Deutsche Handschrift auf Papier. 16 nn. Bl. mit 24 beschriebenen S. Schrift: Bastarda kursiva. Schriftraum: 23 x 16 cm. Format: 30 x 20,8 cm. Mit Zahlentabellen und spiegelübergreifenden Textblöcken. Geheftet (Blätter teils lose). Süddeutschland, frühe Mitte des 16. Jahrhundert.
Geomantie mit der Anleitung zum deuten des Schicksals aus den Handlinien, laut Gerhard Eis (1908-1982) handelt es sich um eine "Abschrift der 1532 von Peter Jordan von Mainz gedruckten "Geomancia". Ein Exemplar ist in Göttingen vorhanden. Erwähnt von Johann Bolte" (Bleistift-Anmerkung vorletzte Seite): "Geomantia: eyn kunst des warsagens, die bey den allten in geheym und grossen wirden gehalten ist worden, durch welche auch vil zukünfftiger ding, es sey zu glück odder zu unfal, eröffnet werden, unnd das alles leychtlich durch rechnunge der Planeten stunden, unnd des menschen namen, der so etwas künfftigs zu wissen begeret : mit beygesetzter Tafeln ... zu lassen sey" (Mainz, Peter Jordan, 1532, vgl. VD16 G 1314). – Wenige Wurmlöchlein, unwesentliche Feuchtfleckchen, sehr schöne, saubere Handschrift. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 154. – Mit einer ausfürlichen Begutachtung und Beschreibung von Wolfram Sexauer vom 10. Februar 1971, mit paläographischen Ausführungen: "Der Verfasser nennt sich am Ende des Werkes zweimal ein Georgius Fuchs.
Da dessen Name sonst unbekannt ist, und da auch eine Jahresangabe fehlt, bleibt es nur, auf Grund von Schreibeigenheiten die Zeit der Entstehung zu erschließen. Der Verfasser bedient sich einer recht flüssigen Kurrentschrift mit einem mittelstark rechtsgeneigten Duktus. Ober- und Unterlängen sind sehr ausgeprägte, und solche überlangen Buchstaben sind noch auffallender geneigt. Das Schriftbild zeigt im ganzen eine nicht ungeübte Schreiberhand aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, möglicherweise aus dem letzten Dritttel. Im allgemeinen schreibt Fuchs deutliche, doch nicht immer mit Sorgfalt. Besonders die letzten Seiten zeigen sichtbar Eile, worunter das Schriftbild zu leiden hat."
Eleazar und der verlorene Sohn
Fragmente aus zwei biblischen Erzählungen. Deutsche Handschrift auf Papier. Süddeutschland (Zell?) 1542 und 1545.
Los 1034
Schätzung
2.000€ (US$ 2,083)
Eleazar und der verlorene Sohn. Fragmente aus zwei biblischen Dichtungen, Textschluss auf Bl. 3v. Deutsche Handschrift auf Papier. 3 Bl. mit 6 S. Schrift. Gotische Kursive. Format: 17,5 x 13 cm, an den Rändern beschnitten. Mit 3 Zeilen Notensystemen und mehreren lavierten Federzeichnungen in Sepiatinte. Moderner Pappeinband. Süddeutschland (Zell?) 1542 und 1545.
Zwei deutsche Textfragmente mit dem Bruchstück eines Gedichtes vom verlorenen Sohn, datiert 26. Mai 1542 sowie dem Fragment eines Gedichtes vom "Eleazar", datiert auf den 2. April 1545.
Es handelt sich um Nacherzählungen in lockeren, umgangssprachlichen Versen des Schlusses der biblischen Geschichte des verlorenen Sohnes nach Lukas 15: 11-32 (Bl. 1) und der vollständigen Geschichte des weisen Eleazars, der sich lieber von den Schergen des Königs Antiochus umbringen lässt als Schweinefleisch zu essen oder vorzugeben, dies zu tun, nach 2 Makkabäer 6: 18-31 (Bl. 2-3). – Saubere, gut leserliche Handschrift, etwas fleckig und gebräunt, einige kleine Löchlein und Randläsuren. Mit mehreren hübschen Randzeichnungen und Federproben, darunter Reiter auf wunderlichen, raupenähnlichen Pferden sowie ein Reiterzug (wohl als verspielter Ausstrich eines Vermerkes auf Bl. 2v). Letzte Seite mit Zeichnungen von Häusern in Sepia und zwei Figuren (Holzfäller?) in roter Tinte.
Provenienz: Besitzeintragungen "Georg Rues" und "Georg Riebstäschel Zur Zell Anno 1673." Im Vorderdeckel der Besitzername Schoeppl und der rote Stempel Archiv Schöppl (19. oder 20. Jh.). Aus der Sammlung des Heidelberger Germanisten Prof. Dr. Gerhard Eis (1908-1982), hier mit der Signatur Hs. 148. Im Vorderdeckel der Vermerk „gekauft 21. V. 1966 von Jacques Rosenthal".
Weinmeister, Georg
Zwei Briefe an den Ingolstädter Zöllner Georg Weinmaister
Los 1035
Schätzung
300€ (US$ 313)
Briefe des Ingoldstädter Zöllners
aus Straubing an der Donau
Weinmeister, Georg. Zwei Briefe an den Ingolstädter Zöllner Georg Weinmaister. Deutsche Handschrift auf Papier. 2 Bl., 2 S., verso Regesten. 24-25 Zeilen. Schrift: Kanzleibastarda. Format: 27,5 x 20 bzw. 30,5 x 20,5 cm. Mit einigen kalligraphischen Auszeichnungen. Straubing, wohl 1565 und 1567.
Zwei Briefe an den Ingolstädter Zöllner Georg Weinmaister zu Steinbach (Rat und Mautner zu Ingolstadt 1550-1571). "In der Franziskanerkirche zu Ingolstadt hängt ein Epitaph in Solnhofer Stein mit nachstehender Inschrift: Anno domini 1571 den 1. Tag July starb der ernvest Jörg Weinmaister gewesner Fürstl. Rhat und Zolner alhie seines alters 72 Jar. Anno 15. den tag starb die erbar und tugendsam fraw Katharina Winmanin on Starenberg sein Eheliche Hausfraw. Denen got genedig sei. Amen. Das ist alles, was wir von ihm wissen" (Brief Günzinger, Stadtarchiv Ingolstadt, an Gerhard Eis). – Gebrauchsspuren, Schnitte, Leimreste, sonst ordentlich und gut lesbar. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 72.
Karl V.
Aloysius, miseratione divina tituli S. Marci. Urkunde in lateinischer Handschrift
Los 1036
Schätzung
750€ (US$ 781)
Karl V. - "Aloysius, miseratione divina tituli S. Marci presbiter cardinalis Cornelius sancte Romane ecclesie camerarius [...]". Urkunde in lateinischer Handschrift auf Pergament. 1 S. 70 Zeilen. Schriftraum: 50 x 68,5 cm. Format: 62 x 78 cm. Lateinische Kurrent in Sepia. Mit Versalschrift in Blau und Rot, Kapitalis-Auszeichnungen in schwarzer Tinte und großes eingemaltes Wappen mit dem Kaiserlichen Doppeladler. Rom, 29. März 1576.
Handschriftliche Privilegienurkunde zugunsten von Cavaliere Gasparo Pignatta (ca. 1530-1580), eines Reichsritters und Jurisconsultus’ zu Ravenna, der ein Freund des bedeutenden Renaissance-Dichters Torquato Tasso (1544-1595) war, von dem er Briefe erhielt (vgl. Torquato Tasso an Gasparo Pignata, vom 7. März 1587, Mantova-Ferrara. Siehe Torquato Tasso, Le lettere di Torquato Tasso, disposte per ordine di tempo ed illustrate da Cesare Guasti, Firenze, Le Monnier, 1852-1855, Lettera n. 774). Pignatta (auch Pignata) besaß mehrere Ländereien und Güter im Raum Ravenna bis in die venezianische Terra Ferma und stand unter den reichsunmittelbaren Schutz seiner Majestät des Kaisers des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Bestätigt werden in der Urkunde alle möglichen Privilegien Pignattas im Namen des "Aloysius Cornelius Cardinalis Camerarius comes et equester" und beglaubigt durch Zerbinus Sperandeus, mit dessen Notariatssymbol als Wappen und Motto "Spera in deo" sowie der großen Unterschrift des Aloysius (vgl. P. Uccellini, Dizionario Storico di Ravenna, S. 367). Besonders hübsch ist die große eingemalte Vignette mit dem Habsburgischen Doppeladler (ca. 11 x 8,5 cm) mit roter Krone. – Mit ca. 3 cm Plica nach oben gefaltet, ohne das einst angehängte Siegel, vierfach gefaltet mit Wellungen, doch kaum mit Löchlein, kaum fleckig, insgesamt sehr schön erhalten, auf frischem, homogenem und weißgekalktem Pergament, die entzückende Wappenmalerei in prachtvoller Farbigkeit und feinstem Lineament.
