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Martyrologium hieronymianum
Fragment eines Blattes einer lateinischen Handschrift auf Pergament
Los 1001

Schätzung
3.000€ (US$ 3,125)

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Fragment der Karolingerzeit: "stimmt mit den ältesten
und besten Texten überein"

Martyrologium Hieronymianum. Fragment eines Blattes einer lateinischen Handschrift auf Pergament. 4 Zeilen. Schrift: karolingisches Minuskel. Format: 4 x 11 cm. Umschlag. Vielleicht Westdeutschland, 8. bis 9. Jahrhundert.
Kleiner Fragmentstreifen einer Handschrift aus der Karolingerzeit, wie der Mediävist Alban Dold (1882-1960) feststellte in seiner Publikation über das Fragment: Ein kleines, aber beachtliches Fragment aus dem Martyrologium Hieronymianum, in: Analecta Bollandiana Bd. LXXII (1954), S. 35-38. 34. "Das Fragment", lautet die Summa (K.R.), "im Besitz von Prof. Eis (Freising) stammt aus dem 8./9. Jahrh., enthält ein Bruchstück des Mart. Hier vom 14. und 15. Febr. und stimmt mit den ältesten und besten Texten überein." Gerhard Eis (1908-1982) vermutet selbst (hs. Eintrag auf dem Umschlag): "Vielleicht aufgenommen bei B. Bischoff u. E. A. Lowe, Suppplementband der Codices latini antiquiores, Oxford 1971" (CLA). – Mit Löchern, Fehlstellen, etwas abgerieben, sehr selten so früh. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 88.

Lot 1002, Auction  125, Notker Labeo, Psalm 88, 10. Winziges Fragmentstück einer lateinischen Handschrift auf Pergament. Deutschland 11. Jahrhundert

Notker Labeo
Psalm 88, 10. Winziges Fragmentstück einer lateinischen Handschrift auf Pergament. Deutschland 11. Jahrhundert
Los 1002

Schätzung
300€ (US$ 313)

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Notker Labeo. Psalm 88, 10. Winziges Fragmentstück einer lateinischen Handschrift auf Pergament. 2 Teile. Zus. 3 Zeilen. 2,2 x 22,2 cm. Schrift: Textura. Deutschland 11. Jahrhundert.
Interessantes, winziges Fragment in zwei Teilen aus einem Psalmenkommentar des Notker Teutonikus (Notker III., genannt Notker der Deutsche; ca. 950-1022), der von dem Heidelberger Germanisten, Medaevisten und Paläographen Gerhard Eis (1908-1982) tatsächlich identifiziert und datiert werden konnte. Auf dem Umschlag dessen eigenhändige Zuweisung: "H. 62 - Notker Labeo, Psalm 88,10, 11. Jh. aus einem Exemplar Phil. Melanchthons, Loci praecipui theologici, Basel Joh. Oporinus, 1555", ferner gibt Eis seine Literaturangaben: "Veröff.: G. Eis, Kleine Funde, Indogerm. Forsch. LX, S. 89-90; E. H. Sehrt-Taylor Starck, Notkers des Deutschen Werke, III, 2, Der Psalter, Psalmus LXC, Halle, Saale 1959, S. 633 (et I. Addenda) ..., A. L. Lloyd jr. The manuscripts and fragments of Notker's Psalter, Gießen 1958, S. 9, 55f.". – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 62.

Beneventana
Fragment eines süditalienischen Chrogebet-Brevier
Los 1003

Schätzung
8.000€ (US$ 8,333)

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"Breviarium tipo barese" - Illuminiertes Beneventana-Fragment aus dem Raum Bari
Beneventana. Fragment eines süditalienischen Antiphonales. Lateinische Handschrift in schwarzer Tinte auf Pergament. 30 Zeilen. Ligaturenreiche Beneventana. Schriftraum bis ca. 32,5 x 19 cm. Format bis 35,5 x 26 cm. Mit 8 kleinen farbigen Initialen, 4 großen, 3-zeiligen Federwerk-Initialen mit Knollenwerk in Grün, Gelb, Rot, Blau und Orange sowie 2 Zierinitialen mit Abhängern (10- und 18-zeilig) mit Flecht- und Rankenwerk, einem Groteskenkopf und Knollen. Süditalien (Benevent, Apulien) Ende 11., Anfang 12. Jahrhundert.
Außergewöhnlich seltenes Beispiel eines bemerkenswert großen Fragments einer "Beneventana", einer Gruppe von Handschriften aus süditalienischen Skriptorien des 11.-12. Jahrhunderts (etwa in Monte Cassino und Bari), die eine ganz eigene Schrift ausgebildet haben, die jüngsten Theorien zufolge von den langobardischen Buchschriften herrührt. So finden wir typische Merkmale in den Ligaturen von "oc" = "a", der Buchstabe "e" mit langem Mittelstrich, ein "c" mit Kerbung, ähnlich dem "E" sowie zahlreiche Abbreviaturen, die die Lesbarkeit deutlich erschweren. Auch der Buchschmuck ist charakteristisch: Lange Zierinitialen, die in die Kolumne eingerückt erscheinen, lombardisches, aus dem iro-schottischen Kulturraum herrührendes Flechtwerk mit Knollen und Akantus sowie kleinen Grotesken zeigen. Die größeren Initialen im Text (hier z. B. "A" und "S" und "N") sind farbig gefüllt in Rot und Orange, die Initialen ebenfalls von einer planen, kraftvollen Malerei in den Grundfarben Rot, Gelb, Blau und Grün.

Das vorliegende große Fragment stammt aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem späten 11. oder frühen 12. Jahrhundert. Die Illuminierung und die Schrift gehören eher zum "tipo barese" als zum "tipo cassinese" der beneventanischen Schrift. Der "tipo barese" ist an der Adriaküste von Dalmatien bis nach Puglia zu lokalisieren. Auffällig ist der starke Einfluss der karolingische Minuskel auf die Schrift des Fragments.

Es handelt sich um die Kollecte für die Vigilia des Festes des heiligen Benedikt, Gründers des Benediktinerordens, dessen Fest den 21. März begangen wird. Die Handschrift war somit in einem Benediktinerkloster in Gebrauch. So stammt das Fragment wohl aus einem Brevier, das alle Texte für das Chorgebet (Divinum officium) enthält, einschließlich der Bibellesungen, von den Psalmen jedoch, wie üblich, nur die Anfangswörter. Die Antiphonen haben in dieser Handschrift eine eher rudimentäre Musiknotation bekommen.

Zeile 9 "Concede nobis domine alacribus animis beati confessoris tui benedicti sollemnia celebrare . cuius diuersis decorata uirtutibus tibi uita complacuit. per ... " (Gib uns, o Herr, dass wir mit eifrigen Seelen das Fest deines seligen Bekenners feiern, dessen Leben, geschmückt mit vielfältigen Tugenden, dir gefallen hat. Durch den Herrn), liturgischer Text der Kollekte aus der Vigil des Festes in Rodrade und Tours (De 3455).

Zeile 17 beginnt dann das Buch der Weisheit: "Incipit liber sapientiae." mit der Antiphona "Iustus cor suum tradet ad vigilandum diluculo ad Dominum qui fecit illum, et in conspectu Altissimi deprecabitur." (Der Gerechte wendet sein Herz, um zu Wachen, frühmorgens zum Herrn, der ihn geschaffen hat,
und fleht vor dem Angesicht des Allerhöchsten), nach Jesus Sirach 39, 6.

Intermittierend sind auf beiden Seiten des Fragments ein paar Zeilen mit (recto sieben, verso drei) zu singendem Text eingefügt, recto mit linienfreier Neumennotation (rechte Kolumne, daher mit Abbruch). – Einst Einbandmakulatur mit entsprechenden Leimspuren, ungeradem Beschitt, mit Braunflecken, gebräunt und mit Wurmlöchern, rechter Rand nach 2/3 der Kolumne verlustig, oben fehlen ca. 5-7 cm (möglicherweise 2-3 Textzeilen und Rand). Winzige Löchlein und Gebrauchsspuren, insgesamt jedoch bemerkenswert gut erhalten, die kraftvollen Farben in strahlender Leuchtkraft. Beneventana-Handschriften, auch Einzelblätter oder Fragmente sind extrem selten und kaum auf dem Markt zu finden.

Resurrexi
Großes Fragment aus einem Gregorianischen Messbuch
Los 1004

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3.200€ (US$ 3,333)

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Früheste Musiknotation
Resurrexi, et adhuc tecum sum, alleluia. Großes Fragment aus einem Gregorianischen Messbuch. Lateinische Handschrift auf Pergament. Spätkarolingische Minuskelschrift in Braunschwarz, Auszeichnungen in Capitalis rustica. Textraum linke Kolumne ca. 19,5 x 9,5 cm. Blattgröße ca. 26,5 x 11 cm. Mit roten Versalüberschriften und großer 7-zeiliger Zierinitiale "R" in roter Federzeichnung, grün gefüllt. Wohl Frankreich 1. Viertel des 12. Jahrhunderts.
Sehr frühes, großes Fragment mit nahezu einer vollständigen Kolumne eines Blattes mit frühmittelalterlicher Neumennotation. In karolingischer Minuskel und Versalien in schwarzbrauner Tinte geschriebene Choraltexte mit interlinearer Neumennotation ähnelt das vorliegende Fragment einem Blatt, einem anderen, freilich früheren Fragment, das jüngst in der Salzburger Bibliothek entdeckt wurde und als "Ältestes Musikdokument Österreichs" von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tituliert wurde.

Enthalten ist hier der Introitus zur katholischen Messe: "Resurrexi, et adhuc tecum sum, alleluia - posuisti super me manum tuam, alleluia: mirabilis facta est scientia tua" (ergänzt: "Ich bin auferstanden und bin immer bei dir. Halleluja. Du hast deine Hand auf mich gelegt. Halleluja. Wie wunderbar ist für mich dieses Wissen." (nach Psalm 138, 18).

Die prachtvolle große Initiale "R" (ca. 5,5 x 5,2 cm) zeigt ein aus Knollenwerk hervorgehenden Hundekopf vor grünem Füllgrund in den Balken der Initiale, die mit kleinen Volutenausläufern aus rotem Federwerk gezeichnet ist. Über dem Text ist interlinear die durchgehende Neumennotation eingeschrieben. Durch die Ähnlichkeit des Blattes mit dem oben genannten können wir zitieren:

"Herausragend an dem [wie an dem vorliegenen] Dokument ist die auf einem sehr hohen Niveau stehende Neumennotation. Das sind über dem Text stehende Symbole zur melodischen Interpretation des Gesangs. Man vermutet, dass die Neumennotation um das Jahr 800 erfunden wurde. Diese neu gefundene Quelle ist damit nicht nur das älteste Musikschriftstück Österreichs, sondern auch die mit der am weitest entwickelten linienlosen Neumennotation. Die linienlosen Neumen, die keine exakten Tonhöhen angeben können, beinhalten in diesem frühen Stadium viele Zusatzbedeutungen zur Interpretation der einstimmigen Musik (Ausdruck, rhythmische Differenzierung, ungefähre Tonhöhenangaben)." (zit ÖAW Robert Kulgseder, 12.05.2015). – Vorhanden ist ein Teil der linken Kolumne, die rechts abbricht (dort unregelmäßig beschnitten, mit Knickspuren, Einschnitten und Traktierung durch Verwendung als Einbandmakulatur). Oben ein kleines, unten ein paar größere Knorpellöcher, materialbedingt gebräunt, jedoch kaum Leim- oder Montagespuren, nur minimaler Oberflächen- bzw. Textabrieb, insgesamt bemerkenswert schön und wohlerhalten.

