Liebenberg
"Sammlung fürstlicher und adeliger Wappen". Deutsche Handschrift auf Papier. Um 1728
Los 1039 [^]
Schätzung
3.500€ (US$ 3,977)
Aus dem Besitz des Antiquars William Salloch, New York
Liebenberg. - "Sammlung fürstlicher und adeliger Wappen" (hs. Titel). Deutsche Handschrift auf Papier. 1 Bl. und 70 num. Wappentafeln mit hs. Beischriften. Format: 16 x 18,4 cm. Mit 71 ganzseitigen Wappenmalereien in Deckfarben und zweifach gefalteter großer Wappentafel (20,8 x 34,6 cm). Hellbraunes Halbleder d. Z. (beschabt und bestoßen, Vorsätze stärker abgerieben) über 5 erhabene Bünde mit Goldfileten und goldgeprägtem RSchild "Armories" sowie dreiseitigem Rotschnitt. Deutschland (Schloss Liebenberg) nach 1728.
Wohl für das Adelsgeschlecht der Freiherren Hertefeld (Hertefeldt) von Liebenberg am Ende des ersten Viertels des 18. Jahrhunderts angefertigtes Wappenbuch, das alle prachtvollen Wappenschilder der Freiherren bzw. Barone, Fürsten, Könige und Kaiser zeigt, die irgendwie mit dem Geschlecht verwandt und assoziiert sind. So zeigt die große Falttafel am Schluss (No. 71) das Wappen "Cleve", da die Hertefeldt dem kleveschen Adelsgeschlecht im 17. Jahrhundert entstammen: "Comtes de Lottum et Willich".
Am Anfang ein großes kaiserliches Wappen mit Krone, Einhorn, Greif und dem Orden vom Goldenen Vlies mit hs. Beischrift "Duc d'Espagne en Russie - Liria grand et Ambassadeur 1728". Enthalten sind auch englische und schottische Adelsgeschlechter "Angleterre", "Ecosse", "France" z. B. "Du Bourg Maréchal de France et Gouverneur de Straßbourg", "Hollande", "Gueldre" etc. – Nur vereinzelte kleine Oberflächenbereibungen, wenige Farbabplatzungen, fast durchgehend in bemerkenswert guter, frischer Qualität.
Provenienz: Vorsatz mit kleiner gelber Klebefiche: "Aus der Bibliothek des Baron von Hertefeld in Liebenberg". Das Geschlecht der Freiherren von Hertefeldt zu Schloss Liebenberg in Brandenburg (nördlich von Berlin im Löwenberger Land) hatte wohl als wichtigsten Spross den Freiherren Samuel von Hertefeldt aus dem klevischen Adelsgeschlechts von und zu Hertefeldt hervorgebracht, einen preußischen Staatsmann, Geheimer Oberfinanz-, Kriegs- und Domänenrat sowie Ritter des Schwarzen Adlerordens, der als Erbherr von Liebenberg erstmals ein Schloss errichten ließ, in dem auch eine Bibliothek eingerichtet wurde. Mit altem Wappenstempel auf dem Vorsatzblatt. Vorsätze aus türkischem Marmorpapier, der hintere mit Marke des bedeutenden Antiquars William Salloch, New York.
Rossarznei und geistliches Lied
Deutsche Handschrift auf Papier. Deutschland 1728
Los 1040
Schätzung
220€ (US$ 250)
Rossarznei und geistliches Lied. Deutsche Handschrift auf Papier. Fragment. Deutschland 1728. - Rezepte zur Kurierung von Pferden:
Rossarznei und geistliches Lied. Deutsche Handschrift auf Papier. Fragment mit 6 nn. Bl. Schrift: deutsche Kurrent. Format: 21 x 16 cm. Moderner Kartonumschlag. Deutschland 1728.
Rezepte zur Kurierung von Pferden ("Wenn ein Roß aufgebrochen ist mit Zeiten..."), denen "Ain segenes Geistliches Liedt" beigegeben ist. An dessen Schluss datiert "1728". – Erstes Blatt hier zu einem Drittel abgerissen (Textverslust), wahrscheinlich fehlen anfangs weitere Blätter, etwas fleckig, mit Gebrauchsspuren. Provenienz: Tenner Heidelberg Auktion 81 10/1970. Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 157.
Neuschloß
Kontorbuch aus der Kaunitz-Bibliothek Neuschloß. Deutsche Handschrift auf Papier
Los 1041
Schätzung
460€ (US$ 523)
Kontorbuch der bedeutenden böhmischen Residenz "Neuschloss"
Neuschloß. - Kontorbuch aus der Kaunitz-Bibliothek Neuschloß. Deutsche Handschrift auf Papier. Ca. 80 Bl. mit ca. 80 beschriebenen S. in brauner Sepiatinte und 36 Vakat-Blätter.Tabelle mit 4 Spalten, bis 30 Zeilen mit Einträgen. Schrift: deutsche Barock-Kurrent. Format: 19,5 x 16,5 cm. Geheftet und über 3 Bünde (ohne Decken, aus einem Einband ausgelöst). Neuschloß, Nordböhmen 1750-1761.
Aus dem heutige tschechischen Schloss Nový zámek (Neuschloß) stammendes Kontorbuch mit Hunderten von Einträgen der Jahre 1750-1761, die eine ganze Wirtschaftsgeschichte im Barock rekonstruieren lassen: "Ausgabe von NeuSchloß Monath January 1750". Zum Barockschloss gehört der Neugarten sowie die größten Parkanlagen Böhmens, die im Stil der englischen Gärten angelegt worden waren - und noch heute zu den bedeutendsten Tschechiens gehören.
Das Kontorbuch, das aus der Bibliothek des Fürsten Wenzel Anton von Kaunitz (1711-1794) stammt, verzeichnet Einnahmen und Ausgaben, etwa: "Vor die pro Januario abgeführende contribution", "Den Pfarrer und denen Rechen Vättern sambt buben und contor der colecta", "Kircheninteressen", "Nach Prag geschicket der Herr Ragnitzki", aber auch Reparaturarbeiten wie: "die Schoßstiegen machen zu lassen" und vieles, vieles mehr. – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 43. Mit auf den Vorderdeckel montierter Fiche: "Handschrift 43 Ausgabenbuch (aus Neuschloß), 18. Jhdt. im Besitz von Dr. Gerhard Eis, Prag 1938". Kostbar sind auch die zahlreichen Vakat-Blätter feinster Bütten aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Rönisch, Carl Ernst
"Einige Anmerkungen" - Chronik von Hubertusburg, Dt. Handschrift auf Papier
Los 1042
Schätzung
3.200€ (US$ 3,636)
Witterung, Moritaten und politisches Weltgeschehen - die unveröffentlichte Chronik von Hubertusburg
Rönisch, Carl Ernst. "Einige Anmerkungen und Beobachtungen gesammlet von Carl Ernst Jänisch in Hubertusburg, bis zu Ende des 1807ten Jahres" [und:] "Fortsetzung der Anmerkungen und Beobachtungen von 1808 an gesammlet", 2 Teile in 1 Band. Deutsche Handschrift in schwarzbrauner und roter Tinte auf Papier. 48 nn.; 26, 2 w. Bl. mit zus. 148 dicht beschriebenen Seiten in deutscher Kurrent. Schriftraum ca. 28 x 18 cm. Format 35 x 22 cm. Mit kleiner Federzeichnung. Halblederalbum d. Z. mit 4 Bindebänder, Deckelbezügen in Kleisterpapier (beschabt, bestoßen, berieben) und montiertem leeren Titelschild. Hubertusburg 1770-1813.
Unveröffentlichte, sehr umfangreiche und überaus detaillierte Chronik der Güter, Ländereien und Gegenden um den Weiler Hubertusburg bei Wermsdorf und Oschatz in Sachsen, ungefähr auf halbem Wege zwischen Leipzig und Dresden. Das Jagdschloss, auf dem der sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August III. temporär residierte, war als barocker Prachtbau ab 1720 errichtet worden, der Autor der Handschrift Carl Ernst Rönisch war als Gärtner und Landwirt zunächst als Adjunkt, später als Verwalter der Güter tätig und begleitete diese Tätigkeiten in seinen Aufzeichnungen, wobei er minutiös das Wetter, die Witterung, das Klima, was sich alles auf die Landwirtschaft auswirkte, dokumentiert. Zur Chronik gehören aber auch alle historischen Ereignisse der näheren Umgebung, die Rönisch in den weltpolitischen Zusammenhang stellt, was die Chronik zu einer geradezu einzigartigen Quelle der Geschichtsforschung macht. Beispielsweise werden alle Truppenbewegungen der Russen, Habsburger, der Preußen und Franzosen taggenau genannt, aber auch sämtliche sich im näheren sächsischen Raum zugetragenen Moritaten, die der Autor wie folgt kennzeichnet:
"+ Ein Kreutz, auf der linken Rande bedeutet natürliche Todes Fälle; ++ Zwey Kreutz, Gemordete und Selbstentleibte; +++ drey Kreutz, durch die Justiz Hingerichtete."
Vor allem auch für die Paläoklimatologie dürfte die Chronik von unschätzbarem Wert sein, lässt sich hier doch ein nahezu lückenlos dokumentiertes Klimabild über mehr als 40 Jahre verfolgen. Rönisch schreibt u. a.:
"Im Jahre 1762 den 15 Febr: verließ ich meinen Geburts-Ort Cölln, wo mein Vater damals auf dem Königl. Jagd-Hause Hallali, als Gärtner und Hausmann diente, und begab mich auf Reisen. 1763, den 15 Febr. ist der Friede wegen des 7jährigen Krieges zu Hubertusburg geschlossen worden. In dem näml. Jahr ist mein Ehrherr, der Hofgärtner Starke in Meissen Salzverwalter worden, und mein Vater in seiner Stelle zu Hubertusburg eingerückt, jedoch mit Beybehalt des Collenschen Gartens [...]. Nach Achthalbjährigen Reisen kam ich 1769 den 11 Junii glücklich in Hubertusburg an [...]".