Eberlein, Ulrich
"Ein Schone Artzenney Püechl." Deutsche Handschrift auf Papier. Schwaben 1578. Umfangreiches Arzneibuch
Los 1037
Schätzung
900€ (US$ 938)
Eberlein, Ulrich. "Ein Schone Artzenney Püechl." Deutsche Handschrift auf Papier. 105 nn. Ca. 12 Zeilen. Schrift: Bastarda, deutsche Kurrentschrift mit wenigen kalligraphischen Auszeichnungen und einigen Federzierschnörkeln. Format: 15 x 10,5 cm. Pergamentumschlag d. Z. (stärker fleckig, abgerieben, mit kleinen Einrissen, angeschmutzt und knittrig, Rücken mit Leinenstreifen alt überklebt). Wohl Schwaben 1578.
Umfangreiches Arzneibuch eines Medicus zur Zeit der süddeutschen Renaissance, wohl aus Schwaben. Der Titel lautet (S. 1r): "Ein Schone Artzenney Püechl. Unnd Ich Ullrich Eberlen hab Aim gsachen in dem Jar zuschreiben Utze mann zelt Inn dem AinTausennt finffhundert achtundsibzigsten Jahr." Enthalten sind zahlreiche selbst erprobte Rezepturen und Heilanweisungen, darunter viele, die bis dato wohl unbekannt waren und die hier erstmals schriftlich fixiert wurden: "Das unbekannte oder Sanndell Pflaster", "Hüneraugenn zu verthreybenn", "Ein scvhwartze Salb zu den Wundenn", "Ein praune Salb uber Flis unnd wildt fleysch", "Ein Schwundt Salb", "Für das Schwinden der glider", "Ein guet wund Öl", "Für das Fieber", "Ein guet Pulver zu alten Schedenn", "Ein guets Stich Pflaster", "Ein guet Purgatzunn(g)", "Für das glid wasser", "Wann sich Einer verprennt hat" und vieles mehr. – Stellenweise etwas feuchtfleckig und wasserrandig, hier und da mit kleinen Verwischungen und Bräunungen sowie Fingerflecken und Gebrauchsspuren, insgesamt jedoch ordentlich erhalten und wohl vollständig sowie bemerkenswert umfangreich. Ein interessantes Zeugnis des süddeutschen Sprachraums aus der Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 147. Mit dessen Stempel auf dem Innendeckel "Prof. Dr. Gerhard Eis", darüber eigenhändig "Cod. 147) sowie auf dem hinteren Innendeckel Einträge desselbigen mit Hinweis zum Erwerb auf einer Auktion bei Tenner, Heidelberg (Katalog 11 vom 15. Oktober 1969) sowie eine Literaturangabe, in der Eis das Werk analysiert bzw. wohl teilveröffentlicht: "Gerhard Eis, Nachricht über eine unbekannte chirurgische Handschrift vom Jahre 1578, in: Medizinische Monatsschrift XVI, 18-21 (Stuttgart, WB, 1972), mit Faksimile.
Rosarium philosophorum
Alchemistische Sammelhandschrift. Deutsche Handschrift auf Papier.
Los 1038
Schätzung
14.000€ (US$ 14,583)
"Aristotelles dem Fürsten Allexander" - mit einem deutschen Gedicht auf den "Stein des Weisen"
Rosarium philosophorum. - Alchemistische Sammelhandschrift. Deutsche Handschrift auf Papier. 114 nn. Bl. Kursive Schrift von drei oder vier Schreibern. Format: 21,2 x 15,6 cm. Klappenband d. Z. (leicht abgegriffen, gebräunt, etwas angeschmutzt, gelegentlich stärker berieben, etwas bestoßen, nur winzige Einrisse an Gelenken) mit blindgeprägtem Schweinslederbezug. Schweiz, Ende 16. bis Anfang 17. Jahrhunderts.
"Aristotelles dem Fürsten Allexander" und "Ross gartt der weysen" - Ein umfangreiches Kompendium alchemistischer Werke, die zusammen das alchemistisches Grundwissen ihrer Zeit vermitteln. Enthalten sind folgende Schriften. Besonders hübsch ist auch die kleine Federzeichnung "Hic est furnus sancti thomae de aquino" (S. 84v, alte Zählung "16).
1) Pseudo-Aristoteles an den Fürsten Alexander über die Alchemie (Bl. 1r-7v)
2) 'Schrift der Verkündung' mit zeitgenössischen Randbemerkungen (Bl. 7v-33v)
3) Pseudo-Arnald von Villanova: Brief an Papst Bonifaz VIII. (Bl. 34r-43r)
4) Arnald von Villanova (?): Rosengaert der Weisen (Bl. 49r-73v)
5) Pseudo-Thomas von Aquin: Etlich Kunst der Philosophie (Bl. 77r-92v), mit einer Federzeichnung des Ofens des Thomas von Aquin auf Bl. 84v.
6) Pseudo-Raymundus Lullus: Lux mercuriorum (dt.), anschließend alchemistische Rezepte (Bl. 94r-100r)
7) Lapis. Dt. Gedicht über den Stein der Weisen (Nachtrag von anderer Hand) (Bl. 103r-105r)
Auf leergebliebenen Blättern (1r-1v, 23v, 43r-46r, 73v. 106v-109v, 113v-114v) wurden im Zeitraum 1650-1694 persönliche und geschäftliche Aufzeichnungen von Mitgliedern der in der Ostschweiz (u.a. Lausanne) ansässigen Familien Krachbeltz, Criblet und Sechaux eingetragen. – Nur ganz vereinzelt etwas fleckig, wenige Randverstärkungen, Vorsätze stärker angestaubt und gedunkelt, wenige Seiten leicht angeschmutzt zum Schluss. Die unbeschriebenen Blätter meist blütenweiß. Der bemerkenswert schöne Klappenband mit reicher Blindprägung im Schweinsleder ist teils leicht abgegriffen und etwas angeschmutzt, zeigt neben Floralvignetten Blindstempel mit Eicheln und jeweils eine elegante Rolle mit den sieben Kardinaltugenden.
Provenienz: Besitzvermerk des 17. Jhs. ‚Dism Buch ist mein Hans Jacob Maybach‘ (Bl. 7r). Antiquariat Jacques Rosenthal 09/1965. Aus der Sammlung des Heidelberger Germanisten Prof. Dr. Gerhard Eis (1908-1982), hier mit der Signatur Hs. 145. Beiliegend mehrere Briefe und Notizen, teilweise von Gerhard Eis, die Hs. betreffend.
Hoffmann, Daniel
Kurtzer Bericht von etlichen beweißlichen der vier Philosophen zu Helmstedt
Los 1039 [*]
Schätzung
1.200€ (US$ 1,250)
Hoffmann, Daniel."Kurtzer Bericht von etzlichen beweißlichen Greweln der vier Philosophen zu Helmstedt." Deutsche Handschrift auf Papier. 10 Bl. (l. w.). 25-29 Zeilen. Format: 18,7 x 15,2 cm. Moderner Pergamentband mit RSchild und 4 (1 lose) Bindebändern. Helmstedt um 1595.
Zeitgenössische Kopie einer im Druck nicht erschienenen Streitschrift des aus Halle an der Saale stammenden und an der Universität Helmstedt lehrenden einflussreichen lutherischen Theologen und Philosophen Daniel Hoffmann (um 1538-1611). Hoffmann wurde 1576, im Gründungsjahr der Academia Julia, Professor für Ethik und und Dialektik an der dortigen philosophischen Fakultät, zwei Jahre später wechselte er als ordentlicher Professor der Theologie an die theologische Fakultät. Insbesondere im letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts entfaltete sich zwischen den beiden Fakultäten ein erbitterter Streit um die Frage der Gotteserkenntnis. Deren Hauptprotagonisten waren neben dem Gnesiolutheraner Hoffmann auf der einen Seite die beiden Philosophen Johannes Caselius (1533-1613, seit 1589 in Helmstedt) und Cornelius Martini (1568-1621; seit 1592 in Helmstedt), die beide den Einfluss der Philosophie in theologischen Lehrmeinungen zu stärken suchten und somit im Widerspruch zu Hoffmann standen. Hoffmann polemisiert in der vorliegenden Handschrift in zwölf Thesen gegen die Lehren seiner Kollegen an der philosophischen Fakultät. Als Giordano Bruno sich 1589 an der Universität Helmstedt immatrikulierte und dort das kopernikanische Weltbild verteidigte, kam es rasch zum Konflikt mit Hoffmann, der diese Weltsicht strikt ablehnte. Und nach dem Tod von Brunos Fürsprecher Herzog Julius mit zahlreichen Invektiven gegen den berühmten Astronomen dafür sorgte, dass dieser 1590 die Universität verließ. Zehn Jahre später wurde Bruno bekanntlich von der katholischen Kirche wegen Ketzerei zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. – Im Seitenrand etwas knapp beschnitten (geringer Buchstabenverlust), Titel mit verblasstem Feuchtigkeitsrand, sonst wohlerhalten. Interessante und wissenschaftlich noch auszuwertende Quelle zur Geschichte der Helmstedter Universität und den dort geführten philosophisch-theologischen Kontroversen im ausgehenden 16. Jahrhundert.