Neumenhandschrift
"Si iniquitates domine". Einzelblatt aus einem Antiphonar
Los 1005

Schätzung
3.400€ (US$ 3,542)

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Neumenhandschrift "Si iniquitates domine". Einzelblatt aus einem Antiphonar. Lateinische Handschrift in Sepia mit Neumennotation auf Pergament. 1 Bl. mit 2 S. 12 Zeilen. Schriftraum: 21 x 13 cm. Format: 27,8 x 19,2 cm. Karolingische Minuskelschrift mit Auszeichnungen in Rot, 6 kleineren Initialen, davon 5 in Schwarz auf Rot sowie 2 große Initialen "S" und D" in Rot. Wohl Frankreich Ende 12. Jahrhundert.
Frühes Beispiel für die Entwicklung der Notation aus den um 800 entstandenen Neumen, den "Winken", mit denen der Chorleiter die relativen Tonhöhen angab. Im 10.-11. Jahrhundert kam dann ein Liniensystem hinzu, um die Tonhöhen auch absolut verorten zu können, ein logischer Schritt und gleichzeitig ein Meilenstein der Musikgeschichte. Die erste, meist rote Linie kennzeichete die Tonhöhe "f", um das Jahr 1000 kam zu der f-Linie dann noch eine c-Linie hinzu, oft gelb gezogen. Der nächste Schritt bestand in weiteren Begleitlinien, wie es in der vorliegenden Handschrift sichtbar wird: Wir finden die rote f-Linie flankiert von zwei gelben, hier blau nachgezogenen (zusammen grünlichen) Linien, zwischen denen sich die Neumen wie Virga, Punctus, Pes, Clinis, aber auch Tremula für Vibration, Pilica für Doppelschlag und Quilisma für den Triller bewegen.

Vertont sind hier der Introitus mit dem Text nach Psalm 129,3-4: "Si iniquitates observaveris Domine, Domine quis sustinebit? Quia apud te propitiatio est, Deus Israel" (Wenn du auf das Unrecht acht hättest, Herr, Herr, wer könnte bestehen? Denn bei dir ist die Versöhnung, Du Gott Israels) für die "Dominica XXII" (Trinitatis), die vollständig erhalten ist. Verso schließt sich die gesungene Liturgie für die "Dominica XXIII" an. – Etwas angestaubt, mit einigen alten Randvermerken, die mit blauer Tinte ausgestrichen wurden (so dass es zu blauen Farbflecken kam), ingesamt sehr breitrandiges Blatt einer ordentlichen Handschrift. Von großer Seltenheit, haben sich doch nur wenige so frühe Musikhandschriften erhalten.

Lot 1006, Auction  125, Vivo d'Orcia, (?). Übereignung von Wäldern an die Einsiedelei von Vivo. Urkunde auf Pergament

Vivo d'Orcia
(?). Übereignung von Wäldern an die Einsiedelei von Vivo. Urkunde auf Pergament
Los 1006

Schätzung
300€ (US$ 313)

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Vivo d’Orcia (?). Übereignung von Wäldern an die Einsiedelei von Vivo. Urkunde auf Pergament. 23 Zeilen. 23,5 x 16,2 cm. Mit Unterzeichnungen vom kaiserlichen Schreiber und Notar sowie mit Notariatszeichen. Castagnola, 7. Januar 1235.
Eine beglaubigte und von den kaiserlichen Funktionären unterzeichnete Urkunde zur Übereignung von Ländereien mit Waldgründen an ein Kloster in Italien, die Eremitage zu Vivo. Womöglich handelt es sich um Vivo d’Orcia in der Toskana. Das Kloster wurde vom Heiligen Romuald (ca. 952-1027) gegründet, die Ländereien angeboten von Peunzanus Spallacanna, um die Mönche für seine Seele und die seines Großvaters beten zu lassen, gezeichet Castagnola, 7. Januar 1235 und gezeichnet "frederico Romanorum imperatione imperante" (d. i. Friedrich II., Kaiser 1220-1250), "Bartolomeo" mit seinem Notariatszeichen. – Teils etwas fleckig und gebräunt, verso mit Regeste. Provenienz: Maggs Brothers, dann The Marvin L. Colker Collection, London.

Lot 1007, Auction  125, Psalmenkommentar, Fragment einer lateinischen Handschrift auf Pergament

Psalmenkommentar
Fragment einer lateinischen Handschrift auf Pergament
Los 1007

Schätzung
700€ (US$ 729)

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Insularer Psalmenkommentar des Hochmittelalters
Psalmenkommentar. Fragment einer lateinischen Handschrift auf Pergament. 2 S. auf 1 Bl. 2 Spalten. 63 Zeilen. Schrift: Gotica textualis. Schriftraum: 24,4 x 17 cm. Format: 26,9 x 18,1 cm. Mit Rubrizierung und zahlreichen Unterstreichungen in Rot. England spätes 13. Jahrhundert.
Frühes englisches Handschriftenfragment in einer lediglich etwa drei Millimeter großen insularen Textualis mit Schwüngen und vielen Abbreviaturen, wohl mit Teilen eines Psalmenkommentars. Außergewöhnlich ordentliche Schrift, bis dato noch nicht wissenschaftlich ausgewertet. – Makulaturmaterial, etwas leimschattig, wenig Textabrieb, kleine Wurmspur, insgesamt aber recto bemerkenswert wohlerhalten und gut lesbar, verso nur minimal schlechter. Provenienz: Aus der Sammlung Philip Bliss (1787-1857), Sir Thomas Phillipps (1792-1872) und E. H. Dring (1864-1928). Quaritch 1987. The Marvin L. Colker Collection, London.

Cantate Domino
Doppelblatt einer liturgischen Handschrift auf Pergament
Los 1008

Schätzung
1.800€ (US$ 1,875)

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Cantate Domino canticum novum. Doppelblatt einer liturgischen Handschrift "Officium divinum" auf Pergament. 2 Bl. mit 4 S. 23 Zeilen. Schriftraum: cm. 19,6 x 12 cm. Format: 27,5 x 20 cm (Doppelblatt: 27,5 x 40 cm). Mit 6 Systemen romanischer Quadratnotation auf 4-zeiligem roten Linien, 32 Blattgold-Initialen auf rotem und blauen Kastengrund, 28 Zeilenfüllern in Blattgold, Rot und Blau mit weißem Binnenornament, 3 großen Zierinitialen "S", "Q" und "B" in Gold und Farben mit Ranken und Abhängern sowie einer großen 5-zeiligen szenischen Initiale "C" mit Darstellung von Chorsängern auf Schachbrett-Grund in Gold und Farben und mit zwei die Kolumne begleitenden Rankenausläufern. Frankreich 2. Hälfte des 14. Jahrhundert.
Ein prachtvolles Doppelblatt aus einer liturgischen Chorhandschrift, wohl aus einem Zisterzienserkloster. Mit einer großen Prunkinitiale, die von zwei Ranken begleitet sind, die in roten Hundeköpfen enden. Im Mittelgrund der Initiale sind vor einem Schachbrettgrund aus goldenen und weißen, rotgepunkteten Feldern zwei Chorsänger in weißem Habit (wohl der Zisterzienser) zusammen mit dem Priester (erkenntlich an der Tonsur) in rotem Festgewand. Wiedergegeben in feinster Federzeichnung stehen die drei Geistlichen vor einem mächtigen Pult und singen: "Cantate Domino canticum novum: quia mirabilia fecit Dominus." (Singt dem Herrn ein neues Lied, denn Wunderbares hat der Herr getan) nach Psalm 97, Vers 1.
Es handelt sich demnach um das "Officium divinum", um eine Handschrift für das Chorgebet im Rahmen der klösterlichen Liturgie. – Kaum fleckig, sehr schönes, weißgekalktes Blatt, nur mit minimalem Oberflächen- bzw. Farbabrieb, sehr saubere, aufrechte Textualis.

Lot 1009, Auction  125, Laudes salvatori, Einzelblatt aus einer lateinischen Choralhandschrift

Laudes salvatori
Einzelblatt aus einer lateinischen Choralhandschrift
Los 1009

Schätzung
2.500€ (US$ 2,604)

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Maßgeblicher Entwicklungsschrit
in der musikalischen Notation

Laudes salvatori voce modulemur supplici. Einzelblatt aus einer lateinischen Choralhandschrift. Lateinische Handschrift auf Pergament. 1 Bl. mit 2 S. 12 Zeilen mit Hufnagelnotation auf 4-linigem System. Schriftraum: 27,4 x 18,5 cm. Format: 32,6 x 24,2 cm. Gotica Textutalis in Schwarzbraun und Rot. Mit 14 Initialen in Rot und Blau sowie großer 2-zeiliger Zierinitiale in Blattgold in blau-braun gefülltem Kasten mit weißem Federwerk sowie Ausläufer mit Goldpunkten sowie interlinearer Hufnagelnotation auf 12 Systemen, alles in Sepia. Norditalien Ende 2. des 14. Jahrhunderts.
Besonders frühes Beispiel einer noch als Neumen notierten sogenannten "Hufnagelnotation" auf schon fünflinigem System, auch schon mit links in einer abgesetzten Spalte eingetragenen Notenschlüsseln, nämlich dem f-Schlüssel und dem c-Schlüssel. Die Hufnagelnotation war die letzte Entwicklungsstufe der Notation durch "Winke", durch Angaben von Tonhöhen durch Handzeichen nach Guido von Arezzo, die erst in Neumen notiert wurden, dann aber in der Gotik einen kleinen quadratischen Notenkopf bekam, der auf einer bestimmten Linie platziert wurde. Mit Angabe von Notenschlüssel konnte so von der relativen (diastematischen, also die Tonabstände untereinander bezeichnenden) Tonhöhe eine absolute (durch Schlüssel auf einem Instrument fest verortbare) angegeben werden. Erst im 16. Jahrhundert sollte sich dann die Modalnotation durchsetzen, die die zusätzlich auch noch die Länge der Töne angibt, für die aber die Hufnagelnotation die wichtigste Vorstufe bildete.
Enthalten ist hier das Incipit des schönen Chorals: "Laudes salvatori voce modulemur supplici. Et devotis melodiis calesti domino jubilemus messiae. Qui se ipsum exinanivit ut nos perditos liberaret homines." ("Lasst uns das Lob des Erlösers mit der Stimme begleitend singen. Und mit Andachtsmelodien lasst uns im Herrn den Messias feiern. Er hat sich entäußert, um uns verlorene Menschen zu retten.") – Einige ältere, teils geschlossene Randläsuren, leicht welling, etwas fleckig, wenige Einrisse oder Löchlein, die Schrift und Initialen vereinzelt leicht berieben bzw. stellenweise leicht verlaufen. Insgesamt schönes Blatt einer für die Musikgeschichte und die Entwicklung unserer Notation bedeutendes Fragment.