"1771 war ums neue Jahr die angenehmste Witterung, viele Landleute die wegen grosser Nässe vor Winters nicht hatten bestellen können, säeten jetzt ihr Winterkorn. Den 25 Januar: wurde der bekannte Kirchen Räuber Eulitz, zu Oschatz an den dortigen Raths-Galgen gehängt. Gegen Ende Januar stellte sich Frost und Schnee genug ein [...]. In diesem Monate erhielt ich auch mein Adjunctur-Decret von Dresden.", "1772 [...] Den ganzen Sommer hindurch war die Witterung vermischt mit Gewittern und fruchtbar, den 13 Sep. der erste Reiff, den 25 Sept. wurde der Mordbrenner Namens Bäumler aus Lanpertswalde, welcher 1769 in Calbitz den großen Brand verwahrlost hatte, in Großböla [Großböhla] auf einem Scheiderhaufen verbrannt.", "1774. [...] Den 27 Mart. war der Palm-Sonntag, geschahe hier zu Wermsdorf eine fast unerhörte Mordthat: Ein Weib, namens Grüblerin, erschlug mit einer Holzaxt zu erst ihren Ehemann, hernach ihres Mannes Bruders Sohn, einen Menschen von 19 bis 20 Jahren, den sie an Kinds Statt angenommen hatten, beyde schlafend und in Betten liegend. Ihre vorher geäußerte Melancholie brachte sie nach Waldheim unter die Wahnwitzigen, wiewohl sie eine härtere Strafe verdient hätte."
"1791 [...] In diesem Jahr war die bekannte Zusammenkunft des Kaisers Leopolds, und des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm II. in Pillnitz, wo sie sich gegen die in Rebellions Stande befindlichen Franzosen verbanden, auch würklich mit ganzer Macht gegen dieselben marchierten, sich aber um die Eroberungen zankten, und darüber, so wie über den Rang selbst uneins wurden, wodurch die Franzosen nicht nur Luft bekamen, sondern die Preussen so gar auf ihrer Seite zogen. Die Kaiserin von Rußland räumte Preussen Danzig und Thoren [Thorn] ein, und es bey der Coalition zu erhalten, aber Preussen brauchte keinen Ernst mehr, ob es gleich noch ein Jahr die Campagne mit machte".
Die ständige Bedrohung durch die napoleonischen Truppen wird ebenfalls ausfühlich für den Landstrich protokolliert. So heißt es "Anno 1813 [...] den 4 [April] sehr kühl, an diesem Tage rückten in Mutzschen und umliegender Gegend viel Russische Cavallerie ein, aus dem hiesigen Magazin holten sie Hafen und Heu, in Reckwitz hatte jeder Bauer [Dienst?], den 5 hatten sie Rasttag, und gingen den 6 mit 12 Stücken Geschütz hier durch Wermsdorf nach Luppa zu, die Pferde waren schön, nicht so ihre Aufführung, den ganzen Tag heftiger Wind, den 9 ein wahrer Sommertag, abends querelten die Frösche [...]". Die kleine Randzeichnung mit einer ekliptischen Wetterskizze, die einen Regenbogen darstellt. – Vollständig, Bindung teils gelockert oder Lagen etwas ausgebunden, vereinzelte kleine Gebrauchsspuren und Braunfleckchen, teils etwas gebräunt, insgesamt sehr saubere, bemerkenswert gut lesbare Handschrift. Beiliegt ein weitere Blatt "Witterungsbeobachtung" von 1841.
Costanza, Lorenzo
"Storia della Chiesa di Inghilterra". Italienische Handschrift auf Papier.
Los 1043
Schätzung
300€ (US$ 341)
Die Untaten Heinrichs VIII vor der katholischen Kirche: "Matrimoni con Poligamie d'Enrico 8"
Costanza, Lorenzo. "Storia della Chiesa di Inghilterra". Italienische Handschrift auf Papier. 1 Bl., 68 S., 2 Bl. Register. 27 Zeilen. 26 x 17 cm. Italienische Kursiva-Kurrent in Sepia. Dunkelbraunes Kalbsleder d. Z. (Deckel stärker geworfen, fleckig, mit kleinen Lederfehlstellen, etwas brüchig) mit RVergoldung. Italien 1773.
Interessante Darstellung der Geschichte Englands aus italienischer Perspektive von dem Studioso Lorenzo Costanza, der sich am Schluss (S. 68) als Autor und Propst, Leiter eines Kollegiatstifts von Albiano (im Trentino) nennt. Er bedauert gleichzeitig die Auflösung des Jesuitenordens, die der Kirche großen Schaden zufügen würde. Den Jesuitenorden (die "Societas Jesu") hatte bekanntlich Papst Clemens XIV. am 21. Juli 1773 durch das Breve "Dominus ac Redemptor" offiziell aufgelöst: "Di Lorenzo Costanza prevosto d'Albiano. Lavoro di mesi due luglio ed agosto 1773. Nei sud[detti] mesi è seguita l'abolizione della Compagnia di Gesù e un grave danno della Chiesa".
Der Text enthält die wichtigsten Ereignisse der englischen Geschichte seit der Neuzeit und dem von Heinrich VIII. eingeführten Anglikanismus mit Kapiteln: "Della Chiesa d'Inghilterra", "Durazione della Fede Cattolica nell'Inghilterra", "Ruina della Chiesa d'Inghilterra sotto Enrico 8", "Enrico ottavo prima Cattolico", "Enrico 8 ripudia la Consorte per sposar Anna Bolena", "Sentenza del Papa intorno al matrimonio d'Encrico e Scommunica", "Sacrilegi e crudeltà d'Enrico 8", "Matrimonj con Poligamie d'Enrico 8", "Ultime disposizioni e morte d'Enrico 8", "Odoardo VI", "Maria", "Elisabetta", "Carlo primo", "Interregno", "Carlo 2", "Giacomo 2" etc. Am Schluss ein ausführliches Register. Es folgt eine Übersetzung der berühmten "Lettera di Maria Stuarda Regina di Scozia scritta dalla prigione a Sisto V". – Kaum Gebrauchsspuren, nur gelegentlich anfangs und am Ende leicht angestaubt, aus dem Besitz eines "Luciano Caruso" mit dessen Exlibris.
Chur und Graubünden
Stadtrecht. Deutsche Handschrift auf Papier.
Los 1044
Schätzung
800€ (US$ 909)
Das Graubündner Stadtrecht von 1676
Chur. - Stadtrecht. Deutsche Handschrift auf Papier. 2 Teile in 1 Bd. Bl., 163 S., 8 w. Bl.; 1 Bl., 40 S. Ca. 36-46 Zl. Format 17,5 x 11 cm. Mit 2 hübschen Federwerk-Vignetten und kalligraphischen Auszeichnungen. Schlichter Pappband d. Z. (unteres Kapital fehlerhaft, beschabt). Chur 1774.
Graubündener Codex mit dem ausführlichen Stadtrecht für die Stadt Chur, der heutigen Hauptstadt des ostschweizerischen Kantons Graubünden, geschrieben in feinster deutscher Kurrentschrift mit Auszeichnungen in kalligraphischer Fraktur und zwei hübschen Vignetten, davon eine Blume in Federzeichnung: "Stadtrecht" (Teil I) und "Ordnungen Eines Hoch und Wohlweisen Raths, Vogtgerichts, Ehegerichts, Stadtgerichts, Avvellatz-, Kundschaffts, Offenrechts, Arrests und Prefectengerichts, Erneuert und verbessert im Jahr 1676 Abgeschrieben 1774" (Teil II). Tatsächlich markiert das Jahr 1676 einen wichtigen Zeitpunkt in der Rechtstradition der Stadt Chur, die als älteste Stadt der Schweiz gilt. Stadtrechte waren in dieser Epoche von zentraler Bedeutung für die Organisation des städtischen Lebens und die Zentralität des Ortes. Sog. "Avvellatz-Gesetze" wurden vertreten durch Avvellatz-Richter (auch Avellaz-Richter), die v. a. im 17. und 18. Jahrhundert in den "Drei Bünden" (einem Vorläuferstaat des heutigen Graubünden in der Schweiz) tätig waren, was das Stadtrecht von 1676 kodifizierte.
"Ordnung Wieder das Gotteslästern", "Ordnung des Kirchgangs halber", "Ordnung Wieder die Kupplerey", "Ordnung in Churbündischen Erbfällen", "Ordnung wegen den Pferden vor den Hirten zu treiben", es folgen zahlreiche Gewerbeordnungen, etwa: "Ordnung der Metzgereyen", "Ordnung der Pfisteren", "Ordnung der Mülleren", "Ordnung der Wagneren", "Ordnung der Flözern" und vieles mehr, mit ausführlichem Register. – Kaum größere Gebrauchsspuren, meist sehr sauber und frisch und in feinster Schönschrift sauber auf Papier gebracht.
Meister Albrant
"Albrechts Roßarzneibuch, Rosenberger Pelzbuch"
Los 1045
Schätzung
500€ (US$ 568)
Rossarzneibuch Meister Albrants und Pelzbuch
des Jost von Rosenberg
Meister Albrant. "Albrechts Roßarzneibuch, Rosenberger Pelzbuch". Großes Fragment einer böhmischen Sammelhandschrift in tschechischer Sprache auf Papier. 159 (statt 185?) Bl., mit Seitennummerierung 53-412 (mit Fehlern und Sprüngen). Ca. 14 Zeilen. Schrift: nordböhmische Kurrent. Schriftraum: 19 x 16,4 cm. Format: 22 x 18,5 cm. Mit Rubrizierung und kalligraphischen Auszeichnungen der Überschriften in roter und brauner Feder. Halbleder d. Z. (Kanten und Ecken beschabt, gering bestoßen). Nordböhmen (Ploschkowitz, Leitmeritz) um 1800.