Epicecion
Totenpoem Lüneburg. Lateinische Handschrift auf Papier
Los 1040
Schätzung
500€ (US$ 521)
Totenpoem auf den sinnreichen Johannes Witzendorff
Epicedion in obitum prudentissimi viri, praeclara eruditione, virtute, pietate, fide, rerumque usu vario praestantis domini Iohannis Witzendorfii, particij Luneburgensis 30 Iunij Anno 1591 morte (ad quam se indies praepararat, subita piè in Domino defuncti". Lateinische Handschrift auf Papier. 4 nn. Bl. mit 7 S. 20 Zeilen. Schrift in Kurrentkalligraphie. Schriftraum: ca. 26,5 x 15,5 cm. Format: 31,5 x 20,5 cm. Mit wenigen kalligraphischen Auszeichnungen in Versalien. Eingeheftet in Kartonumschlag. Lüneburg, 1591.
"Epicedion", ein Totenpoem auf "den überaus besonnenen, sinnreichen Mann von ausgezeichneter Gelehrsamkeit, Tugend, Frömmigkeit, Glauben und vielseitigen Talenten, den angesehenen Herrn Johannes Witzendorff aus der Lüneburger Pfarrei, der in Gott am 30. Juni 1591 verstarb". Autor ist ein Werner Gigas, der sich nennt "scriptum amoris et gratitudinis egò à Werner Gigante S." (vgl. zur Familie wohl Jöcher, Hieronymus Gigas und Johannes Gigas (1514-1581).
Das Geschlecht derer von Witzendorff (Witzendorf oder Wizendorf) ist als eines der ältesten niedersächsischen Adelsgeschlechter im Raum Lüneburg fassbar, es brachte mehrere bedeutende Persönlichkeiten hervor (vgl. Genealogisches Handbuch des Adels. C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn). Adelslexikon. Band XVI (137), 2005, S. 298-299. Stammtafeln Lüneburger Patriziergeschlechter, 1952, S. 148-150).
Beiliegt ein Auskunftsschreiben einer Frau Dr. H. Thierfelder, Leiterin des Stadtarchivs Lüneburg an den Germanisten Gerhard Eis (1908-1982): "Johann von Witzendorf wurde am 7. November 1521 als Sohn des Lünburger Patriziers, Sülfmeisters und Ratsherrn Hieronymus von Witzendorf und seiner Ehefrau Anna von Stöterogge geboren. Seit 1548 war Johann von Witzendorf Sülfmeister, seit 1557 Barmeister und seit Januar 1547 mit der Lüneburger patriziertochter Richel Schonmaker vermählt. Über Werner Gigas wurden keine Nachrichten gefunden". – Gleichmäßig etwas gebräut, minimale Randausrisse, kaum fleckig, sehr schön. Provenienz: Antiquariat Jacques Rosenthal, Eching (08/1971). Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 199.
Sancta Clara
Doppelblatt aus einer spanischen Choralhandschrift. Lateinische Handschrift auf Pergament. Spanien um 1600. Prachtvolle große Heiligendarstellung
Los 1041
Schätzung
1.500€ (US$ 1,563)
Sancta Clara. Doppelblatt aus einer spanischen Choralhandschrift. Lateinische Handschrift auf Pergament. 4 S. auf 1 Doppelbl. Format 57 x 40 cm; gesamt 57 x 80 cm. Mit großer farbiger, floral und figürlich ornamentierter Initiale "E", ganzseitiger Heiligendarstellung in prachtvollem Ornamentrahmen, großer Ziervignette und 3 weiteren farbigen Initialen sowie 3 Bandzugfederinitialen, romanische Quadratnotation auf fünflinigem roten System. Spanien um 1600.
Prachtvolle große Heiligendarstellung aus einer spanischen Monumentalhandschrift vom Ende des 16. Jahrhunderts. Dargestellt ist die heilige Klara (Sancta Clara), nimbiert und mit ihrem üblichen Attribut, der Monstranz mit der Hostie vor mächtigen Kirchenwand mit schwerem grünen brokatgesäumten Vorhang. Die Darstellung wird mit einem breiten Früchte-Blumenrahmen und einer Girlande mit Clipei oben und in den Ecken umgeben, in denen man die Worte "Lauda dominum - Lauda Deum tuum Sion" (Lobe Gott, Deinen Herren, Jerusalem). Der Mittelclipeus oben ist weitgehend abgerieben, gegenüber fängt der Text mit einer besonders großen Initiale "E" für Gloria Carthusiana. Et in terra pax hominibus bonevoluntatis. Laudamus te. Benedicimus te. Adoramus te. Glorificamus te. Gratias agimus tibi propter magnam gloriam tuam [...]".
Es ist der vielfach vertontem herrliche Beginn des lateinischen Messtextes des "Kyriale - Gloria in excelsis", des höchsten Gotteslobes, hier in Musik gesetzt und besonders schön illuminiert. Die Initiale "E" mit Rosenschmuck, Groteskenköpfen und einer weiteren figürlichen Darstellung eines betenden Karthäusermönchs mit Tonsur, Kreuz in Händen und Nimbus, was ihn als den Heiligen Bruno von Köln, den Begründer des Karthäuserordens zu erkennen gibt. – Unterer Rand mit Läsuren und Ausbrüchen, die Malereien teils etwas berieben, mit stellenweise etwas stärkerem Farbabrieb und Beschabungen, meist aber wohlerhalten und prachtvoll in der für die spanische Volkskunst typischen, ebenso gedeckten wie prunkvoll-kräftigen Farbigkeit.
Dialogus oder gesprech von dem absterben
Friderici Staphyli. Deutsche Handschrift auf Papier. Um 1600. - Abschrift
Los 1042
Schätzung
250€ (US$ 260)
Ein Dialogus oder gesprech von dem absterben Friderici Staphyli. Deutsche Handschrift auf Papier. 27 nn., 3 unbeschr. Bl. Ca. 23-24 Zeilen. Schrift: Bastarda currens. Format: 19,4 x 15,6 cm. Moderner Kleisterpapier-Umschlag. O. O. um 1600.
Etwas spätere Abschrift einer 1564 erschienenen Schrift über den doppel-konfessionellen lutherisch-protestantischen und römisch-katholischer Theologen Friedrich Staphylus (1512-1564). "Der Beitrag stellt ein Beispiel für den wirksamen Einsatz theatralischer Mittel im Kontext der reformatorischen Polemik vor. Im Jahr 1564 veröffentlichte ein unbekannter protestantischer Autor einen theatralischen Dialog über den Tod von Friedrich Staphylus, einem ehemaligen Protestanten, der konvertiert war und schließlich Superintendent der katholischen Universität Ingolstadt wurde. Der Dialog ist Teil eines längeren Streits über Staphylus und seine gegenreformatorische Lehre sowie über die Frage nach einem angemessenen 'christlichen Tod'. Er bedient sich des Musters von Lukians Dialogen der Toten, um einen 'Augenzeugenblick' in die jenseitige Welt und den Besitz der Wahrheit zu beanspruchen, dem diejenigen, die nur eine 'weltliche' Perspektive haben, nicht widersprechen können" (Cora Dietl, Two Perspectives on a 'Wrong Saint': Ein Dialogus oder Gespreche von dem absterben Friderici Staphyli, 1564, EMD 24 2020, S. 135-164). Vgl. den Druck bei VD16 P 1357. – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 203. Vorsatz mit Stempel "Prof. Dr. Gerhard Eis" und eigenhändigem Zusatz in Bleistift: "Gekauft am 15. I. 72 von Jacques Rosenthal, Eching". Auf dem letzten weißen Blatt verso weitere umfangreiche Einträge von Gerhard Eis (1908-1982).
Frumaldus, Valentinus
Deutsche und lateinische Handschrift auf Papier. Böhmen 1604
Los 1043
Schätzung
500€ (US$ 521)
"wir deutschen seindt sölche gesellenn,
was New ist da fallen wir auff"
Frumaldus, Valentinus. Deutsche und lateinische Handschrift auf Papier. 6 nn. S. auf 4 Bl. Ca. 19-21 Zeilen. Schrift: Bastarda bzw. Kurrentschrift. Schriftraum: 15,5 x 13,5 cm. Format: 19,5 x 15,5 cm. Moderner Kartonumschlag. Böhmen 1604.
