Alexis, Willibald
Brief an einen Redakteur oder Verleger. 1859
Los 2301
Schätzung
180€ (US$ 207)
Alexis, Willibald (d. i. Wilhelm Haering), Berliner Schriftsteller und Publizist, erfolgreicher früher Vertreter des realistischen Romans (1798-1871). Eigh. Brief m. U. "W. Haering". 11/2 S. Gr. 8vo. Arnstadt 7.III.1859.
An einen Redakteur oder Verleger. Ausführlich über die unklare Situation seiner erwünschten und vorliegenden Veröffentlichungen. Spricht von seinem Roman "Der Roland von Berlin", dessen Rechte Brockhaus an Barthol gegen Barzahlung verkauft habe, und von der Sammlung seiner "Vaterländischen Romane", die 1857 bei Barthol erschienen war. - Beiliegend 4 gedruckte biographische Artikel über Alexis. - Restitutions-Exemplar mit ungültigem Bibliotheksstempel.
Altenberg, Peter
Billet an die Redaktion der "Freistatt". Ca. 1910
Los 2302
Schätzung
150€ (US$ 172)
Altenberg, Peter, österr. Schriftsteller und Bohèmien, berühmter Kaffeehaus-Literat (1859-1919). Eigh. Brief (Billet) m. U. "Peter Altenberg". 1 S. Doppelbl. 8vo. Wien, Herrengasse, Café Central. o. J.
An die Redaktion der Zeitschrift "Freistatt": "Bitte, ist mein Gedicht 'Ein Liebesgedicht' bereits erschienen?!? ...". - Wie nicht anders zu erwarten, im "Café Central" geschrieben. - Das leere 2. Blatt mit Einriss. Restitutions-Exemplar mit ungültigem Bibl.-Stempel auf der Rückseite.
Alxinger, Johann Baptist von,
Brief an den Buchhändler Göschen in Leipzig. 1794
Los 2303
Schätzung
300€ (US$ 345)
Alxinger, Johann Baptist von, österr. Schriftsteller und Publizist der Aufklärung, Nachahmer Wielands, befreundet mit Friedrich Nicolai (1755-1797). Eigh. Brief m. U. "Alxinger". 1 S. Mit Adresse und Siegelrest. 1 S. Gr. 4to. Wien (Ende April / Anfang Mai) 1794.
An den Buchhändler Göschen in Leipzig, den er mit "liebster Freund" anredet. Bedankt sich für das Anerbieten Göschens, ihm eine in Subskription erscheinende "schöne Ausgabe" zuzueignen. "... Ich nehme es an, wiewohl ich gar keine Ansprüche darauf hätte und bey meinen Bemühungen an nichts gedacht habe, als Ihren edlen Eifer und Ihre patriotische Unternehmung, so viel an mir ist, zu unterstützen. Ein großer Theil der Pränumeranten hat bezahlt und noch diese Woche sende ich das Geld ... ". Fügt dann Mitteilungen über einige Subskribenten an, darunter sein Bankhaus Ochs & Geymüller. "... Nur einige Umänderung der Pränumeranten. Arnstein ist unter die Pränumeranten auf die Ausgabe in Großoktav zu setzen, eben so Geymüller. Joseph von Anthor, k. k. Hofsekretär und Büchercensor, der vorher gar nicht oder nur auf die wohlfeile Ausgabe pränumerirt hat, pränumerirt nun auf die Quart Ausgabe ... Indessen seyn Sie von meinem Eifer für Ihr Geschäft und meiner Liebe für Ihre Person versichert ...". - Aus der Sammlung Wilhelm Künzel. - Kleiner Ausriss durch das Öffnen der Versiegelung. - Restitutions-Exemplar mit ungültigem Bibliotheksstempel.
Andersen, Hans Christian
Brief (Billet) an Herrn Melchior. Kopenhagen 1874
Los 2304
Schätzung
600€ (US$ 690)
Andersen, Hans Christian, dänischer Schriftsteller und Märchendichter (1805-1875). Eigh. Brief (Billet) m. U. "H. C. Andersen". In dän. Sprache. 2/3 S. Gr. 8vo. Kopenhagen Okt. 1874.
An einen Freund, den er im Vertrauen auf dessen "Herzensgüte" bittet, eine beiliegende kleine Schrift ins Englische zu übertragen.
Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel
Brief an Herzog Bernhard von Sachsen-Meiningen. 1686
Los 2305
Schätzung
300€ (US$ 345)
Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel, kunstliebender Barockfürst, früher und bedeutender deutscher Librettist und Romancier (1633-1714). Brief m. U. "Anthon Ulrich". Doppelblatt mit Goldschnitt, Adresse und rotem Lacksiegel. 4to. Wolfenbüttel 5.X.1686.
An Herzog Bernhard von Sachsen-Meiningen, dem er zunächst Glückwünsche zur Rekonvaleszenz seiner Gemahlin sendet und dann bemerkt: "... Zu dem Jenischen Rechrat wünsche ich DL alteren printzen viel glück und erfreue mich dabei, daß DL meine offerte so wohl aufgenommen haben, maßen ich es von hertzen gutt gemeinet, und nichtes liebers sehen wurde als wen DL sambtliche Kinder mögen wohl erzogen werden ...". Läßt seine "7 kindeskinder allesambt fleißig grüßen". - Zu dieser Zeit regierte Anton Ulrich gemeinsam mit seinem Bruder Rudolf August. - Restitutions-Exemplar mit ungültigem Bibl.-Stempel auf der Rückseite. Sonst gut erhalten.
Anzengruber, Ludwig, bedeutender Dramatiker des österr. Realismus, Dramaturg und Journalist (1839-1889). Eigh. Brief m. U. "L. Anzengruber". 1 S. Gr. 8vo.
Weidlingau 19.VII.1880.
An einen Freund, dem er für "theilnehmende Zeilen" dankt, die ihm mit der letzten Büchersendung zugegangen seien. "... hätte dieselben wohl früher als heute erst beantwortet, aber ich scheue die Tinte. Darin liegt auch Antwort auf all Ihre Fragen ... ich humple, ich habe physischen Schmerz u. daher fortwährende geistige Verstimmung. Arbeit gäb' es über genug, kann aber nicht ...". Er habe begonnen, Marienbader Kreuzbrunnen zu trinken. Eine geplante Reise "muß heuer auch unterbleiben ... Lassen wir das." - Beiliegend 9 Zeitungsausschnitte mit "Erinnerungen an Anzengruber" von Leopold Rosner. - Restitutions-Exemplar mit ungültigem Bibliotheksstempel.