Gerhard Eis, Meister Albrants Roßarzneibuch im deutschen Osten (Schriften der Deutschen Wissenschaftlichen Gesellschaft in Reichenberg 9), Reichenberg 1939 (Nachdruck [Documenta Hippologica] Hildesheim/Zürich/New York 1985). - Gerhard Eis, Meister Albrants Roßarzneibuch. Verzeichnis der Handschriften, Text der ältesten Fassung, Literaturverzeichnis, Konstanz 1960, S. 15-21. – Großes Fragment einer besonders umfangreichen böhmischen Handschriften-Anthologie mit großen Teilen aus Meister Albrants Roßartzneibuch, des bedeutendsten hippiatrischen Textes des Mittelaltes, der in mittelhochdeutscher Sprache im 13. Jahrhundert wohl am Hofe des Stauferkönigs Friedrichs II. entstanden war. Geschildert werden 36 typische Krankheiten der Reitpferde und Anweisungen zu deren Kurierung. Der Mediaevist und Germanist Gerhard Eis, Heidelberg (1908-1982) sammelte Überlieferungen in Handschriften wie der vorliegenden des späten 18., bzw. frühen 19. Jahrhunderts, die er edierte, um damit erstmalig die Bedeutung der Roßarznei Meister Albrants für die Entwicklung der deutschen Sprache zu manifestieren. Wie wenige andere Texte wurde das Pferdebuch als praktische Diagnose- und Kurationsanweisung nahezu lückenlos über 800 Jahre tradiert und bildete somit ein Kaleidoskop der Sprachentwicklung und wichtige Quelle für die Linguistik zwischen Mittelalter und Neuzeit.
"Im Herbst 1937 von dem Prager Antiquar K. Zink gekauft. Es ist eine um 1800 hergestellte Abschrift eines Werkes, das 1599-1601 abgefaßt worden sein muß. Ein Pferdesegen aus Ploschkowitz bei Leitmeritz [das heutige Ploskovice bei Leitmeritz in Böhmen], ist 1599 datiert und das Pelzbuch das den ersten Abschnitt bildet, ist Peter Wok von Rosenberg (+1611) gewidmet, der Herr auf Krummau genannt ward. Diese Herrschaft verkaufte er jedoch 1601. Der erste Teil ist ein Roßarzneibuch, das zum großen Teil Vorschriften des Meisters Albrant, Kaiser Friedrichs Schmied, enthält. Von besonderer Wichtigkeit ist der vierte Teil, das Rosenberger Pelzbuch, von Jost von Rosenberg für Peter Wok von Rosenberg, verfaßt" (eigenhändiger Eintrag Gerhard Eis). Gemeint ist der Grundherrr Peter Wok von Rosenberg (1539-1611). – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg. Mit einmontierter Fiche auf dem fliegenden Vorsatz: "Handschrift H. 33 Albrechts Roßarzneibuch, Rosenberger Pelzbuch u. a. im Besitz von Dr. Gerhard Eis, in Ruppersdorf bei Reichenberg in Böhmen ist nach den Grundsätzen der [durchgestrichen:] Königl. Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin von Herrn Doz. Dr. Gerhard Eis im November 1937 aufgenommen worden". Fliegender Vorsatz mit umfangreichen hs. Einträgen des Germanisten und einer höchst ausführlichen Liste der Bibliographie von Veröffentlichungen über die Handschrift mit neun Titeln, meist von Eis selber.
Ghigini, Giovanni
Sull’abuso della sciringa nell’iscuria vesicale. Italienische Handschrift auf Papier
Los 1046
Schätzung
250€ (US$ 284)
Einzige Abschrift des weltweit einzigen Exemplars einer einzigartigen Schrift
Ghigini, Giovanni. "Sull’abuso della sciringa [sic] nell’iscuria vesicale. Memoria di Giovanni Ghigini chirurgo presso l’artiglieria italiana. In Pavia, presso Giovanni capelli stampatore e libraio, MDCCCIV". Italienischen Handschrift auf Papier. 1 w. Bl., 19 num. S., 3 w. Bl. 28,5 x 20 cm. Fadengeheftet. Pavia nach 1804.
Abschrift in sauberer Kurrent von einer einzigen Hand - eine Manuskriptkopie der gedruckten Ausgabe (Pavia 1804), von der laut Opac Sbn und OCLC, Nr. 560487856, offenbar nur ein Exemplar erhalten geblieben ist, das sich heute in der British Library befindet (aber keines in Italien, keines in Deutschland oder in Frankreich). Dieses Traktat wurde von Sir John Forbes zitiert, "The Cyclopaedia of Practical Medicine III, S. 171)". Der Autor Giovanni Ghigini war 1839 "erster Chirurg und Hofarzt" in Parma. Hier untersucht er den oft tödlichen Missbrauch einer Spritze ("sciringa", heute "siringa") bei Blasenentleerungsstörungen.
Wilhelm V. von Oranien
Gedicht. Niederlanden (Delft?) um 1806
Los 1047
Schätzung
200€ (US$ 227)
Wilhelm V. von Oranien. Gedicht. Niederdeutsche Handschrift auf Papier. 8 nn. Ca. 20-28 Zeilen. Schrift: Niederländische Kurrent. Schriftraum: Format: 20 x 15 cm. Mit Titelkalligraphierung in Sepia. Moderner loser Umschlag. Niederlanden (Delft?) um 1806.
Zeitgenössische Abschrift einer Nänie auf Wilhelm V., Prinz von Oranien-Nassau (1748-1806): "Op de verzaardag van Willem, Den 5de Prince van Orange en Nassau, Plegtig??? geriert den 8. Maart 1787" (Am Begräbnistag von Willem, dem 5. Prinzen von Oranien und Nassau). Das Gedicht beginnt: "Zoo bliefst willem met ons Leven ...". – Saubere Handschrift, gut lesbar, Ränder teils etwas knickspuring und brüchig, nur leicht gebräunt, kaum fleckig. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 209.
Kochen und Backen
Handschriftliche Kochbücher aus dem 19. Jahrhundert
Los 1048
Schätzung
400€ (US$ 455)
Kochen und Backen. Handschriftliche Kochbücher aus dem 19. Jahrhundert. 2 Bände. Deutsche Handschrift auf Bütten. 196 hs. S., Bl., 19 l. w. Bl; 93 Bl. Ca. 23 Zeilen. Schrift: Kurrent. Format: 19,5 x 16,5 cm bzw. 21 x 17,5 cm. (1) Pappband d. Z. (beschabt und bestoßen); (1) Halbleinen d. Z. (beschabt, bestoßen, fleckig, Rücken offen und mit Fehlstellen). Preußen (Wittenburg) 1820-1861.
Die beiden Kochbücher stammen aus Preußen und vereinen daher typische deutsche und französische Gerichte, eines ist aus Wittenburg in Mecklenburg. Sie tragen je einen Titel: "Sammlung von mancherley Recepten zum einmachen und Kochen" und "Kochbuch für A. Henninges". Darin finden sich zahlreiche Rezepte und Anleitungen zum Einmachen, Backen, Kochen und Zubereiten von verschiedenen Gerichten aus der preußischen und französischen Küche. Zum Beispiel: "Grüne Erbsen einzumachen", "Sauce Robert", "Créme à la Vanille zu machen", "Tourte de Créme", "Orangen zu machen", "Kirschen Saft zu machen", "Reis-Kuchen zu machen", "Citronen Kuchen zu machen", "Mandelpudding zu machen", "Borstorffer Aepfel Gelée zu machen", "Pflaumen ahn Zwetschen mit zucker zu trocknen", "Zinn-Brey zu machen", "Eier Schnee zu machen", etc. – Papierbedingt gebräunt, etwas braun- und stockfleckig sowie etwas gewellt. Das Kochbuch aus dem Jahre 1861 mit offenem Innensteg ab Blatt 5 sowie etwas feuchtrandig.
Gebett Büchlein
aus Lindenhau im Egerland. Deutsche Handschrift auf Papier.
Los 1049
Schätzung
600€ (US$ 682)
Reich illuminiertes Gebetbuch aus Lindenhau im Egerland
"Gebett Büchlein" aus Lindenhau im Egerland. Deutsche Handschrift auf Papier. 1 Bl., 154 hs. num. S., 2 w. Bl. 16-22 Zeilen. Schriftraum 12,4 x 7,2 cm. Format 16,6 x 10,2 cm. Sepiabraune Handschrift mit kalligraphischen Fraktur-Auszeichnungen in Rot und Blau, Textrahmungen in doppelter Federlinie, illuminiert mit 55 große Zierinitialen "O", Bordüren, Kopf- und Schlusstücken mit floralen Darstellungen, üppiger farbiger Buchschmuck in feiner Gouache sowie 11 ganzseitigen, farbig gouachierten Miniaturen. Schwarzer, strukturgeprägter Kalbslederband d. Z. (bestoßen, leicht beschabt, Bezug mit winzigen Fehlstellen und leicht wellig) mit oxidierter Goldprägung Eckfleurons, Palmettenbordüre und Initialen "A.G. 1834". Lindenhau 1834.
Sehr hübsches, reich illustriertes Gebetbuch zum privaten Gebrauch einer Betschwester mit Initialen "A.G." aus Lindenhau im Egerland, das heutige Lipová u Chebu im Okres Cheb mit wiederholten, vielfach farbig gestalteten Initialen "O" für "O Gott allmächtiger himmlischer Vater", "O liebste barmhertzig Jungfrau Maria", "O liebster güthigster Herr Jesu", "O sanftmüthiges Lämmlein" etc. Die Miniaturen zu den einzelnen Gebetsabschnitten zeigen den Heiligen Franziskus, das Kreuz mit den Arma Christi und den symbolischen Darstellungen der Geburts- und Grabeskirche, Christus mit dem Engel und Kelch in Gethsemane, "Vor der Beicht" mit Darstellung des Heiligen Paulus, ferner "St. Felix", Kelch und Hostie "Dieß ist wahrhaftig mein Leib nehm ihn hin und esset", Christus als Infans mit Kugel und Kreuz, Marienmonogramm mit Krone etc. Am Ende: "In Lindenhau ist mein Vaterland! Wo ich sterben werde ist Gott bekant - Die Römisch Jahrszahl MDCCCXXXIV 1834". – Abgesehen von üblichen Gebrauchsspuren wie Fingerfleckchen, wenigen Bräunungen und Flecken, vereinzelten Farbwischern sehr schön erhalten.