Sehr interessanter Text mit lateinischer Widmung und deutscher Interpretation geistlicher Text, aber auch mit Gedichten, Notizen etc. Der sich hier nennende Valentin Frumald (Valentinus Frumaldus; 1547-1624, auch Frumwald oder Frumnvalt) stammt auch dem böhmischen Tetschen, wo er als katholischer Pfarrer, Exeget und Chronist wirkte. "Reverendo admodum clarissimo viro Dno Valentino Frumaldo parocho in Doberin ac Concionatori Catholicissimo Dno ... in Christo perhonorando transmissum donum à M. Valentino Prochio Canonico Collegiate Ecclesie D virginis Marie et Parocho ibidem Eystadij Ao M.DCIV 1. Julij". Davor verbirgt Frumald seinen Namen als Anagram im Text.
Er war Pfarrer in Dobern bei Böhmisch-Leipa und legt hier u. a. Stellen aus der Hauspostille Martin Luthers aus oder erwähnt dessen Antagonismus mit Johannes Egk: "Nota bene - wir deutschen seindt sölche gesellenn, was New ist da fallen wir auff, und langen daran wie die Narren, und wehr unss wehrett, der macht unß nur viel töller darauff, wenn aber niemandt weehrett, so werden wirs baldt selber satt und mude gaffen darnach auff ein anderes Newes, so hatt der Teuffel das vortheil, das keine leer noch traum so ungeschickt kan auffkhomen, Ehr findett schneler dartzu, und ie ungeschickter, ie Ehe. Item in der haußpostill uber das Evangelium am 1. Sontag des Advents. Fruct´s quinti Evangelij. Es kehrett sich alles umb, und wirdt die weltt unss meiner leer, ie lenger ie Erger, das ist der leydige Teuffel selbs, wie man siehett das die leuth itzundt geitzigen, unbarmhertziger, untzuchtiger frecher und Erger seindt, den zuvor under dem Babstumb".
"Anno 1519. als D: Martin Lodder mitt D: Joan: Eckio tzu Leyptzigk disputirt unnd Luther daselbst ein predig thatt, begab sich das bemelten Luther ein tzetell auff die Kantzell geschickt wardt, in welchem, under anderen dafür Ehr die leuth zmanen tzu bitten, antzeigen solt, stundt auch utzeichnett, das ein Armer Ordenn Bruder Bettel Mönch vor der Kirchen wurde stehen des Almosen begeren, fing Luther an,
Es wirdt ein Armen Bruder
vor der Kirchen stehn, begert das Almosen,
Ehr hatt ein Maul wie ein farr,
Ist beschorenn wie ein Narr,
Gebunden wie ein dieb,
was ihr ihm gebt nimpt Ehr vor lieb.
Valent: Frumaldus"
– Etwas fleckig, wohl ausgelöste Makulatur mit kleinen Fehlstellen und Löchlein, aber kaum Buchstabenverlust. Seiten 1 und 8 verklebt mit Stützpapier, eingebunden sind 8 Bl. mit eigenhändigen, umfangreichen Notizen und der gesamten, sauberen Transkription aus der Feder von Gerhard Eis.
Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 35. Mit einmontierter Fiche auf dem fliegenden Vorsatz: "Handschrift H. 35 Valentinus Frumaldus, 1604, deutsch u. lateinisch im Besitz von Dr. Gerhard Eis, Ruppersdorf 520 ist nach den Grundsätzen der [durchgestrichen: Königl.] Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin von Herrn Doz. Dr. Gerhard Eis im Juni 1938 aufgenommen worden". Nicht im Handschriftencensus zu finden.
Vgl. Gerhard Eis, Aufzeichnungen von Valentin Frumald, in Beiträge zur Heimatkunde des Elbtals, Band II (1940), S. 60-68, 118-127).
Justinianus
In libros quatuor institutionum Imperialium annotate
Los 1044
Schätzung
400€ (US$ 417)
Justinianus. "In libros quatuor institutionum Imperialium annotate. Data a D.D. florentio Juris Utriusque Doctore" Lateinische Handschrift auf Papier. 1 Bl., 330 hs. num. S., 5 Bl., 8 w. Bl. 28 Zeilen. Schrift: Bastarda. Schriftraum: 17,5 x 12,3 cm. Format: 22,3 x 17,9 cm. Pergament d. Z. (stark berieben und bestoßen, Gelenke brüchig, Rücken mit Fehlstellen). Paris 1608.
Vollständige und reich kommentierte Abschrift der Kommentare zu Kaiser Justinians "Institutiones" von einer Hand. – Mit wenigen Vakatseiten bzw. -blättern. Vorsatz mit hs. zeitgenössischen Besitzvermerken. Kleinere Randläsuren, innen schön erhalten. – Im Anhang erhalten ist ein wohl alchimistischer Traktat: "Physicae tractatus". Lateinische Handschrift auf Papier. 17 S., 1, 6, Bl., 10 w. Bl. 23 Zeilen. Paris Anfang 17. Jahrhundert. - Kleiner Traktat über die Elementenlehre, wohl im Hinblick auf deren metaphysische Anwendung: "Caput primum de Medica Elementi definitione", "De Propriijs El[emen]torum", "Quaestio unica. gnomoste elementam mixforma maneat" (?). - Sauberer Text.
Ad Laudes hymnus
2 Einzelblätter aus einer großen Antiphonale-Handschrift. Italien um 1620. Mit mehreren Initialen
Los 1045
Schätzung
300€ (US$ 313)
"Ad Laudes hymnus". 2 Einzelblätter aus einer großen liturgischen Noten- und Texthandschrift, prachtvoll illuminiert mit 3 großen Prunkinitialen. Lateinische Handschrift auf Pergament. 4 S. auf 2 Bl. 19 Zeilen. Schrift: Gotica rotunda. Schriftraum: 43 x 27,5 cm. Format: 58 x 41 cm. Mit Rubrizierung, 12 Initialen in Rot und Blau und 3 Rankeninitialen auf blauem Grund mit weiteren weißen Ranken auf roten, blauen und grünen Zwickelfüllungen. Italien um 1620.
"Laudes matutinae", die morgendlichen Lobgesänge werden mit dem "Hymnus ad Laudes" auf den Text angestimmt: "Festi laudes hodierni. Ritu ductas annuo Cives gaudio superni. Celebrant perpetuo, Regem trinum dum ter terni. Chori laudant mutuo ...". Den Anfang leitet eine prachtvoll-festliche, 3-zeilige Zierinitiale "F" ein, die mit filigranem Rankenwerk in Negativtechnik - Weiß auf mehrfarbig wechselndem Grund illuminiert sind. Es folgt eine weitere große Initiale "S" auf demselben und eine "I" auf dem anderen Blatt. – Ränder teils etwas gebräunt, wenige Löchlein, Risse und Gebrauchsspuren, die frischen Farben sehr schön erhalten.
Crucufix-Gebett
Andachtsgedicht an ein Kruzifix. Deutsche Handschrift auf Papier. Südostdeutschland, Böhmen Anfang oder Mitte 17. Jahrhundert
Los 1046
Schätzung
500€ (US$ 521)
Das Familiengebetbuch des Gerhard Eis mit einem mystizistischen Barockgedicht als Lesezeichen
Crucufix-Gebett. Andachtsgedicht an ein Kruzifix. Deutsche Handschrift auf Papier. 1 S. auf 1 Bl. 14 Zeilen. Schrift: Frühbarocke Kurrentschrift. Schriftraum: 6,8 x 5,8 cm. Format: ca. 9,5 x 6,3 mm. Südostdeutschland, Böhmen Anfang oder Mitte 17. Jahrhundert.
Ein Barockgedicht in zeitgenössischer Handschrift mit Sepiatinte auf Papier - eingelegt als Lesezeichen in ein handschriftliches Gebetbuch aus der Familie des bedeutenden Germanisten Gerhard Eis (1908-1982), der diesen Schatz wissenschaftlich hob und ihm einen Aufsatz widmete.
"Ein schöns gebett vor einem Crucufix zu sprechen.
O Du urspringlicher brunn aller weißhaidt
wie bistu so gar versigen!"
O du weißheidt vnnd Lehrer der menschen,
wie bistu so gar erschwigen!
O du sonnen glantz des ewigen liechts,
wie bistu so gar erloschen!
O du mundt der warheidt,
wie bistu so gar vngesprochen!
O du wunigklicher gott,
wie sichest du so gar jämmerlich!