Arndt, Ernst Moritz, Dichter, demokratisch-patriotischer Schriftsteller und Politiker, Professor in Greifswald und Bonn (1769-1860). Eigh. Brief m. U. "E M Arndt". 2 S. Doppelblatt. 12mo. Bonn 12.V.1844.
An einen Redakteur, der einen von Arndt eingesandten Liedtext aus Furcht vor der Zensur abgelehnt hatte. "... Ich habe nicht Lust mich herumzustreiten, ob jenes bewußte Lied irgend eine mordliche Vernichtungstendenz habe, und lege es still hin, bis es anderswo unschädlich und ungefährlich erscheinen kann. Hiebei habe ich die Ehre, einige andere Reime zu überreichen, welche wohl keinen Anstoß geben werden ...". - Arndt war nach Jahren der Verfolgung als angeblicher Demagoge 1840 durch Friedrich Wilhelm IV. rehabilitiert und 1841 zum Rektor der Bonner Universität gewählt worden.
Arnim, Bettine von, geb. Brentano, Achim von Arnims Gemahlin, Schriftstellerin (1785-1859). Eigh. Brief m. U. "Bettine Arnim". 1 S. Doppelblatt mit Adresse. Gr. 4to. (Berlin) 1847.
An den Rechtsanwalt Volkmann in Leipzig, bei dem sie sich für die Aufmerksamkeit bedankt, die er ihrer Angelegenheit (Säumnis eines Schuldners) zukommen ließ, "woran wir bei hiesigen Advocatlichen Angelegenheiten nicht gewöhnt sind. Der Ueberbringer dieser Papiere, der als rechte Hand meiner Geschäfte Ihnen hiermit vorgestellt ist, kann Ihnen das Nähere hierüber mittheilen und daß es nicht meine Schuld war, wenn Ihr Diensteifer für mich, der mir schmeichelt und wohlthut, so schlecht von meiner Seite unterstüzt war. Denn es kostete unendlich viel Schwürigkeiten es bis dahin zu bringen ...". - Rückseitig von Hand des Anwalts eine protokollarische Darstellung des angesprochenen Vorgangs: "Leipzig, am 27. Mai 1847 erscheint Herr Jenatz von Berlin im Auftrag der Frau Baronin von Arnim und übergiebt 1, den Vertrag mit Egbert Bauer / 2, dessen anerkannte Berechnung / 3, ein Schreiben des Herrn Egbert Bauer. - Ferner eröffnet er mir, daß die Summe ... von der allgemeinen Schuld an Fr. B. v. A. herrühre, und daß E. Bauer ausgepfändet worden sei ..." (etc.). - Das Adressblatt mit alt repariertem Randdefekt vom Öffnen des Faltbriefes; an zwei Ecken ein sehr kleiner alter Sammlerstempel.
Bahr, Hermann, österr. Schriftsteller, Feuilletonist, einflußreicher Förderer neuer Stilrichtungen (1863-1934). Eigh. Brief m. U. "Herm. Bahr". 2 S. Doppelblatt mit gedrucktem Briefkopf "Die Zeit. Wiener Wochenschrift". Gr. 8vo. Wien 10.IX.1895.
An einen Schriftsteller, von dem er vergeblich einen Artikel für die "Zeit" erbeten hatte. "... Ich bedaure lebhaft ... [aber] danke Ihnen herzlich für Ihre so liebenswürdige Zusage in der Angelegenheit Goldschmidts. In dieser hätte ich nun aber noch eine Bitte. Es soll nun, zur besseren Ausnutzung des neulich erwähnten Gespräches ein Actionscomité gebildet werden für Wien, wie ein solches später auch in anderen Städten gebildet werden soll. Dieses Comité soll mit Ihnen, Johann Strauss, Tilgner, van Dyck vor dem Grafen Kinsky bestehen und um den 15. herum zu einer kurzen Sitzung zusammentreten. Ich bitte Sie nun um ein liebenswürdiges Ja ... Sollten Sie noch Auskünfte wünschen, so wird es mir eine Freude sein, Sie zu besuchen ...". - Restitutions-Exemplar mit ungültigem Bibl.-Stempel auf der Rückseite.
Baudissin, Adelbert Grafvon
63 Briefe an seinen Verleger Carl Rümpler. 1862-1866
Los 2310
Schätzung
600€ (US$ 690)
Baudissin, Adelbert Graf von, Romanschriftsteller, lebte 1852-1861 in den USA, dann in Altona und Schleswig (1820-1871). Sammlung von 63 eigh. Briefen m. U. "A. Graf Baudissin", "A. Baudissin" oder "A. B.". Zus. mehr als 100 S. Gr. 4to und gr. 8vo. Altona und Schleswig 1862-1866.
An seinen Verleger Carl Rümpler in Hannover. Sehr dichte Folge meist mehrseitiger Briefe über Verlag seiner Werke, u. a. der Erzählung "Die Wahrsagerin". Interessante, inhaltsreiche Korrespondenz zwischen Autor und Verleger, mit vielen Informationen zu Baudissins literarischer Tätigkeit und zur literarischen Situation der Zeit. Anfangs ein Brief mit Rümplers Antwort versehen. - Beiliegend ein Brief von Baudissins Ehefrau Louisa (1863) sowie 2 Konzepte oder Abschriften von Briefen an Baudissin (1863). - Restitutions-Exemplar, daher ein Teil der Briefe mit ungültigem Bibl.-Stempel versehen.
Baudissin, Ulrich Graf von
6 Briefe, davon 5 an den Verleger Carl Rümpler in Hannvover. 1863-1872
Los 2311
Schätzung
200€ (US$ 230)
Baudissin, Ulrich Graf von, Romanschriftsteller (1816-1893). 6 eigh. Briefe m. U. "Graf Ulrich Baudissin", "Ulrich Baudissin" oder "U. Baudissin". Zus. ca. 16 S., mitgezählt die teils enthaltenen Antwortschreiben des Adressaten. Meist Doppelbl. Gr. 8vo. Thalkirchen bei München 24.II. - 24.XII.1863 und 2.VII.1872.
Die ersten 5 Briefe an den Verleger Carl Rümpler in Hannover. Baudissin stellt anfangs ausführlich sich und seine literarische Tätigkeit vor und übersendet Manuskripte. Briefe 2-5 behandeln eingehend Druck- und Honorarfragen für einen von Rümpler übernommenen Roman. - Der sechste Brief an den (nicht genannten) Schriftsteller Otto Müller, dessen Buch "Der Fall von Constanz" erwähnt wird. - Zwei der Briefe an Rümpler enthalten umfangreiche Antwortschreiben des Verlegers. - Zudem beiliegend ein wohl eigenhändiges Konzept (Bleistift) eines Briefes von Rümpler an Baudissin (3.XI.1863). Zusammen 7 Teile.