Katechetische Sammelhandschrift
Deutsche Handschrift auf Papier. Südwestdeutschland um 1400
Los 1010

Schätzung
50.000€ (US$ 52,083)

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Sammelhandschrift der deutschen Mystik:
Mit zwei Traktaten von Heinrich Seuse

Theologische Sammelhandschrift mit 12 mystischen und asketischen Traktaten, darunter 2 Schriften von Heinrich Seuse. Deutsche Handschrift auf Papier, gut erhalten. Die erste Lage fehlt, einige weitere Blattverluste ohne Textverluste. 86 von einer gleichzeitigen Hand foliierten Bl. (XIIII-CXI, lückenhaft). 21-23 Zeilen. Schrift: regelmäßige Bastarda und Cursiva (Bl. 35r-72v) von einer Hand, spätere Nachträge in Cursiva (Bl. 83r-84v). Schriftraum 13,3 x 8 cm. Format 21,6 x 14,5 cm. Rubriziert. Wenig späteres flexibles weinrotgefärbtes Leder mit Kettenstichen im verstärkten Buchrücken (Kopert). Buchblock und Einband an den äußeren Ecken oben und unten gerundet. Südwestdeutschland (alemannischer Raum, vermutlich Konstanz) um 1400.
Geistlich-mystische Sammelhandschrift in alemannischer Schriftsprache Alemannisch mit schwäbischen Anklängen (Vermeer (s. u.) S. 88), darin:

Heinrich Seuse: 'Büchlein der ewigen Weisheit' [Auszüge, überwiegend aus Buch XIII] (Bl. 2r-27r), nach dieser Hs. teilweise ediert von H. J. Vermeer in Germanisch-romanische Monatsschrift 41 (1960), S. 86-93.
Heinrich Seuse: 'Horologium Sapientiae', lat. [Auszug] (Bl. 28r-32v).
Betrachtung über die wichtigsten Gebete und Tugenden (Bl. 35r-42r).
'Zehn Gebote'-Erklärung (Bl. 42r-49v), nach dieser Hs. ediert von J. Werlin in Zs. für die Geschichte des Oberrheins 110 (1962), S. 132-140, Ergänzungen in 2VL 10, Sp. 1490-91.
'Von den acht Seligkeiten' (Bl. 49v-52r).
'Die zwölf Räte Jesu Christi' und weitere Betrachtungen (Bl. 52r-53r), nach dieser Hs. von J. Werlin ediert in Leuvense bijdragen 52 (1963), S. 156-168; s. auch 2VL 10, Sp. 1643-46.
'Die Goldwaage der Stadt Jerusalem' (Bl. 59-60), ediert in W. Stammler, Spätlese des MAs, S. 57-60 u. 157-160; vgl. 2VL 3, Sp. 93-94.
Traktat über die Kunst zu Leben und zu Sterben (Bl. 61v-63v), nach dieser Hs. ediert von J. Werlin (s. oben), S. 147-149).
Betrachtungen über das Paternoster und die Siebenzahl (Bl. 65v-70v), nach dieser Hs. ediert von J. Werlin (s. oben), S. 140-146.
Betrachtung über das Leiden Christi (Bl. 70v-74r)
'Zehn Staffeln der Demut' (Bl. 74v-76v), nach dieser Hs. ediert v. G. Eis in Neophilologus 52 (1968), S. 286-291; s. auch 2VL 10, Sp. 1512-14.
'Seelenkloster' (Bl. 77rv), nach dieser Hs. ediert in G. Eis, Altgermanistische Beiträge z. geistl. Gebrauchsliteratur, S. 145-150.
Geistliche Betrachtung (Bl. 77v-79r)
'Die Bruderschaft von der ewigen Weisheit' (Bl. 79v-83r)
[Nachtrag des 16. Jh.s: Andachtsübung (Bl. 83v-84v)].

Es handelt sich um eine inhaltlich kohärente, gut erhaltene Sammlung von meist selten überlieferten Texten zur Meditation, vermutlich in und für ein Franziskaner- oder Franziskanerinnenkloster geschrieben. Inhaltich teilweise mit der jüngeren Handschrift Einsiedeln, Stiftsbibl. 710 (aus Konstanz) übereinstimmend. Beschreibung der Hs. in Leuvense Bijdragen 52 (1963), S. 156-163. Verzeichnet im Handschriftencensus Nr. 2639 (https://handschriftencensus.de/2639). – Innendeckel mit dem blassen Stempelabdruck "Prof. Dr. Gerhard Eis", die alte Foliierung hebt mit "XIIII" an, davor Blatt XIII ohne Nummer, möglicherweise fehlt wie oben genannt erste 12 Blätter, wiewohl Seite XIIIIr mit rotem Initialtext anfängt "Wel[ch]er Oren hab zu Hoerent" (nach dem antiken "Qui habet aures audiendi, audiat"). Blatt "XV" dann mit älter hinterlegtem größeren Ausschnitt (2/3 Textverlust), sonst nur hinterlegte Randverluste. Wenige Fingerfleckchen, Tintenwischer und Flecken, insgesamt bemerkenswert wohlerhaltene umfangreiche Sammelhandschrift mit Texten der mittelalterlichen Mystik in Deutschland.
Provenienz: Aus der Bibliothek des Franziskanerklosters in Konstanz, Bl. 2v mit hsl. Besitzvermerk Bibliothecae F. F. Min: Conv: Constantiae (18. Jh.). Aus der Sammlung des Germanisten und Mediaevisten Gerhard Eis (1908-1982), hier mit der Signatur Hs. 112. Zwei Zettel mit bibliographischen Angaben von Eis‘ Hand hinten eingeklebt.

Lot 1011, Auction  125, Passionalsbrevier, Umfangreiches Fragment aus einer spätmittelalterlichen Gebetshandschrift

Passionalsbrevier
Umfangreiches Fragment aus einer spätmittelalterlichen Gebetshandschrift
Los 1011

Schätzung
2.400€ (US$ 2,500)

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"Erleuchte meine Augen,
dass ich nicht im Tode entschlafe"

Passionalsbrevier. Umfangreiches Fragment aus einer spätmittelalterlichen Gebetshandschrift. Deutsche Handschrift auf Papier. 18-19 Zeilen Unterschiedliche Fragmentformate bis 15 x 10,5 cm. Breites Halbkaliko des 19. Jahrhunderts mit breiten Leinenecken, goldgeprägtem Rückentitel "Schles. Gebetsbetrachtungen, Handschr. XV. Jahrh." und wurzelmarmorierten Deckelbezügen. Schlesien (Glogau?) um 1420.
Unterschiedlich große Fragmente aus einer spätmittelalterlichen Gebetshandschrift, die möglicherweise aus dem schlesischen Glogau stammt (oder vermutlich aus der Langer'schen Bibliothek in Braunau, wie der Forscher Gerhard Eis vermutete), der auf einem beigebundenen masch. Zettel vermerkt : "Gebetsbetrachtungen über die Passion in schlesischer Mundart. Bruchstücke. Ausgelöst im August 1911 aus einem Einband von Christ. Schwytzer in Breslau, datiert 1532 (M. Fabian Francke, Ein Canczley- vnd Titelbuchlin, Wittenberg, Nickel Schirlentz MDXXXI)".

Umfangreiche Textfragmente sind erhalten mit den roten Überschriften "Antiphona", Dy Erste Lectio", "Dy andere Lectio", "Anti[phona)", "Capitel uff dy laudes" "Dy dritte lectio", "Laudes", "Irleuchte dy awgen meyn das sy nymmer geslossen yn dem tode ..." nach dem Psalm 13, 6. Bis dato unveröffentlicht. – Provenienz: Heinrich Hinterberger, Wien 10/1957, dann Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 102. Mit Stempel und hs. Signatur der Sammlung Eis.

Lot 1012, Auction  125, Breviarium latinum, Fragment eines spätmittelalterlichen Gebetsbuchs. Eger 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts

Breviarium latinum
Fragment eines spätmittelalterlichen Gebetsbuchs. Eger 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts
Los 1012

Schätzung
800€ (US$ 833)

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"O viri, ad vos clamito, et vox mea ad filios hominum.
Oh ihr Männer, zu euch rufe ich laut!"

Breviarium latinum. Fragment eines spätmittelalterlichen Gebetsbuchs mit liturgischen Gesängen zur Feier der Heiligen Messe und für die Stundengebete. Lateinische Handschrift auf Papier. 35 nn Bl., davon 29 beschrieben mit 55 Seiten. 18 Zeilen. Schrift: Gotica textualis. Schriftraum: 11,4 x 7,6 cm. Format: 15,5 x 11,8 cm. Mit Kapitalspatien, Text in Sepia, teils in Rot. Modernes Halb-Ziegenleder (etwas abgegriffen, beschabt). Eger 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Sehr sauber in klarer Textura geschriebenes Taschenbrevier eines Dominikaner-Mönchs aus Eger, Hauptstadt des Egerlandes, heute die Stadt Cheb in der Karlsbader Region im Westen Tschechiens. Schon im Hochmittelalter, mit Privileg vom Jahr 1294 von König Wenzel II., gründeten die Domikaner ein Kloster und errichteten zwischen 1294 und 1296 eine monumentale Predigerkirche. Die von den Mönchen zu entrichtenden Stundengebete, Wechselgesänge sind in dem kleinen Gebetbuchfragment als "Capitularium", "Antiphona", "Hymnus" etc. wiedergeben.

Bl. 1-5 sind frei (nur 3v und 4r mit späteren Einträgen), Bl. 5r: "In festo sancti Gabrielis archangeli ad primas vesperas antiphona", Bl. 6r "Ad laudes et per horas diei", Bl. 9r "In festo sanctissime et individue trinitatis", Bl. 11r "Ad laudes et per horas antiphona", Bl. 13r "In festo corporis christi", Bl. 13r "In sancti Berrnardini ad primas vesperas antiphona", Bl. 17r "Responsoria brevia commune confessoris pontificis", Bl. 17v "In secundis vesperis", Bl. 18v "In visitatione beatae mariae ad primas", Bl. 20r "In festo sancti Bonaventure doctoris seraphici", Bl. 24v "In festo sanctae Clare virginis", Bl. 25r "In solennitate sancti Ludovici episcopi", Bl. 30r "In festo sanctae katherine virginis". – Eine Lage verbunden (Bl. 21-29 zwischen Bl. 4 und Bl. 5, nach der späteren Foliierung). Teils leicht abgegriffen, fingerfleckig und mit wenigen winzigen Gebrauchsspuren, mehrere Blätter im Bug neu angefalzt, Fol. 31 mit kleinem alt hinterlegten Eckausriss im Bug (nur minimaler Textverlust). Der Text scheint sonst vollständig und in sich konsistent zu sein.