O du hächste Reichtung
Eingelegt wurde das Blatt in ein handschriftliches Taschengebetbuch aus Nordwestböhmen, der Riesengebirgsgegend. Familiengebetbuch. "Gott ist die reinste Liebe." Deutsche Handschrift auf Papier. 2 Bl., 191 num. S., 2 Bl. (Register). Ca. 20-22 Zeilen. Schrift: Stahlfeder Kurrent. Schriftraum: ca. 12 x 7 cm. Format: ca.17 x 11 cm. Mit ganzseitigem Titel in Kalligraphie und 3 lithographischen Tafeln. Braunes Leder d. Z. (etwas beschabt und leicht bestoßen) mit Romantikervergoldung und dreiteiliger Schließe aus Silberblech, dreiseitiger Goldschnitt. Böhmen 1855. - Der prachtvoll kalligraphierte Titel lautet: "Gott ist die reinste Liebe. Meine Betrachtung und mein Gebet, gewidmet der Franziska Ritschel in Bila 1855". - Enthalten sind zahlreiche Gebete, Gesänge, Anleitungen zur familiären Andacht, Exegese von Bibelstellen und vieles mehr. Am Ende ein ausführliches Register. – Barockgedicht sehr sauber, Gebetbuch dito, kaum Gebrauchsspuren, nur wenige Fleckchen. Siehe Gerhard Eis, Lesezeichen in der Barockzeit, in: Gerhard Eis, Altgermanistische Beiträge zur geistlichen Gebrauchsliteratur. Aufsätze - Fragmentfunde - Miszellen, Bern/Frankfurt a.M. 1974, S. 142-144 [zuerst erschienen in: Stifter-Jahrbuch 8 (1964), S. 170-172] (mit Abdruck). - Rolf Bergmann, Katalog der deutschsprachigen geistlichen Spiele und Marienklagen des Mittelalters (Veröffentlichungen der Kommission für Deutsche Literatur des Mittelalters der Bayerischen Akademie der Wissenschaften), München 1986, S. 481.
Vorderer Innendeckel mit eigenhändigem Vermerk: "Hs. 18 Gerhard Eis. Aus dem Besitz meiner Mutter. Geschrieben für deren Großtante einer geborenen Ritschel, Rochlitz in Böhmisch-Remnitz", das ist das heutige Rokytnice nad Jizerou im Riesengebirge an der Jizera (Iser).
Visiones von Altenstadt
Visiones was sich mit dem Schulmaister zu Altenstatt. Deutsche Handschrift auf Papier. Altenstadt, Oberpfalz, 1620-1631
Los 1047
Schätzung
1.200€ (US$ 1,250)
Das Gloria der Himmelschöre in der Vision
des Schulmeisters zu Altenstadt
Altenstadt an der Waldnaab. - "Visiones was sich mit dem Schulmaister zu Altenstatt ein dorff bey Rosenstrauß in der Sultzbachischen Pfältz zugetragen". Deutsche Handschrift auf Papier. 38 nn. Bl. 20-22 Zeilen. Schrift: Deutsche Kurrent. Format: 19 x 15,6 cm. Mit gelegentlichen kalligraphischen Auszeichnungen. Pappband um 1900 mit Marmorpapierbezug (kaum berieben). Altenstadt, Oberpfalz, 1620-1631.
Die göttlich-mystischen Visionen des Schulmeisters von Altenstadt, einem im Barock der böhmischen Krone gehörigen, reichsunmittelbaren Städtchen, dem in zahlreichen Visionen Engel begegnet sind und der göttliche Chöre singen hörte. Die Handschrift teilt sich in 28 römisch nummerierte Kapitel I-XXVIII, beginnend mit einem "Schreiben an Hertzog Augustum Pfalzgrafen zu Sultzbach, zue Prag am Kays. Hoff damals sich findend", über einen Zeitraum "von Octobre Anno 1627 biß uf Xbris Anno 1628" und dann durch einen späterer hs. Zusatz ergänzt "In 1629, 1630 vnd 1631". Gezeichnet ist das Eingangsschreiben von "Michael Bohemb P.es Superintendens. Mattheus Dollfuß gericht schreiber daselbst", dann folgen die sauber dokumentierten Visionen "I Visio", "II Visio", "III Visio" etc., jeweils mit Angabe des exakten Datums, wann sich die Erscheinungen zugetragen haben "Den 8. Januarij [1620] Als ich zur morgens frue das gebett geläutet, hat es wieder bey dem Altar angefangen singen, Allein Gott in der Höh sei Ehr, so hertzlich schön daß es keines Menschen möglich ist zu singen, und wie ich zum Glockenthurm aufgehe [...]".
Der Bericht der Visionen endet mit einem kleinen Schlussvermerk einer anderen Hand auf Seite 28verso "Diese obstehendt visiones sind diesen Inhalt gleich zu Nürnberg", dann folgen noch weitere acht lose Blätter mit weiteren Texten verschiedener Hände, sowie zwei weiße Blätter (möglicherweise fragmentarisch).
Einige kalligraphische Überschriften lauten "Folgen weitere Gesicht unnd erscheinungen von welcher der Schulmaister die Ersten zwo verschwigen und was ihm darauf begegnet", "Nachfolgende Erscheinung ist ihme Pscherer Schuelmaister zue Altenstetten den 5 Martij begegnet, und nicht befehlen zu offenbahren bis auf den 16. May des 1628. Jahres", "Des gemelten Lorentzen Pscherers ferner geschicht am Himmel so ihme begegnet alß er sich hinweg von Rosenstrauß auf den Niernberger grund und boden begeben", "Geschicht und offenbahrung so mir Evangelischen vertribenen gewesenen Schuelmaister zu Altenstadt Lorentzen pscherer abermals begegnet Anno 1620 wie hernach folgt" etc.
Eine Version des Textes ist 1629 im Druck nachweisbar (19VD17 23:250916D), ganz offensichtlich handelt sich es jedoch in der hier vorliegenden Handschrift nicht um eine Abschrift des Gedruckten, sondern vielmehr um eine weitere, bis dato wohl unbekannte (und selbst von Gerhard Eis nicht veröffentlichte!) weitere Version, die textlich vom Druck stark abweicht und auch durch weitere Zeiträume über zwei Jahre bis 1631 fortgeführt wurde. Der Titel des Drucks lautet "Genus sive Visionis Altenstadianae: Warhaffter volkommener Bericht, Was An(n)o 1627. und 28. zur Altenstadt, bey Wahnstrans in der Jungen Pfaltz, Hertzogen Augusto, Pfaltzgraffen bey Rhein zu Saltzbach angehörig, sich mit einem Evangelischen Schulmeister ... Namens Lorentz Pscherer, begeben und zugetragen; Wie ihm in seinem Beruff beim Gebethlauten ... Knäblein oder Engelein erschienen, Was sie mit ihm geredet, und ... zu offenbahren befohlen". – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 204 mit dessen Stempel und Signatur auf dem vorderen Innendeckel sowie Vermerk hinten auf dem fliegenden Vorsatz: "Gekauft bei Jacques Rosenthal (= Hans Koch) in Eching, 7. I. 1972. GEis"
Analysis Mephtica
Das ist unbedenckliche erleütterung etlicher Sybillischen Vers. Deutsche Handschrift auf Papier.
Los 1048
Schätzung
1.500€ (US$ 1,563)
Unbekanntes, ungedrucktes, vollständiges Vaticinium
nach den Sibyllinischen Büchern und der
Johannes-Apokalypse
"Analysis Mephtica. Das ist unbedenckliche erleütterung etlicher Sybillischen Vers, aus den Propheten und offenbahrung Johannis außgezogen von einem damaln 84 jährigen Mann. Dat. 20. Junij Anno 622". Deutsche Handschrift auf Papier. 12 nn. Bl. mit 23 beschriebenen Seiten. 21 Zeilen. Schrift: deutsche Kurrent. Schriftraum: 17,5 x 12 cm. Format: 19,3 x 14,8 cm. Mit kalligraphischer Titeleil. Moderner, grün-wurzelmarmorierter Pappband. Sachsen (womögliche Meißen) 1622.
Bis dato wohl unbekannter Text mit einer Interpretation prophetischer Verse der "Sybellinischen Bücher", mit Exegese aus der Apokalypse des Johannes: "Versus antiqui in Cranio quodam reperti Propheticum quod Spiranter" (?), vielleicht zu übersetzen mit "Alte Verse" oder "Antike Weissprüche wurden im Cranium, im Schädel, auf eine bestimmte prophetische und spirituelle Weise formuliert". Es folgen acht lateinische Weissagungen jeweils in einem Satz, durchnummeriert von A bis H wie "A. Quis fuerit primus dicas Hispania nobis?", "B. Uno patre natus Primus & alter erat.", "Tertius huius erat prognatus sangine quartus", "D. Ex Rosei ferti flore beatus erat" etc.
