Los 2317
Weidig, Friedrich Ludwig
(1791-1837)Manuskript seiner Verteidigung gegen politische Anklagen. Butzbach 1833
Schätzung
12.000€ (US$ 13,793)
Abgabe von Vorgeboten möglich
Aus dem Katalog
Autographensammlung Hermann Kiewy
Auktionsdatum 7.10.2026

Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026


Büchners Mitarbeiter am "Hessischen Landboten"
Büchner, Georg. - Weidig, Friedrich Ludwig, hess. Pädagoge, Theologe, Turn-Pionier, liberaler oppositioneller Politiker und Publizist, Mitarbeiter Büchners am "Hessischen Landboten", starb wohl durch Selbstmord im Gefängnis in Darmstadt (1791-1837). Manuskript seiner Verteidigung gegen die Anklage des Großherzoglich Hessischen Hofgerichts wegen revolutionärer Umtriebe. 31/6 S. Doppelblatt. Folio. Butzbach 31.X.1833.
"An die zweite Kammer der Gr.-Hess. Stände-Versammlung. Gehorsamste Anzeige und Rechtsverwahrung des Gr. Rectors Dr. Weidig in Butzbach." Mehrfach korrigiertes Konzept einer Verteidigungsschrift gegen die vom Großherzoglichen Hofgericht Giessen gegen ihn erhobenen Anklagepunkte. "Wie das allgemeine Gerücht behauptet, welches trotz des geheimen Verfahrens unserer Justiz-Behörden durch äuserlich [!] erkennbare Zeichen bestätigt wird, findet seit kurzem eine gewisse Einwirkung auf die Gerichte des Grosherzogthums und namentlich auf das Gr. Hofgericht in Giesen [!] durch eine in Frankfurt versammelte Bundes-Commission statt. Wie weit dieser äusere Einfluß die Rechtsprechung unseres Vaterlandes berühre, kann nicht der einzelne Staatsbürger, können nur die versammelten Stände ermitteln. - Da ich nun durch Gr. Staats-Ministerium politisch angeklagt, den Schutz einer selbstständigen, vaterländischen Rechtsprechung zu fodern berechtigt und verpflichtet bin, so wende ich mich vertrauensvoll an diese Versammlung und zeige ihr dasjenige, was bei obiger Angabe wohl als bestimmte Thatsache betrachtet werden kann, ehrerbietig an ...". Schildert nun die ungesetzlichen Maßnahmen bis hin zur Verhaftung, die gegen ihn durch außergerichtliche Anweisungen unternommen wurden, und erhofft sich Hilfe durch seinen öffentlichen Appell an die Ständeversammlung.
"... Erwägt man nun, für wie manchen politisch Angeschuldigten die Dauer und Härte der Haft den Tod oder eine auf Lebenszeit zerrüttete Gesundheit zur nächsten Folge hatte, und daß also gerade hier die moralische Selbstständigkeit der Gerichte dringendes Erfoderniß ist, so kann ich nicht zweifeln, daß diese hochachtbare Versammlung über die Art einer etwaigen Einwirkung jener Bundes-Commission auf die vaterländischen Gerichte von dem Gr. Staats-Ministerium Erläuterung begehren und die Rechte der Staatsbürger des Grosherzogthums gegen jede etwaige Verletzung sichern werde. - Ist doch ein Eingriff in die Sellbstständigkeit der Justiz, und wäre er auch unbedeutend, dasjenige, was der sittliche und patriotische Adel eines Volkes - und dieser waltet in der hessischen Wahlkammer vor - am entschiedensten zurückweist ...". - Mit einer Anzahl von Streichungen und Korrekturen von anderer Hand. - Hoch bedeutendes und wieder ganz aktuelles Dokument eines berühmten Vorkämpfers und Märtyrers des Vormärz, der unerschrocken die politische Unabhängigkeit der Justiz fordert. Weidigs Bemühungen blieben bekanntlich erfolglos. Im folgenden Jahr beteiligte er sich an Georg Büchners "Hessischem Landboten", wurde wieder verhaftet und starb nach Mißhandlungen wahrscheinlich durch Selbstmord im Darmstädter Arresthaus. - Von größter Seltenheit; im Jahrbuch der Auktionspreise seit 1950 ist keine Handschrift Friedrich Weidigs nachweisbar.
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