Vorderer Innendeckel mit montiertem Besitzschildchen "Handschrift 29 Brevier aus Eger (Dominikanerkloster), 15. Jhdt. im Besitz Doz. Dr. Gerhard Eis", darunter eigenhändiger Besitzvermerk "Gerhard Eis".

Horae BMV
Französisches Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament. Bretagne um 1440
Los 1013 [^]

Schätzung
18.000€ (US$ 18,750)

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Französisches Stundenbuch des
Guillemette Monseaulx aus der Bretagne

Horae BMV. - Französisches Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament, Kalendarium französisch. 110 nn. 18 Zeilen. Schriftraum: 10,5 x 6,6 cm. Format: 17 x 12 cm. Text in schwarzbrauner und vereinzelt in roter und blauer Tinte, mit Hunderten von 1-4-zeiligen Initialen in Blattgold, Blau und Rot mit Federwerk in Rot und Schwarz sowie in ornamentalen Umrahmungen in Rot, Blau und Schwarz mit Weißhöhungen, Hunderte von Zeilenfülllern in Blattgold und Farbensowie 4 ausgezeichnete Zierseiten mit jeweils 3-seitigen floralen Bordüren in Gold und Farben und 6 Miniaturen in Pinselgold und Farben, meist mit Blattgoldinitialen und breiten belebten Bordüren mit Grotesken, Monstern, Blumen- und Blattwerk. Hellbrauner französischer Ellipsen-Einband mit flächendeckender, überaus reicher Goldprägung. Geglättetes Kalbsleder d. 17. Jahrhunderts (Gelenke leicht schwach, etwas berieben, Kanten bestoßen mit unwesentlicher winziger Fehlstelle) mit vielfacher Ellipsen-Stempeln mit verschiedenen Elementen, Mittelellipse mit Monogramm "GM" und darüber Namen in kleinerer Ellipse "GVILLEMETTE" und verso "MONSEAVLX". Nordwestfrankreich (Bretagne) um 1440.
Prachtvoll gebundenes französisches Stundenbuch aus Nordwestfrankreich, wohl aus der Gegend zwischen Rennes und Brest. Das Stundenbuch enthält das Kalendarium (Fol. 2-13) mit den bedeutenden Heiligen der römischen Kirche wie Stephan, Petrus und Paulus in Blau und mit einigen weiteren, sporadisch eingetragenen, weniger kommunen Heiligen wie Hilarius von Poitiers, Saint-Aubin, der Bischof und Heilige Albin von Angers, Saint Lubin, und so seltene Heiligen wie Sainte Potenciane, Saint-Thurien, Saint Gorgon, Saint-Eloy, was für einen Gebrauch des Gebetbuchs in einer Region Nordwestfrankreichs nahelegt. Möglicherweise stammt es auch aus Rouen und wurde für die Bretagne geschaffen. Vor allem die Heiligen Thurien und Gorgon wurden südlich- und südwestlich von Rennes verehrt, Saint Eloy gar im heutigen Département Finistère bei Brest.

Inhalt:
2r-13v
Kalendarium, Heiligenkalender mit den Namen in Rot und Blau
14r "Incipit sancti evangelij secundum johannem" mit 4-zeiliger Goldinitiale "I" für "In principio erat verbum ..."
15r
"Secundum lucam"
16v "Secundum matheum"
17v "Secundum marcum"
26r "Domine labia mea apries" Mariengebete
39r "Deus in adiutorium" Orationes an Maria und Elisabeth
49r "De sancto spiritu"
51v "Beatus vir qui non abiit in consilio impiorum", Psalmengebete

Die Zierseiten:
54v Zierseite "Deus in adiutorium meum intende" mit großer Goldinitiale "D"und dreiseitiger Schmuckbordüre
57r Zierseite mit 6 Goldinitialen und dreiseitiger Bordüre
59v Zierseite "Primus psalmus davidis" mit Goldinitialen und phantasievoller Bordüre mit großem Blumentopf
64r Zierseite "Alia oratio de cruce" mit dreiseitiger Bordüre und Goldinitialen

Die Miniaturen:
26r
Mariae Verkündigung mit breiter Pinselgold-Bordüre mit Blüten und Ranken
39v Heimsuchung mit Maria und Elisabeth, Szene in weiter Landschaft, Bordüre mit schrägen Blau-Gold-Akanthusranken und Früchten (Erdbeeren) und Blüten
48r Kreuzigung Christi zwischen Maria und Johannes, die breite Bordüre mit Grotesken, Blumenbouquet, grüner Grille, blauem Vogel, dem ein braunes Affenmonster einen Fisch reicht, ein gelbes Fabelwesen
50r Geburt Christi in bunter floraler Bordüre mit Rosen, Margariten und Erdbeeren
68r König David mit der Leier "Psalmus Davidis" mit breiter Schmuckbordüre
82r Totenmesse mit einer Mönchsprozession: Ungewöhnliche Darstellung einer Missa pro defunctis mit der Grablege eines in Tücher eingewickelten Toten auf einem Camposanto vor einer Kapelle, vor der der Priester mit Buch und Wedel das Requiem liest, begleitet von einem Messknaben mit goldenem Kreuzstab, dahiner eine anonyme Menge von Mönchen in schwarzem Kapuzenhabit.
– Vereinzelt leicht fingerfleckig bzw. angestaubt, das Pergament nur stellenweise etwas gedunkelt, gebräunt oder mit strukturbedingten Wellungen, wenige Farbabplatzungen oder Oberflächenbereibungen der Miniaturen, diese jedoch durchgehend sehr frisch und in leuchtender Farbigkeit. Etwas streng gebunden.
Provenienz: Das Stundenbuch stammt aus der Bibliothek des Guillemette Monseaulx, womöglich ein in den "Archives du Calvados" erwähnter Münzer am Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts: "Monseaulx , monnayer en la Monnaie de St.-Lô , époux de Marguerite Basire, fille de Jean, sieur du Mesnil-Veneron [...]" (Inventaire sommaire des Archives Départementales antérieures à 1790, Calvados, Série F, Band I, S. 380).

Lot 1014, Auction  125, Collectio orationum, Lateinische Handschrift auf Papier. Wohl Süddeutschland, 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Sammlung lateinischer Gebete

Collectio orationum
Lateinische Handschrift auf Papier. Wohl Süddeutschland, 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Sammlung lateinischer Gebete
Los 1014

Schätzung
5.000€ (US$ 5,208)

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Sammlung von lateinischen Gebeten, in dieser Zusammenstellung einzigartig
Collectio orationum. Lateinisches Gebetbuch, Handschrift auf Papier. 139 nn. Bl. 19-20 Zeilen. Schrift: saubere, gut leserliche schlaufenlose Bastarda, vermutlich von einer Hand. Schriftraum: ca. 10,5 x 7 cm. Format: 14,1 x 10,5 cm. Mit Rubrizierung, Unterstreichungen und Kapitalstrichelung in Rot sowie ca. 90 roten Lombarden. Pappband vom Anfang des 19. Jahrhunderts (leicht bestoßen und beschabt). Wohl Süddeutschland, 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Sammlung lateinischer Gebete (Orationes) zu unterschiedlichen Anlässen (vor oder nach der Messe, vor oder nach der Kommunion, vor oder nach der Beichte, an die Jungfrau Maria, Betrachtung der eigenen Sündigkeit, usw.), vermutlich für den Gebrauch eines Priesters oder Ordensgeistlichen. Einzelne Gebete sind auch anderswo überliefert, in dieser Zusammensetzung nur in dieser Hs. bekannt.
Enthalten sind u. a. Anselm von Canterbury: Oratio ad Mariam (Bl. 98r-99r); In preparatione venerabilis Sacramenti (Bl. 99r-100r); Oratio ante communionem de beata Virgine (Bl. 100r-101v);
Pseudo-Thomas von Aquin: Ave vivens hostia (Bl. 127-139r).
Teilpubliziert von Gerhard Eis, in: Altgermanistische Beiträge zur geistlichen Gebrauchsliteratur, Bern-Frankfurt 1974, S. 319. Vgl. "Anselm von Canterbury, Oratio ad Mariam, 98v. Thomas von Aquin" (lt. Eintrag Eis). – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 155, mit dessen Stempel und Signatur auf dem vorderen Innendeckel, erworben 6.11.1968 bei Jacques Rosenthal, Liste 158, Nr. 67. Mit einmontierter Fiche des Katalogs im hinteren Innenspiegel.

Johannes von Neumarkt
Mystische Sammelhandschrift. Deutsche Handschrift auf Papier. Nürnberg, St. Katharina, 2. Drittel des 15. Jahrhunderts. - Umfangreiche spätmittelalterliche Sammelhandschrift
Los 1015

Schätzung
35.000€ (US$ 36,458)

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Spätmitelalterliche Sammlung mystischer deutscher und lateinischer Gebete an Maria,
die Trinität und die Heiligen

Johannes von Neumarkt et al. Mystische Sammelhandschrift. Reichhaltige deutsche Sammelhandschrift auf Papier mit wenigen lateinischen Texten, aus mindestens drei gleichzeitigen Faszikeln zusammengesetzt. 150 nn. Bl. 18-22 Zeilen. Schrift: Bastarda und Cursiva von verschiedenen Händen. Schriftraum: ca. 8-9 x 6 cm. Format: 11,2 x 7,2 cm. Mit durchgehender Rubrizierung, Initialen, Überschriften, Hervorhebungen, Unterstreichungen in Rot. Alte Lagensignatur VIII (Bl. 14r) bis XX (Bl. 145r). Moderner schlichter Leinenband um 1950 (etwas streng gebunden). Wohl Nürnberg, St. Katharina, 2. Drittel des 15. Jahrhunderts.
Besonders umfangreiche, reichhaltige spätmittelalterliche deutsche Sammelhandschrift mit Texten der deutschen Mystik, die wohl aus dem Nürnberger St. Katharinenkloster stammt. Enthalten sind u.a.:

1)
Lateinische Weihnachtsgebete und -gesänge mit deutschen Einsprengseln (Bl. 1r-9r), darunter ein Lied zur Krippe Jesu (Bl. 6r-7r), nach dieser Hs. von G. Eis ediert in Altgermanistische Beiträge zur geistl. Gebrauchslit. (1974), S. 162-164.

2) Sieben Freuden von Maria
(Bl. 9r-13v).

3)
Dt. und lat. Gebete und Gesänge zu Palmsonntag (Bl. 13v- 16v), Karfreitag (Bl. 16v-20v), Ostersamstag (Bl. 20v-21v) und Ostern (Bl. 21v-26v).

4)
Dt. Betrachtung (Gebet) über sieben biblische Wörter (rufe) Jesu (Bl. 26v-28r).

5)
Dt. Lieder und Reimgebete an Maria (Bl. 28r-30v).

6)
Lat. Officium für das Osterfest (Bl. 30v-34r).

7)
Dt. Gebet an Maria (Bl. 34rv), lat. Gebete und Gesänge an Maria (Bl. 35r-39r), weitere lat. liturgische Gebete (Bl. 39r-44r), lat. Gebete und Gesänge an Maria (Bl. 44v-48v), weitere dt. Gebete und Betrachtungen (Bl. 48v-53v), darunter Spruch der Engel (Bl. 52v), vgl. 2VL 9, Sp. 184.