Es folgt die "Erklärung der Titel", "Vom wörtlein primus in ersten Vers", "Die erste Tanslation", "Die ander Translation", und dann schließen sich die exegetischen Ausführungen an, ebenfalls von A bis H durchnummeriert. Der Titel "Analysis Mephtica" ist wohl im Sinne von "mephtisch" (gr. übelriechend, verpestet, aber auch von spirituellem vapor) zu lesen als "prophetische Interpretation", als Vaticinium spirituale. Die sorgsame Lesung, Transskription und Edition stehen hier jedoch noch aus. – Sehr saubere regelmäßige Schrift. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 207. Mit gestempeltem Vorsatz und eigenhändigem Vermerk verso hinterer fliegender Nachsatz: "Gekauft bei Jacques Rosenthal (Hans Koch) in Eching, 7. I. 1972 GEis".
Wittenberger Schreiben
"Extract schreibens auß Wittemberg von meinem pofessore". Deutsche Handschrift auf Papier.
Los 1049
Schätzung
500€ (US$ 521)
Wittenberger Schreiben. "Extract schreibens auß Wittemberg von meinem pofessore". Deutsche Handschrift auf Papier. 2 Bl. Bis 36 Zeilen. Schrift: deutsche Kurrent. Format: 31 x 20 cm. Pappband mit Marmorpapierbezug (Rücken defekt). Wittenberg 1630.
Frühe Universitätsmitschrift eines Wittenberger Studenten über den Aufenthalt des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen sin Wittenberg nach der Hochzeit seiner Tochter Maria Elisabeth mit Friedrich II., Herzog von Schleswig-Holstein. Weitere Schreiben des Kurfürsten an den Kaiser: "... item er komme nicht nach Regenspurg zur könglichen Wahl bisz zuvor Fried gamecht wurde ...". – Provenienz: Jacques Rosenthal (Hans Koch), Eching, 11/1978 (Liste 159). Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 87.
Missale italico
2 Einzelblätter aus einer liturgischen Choralhandschrift in lateinischer Sprache. Oberitalien um 1640. Zwei dekorative Blätter mit Zierbuchstaben
Los 1050
Schätzung
300€ (US$ 313)
Missale italico. 2 Einzelblätter aus einer liturgischen Choralhandschrift in lateinischer Sprache auf Pergament. Format 73 x 48,5 und 74 x 50 cm. In gelbem, rotkonturiertem Rahmen mit 17 (2 3-zeiligen) Schmuckinitialen in Blattgold und Farben. Oberitalien um 1640.
"Confitemini Domino, quoniam bonus: quoniam in saeculum misericordia eius" (Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig). Zwei dekorative Blätter aus derselben Handschrift mit prächtigem Initialschmuck, die Rundlichen Zierbuchstaben "D" mit Blattgoldpunkten und eine mit einer Binnenzeichnung eines fruchttragenden Baumes. – Ein Blatt mit größerem Einriss an der unteren Ecke (teils gelöst), teils mit alten Randnähungen und Hinterlegungen, gelegentlich abgerieben, knittrig, insgesamt sehr schön.
Meißen
Lehn- und Jagdrecht. Sonnderliche Constitutiones, deren sich unsere verordnete zu Meissen
Los 1051
Schätzung
1.200€ (US$ 1,250)
Meißner Lehens- und Jagdrecht
Seltene "Conditio inedita"
Meißen. - "Sonnderliche Constitutiones, deren sich unsere verordnete zu Meissen verglichen und den Schöppennstülenn darnach zu sprechenn, durch uns ufferlegt wordenn: Welche aber gleichwol sonnsten aus bedenncklichen ursachen inn die andere gemeine Abtrücke nicht gesetzt noch Innverleibt sein." Deutsche Handschrift auf Pergament. 20 nn. Bl. mit 39 S. Text. 19-21 Zeilen. Schrift: Deutsche Kurrent. Schriftraum: 15 x 11,6 cm. Format: 19,4 x 14 cm. Mit kalligraphischen Auszeichnungen in Bastarda-Fraktur mit einigen Federschwüngen. Fadengeheftet in modernem Pappumschlag. Meißen, Anfang 17. Jahrhundert.
Unveröffentliche Handschrift zum sächsischen Lehn- und Jagdrecht zu Meißen mit Gesetzen ("Constitutiones") wie: "Constitutio Ob Töchter aus Meisen erkaufftenn Lehenngütern legitimam zuforders haben", "Wann ein Lehenngut verkaufft, und bei des Käuffers Leben nicht tradirt noch uffgelassen, ob dann die Sönn nach Sächsischem Konsens solchs uffzulassen schuldig", "Ob der Sohn die Newen Lehen so sein Vatter Erlangt wider verendert, befuegt seye [...]", "Straffe derer so mit Verstorbenen Diebs Personen zu thun haben", "Von dem Diebstall", "Straffe der Wildpret beschediger", "Straffe der Fischdieb" etc.
Siehe: Carl Friedrich Curtius, Handbuch des im Königreiche Sachsen geltenden Civilrechts, 1835, S. 27. So schreibt Curtius (§ 22): "Außer diesen im Jahre 1572 gedruckten Constitutionen waren noch drei und vierzig andere vorhanden, welche damals ungedruckt blieben, und daher die unedirten (ineditae) Constitutionen genennt werden. Neune davon wurden zwar gleich anfangs den Dikasterien zugeschickt, und erhielten gesetzliches Ansehn; aber erst späterhin wurden sie unter dem Namen der sonderlichen Constitutionen durch den Druck bekannt gemacht [...] In den alten Handschriften sind sie folgendermaßen überschrieben: Sonderliche Constitutiones, deren sich unsere Verordnete zu Meißen verglichen, und den Schöppenstühlen, darnach zu sprechen, durch uns auferlegt worden, welche aber gleichwohl sonst aus bedenklichen Ursachen in die gemeine Abdrucke nicht gesetzt noch einvferleibet seyn [...]" – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 129.
Mit einmontierter Fiche auf dem Innenspiegel "Handschrift 45 Meister Albrants Roßarzneitbuch im Besitz Doz. Dr. Gerhard Eis, Ruppersdorf 520 bei Reichenberg ist nach den Grundsätzen der Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin (Deutsche Kommission, Handschriftenarchiv) von Herrn Doz. Dr. Gerhard Eis im August 1940 aufgenommen worden".
Plutarch. "Plutarchi Cheronei ethica, sive moralia opera". Lateinische Handschrift auf Papier. 273 S. (num. 1-260), 4 w. Bl. 31 Zeilen. Schriftraum: 22 x 16 cm. 25,6 x 18,6 cm. Pappband im Stil d. Z. (gering bestoßen) mit Kleisterpapierstreifen. Italien, 17. Jahrhundert.
Seltene neuzeitliche Abschrift der Plutarch zugeschriebenen "Ethica" bzw. "Moralia", einer Sammlung von 78 Orationen, Aufsätzen und Traktaten, die wohl im ersten nachchristlichen Jahrhundert entstand und die vor allem durch ihre weite Rezeption bis hin in die Moderne bedeutend wurde. So fußten auch zahlreiche Schriften der Humanisten in der Renaissance bis hin zu den Philosophen der Aufklärung auf der "Ethica". – Teils etwas fleckig und mit Wasserrändern und Wischspuren durch Feuchtigkeit, der Text in Sepiatinte jedoch meist leserlich, kaum gebräunt, nur wenige Papierläsuren. Unter Verwendung der alten Vorsätze neu aufgebunden mit hs. Fiche montiert auf dem vorderen Innendeckel: "Magguero l'infrascritti figlio di Cinchio Bastoffi, e Sr Portia Ricci, Stefano ad. 9 Marzo 1651. Gio. Francesco ad. 12 Maggio 1652. Gio. Francesco ad. 2 Decembre 1654 ..." Plutarch-Manuskripte sind sehr selten auf dem Markt.
Conrad, Balthasar
Traktat von der Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheit der katholischen Lehre. Deutsche Handschrift auf Papier
Los 1053
Schätzung
400€ (US$ 417)
"Die wahre Lehre wird dort sein,
wo sie von Wundern begleitet wird" -
Eigenhändige Verteidigung des katholischen Glaubens von dem Breslauer Jesuitenrektor
Conrad, Balthasar. Traktat von der Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheit der katholischen Lehre. Deutsche Handschrift auf Papier. 2 geheftete Doppelblätter mit zus. 4 Bl. mit 8 nn. S. 28 Zeilen. Schrift: deutsche Kurrentschrift. Format: 24 x 16,5 cm. Mit einigen kalligraphischen Schwüngen. In modernem Kartonumschlag. Breslau, 1652-1655.
Eines umfangreiche Disputation und Abhandlung über die Glaubwürdigkeit und Integrität der katholischen Lehre des Rektors des Breslauer Jesuitenkollegs, unterschrieben "Ihrer Gnaden Dienstwilliger in Christo Balthasar Conradus S. I. Coll. Vratisl. Rector" (1609-1660).
