Los 2390
Müllner, Adolph
(1774-1829)Brief an Ernst Ortlepp über die Eignung zum Dichter. 1826
Schätzung
300€ (US$ 345)
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Aus dem Katalog
Autographensammlung Hermann Kiewy
Auktionsdatum 7.10.2026

Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026


Über Dichtung und Dichter
Müllner, Adolph, Schriftsteller, Publizist und Jurist, neben Zacharias Werner Hauptvertreter der Gattung des "Schicksalsdramas", leitete ein berühmtes Liebhaber-Theater in Weißenfels (1774-1829). Eigh. Brief m. U. "Müllner". 3 S. Doppelblatt. 4to. Weißenfels 10.XI.1826.
Sehr gehaltvoller Brief an den (nicht genannten) jungen Schriftsteller Ernst Ortlepp (1800-1864), der ihn um Rat und Urteil über das Einschlagen einer Dichter-Laufbahn gebeten und Manuskripte zur Probe übersandt hatte. Müllner erteilt ausführliche, umfassende Informationen und Ratschläge über das Wesen, die Bedingungen und die Aussichten von Dichtung und Dichter in der literarischen Praxis. "... In der hier zurückfolgenden Sammlung habe ich nichts gefunden, was ich Ihnen rathen könnte, öffentlich als Talentprobe auszustellen. Nicht als ob ich darin die Spuren der Dichteranlagen vermißt hätte; ich glaube deren in mehreren Einzelheiten erkannt zu haben. Auch nicht als ob ich die erlangte Ausbildung im Technischen der Poesie verkannt hätte; Sie sind darin Vielen überlegen, welche mit ihren Poesien Beifall gefunden haben. Aber es scheint mir, daß der, gewöhnlich vom Zufall abhängige, Augenblick noch nicht gekommen ist, der Ihrer schwankenden Neigung den rechten Stoff entgegengeführt, wo der Stoff Ihrer ganzen Seele sich bemeistert, und dadurch die wahre, dichterische Begeisterung angefacht hätte, die - einmal empfunden - das Talent plötzlich entwickelt, u. dem damit Begabten zum lebendigen Gefühl desselben verhilft. Die Lust zu dichten empfindet man gewöhnlich früher als jener Entwickelungs-Moment eintritt. Wenn er kommt, so empfindet man nicht sowohl eine Lust, als vielmehr einen Zwang zu dichten, der von einem bestimmten Gegenstand ausgeht. Beide Zustände verhalten sich ungefähr wie der Liebestrieb u. die Liebe ...". Müllner zitiert dann Friedrich Schiller und rät zum Abwarten: "... Lassen Sie die Dichtfeder ruhen. Beschäftigen Sie den Geist mit wissenschaftlichen Dingen und daneben das Gemüth mit dem Genuße der Kunst an fremden Werken. Dann wird entweder die Muse Sie aufsuchen, oder Sie werden ihre Gunst entbehren lernen. Nichts, als Dichter sein wollen, nichts thun wollen als dichten, oder überhaupt künstlerisch schaffen, das ist ein Bestreben, gleich gefährlich für die innere wie für die äußere Glückseligkeit, für die Haltung der Seele wie für die Subsistenz im äußerlichen Leben. Von der Dichtkunst zu leben, dazu gehört ein eminentes Talent, dabei große Fruchtbarkeit, und überdies Glück in der Ausbreitung des Rufes. Und aus diesem Quell allein für die ganze Lebensdauer die innere Befriedigung zu schöpfen, das halt' ich für ganz unmöglich ...". - Aus der Sammlung Wilhelm Künzel.
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