8)
Lat. liturgische Gebete und Gesänge (Bl. 54v-59r), darunter lat. Chunradus zugeschriebene Reimsprüche, vgl. 2VL 5, Sp. 110.

9)
Dt. Betrachtungen (Bl. 60r-81v), darunter 'Marien Rosenbaum' (Bl. 79r-80v), nach dieser Hs. von Eis ediert in Germanisch-romanische Monatsschrift n. F. 17 (1967), S. 98-100.

10) 'Kunigundengürtel'
(Bl. 82r-85r), nach dieser Hs. v. Eis ediert in Zs. f. Religions- und Geistesgeschichte 12 (1960), S. 263-265.

11)
Dt. Leidensbetrachtung (Bl. 85r-87r).

12)
Dt. Gebet von dem Heiligen Wilhelmus (Bl. 88r-91v), an die Heilige Katharina (Bl. 91v-94r), nach dieser Hs. von G. Eis ediert in Altgermanistische Beitr. z. geistlichen Gebrauchslit., S. 160-162.

13)
Gebet an den Heiligen Geist (Bl. 95r-98r).

14) Johannes von Neumarkt
: ‚Summe sacerdos‘ (dt.) (Bl. 98v-108r), nach dieser Hs. v. Eis ediert in Ders., Altgermanistische Beitr. zur geistlichen Gebrauchslit., S. 184-189.

15)
Dt. Gebet an Maria (Bl. 109r-116r), weitere dt. Gebete (Bl. 116v-120v), dt. Betrachtung der fünf Wunden Christi und der fünf Ausflüsse Christi (Bl. 121r-129r).

16) Dt. Gebete an die Trinität (Bl. 129r-133v), an das süße Herz Christi (Bl. 133v-136v), weitere, meist kürze dt. Gebete (Bl. 136v-150v), darunter ein dt. Gebet, das an Maria zugeschrieben wird, nach dieser Hs. von G. Eis ediert in Euphorion 53 (1959), S. 441-442.

Unter den zahlreichen Aufsätzen und Artikeln, die über diese bedeutsame Sammelhandschrift und ihre einzelnen Partitionen erschienen, nennen wir hier u. a. Gerhard Eis, Geistliche Lyrik des späten Mittelalters aus unbekannten Handschriften, in: Euphorion 53 (1959), S. 441-455, hier S. 441f. - Gerhard Eis, Zur Überlieferung von 'Unser vrouwen klage', in: Germanisch-Romanische Monatsschrift N.F. 17 [48] (1967), S. 98-100. - Rainer Rudolf, Konrad, in: 2VL 5 (1985), Sp. 110. - Rolf Bergmann, Katalog der deutschsprachigen geistlichen Spiele und Marienklagen des Mittelalters (Veröffentlichungen der Kommission für Deutsche Literatur des Mittelalters der Bayerischen Akademie der Wissenschaften), München 1986, S. 489. - Edgar Büttner, Die Überlieferung von "Unser vrouwen klage" und des "Spiegel" (Erlanger Studien 74), Erlangen 1987, S. 18. – Teils etwas gebräunt, kaum fleckig, erste und letzte Blätter mit kleinen Randläsuren, jedoch keinerlei wesentlicher Textverlust, insgesamt sehr gut erhalten und klar lesbar.

Provenienz
: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 136, der die Sammelhandschrift in dieser Form 1958 im Wiener Antiquariat Heinrich Hinterberger erwarb (vgl. Eis in Euphorion 53 (1959), S. 441 Anm. 6). Möglicherweise enthielt sie vor seinem Erwerb noch weitere Teile. Vorsatz mit hs. Eintrag "Cod. 136" und mit blauem Stempel des "Univ.-Prof. Dr. Gerhard Eis. Neckargemünd bei Heidelberg Saarstraße 3". Fliegender Nachsatz mit zahlreichen eigenhändigen Literaturangaben des Herrn Gerhard Eis (1908-1982).

Lot 1016, Auction  125, Friedberger Urkundenbuch, Fragment einer Kopiars mit Abschriften zweier Urkunden. Friedberg in Hessen Mitte 15. Jahrhundert (nach 1442). - Abschriften von Urkunden König Friedrichs IV

Friedberger Urkundenbuch
Fragment einer Kopiars mit Abschriften zweier Urkunden. Friedberg in Hessen Mitte 15. Jahrhundert (nach 1442). - Abschriften von Urkunden König Friedrichs IV
Los 1016

Schätzung
350€ (US$ 365)

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Friedberger Urkundenbuch. Fragment einer Kopiars mit Abschriften zweier Urkunden. Deutsche Handschrift auf Pergament. Ca. 1/2 Bl. 18-19 Zeilen. Schrift: Kanzleibastarda. Schriftraum: 12 x 18,5cm. Format: 14 x 21,5 cm. Friedberg in Hessen Mitte 15. Jahrhundert (nach 1442).
Obere Hälfte eines Blattes einer spätmittelalterlichen Kopiars-Handschrift mit zwei Teilen von Abschriften von Urkunden König Friedrichs IV., dem späteren Kaiser Friedrich III. (1415-1493) des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation von 1420 bzw. 1442: "Wir Friedrich von gottes gnade Romischer Konig zu allentzieten merer des Reichs Herzog ze osterich und steier ze kernden und zu krain Grave zu Tirol etc. Bekennen und dun kund offenbare mit diesem breiff ... das wir wir dorch menigueltige dienste und trewe die uns und dem Reiche die Edeln burgkgraven und burgemeintlich der burge zu friedberg offt williglichen getrewelichen und nutzilichen getan haben und noch tun mugen in kufftigen zieten ...". – Unterer Teil des Blattes abgeschnitten, Text bricht ab. Weitere Texte verso vorhanden. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 135. Davor Jacques Rosenthal, München.

Horae BMV
Französisches Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament. Bretagne um 1440
Los 1017 [^]

Schätzung
20.000€ (US$ 20,833)

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Feste der Heiligen Saint-Désir und Sainte Austreberthe in der Normandie
Horae BMV. - Französisches Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament, Kalendarium französisch. 134 nn. Bl. 15 Zeilen. Schriftraum: 9,5 x 6,5 cm. Format: 15,4 x 11,2 cm. Text in sepiabrauner bzw. braunschwarzer und vereinzelt in roter Tinte, das Kalendarium in roter, blauer und blattgoldener Schrift, mit Hunderten von 1-4-zeiligen Initialen in Blattgold, Blau und Rot mit Ranken- und Federwerk in Rot und Schwarz sowie in ornamentalen Umrahmungen in Rot, Blau und Schwarz mit Weißhöhungen, Zeilenfüller in Blattgold und Farben sowie zahlreichen phantasievollen Randbordüren im Außensteg mit Pinselgoldhöhung und zusätzlich immer wieder mit einigen Dornblattbordüren im Innensteg. 10 ausgezeichnete Zierseiten mit jeweils 4-seitigen floralen Bordüren in Gold und Farben und 6 sehr feinen Miniaturen in Pinselgold und Farben, meist mit Blattgoldinitialen und breiten belebten Bordüren mit Grotesken, Monstern, Blumen- und Blattwerk. Zusätzlich sind von einem frühen Besitzer 4 kleine Pergamentstückchen, davon 3 mit Malereien, einmontiert. Schwarzbrauner Kalbslederband vom Ende des 16.Jahrhunderts (Gelenke teils leicht brüchig, minimal offen, Oberfläche beschabt und bestoßen, Spuren von älterer Restaurierung) mit Goldfileten, goldgeprägtem Besitzernamen in Versalien und goldgeprägter Mittelvignette, dreiseitiger Goldschnitt.
Nordfrankreich (Normandie) um 1450.
Bemerkenswert schönes französisches Livre d'heures mit sechs ganzseitigen, sehr feinen, vielfigurigen Miniaturen eines geschickten Künstlers. Besonders schön ist auch das Kalendarium, das mit einer prachtvollen, von einer breiten vierseitigen Bordüre umgebenen Schmuckseite beginnt und in dem die Heiligenfeste je nach Bedeutung im christlichen Jahreskalender entweder in Rot oder in Blau oder sogar mit üppigem Blattgold angegeben sind.

Das Gebetbuch, das sicherlich von einer höherstehenden Adeligen bei einem geschickten Schreiber und einen begaben Miniaturisten beauftragt wurde, enthält eine bemerkenswerte Zahl von Heiligennamen im Kalender, deren Festen in ganz Frankreich und in Teilen der Schweiz gefeiert wurden. So finden wir neben Saint Eutrope (Nouvelle-Aquitaine), Saint Marcel (Burgund), Saint Valérien (Burgund), St. Légier (Lac Léman) dann aber vor allem Heilige, die auf die nordfranzösischen Regionen hinweisen wie Sainte Honorine (Ile-de-France), Sainte Ouen (Ile-de-France), Saint-Amand (Französisch-Flandern). Von besonderem Interesse für die Lokalisierung sind sicherlich die selten genannten Heiligen Saint-Pôtan (Bretagne), Saint-Désir (Normandie) und Sainte Austreberthe (Normandie), die eine Verortung in die Normandie am wahrscheinlichsten machen.

Inhalt:
2r-13v
Kalendarium, Heiligenkalender mit den Namen in Rot und Blau und erhabener Blattgoldschrift
14r Evangelienperikopen "Secundum johannam" mit 3-zeiliger Goldinitiale "I" für "In principio erat verbum ..."
51r
Beginn der Marienoffizien
58r Lauretanische Litanei „Concede nos famulos tuos“
60r Lectio secunda nach Ecclesiasticus 24
63r Beginn der Psalmen-Gebete
84r Antiphona zum Totengedenken Requiem und Missa pro defunctis
103v Horae de sancto spiritu
129v Horae de sanctissima trinitate

Die Zierseiten:

19r Zierseite "Obsecro te domina sancta Maria, mater Dei, pietate plenissima" mit Goldinitiale "O"und vierseitiger Schmuckbordüre
21v Zierseite mit 3-zeiliger Goldinitiale "O" und vierseitiger Bordüre
"O intemerata et in aeternum benedicta, singularis atque incomparabilis Virgo Dei Genetrix Maria"
37v Zierseite in umfassender Bordüre mit Erdbeeren und Akanthus, Rosen und Fächerblüten sowie 7 Blattgoldinitialen
55v
Reich mit gold-blauem Akanthus, Rosenblüten und Herzblätter geschmückte Zierseite
58r Zierseite mit vierseitiger Bordüre und 4-zeiliger Intiale auf Goldgrund "Concede nos famulos tuos"
60r Zierseite mit Pinselgoldflächen und Goldpunken im floralen Rankenwerk "Et sic in Syon firmata sum, et in civitate sanctificata similiter requiem"
62v Zierseite zu den Wechselgesängen und Responsorien mit großer Goldgrundinitiale "D" für „Deus in adiutorium meum intende"
63r Beginn der Psalmen-Gebete mit Zierseite, einer 4-zeiligen und 5 kleineren Goldgrund-Initialen
103v "Nobis Sancti Spiritus gratia sit data. De qua virgo virginum fuit obumbrata". Zierseite mit 5 Goldinitialen, eine 4-zeilige
129v Zierseite "De laudibus sanctissimae Trinitatis per modum horarum"

Einmontierte Pergamentstücke
1r Einmontierter Reliefstempel in Türkis mit einer stilisierten Lilie und Federwerkkartusche.
49r Einmontierte Vignette mit Miniaturmalerei auf mandelförmig beschnittenem Pergament, die die Heilige Barbara mit Kelch zeigt.
67v Einmontierte Vignette mit Miniaturmalerei auf mandelförmig beschnittenem Pergament, die den Heiligen Paulus zeigt.
82v Einmontierte Vignette mit Miniaturmalerei auf mandelförmig beschnittenem Pergament, die einen Propheten mit Schriftrolle zeigt.