Baudissin, Wolf Heinrich Graf von
Brief an einen Verleger. 1862
Los 2312
Schätzung
150€ (US$ 172)
Baudissin, Wolf Heinrich Graf von, Diplomat und bedeutender Übersetzer in Dresden, mit der Familie Tieck befreundet, übertrug mit Dorothea Tieck 13 Stücke Shakespeares (1789-1878). Eigh. Brief m. U. "Wolf Graf v. Baudissin". 2 S. Doppelblatt. Gr. 8vo. Dresden 21.IV.1862.
An einen Verleger. Zunächst über einen ihm wohl irrtümlich zugestellten Brief seines Neffen Adalbert Baudissin in Altona. "... Hat aber die Sache ihre Richtigkeit, so wiederhole ich mein Erbieten, die Correctur besorgen zu wollen. Ich halte dies in so fern für nützlich im Interesse des Buchs, als mein Bruder, der General O. Baudissin mit mir zusammen wohnt, u. mehr als irgend Jemand geeignet sein dürfte, etwa vorkommende Irrthümer zu berichtigen ...". - Etwas fleckig.
Bauernfeld, Eduard von, liberaler Wiener Schriftsteller und viel gespielter Dramatiker, Hausdichter des Burgtheaters, mit Schwind, Schubert und vielen anderen Künstlern befreundet, Ehrenbürger Wiens (1802-1890). 1 eigh. Gedichtmanuskript und 1 eigh. Brief m. U. "Bauernfeld". Zus. ca. 5 S. 4to und 8vo. O. O. bzw. Bad Ischl 29.VII.1878.
Das politisch tendenziöse Gedicht ist wohl ein Konzept (mehrere Verbesserungen), betitelt "Aus Schlaraffien". "... Sie hausen in einem glücklichen Lande / Im völligen Naturzustande, / Genießen des Daseins in vollen Zügen, / Nur wenig Arbeit und viel Vergnügen. / Das ist das Staatsziel, das sie leitet, / Auch in Regierungskreisen verbreitet; / Das gute Völkchen ist so lenkbar, / Daß sie revoltiren gar nicht denkbar ..." (22 Zeilen). - Das zunächst nicht signierte Gedicht trägt am Schluß doch mit anderer Tinte den eigenhändigen Namenszug "Bauernfeld". - Der Brief an einen Verleger mit der Nachricht, dass er die in Wien versprochenen "Xenien" in Ischl "theils aus Mangel eines besseren Stoffes, theils aus langer Weile fortgesetzt und deren weit über 800 vorliegen habe. Sie sind in 4 Abtheilungen: I. Leben, Welt, Gemüt. - II. Literatur und Kunst, Theater. - III. Wissen und Glaube, Religion, Kirche. - IV. Politica. Die letzteren von der Art, wie die unlängst in der 'Fr. Presse' gelegentlich des Berliner Congresses mitgetheilten. - Meinen Sie nicht, daß man diese Dinge als kleines Bändchen separat herausgeben könnte? Und mit dem Übrigen zuwartend. Oder soll der größere Band ... erscheinen mit den Xenien zum Schluß? Sind Sie für das Letztere, so sende ich Ihnen sogleich einen Theil des Manuskripts zum Druck. - Mit den beiden Druckproben bin ich bei näherer Prüfung nicht einverstanden. Die eine Probe hat zu große Lettern, die andere zu kleine ...". - Das Gedichtblatt mit Schäden an einem Rand.
Baumann, Alexander, früh verstorbener österr. Archiv-Beamter des Reichsrates, vielgespielter Lustspiel-Autor, Librettist und Komponist (1814-1857). Eigh. Brief m. U. "Baumann". 3 S. Doppelblatt. 4to. Wien 7.VII.1855.
An einen "hochverehrten Freund und Doctor", über dessen Besuch er sich freuen würde. "... Es wäre ... sehr schön von Ihnen, wenn Sie bei Ihren Wanderungen nach Schönbrunn das ganz nah gelegene Meidling mit einem Besuch beehren wollten, wo Sie mich täglich von 3 Uhr angefangen finden würden, u. nebst mir Frl. Wildauer eine wahre Sehnsucht hat Sie kennen zu lernen. Sie dürfen nur um das Neuwall'sche Haus fragen, welches in der Nähe des Pfannischen Mineralbachs sich befindet, u. man wird Sie allsogleich in unser Tusculum führen, wo Sie nach längerem Umgang mit einigen meiner Blechschadeln vielleicht ein angenehmes Stündchen verplaudern u. verrauchen können. - Der Frack mit Schwalbenschweif ist durchaus nicht nöthig ... Frl. Wildauer würde Ihnen gewiß gern den Gondolier oder Anderes singen, um ihren Gast zu erheitern. - Nachdem mir Spielmann mitgetheilt hat daß ich statt der ... Katze nun einen Affen erhalten könnte, u. letzteren Frl. Wildauer bedeutend vorzieht, so frage ich mich mit aller Bescheidenheit an, wo ich diesen abholen lassen kann ... Ist der Affe klein? Das Frl. fürchtet sich nähmlich vor großen ...". - Die Sopranistin Mathilde Wildauer (1815-1878) hatte zunächst als Star der Wiener Volkstheater einen enormen Erfolg in Alexander Baumanns "Versprechen hinterm Herd", wandte sich dann aber der großen Oper zu und wurde eine gefeierte Diva der Wiener Hofoper. - Eine Ecke gering braunfleckig. - Selten.
Bechstein, Ludwig
Illustrierter Brief an den Schriftsteller Karl Sondershausen. 1858
Los 2315
Schätzung
300€ (US$ 345)
Bechstein, Ludwig, Schriftsteller, Märchendichter, Herzogl. Sachsen-Meininger Hofrat, Bibliothekar und Archivar (1801-1860). Eigh. Brief m. U. "Ihr Bechstein". 3 S., eng beschrieben. Doppelblatt mit einer lithograph. Ansicht im Briefkopf. Gr. 8vo. Meiningen 12.X.1858.