Der Text wurde einer ausführlichen wissenschaftlichen Untersuchung von Rainer Rudolf unterzogen, der feststellte: "Offenbar handelt es sich bei unserem Text um eine Reinschrift durch den Verfasser selbst ... Durch scharfes Beschneiden am rechten Rand wurden manche Wörter verstümmelt, doch fehlen jeweils nur wenige Buchstaben, so daß sich die Wörter leicht ergänzen lassen ..." (Balthasar Conrads Traktat von der Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheit der katholischen Lehre, Sonderdruck aus dem Archivum Historicum Societatis Iesu, Extractum e vol. XLI, Roma 1972).
"Die Schrift von Pater Baltasar Conrad S. I. (1609-1660) findet sich im Privatarchiv von Professor Eis. Die kritische Ausgabe wurde von R. Rudolf S. D. S. erstellt. In der Einleitung bietet der Herausgeber sorgfältig neue Daten und korrigiert einige Biografien von Pater Conrad, in denen er die Abhandlung anderer Autoren beisteuert. Der Text ist verfasst als eine Antwort, die Pater einer Edeldame gab, deren Namen wir nicht kennen und die sich in ihren Gewissenskonflikten an ihn gewandt hatte. Pater Conrad stützt seine Argumentation auf die Wunderlehre und beginnt mit den Worten Christus: 'Wenn nicht ich die Werke (Wunder) unter ihnen getan hätte ...' (Joh 15, 24). Das Argument lautet: Die wahre Lehre wird dort sein, wo sie von Wundern begleitet wird, die denen Christi und der Apostel ähneln; solche Wunder geschehen nur in der katholischen Kirche ..." (nach dem spanischen und lateinischen "Resumen - Summarium"). – Papier teils etwas stärker gebräunt, rechts beschnitten, leicht über den Rand (o.g. geringer Buchstabenverlust). Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 197, erworben am 2. August 1971 bei Antiquariat Jacques Rosenthal (Hans Koch), Eching bei München. – Beiliegt: Rainer Rudolf, Balthasar Conrads Traktat von der Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheit der katholischen Lehre, Sonderdruck, zit. oben.
Testament
der Anna Polixena von Krasseg. Schloss Krasseg (Steiermark) 1659
Los 1054
Schätzung
300€ (US$ 313)
Testament der Anna Polixena von Krasseg. Deutsche Handschrift auf Papier. 6 nn. Bl. mit 9 S. Text. Schrift: Kanzleibastarda. Schriftraum: bis 21,8 x 15 cm. Format: 31,5 x 19,5 cm. Mit kalligraphischen Schnörkeln. Moderner Kartonumschlag. Schloss Krasseg (Steiermark) 1659.
Reinschrift des Testaments der reichen Witwe Anna Polixena von Krasseg, Herrin von Schätzenberg, in der Regeste mit "Testament Abschrifft" betitelt und notariell gezeichnet "Kollationiert Landt Canzler zu Krain (?), den 29. Januarij Anno 1659 LS Conradt Hagg", demnach zahlreiche bewegliche und immobile Güter sowie beträchtliche Gelder in der Erbmasse zur Disposition stehen. – Sehr sauber und wohlerhalten. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 54, erworben von Helko Eis bei Hans Koch, Antiquariat Jacques Rosenthal in Echning, Dezember 1967.
Hostauer Judeneid
Deutsche Handschrift auf Papier. 7 S. auf 4 Bl. 14-18 Zeilen
Los 1055
Schätzung
2.500€ (US$ 2,604)
"So ein Jud einen Ayd schwören wil"
Hostauer Judeneid - Taufzettel. Deutsche Handschrift auf Papier. 7 S. auf 4 Bl. 14-18 Zeilen. Schrift: Deutsche Kurrentschrift. Format: 10,8 x 7 cm. Moderner Pergamentumschlag (unter Verwendung älteren Materials). Hostau in Böhnen 1659-1662.
Sehr kleine, aber sehr gehaltvolle, umfangreiche und engbeschriebene Handschrift, die wohl einem Geistlichen, einem Gerichtsschöffen o. ä. als Vademecum diente. Auf Fol 1v nennt er sich als Wenzeslaus Adelbert Miller aus dem westböhmischen Hostau, dem heutigen tschechischen Hostoun auf halber Strecke zwischen Pilsen und Amberg. Zunächst ein:
"Verzeichnus der Hochlöbl. Bistumümer der Röm. Reichs. Annotiert von mir Wencelslao Adalberts Miller der Zeit wohhafft in der Stadt Hostau: im Königreich Böheimb: am fest s. gregorijy Anno 59". Es folgt Fol 1v ein Register mit Nennung einiger Bistümer des Heiligen Römischen Reichs wie "Straßburg", "Maytz", "Treyer" (Trier), "Cöln".
Hauptteil der kleinen, aller Wahrscheinlichkeit in sich vollständigen Handschrift ist ein ausrührliches Iuramentum Iudaeorum, ein seltener deutscher Judeneid, der ganze vier engbeschriebene Seiten umfasst (Fol 2r-3v). Der Judeneid, auch "More Iudaico", war eine von Stadtherren, Richtern und Kirchenobersten den Juden obligatorisch auferlegter Schwur auf die Gebote Moses und besiegelt mit dem höchsten Gebet "Höre Israel", mit dem sich Juden einer Anklage oder einer Beschuldigung gegenüber zur Wehr setzen konnten. Für Betroffene hatte der Judeneid, der Zwange, sich vor seinem eigenen Gott und dem Propheten Moses zu verantworten eine klar diskriminierende Konnotation und steht somit meist in Verbindung zu Herabwürdigung, Einschüchterung, Verfolgung, Hetze und Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung
"Eines Juden Aydt. So ein Jud einen Ayd schwören wil, so sol er bey ihm haben Herrn Moyses buch, darin die Zehen gebot geschrieben stehen, und sol sie rechter Hand bis auf oder an die Knorren auf die Zehen gebot Legen. Und sol ihm der eyd schriefftlich vorgelegt werden, den sol er selbst lesen mit lauter stim: das hab ich nit gethan, und bin des gantz unschuldig, also helf mir gott, der himmel und erden erschaffen hat: und also helf mir die Ee, die gott gebott, die die gab Hern Moysi auf den berg Sinai in Zweiyen Stainen tafeln, mir und aller Juden zu trost:
Es folgt das wichtigste Gebet des Judentums "Schma Jisrael" ("Höre Israel"): "Schem Adanai elohecha laschane ... escher issa et schmo Laschane", gewissermaßen als höchste jüdische Schwurformel.
Der zweite Text (Fol 6, 7r), datiert 1662 in schwarzer Tinte hinzugefügt worden, offenbar war das kleine Heft bis dahin in Gebrauch. Es enthält einen "Taufzettel", datiert "den iij. May 1662" mit einem Taufmahngedicht, ebenfalls in deutscher Sprache, gereimt in 8 Versen zu 16 Zeilen: "Jetz und hir angezaiget ist / daz schöne kindlein Jesu Christ / Bevreyt bist du nun von Sünd / und von den gottes Liebes Kind / So wachs nun auf mit gutem vleis, Sey deinen eltern ehr und preis / ein erb der frohen Seligkeit / Welche hier allzeit ist bereit ..." (ungefähre Lesart mit Fehlern).
Der schon im frühen Mittelalter nachweisbare Judeneid wurde nahezu überall in Europa angewendet und erst im 19. Jahrhundert abgeschafft bzw. verboten (in den preußischen Erbländern am 15. März 1869). – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 94. Vorderer Innendeckel mit Signatur "Hs. 94" und Stempel "Prof. Dr. Gerhard Eis". Fliegender Vorsatz am Schluss mit eigenhändigen Einträgen der bibliographischen Angaben: "Veröffentlicht: G. Eis. Judeneid aus Hostau in Böhmen, Journal of English and Germanic Philology LII, 1953, S. 86-89", "G. Eis, Mitteilungen aus altdeutschen Handschriften aus dem Sudentenländern, Stifter-Jahrbuch VIII (1964), S. 174-178" und weiteres.
Arnauld, Antoine
Nouveaux Elemens de Geometrie. Frankreich 1667. - Sehr saubere und klare Abschrift der wohl ersten Ausgabe.
Los 1056
Schätzung
1.200€ (US$ 1,250)
Mit vier Federzeichnungen der "magischen Quadrate"
Arnauld, Antoine. "Nouveaux Eléments de Géométrie". Französische Handschrift auf Papier. 12 nn., 490 hs. num. S., 5 nn. Bl. 27 Zeilen. Schrift: Französische Kurrent. Schriftraum: 21 x 14,5 cm. Format: 23,5 x 16,5 cm. Mit Diagrammen in Federzeichnung und 4 Tafeln mit tabellarischen Federzeichnungen. Braunes Kalbsleder d. Z. (beschabt, bestoßen, mit Fehlstellen und Erinrissen an den Kapitalen, Gelenke leicht brüchig) mit goldgeprägtem RSchild und RVergoldung. Frankreich 1667.
