Los 2315
Bechstein, Ludwig
(1801-1860)Illustrierter Brief an den Schriftsteller Karl Sondershausen. 1858
Schätzung
300€ (US$ 345)
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Aus dem Katalog
Autographensammlung Hermann Kiewy
Auktionsdatum 7.10.2026

Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026


Bechstein, Ludwig, Schriftsteller, Märchendichter, Herzogl. Sachsen-Meininger Hofrat, Bibliothekar und Archivar (1801-1860). Eigh. Brief m. U. "Ihr Bechstein". 3 S., eng beschrieben. Doppelblatt mit einer lithograph. Ansicht im Briefkopf. Gr. 8vo. Meiningen 12.X.1858.
An den [nicht genannten] Schriftsteller Karl Sondershausen (1792-1882), der zwei Theaterstücke an Bechstein geschickt hatte, in der Hoffnung, sie auf der Meininger Bühne aufgeführt zu sehen. "... Eins vergaß ich in der Eile, mit der ich bemüht war, Sie baldmöglichst in Besitz Ihrer Stücke zu setzen, die im obigen Hause [wohl die als Lithographie im Briefkopf abgebildete Ansicht einer Häusergruppe] nicht einmal übernachten durften, so gastlich ich sonst gesinnt bin; nämlich zu schreiben, daß ich mit Antheil u. Beifall die 2 Stücke gelesen habe, welche auf das feinere Papier geschrieben sind. Schöne u. edle Sprache, lebhafter Dialog ... zeichnet dieselben aus. Das dritte las ich nicht, 1) aus Zeitmangel, 2) weil ich Bearbeitungen nach dem Französischen nicht sonderlich liebe. Man wird aber überall nicht auf Hoftheatern das größere Stück annehmen, weil der Fürst namentlich in der ersten Scene nicht würdig genug gehalten ist, u. dem Bedientenvolk ein größerer Spielraum eingeräumt ist, als es verdient. Es ist außerordentlich schwer, in Lustspielen die Person eines regierenden Herrn so vorzuführen, daß eine solche Partie, wenn ein Hof Zuschauer ist, nicht anstoße u. verletze, u. die ganze Stellung eines regierenden Herrn, ja selbst eines mediatisirten, nicht im Auge des Publikums an Achtung verliere; er muß daher selbst im Lustspiel stets von wahrer Würde getragen sein, u. dazu hat der Fürst Ihres Stückes ganz das Zeug, er müßte nur im Anfang sich weniger bizarr zeigen ...". - Spricht dann noch verschiedene andere Themen an, darunter Sondershausens im Erscheinen begriffenens Buch "Der Letzte aus Alt-Weimar. Erinnerungen und Dichtungen". "... Es ist dieser Titel trefflich gewählt, u. ich freue mich sehr darauf. Sie müssen wissen, daß ich für Weimar gar große Vorliebe habe, die Vorsehung hat es gefügt, daß ich daselbst geboren bin, die lebendigsten Kindheitserinnerungen mir vor der Seele stehn. Zweimal sah ich in Weimar Napoleon I. ...". Ferner über einen Buchhändler und dessen Eignung, Manuskripte zu verlegen, die Bechstein in der Schublade habe. - Inhaltsreicher, literatur- und theaterhistorisch interessanter Brief. Das im Briefkopf abgebildete Gebäude scheint Bechsteins Wohnhaus zu sein, lithographiert von W. Arndt nach einer Zeichnung von Otto Bechstein in Altenburg.
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