An den [nicht genannten] Schriftsteller Karl Sondershausen (1792-1882), der zwei Theaterstücke an Bechstein geschickt hatte, in der Hoffnung, sie auf der Meininger Bühne aufgeführt zu sehen. "... Eins vergaß ich in der Eile, mit der ich bemüht war, Sie baldmöglichst in Besitz Ihrer Stücke zu setzen, die im obigen Hause [wohl die als Lithographie im Briefkopf abgebildete Ansicht einer Häusergruppe] nicht einmal übernachten durften, so gastlich ich sonst gesinnt bin; nämlich zu schreiben, daß ich mit Antheil u. Beifall die 2 Stücke gelesen habe, welche auf das feinere Papier geschrieben sind. Schöne u. edle Sprache, lebhafter Dialog ... zeichnet dieselben aus. Das dritte las ich nicht, 1) aus Zeitmangel, 2) weil ich Bearbeitungen nach dem Französischen nicht sonderlich liebe. Man wird aber überall nicht auf Hoftheatern das größere Stück annehmen, weil der Fürst namentlich in der ersten Scene nicht würdig genug gehalten ist, u. dem Bedientenvolk ein größerer Spielraum eingeräumt ist, als es verdient. Es ist außerordentlich schwer, in Lustspielen die Person eines regierenden Herrn so vorzuführen, daß eine solche Partie, wenn ein Hof Zuschauer ist, nicht anstoße u. verletze, u. die ganze Stellung eines regierenden Herrn, ja selbst eines mediatisirten, nicht im Auge des Publikums an Achtung verliere; er muß daher selbst im Lustspiel stets von wahrer Würde getragen sein, u. dazu hat der Fürst Ihres Stückes ganz das Zeug, er müßte nur im Anfang sich weniger bizarr zeigen ...". - Spricht dann noch verschiedene andere Themen an, darunter Sondershausens im Erscheinen begriffenens Buch "Der Letzte aus Alt-Weimar. Erinnerungen und Dichtungen". "... Es ist dieser Titel trefflich gewählt, u. ich freue mich sehr darauf. Sie müssen wissen, daß ich für Weimar gar große Vorliebe habe, die Vorsehung hat es gefügt, daß ich daselbst geboren bin, die lebendigsten Kindheitserinnerungen mir vor der Seele stehn. Zweimal sah ich in Weimar Napoleon I. ...". Ferner über einen Buchhändler und dessen Eignung, Manuskripte zu verlegen, die Bechstein in der Schublade habe. - Inhaltsreicher, literatur- und theaterhistorisch interessanter Brief. Das im Briefkopf abgebildete Gebäude scheint Bechsteins Wohnhaus zu sein, lithographiert von W. Arndt nach einer Zeichnung von Otto Bechstein in Altenburg.
Becker, Rudolf Zacharias
Brief an den Verleger Georg Joachim Göschen in Leipzig. 1790
Los 2316
Schätzung
300€ (US$ 345)
Becker, Rudolf Zacharias, Schriftsteller, Publizist und Verlagsbuchhändler der Goethezeit, auch Lehrer am Dessauer Philanthropinum (1751-1822). Eigh. Brief m. U. "Ihr Becker". 1 S. Mit Adresse. 4to. Gotha 15.V.1790.
An den Verleger Georg Joachim Göschen in Leipzig, dessen Honorarzahlung er anmahnt. "... Ich habe meine Auszahlungen für das Häuschen und Gärtchen, das ich mir gekauft habe, auf künftigen Freytag versprochen; indem ich glaubte, daß alsdann meine Gelder von Leipzig eingetroffen seyn würden ... Wenn das Paket den nächsten Mittwoch abgeht, so bekomme ich es noch zu rechter Zeit, und ich zweifle nicht, daß es zu rechter Stunde ankommen wird, um mich aus einer großen Verlegenheit zu befreyen. Sollte Ihr Vorrath von Nothbüchl. in der Messe ausgegangen seyn, so liegt wieder ein Transport zu Ihrer Ordre parat. Ich wünsche und hoffe, daß Sie eine gute Messe gemacht haben ...". - Beckers 1788 erschienenes "Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute" war der erfolgreiche Vorläufer des in zwei Bänden 1798-1799 folgenden "Didaktisches Noth- und Hülfsbüchlein oder Lehrreiche Freuden- und Trauergeschichte des Dorfes Mildheim", das sehr hohe Auflagen erzielte und noch 1833 einen Neudruck erfuhr. - Beiliegend ein kleines Stahlstich-Porträt Beckers und ein zeitgenöss. Artikel über ihn. - Autographen vom Verfasser der berühmten Sozialutopie vom "Dorf Mildheim" kommen im Handel sehr selten vor.
Weidig, Friedrich Ludwig
Manuskript seiner Verteidigung gegen politische Anklagen. Butzbach 1833
Los 2317
Schätzung
12.000€ (US$ 13,793)
Büchners Mitarbeiter am "Hessischen Landboten"
Büchner, Georg. - Weidig, Friedrich Ludwig, hess. Pädagoge, Theologe, Turn-Pionier, liberaler oppositioneller Politiker und Publizist, Mitarbeiter Büchners am "Hessischen Landboten", starb wohl durch Selbstmord im Gefängnis in Darmstadt (1791-1837). Manuskript seiner Verteidigung gegen die Anklage des Großherzoglich Hessischen Hofgerichts wegen revolutionärer Umtriebe. 31/6 S. Doppelblatt. Folio. Butzbach 31.X.1833.
"An die zweite Kammer der Gr.-Hess. Stände-Versammlung. Gehorsamste Anzeige und Rechtsverwahrung des Gr. Rectors Dr. Weidig in Butzbach." Mehrfach korrigiertes Konzept einer Verteidigungsschrift gegen die vom Großherzoglichen Hofgericht Giessen gegen ihn erhobenen Anklagepunkte. "Wie das allgemeine Gerücht behauptet, welches trotz des geheimen Verfahrens unserer Justiz-Behörden durch äuserlich [!] erkennbare Zeichen bestätigt wird, findet seit kurzem eine gewisse Einwirkung auf die Gerichte des Grosherzogthums und namentlich auf das Gr. Hofgericht in Giesen [!] durch eine in Frankfurt versammelte Bundes-Commission statt. Wie weit dieser äusere Einfluß die Rechtsprechung unseres Vaterlandes berühre, kann nicht der einzelne Staatsbürger, können nur die versammelten Stände ermitteln. - Da ich nun durch Gr. Staats-Ministerium politisch angeklagt, den Schutz einer selbstständigen, vaterländischen Rechtsprechung zu fodern berechtigt und verpflichtet bin, so wende ich mich vertrauensvoll an diese Versammlung und zeige ihr dasjenige, was bei obiger Angabe wohl als bestimmte Thatsache betrachtet werden kann, ehrerbietig an ...". Schildert nun die ungesetzlichen Maßnahmen bis hin zur Verhaftung, die gegen ihn durch außergerichtliche Anweisungen unternommen wurden, und erhofft sich Hilfe durch seinen öffentlichen Appell an die Ständeversammlung.
