Müller, Karl Ludwig Methusalem
Brief an einen Schriftsteller + Beigabe. 1827
Los 2388
Schätzung
200€ (US$ 230)
Müller, K. L. Methusalem, Leipziger Schriftsteller, Publizist und Zensor, langjähriger Redakteur der einflußreichen "Zeitung für die elegante Welt" (1771-1837). Eigh. Brief m. U. "Methus. Müller". 1 S. Gr. 4to. Leipzig 16.III.1827.
An einen Schriftsteller, der ihm das Manuskript von Teilen einer Erzählung übersandt hatte, wohl gedacht für den Abdruck in der "Zeitung für die elegante Welt". Müller lehnt jedoch mit ausführlicher Begründung ab, vor allem, weil der Text in zu kleinen Portionen abgedruckt werden müsse, so dass das Interesse der Leser erlahmen würde. Die Erzählung sollte besser in einem Taschenbuch untergebracht werden, denn der Inhalt sei durchaus unterhaltend. - Beigegeben: Carl Borromäus Freiherr von Miltitz, Dresdener Dichter, Komponist und Musikschriftsteller (1781-1845). Eigh. Brief m. U. "C. B. v. Miltitz". 1 S. Quer-gr. 4to. Pillnitz 1.VI.1833. - An einen Herrn, der wohl um geeignete Verse für eine Komposition gebeten hatte. Sendet ein Gedicht von Tiedge, von dem er jedoch leider trotz vieler Suche nur 1 Vers gefunden habe. - Randausriß mit leichtem Buchstabenverlust.
Müller, Wilhelm
Brief an den Dichter De la Motte-Fouqué. 1822
Los 2389
Schätzung
1.800€ (US$ 2,069)
"Meinen Griechen bleibe ich treu!"
Müller, Wilhelm, gen. „Griechen-Müller", früh verstorbener Dichter und Schriftsteller, Bibliothekar in Dessau, einer der ersten Herausgeber von Barockdichtern, Schöpfer berühmter Volkslieder, teils von Schubert vertont, Hauptvertreter des dt. literarischen Philhellenismus (1794-1827). Eigh.Brief m. U. "Wilhelm Müller". 21/2 S. Doppelblatt mit Adresse. 4to. Dessau 7.III.1822.
An den Dichter Friedrich de la Motte-Fouqué auf dessen Schloß Nennhausen (Mark Brandenburg). Sehr schöner, inhaltsreicher Brief über seine Barockdichter-Editionen, seine Griechenland-Kampagne und weitere aktuelle Politik. Als "Entschuldiger" für die Verspätung seines Briefes lasse er "einen alten, würdigen Mann auftreten - Martin Opitz von Boberfeld - Mit diesem unsern poetischen Ahn hatte ich in diesen Wochen so viel zu thun, daß ich die Briefe meiner Freunde seit 8 bis 10 Wochen erst jetzt zu beantworten anfangen kann. Ich gebe nehmlich bei Brockhaus in Leipzig eine Bibliothek deutscher Dichter des 17ten Jahrhunderts heraus, in 8 bis 9 Bändchen, deren erstes, das zur Ostermesse erscheint, den alten pater poeseos germaniae, wie Opitz sonst titulirt wurde, enthält. Dann folgt der von seinem Deutschland beinahe ganz vergessene Weckherlin, der fromme, kräftige Andreas Gryphius, auch der feurige Flemming, von dem Schwab zwar schon eine neue Ausgabe geliefert hat, der jedoch in meiner Sammlung nicht fehlen darf, endlich minder bedeutende und weniger liefernde Dichter: Tscherning, Gerhard, Logau, Rist, Günther pp. ... Daß Ihr Buch über Griechenland das Schicksal der Griechen theilt - nehmlich gar zu lange, endlich wohl ganz vergebens auf die Russische Kriegserklärung zu warten, thut mir Leid. Warum befreien Sie aber das Buch nicht aus der Vetterschen Despotie? Von mir fliegen nächstens mit der ersten Frühlingsluft neue Griechische Freiheitslieder mit den alten (d. h. mit einer neuen Auflage der alten) in die Welt. Sie werden ihnen schon ein Fenster auf Ihrem Schlosse öffnen wollen, wenn Sie draußen anklopfen hören. Lieber klopfte ich freilich selbst an Ihre Thür ...". Aber Amtsgeschäfte und die bevorstehende Geburt eines Kindes hinderten ihn vorläufig daran. "... Wir fühlen uns hier in Anhalt jetzt etwas freier u. wohler, seitdem die freien Wogen der Elbe an unsern Ufern rauschen, und trinken unsern Wein mit dem wonnigen Gefühl daß kein fremder Herrscher und seine Beamten von jedem Glase mittrinken. Nun darf ich auch das wahrhaft drückende Gefühl - das ich, als Anhaltiner, oder richtiger, als Unterthan eines deutschen Bundesstaates, gegen Preußen hegen mußte, das ich eine Zeit lang als mein Vaterland geliebt und dafür gekämpft habe, von mir werfen. - In der Ansicht der größeren Welthändel geht es mir nicht so wohl. Der Trost, den Sie neulich für unerfüllte Hoffnungen in Ihrem Gedicht an den Verfasser von Pseudo-Meister [d. i. Johann Friedrich Wilhelm Pustkuchen, der 1822 "Wilhelm Meisters Wanderjahre" herausbrachte] aufstellten, genügt mir nicht. Freilich starb der Sieger bei Marathon im Gefängnisse - aber Athen ward frei. Miltiades hatte ja nicht für sich gekämpft, also ward sein Sieg durch seinen schmählichen Tod nicht fruchtlos. Meinen Griechen bleibe ich treu ...". - Wilhelm Müller ist heute noch als Verfasser von Volksliedern wie "Am Brunnen vor dem Tore" (entstanden 1822, im Jahr des vorliegenden Briefes), "Das Wandern ist des Müllers Lust" und "Im Krug zum grünen Kranze" im Gedächtnis geblieben. - Gering fleckig; Siegel-Ausriss alt restauriert. - Aus der berühmten Sammlung Wilhelm Künzel, der auch mit Bleistift am unteren Rand vermerkt hat: "sehr interessant".
Müllner, Adolph
Brief an Ernst Ortlepp über die Eignung zum Dichter. 1826
Los 2390
Schätzung
300€ (US$ 345)
Über Dichtung und Dichter
Müllner, Adolph, Schriftsteller, Publizist und Jurist, neben Zacharias Werner Hauptvertreter der Gattung des "Schicksalsdramas", leitete ein berühmtes Liebhaber-Theater in Weißenfels (1774-1829). Eigh. Brief m. U. "Müllner". 3 S. Doppelblatt. 4to. Weißenfels 10.XI.1826.