Chasles, Julien
Arithmetik. Französische Handschrift auf Papier
Los 1050
Schätzung
900€ (US$ 1,023)
Chasles, Julien. Arithmetik. Französische Handschrift auf Papier. 292 (ab S. 203 alle w.) hs. num. S. Schrift: Gotica textualis, Textura, Bastarda etc. Format: 40,5 x 25 cm. Mit 98 Kopfvignetten in roter, grüner und gelber Tinte gezeichnet. Modernes Halbleder. 1838.
Reich illustriertes Buch über die Arithmetik, von Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division bis hin zu Bruchrechnung. Bis Seite 195 ist jeweils recto eine Kopfvignette in Tinte gezeichnet mit Darstellungen von Hunden, Engeln, Löwen, Kranichen , Pferden, Blumen und Sträußen in Rot, Grün und Gelb. Die letzten fünf Blatt mit Kassenbuch Einträgen von 1895 bis 1905. – Die ersten drei Blatt etwas wurmstichig, durchgehend leicht braun- und stockfleckig. Mit kleinenren Randläsuren, Kopfvignetten teils mit Abklatsch. Die letzten drei Blatt mit Notizen über den Bürgerkrieg in Syrien im Jahr 1860.
Kochbücher
3 deutsche, englische und französische Handschriften auf Papier
Los 1051
Schätzung
750€ (US$ 852)
Kochbücher. 3 deutsche, englische und französische Handschriften auf Papier. 3 Bände. 1 Bl., 169 hs. S., 16 Bl., 121 überwiegend weiße Bl.; 640 hs S., 14 Bl; 192 S., 6 w. Bl., 6 Bl., 28 w. Bl (letztes beschriftet). Schriftraum: 18 x 14 cm bis 20,5 x 16,5 cm. Format: 22 x 17,5 cm bis 19,5 x 15 cm. Pappband d. Z. (etwas lädiert, bestoßen und berieben, 1 Band mit größeren Fehlstellen und Rücken fehlt) 1 Band mit hs. RSchild. Deutschland 1857 bzw. Bochum 1868.
Zwei der Bücher tragen die Titel "Kochkunst" und "Koch-Buch", während das dritte Buch ohne Titel ist. Zwei umfangreiche Kochbücher aus dem deutschen Raum in deutscher, englischer und französischr Sprache mit zahlreichen Rezepten, wie zum Beispiel "gefüllte Kartoffeln", "Blumenkohl mit Baulion", "Spargel mit Eier", "Reisbudding", "Milch Créme", "Zitronen Créme", "Detto à la Villeroi", "Queen-cakes", "Little plummcake to keep long", "Very good common plum-cakes", "Bouillon", "Bouillon clair", "Consommé", "Duppe à la Francaise", etc. – Papierbedingt gebräunt, weiße Blätter teils mit größeren Fehlstellen, mit Randläsuren sowie etwas braun- und fingerfleckig.
Schorn, Carl
Tour nach Paris 1851. Lebens-Ereignisse vom Jr. 1836-1857
Los 1052
Schätzung
150€ (US$ 170)
Schorn, Carl. "Tour nach Paris 1851. Lebens-Ereignisse vom Jr. 1836-1857". Deutsche Handschrift auf Papier. 88 Bl. Ca. 20-26 Zeilen. Format: 16,5 x 10 cm. Halbleder d. Z. (Rücken stark lädiert) mit hs. VDeckelschild. Aachen und Paris um 1857.
Reisetagebuch des 32-jährigen Carl Schorn, gebürtig aus Essen und Wohnhaft in Cöln. Dem beiliegenden Reisepass zufolge werden seine Personalmerkmale so beschrieben: braunes Haar und Augenbrauen, gebogene Nase, gesunde Gesichtsfarbe, schlanke Statur.
Schorn unternahm seine Reise von Trier über Aachen nach Paris. Die Aufzeichnungen enthalten Beobachtungen zum Wetter, Beschreibungen seiner Tagesrouten sowie Notizen zu besuchten Orten und Gebäuden, darunter Notre dame, das Hôtel de Ville, die Rue Montmartre, Place du Nord, verschiedene Cafés und Restaurants. Ausführlich schildert er den Besuch von Schloss und Park von Versailles; vorhanden ist eine gezeichnete Grundrissskizze des Westflügels mit dem Vorbau. Mehrfach erwähnt er die durch Regenwetter beeinträchtigten Besichtigungen.
Namentliche Erwähnung finden Louis Napoleon, Horace Vernet, Gräfin Pavlowska. – Papierbedingt wenig gebräunt und kaum stockfleckig.
Alemannisches Hausbuch
Deutsche Handschrift auf Papier. um 1860-1893. - Südwestdeutschland, alemannischer Raum um 1860-1893
Los 1053
Schätzung
300€ (US$ 341)
"Tauschgeschäft" der Badischen Landesbibliothek
Alemannisches Haus- und Jagdbuch. Deutsche Handschrift auf Papier. 158 S., davon 1-147 eng beschrieben, inkl. vorderer Vorsatz. 30-60 Zeilen. Schrift: Kurrent. Format: 16,4 x 10,2 cm. Halbleder d. Z. (etwas beschabt und bestoßen, berieben) mit 1 (statt 2) Bindebändern. Südwestdeutschland, alemannischer Raum um 1860-1893.
Von mehreren Händen angefertigte Zusammenstellung von Exzerpten mit Hunderten von Rezepten und Anweisungen für Krankheiten, Kuren, Verwendung von Kräutern und Chemikalien als Heilmittel. Ferner Ausführungen zur Jagd, Fischfang, Pferden und Landwirtschaft. Das Buch fasziniert vor allem durch sein lückenloses Beschreiben des Papiers: Bis auf den äußersten Rand wurde mit sauberer, flüchtiger, gröberer und feinener Feder in schwarzbrauner oder brauner Sepiatinte Rezepte eingetragen gegen allerhand Schmerzen und Haushaltsprobleme, teils mit lateinischen Bezeichnungen der Medikationen und Remedien. Die Schrift wird mit höherwerdender Seitenzahl immer enger und feiner bis fast hin zu einem Mikrogramm-Duktus, die letzten Seiten sind mit Bleistift weitergeführt worden.
Laut dem Germanisten und Mediävisten sowie Medizinhistoriker Gerhard Eis (1908-1982) handelt es sich um eine Handschrift aus dem alemannischen Sprachraum und nachweislich auch um Kompilationen aus Zeitschriften wie etwa dem "Oberkircher Boten", die Zeit zwischen 1860 und 1893 umfassend.
Vgl. den Aufsatz von Gerhard Eis, Alte Jägerkunststücke aus unbekannten Handschriften, in: Zeitschrift für Jagdwissenschaften VII, 1961, S. 127, in der Eis schreibt: "Es werden sechs kurze Rezepte für Jäger mitgeteilt, die in unbekannten altdeutschen Sammelhandschriften überliefert sind. Sie beziehen sich auf die Betäubung von Federwild mit vergifteten Ködern, das Anlocken von Haarwild durch eine stark duftende Salzlecke und auf das böswillige Verscheuchen von Wild durch einen Zauberspruch. Durch den Vergleich, mit anderen Überlieferungen wird die literarische und fachgeschichtliche Stellung dieser Texte bestimmt." – Gelegentliche Gebrauchsspuren, teils leicht gebräunt und fleckig. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 138 mit dessen Eintragung zur Literatur und Stempel. Eis erwarb es auf Angebot der Badischen Landesbibliothek, Karlsruhe, am 3. Febuar 1960 von dem Ersten Bibliothekar Dr. Hannemann als Tauschgeschäft: "Für den 'Ausgleich' ist damit nach unsrer Meinung genug geschehn - wir wollten das 'Tauschgeschäft' auch nur am Rande betreiben" (9. Februar 1960), Korrespondenz mit drei Briefen beiliegend.
Spottlied von der Joppe
Von einer Jubpen. Deutsche Handschrift auf Papier. Süddeutschland zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Vollständiges Vexierlied
Los 1054
Schätzung
500€ (US$ 568)
Tausend Schneider für eine Joppe
Das Spottlied von der Joppe. "Von einer Jubpen, welche ihm ein berckbauer in catolgerland neülich hat machen lassen, daran zwölff tausend Schneider 6 iahr gearbeitet, gantz lustig und kurtzweilig zu singen". Deutsche Handschrift auf Papier. 4 Bl. mit 8 Seiten, 4 w. Bl. 21 Zeilen. Schrift: deutsche Kurrent. Format: 14 x 10,4 cm. Moderner Pappband mit marmoriertem Deckelbezug (bestoßen). Süddeutschland zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Vollständiges, in dieser Fassung unbekanntes Vexierlied in 21 Strophen, deren jede im Refrain um ein Wort länger ist (Vgl. dazu Tschischka-Schottky, Österreichische Volkslieder, wo eine niederösterreichische Fassung des Liedes - vor 1818 - mitgeteilt wird). In dem in Vexierreimen abgefassten Spottlied wird vom Kampf der Schneider mit einer verschnittenen Joppe, einer Männerjacke, geschildert, die letztlich zur Höllenfahrt des Schneiders führt - und somit zum umfangreichen Genre der sogenannten "Schneiderspottlieder" gehört.
"Von einer Jubpen, welche ihm ein berckbauer in catolgerland neülich hat machen lassen, daran zwölff tausend Schneider 6 iahr gearbeitet, gantz lustig und kurtzweilig zu singen. Im Ton Ich lag in einer nacht und schlieff." Das Lied hebt an: Ein berck bauer thät ein Schneider fragen wie viel muß ich ellen Tuch zu einer Jubpen ... mußt du haben.". Es endet "... ich wollt ehe die Jubpen die Jubpen, die Jubpen unterwegen haben gelahn" (etwa: "Einst tut ein Bauer ein Schneider fragen / wieviel Ellen dass er für ein Juppen muss haben / Dreissig Ellen müssen sie haben / wenn sie einen völligen Juppen wollen haben / ... / Den ersten Tag im Monatschein / dann soll der Juppen ganz fertig sein / Der Bauer spannt sechs Ochsen an den Wagen / und wollt den Juppen holen fahren ..."; zit. nach volksliederarchiv.de).