"... Erwägt man nun, für wie manchen politisch Angeschuldigten die Dauer und Härte der Haft den Tod oder eine auf Lebenszeit zerrüttete Gesundheit zur nächsten Folge hatte, und daß also gerade hier die moralische Selbstständigkeit der Gerichte dringendes Erfoderniß ist, so kann ich nicht zweifeln, daß diese hochachtbare Versammlung über die Art einer etwaigen Einwirkung jener Bundes-Commission auf die vaterländischen Gerichte von dem Gr. Staats-Ministerium Erläuterung begehren und die Rechte der Staatsbürger des Grosherzogthums gegen jede etwaige Verletzung sichern werde. - Ist doch ein Eingriff in die Sellbstständigkeit der Justiz, und wäre er auch unbedeutend, dasjenige, was der sittliche und patriotische Adel eines Volkes - und dieser waltet in der hessischen Wahlkammer vor - am entschiedensten zurückweist ...". - Mit einer Anzahl von Streichungen und Korrekturen von anderer Hand. - Hoch bedeutendes und wieder ganz aktuelles Dokument eines berühmten Vorkämpfers und Märtyrers des Vormärz, der unerschrocken die politische Unabhängigkeit der Justiz fordert. Weidigs Bemühungen blieben bekanntlich erfolglos. Im folgenden Jahr beteiligte er sich an Georg Büchners "Hessischem Landboten", wurde wieder verhaftet und starb nach Mißhandlungen wahrscheinlich durch Selbstmord im Darmstädter Arresthaus. - Von größter Seltenheit; im Jahrbuch der Auktionspreise seit 1950 ist keine Handschrift Friedrich Weidigs nachweisbar.
Dahn, Felix, Rechtshistoriker, Erzähler und Dramatiker, leidenschaftlicher Erforscher der germanischen Frühgeschichte, Professor in Würzburg, Königsberg und Breslau (1834-1912). Eigh. Brief m. U. "F. Dahn". 3 S. Doppelblatt. Kl. 4to. Friedrichshafen 18.IX.1881.
An eine Dame. "... Innig erfreut mich, daß Sie mit der kurzen Anzeige zufrieden: sie kam aus dem tiefsten Grunde meines Herzens. Rückert und sein Haus waren und sind mir mehr als ich sagen kann. Ich habe mit meiner Frau so eben zwei wunderbare Tage im Hause Anna Bergers verlebt. Leider vermag ich Ihren Wunsch bezüglich jenes Vortrages nicht zu erfüllen: ich habe keinerlei Manuscript davon: der Bericht in der Nat. Zeit. ist Alles, was ich Ihnen rathen könnte, zu benutzen ... wir haben so eben die Nachricht von dem plötzlichen Tod meiner Schwiegermutter erhalten und sind im Begriff, abzureisen ...". - Anna Berger war die Tochter von Friedrich und Luise Rückert. - Mehrere Beilagen: ein eigh. Albumblatt mit seinem fast immer verwendeten Lieblingsspruch "Das höchste Gut des Mannes ist sein Volk". Auf einem herausgetrennten Vorsatzblatt seines berühmtesten Werkes, "Ein Kampf um Rom" (wohl 1902). - Eine eigenhändig beschriftete Visitenkarte als Begleitschreiben zu einem Verlagsvertrag. - Ein Faksimile-Druck einer handschriftlichen Autobiographie Dahns (31/2 S.Doppelblatt. 4to. Ostern 1906). - 3 Zeitungsartikel über Dahn sowie 2 gedruckte Porträts.
Ebeling, Christoph Daniel
Brief an den Leipziger Kupferstecher Christian Gottlieb Geyser. 1779
Los 2319
Schätzung
250€ (US$ 287)
Ebeling, Christoph Daniel, Hamburger Aufklärer, bedeutender Amerikanist, Geograph, Übersetzer und Bibliothekar, Leiter der Hamburger Stadtbibliothek (1741-1817). Eigh. Brief m. U. "C D Ebeling". 1 S. Mit Adresse. 4to. Hamburg 17.VII.1779.
An den Leipziger Maler und Kupferstecher Christian Gottlieb Geyser (1742-1803). Empfiehlt ihm "Herrn Maccall aus Schottland ... der in Leipzig einige der besten Kunstmerkwürdigkeiten unter Aufsicht eines Kenners zu sehen wünscht. Wie ein guter, edler junger Mann er ist, werden Sie bald selbst sehen. Er war 2 Jahr lang unser würdiger Eleve ...". Lobt Geysers Fleiß und rät ihm, seine Gesundheit nicht aufs Spiel zu setzen. "... Doch keine Predigt! Sie sind verheirathet und Ihre gute Frau wird Ihnen die Moral schon vortragen ... kommen Sie bald einmahl nach Hamburg. Hrn. Prof. Oeser wünschen wir alle, sehr empfohlen zu seyn. Er weis, wer die Alle sind ...". - Ausriss mit geringem Buchstabenverlust durch das Öffnen der Versiegelung.
Eberhard, August Gottlob
2 Briefe, einer an Göschen in Leipzig, der zweite nach Dresden. 1807-1817
Los 2320
Schätzung
300€ (US$ 345)
Eberhard, August Gottlob, Schriftsteller, Verleger und Publizist in Halle, lebte später in Dresden (1769-1845). 2 eigh. Briefe m. U. "A G Eberhard". Zus. 3 S., der erste Brief auch mit Adresse und Lacksiegel. Gr. 4to und 4to. Halle (Saale) 29.VII.1807 bzw. 19.XI.1817.
