Los 2389

Müller, Wilhelm
(1794-1827)Brief an den Dichter De la Motte-Fouqué. 1822

Schätzung
1.800€ (US$ 2,069)

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Los 2389 - Müller, Wilhelm - Brief an den Dichter De la Motte-Fouqué. 1822 - 0 - thumb

Aus dem Katalog
Autographensammlung Hermann Kiewy
Auktionsdatum 7.10.2026

Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026

Lot 2389, Auction  128, Müller, Wilhelm, Brief an den Dichter De la Motte-Fouqué. 1822

"Meinen Griechen bleibe ich treu!"
Müller, Wilhelm, gen. „Griechen-Müller", früh verstorbener Dichter und Schriftsteller, Bibliothekar in Dessau, einer der ersten Herausgeber von Barockdichtern, Schöpfer berühmter Volkslieder, teils von Schubert vertont, Hauptvertreter des dt. literarischen Philhellenismus (1794-1827). Eigh.Brief m. U. "Wilhelm Müller". 21/2 S. Doppelblatt mit Adresse. 4to. Dessau 7.III.1822.
An den Dichter Friedrich de la Motte-Fouqué auf dessen Schloß Nennhausen (Mark Brandenburg). Sehr schöner, inhaltsreicher Brief über seine Barockdichter-Editionen, seine Griechenland-Kampagne und weitere aktuelle Politik. Als "Entschuldiger" für die Verspätung seines Briefes lasse er "einen alten, würdigen Mann auftreten - Martin Opitz von Boberfeld - Mit diesem unsern poetischen Ahn hatte ich in diesen Wochen so viel zu thun, daß ich die Briefe meiner Freunde seit 8 bis 10 Wochen erst jetzt zu beantworten anfangen kann. Ich gebe nehmlich bei Brockhaus in Leipzig eine Bibliothek deutscher Dichter des 17ten Jahrhunderts heraus, in 8 bis 9 Bändchen, deren erstes, das zur Ostermesse erscheint, den alten pater poeseos germaniae, wie Opitz sonst titulirt wurde, enthält. Dann folgt der von seinem Deutschland beinahe ganz vergessene Weckherlin, der fromme, kräftige Andreas Gryphius, auch der feurige Flemming, von dem Schwab zwar schon eine neue Ausgabe geliefert hat, der jedoch in meiner Sammlung nicht fehlen darf, endlich minder bedeutende und weniger liefernde Dichter: Tscherning, Gerhard, Logau, Rist, Günther pp. ... Daß Ihr Buch über Griechenland das Schicksal der Griechen theilt - nehmlich gar zu lange, endlich wohl ganz vergebens auf die Russische Kriegserklärung zu warten, thut mir Leid. Warum befreien Sie aber das Buch nicht aus der Vetterschen Despotie? Von mir fliegen nächstens mit der ersten Frühlingsluft neue Griechische Freiheitslieder mit den alten (d. h. mit einer neuen Auflage der alten) in die Welt. Sie werden ihnen schon ein Fenster auf Ihrem Schlosse öffnen wollen, wenn Sie draußen anklopfen hören. Lieber klopfte ich freilich selbst an Ihre Thür ...". Aber Amtsgeschäfte und die bevorstehende Geburt eines Kindes hinderten ihn vorläufig daran. "... Wir fühlen uns hier in Anhalt jetzt etwas freier u. wohler, seitdem die freien Wogen der Elbe an unsern Ufern rauschen, und trinken unsern Wein mit dem wonnigen Gefühl daß kein fremder Herrscher und seine Beamten von jedem Glase mittrinken. Nun darf ich auch das wahrhaft drückende Gefühl - das ich, als Anhaltiner, oder richtiger, als Unterthan eines deutschen Bundesstaates, gegen Preußen hegen mußte, das ich eine Zeit lang als mein Vaterland geliebt und dafür gekämpft habe, von mir werfen. - In der Ansicht der größeren Welthändel geht es mir nicht so wohl. Der Trost, den Sie neulich für unerfüllte Hoffnungen in Ihrem Gedicht an den Verfasser von Pseudo-Meister [d. i. Johann Friedrich Wilhelm Pustkuchen, der 1822 "Wilhelm Meisters Wanderjahre" herausbrachte] aufstellten, genügt mir nicht. Freilich starb der Sieger bei Marathon im Gefängnisse - aber Athen ward frei. Miltiades hatte ja nicht für sich gekämpft, also ward sein Sieg durch seinen schmählichen Tod nicht fruchtlos. Meinen Griechen bleibe ich treu ...". - Wilhelm Müller ist heute noch als Verfasser von Volksliedern wie "Am Brunnen vor dem Tore" (entstanden 1822, im Jahr des vorliegenden Briefes), "Das Wandern ist des Müllers Lust" und "Im Krug zum grünen Kranze" im Gedächtnis geblieben. - Gering fleckig; Siegel-Ausriss alt restauriert. - Aus der berühmten Sammlung Wilhelm Künzel, der auch mit Bleistift am unteren Rand vermerkt hat: "sehr interessant".


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