Veröffentlicht von dem bedeutenden Sprachwissenschaftler Hans Josef Vermeer (1930-2010), dem Begründer der Skopostheorie: Hans J. Vermeer, Das Spottlied von der Joppe; in: Ostbairische Grenzmarken, Passauer Jahrbuch X (1968), 328-331. – Geringer Druckschlag, leicht fleckig, Gebrauchsspuren, gut leserlich. Heidelberg, Hs. 146. Vorsatz mit Stempel "Univ.-Prof. Dr. Gerhard Eis". Erworben bei Hans Koch (Inhaber des Antiquariats Jacques Rosenthal) am 16. September 1965 (Brief mit Beleg beiliegend).
Sturhahn, Hermann. Liebe stärker als der Tod. Ein Gedenkbuch aus eiserner Zeit 1914-1918. 6 Bl., 217 (recte: 216) num. Bl., 1 Bl. Mit goldgehöhten, kolorierten, gezeichneten Titel und golgehöhte, kolorierte Zeichnung am Schluss. Pergament d. Z. (minimal fleckig und leicht geworfen) mit goldgeprägtem Rück- und DTitel im Pappschuber (mit größeren Einrissen). Bayern 1914-1918.
Privates, unveröffentlichtes Typoskript über den 1. Weltkrieg von Hermann Sturhahn, der als Leutnant des Res. a. D. im ehemaligen königlichen bayerischen 1. Feld-Artillerie Regiment gedient hat. Sturhahn, der wohl großer Befürworter der Monarchie und später des Nationalsozialismus war, erzählt in dem Werk chronologisch von seinen Erlebnissen in Péronne, Douai, Sedan, "An der Front" und "in der Heimat". "In den folgenden Blättern sollen keine grossen Ereignisse aus dem Weltkriege berichtet werden. Sie sollen vielmehr die stille Tätigkeit des Roten Kreuzes und der Feldgeistlichen, patriotische und kirchliche Feste schildern, sowie von ernsten Totenfeiern reden, die Leser in Lazarette, auf Friedhöfe und zu historischen Gedenkstätten führen und nebenbei auch mit dem Leben und den Gesinnungen einiger französischen Familien bekannt machen." (Vorwort). – Vorsatz und fliegendes Blatt mit drei verschiedenen Exlibris aus der Familie "Sturhahn", eines geschnitten von Otto Hupp. Mit drei hs. Widmungen je 21-Zeilen, 40-Zeilen und ein 6-Zeilen langes von Rudolf Ritter und Edler von Xylander.
Ge'ez Gebetbuch
Amharische bzw. Tigrinya Handschriften im Ge'ez Duktus auf Pergament
Los 1056
Schätzung
400€ (US$ 455)
ORIENTALIA
Ge’ez Gebet- und Liederbuch. Amharische bzw. Tigrinya Handschriften im Ge'ez Duktus auf Pergament. 180 nn. Bl. Schrift in Schwarz und Rot, hin und wieder mit Buchschmuckornamentik in Rot und Schwarz. 11,8 x 10 cm. Lagenbindung über drei Knüpfbünde und 2 kantigen Holzdeckeln mit Ritzornamentik, in intaktem Lederetui mit Laschenklappe (minimal eingerissen) und Trageband (übliche Abreibungen und Gebrauchsspuren). Äthiopien zwischen 1840-1880.
Sehr suggestives, hübsches Gebetbuch in altäthiopischer Ge'ez-Schrift mit zahlreichen Gebeten, Liedtexten, aber auch Beschwörungsformeln für alle möglichen Lebenslagen und zur Abhilfe von Krankheiten, Bösem Blick und anderen Gefahren.
Wie üblich wurden die Zeilen durch kleine Nadelstiche vorgegeben und die Linien dann mit dem Griffel regliert. Die wenigen hübschen Flecht-, Schlingwerk- und Knollenbänder und floralen Friese sind in Schwarz und Rot eingemalt.
Geschrieben in schwarzbrauner Tinte mit roten Überschrift- und Verszeilen wurde hier eine Auswahl von Gebeten und Lobgesängen versammelt. Das Amharische bzw. Tiginya wurde in der Abugida-Schrift Ge'ez geschrieben, die sich aus der dem altsüdarabischen Duktus entwickelt hatte und im Gegensatz zum Arabischen selbst und im Gegensatz zu zahlreichen weiteren semitischen Schriften von links nach rechts geschrieben wird. Zum Gebrauche der äthiopischen Wüsten- oder Steppennomaden waren oftmals Gebets- und Andachtsbücher in kleinen Formaten hergestellt worden, die in entsprechenden Futteralen mit Bändern am Sattelknopf des Kamels oder am Gürtel des Beduinen befestigt werden konnten.
Die Ritzornamente auf den Deckeln zeigen das abstrahierte Symbol des Engels der vier Himmels- bzw. Windrichtungen. – Gebrauchsspuren, nur vereinzelte Fleckchen, wie üblich mit einigen späteren Zusätzen und Erweiterungen, wohl vollständige, sehr pittoresk in dem orginalen Etui.
Ge'ez Erbauungs- und Andachtsbuch. Amharische bzw. Tigrinya Handschriften im Ge'ez Duktus auf Pergament. 142 nn. Bl. Schrift in Schwarz und Rot. Mit 3 (1 kolorierten in Rot und Schwarz) Federwerk-Teilbordüren als Kopfstücke, ganzseitiger Bleistift-Skizze des Heiligen Georg und halbseitige Federzeichnung der Muttergottes zwischen Seraphimen. 20,2 x 13,2 cm. Rotbraunes geglättetes Kalbsleder über kantigen Holzdeckeln mit reicher ornamentalen Blindgeprägung (nur minimal berieben, kaum abgegriffen). Äthiopien um 1820.
Bemerkenswert sauber und ordentlich geschriebenes, umfangreiches Andachts-, Gebets- und Erbauungsbuch eines äthiopischen Christen, dessen Kirche sich mit der von Armenien und Georgien auf eine der ältesten Formen des Christentums überhaupt gründet. Schon im 4. Jahrhundert wurde das Königreich von Aksum christianisiert, der Sage nach von der Königin von Saba und David bzw. Salomon. So spielt hier auch in den Texten das Judentum, dessen Riten, Bräuche wie Fastenregeln oder die Verehrung der Bundeslade eine zentrale Rolle.
Oft wurden die Bücher mit Miniaturen geschmückt: Hier findet sich nur eine hübsche Vorzeichnung des den meisten Büchern vorangestellten Heiligen Georgs mit Lanze zun Pferde. Georg gilt im äthiopischen Christentum als Nationalheiliger, der göttlichen Schutz sowie nationale Identität symbolisiert. Seine Verehrung ist tief in der Geschichte und Kultur verwurzelt, was sich etwa in der berühmten Felsenkirche in Lalibela und der St.-Georgs-Kathedrale in Addis Abeba widerspiegelt. Ein historisches Ereignis, das die Bedeutung des Heiligen unterstreicht, ist der Sieg der äthiopischen Streitkräfte in der Schlacht von Adwa, bei dem Kaiser Menelik II. angeblich den Heiligen Georg um Hilfe gebeten hatte, die ihm gewährt wurde. – Erste und letzte Seiten mit Farbabklatsch des Einbandleders, sonst nur vereinzelte Gebrauchsspuren, nur wenige Fleckchen, wohl vollständige, sehr schöne Handschrift.
Indopersische Miniaturen
4 Blätter Miniaturen in Gold und Farben vom Hof der Mogulkaiser. Indopersischer Raum 19. Jahrhundert
Los 1058
Schätzung
200€ (US$ 227)
Indopersische Miniaturen . 4 Einzelblätter aus verschiedenen indopersischen Handschriften mit 4 Miniaturen in Gold und Farben vom Hof der Mogulkaiser. Verschiedene Formate. Ca. 20,5 x 14 cm bis 24,5 x 17 cm. Wohl indopersischer Raum 19. Jahrhundert.
Fein ausgearbeitete Miniaturen, die ein kleines Panorama des höfischen Lebens der persischen Fürsten bieten. Eine Darstellung zeigt eine Jagdszene, in der ein Reiter mit einem Säbel zum finalen Schlag gegen einen Tiger ansetzt, während weitere Miniaturen die aristokratischen Zusammenkünfte von Fürsten in Gartenhäusern oder prächtigen Gemächern abbilden. Die Gruppierungen der Figuren sind dabei meist in ein hierarchisches Gefüge arrangiert: Im Zentrum stehen hochrangige Personen, umgeben von ihren Untergebenen. – Teils etwas wasserfleckig. Verso jeweils handschriftlicher Text. Im weißen Rand meist mit Randläsuren und kleinen Löchlein (Spuren einer früheren Bindung).
Firdousi, Abu l-Qasim
Mogul-Miniaturmalerei. 16 Blätter in farbiger Deckfarbenmalerei
Los 1059
Schätzung
400€ (US$ 455)
Firdousi, Abu l-Qasim. Mogul-Miniaturmalerei. 16 Blätter in farbiger Deckfarbenmalerei auf Papier. Verschiedene Formate. Spätes 19. bis frühes 20. Jahrhundert.
Fein gearbeitete und dekorative Miniaturen in der Tradition des späten Mogul-Stils. Dargestellt sind Szenen des höfischen Lebens, Reiter- und Jagdszenen, darunter eine Wildschweinjagd, ein Porträt eines Gelehrten sowie. Mehrere Blätter thematisieren Liebesszenen und Darstellungen von Tempeltänzerinnen.
Eine geschlossene Folge von sechs Miniaturen zeigt wohl mythologische Szenen aus der Krishna-Verehrung: Krishna und Radha erscheinen hier in verschiedenen Momenten des Zusammenseins in einem Palastgarten mit Lotusblütenteich.
– Ein Blatt mit (Reiter bei der Jagd) mit großem Einriss.