Sehr gehaltvoller Brief an den (nicht genannten) jungen Schriftsteller Ernst Ortlepp (1800-1864), der ihn um Rat und Urteil über das Einschlagen einer Dichter-Laufbahn gebeten und Manuskripte zur Probe übersandt hatte. Müllner erteilt ausführliche, umfassende Informationen und Ratschläge über das Wesen, die Bedingungen und die Aussichten von Dichtung und Dichter in der literarischen Praxis. "... In der hier zurückfolgenden Sammlung habe ich nichts gefunden, was ich Ihnen rathen könnte, öffentlich als Talentprobe auszustellen. Nicht als ob ich darin die Spuren der Dichteranlagen vermißt hätte; ich glaube deren in mehreren Einzelheiten erkannt zu haben. Auch nicht als ob ich die erlangte Ausbildung im Technischen der Poesie verkannt hätte; Sie sind darin Vielen überlegen, welche mit ihren Poesien Beifall gefunden haben. Aber es scheint mir, daß der, gewöhnlich vom Zufall abhängige, Augenblick noch nicht gekommen ist, der Ihrer schwankenden Neigung den rechten Stoff entgegengeführt, wo der Stoff Ihrer ganzen Seele sich bemeistert, und dadurch die wahre, dichterische Begeisterung angefacht hätte, die - einmal empfunden - das Talent plötzlich entwickelt, u. dem damit Begabten zum lebendigen Gefühl desselben verhilft. Die Lust zu dichten empfindet man gewöhnlich früher als jener Entwickelungs-Moment eintritt. Wenn er kommt, so empfindet man nicht sowohl eine Lust, als vielmehr einen Zwang zu dichten, der von einem bestimmten Gegenstand ausgeht. Beide Zustände verhalten sich ungefähr wie der Liebestrieb u. die Liebe ...". Müllner zitiert dann Friedrich Schiller und rät zum Abwarten: "... Lassen Sie die Dichtfeder ruhen. Beschäftigen Sie den Geist mit wissenschaftlichen Dingen und daneben das Gemüth mit dem Genuße der Kunst an fremden Werken. Dann wird entweder die Muse Sie aufsuchen, oder Sie werden ihre Gunst entbehren lernen. Nichts, als Dichter sein wollen, nichts thun wollen als dichten, oder überhaupt künstlerisch schaffen, das ist ein Bestreben, gleich gefährlich für die innere wie für die äußere Glückseligkeit, für die Haltung der Seele wie für die Subsistenz im äußerlichen Leben. Von der Dichtkunst zu leben, dazu gehört ein eminentes Talent, dabei große Fruchtbarkeit, und überdies Glück in der Ausbreitung des Rufes. Und aus diesem Quell allein für die ganze Lebensdauer die innere Befriedigung zu schöpfen, das halt' ich für ganz unmöglich ...". - Aus der Sammlung Wilhelm Künzel.
Musäus, Johann Karl August
Brief an einen "Herrn Rath" über eine Dame in Eisenach. 1787
Los 2391
Schätzung
600€ (US$ 690)
Musäus, Johann Karl August, Schriftsteller, Philologe und Literaturkritiker der Aufklärung, bedeutend vor allem auch als Märchen-Sammler, vielseitig vernetztes Mitglied der Weimarer Gesellschaft zur Zeit Anna Amalias (1735-1787). Eigh. Brief ohne Unterschrift (die abgeschnitten ist). 3 S., eng beschrieben. Doppelblatt. 4to. Weimar 19.IX.1787.
Wenige Tage vor seinem plötzlichen Tod an einen "Herrn Rat", dem er auf dessen Wunsch eine sehr ausführliche Beschreibung und Chakterisierung einer Madame Cramer in Eisenach liefert. Schildert ihr Äußeres ebenso wie ihre Charakterzüge, ihre Tätigkeit und gesellschaftliche Stellung in Eisenach. - Leider ist von einem "Autographensammler" die Unterschrift abgeschnitten und durch ein neueres Stück Papier ersetzt worden. Sonst gut erhaltenes, äußerst seltenes Autograph des Verfassers der "Volksmährchen der Deutschen" (1782). - Beiliegend ein Ausschnitt aus dem Auktionskatalog IV der Firma Karl Ernst Henrici mit der Beschreibung des Briefes und dem fett gedruckten Hinweis: "Sehr selten".
Naubert, Benedicte, Leipziger Schriftstellerin, schrieb mehr als 50 histor. Romane und gilt als Mitbegründerin dieser Literaturgattung (1756-1819). Eigh. Brief m. U. "Benedicte Naubert geb. Hebenst." 1 S. 4to. N[aumburg] 23.I.1809.
An eine "theuerste Frau", der sie für die Überweisung von 82 Talern dankt, wohl für einen literarischen Beitrag. "... möchte uns bald wieder ein ähnliches Gestirn aufgehen! Sehen Sie unsern guten Rochlitz so grüßen Sie ihn herzlich". Er möge für seine Augen sorgen: "Ich muß mich jetzt größtentheils mit Diktiren behelfen. Möchten Sie diese Zeilen lesen können ... Wüßten o wüßten Sie was wir hier durch innige Sorge um Leipzig leiden!" - Rand-Ausschnitt durch Öffnen der Versiegelung. - Selten.
Neuffer, Christian Ludwig
Signiertes Gedichtmanuskript. Wohl um 1830
Los 2393
Schätzung
450€ (US$ 517)
Neuffer, Christian Ludwig, schwäbischer Dichter und Theologe, mit Hölderlin befreundet, ab 1819 Stadtpfarrer am Ulmer Münster (1769-1839). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "Neuffer". 15 S. auf 4 Doppelbl. 8vo. O. O. u. J.
"Die Ruhe. Ein lyrisch-didaktischer Hymnus". 29 Strophen zu je 10 Zeilen. "Voll Entzücken hingesunken / In melodisches Gefühl, / Von dem schöpferischen Funken / Der Begeistrung kühn und trunken / Greif ich zu dem Saitenspiel ...". Umfangreiche, leicht satirische Verherrlichung der Ruhe, am Schluß signiert. - Zierliche Reinschrift auf festem Bütten. - Sehr selten. - Beiliegend ein Stahlstich-Porträt des Dichters.
Nieritz, Gustav
Signiertes Manuskript einer Erzählung. Circa 1840
Los 2394
Schätzung
450€ (US$ 517)
Nieritz, Gustav, erfolgreicher, viel gelesener Dresdener Jugend- und Volksschriftsteller (1795-1876). Eigh. Manuskript m. U. "Gustav Nieritz". 11 S., sehr eng beschrieben. 3 lose Doppelbl. Folio. (Wohl Dresden, ca. 1840).