Sehr saubere und klare Abschrift des mathematischen Werkes "Nouveaux Eléments de Géométrie" von dem französischen katholischen Theologen, Philosophen und Mathematiker Antoine Arnauld (1612-1694). Wohl von der ersten Ausgabe aus dem Jahre 1667 abgeschrieben, ohne die Angaben des Ortes oder des Druckers. Die letzten 20 Seiten von 471 bis zum Ende enthalten den interessanten Abschnitt: "Solution d'un des plus celebres des plus difficiles problèmes d'arithmétique appellé communement les quarrez magiques". Am Schluss wurde auf den letzten vier Blättern fein säuberlich die "magischen Quadrate" gezeichnet.
"The 'Elemens' undertakes a reworking and reordering of the Euclidean theorems in the light of the contemporary literature and Pascal's influence. As mathematics it is characterized by the mastery of the contemporary literature and by its clear and fresh exposition" (DSB I, 292). – Innengelenke offen und leicht stockfleckig, sonst wohlerhaltenes Exemplar.
Privilegienbestätigung
Lateinische Handschrift auf Pergament. Macerata 1674. - Aus der Bibliothek von Leo Olschki, Florenz
Los 1057
Schätzung
500€ (US$ 521)
Privilegienbestätigung. Lateinische Handschrift auf Pergament. 4 Bl. mit 7 S. 24 Zeilen. Schriftraum 17,5 x 11 cm. Format 23,5 x 16,7 cm. Mit großer Wappenmalerei, Schrift in schwarzer kursiver Kalligraphie und einigen Versalien in Pinselgold. Lose in braune Kalbslederdecke d. Z. (minimal beschabt, bestoßen, ohne Bindebänder) mit blindgeprägter Deckelbordüre und großer Deckelgoldprägung mit floralen und geometrischen Goldbordüren sowie großem Wappensupralibros auf beiden Deckeln. Macerata 1674.
Urkunde mit Privilegienbestätigung eines adeligen Juristen D. Benedictus Maggiolus aus Ancona, zur Zeit des Potifikats Papst Klemens X. (1590-1676), ausgefertigt wohl in der Stadt Macerata in den Marken: "Studiorum Alumna Macerata, quae Origine ab Helvia Ricina Romanorum Colonia vetustare nobilissima, setus amoenitate, Territorij faecunditate, aeris, salubritate, ac verum omnium copia et ubertate celebris Proenae Legationis ... "Cum Itaque Per Illustus ac Nobilis Iuvenis D. Benedictus Maggiolus De Terra Montis S. Viti Anconae ... per nonullos annos in Maceratenorum Gymn. opera navaverit ...". Mit dem großen tektierten Lacksiegel (Reiterbild mit umlaufender Schrift).
Erwähnenswert ist der prachtvolle Einband mit Innenspiegeln aus Goldbrokatpapier (leicht oxidiert, berieben) und einer Fiche: "Ex Libris Leonis S. Olschki". – Teils leicht abgegriffen, etwas fleckig, unten kleine Abschürfungen im Pergament, nur leicht gebräunt.
Missale
6 Blätter mit 4 Miniaturen in Gold- und Farben aus dem griechisch-orthodoxen Kunstraum auf italienischem Pergament
Los 1058
Schätzung
500€ (US$ 521)
Römisch-Katholisch-Orthodox -
eine Einzige Heilige Kirche
Missale mit 4 Miniaturen in Gold- und Farben des 19. und Anfang 20. Jahrhunderts. 6 Blätter (davon 2 Doppelblatt) aus verschiedenen großen Messbüchern in lateinischer Handschrift auf Pergament. 12 S. auf 6 Bl. Format ca. 54 x 38 cm. Mit 4 großen Initialen Gold und Farben, davon 2 mit Heiligenminiaturen sowie 2 (2 blattgroßen) farbige Miniaturen. Italien und Osteuropa (Miniaturen) 17.-20. Jahrhundert.
Kurioses Ensemble von Antiphonar- bzw. Missaleblättern auf Pergament, in die spätere Miniaturisten wohl aus dem griechisch-orthodoxen Kunstraum Miniaturen und Heiligendarstellungen eingemalt haben.
Das Blatt mit der prachtvollen großen Miniatur zeigt eine vielfigürliche synoptische Darstellung der Geburt Christi in der (von der orthodoxen Kirche meist präferierten Darstellung der) Geburtshöhle unten mit Darstellung des Joseph, eines Hirten, Maria mit dem Jesusknaben und einer Magd, darüber die Anbetung der Heiligen Drei Könige zu Epiphanias etc.
Die zweite große Miniatur (etwa halbseitig) zeigt die Drei Engel zu Mamre nach der Ikonographie der ebenfalls im östlichen orthodoxen Kulturraum üblichen Darstellung der Dreifaltigkeitsikone (z. B. Troiza) - nach der Szene von Abrahams Gastmahl mit den drei Engeln im Hain zu Mamre. Beides mit großzügiger Blattgoldhöhung. Darunter eine große Initiale "B". Ferner eine Initiale mit dem Heiligen Joseph "in festo Patrocinium S. Josephi", eine weitere Initiale "O" und ein weiterer Heiliger in einer blauen Initiale "S". – Teils mit kleinen Eckausrissen, Bräunungen und Gebrauchsspuren, so dekorativ wie kurios.
Relation Meiner gethanen Reißen
Reisebeschreibung im Barock durch Frankreich. Deutsche Handschrift auf Papier. Deutschland um 1700. Zwei Fragmente derselben Handschrift
Los 1059
Schätzung
250€ (US$ 260)
Paris, Marseille und Lyon mit der "wolangeordneten kostliche Bibliotheck, der Herren Jesuiten"
"Relation Meiner gethanen Reißen". Zwei Fragmente einer Reisebeschreibung im Barock durch Frankreich. Deutsche Handschrift auf Papier. 22 Bl. mit 44 Seiten. 21 Zeilen. Schrift: Deutsche Kurrent. Schriftraum: 13 x 6,5 cm. Format: 17 x 10,8 cm. Mit Reglierung in Braunroter Tinte, oben Kolumnentitelzeile und hs. Seitenzahl. Moderner Umschlag. Deutschland um 1700.
Zwei Fragmente derselben Handschrift, vereint von dem Germanisten Gerhard Eis (1908-1982) mit interessanten Schilderungen der Stadt Lyon, "Die allerberühmteste Handelstadtt in gantz Frankreych, zur Kaufmannschafft überauß wolsituiert in deme sie auf dem zweyen Schiffreychen Flüßen, der Rohnne, die neben der Statt hinab und der Saone, die durch die Statt und zu underst derselben in gedachte Rohnne fließt, die Wahren mit bester Coomoditet da an und von dar auß führen kann ...", es folgen Beschreibungen vom "Ertzbischofflichen Pallast", die "Lustige Charthaus", "die wolangeordnete kostliche Bibliotheck, der Herren Jesuiten", die "Kirch zu St. Nisier" etc. Es folgt ein Kapitel "Reys von Lyon aus in Provence und Languedoc", mit der "Fürstlichen Statt Orange", der "Graafschaft und Statt Avignon", "Aix die Hauptstatt der Provence", der "Lustig und fruchtbare Teil der Provinz" sowie eine ausführlichere Beschreibung von der "Statt Marseillen".
Der Reisende wohnt einer "Adienz des Herrn von Portlands" bei, einem Prunkfest mit Kutschen und Pomp, weiter geht es nach "St. Germain en Laye" mit außergewöhnlich detaillierter Schilderung des Hofes, des Schlosses, der Säle und Feste, ähnlich umfangreich dann Versailles. Nicht weniger als 12 eng beschriebene Seiten sind der Schilderung von Paris vorbehalten, bevor der Bericht dann nach dem Anfang des Kapitels "Reiß von Paris nach London in Engelland" abbricht.
Paginiert S. 33-48 und 97-124.
– Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 124, innerer Vorderdeckel mit eigenhändigem Eintrag desselbigen: "Hs. 124. Beschreibung einer Reise nach Südfrankreich. Ca. 1700. Fragm. 8 Bll. - Gekauft am 12.XI. 1970 von Jacques Rosenthal in Echning [und] S. 97-124 hinzuerworben in Eching am 7.I.1972". Sowie Stempel das Sammlers.
Ritterlichkeit. "Sentenze et eruditioni cavalleresche ordinali riportate per alfabeto". Italienische Handschrift auf Papier. 42 nn. Bl. Schrift: Italienische Kurrentschrift. Format: 27,4 x 19,6 cm. Fadenbindung, ohne Einband. Italien um 1700.
Abhandlung mit einer Sammlung alphabetisierter Sprüche und Sätze verschiedener Autoren über die Ethik des Rittertums und die Figur des perfekten Ritters. – Einige Vakatblätter. Gebräunt, (wasser)fleckig, stärkere Randläsuren, Bindung gebrochen.
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