Der erste Brief (als Verleger) an den Buchhändler Göschen in Leipzig. Er habe eine "sehr wichtige Frage": woher und zu welchem Preis Göschen das "treffliche Papier" beziehe, "worauf sich Ihr Druck so herrlich ausnimmt? Ein gemeiner Buchhändler würde auf solche Frage vielleicht antworten, daß er sich seine Künste so nicht abfragen laße; aber Sie ehr' ich als einen sehr ungemeinen Buchhändler, und darum darf ich so etwas schon wagen ...". - Der zweite Brief an einen Freund in Dresden, bei dem Eberhard sich nach der Adresse des "trefflichen Kupferstechers" Heinrich Schmidt erkundigt. Er möchte diesen mit dem Stich "der beikommenden Zeichnung" beauftragen. "... ich möchte gern etwas möglichst Treffliches, deutscher Kunst Ehre Bringendes in diesem Blättchen zu Stande gebracht sehen". Der Adressat erweise ihm eine "große, große Gefälligkeit, den besten Künstler dieses Fachs, den es in Dresden gibt, für diese Arbeit zu gewinnen. Die jetzige Dresdner Künstlerwelt ist mir leider fremd geworden, wird es Ihnen aber nicht seyn: also darf ich Ihrer Wahl wohl vertrauen. Es hat mir [ein] Freund den jungen Stölzel genannt; allein es ist mir noch keine Arbeit von ihm bekannt. Was meinen Sie von ihm? Ich verlange nicht nur einen trefflichen Kupferstecher, sondern auch einen tüchtigen Zeichner, der in der Hauptfigur des beikommenden Blättchens manches zu verbeßern im Stande ist, was zur Veredlung der Formen noch nöthig ist, der vieles nur leicht angedeutete Treffliche in dem Ganzen gehörig auszuführen versteht, und vollkommene Kenntniß des Nakten hat ...". - Der erste Brief leicht stockfleckig.
Ebner-Eschenbach, Marie von
Brief an Leopold Rosner + Beilagen. 1874
Los 2321
Schätzung
150€ (US$ 172)
Ebner-Eschenbach, Marie Freifrau von, Schriftstellerin (1830-1916). Eigh. Brief m. U. "Marie Ebner". 11/2 S. Doppelblatt mi gekröntem Monogramm. 8vo. O. O. 14.XI.1874.
An den Verleger Leopold Rosner. "... So will ich denn noch eine zeitlang warten bevor wir Rechnung machen. Aber endlich werden wir's doch thun, der Gedanke, dass Sie durch mich zu Schaden gekommen sind, ist mir allzu peinlich. Ich werde meine Märchen-Expl. viel schneller los als Sie, bedarf deren wieder 6, die ich bitte mir zu schicken. Sobald die Geigerin und die beiden de Witte von Saar erschienen sein werden, bitte ich um 6 Expl. des ersten u. um 3 Expl. des zweiten Büchleins ...". - Ebner-Eschenbachs Märchenerzählung "Die Prinzessin von Banalien", die 1872 bei Rosner in Wien erschienen war, fand offenbar beim Verlag deutlich weniger Absatz als direkt bei der Verfasserin. - Ferdinand von Saars Novelle "Die Geigerin" und sein Trauerspiel "Die beiden de Witt" erschienen beide 1875 bei Weiß in Heidelberg. - Mehrere gedruckte Beilagen über die Dichterin.
Engel, Johann Jakob
Brief und Gedicht an J. Fr. Bause. 1772
Los 2322
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Engel, Johann Jakob, Berliner Aufklärer, Schriftsteller, Dramatiker, Ästhetiker, Theoretiker der Schauspielkunst und Mitdirektor des Nationaltheaters in Berlin (1741-1802). Eigh. Brief m. U. "J. J. Engel". 4 S. Doppelblatt. 4to. Parchim 6.III.1772.
Umfangreicher, fast familiärer Brief an den ihm befreundeten, bedeutenden Kupferstecher Johann Friedrich Bause (1738-1814) in Leipzig. Nach wortreichen Entschuldigungen für zu seltene Korrespondenz schreibt Engel: "... Für alles Uebrige aber, was ich Ihnen noch schreiben könnte, würden Sie mir nur schlechten Dank wissen; denn alles Hiesige ist fremd für Sie, über Ihre Kunst weiß ich Ihnen nichts zu sagen, und von der meinigen verlangen Sie auch wohl nichts zu hören. Mir ekelt sie schon selbst; denn es ist eine magere, eine brodlose Kunst: Philosophie und schöne Wissenschaften ... Ich hätte also höchstens noch von den Teltower Rübchen schreiben können, die meine liebe Freundinn Bausen bey mir bestellt und leider! nicht erhalten hat. Die Schuld liegt sicher nicht an mir, liebster Freund, sondern an den Rüben selbst, daß sie nicht haben wachsen und gedeihen wollen. Es war mein Erstes, was ich bey der Mad. Nicolai in Berlin anbrachte: daß eine ebenso artige und liebenswürdige Frau, als sie selbst wäre - Ich schmeichelte ihr ganz gewis ein wenig, aber bey den Frauenzimmern rechnet man sich das nicht zur Sünde ...". Ferner ausführlich über beide Familien, den Besuch von Engels Sohn bei Bauses, und anderes mehr. Bestellt ein "gehorsamstes Compliment an den Herrn Oeser" und andere Leipziger Bekannte. - Dabei: Derselbe. Eigh. Gedichtmanuskript. 2 S. Gr. 4to. O. O. (wohl um 1790). - Unbetiteltes, umfangreiches Glückwunschgedicht Engels zum Geburtstag seines Freundes Johann Friedrich Bause, am Schluß mit der lateinischen Widmung "Amico suo delectissimo J F Bausio". Auf 58 Zeilen (eine mit Textänderung) behandelt er alle möglichen Aspekte des Glückes und der Glückwünsche und erwähnt auch die Stadt Leipzig: "... Heil diesem Musensitz! Heil dieser Handelsstadt! / Und um es noch ein wenig auszuführen, / So müssen die, die unsern Staat regieren, / So müssen die, die lehren und studiren, / So müssen ferner die, die hier negociiren, / die hier - der Athem fehlt, sie alle anzuführen; - / Sie müssen sämmtlich, groß und klein, / Auf Richterstühlen, auf Cathedern, / Mit Degen, Instrumenten, Federn, / Sie müssen alle glüklich seyn ...". - Am Ende kommt er noch auf sein Spezial- und Lieblingsgebiet, auf das Theater zu sprechen: "... Nun werd ich noch zum Schluß, das könnt ihr leicht ermessen, / Die gute Bühne nicht vergessen. / Wenn Abends um fünf Uhr ihr Herrn genug studirt, / Ihr Richter gnug den Dieb examinirt, / Ihr Aerzte gnug den matten Puls befraget / Und doch die Krankheit nicht verjaget; / Wenn nun die Braut genug den Bräutgam karessirt, / Im Comtoir der Kaufmann gnug addirt, / Und kurz, wenn jeder nun sein Pensum absolvirt: / So - ja, das wünsch ich auch von Grunde meiner Seelen, / So muß doch allerseits die Langeweile quälen! / Uns aber, die wir uns der Kunst des Schauspiels weyhn, / Die Langeweile zu zerstreun, / Uns müsse nie der Kenner Beyfall fehlen." - Minimale Einrisse am Manuskript. - Nicht in der J. J. Engel-Briefausgabe von Alexander Košenina (1992).