"Hochmuth vor dem Falle. Erzählung aus der Jetztzeit. Von Gustav Nieritz." Umfangreiches Manuskript einer vollständigen Erzählung, am Schluß signiert. Wahrscheinlich in einem der verschiedenen populären, von Nieritz herausgegebenen Periodika erschienen. Schwärzliche Fingerspuren aus der Druckerei deuten auf die Verwendung des Manuskripts als Druckvorlage. - Kleine Faltenrisse und andere mäßige Gebrauchsspuren. - Selten.
Österreichische Schriftsteller und Journalisten des 18. Jahrhunderts
45 Autographen
Los 2395
Schätzung
600€ (US$ 690)
Österreichische Schriftsteller und Journalisten des 18. und 19. Jahrhunderts (I). Ca. 45 Autographen.
Meist eigenhändige Briefe und Karten an andere namhafte Autoren, Redakteure oder Buchhändler. Wo keine Anzahl hinter den Lebensdaten angegeben ist, handelt es sich jeweils um 1 Stück. - Vorhanden: Paul d'Abrest (1850-1893), Alfred Amschl (1852-1926), Johann Melchior Armbruster (1761-1814), Raoul Auernheimer (1876-1948), Cornelius von Ayrenhoff (1733-1819), Eduard Frhr von Badenfeld (Pseud. Ed. Silesius, 1800-1860), Moriz Band (1864-1932; 2), Adolf Bäuerle (1786-1859; 2), Karl Isidor Beck (1817-1879; 2), Camillo Belolawek-Morgan (1860-1925), Oscar Bendiener (1870-1940), O. F. Berg (1833-1886), Alois Berla (1826-1896), Moriz Bermann (1823-1895), Joseph Carl Bernard (1780-1850, an Treitschke), Anton Bettelheim (1851-1930), Julius Ebersberg (1831-1870), Karl Egon Ritter von Ebert (1801-1882), Ludwig Eckardt (1827-1871), Anton Edlinger (1854-1919), Karl Elmar (1815-1888), Moriz Engel (1846-1897), Julius Epstein, Josef Erler (1857-), Michael Etienne (1827-1879), Johann Frhr Falke von Lilienstein (1827-1895), Theodor Flamm (d. i. Anton Krüpl, 1822-1902), Richard Fleischer (1849-), Ludwig Foglar (1820-1889, 2), Adolf Franckel (1823-), Karl Emil Franzos (1848-1904, 2), Wilhelm Frey, Alfred Hermann Fried (1864-1921), Otto Bernhard Friedmann (1824-1880), Wilhelm Gaertner (1811-1875), Isidor Gaiger (1828-1880), Eduard Galler, Carl Giugno (1818-1891), Max Glass (1881-1965), - Einige Beilagen, darunter Bildnisse. - Wenige Briefe mit Defekten. 8 Schriftstücke tragen als Restitutions-Exemplare einen ungültigen Bibl.-Stempel.
Österreichische Schriftsteller des 18. und 19. Jahrhunderts
44 Autographen
Los 2396
Schätzung
600€ (US$ 690)
Österreichische Schriftsteller des 18. und 19. Jahrhunderts (II). Ca 44 Autographen.
Meist eigenhändige Briefe, Karten oder Manuskripte. - Vorhanden: Ignaz Machanek (1825-1903), Dr. Märzroth (d. i. Moritz Barach, 1818-1888), Johann Nepomuk Mahl-Schedl von Alpenburg (1806-1873), Richard March (1850-1897), Friedrich Marx (1830-1905, 2), Joseph Karl Maurer (1834-1902), Ludwig Ritter von Mertens (1826-1909), Gotthelf Meyer (1844-), Josef Mitter, Carl Morre (1832-1897), Salomon Hermann Ritter v. Mosenthal (1821-1877), Guido Mosing (1812-), Friedrich August Müller (1767-1807, an Friedrich Nicolai), Adam Müller-Guttenbrunn (1852-1923, 2), Anton August Naaf (1850-1918), Erik Nessl (1831-1883), Franz Nissel (1831-1897), Johannes Nordmann (1820-1887, 2), Josef Oppenheim (1811-1881), Franz Sartori (1782-1832), Richard Schaukal (1874-1942, 2), Victor Schembera (1841-), Ludwig Scheyrer (1811-1874), August Schilling von Henrichau (1815-1886), Mathias Leopold Schleifer (1771-1842), Sigmund Schlesinger (1832-1918), Friedrich Schlögl (1821-1892, 2), Franz von Schönthan (1849-1913), Paul von Schönthan (1853-1905, 2), Anton Schott (1866-1945), Eduard Maria Schranka (1850-1916), Amand von Schweiger-Lerchenfeld (1846-1910), Johann Gabriel Seidl (1804-1875), August Silberstein (1827-1900), Wilhelm Singer (1847-1917), Moritz Smets (1828-1890), Daniel Spitzer (1835-1893), Johann Sporschil (1800-1863).
Oettinger, Eduard Maria
Brief aus Berlin an Adolf Bäuerle. 1830
Los 2397
Schätzung
300€ (US$ 345)
Oettinger, Eduard Maria, Schriftsteller, satirischer Publizist und bedeutender Bibliograph (1808-1872). Eigh. Brief m. U. "Eduard Maria Oettinger". 4 S. Doppelblatt mit Adresse. 4to. Berlin 1.X.1830.
Interessanter, charakteristischer Brief an Adolf Bäuerle, den vielseitigen Bühnenautor und langjährigen Herausgeber der einflußreichen "Allgemeinen Theaterzeitung" in Wien, den Oettinger mit "Mein verehrter, innig geliebter Vice:Vater" anredet. Unter anderem über seine satirischen Zeitschriften, die immer wieder mit Verboten belegt wurden. "... Vor einigen Tagen bin ich von meinen Kreuz und Querzügen durch Frankreich, Holland und Norddeutschland nach Berlin zurückgekehrt. Ich habe Ihren gütevollen Rath befolgt und setze meinen 'Eulenspiegel' nach der Art des beifolgenden Probeblattes fort. Meine beiden Almanachs 'Das schwarze Gespenst' werden wahrscheinlich schon in Ihren Händen sein. Ich habe Herrn Sauerländer in Frankfurt am Main ersucht, Ihnen ein Frei:Exemplar einzusenden. Des Reisens bin ich immer noch nicht satt geworden, vielleicht bin ich vor Neujahr wieder in Paris ... Dem bayerischen Landesverwiesenen wurden überall Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Jetzt stehen die Sachen besser in Frankfurt und mein Plan hinsichtlich einer deutschen Zeitung ist nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. - In 2 Monaten erscheint das weiße Gespenst von mir bei Taubert in Leipzig, zu Ostern das rothe Gespenst, enthaltend sechs Lustspiele. Mein Dankgefühl dictirte mir, dieselben keinem Andern, als meinem frühern Wohlthäter, dem lieben Herrn von Bäuerle zu dediciren. In dieser Dedication habe ich offen bekannt, was ich Ihnen danke und wieviel ich Ihnen schulde. Sie haben mich zu dem gemacht, was ich bin, trotz der Verfolgungen bereue ich es nicht, Journalist zu sein. Ich habe mich unendlich geändert. Sie würden mich nicht wiedererkennen ...". - Im zweiten Teil des Briefes empfiehlt er dessen Überbringer, "den in der Kunstwelt rühnlich bekannten Virtuosen und Cammermusikus Hr. Belke [d. i. der Bassposaunist Friedrich August Belcke, 1795-1874]. Auf dem Bassethorn hat derselbe eine solche Vollkommenheit erlangt, daß er der Matador der Meister genannt werden darf ...". Beteuert dann noch mehrmals seine Dankbarkeit gegenüber Bäuerle: "... Keine Stunde ist bisher vergangen, in der ich nicht mit tiefgefühltem Danke an Sie zurückgedacht hätte! Schreiben Sie mir bald ... denn Sie wissen, ich bleibe nicht gern sehr lang an einem Ort ...". - Oettinger war eine Zeitlang Mitarbeiter Bäuerles an der "Theaterzeitung", wie auch sein Satiriker-Kollege Moritz Gottlieb Saphir, mit dem er nach Lebenslauf und publizistischer Tätigkeit viel Ähnlichkeit hat, wenn auch weniger provokant und sehr viel fleißiger als Saphir, denn Oettingers großes biographisches Sammelwerk "Moniteur des Dates" ist ein phänomenales Beispiel für Fleiß und Belesenheit. - Beiliegend ein gutes Stahlstich-Porträt Oettingers mit faksimilierter Unterschrift.
