Los 2397
Oettinger, Eduard Maria
(1808-1872)Brief aus Berlin an Adolf Bäuerle. 1830
Schätzung
300€ (US$ 345)
Abgabe von Vorgeboten möglich
Aus dem Katalog
Autographensammlung Hermann Kiewy
Auktionsdatum 7.10.2026

Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026


Oettinger, Eduard Maria, Schriftsteller, satirischer Publizist und bedeutender Bibliograph (1808-1872). Eigh. Brief m. U. "Eduard Maria Oettinger". 4 S. Doppelblatt mit Adresse. 4to. Berlin 1.X.1830.
Interessanter, charakteristischer Brief an Adolf Bäuerle, den vielseitigen Bühnenautor und langjährigen Herausgeber der einflußreichen "Allgemeinen Theaterzeitung" in Wien, den Oettinger mit "Mein verehrter, innig geliebter Vice:Vater" anredet. Unter anderem über seine satirischen Zeitschriften, die immer wieder mit Verboten belegt wurden. "... Vor einigen Tagen bin ich von meinen Kreuz und Querzügen durch Frankreich, Holland und Norddeutschland nach Berlin zurückgekehrt. Ich habe Ihren gütevollen Rath befolgt und setze meinen 'Eulenspiegel' nach der Art des beifolgenden Probeblattes fort. Meine beiden Almanachs 'Das schwarze Gespenst' werden wahrscheinlich schon in Ihren Händen sein. Ich habe Herrn Sauerländer in Frankfurt am Main ersucht, Ihnen ein Frei:Exemplar einzusenden. Des Reisens bin ich immer noch nicht satt geworden, vielleicht bin ich vor Neujahr wieder in Paris ... Dem bayerischen Landesverwiesenen wurden überall Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Jetzt stehen die Sachen besser in Frankfurt und mein Plan hinsichtlich einer deutschen Zeitung ist nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. - In 2 Monaten erscheint das weiße Gespenst von mir bei Taubert in Leipzig, zu Ostern das rothe Gespenst, enthaltend sechs Lustspiele. Mein Dankgefühl dictirte mir, dieselben keinem Andern, als meinem frühern Wohlthäter, dem lieben Herrn von Bäuerle zu dediciren. In dieser Dedication habe ich offen bekannt, was ich Ihnen danke und wieviel ich Ihnen schulde. Sie haben mich zu dem gemacht, was ich bin, trotz der Verfolgungen bereue ich es nicht, Journalist zu sein. Ich habe mich unendlich geändert. Sie würden mich nicht wiedererkennen ...". - Im zweiten Teil des Briefes empfiehlt er dessen Überbringer, "den in der Kunstwelt rühnlich bekannten Virtuosen und Cammermusikus Hr. Belke [d. i. der Bassposaunist Friedrich August Belcke, 1795-1874]. Auf dem Bassethorn hat derselbe eine solche Vollkommenheit erlangt, daß er der Matador der Meister genannt werden darf ...". Beteuert dann noch mehrmals seine Dankbarkeit gegenüber Bäuerle: "... Keine Stunde ist bisher vergangen, in der ich nicht mit tiefgefühltem Danke an Sie zurückgedacht hätte! Schreiben Sie mir bald ... denn Sie wissen, ich bleibe nicht gern sehr lang an einem Ort ...". - Oettinger war eine Zeitlang Mitarbeiter Bäuerles an der "Theaterzeitung", wie auch sein Satiriker-Kollege Moritz Gottlieb Saphir, mit dem er nach Lebenslauf und publizistischer Tätigkeit viel Ähnlichkeit hat, wenn auch weniger provokant und sehr viel fleißiger als Saphir, denn Oettingers großes biographisches Sammelwerk "Moniteur des Dates" ist ein phänomenales Beispiel für Fleiß und Belesenheit. - Beiliegend ein gutes Stahlstich-Porträt Oettingers mit faksimilierter Unterschrift.
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