Eschenburg, Johann Joachim
Gehaltsquittung für Tätigkeit als Archivar. 1810
Los 2323
Schätzung
220€ (US$ 253)
Eschenburg, Johann Joachim, mit Lessing befreundeter Ästhetiker, Literarhistoriker und Übersetzer, Professor am Collegium Carolinum und Bibliothekar in Braunschweig (1743-1820). Eigh. Quittung m. U. "Johann Joachim Eschenburg, Can. Senior". 1/4 S. Folio. Braunschweig 4.X.1810.
"Für das beim Stifte S. Cyriaci mir übertragene Archivariat habe ich aus der Fabrica-Casse das um Michaelis fällige Jahrgehalt mit Zwanzig Fünf Thalern richtig erhalten ...". - Eschenburg hatte 1795 ein Kanonikat am St. Cyriakus-Stift erhalten; jetzt war er dessen letzter Senior.
Ewers, Hanns Heinz
1 Brief u. 1 Postkarte an den Verleger Alfred Michow. 1904
Los 2324
Schätzung
200€ (US$ 230)
Ewers, Hanns Heinz, Schriftsteller, Spezialist für okkult-phantastische und unheimliche Romane, Dramen und Erzählungen (1871-1943). 1 eigh. Brief und 1 eigh. Postkarte m. U. "Hanns Heinz Ewers". Zus. 2 S. Gr. 8vo und 8vo. (Charlottenburg bei Berlin, 1.XI.1904 bzw. o. D.).
An den Verleger Alfred Michow. Im Brief ("in aller Eile") schreibt Ewers: "... beifolgend die manuscripte, bitte montag früh sofort tippeln zu lassen! halbe bogen nehmen und nur eine Zeile betippeln. Das Prospect ist gut so, muß aber noch mal getippelt werden (halbe Seiten etc.) wegen der umänderung 'Scherlbücher' ...". - Auf der Postkarte heißt es: "... ich komme in einigen tagen mit ein paar herren mit 'gutem fundamente' zusammen! - bitte lassen sie mir gleich ein exposé machen, möglichst appettitlich [!], (namen der versicherung auslassen!), damit ich besser reden kann! - ich komme in diesen tagen vorbei, es holen! - was macht denn diese niederträchtige druckerei??! ...". - Beiliegend ein gedruckter Aufsatz Ewers', "Von künstlerischem Schaffen", aus einer Zeitschrift, sowie ein Verlagsprospekt zu seiner Erzählung "Alraune".
Feuchtersleben, Ernst von
3 beschriftete Visitenkarten. 1840
Los 2325
Schätzung
90€ (US$ 103)
Feuchtersleben, Ernst Frhr von, österr. Arzt, Lyriker und Essayist, gilt als Mitbegründer der Psychosomatischen Medizin, prägte den Begriff "Psychose" (1806-1849). 3 eigenhändig beschriftete Visitenkarten mit gedrucktem Namen. (Wohl Wien um 1840).
An verschiedene Adressaten gerichtet, zwei der Karten durch Ludwig August Frankl überreicht. An den Mediziner J. J. Sachs in Berlin: "Dr. L. A. Frankl, der sich selbst am besten empfiehlt, bringt einen freundlichen Gruß an Dr. Sachs u. die Frage, unter welcher Adresse ich demnächst schreiben soll". - An Dr. Ayrer in Harburg: "Dr. L. A. Frankl ist so gütig an Dr. Ayrer u. Fr. Gemalinn, wenn ihn seine Reise durch Harburg führt, meine Empfehlung zu übernehmen und mein längeres Schweigen durch meine Geschäfte zu entschuldigen." - An Ludwig August Frankl: [Feuchtersleben] "wollte sich nach Ihr. u. Ihr. Gemalinn Befinden erkundigen u. Sie bitten, falls Sie den Aufsatz üb. Wächter an Schwab schicken, Beiliegendes beizulegen." - Dazu ein sehr kleines Stahlstich-Porträt Feuchterslebens.
Förster-Nietzsche, Elisabeth
Brief an einen Redakteur. 1897
Los 2326
Schätzung
300€ (US$ 345)
Förster-Nietzsche, Elisabeth, Schwester und Nachlaßverwalterin Friedrich Nietzsches, Gründerin des Nietzsche-Archivs, führte einen literarisch-künstlerischen Salon in Weimar (1846-1935). Vermutlich eigh. Brief m. U. "Elisabeth Förster-Nietzsche". 1 S. Doppelblatt. Gr. 4to. Naumburg 7.I.1897.
Wohl an einen Redakteur, der wegen unveröffentlichter Schriften des noch lebenden Philosophen angefragt hatte. "... Für die noch nicht veröffentlichten Schriften meines großen Bruders habe ich in Bezug auf die Presse noch keine bindenden Versprechungen gegeben. Ich würde deshalb wohl geneigt sein Ihnen Einiges zu senden, nur bitte ich mir etwas Zeit zu lassen damit ich erst selbst den vollkommenen Ueberblick über alles Vorhandene gewonnen habe. - Ich muß aber gleich bemerken: etwas Abgeschlossenes ist unter den noch nicht veröffentlichten Schriften wohl kaum zu finden, es ist wohl so ziemlich Alles in der Art, daß irgendetwas dabei Fragment geblieben ist u. eines Vor- oder Nachwortes bedarf, wozu ich gern bereit bin. Gegen Ende des Vierteljahres werde ich mir erlauben, Ihnen aus den Manuscripten Etwas zuzusenden ...". - In diesem Jahr übersiedelte Elisabeth mit ihrem Bruder und dem Archiv nach Weimar in die "Villa Silberblick". - Das längere Zeit völlig negative Bild von Persönlichkeit und Leistung Elisabeth Förster-Nietzsches ist in letzter Zeit etwas positiver bewertet worden. - So früh selten.
Fontane, Theodor, Dichter, Schriftsteller, Journalist und Kritiker (1819-1898). Eigh. Brief m. U. "Th. Fontane". 1 S. Doppelblatt. Gr. 8vo. Mit dem eigh. Umschlag. Berlin 7.II.1892.
An Ludwig Jacobowski, der ihm Grüße einer Gruppe von drei Verehrern übersandt hatte. Der Dichter bedankt sich. "... Wenn überall, wo drei Deutsche beim Biere zusammensitzen, meiner so freundlich gedacht würde, so wäre mir und meinem Verleger geholfen ...". Wie immer dekorativ geschrieben. - Nicht bei Jolles/Müller-Seidel; wohl bisher nicht bekannt. - Beiliegend zwei spätere gedruckte Blätter über Fontane.