Paalzow, Henriette
Brief an einen Redakteur über Karl Goedekes Literaturkritik. 1845
Los 2398
Schätzung
300€ (US$ 345)
Karl Goedeke als Literaturkritiker
Paalzow, Henriette, erfolgreiche Berliner Romanschriftstellerin und Salonnière, Schwester des Malers Karl Wilhelm Wach, befreundet mit der Familie Wilhelm von Humboldts sowie mit vielen Künstlern und Schriftstellern (1792-1847). Eigh. Brief m. U. "Henriette Paalzow-Wach". 3 S. Doppelblatt, mit dem eigh. Umschlag. Gr. 8vo. (Berlin) 13.I.1845.
Umfangreicher Brief an den Hofbuchhändler Hahn in Hannover, der ihr Rezensionen gesandt hatte, von denen der Aufsatz von Karl Goedeke (vielleicht über ihren Roman "Thomas Thyrnau") ihr besonders gefiel. "... Die Kritick des Herrn Gödecke habe ich mit großer Aufmerksamkeit und wahrem Antheil gelesen. Der gebildete Mann, der sich die brutale Roheit seiner Collegen weit abhält, giebt ihm den achtungsvoll forschenden Blick, der dem Autor so wohl thut, weil auf diese Weise jedes Verständniß möglich und erreichbar ist, und es höchst belehrend und intereßant ist zu hören, wie dem Fremden, der frisch hinzutretend das Werk in seiner Gesamtheit beurtheilt, Anschauung und Urtheil entsteht! Solche Kritick legt man mit dem Wunsch nieder den Verfasser zu kennen, und mit ihm recht gemüthlich über das sprechen zu können was er ausstellt, erräth, im Zweifel läßt, tadelt oder lobt! - Die Sache ist für mich so sehr die Hauptsache, daß ich fast ganz vergeße, daß ich zu derselben in so nahem Verhältniß stehe - daß was ich schreibe, trit so sehr als Absicht aus mir heraus daß ich wie sein Referent fast in einem leidenden Verhältniß dazu trete - daher urtheile ich nachher wie der Zuschauer, und es ist mir ein Genuß, mit einem gebildeten Kriticker darüber so ruhig erörternd zu streiten! - Wie schön ist der erste Satz, womit Herr Gödecke seine Ansichten über Kritick einleitet - in dem ganzen Aufsatz ist ein so wahrer, gebildeter, edler Standpunkt festgestellt, er enthält so das wahre Bedürfniß des Autors zur Kritick, daß man einer solchen Feder mit williger Hingebung sich unterwerfen mögte ...". Äußert den Wunsch, Goedeke persönlich kennenzulernen und fügt hinzu: "... Niemals habe ich Journale gehalten, und sie nur zufällig gelesen, dies war keine besondere Absicht, sondern daß meine Zeit durch andere Lecture ausgefüllt war. Seit meiner eignen Literarischen Thätigkeit ward dies Grundsatz - ich laß nur, was Andere gelegentlich mir gaben! ...". - Der berühmte Bibliograph und Editor Karl Goedeke gab zu dieser Zeit in Hannover die "Deutsche Wochenschrift" heraus. - Aus der Sammlung Künzel. - Beiliegend ein Stahlstich-Porträt der Henriette Paalzow.
Paoli, Betty
Brief an Hermann Kiewy über ihre Beziehung zu Nicolaus Lenau. 1887
Los 2399
Schätzung
150€ (US$ 172)
Paoli, Betty (eigentl. Barbara Anna Glück), österr. Schriftstellerin, Journalistin und Übersetzerin (1814-1887). Eigh. Brief m. U. "Betty Paoli". 21/2 S. Doppelbl. 8vo. Mit dem Umschlag. Wien 20.XI.1887.
An den Buchhändler und Autographensammler Hermann Kiewy in der Leopold Rosnerschen Buchhandlung, der gehört hatte, dass Betty Autographen von Nicolaus Lenau besitze. Sie müsse ihn jedoch enttäuschen: "... Ich besitze nämlich nicht eine Zeile von Lenau's Hand. Sie sind falsch berichtet, wenn Sie glauben, daß ich in einem wirklichen Verkehr mit ihm stand. Unsere persönlichen Berührungen beschränkten sich darauf, daß er mich ein paarmal besuchte. Nie kamen wir einander so nahe, daß sich ein Briefwechsel daraus hätte entwickeln können. Das Wohlwollen, das er mir bewies, und die jugendliche Begeisterung, mit der ich zu ihm emporblickte, haben keine brieflichen Spuren zurückgelassen ...". - Beiliegend 2 gestochene Porträts der Dichterin und eine kleine Zeitungsnotiz mit der Inschrift auf ihrem Grabdenkmal.
Pichler, Caroline
Brief an drei Bekannte zwecks einer Versammlung zum "Probiren". Wohl um 1805
Los 2400
Schätzung
350€ (US$ 402)
Pichler, Caroline, Wiener Schriftstellerin, Lyrikerin, Kritikerin und Salonnière (1769-1843). Eigh. Brief m. U. "ganz ergebenste Freundin Pichler". 1 S. Quer-schmal-8vo. (Wien) 30.X. (um 1805?).