Die Miniaturen:
14r
Autorenbilder der vier Evangelisten: Johannes, Matthäus, Markus und Lukas in Rundbogen-Fensterarchitektur und Bordüre auf Pinselgoldgrund
27r Verkündigung an Maria im Gehäuse, Gabriel mit dem Schriftband "Ave gratia plena" in reicher belebter Bordüre mit zwei Fabelwesen und einem Vogel auf üppigen Akanthusranken.
51r Geburt Christi im Stall mit Ochs und Esel, zwei Adoranten-Engeln und Maria und Joseph in Anbetung des Jesusknaben.
68r König David in seinem Palst, der vor seinem Baldachin kniend zu Gott betet, links die Harfe auf einem Schrank
83r Vielfigurige Kreuzigung Christi zwischen den Schächern, links unter dem Kreuz Maria mit Johannes, dahinter Magdalena und die dritte Maria, rechts die römischen Häscher mit dem bekehrten Hauptmann
84r Totenmesse in einer romanischen Kirche mit zwei schwarzen Pleurants und vier Geistlichen, die die Messe lesen vor einem mit blauem Goldbrokat-Tuch bedeckten Sarg – Etwas knapp beschnitten, vor allem rechts am Schnitt, die Miniaturen auch oben und seltener unten (Verlust der Umfassungslinie, angeschnittene Bordüren), sonst kaum fleckig, nur wenige Gebrauchsspuren, die Farben und der Goldauftrag, sowohl Pinsel-, wie auch Blattgold in prachtvoller Frische.

Provenienz: Das Stundenbuch stammt aus der Bibliothek einer adeligen Geistlichen Isabelle du Chemin, möglicherweise aus einem Jesuitenorden, die sich auf dem Einband in goldgeprägten Versalien nennt "ISABEV" und verso "DV CHEMIN". Der schwarzbraune Einband mit goldenen Blumenstempeln zwischen den Bünden und Goldfileten, auf den Deckeln je ein doppeltes Goldfiletenband, das innere mit Eckfleurons. Als Supralibros figuriert das Christus-Monogramm "IHS" mit Kreuz, das im Strahlenkranz und Punktoval meist von den Jesuiten in dieser Form verwendet wurde. Vorderer Innendeckel mit einem montierten Namensschild "Monsieur l'Abbé Royer, Prêtre", aller Wahrscheinlichkeit handelt es sich um den französischen Priester und Abgeordneten der Generalstände von 1789, Honoré Joseph Royer (1739-1794), der der Benediktinerkongregation von Saint-Maur angehörte und das Amt des Großvikars des Bischofs von Auxerre bekleidete, bis er am 7. Juli 1794 in Paris durch die Guillotine sein Leben verlor.

Horae BMV
Französisches Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament
Los 1018 [^]

Schätzung
16.000€ (US$ 16,667)

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Horae BMV. - Französisches Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament, Kalendarium französisch. 110 nn. Bl. 16-18 Zeilen (Kalendarium 18 Zeilen). Schriftraum: 10 x 7 cm. Format: 17,3 x 12,6 cm. Text in braunschwarzer und teils in roter Tinte mit zahlreichen von 1-3-zeiligen Blattgold-Initialen in blauen und roten Kästen mit weißem Federwerk sowie Zeilenfüller in Blattgold und Farben. 10 ausgezeichnete Zierseiten mit jeweils 3-seitigen floralen Bordüren mit Ranken in Blattgold und Farben und jeweils 1 großen 4-zeiligen und mehreren kleineren Blattgoldinitialen. 6 Miniaturen in Pinselgold und Farben, ebenfalls in breiten, floralen Bordüren. Geglättetes braunes Kalbsleder vom Anfang des 18. Jahrhunderts (Kapitale leicht beschürft, etwas bestoßen, mit Tintenfleckchen, wenigen Kratzern) über 5 Bünden mit goldgeprägtem roten RSchild und reicher RVergoldung, dreifachen Deckelfileten und 2 intakten Messingschließen, Stehkantenfilete und Innenkantenvergoldung sowie dreiseitigem Goldschnitt. Nordfrankreich (Bretagne-Normandie) um 1460.
Wohlerhaltenes, sehr breitrandiges, hübsch illuminiertes Stundenbuch mit prächtigen Miniaturen.Nach dem Heiligenkalender zu schließen, entstand das hübsche Gebetbuch im Norden Frankreichs, wohl um Rouen, wo die Heiligen Saint Aubin, Saint Honorine, Saint Demètre, Saint-Désir, Saint Yves, vor allem verehrt wurden (Normandie-Bretagne)

Inhalt:
1r-12v
Kalendarium, Heiligenkalender mit den Namen in Rot und Sepia, Blattgoldmonogrammen "KL" auf jeder Seite.
14r Evangelienperikopen "Secundum johannam" etc. mit 3-zeiliger Goldinitiale "I" für "In principio erat verbum ..."
18r Beginn der Marienoffizien "De nostre dame"
21r Mariengedicht "O intemerata Maria" (O unbefleckte und für immer gesegnete, einzigartige und unvergleichliche Jungfrau Maria, Mutter Gottes, anmutigster Tempel Gottes …).
23v-24v Drei Vacat-Seiten
33r Gebete zur Laudes
48r Lauretanische Litanei "Concede nos famulos tuos"
50v Gebete zur Sext
52v
Psalmengebet Psalm 32
55r Offertorium
56v "Converte nos, Deus, salutaris noster"
60r
Beginn der Psalmengebete
77v Gebete an den Heiligen Geist
80r Psalmen, Gebete zum Totengedenken

Die Zierseiten:
18r Beginn der Marienoffizien "De nostre dame" mit dreiseitiger floraler Bordüre und 4-zeiliger Initiale auf Goldgrund "O" für "Obsecro te domina sancta maria"
21r
Zierseite mit 3-zeiliger Goldinitiale "O" und dreiseitiger Bordüre "O intemerata et in aeternum benedicta, singularis atque incomparabilis Virgo Dei Genetrix Maria"
33r Zierseite in dreiseitiger Bordüre zur Laudes "In laudibus" mit der Antiphona "assumpta est…"
48r
Zierseite mit dreiseitiger Bordüre und 4-zeiliger Initiale auf Goldgrund "Concede nos famulos tuos"
50v Zierseite zum Beginn der Sext "Ad te levavi oculos meos"
52v Zierseite "In convertendo Dominum captivitatem" (Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendete)
55r
Zierseite "Beata es Maria, quae omnium portasti creatorem saeculorum"
56v Zierseite mit 4-zeiliger Goldgrund-Initiale "C" und 7 weiteren Blattgoldinitialen
77v
Zierseite mit dreiseitiger floraler Bordüre "Nobis Sancti Spiritus gratia sit data. De qua virgo virginum fuit obumbrata"
109r
Zierseite mit 4-zeiliger Initiale "D" auf Goldgrund "Dieu regardes moi en pitie en lonneur di cel pitié que nous eustes quant …"

Die Miniaturen:
13r
Autorenbilder der vier Evangelisten: Johannes, Matthäus, Lukas und Markus in vierfach gefelderter Rundbogen-Fensterarchitektur und breiter Akanthus-Bordüre mit einem Blumentopf
21r Verkündigung an Maria im Gehäuse, Gabriel mit dem Schriftband "Ave gratia plena" in farbiger Akanthus-Bordüre Losange-Elementen mit jeweils einer Blume auf Goldgrund.
44r Geburt Christi im Stall mit Ochs und Esel beim Grasen, zwei kleine Adoranten-Engeln und Maria und Joseph in Anbetung des Jesusknaben, im Hintergrund die Stadt Bethlehem.
60r König David in seinem Palast, der vor seinem Baldachin kniend zu Gott betet, links die Harfe auf einem Schrank
75r Kreuzigung Christi zwischen Maria und Johannes in prächtiger Landschaft, im Hintergrund die Türme Jerusalems
80r Totenmesse mit Grablege vor einer Kapelle mit vier Geistlichen, die die Messe lesen und mehreren schwarzen Pleurants
105r Beweinung Christi als Pietà mit Maria vor dem Kreuz Johannes und Maria Magdalena mit dem Salbgefäß. – Nur vereinzelte, kaum nennenswerte Gebrauchsspuren, unwesentliche Flechcken oder Fingerflecke, Pergament stellenweise leicht gebräunt oder wellig, insgesamt sehr sauber und bemerkenswert breitrandig, sehr schön erhalten. Die hübschen türkischen Marmorpapier-Vorsätze im vorderen Innenspiegel mit gestochenem Wappenexlibris (Ex libris D.D.P.P. de Nicolay) des Marquis de Goussainville Seigneur d'Osny Pari Aimard-Jean de Nicolay (1709-1785).

Lot 1019, Auction  125, Dornblattranken-Bordüren, 2 Doppelblätter aus einem spätmittelalterlichen Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament. Ile-de-France um 1465.

Dornblattranken-Bordüren
2 Doppelblätter aus einem spätmittelalterlichen Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament. Ile-de-France um 1465.
Los 1019

Schätzung
500€ (US$ 521)

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Dornblattranken-Bordüren. 2 Doppelblätter aus einem spätmittelalterlichen Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament. 8 S. auf 4 Bl. Schriftraum 9,4 x 6,2 cm. Format 18,8 x 13,4 cm. Mit 24 1-zeiligen Blattgold-Initialen auf Rot und Blau und 5 großen rot und blauen Initialen auf Blattgoldgrund mit Federwerk und weißer Binnenzeichnung, jede Seite mit breiter, 2 Seiten zusätzlich auch noch mit einer schmalen Dornblattranken-Bordüre mit Akanthus, verschiedenen Blüten Federwerkranken und Blattgoldpunkten, 18 Zeilenfüller in Gold und Farben. Ile-de-France um 1465.
Ein authentisches Stück Spätmittelalter in leuchtendem, schillernden Blattgold. – Sehr feine, exzellente Bordüregestaltung auf bemerkenswert breitrandigem Pergament, minimal angestaubt, vereinzelt unwesentlich fleckig. Sehr dekorativ.

Lot 1020, Auction  125, Geburt Christi, Doppelblatt eines Stundenbuchs. Lateinische Handschrift auf Pergamnt. Nordostfrankreich (um Lille?) ca. 1470.