Firdousi, Abu l-Qasim
Schahname. Indo-Persische Miniatur. Indopersischer Raum wohl Mitte 19. Jahrhundert
Los 1060
Schätzung
200€ (US$ 227)
Firdousi, Abu l-Qasim. Schah-Name. Der Prinz hält Hof unter dem Baumdach. Indopersische Miniatur. Größe 31,5 x 18 cm. Mit Rahmen 35 x 21 cm. Mit Goldblumenbordüre auf Karton montiert 40,8 x 27 cm. Indopersischer Raum wohl Mitte 19. Jahrhundert.
Hübsche Szenen wohl aus dem Firdousi oder anderen indo-persischen Erzählungen. Dargestellt ist der Prinz unter einem großen Dach, in dessen Mitte ein mächtiger Baum wächst. Höflinge huldigen ihm, während eine Kapelle mit sechs Musikern eine Tänzerin begleiten, die um einen kleinen Springbrunnen tanzt. – Kleine Knickspuren. Nur wenige Gebrauchsspuren, kaum Farbabrieb. Sehr dekorativ.
Parabaik
3 birmanische (burmesische) Leporellos mit Illustrationen in Federzeichnung und Text
Los 1061
Schätzung
800€ (US$ 909)
Parabaik. 3 birmanische (burmesische) Leporellos mit Illustrationen in Federzeichnung und Text auf Khoi Papier. Zwischen 12 x 37 und 17,5 x 40,5 cm. Birma (auch Burma, heute Myanmar) Ende 19. bis Anfang 20. Jahrhundert.
Parabaik-Leporellos auf Khoi Papier, einer Art Rinde, die dem Maulbeerbaum-Papier vergleichbar ist. . Vorhanden sind zwei schwarze und ein weißes Parabaik. Die beiden schwarzen, kleineren enthalten meist naturwissenschafrtlich-technische oder lexikalische Texte, die weißen hingegen zeigen die Welt der Götter oder das Leben am Hofe.
1) Schwarzes Parabaik, wohl ein astronomisches Parabaik. 20 Kompartimente 12 x 37 cm. Ausgefaltet 240 x 37 cm. Birmanische Abugida in Schwarz, Rot und Violett. Mit figurativen und geometrischen Tabellen, Zeichnungen in Feder, mit Rot und grauem Bleistift gehöht, Kämpfer und Tierkreiszeichen darstellend. Schwarz-dunkelbraune Khoi-Deckel.
2) Schwarzes Parabaik, wohl mit enigmatischen Weissagungen und religiösen Prophezeihungen. 12 Kompartimente. 17 x 39 cm. Ausgefaltet 204 x 39 cm. Birmanische Abugida in Schwarz, Rot und Bleistift. Mit zentralem Schlangegeflecht-Symbol und 10 figürlichen Darstellungen sowie Tabellen und kalligraphisch umschriebenen Symbolfiguren. Teils in Feder, Bleistift mit Rot gehöht. Schwarz-dunkelbraune Khoi-Deckel.
3) Großes weißes Parabaik, mit Darstellungen der göttlichen Sphären, Schöpfungsgeschichte nach dem Theravada-Buddhismus. 18 Kompartimente. 17,5 x 40,5 cm. Ausgefaltet 315 x 40,5 cm. Birmanische Abugida in schwarzer Feder und ca. 40 Federzeichnungen in schwarzer Tinte: Menschen im Paradies und der Hölle (mit drastischen Darstellungen der Folter im Naraka und der Wiederausferstehung im Nat-pyi), alles in bemerkenswert feinen, überaus phantasievollen Zeichnungen. Besonders reizvoll sind hier sicherlich die verschiedenen Nga-ye-Sphären der 16 Höllenbereichen, die sich in acht kalte Orte (ein Teufel stürzt eine Frau den Berg hinunter oder ersäuft sie im kalten Wasser, ein Jüngling wird gekreuzigt, oder ihm kopfüber die Glieder gebrochen) und acht heiße Orte teilt (Teufel kochen die Seelen in den Kesseln und verbrennen die Menschen im Höllenfeuer). Weiße gestrichene Khoi-Deckel mit schwarzer Lackverzierung in Rahmenform.
Indische Berufe. 7 farbige Originalzeichnungen. Aquarelle und Gouache über Federzeichnung auf Bütten, unten teils betitelt. Je 38,5 x 24 cm. Indopersischer Raum 19. Jahrhundert.
Dargestellt sind Männer und Frauen in traditionellen Gewändern, jeweils als Vertreter verschiedener Berufe. – Leicht stockfleckig. Ecken bestoßen.
Ibn al-Dschazari
Persisches Gebetbuch mit Texten aus Ibn-al-Gazans
Los 1063
Schätzung
2.500€ (US$ 2,841)
Ibn al-Dschazari (auch: Ibn al-Jazari bzw. Ibn-al-Gazari, Muhammad Ibn-Muhammad). Kitab al-hisn al-hasin min kalam saiyid al-mursalin (arabice: Abhandlung über Zeiten und Gelegenheiten zum Gebet für den Propheten Muhammad, zusammengestellt nach Traditionswerken). Persische Handschrift mit prachtvoller Illumination auf gelatiniertem Büttenpapier. 298 nn. Bl. 9 Zeilen mit den Versen in schwarzer Naskhi-Schrift und interlinearer Farsi-Übersetzung in Nastaliq-Duktus. Jede Seite mit breitem Goldrahmen in vielfachem schwarzen und blauem Lineament, Zeilentrennern in goldgefülltem Doppellineament, Auszeichnungen in roter Tinte und 7 besonders reich vergoldeten Doppelzierseiten Sar-lauh im Stil der typischen Carpet Pages in Lapislazuli-Blau mit breiter Rahmenornamentik in Blattgold, Lapisblau und teils mit Goldblumen und floralen Elementen in Hellblau, Rot, Orange und Grün. Schriftraum: 13,2 x 6,5 cm. Format: 19 x 12,5 cm. Schlichter schwarzbrauner Lederband des 19. Jahrhunderts (stärker berieben und beschabt, teils überarbeitet bzw. alt restauriert) mit goldgeprägten Deckelfileten (diese ebenfalls berieben). Persien (Shiraz, Isfahan?) 18. Jahrhundert.
Besonders schöne, kostbar illuminierte Handschrift mit sieben doppelblattgroßen Zierseiten "Sar-lauh", sogenannten "Carpet Pages", die den Text mit besonders üppigen, breiten Bordüren einfassen. Es handelt sich um das Hauptwerk des Korangelehrten Ibn al-Dschazari (1350-1429), eine Zusammenstellung aus den bedeutendsten Koranrezitatoren bis zum 15. Jahrhundert mit mystischen Gebeten und Erbauungstexten. Ibn al-Dschazari schrieb über die Auslegung von Hadithen und Fiqh, islamische Rechtswissenschaft, Geschichte und die arabische Sprache, aber eben auch über die Deutungsmöglichkeiten des Koran.
Während der mystisch-heiligen Urtexte in hoher aufrecht gezogener, minimal nach links kippender schwarzen Kalligraphie im Naskhi-Duktus und mit Auszeichnungen in Rot, etwa für den Gottesnamen "Allah", "Der Mächtigste", "Der Allerbarmer" etc., geschrieben wurde, sind in den schmaleren Zeilen dazwischen - jeweils unter dem arabischen Urtext - Übersetzungen in Farsi im Nastaliq-Duktus. Die Textanlage mit den interlinearen Übersetzungen ist typisch für die Koranschulen und Schreiberwerkstätten in Isfahan oder Shiraz, teils auch in Teheran, in der Übergangszeit vom späten Safawiden- zum Qajar-Reich (18. und 19. Jahrhundert). Die Künstler der Kitabkhana (Werkstätten bzw. Schreiberateliers) zeichneten sich nicht nur durch eine Rückbesinnung auf klassische Stile, sondern auch durch neue, phantasievolle Ornamente aus, die ganz besonders minutiös und nuanciert ausgearbeitet waren, so daß Koran- und Gebetshandschriften entstanden, die für die reiche Mittel- und Oberschicht, den Hof und wohlhabende Händler gedacht waren. – Nur leichte Handhabungsspuren, der erste Ziertitel mit kleinen Knitterspuren und sauberer Randansetzung, sonst kaum Randläsuren, gelegentlich etwas stock- und braunfleckig. Vorsätze mit arabischen Annotationen von alter Hand. Vereinzelt auch im Textblock Randkommentare in Rot. Mit wenigen hinterlegten Randläsuren und kleinen Randausbrüchen. Insgesamt altersgemäß in herausragend gutem Zustand.
Kani, Mustafa
Talhis rasa’il ar-rumat (arabice: Über das Bogenschießen).
Los 1064
Schätzung
500€ (US$ 568)
Kani, Mustafa. Talhis rasa’il ar-rumat (arabice: Über das Bogenschießen). 2 Bl., 272 S. 5 (1 mehrfach gefaltete) Tafeln mit 7 Holzschnitt-Darstellungen. 21,6 x 14,6 cm. Pappband d. Z. mit glänzendem Lackpapierbezug (kleine Abplatzungen an Gelenken und Kanten, winzige Fehlstelle) mit reich Reliefprägung und Barockvergoldung mit floralen Bordüren, Eckfleuronstempeln und zentraler Losange. (Istanbul, Amira, higra 1263; d. i. 1847).
Erste Ausgabe des mit Holzstichtafeln herausgegebenen vollständigen Texts des "Talhis rasa’il ar-rumat" des berühmten Traktats über das Bogenhandwerk und den Bogensport bei den Osmanen. Der Autor, Mustafa Kani, diente am Hofe des osmanischen Sultans Mahmud II. (1785-1839), der ihn bat, die seit den goldenen Zeiten des Reiches im 16. Jahrhundert in Vergessenheit geratene hohe Kunst des Bogenschießens aufzuzeichnen und als Buch zu veröffentlichen. So beschreibt Kani in seinem, englisch als "Sacred Archery: the Forty Prophetic Traditions" bekannten Buche die Terminologie, Anwendung, Konstruktion, Meisterschaften und einzelnen ausgefeilten Techniken, die schon in der berühmten Schlacht von Lepanto im Jahre 1571 zur Anwendung gekommen waren. Die Tafeln zeigen zahlreiche Illustrationen zu Bogenbau, Bogenformen und sonstigen Techniken. Am Anfang ein ausführliches Register. – Geringe Gebrauchsspuren wie kleine Fleckchen, Tafeln teils etwas stärker betroffen, die Falttafel mit Einriss, wenige blasse Feuchtränder, sonst kaum gebräunt und sehr sauber, odor fumi frigidi tabaci. Selten.