Wohl eine Art Rundschreiben an drei ihrer Bekannten (darunter Collin), betreffend die Planung einer Versammlung zum "Probiren", vielleicht einer Privattheater-Aufführung. Eventuell könne man "bey Baron Hormayer [wohl Joseph von Hormayr] probiren". Auch Graf Zichy wird erwähnt. "... bis 6 Uhr könnten wir dann fertig seyn, und indes zu seinen Abendgeschichten oder Unterhaltung gehn ...". - Mit "Collin" ist vermutlich der Wiener Schriftsteller und erfolgreiche Dramatiker Heinrich Joseph von Collin (1771-1811) gemeint.
Polko, Elise, Sängerin und vielgelesene Musikschriftstellerin (1823-1899). Eigh. Brief m. U. "Elise Polko". 3 S. Doppelbl. 8vo. Minden 27.VII. (nach 1850).
An einen Herrn Scholz, der ihr ein Manuskript und eine Nummer der "Tribüne" übersandt und angeboten hatte, sie gegen öffentliche Angriffe eines Kontrahenten in dieser Zeitschrift zu verteidigen. Die "Tribüne" sei "aus jener schwersten Zeit meines Lebens, u. ich danke Gott, daß sie hinter mir liegt. Die Gemeinheit und Lüge, die mich angriff, ist längst zu Schanden geworden, - u. die vielen Beweise der Liebe u. Verehrung, die mich in jenen entsetzlichen Tagen erreichten, waren der beste Wundenbalsam. Ein mir gänzlich unbekannter Mann hat mich in einer Weise angegriffen, die eben nur aus den niedrigsten Motiven hervorgehen konnte. Natürlich schickte er mir ein Exemplar zu, u. ich erkrankte fast tödtlich vor Schmerz u. Schreck u. habe Monate lang gekämpft u. gerungen - war unfähig zu jeder Arbeit ... Besten Dank für Ihr freundliches Vertheidigungsanerbieten, - die Sache ist ja längst erledigt ... privatim ist sehr viel geschehen u. der Armselige, der den Schlag gegen eine wehrlose Frau führte, hat sich selber das Grab gegraben u. bereut jetzt längst sein Thun, u. sieht sich in die Acht erklärt von allen denen, die früher mit ihm verkehrten ...".
Praetorius, Bernhard (eigentlich Schultheiß), Nürnberger Jurist, Dichter und Schriftsteller; Syndikus der Stadt Nürnberg, Bibliothekar und Aufseher der öffentlichen Stadtbibliothek (1567-1616). Eigh. Albumblatt m. U. "Bern. Praetorius ... Noribg. Synd." 1 S. Kl. 4to. 1607.
Vier Sinnsprüche in verschiedenen Sprachen: Italienisch, Englisch, Griechisch und Latein. "Parenti con parenti, / Guai a chi non a niente ... Non splendere foris, nec habeti velle; sed Esse ..."
Rudolphi, Caroline Christiane
Brief an den Verleger Göschen. Heidelberg 1806
Los 2403
Schätzung
300€ (US$ 345)
Rudolphi, Caroline Christiane, Erzieherin, Dichterin und Schriftstellerin, gründete erfolgreiche Erziehungs-Institute in Hamburg und Heidelberg und pflegte Umgang mit Klopstock, Claudius und den Protagonisten der Heidelberger Romantik, Arnim, Brentano, Tieck, Creuzer, Sophie Mereau u. a. (1754-1811). Eigh. Brief m. U. "C. Rudolphi". 21/2 S., eng beschrieben. Doppelblatt mit Adresse und Siegelrest. Gr. 4to. Heidelberg 10.VI.1806.
An den Verleger Göschen in Leipzig. Ausführlich über Lehr- und Lesebücher für die Jugend und das Manuskript eines eigenen Erziehungsbuches, das sie Göschen zum Verlag angeboten hat und über dessen Annahme oder Ablehnung sie jetzt eine klare Aussage erwarte. Ferner über die Suche nach einem jungen Mann als Hauslehrer, der eine Reihe von Bedingungen erfüllen soll. "... Es wird freilich viel von ihm gefordert. Er soll nemlich ein ruhiger und doch ein talentvoller Kopf und ein reiner, edler Mensch sein, der Kenntnisse und vor allem die schöne Fähigkeit hat, sie der weiblichen Jugend lebhaft, angenehm und mit dem möglichsten Zartsinn vorzutragen. Er soll über die stürmische Jahreszeit der Leidenschaften hinaus und dennoch mild, wohlwollend und herzlich theilnehmend sein. Dabei soll sein ganzes Wesen durchaus Achtung gebieten ...". - Wichtige Persönlichkeit in der Geschichte der Pädagogik. Sie selbst wurde von dem Komponisten J. Fr. Reichardt gefördert, der auch ihre Gedichte vertonte. - Adressblatt mit Siegel-Ausriss, doch ohne Textverlust.
Saar, Ferdinand von
Signiertes Gedichtmanuskript mit Beilagen. Um 1870.
Los 2404
Schätzung
300€ (US$ 345)
Saar, Ferdinand von, österr. Schriftsteller, bedeutender Erzähler (1833-1906, starb durch Selbstmord). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "Ferdinand von Saar". 11/2 S. Doppelblatt. Gr. 8vo. O. O. (wohl um 1870).
"Gebet". 6 Strophen zu je 4 Zeilen. "Jahr um Jahr hab' ich gerungen / Und erlitten Schmerz um Schmerz; / Aber stark und unbezwungen / Hielt sich mein gequältes Herz. - Wie sich auch die Wolken ballten, / Wie sich Mißgunst rings verschwor - / Mit stets reinerem Entfalten / Schwang sich still mein Geist empor ... Also fleh' ich, von den Schwingen / Der Erfüllung leist umweht - / Und doch fürchtend, daß mein Ringen / Im Verhängniß untergeht." - Saubere Handschrift, die offenbar als Druckvorlage für eine Zeitschrift diente, denn es ist beim Titel von Redakteurshand "Von Ferdinand von Saar" eingefügt, während der originale Namenszug am Schluß gestrichen wurde. Auch rühren Flecken auf dem Papier eindeutig von Druckerschwärze her. - Beiliegend ein eigh. Billet m. U. "Ihr Saar": "Theile mit freundlichem Gruße mit, daß ich die letzten Correcturen (Bogen 10, 11 und Titelblatt) direct an Fromme habe zurückgehen lassen. Ihr Saar." - Ferner beiliegend der Faksimiledruck einer handschriftlichen Autobiographie v. Saars nebst druckgraphischem Porträt.
Sacher-Masoch, Leopold Ritter von
Brief mit Umschlag an Theodor Rother in Leipzig. 1879
Los 2405
Schätzung
120€ (US$ 138)
Sacher-Masoch, Leopold Ritter von, Schriftsteller und Publizist, Namensgeber des Begriffs Masochismus (1836-1895). Eigh. Brief m. U. "Sacher Masoch". 2 S. Doppelblatt. Mit frankiertem Umschlag. 8vo. Graz 27.IV.1879.