Geburt Christi
Doppelblatt eines Stundenbuchs. Lateinische Handschrift auf Pergamnt. Nordostfrankreich (um Lille?) ca. 1470.
Los 1020

Schätzung
400€ (US$ 417)

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Geburt Christi. Doppelblatt eines Stundenbuchs. Lateinische Handschrift auf Pergament. Schriftraum 9,8 x 5,8 cm. Format 17,4 x 11,6 cm. Mit reicher Illumination und einer Miniatur in breiter, ganzseitiger Bordüre in Pinsel- und Blattgold sowie in Farben. Nordostfrankreich (um Lille?) ca. 1470.
Besonders dekoratives Doppelblatt aus einer spätmittelalterlichen Stundenbuchhandschrift mit den Gebeten und Anrufungen: "Deus in adiutorium meum intende: Domine ad adiuvandum me festina" (Gott, merk auf meine Hilfe, Herr, eile, mir zu helfen). Die große 4-zeilige Initiale "D" in Blau mit weißer Binnenornamentik, mit blau und rotem Blattwerk und im leuchtendem Blattgoldkasten. Darüber die Miniatur zur Geburt Christi mit der schlank aufgerichteten Muttergottes in prachtvollem Goldbrokatmantel und wallendem Goldhaar, mit dem Jesusknaben in Goldstrahlen, Joseph, Ochs und Esel. – Kaum Gebrauchsspuren, minimal gebräunt, sehr schönes, dekoratives Blatt.

Ursula von Köln
Initiale "U" Handschriften-Initialminiatur auf Pergament. Italien 15. Jahrhundert.
Los 1021

Schätzung
180€ (US$ 188)

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Ursula von Köln. Initiale "U" mit dem Bild der Heiligen Ursula mit Goldkrone. Ausschnitt einer spätgotischen Pergamenthandschrift mit Initialminiatur in Gold und Farben. Ca. 13,8 x 10,2 cm. Italien 15. Jahrhundert.
Bemerkenswert schöne Initialminiatur einer wohl norditalienischen Prachthandschrift. Ganz auf leuchtendem, feinsten Pinselgold prangt die mächtige Initiale "U" in verschiedenen Rottönen, die Balken gefüllt mit feinstem floralen Goldornament. Eingefasst von üppigem blauen und grünem Akanthuswerk schließt die Initiale unten mit einer grünen Blattbordüre mit Blüten und Blattgoldpunkten ab. In der Initiale erscheint die Heilige Ursula von Köln in wallenden Gewändern, mit goldenem Nimbus und der großen Goldkrone, die sie auf ihrem Haupt hält. In den Zwickeln Granatäpfel und andere Früchte. – Nur ganz vereinzelter, minimaler Abrieb, verso mit Pergament verstärkt, sehr dekorativ.

Lot 1022, Auction  125, Erbschaftsurkunde, Kanzleiabschrift einer Berurkundung über Ländereien in Oberitalien

Erbschaftsurkunde
Kanzleiabschrift einer Berurkundung über Ländereien in Oberitalien
Los 1022

Schätzung
220€ (US$ 229)

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Erbschaftsurkunde. Kanzleiabschrift einer Berurkundung über Ländereien in Oberitalien. Lateinische Handschrift in Kanzlei-Bastarda auf Pergament. Schriftraum: 17,6 x 19,6 cm. Format: 22 x 23 cm. Mit einer großen Zierinitiale "I". Italien 1470.
In das Jahr 1470 datierte Urkunde in Sepia-Tinte auf Pergament, einst gerollt, die anhebt: "In nomine domini nostri domini Ihesu Christi Anno ab ipsius nativitate Millo quadrugentesimo septuagesimo ... Dominus Nicola de Chieregatis equite et doctore, domino Giullo de Paiellis [...]". – Mit Rollspuren, blassen Fflecken und einigen Randläsuren, jedoch ohne Buchstabenverlust, verso eine Aktennummer "No 1415".

Lot 1023, Auction  125, Antiphonale, 6 Blätter aus drei spätmittelalterlichen Antiphonale-Handschriften. Italien zwischen 1480 und 1540. Mit hübschen Initialen

Antiphonale
6 Blätter aus drei spätmittelalterlichen Antiphonale-Handschriften. Italien zwischen 1480 und 1540. Mit hübschen Initialen
Los 1023

Schätzung
1.200€ (US$ 1,250)

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Antiphonale. 6 Blätter aus drei spätmittelalterlichen Antiphonale-Handschriften, teils mit hübschen Initialen. Lateinische Handschrift auf Pergament. Formate 52 x 36 bis 60,5 x 42 cm. Mit ca. 40 Initial-Auszeichnungen, darunter 2 prächtigen Zierinitialen "V" und "E" in goldgehöhter Astwerk-Zeichnung mit Akanthusblattwerk auf grünem Grund, einem "G" in Rankenwerk auf blauem Grund und vielen anderen. Italien zwischen 1480 und 1540.
Große Antiphonale-Blätter aus monumentalen Chorhandschriften aus italienischen Klostern vom Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts. Die Einfälle der Gemeinde, Antiphonen und Responsorien sind jeweils rot rubriziert, der Text in sauberer, italienischer Textualis gotica und rotunda wird von romanischer Quadratnotation auf vierlinigen Systemen begleitet. – Wenige Gebrauchsspuren, alle Blätter in bemerkenswert guterhaltenem Zustand.

Lot 1024, Auction  125, Kalendarium, Kalendarium. Blätter aus einem spätmittelalterlichen Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament. Frankreich um 1480

Kalendarium
Kalendarium. Blätter aus einem spätmittelalterlichen Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament. Frankreich um 1480
Los 1024

Schätzung
400€ (US$ 417)

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Kalendarium. Blätter aus einem spätmittelalterlichen Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament. 12 S. auf 6 Bl. Schriftraum 13 x 7 cm. Format 18 x 11,3 cm. Mit 12 großen Doppelinitialen "KL" in Pinselgold auf Rotgrund sowie Buchschmuck in Gold auf Farbgrund in Rot und Blau, Gelbe Kapitalstrichelung und Text in Sepiaschwarz und Blassrot. Hanffadenheftung. Süd- bzw. Mittelfrankreich um 1480.
Interessantes, aus einem nordfranzösischen Livre d’Heures herausgelöstes Kalendarium mit umfangreich ausgefülltem Heiligenkalender, darunter die Tage der Heiligen "Juliani martire", also der Märtyrer Julianus von Brioude, der in der heutigen französischen Region Auvergne-Rhône-Alpes verehrt wird, "Marcelli pape", der Papst Sankt Marcellus I., "Gilberti confessoris", wohl Gilbert von Poitiers, St. Germain de Paris und viele, viele mehr. – Kleiner Einriss, kaum Gebrauchsspuren, minimal fingerfleckig, kaum gebräunt.

Lot 1025, Auction  125, Schedel, Hartmann, Weltchronik. 2 Einzelblättert aus Schedels "liber cronicarum". Nürnberg, Anton Koberger, 1493. - Dargestellt ist Moses, der von Gott die Gesetztestafeln erhält und die Entstehung von Eva.

Schedel, Hartmann
Weltchronik. 2 Einzelblättert aus Schedels "liber cronicarum". Nürnberg, Anton Koberger, 1493. - Dargestellt ist Moses, der von Gott die Gesetztestafeln erhält und die Entstehung von Eva.
Los 1025

Schätzung
300€ (US$ 313)

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Schedel, Hartmann. Liber Chronicarum. 2 Einzelblätter aus Schedels Weltchronik. Mit 2 Textholzschnitten von Michael Wohlgemut u. a. 41,5 x 28,5 cm. Unter Glas mit Passepartout in goldgeprägter Holzprofilleiste. Nürnberg, Anton Koberger, 1493.
Dargestellt ist Moses, der von Gott die Gesetztestafeln erhält und die Entstehung von Eva. – Leicht braunfleckig sonst gute Exemplare. Nicht ausgerahmt, Versand nur ohne Rahmen.

Stundenbuch
Baum des Jesse. Lateinische Handschrift auf Pergament. Frankreich um 1500. Mit golderhöhter Miniatur
Los 1026

Schätzung
300€ (US$ 313)

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Stundenbuch. Baum des Jesse. Lateinische Handschrift auf Pergament mit kolorierter und golderhöhter Miniatur. Gotica. 2 Zeilen. Schriftgröße: 8,7 x 7,9 cm. Darstellung: 17 x 10 cm. Blattgröße: 19 x 13,5. Mit Passepartout. Frankreich um 1500.
Sehr hübsche Miniatur in Rot, Blau, Grün, Weiß und mit großflächiger Goldhöhung aus einem französischen "Livres d’heures". Dargestellt ist der schlafende Jesse mit dessen Stammbaum, der die Genealogie Jesu belegt. – Leicht gewellt, mit winzigen Fingerflecken und kleinen Gebrauchsspuren, schön erhalten.

Lot 1027, Auction  125, Boccaccio, Giovanni, Il Decamerone. Deutsche Übersetzung von Arrigo

Boccaccio, Giovanni
Il Decamerone. Deutsche Übersetzung von Arrigo
Los 1027

Schätzung
2.000€ (US$ 2,083)

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Das Inhaltsverzeichnis des
Decamerone Boccaccios von Arrigo

Boccaccio, Giovanni. Das Decamerone in der Übersetzung von Arrigo. Deutsche Handschrift auf Papier. 10 nn. Bl. mit 20 S. Zwischen 28 und 30, maximial 35 Zeilen. Schrift: Deutsche Kanzleibastarda der Maximilianszeit. Schriftraum ca. 22 x 13 cm. Format: ca. 33 x 23,5 x cm. Mit zahlreichen kalligraphischen Initialen und Schnörkeln. Kartonumschlag um 1880. Deutschland (Nürnberg oder Augsburg?), ca. 1510-1530 oder Mitte des 16. Jahrhunderts.
Das Inhaltsverzeichnis von Giovanni Boccaccios Hauptwerk, des "Decamerone", in der Übersetzung des Arrigo ins Deutsche: ein in sich vollständiges Textstück mit der Beschreibung der wohl bedeutendsten italienischen Dichtung des 14. Jahrhunderts in einer prachtvollen, kalligraphischen Reinschrift feinster Ausprägung, einer kaiserlichen Kanzlei-Bastarda wohl vom Anfange des 16. Jahrhunderts. Die Handschrift wurde in den Handschriftencensus aufgenommen (Handschriftencensus. Eine Bestandsaufnahme der handschriftlichen Überlieferung deutschsprachiger Texte des Mittelalters, https://handschriftencensus.de/8248), wobei die Datierung zwischen Anfang und Mitte des 16. Jahrhunderts schwankt : Wetzel setzt 1510-1530 an, Dolch, die 2. Hälfte 15. Jahrhundert.