Qur’an Mushaf al-Dhahab
Reich vergoldeter osmanischer Taschenkoran
Los 1065
Schätzung
5.000€ (US$ 5,682)
Qur’an Mushaf al-Dhahab. Reich vergoldeter osmanischer Taschenkoran 3 Doppelzierseiten. Arabische Handschrift auf gelatiniertem Walzpapier. 310 nn. Bl. 15 Zeilen. Schriftraum 8 x 4,5 cm. Format 14,4 x 9,6 cm. Schrift im Naskhi-Duktus in schwarzer Tinte und Auszeichnungen in Rot. Mit weißen Surenüberschriften Goldrahmenkästen, bunten, abwechslungsreichen Aya-Markern (Rosettenweisern), Tausenden von Goldpunkten zur Verstrennung, 22 florale Buchschmuckbordüren für 12 Überschriften in Gold und Farben für die 12 der letzten, kürzeren Suren (dschuz’amma), Doppelzierseite am Anfang und Schluss in flächigem Gold und Farben sowie Doppelzierseite wohl zum Beginn der An-Naba Sure 78. Klappenband d. Z. aus weinrotem geglätteten Kalbsleder mit reichen goldgeprägten und intarsiert aufgebrachten Ornamenten auf Vorder- und Rückdeckel sowie der Klappe, Schnittdeckel teils mit (schwarz oxidierter) Silberprägung sowie dreiseitiger Schnittmalerei in Gold und Farben. Osmanisches Reich (wohl Istanbul a.h. "1284", d.i.) 1867.
Überaus reich geschmückter Goldkoran in seinem originalen, ebenfalls reich verzierten Klappenband mit drei goldüberzogenen, Doppelzierseiten mit Ornamenten in teils punziertem Gold und Farben, in Indigoblau, in Karmesinrot, in Grün, in Orange und Violett, teils mit Weißhöhungen und -verläufen, datiert auf das Jahr "1284" Anno Hegirae, nach der Hidschra. Die Handschrift beginn mit einer besonders feinen, auf flächigem Goldgrund mit reicher Farbigkeit und Ornamentik geschmückten Doppelzierseite (Serlevha), auf der in feinster schwarzer Miniaturschrift im Nastaliq-Duktus die erste Sure (al-Fatiha) und der Anfang der zweiten Sure (al-Baqara) in je einer Kartusche stehen, die mit zahlreichen bunten Blumen umgeben sind. Um den mit viel blau und roten Palmetten verzierten Kasten ist eine breite Bordüre mit zehn Schildern gelegt, die wiederum mit entzückenden bunten Blumen bemalt sind. Blaue und rote Zinnen strahlen radial von der Bordüre aus.
Unverkennbar erscheinen hier Stilelemente, die seit dem frühen 19. Jahrhundert aus der westlichen Ornamentik in die orientalische Buchillumination (Tezhip) übernommen wurden: Barockkartuschen, Schildformen, Ovalformen, Blumenspiegel, aber auch Tabulae oder auf der Schlusszierseite ein veritables Blumenbouquet in einem Bastkorb. Einen ganz besonderen Effekt erzeugen die zahlreichen Punktpunzierungen in den Palmetten oder den Rahmen der Losange- oder Ovalkartuschen. Auch diese wurden aus dem barocken Formenvokabular Westeuropas übernommen, sie geben der Flächenvergoldung eine gewisse dreidimensionale Tiefe und glitzern im Licht.
Die aufwendige Goldprägung des Einbandes folgt dem traditionellen Muster mit zwei Riefelbordüren (Zencirek) in Goldfiletenrahmen, zentraler, leicht mandelförmiger "Sonne" (Shemse), den Sonnenanhängern (Salbek) und den vier geschwungenen, reich mit floralen Binnenmustern gefüllten Eckstücken (Köshebent). Die Klappe (Mikleb) schützt die mit bunten und goldenen Blumen geschmückte Schnittkante, sie ist mit einer weiteren Shemse geschmückt. Die Innenklappe und Deckel sind mit buntem Marmorpapier ausgestattet, die Schnittschutzklappe mit bunten Blumen bemalt.
Marquard von Lindau
Das Buch der zehn Gebote. Text in Rot und Schwarz gedruckt, mit 12 großen Schwarzgrund-Initialen
Los 1066
Schätzung
12.000€ (US$ 13,636)
INKUNABELN
Marquard von Lindau. Das Buch der zehn Gebote. Mit den Sprüchen der Lehrer [und:] Heinrich Seuse. Klage eines sterbenden Menschen. 4 nn., LXXVIII num. Bl. 45-46 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 21 x 13,2 cm. Format: 30,5 x 20,5 cm. Mit zwölf 5-, 7- unmd 12-zeiligen Schwarzgrund-Initialen mit Schlingwerk-Dekor ("Litterae florentes"), die erste Textseite in Rot und Schwarz gedruckt. Eichenholzdeckelband d. Z. (mit wenigen winzigen Wurmlöchlein) mit breitem blindgeprägtem Kalbslederrücken (Rückenleder brüchig, über den Bünden und Kapitale abgerieben, größere Fehlstellen auf dem VDeckel; ohne Schließe und Schließbeschlag, ohne feste Vorsätze). Venedig, Erhard Ratdolt, 1483.
Hain 4034. GW 21095. Goff M-261. Proctor 4391. Pellechet V, 288. Bodleian M-093. IDL 3098. VB 3787. BMC V, 288. Borm 1782. Günther 3603. Hubay 1366. Madsen 2653. Sack 2353. BSB-Ink M-181. ISTC im00261000. Nicht in der Bibliothèque Nationale de France, nicht bei Proktor etc. – Marquard von Lindau wurde um 1320/30 wohl in Lindau geboren (N. F. Palmer. Marquard von Lindau OFM. In: Verf. Lex. 2. Aufl. VI, Sp. 81-126), trat dem Franziskaner Orden bei und war 1373 wahrscheinlich Lekor am "Studium generale" der oberdeutschen Frankziskanerprovinz in Straßburg. Von 1389-1392 war er Provinzial der oberdeutschen Provinz. Er starb 1392 in Konzstanz. Seine Dekalogexegese "Buch der Zehn Gebote" gehört nach Palmer zu den "wirkungsmächtigsten deutschen religiösen Prosatexten des Spätmittelalters, wurde der Text doch in deutscher Sprache verfasst und überliefert.
Meist wird darin untersucht, ob es sich bei einer Übertretung eines der Zehn Gebote um eine leichte oder schwere Sünde handelt, z. B. "sündet einer mer der einen kristen oder einen iuden oder sonst einen unglawbigen menschen töttet?", "Warumb es sünder sey das ain muter ir ungetawftes kint tötet", "Wie man gleich sündet ann vater und an muter wer sie laydiget odre töttet", "Warumb es den guten menschen als gut und nütz sey das die bößen bey in wonen ist anders das sie sich gedultiglichenn leyden".
Der ferner enthaltene Traktat des Dominikaner-Mystikers Heinrich Seuse (1297-1366) ist ein Auszug aus dem 21. Kapitel seines "Bücheleins der ewigen Weisheit". Zu Erhard Ratdolt von Augsburg, der von 1476 bis 1486 eine florierende Druckerei in Venedig betrieb, bevor er in seine Heimat zurückkehrte, siehe Christoph Reske, Druckgeschichte und Wissenschaft, 2. Aufl., S. 29.
Die Qualität seiner Drucke und die Neuerungen, die er schuf, machte die anfangs im Kollektiv betriebene Offizin zu einer der bedeutendsten venezianischen Druckereien des 15. Jahrhunderts, aus der u. a. die berühmteste Schilderung eines Jerusalempilgers, Bernhard von Breydenbachs "Pereginatio in terram sanctam" (1486) hervorgegangen war. – Vereinzelt etwas braun- und sprenkelfleckig, minimal gebräunt am rechten Rand, dort auch fingerfleckig, sonst aber meist sehr sauber und frisch, gedruckt auf bemerkenswert festem, sehr schönem und außergewöhnlich breitrandigem Papier. Erste Textseite und das vorgeschaltete Register vorne mit jeweils einem alten hs. Besitzvermerk "In usum Monasterij Steinach Maria", also aus dem ehemaligen Besitz der aufgelösten Klosterbibliothek von Maria Steinach in Algund, Südtirol.
Fridolin, Stephan
Schatzbehalter. Nürnberg, Koberger, 1491
Los 1067
Schätzung
80.000€ (US$ 90,909)
Aus den Bibliotheken von J. P. Morgan und Renate König
Fridolin, Stephan. Schatzbehalter oder Schrein der wahren Reichtümer des Heils und ewiger Seligkeit. 353 (statt 354) nn. Bl. (ohne das letzte weiße). 2 Spalten. 40-43 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 33,3 x 23,3 cm. Format: 31,5 x 21,8 cm. Mit 96 (5 wdhl.) ganzseitigen Textholzschnitten von Michael Wolgemut und Wilhelm Pleydenwurff. Dunkelbraues Maroquin um 1880 (nur leichte Bestoßungen und Bereibungen, wenige Kratzer und Druckstellen, Gelenke etwas brüchig) über 5 Zierbünden mit goldgeprägtem RTitel und reicher RVergoldung, doppelten Deckelgoldfileten mit Dentelles und Eckfleurons, Stehkantenpunktierung und reicher Innenkantenvergoldung sowie Vorsätzen aus türkischem Marmorpapier, dreiseitiger Goldschnitt, in modernem Schuber aus dunkelbraunem Kalbsleder. Nürnberg, Anton Koberger, 18. XI. 1491.