An Theodor Rother in Leipzig, über die Planung eines gemeinsamen Zeitschriften-Projekts. "... Ich verspreche mir von dem Unternehmen sehr viel, weil es einmal etwas ganz Neues ist. Wir haben jetzt lederne Journale genug in Deutschland, Familienblätter, Modejournale, Revuen und wie sie heißen mögen, was uns wieder einmal Noth thut, ist ein frischer, kräftiger literarischer Luftstrom wie zu Lessings oder Heine und Börnes Zeiten ...". - Beiliegend ein zeitgenöss. Zeitungsartikel über Sacher-Masoch.
Salis-Seewis, Johann Gaudenz von
Brief an Johann Gottlieb Kahlert in Breslau. 1786
Los 2406
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Salis-Seewis, Johann Gaudenz von, Schweizer Lyriker und Staatsmann, lebte zeitweilig als Schweizergardist in Paris (1762-1834). Eigh. Brief m. U. "J. G. von Salis". 4 S. Tinte mit Goldstaub. Doppelblatt. 8vo. Paris 19.I.1786.
An Johann Gottlieb Kahlert, ehemals Erzieher in Graubünden, jetzt Privatgelehrter in Breslau, Vater des Schriftstellers August Kahlert. Kahlert hatte Salis-Seewis eine Beschreibung seiner Schweiz-Reise gesandt. Salis zeigt sich erfreut über die Absicht Kahlerts, erst im Frühjahr eine neue Reise anzutreten, weil er selbst vorhatte, Kahlert in Breslau zu besuchen. "... Ihre Abreise würde mir während meinem künftigen Semester manche angenehme Stunde entziehen; und zugleich die Hofnung täuschen Sie je in Paris zu sehen. - Wer weiß ob? und wan? ich nach Breßlau komme ... Ihre Reise nach dem Veltlin, machte mich nach der Fortsezung begierig; ich folgte Ihnen bis Cleven, aber bloß auf den Flüglen der Einbildungskraft. - Die Nayade des Rheinstrohms war freilich unglücklich; das böse Wetter beraubt sie des Ruhmes, einer mahlerischen Beschreibung ihrer Quelle. - Ich lebe mitten in Paris. Dennoch sehen sich meine Tage so ziemlich ähnlich . - Das Schauspiel besuche ich monatlich 2 oder 3 mahl. Ich sah neulich Ariadne, und dachte dabey recht oft an Sie. Kapellmeister Reichard[t], aus Berlin war fast den ganzen Winter hier. Er arbeitet an einer Oper für das hiesige Theater. - Ich habe wie natürlich verschiedene Bekantschaften gemacht; einige davon sind ziemlich interessant, unter andern den berühmten Marquis de Mirabeau. Der izt in Berlin ist, wohin ihn der König berief. Lavater hatte mich auch mit Rekommendations Schreiben an einige Gelehrte versehen, deren Bekantschaft er auf ihren Reisen in Zürich gemacht. - Ich verlor hingegen in Friedel einen vortreflichen Mann. Er starb an der Auszehrung. Wenn ich im Stand wäre etwas seiner würdiges zu liefern, so würde ich seinen Tod in einem Journale angezeigt haben ... Seine Bibliothek soll verauktionirt werden; Eine vortrefliche Gelegenheit sich die besten deutschen Werke spottwohlfeil anzuschaffen! Wenn ich Geld hätte (welches freilich nicht ist!), so würde ich suchen, meine kleine Dichter Sammlung vollständig zu machen ...". - Aus der Sammlung Wilhelm Künzel. - Selten.
Sallet, Friedrich von
Brief an Ludwig Eichler über die Breslauer Zeitung. 1839
Los 2407
Schätzung
300€ (US$ 345)
Sallet, Friedrich von, spätromantischer schlesischer Lyriker, jung verstorben (1812-1843). Eigh. Brief m. U. "Ihr Freund F. v. Sallet". 11/4 S. Doppelblatt mit Adresse und Siegelrest. Breslau 13.XII.1839.
Ausführlicher Brief an den Schriftsteller Ludwig Eichler in Berlin, der sich um eine Position als Korrespondent bei der Breslauer Zeitung beworben hatte. Sallet erklärt Eichler, dass der Redakteur Dr. Nimbs nichts entscheiden könne, solange der eigentliche Chef, Baron Vaerst, sich in Berlin aufhalte. "... Nimbs kannte Sie dem Namen nach sehr wohl und sagte, es würde der Zeitung sehr erwünscht sein, einen Correspondenten in Berlin zu haben, der zugleich Litterat wäre, um die Nachrichten gleich in gehöriger, genießbarer Fassung zu erhalten. Aber freilich kömmt es hier hauptsächlich auf politische Nachrichten an, da belletristische Correspondenzen in der Zeitung nur einen kleinen Raum einnehmen könnten ...". Er möge mitteilen, ob er in Berlin Verbindungen der Art habe, "daß Sie auch politische Notizen, aber wohlverstanden: nur durchaus verbürgte (schon wegen der Verantwortlichkeit der Redaction) aus Berlin schnell beschaffen könnten ... Ferrand wird Ihnen wohl gesagt haben, daß ich jetzt grade eifrigst mit einer großen poetischen Arbeit, einem 'Laienevangelium' beschäftigt bin. Natürlich ist mir das lieber als alle Journalredigirerei, zu der ich doch nicht das mindeste Geschick habe ...". Äußert sich dann noch über die Saumseligkeit seines Freundes Mücke. "... Aber Sie müsssen sein langes Schweigen nicht zu streng beurtheilen. Mücke ist ein treuer Freund, aber vielleicht der größte 'Weitläuftigkeitsrath' seiner Zeit. Man könnte ihn auch 'den Vater aller Hindernisse' nennen. Er kreist fortwährend und kann nicht zum Gebären kommen. Hierin liegt die Erklärung für all sein Thun und Unterlassen ... Wenn Sie mit Ferrand, Arthur Müller, Gaudy, Leitner zusammen kommen, so grüßen Sie selbige schönstens von mir ...". - In Sallets 1842 erschienenem "Laienevangelium", seinem erfolgreichesten Werk, setzt sich der Dichter kritisch mit dem Christentum auseinander, das neben dem Militärwesen zu den am meisten von Sallet kritisch beurteilten Themen gehörte. - Faltenrisse, teils mit Transparentpapier unterlegt. - Da Sallet nur 31 Jahre alt wurde, recht selten.
Sand, George
Brief an den Pariser Publizisten Louis Jourdan. 1849
Los 2408
Schätzung
300€ (US$ 345)
Sand, George, (d. i. Amantine Aurore Lucile Dupin de Francueil), französ. Schriftstellerin, befreundet mit vielen großen Musikern und Schriftstellern (1804-1876). Eigh. Brief m. U. "G Sand". 1 S. Doppelblatt mit Adresse. Kl. 8vo. Nohant 15.I.1849.