"Under dem gewalt und regiment der kunigin philomena / so die zuchttig gesellschaft sagen wirt von den personen ...". "Hinter dem Pseudonym Arigo, der italienischen Form für 'Heinrich', verbirgt sich der Übersetzer der ersten deutschen Gesamtübertragung des 'Decameron'. Dieser Übersetzer ist nicht, wie man früher annahm, mit dem Nürnberger Heinrich Schlüsselfelder, dem Schreiber einer Handschrift der 'Blumen der Tugend' (St. Gallen, Vad. Ms 484) identisch. Auch ältere Identifizierungen des 19. Jahrhunderts, etwa Karl Dreschers Versuch, ihn mit Heinrich Leubing, dem Pfarrer von St. Sebald in Nürnberg, zu identifizieren, oder die Annahme des Herausgebers Adelbert von Keller, der Ulmer Frühhumanist Heinrich Steinhöwel habe die Übersetzung angefertigt, erwiesen sich als falsch. Welchen Anteil Steinhöwel an der Drucklegung hatte, die zwei Jahre nach seinen Übersetzungen von Boccaccios 'De claris mulieribus' und Petrarcas 'Griseldis' in seinem Hausverlag, der Druckoffizin Johann Zainers, in Ulm erschien, bleibt unklar. Jedenfalls reiht sich das deutsche 'Decameron' nahtlos in das von Steinhöwel initiierte humanistische Verlagsprogramm ein (vgl. Amelung S. 18)" (Marburger Repertorium zur Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus, Abruf 11-02-24).

Vgl. die wissenschaftlichen Traktate zur Handschrift bei: Klaus Wetzel, Zur Überlieferung der ersten deutschen Übersetzung von Boccaccios Decamerone, in: Leuvense Bijdragen 54 (1965), S. 53-62, hier S. 57-62. Christa Bertelsmeier-Kierst, 'Griseldis' in Deutschland. Studien zu Steinhöwel und Arigo (Germanisch-Romanische Monatsschrift. Beiheft 8), Heidelberg 1988, S. 224 (irrtümlich als Sammlung Eis "Nr. 104" bezeichnet). Jürgen Wolf, Nachrichten aus dem Berliner Handschriftenarchiv I, in: ZfdA 136 (2007), S. 72-78, hier S. 73 (irrtümlich als Sammlung Eis "Nr. 104" bezeichnet). Luisa Rubini Messerli, Boccaccio deutsch. Die Dekameron-Rezeption in der deutschen Literatur (15.-17. Jahrhundert), Bd. 1: Untersuchung; Bd. 2: Texteditionen, Katalog der handschriftlichen und gedruckten Überlieferung, Bibliographien, Register und Verzeichnisse (Chloe. Beihefte zum Daphnis 45), Amsterdam/New York 2012, Bd. 2, S. 777-779 (Nr. 2 und 3). – Ränder teils etwas stärker gebräunt und wasserfleckig sowie feuchtwolkig, mit entsprechenden kleinen Läsuren wie unwesentlichen Einrissen etc. Der Text aber meist unberührt und in toto erstaunlich sauber und gut lesbar, lediglich das letzte Blatt mit größerem Eckausriss und daher geringem Textverlust. Provenienz: Privatsammlung Eduard Langer, Braunau (Böhmen), Ms. 31. Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 109.

Registrum morborum
Krankheitensnamen. Deutsche Handschrift auf Papier
Los 1028

Schätzung
500€ (US$ 521)

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"natterbiß", "trunkenhait", "weiber mit schaden", "wurm am finger"
Registrum morborum - Krankheitensnamen zur Zeit der Renaissance in Deutschland. Register mit ca. 140 Begriffen eines Krankheitsregisters. Deutsche Handschrift auf Papier. 1 Lage mit 4 Blättern mit 4 S. Text. 2 Spalten. 24-38 Zeilen. Schrift: Bastarda. Format: 20 x 13,4 cm. Geheftet mit modernem Kartonumschlag. Deutschland Anfang 16. Jahrhundert.
Interessantes Vokabular der Bezeichnungen von Krankheiten im Anfang des 16. Jahrhunderts in Deutschland - eine Quelle für die frühneuzeitliche Lingustik. Die Suchworte sind streng alphabetisch angeordnet, jeder Begriff ist mit einer oder mehreren Ziffern verknüpft, die auf Seiten in dem hier nicht vorhandenen Hauptteil der Handschrift verweisen. Dabei finden sich auch Begriffe, die durchaus auf eine ganzheitliche medizinische Betrachtung des Menschen zielen, auf Anatomie, auf einzelne Körperteile, aber auch auf mentales Befinden, auf selisches Ungleichgewicht mit Depressionen.

"Augen", "Attem", "Blattern", "Brust", "Bauch", "bösenhüft", "blut auß der nasen", "brant", "blutgang", durst","essen", "fluß des stuhls", "fleckenaußziehn", "faulpesth", "frolich werden", "fruchtbarkaith der fraw", "feuchtigkait", "gelbsucht", "gyfft", "gedechtnuß", "gewicht", "geschwulst", "gehör, "gepurd der frawe", "hüften", "herz", "hitzigblattern", "hautabgang", "hautpest", "keuchen", "krebs", "krampf", "kind", "lenden", "luft", "leib", "laxatiff", "leber", "milz", "milben im har", "maulflechte", "nagel", "nabell", "natterbiß", "nyren", "oren", "prust", "plut", "pfeffer", "rotharn", "rottnfluß", "roggenprot", "stulgang", "sperma", "speysen", "schwindel", "schlangen", "schyppen", "schlaff", "stellung des pluts", "schaden des leibs", "schleym des munds", "trunkenhait", "wurm", "wassersucht", "wunde", "warzen", "wolff", "wee im leib", "ungesundheit", "weiber mit schaden", "wurm am finger", "zyttern", "zanfleisch", "zauberey", um nur einige herauszugreifen. – Ränder etwas unregelmäßig beschnitten (nur eine Kolumne unten mit leichem Buchstabenverlust). Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 216. Mit Stempel und Signatur auf dem vorderen Innendeckel der modernen Kartonbroschur und eigenhändigem Eintrag: "Hs. 216 Lag der Hs. 214 bei, 123.8.73 bei J. Rosenthal gekauft".
Unveröffentlichte, unaufgeschnittene Lagen, die zeigen, dass die Handschrift offenbar niemals gebunden gewesen war, die letzten beiden Blätter sind leer.

Lot 1029, Auction  125, Notariatsbuch, Deutsche Handschrift auf Papier. oder Österreich Anfang bis Mitte des 16. Jahrhunderts. Wohl Süddeutschland oder Österreich, Anfang bis Mitte des 16. Jahrhunderts

Notariatsbuch
Deutsche Handschrift auf Papier. oder Österreich Anfang bis Mitte des 16. Jahrhunderts. Wohl Süddeutschland oder Österreich, Anfang bis Mitte des 16. Jahrhunderts
Los 1029

Schätzung
800€ (US$ 833)

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Notariatsbuch. Deutsche Handschrift auf Papier. 60 nn. Bl. (wenige am Schluss weiß). Bis zu 32 Zeilen. Schrift: Frühneuzeitliche Bastarda. Format: 20,5 x 15,5 cm. Kopertband d. Z. (stärker fleckig, abgegriffen, mit Einträgen) unter Verwendung einer Urkunde auf festem Pergament vom Ende des 15. Jahrhunderts. Wohl Süddeutschland oder Österreich, Anfang bis Mitte des 16. Jahrhunderts.
Vademecum eines Notars, der hier seine Urkunden kopierte oder Muster- bzw. persönliche Referenzsammlungen anlegte, die er für seine tägliche Arbeit brauchte. Unter den zahlreichen, einigen hundert Einträgen finden sich auch durchgestrichene Texte - eine reiche, bis dato noch nicht transkribierte oder weiter untersuchte Quelle der wohl österreichischen Rechtsgelehrsamkeit des 16. Jahrhunderts. Auch die den Einband bildende, wohl etwas frühere Urkunde lohnt gewiss die wissenschaftliche Beschäftigung. – Provenienz: Antiquariat Jacques Rosenthal (Hans Koch) Eching (Mit Brief vom 1.10.1974 an Eis: "Hochverehrter, lieber Herr Professor ... Von Ihrem Notariatsbuch konnte ich leider keine näheren Herkunftsangaben ermitteln. Es ist lediglich festzustellen, daß das Stück etwas 1921-22 von meiner Firma erworben wurde, wahrscheinlich auf einer Reise in Österreich ... Hans Koch") Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 161. Beiliegt ferner ein ausführlicher masch. Brief m. U. von einem Professor Brandt, Heidelberg, an seinen Kollegen Eis, in dem er diesem auf das Ansuchen antwortete, das Notariatszeichen auf der Urkunden des Einbands zuzuordnen, was diesem jedoch nicht gelingt.

Lot 1030, Auction  125, Bernhard von Clairvaux, Sant bernhardt munch spiegel, od. Spiegel des inerlichen menschen. Fragment einer deutschen Handschrift

Bernhard von Clairvaux
Sant bernhardt munch spiegel, od. Spiegel des inerlichen menschen. Fragment einer deutschen Handschrift
Los 1030

Schätzung
800€ (US$ 833)

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Bernhard von Clairvaux. Sant bernhardt munch spiegel, od. Spiegel des inerlichen menschen. Fragment einer deutschen Handschrift auf Papier. 10 nn. Bl. 28-32 Zeilen. Schrift: Bastarda. Format: ca. 16,5 x 11 cm. Moderner Umschlag. Wohl Elsass um 1525.
Recht umfangreiches Fragment mit geistlicher Prosa in früh-neuhochdeutscher Sprache, ein interessantes linguistisches Sprachmonument, das bis dato unveröffentlich in der Sammlung des Mediävisten und Heidelberger Germanistik-Professor Gerhart Eis (1908-1982) bewahrt wurde. Enthalten sind mehrere verschiedene Texte der bedeutensten mittelalterlichen Autoritäten wie Bernhard von Clairvaux (1090-1153), Vinzenz Ferrer (1350-1419) und Johannes Gerson (1363-1429), interessanterweise kombiniert mit Prosa des italinischen Renaissancephilosophen Giovanni Pico della Mirandola (1463-1494) und dem zur Zeit der Entstehung der Handschrift wohl noch lebenden katholischen Humanisten und Pädagogen Jakob Wimpfeling (1450-1528).

Dieser bunte Strauß einer individuellen Zusammenstellung von seltenen Texten zeigt die Bedeutung, die die humanistisch gebildeten Leser der deutschen Renaissance am Anfang des 16. Jahrhunderts den großen Geistern auch in literarischer Hinsicht beimaßen. Darunter "Zwölf regel Joannis pici von miranul ... zuteil geistlichen Art", "Sant bernhardt munch spiegel, od. Spiegel des inerlichen menschen", "von armut", "der wolust kurz und klein...", "underweisung ußgezogen". – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 217. Vorsatz mit dessen Stempel und eigenhändigem Verkerm: "Gekauft am 12.8.1973 bei Rosenthal, Echning. Enthält geistliche Prosa von Bernhard von Clairvaux, Johannes Gerson, Vinzenz Ferrer und Jacob Wimpfeling, Pico della Mirandola. 16. Jh., 10 Bl. Elsaß?".

[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.

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