Los 2322

Engel, Johann Jakob
(1741-1802)Brief und Gedicht an J. Fr. Bause. 1772

Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)

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Los 2322 - Engel, Johann Jakob - Brief und Gedicht an J. Fr. Bause. 1772 - 0 - thumb

Aus dem Katalog
Autographensammlung Hermann Kiewy
Auktionsdatum 7.10.2026

Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026

Lot 2322, Auction  128, Engel, Johann Jakob, Brief und Gedicht an J. Fr. Bause. 1772

Engel, Johann Jakob, Berliner Aufklärer, Schriftsteller, Dramatiker, Ästhetiker, Theoretiker der Schauspielkunst und Mitdirektor des Nationaltheaters in Berlin (1741-1802). Eigh. Brief m. U. "J. J. Engel". 4 S. Doppelblatt. 4to. Parchim 6.III.1772.
Umfangreicher, fast familiärer Brief an den ihm befreundeten, bedeutenden Kupferstecher Johann Friedrich Bause (1738-1814) in Leipzig. Nach wortreichen Entschuldigungen für zu seltene Korrespondenz schreibt Engel: "... Für alles Uebrige aber, was ich Ihnen noch schreiben könnte, würden Sie mir nur schlechten Dank wissen; denn alles Hiesige ist fremd für Sie, über Ihre Kunst weiß ich Ihnen nichts zu sagen, und von der meinigen verlangen Sie auch wohl nichts zu hören. Mir ekelt sie schon selbst; denn es ist eine magere, eine brodlose Kunst: Philosophie und schöne Wissenschaften ... Ich hätte also höchstens noch von den Teltower Rübchen schreiben können, die meine liebe Freundinn Bausen bey mir bestellt und leider! nicht erhalten hat. Die Schuld liegt sicher nicht an mir, liebster Freund, sondern an den Rüben selbst, daß sie nicht haben wachsen und gedeihen wollen. Es war mein Erstes, was ich bey der Mad. Nicolai in Berlin anbrachte: daß eine ebenso artige und liebenswürdige Frau, als sie selbst wäre - Ich schmeichelte ihr ganz gewis ein wenig, aber bey den Frauenzimmern rechnet man sich das nicht zur Sünde ...". Ferner ausführlich über beide Familien, den Besuch von Engels Sohn bei Bauses, und anderes mehr. Bestellt ein "gehorsamstes Compliment an den Herrn Oeser" und andere Leipziger Bekannte. - Dabei: Derselbe. Eigh. Gedichtmanuskript. 2 S. Gr. 4to. O. O. (wohl um 1790). - Unbetiteltes, umfangreiches Glückwunschgedicht Engels zum Geburtstag seines Freundes Johann Friedrich Bause, am Schluß mit der lateinischen Widmung "Amico suo delectissimo J F Bausio". Auf 58 Zeilen (eine mit Textänderung) behandelt er alle möglichen Aspekte des Glückes und der Glückwünsche und erwähnt auch die Stadt Leipzig: "... Heil diesem Musensitz! Heil dieser Handelsstadt! / Und um es noch ein wenig auszuführen, / So müssen die, die unsern Staat regieren, / So müssen die, die lehren und studiren, / So müssen ferner die, die hier negociiren, / die hier - der Athem fehlt, sie alle anzuführen; - / Sie müssen sämmtlich, groß und klein, / Auf Richterstühlen, auf Cathedern, / Mit Degen, Instrumenten, Federn, / Sie müssen alle glüklich seyn ...". - Am Ende kommt er noch auf sein Spezial- und Lieblingsgebiet, auf das Theater zu sprechen: "... Nun werd ich noch zum Schluß, das könnt ihr leicht ermessen, / Die gute Bühne nicht vergessen. / Wenn Abends um fünf Uhr ihr Herrn genug studirt, / Ihr Richter gnug den Dieb examinirt, / Ihr Aerzte gnug den matten Puls befraget / Und doch die Krankheit nicht verjaget; / Wenn nun die Braut genug den Bräutgam karessirt, / Im Comtoir der Kaufmann gnug addirt, / Und kurz, wenn jeder nun sein Pensum absolvirt: / So - ja, das wünsch ich auch von Grunde meiner Seelen, / So muß doch allerseits die Langeweile quälen! / Uns aber, die wir uns der Kunst des Schauspiels weyhn, / Die Langeweile zu zerstreun, / Uns müsse nie der Kenner Beyfall fehlen." - Minimale Einrisse am Manuskript. - Nicht in der J. J. Engel-Briefausgabe von Alexander Košenina (1992).


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