An den Pariser Journalisten und Verleger Louis Jourdan (1810-1881), Mitarbeiter zahlreicher Zeitschriften. Bittet um Rückgabe eines Manuskripts. "... Je vous prie de vouloir laisser remettre à Mr Eugène Bosie qui vous remettra cette lettre, le manuscrit de la petite Fadette, que mon fils recommande obstiniément. Je regrette d'être si fervent, mais j'ai donné ma parole à Monsieur de ne plus donner de Manuscrits. Je n'ai pas le tems de vous écrire ...". - George Sands höchst erfolgreicher, vielfach übersetzter und bearbeiteter Roman "La petite Fadette" erschien in diesem Jahr im Druck. - Jourdans Sohn Prosper widmete George Sand eine seiner Novellen. - Beiligend ein frankierter Umschlag eines Briefes an den Wiener Advokaten Leopold von Mayer; dieser hat auf der Rückseite vermerkt: "Autograf der Mme. Georges [!] Sand", was aber nicht zutrifft. - Ferner das lithographierte Faksimile eines Briefes von George Sand sowie eine weitere Beilage.
Schack, Adolf Friedrich Graf von
2 Briefe mit Beilagen. 1862 und 1889
Los 2409
Schätzung
180€ (US$ 207)
Schack, Adolf Friedrich Graf von, Dichter, Literatur- und Kunsthistoriker, Diplomat, bedeutender Kunstsammler und Mäzen, Gründer der nach ihm benannten Galerie in München (1815-1894). Eigh. Brief m. U. "A. v. Schack". 1 S. Doppelblatt. Gr. 8vo. München 25.VIII.1862.
An eine Dame. "... Auf die Gefahr hin, Ihr Reisegepäck allzu sehr zu beschweren, erlaube ich mir, Ihnen die beifolgenden zwei Bände des Firdusi sowie die 'Stimmen vom Ganges' zu Füßen zu legen und die Bitte hinzuzufügen, daß Sie sich durch den ersten Eindruck der Fremdartigkeit nicht von der Lectüre zurückschrecken lassen möchten ...". - Dabei: Derselbe. Brief m. U. "A F Gf v Schack". 1 S. Doppelblatt. 8vo. Florenz 4.XI.1889. - An einen Redakteur, den er bittet, die für ihn bestimmten Freiexemplare der "Pandora" an seine Münchener Adresse in der Brienner Straße zu senden. - Beiliegend 1 Stahlstich- und 1 Holzstich-Porträt des Grafen sowie ein Katalogzettel des Autographensammlers v. Röslerstamm.
Scheffel, Joseph Victor von
2 Briefe an verschiedene Personen + Beilagen. 1861-1863
Los 2410
Schätzung
180€ (US$ 207)
Scheffel, Joseph Victor von, badischer Dichter historischer Versepen von großer Verbreitung und Popularität (1826-1886). 2 Briefe m. U. "Dr. J. Vict. Scheffel" bzw. "Jos. Scheffel". Zus. 3 S. Gr. 8vo und quer-gr. 8vo. Rippoldsau 17.XI.1861 bzw. Pinzenau 7.VI.1863.
Das erste Schreiben ein Billet an einen nicht genannten Empfänger, dem er eine unerwünschte Sendung zurückschicken lässt. - Der zweite Brief an einen Freund, der Scheffel für dessen neue Wohnung eine Haushälterin vermitteln wollte, was aber auf Schwierigkeiten stieß. "... Unter diesen Umständen war es erst heute möglich, in Miesbach Schritte zu thun. Glücklicherweise hat sich auch eine Frau vom betreffenden kanonischen Alter gefunden, die Erfahrung u. guten Willen genug zu besitzen scheint; sie ist bereits installirt; Küche u. Keller sind auch schon in leidlicher Ausrüstung u. so darf ich mit Beruhigung der nächsten Zeit entgegensehen. - Ich danke Ihnen auf das Verbindlichste für die Güte u. Umsicht, mit der Sie mich im freundlichen Tusculum heimisch machten, sowie für die Sendung, die mir Steub gestern mitbrachte ... Die Einrichtung wird bald ganz behaglich sein ...". - Beiligend 3 Holzstich-Porträts Scheffels sowie zwei gedruckte Fotos von Scheffel-Denkmälern.
Gleichen-Rußwurm, Emilie von
Brief an einen Oberstleutnant in Nürnberg.1863
Los 2411
Schätzung
150€ (US$ 172)
Schiller-Umkreis. - Gleichen-Rußwurm, Emilie von, Friedrich Schillers jüngste Tochter, veröffentlichte viele Schiller-Dokumente (1804-1872). Eigh. Brief m. U. "Emilie von Gleichen-Rußwurm, geb. von Schiller". 2 S. Doppelblatt. Mit der aus dem Umschlag ausgeschnittenen Adresse des Empfängers. Gr. 8vo. Nürnberg 24.V.1863.
An einen Oberstleutnant in Nürnberg. "... Empfangen Sie meinen herzlichsten Dank für die Mittheilung über die Zeiten, welche Sie in Freundschaft mit meinem theuren Bruder Ernst verbanden. Seine lieben Schriftzüge wieder zu sehen, sein Andenken von Ihnen wachzuhalten, thut mir sehr wohl, u. obgleich in tiefer Wehmut bin ich immer glücklich, solche ... der vergangenen Tage wieder vor Augen zu haben ...".
Schink, Johann Friedrich, sehr fruchtbarer Bühnenschriftsteller, Publizist, angestellter Theaterdichter und Bibliothekar (1755-1835). Eigh. Brief m. U. "Schink". 1 S. 8vo. Ratzeburg 3.XII.1807.
An einen Freund mit der Bitte, bei einem Versand nach Leipzig ein Päckchen Schinks an einen dortigen Verleger mitzuschicken. "... Wie leben Sie denn in dieser traurigen Witterung? Ich vergesse sie über das Gewerbe, das ich mir für die Bühne mache. Mit dem neuen Jahre öfnet sich mir endlich eine Aussicht, meine Arbeit auch an den Mann zu zu bringen ...".
Schlegel, August Wilhelm von
Brief an den Bildhauer Friedrich Tieck, mit Empfehlung für Giovanni Berchet. 1833
Los 2413
Schätzung
600€ (US$ 690)
Schlegel, August Wilhelm von, Dichter, Übersetzer, Philologe und Literaturhistoriker, zentrale Figur der dt. Frühromantik (1767-1845). Brief m. U. "A W v Schlegel". 1 S. Doppelblatt mit Adresse. Gr. 8vo. Bonn 28.X.1833.