Hain 6236. Hain-Copinger 14507. GW 10329. Goff S-306. Proctor 2070. Pellechet 10350. Polain 1521. BMC II, 434. BSB-Ink F-263. IDL 1868. IBE 2517. IGI 9165. Schramm XVII, Abb. 315-406. Schreiber 5202. Schäfer 134. Madsen 3786. Oates 1018. 1019. Ohly-Sack 1162. Walsh 715. 716. Fairfax-Murray 392. ISTC is00306000. Erste und einzige Ausgabe eines der prachtvollsten und bedeutendsten Drucke der Inkunabelzeit: der erste Nürnberger Druck mit Original-Illustrationen und eines der Hauptwerke der Wolgemut-Werkstatt, das in nur 150 Exemplaren gedruckt wurde.
"Auf Bitten der Schwestern des Nürnberger Klarenklosters und seiner Äbtissin Caritas Pirckheimer faßte der Franziskanerpater Stephan Fridolin seine erweiterten, bildhaften Predigten zu dem auch für Laien bestimmten Erbauungsbuch … zusammen; der Inhalt des Textes und die ihn veranschaulichenden blattgroßen Holzschnitte gehören eng zusammen. Wenn auch die Schlußschrift nicht wie bei der Weltchronik die Reißern nennt, so sind es doch eindeutig die gleichen wie dort.
Gegenüber der ruhigen Ausgewogenheit, ja Nüchternheit bei Wohlgemuth läßt Pleydenwurff dramatisierende Kraft des Ausdruckes und eine verlebendigende Anteilnahme spüren. Zwar können nur einige der Holzschnitte eindeutig für den einen oder anderen festgelegt werden, bei mehreren erkannte R. Bellm Wohlgemuths Hand im Entwurf und Pleydenwurffs bei der Übertragung auf den Stock, bei weiteren die Mitarbeit von Gesellen. Ungeachtet der Inanspruchnahme zahlreicher Exemplare und mancher Entlehnung von dem Baseler Heilsspiegel des Bernhard Richel von 1476 über Kupferstiche Schongauers oder die von Wolfgang Stammler und Richard Bellm benannte Bamberger Bildertafel … hat diese Holzschnittfolge mit ihrer bis dahin unbekannten Größe zukunftsweisende Bedeutung. Mit ihrer Fülle des bildhaft Dargebotenen bildet sie Vorstufe und Ausgang zu Dürers monumentalen Holzschnitten" (Katalog der Dürer Ausstellung, Nürnberg 1971, Nr. 115).
"Ein so reich illustriertes, mit so großen, sorgfältig durchgearbeiteten Holzschnitten versehenes Buch war bis dahin unerhört. Hatte Nürnberg seine Illustrationen seither größtenteils von auswärts her entlehnt, so liefert es hier ein Buch, das sich den Besten anderswo erschienenen würdig an die Seite setzt" (Muther 58).
Neben der szenischen Bedeutung der Illustrationen verdienen die Holzschnitte besondere Aufmerksamkeit wegen ihres unendlichen Detailreichtums bei der Darstellung von Kostümen, Waffen, Interieur, Landschaftsveduten, Sitten und Gebräuchen bis hin zu den Verkehrsmitteln im 15. Jahrhundert. – Kapitalspatien leer mit Hilfslettern, einige zeitgenössische und wenige spätere Marginalien in sepiafarbener Tinte sowie saubere Nummerierung, ein verblasster Eintrag auf aii, ganz vereinzelte Bräunungen oder Fleckchen (k6 l1-2) nahezu ohne Feuchtigkeitsspuren oder Fingerflecke oder Randläsuren, nahezu durchgehend außergewöhnlich frisch und sauber und in allerbester Erhaltung. Da unterschiedliche Papierchargen benutzt wurden, weicht die Schöpflinienbreite teils ab. Besonders bemerkenswert bei dem Druck ist nicht zuletzt die hohe Papierqualität, die bei verhältnismäßig dünnen Blättern dennoch weder bei Text noch Holzschnitten, kaum Durchschlag von den Versoseiten zeigen. Die Holzschnitte sind bis auf ganz wenige Ausnahmen fast durchgehend in kontrastreichem, kraftvollen und scharfem, gratigen Abdruck. Sie bilden bis heute ein interessantes Spektrum der spätmittelalterlichen Lebenswelt - ein nahezu unerschöpfliches Studienmaterial für die zeitgenössische Architektur, die Innenausstattung, das Meublement, die Mode bis hin zu den zahlreichen dargestellten Akzessoirs.
Großartiges Exemplar und das letzte wohl noch im Handel befindliche aus exzellenter Provenienz: Der "Fridolin" stammt aus der Sammlung des Bibliophilen amerikanischer Unternehmers und bedeutendsten Privatbankiers seiner Zeit, John Pierpont Morgan (1837-1913), mit dessen goldgeprägtem Lederexlibris auf dem Vorsatz oben. Auf dem ersten weißen Blatt verso ein umrissbeschnittenes Holzschnitt-Wappen, wohl das Bücherzeichen des Wilhelm von Zell, der um oder nach 1500 nachweisbar ist mit einer Schenkung von Büchern an die Kartause Buxheim. Auf dem Vorsatz unten dann ein weiteres Exlibris der Kunstsammlerin und Mäzenin Renate König (1928-2024).
Jacobus Philippus Foresti de Bergamo
De claris selectisque mulieribus
Los 1068
Schätzung
4.400€ (US$ 5,000)
Erste und einzige Inkunabelausgabe eines der faszinierendsten illustrierten Bücher der italienischen Renaissance
Jacobus Philippus Foresti de Bergamo. De claris selectisque mulieribus. Hrsg. Albertus de Placentia und Augustinus de Casali. 173 (statt 176) Bl., Bl. 7-176 nummeriert Folio III-CLXX (CLIX, CXXII doppelt gezählt). 45 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 24,5 x 14,5 cm. Format: 31,6 x 21,4 cm. (Holzschnitt-Titel und Frontispiz-Holzschnitt in Kopie auf Bütten beigebunden). Mit 1 (von 2) ganzseitigen und 52 (statt 54) kleineren Textholzschnitten. Flexibler Pergamentband im Stil des 16. Jahrhunderts mit typographischem RTitel (leicht angestaubt). Ferrara, Laurentius de Rubeis, 29.IV.1497.
Hain-Copinger 2813. GW 14125. Goff J-204. Proctor 5762. Pellechet 2069. Sander 915. Abbott 119. Borm 1486. Chiodi, Bergamo, 644. Collijn 558. Günther 1053. Madsen 2132. Oates 2246. 2247. Schlechter-Ries 666. Sheehan 44. BMC VI, 613. BSB-Ink I-120. CIBN J-140. CBB 1497. CBS 2144. CIH 1872. CIR J-28. IBE 3140. IBP 2967. IDL 2608. IGI 5071. ISTC ij00204000. – Erste Ausgabe. Jacobus Philippus, auch unter seinem Familiennamen Foresti de Bergamo (oder Forestus Bergomensis) bekannt, war ein Augustiner-Eremit, Autor eines Confessionales (Confessionale seu interrogatorium, Venedig, Alessandro Bindoni, 1520.) und einer vielfach nachgedruckte Weltchronik (Supplementum Chronicarum, Venedig, Bernardino Benali, 1483).
Die Widmung seiner "Abhandlung über berühmte Frauen" (De claris selectisque mulieribus) an Beatrice von Aragon, der Witwe des Matthias Corvinus von Ungarn, lässt vermuten, dass das Werk möglicherweise aus einem früheren Manuskript gedruckt wurde, da Beatrice 1491 verstorben war. Eine mögliche Bestätigung dieser Theorie liefert der Holzschnittrahmen aus dem Jahr 1493, der wie alle anderen Holzschnitte hier zum ersten Mal erscheint; dies deutet darauf hin, dass der Drucker Rossi das Werk möglicherweise schon mehrere Jahre zuvor geplant hatte.
Zu den porträtierten Frauen gehören zahlreiche Heilige und historische Persönlichkeiten, darunter Jeanne d'Arc, Margarete von Anjou und Maria Stuart, sowie einige italienische Zeitgenossinnen des Autors. Der Urheber der feinen Holzschnitte ist nicht bekannt, aber wahrscheinlich haben mehrere Künstler zu den Illustrationen beigetragen. Man kann einen gewissen Kontrast zwischen dem Stil der Frauenporträts mit den feineren Konturen der Umrandungsschnitte feststellen, wobei letztere einen deutlichen venezianischen Einfluss zeigen. Fünf der sieben Porträts können identifiziert werden: Bianca Maria Sforza, Catherina Sforza (Gräfin von Forli und Imola), Leonora von Aragon (Ehefrau von Ercole d'Este), Danisella Trivulzia und Cassandra Fidelis. Sander bezeichnete diese eindrucksvollen Porträts als "precieux comme premières tentatives dans les arts graphiques de faire des portraits d'après nature".
Der Textbeginn (a1v) mit dem großen, ganzseitigen, von zwei Stöcken gedruckten Holzschnitt, der das Leben Mariae in acht besonders feinteiligen Szenen - und in bestem Abdruck - zeigt, in einer beschonders schönen, architektonisch-perspektivischen und reich mit figürlichen Szenen geschmückten Bordüre. Der Text ist üppig illustriert mit 56 verschiedenen Holzschnitten, von denen einige wiederholt werden, insgesamt 172 Porträts berühmter Frauen. – Es fehlen Blätter 1 und 3 (A1,3) mit dem Holzschnitt-Titel und der ganzseitigen Holzschnitt-Dedikation sowie Fol. CXXXIII mit 2 kleinen Textholzschnitten (alle drei in Faksimile auf Büttenpapier eingebunden). Das letzte Blatt mit dem Kolophon ist vorhanden, aber in der untere Ecke abgerissen und restauriert, die Holzschnitt-Druckermarke wurde als Faksimile ersetzt, Blätter XXXII und XXXXI-XXXXVI sorgfältig neu beschnitten, CXXXII mit kürzeren Rändern, alle aus einem anderen Exemplar. Sonst nur vereinzelte kleinere Gebrauchsspuren, selten etwas fleckig, insgesamt sauber und frisch und bemerkenswert breitrandig.
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