Fontane-Umkreis. - Beutner, Thuiskon, Publizist, als Chefredakteur der "Neuen Preußischen (Kreuz-) Zeitung" einige Jahre Theodor Fontanes Arbeitgeber und Korrespondent (1816-1882). 2 eigh. Briefe m. U. "Dr. Beutner" bzw. "Beutner". Zus. 51/2 S. Gr. 8vo und 8vo. Berlin 20.II.1859 und 10.VIII.1860.
Der erste Brief an einen Geheimrat, dem er für seinen "vortrefflichen Artikel über Italien" dankt. Es müßten jedoch (wohl aus politischen Gründen) einige Änderungen vorgenommen werden, besonders am Schluß. Begründet dies und geht anschließend auf bisherige Artikel in der "Kreuz-Zeitung" ein: "... Im Allgemeinen haben die Artikel bei urtheilsfähigen Leuten sehr großen Beifall gefunden; bei andren ist wohl diese oder jene Partie bemängelt worden, weil die guten Leute nicht gern von ihrem Reich abgehen. Sie kennen das und haben es wohl - wie ich - nicht anders erwartet. Die 'Österreichische Zeitung' hat sich sehr bitter geäußert und nicht undeutlich zu verstehen gegeben, daß Herr v. Seebach der Verfasser sei! Sie sagt, sie könnte jeden Satz widerlegen und damit - schließt sie ihren Artikel ohne jede Widerlegung ...". - Der zweite Brief an einen "verehrtesten Gönner". Über den Versand von Exemplaren der Zeitung und die Empfehlung eines geeigneten Verlegers. Rät von dem vorgeschlagenen Verleger ab und empfiehlt die Verleger Hertz in Berlin und Perthes in Gotha.
Fouqué, Friedrich de la Motte
Brief an den halleschen Juristen Ludwig Pernice. 1838
Los 2329
Schätzung
600€ (US$ 690)
Fouqué, Friedrich Baron de la Motte, märkischer Dichter der Romantik (1777-1843). Eigh. Brief m. U. "LM Fouqué" und Adresse sowie kleinem Papiersiegel mit Monogramm "F". 1 S. Gr. 4to. (Halle a. d. Saale) 13.V.1838.
An den ihm befreundeten Rechtshistoriker Ludwig Pernice (1799-1861), Jura-Professor und Censor in Halle, der wohl Verleger für Fouqué vermittelte. "... Unsre Leipziger Lerchen - ich meine diesmal nicht die singenden, auch nicht die zu verspeisenden, sondern die verlegenden (vielleicht auch vorliegenden Falles etwas verlegnen, denn sonst könnten sie doch ein: 'Ja' oder: 'Nein' herausbringen - lassen doch in der That etwas hyper-indiskret auf sich warten. Und am 3ten ... Junius denke ich auf 14 Tage nach Berlin zu gehn; ja, ich muß es, da die Kaiserin Alexandra einer andern hohen Dame geschrieben hat, sie erwarte mich dort zu sehn, und freue sich darauf. Schaffe mir also bis dahin Entscheidung, und im Vernein-Fall das Mspt, welches mir dort vielleicht von mannigfachem Nutzen sein könnte. - Und dann: wie stehet es mit meiner Natzmer-Rezension? Ich fiel unsern ehrwürdigen Voigtel darüber letzthin auf offner Straasse schier gewaltsam an, zugleich auch an einen Abdruck derselben erinnernd, und er verhieß das Beste. Aber: 'aus den Augen, aus dem Sinn!' scheint ebensosehr bei dem lieben Greise - der Mann ist noch älter, denn ich - zu gelten, als bei der jugendlichsten Schmetterlings-Sylphe. 'Sylphe' sag' ich. Denn der realistische Schmetterling hat, wie ich vermeine, gar keine Augen. Oder schiess' ich damit einen nur noch ärgeren naturhistorischen Bock, indem ich einem solchen auszuweichen bemühet war? - Schlimmsten Falles kommt es ja doch nicht vor Freund Schweiggers Tribunal, sondern vor Dein juridisches, wo nicht blos Ignorantia juris gelten muß, sondern auch andres, hoff' ich ...". - Fouqué lebte von 1833 bis 1841 in Halle an der Saale.
Frankl von Hochwart, Ludwig August, Arzt, Journalist und Schriftsteller, Ehrenbürger von Wien (1810-1894). 2 eigh. Briefe und 1 eigh. Gedichtmanuskript. Zus 31/2 S. Mit 1 frankierten Umschlag. Verschied. Formate. 1841-1891.
I. Eigh. Brief m. U. "Frankl". 1 S. Doppelblatt mit Adresse. 4to. (Wohl Wien) 7.I.1841. - An den Schriftsteller und Publizisten Adolph Bäuerle, Herausgeber der vielgelesenen und langlebigen "Allgemeinen Theaterzeitung". Übersendet ein "Blatt", um dessen Zustellung an Bäuerle man ihn gebeten habe. Erinnert bei dieser Gelegenheit daran, dass Bäuerle versprochen habe, Frankls 1840 erschienenen Band "Gedichte" in der Theaterzeitung zu besprechen. - II. Eigh. Brief m. U. "Ludw. Aug. Frankl". 2 S. Mit frankiertem Umschlag. Kl. 8vo. Gmunden 30.VIII.1891. - An einen Autographensammler in Karlsruhe. "... Der anbei rückfolgende Brief rührt nicht vom Freih. Max v. Löwenthal, dem Gatten Sophiens her; sondern vom Chefredakteur der s. Z. bestandenen 'Oesterreichischen Ztg.' J. Löwenthal, wie dies auch an der Spitze des Briefes im Hochdrucke nachweist. Wieso der Brief nach Ihrer Mittheilg. 'durch meine Hand gegeangen ist', ist mir nach so langer Zeit - Sie schreiben 'vor ca 30 Jahren' - ist mir völlig unerinnerlich ... ". Verspricht, nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub zu prüfen, ob sich unter seinen Papieren noch Handschriftliches von Sophie von Löwenthal [der platonisch Geliebten von Nicolaus Lenau] befinde. - III. Eigh. Gedicht m. U. "Ludw. Aug. Frankl". 1/2 S. Doppelblatt. Gr. 8vo. Wien (wohl um 1890). - 2 Strophen zu je 4 Zeilen, ohne Titel: "Der du grünend noch an Jahren / In dem Leben stehst, / Achte, daß du nicht an weißen Haren [!] / Stumm vorübergehst ...". - Beiliegend ein kleiner Zeitungsausschnitt mit Frankls Porträt.
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