An den Bildhauer Christian Friedrich Tieck, Professor an der Berliner Kunstakademie, Bruder Ludwig Tiecks. Empfehlungsschreiben für den italienischen Dichter und Schriftsteller Giovanni Berchet (1783-1851), den Schlegel in Bonn kennengelernt hatte, "ein geistreicher und gebildeter Italiänischer Gelehrter ... Er kommt jetzt von Brüssel mit dem Marchese Arconati und dessen Gemahlin, und gedenkt den Winter in Berlin zuzubringen. Du wirst mich verbinden, wenn Du ihn mit Deinen berühmten künstlerischen Freunden Rauch, Schinkel und Wach bekannt machen und ihm den Zutritt zu den Berlinischen Kunstschätzen öffnen willst ...". - Berchet gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der italienischen Romantik. - Beiliegend ein Stahlstich-Porträt Schlegels.
Schlichtegroll, Friedrich von
Brief an einen "geliebten Freund". Gotha 1798
Los 2414
Schätzung
450€ (US$ 517)
Schlichtegroll, Friedrich von, erster Biograph Mozarts, Philologe, Numismatiker, Archäologe, Bibliothekar und Generalsekretär der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, wirkte in Gotha und München, wo er unter vielen Aufgaben auch die Verwaltung der höfischen Münzkabinette leitete (1765-1822). Eigh. Brief m. U. "Fr Schlichtegroll". 2 S. 8vo. (Gotha) 9.II.1798.
An einen "geliebten Freund". Bedauert, wegen stockenden Briefwechsels den Freund mit Nachfragen bedrängt zu haben, z. B. "daß ich nun ängstlich auf Ihr Mspt warte. Es thut mir in der Seele weh, wenn ich denke, daß Sie vielleicht unter dem Drucke der täglichen Geschäfte manches Nachtstündchen dazu haben nehmen müssen, um gerade jetzt das Monument für Ihre Freundin zu arbeiten; aber ich bin nichts als ein corpus intermedium, das da drängt, weil es wieder gedrängt wird ...". Berichtet von Verlobungen und Hochzeiten mehrerer Mädchen, die der Adressat kennengelernt habe. "... Es giebt doch nun einmahl kein größeres Gut auf der Welt als eine brave Ehefrau. - Sollte es Ihnen unmöglich fallen, mir die Biographie der edlen Marianne vor dem 5-10ten Merz, auf das längste, zu schicken, so muß ich sie bis auf einen künftigen Nachtrag aufheben. Aber ich fürchte das nicht; Sie machen es gewiß noch möglich. - Was wird denn der Rastädter [sic] Friede Ihnen u. uns für Schicksale mitbringen? ...". Erwähnt Friedrich Christoph Perthes, den Verleger von Schlichtegrolls jährlich erschienenem "Nekrolog".
Schlözer, August Ludwig von, Universalgelehrter der Aufklärung, Historiker, Staatsrechtler, Schriftsteller, Publizist, Philologe, Pädagoge und Statistiker, Professor in Göttingen (1735-1809). Eigh. Brief m. U. "Schlözer". 1 S. Quer-8vo. (Göttingen) 19.VI.1797.
An einen Herrn. "... Schon in einem Briefe vom 7 May an meine Frau, tat Mad. Michaelis sehr ängstlich, daß sie so lange keine Antwort von Euer Wohlgeb. bekommen hatte, u. daher fürchtete, Sie unwissend beleidigt zu haben. Auch fragte sie nach den Neuen Schriften, die Paulus edire p. - Wollen Euer Wohlgeb. sie beruhigen? Ein paar offene Zeilen reichen hin. Meine Frau schreibt heute an sie nach Braunschweig (nächstens geht sie nach Harburg), u. würde solche mit Vergnügen einschließen ...". - Beiligend ein Umrißstich mit Schlözers Porträt, von "Lastic." nach 1808 gestochen und mit dem Faksimile einer Signatur Schlözers von 1776 versehen.
Schmidt, Klamer
Eigenhänd. Manuskript "Abschieds-Heroide an Lina". 1774
Los 2416
Schätzung
450€ (US$ 517)
Schmidt, Klamer E. K., Dichter und Jurist, Mitglied des Halberstädter Dichterkreises unter Gleim und der dortigen Literarischen Gesellschaft, Hofpoet des Grafen zu Stolberg-Wernigerode (1746-1824). Eigh. Manuskript. 51/4 S. 8vo. O. O. (wohl um 1774).
"Abschieds-Heroide. An Lina". Eigenhändiges, mehr als fünfseitiges Manuskript, das von zeitgenössischer Hand stark bearbeitet und auf S. 1 mit neuem Titel versehen wurde: "Julius an Lina von Klamer Schmidt, gedruckt im Leipziger Musen-Almanach von 1774. (ni fallor)". Mit zahlreichen Streichungen und Text-Änderungen von der Hand des Bearbeiters. - Beiliegend eine interessante Liste (22/3 S. 8vo) von Klamer Schmidts Autographen-Nachlaß, wohl verfasst um 1825 und betitelt "Autographen-Sammlung aus Klamer Schmidts, Kriegssecretair zu Halberstadt + 1824, Nachlasse." Die Liste enthält 52 Nummern, von denen die meisten jeweils pauschal und ungezählt Briefe oder Gedicht-Manuskripte eines Autors verzeichnen, z. B. "mehrere" oder "verschiedene" Briefe von Klopstock, Bürger, Heinse, Gleim, der Karschin und vielen anderen Zeitgenossen, wobei Herder wohl der prominenteste ist, während Goethe und Schiller fehlen. Es handelt sich offenbar um Klamers Korrespondenz mit den namhaften Schriftstellern seiner Zeit.
Schnitzler, Arthur
Briefkarte an Hermine Claar-Delia über sein Drama "Liebelei". 1895
Los 2417
Schätzung
250€ (US$ 287)
Schnitzler, Arthur, österr. Dramatiker und Erzähler (1862-1931). Eigh. Briefkarte m. U. "Dr. Arthur Schnitzler". 2 S. Quer-kl. 8vo. (Wien) 1.X.1895.
An die (nicht genannte) Schauspielerin Hermine Claar-Delia. "... Herr von Sonnenthal sagt mir, daß Sie ein Exemplar meiner 'Liebelei' wünschen. Leider habe ich keines zur Verfügung, da mein letztes eben an Entsch abgegangen ist. Selbstverständlich wird sofort nach der Drucklegung ein Buch an den Herrn Intendanten nach Frankfurt gesandt werden ...". Dankt für ihr "schmeichelhaftes Interesse" an dem Stück. - Der Frankfurter Intendant war Emil Claar, der Ehemann der Schauspielerin Hermine Delia. Mit "Entsch" ist der namhafte Bühnenvertrieb Theodor Entsch gemeint. - Aus der Sammlung Röslerstamm.
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