Liegendes Mädchen (Müde)
Lithographie auf Bütten. 1913.
26,8 x 21,2 cm (67,7 x 51,2 cm).
Signiert "Erich Heckel" und datiert.
Ebner/Gabelmann 603 L a II, Dube L 197.
Eines der wenigen Exemplare des endgültigen Zustandes mit der Signatur Heckels oben rechts im Stein. Das Blatt war vorgesehen für die geplante Chronik der Brücke 1913, die aufgrund von Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Künstlergruppe nicht erschien. Erst kurz zuvor, im Jahr 1911, war Erich Heckel, ebenso wie die anderen "Brücke"-Mitglieder, nach Berlin gezogen, reagierte jedoch melancholisch auf die Eindrücke der Großstadt. Nach gemeinsamen Ausstellungen, u. a. beim Ersten Deutschen Herbstsalon 1913 sowie gemeinschaftlichen sommerlichen Ostsee-Aufenthalten, löste sich die Künstlergemeinschaft "Brücke" im Jahr 1913 auf. In Heckels Motivkreis erscheinen in diesem Jahr häufiger melancholische, sinnende, nachdenkliche oder im Bett liegende Figuren. Die vorliegende Komposition ist in ihrer Kompaktheit und Dichte des gestaffelten Bildraumes von besonderem Reiz. Ganz prachtvoller, tiefdunkler, kontrastreicher und wunderbar kreidiger Druck mit äußerst breitem Schöpfrand. Sehr selten, es sind insgesamt nur elf Exemplare bekannt.
Provenienz: Ehemals Sammlung H. Gerlinger, Würzburg (mit dessen Stempel verso, Lugt 6032)
Reckakt
Kaltnadel auf hellgrauem Velinkarton. 1919.
22 x 24 cm (33,8 x 41,8 cm).
Signiert "Erich Heckel" und datiert sowie unten links von Siddi Heckel betitelt. Auflage 30 Ex.
Ebner/Gabelmann 756 R, Dube R 140.
Die Artisten von Zirkus und Varieté, ihre Akrobatik und die Kostüme, das Publikum und die Atmosphäre sind bevorzugte Themen im Frühwerk aller Brücke-Künstler. Heckel ist wohl der Einzige, der im Laufe seines Lebens immer wieder darauf zurückkommt. In seinem "Reckakt" erfasst er im Zentrum seiner Darstellung den Artisten im kurzen, heiklen Moment des Wechsels zwischen fester Stange und fliegendem Trapez. Er hält die Trapezstange schon in den Händen und ist dabei, sein Gewicht im Schwung nach vorne zu verlagern. Die Reckstangen und ihre Halteseile legen zusammen mit den locker angedeuteten Streben des Zirkuszeltes ein Geflecht von spannungsreichen Diagonalen über die gesamte Darstellung. Prachtvoller Druck mit herrlich nuanciertem Plattenschmutz, deutlich zeichnender Plattenkante und mit breitem Rand.
Kohlenhandlung
Lithographie auf dünnem Velin, alt auf Karton kaschiert. 1907.
39,5 x 33 cm (41,8 x 34,3 cm).
Verso auf dem Karton mit Bestätigungsstempel von Walter Kirchner, Bruder des Künstlers, dort von diesem signiert, datiert "30.9.50" und bezeichnet "Katalog K 80".
Gercken 197, Dube L 43.
Eine der frühesten Lithographien Kirchners aus den Anfangsjahren der Brücke. Meist arbeitete der Künstler damals mit Feder, Pinsel oder Kreide direkt auf den Stein und experimentierte auch mit weiteren Techniken; seine Graphiken druckte er selber, mit der Hand oder auf seiner eigenen Presse, so dass die Exemplare sich fast immer unikatär voneinander unterschieden. Im Jahr 1907 entwickelte Kirchner die sogenannte "Terpentinätzung" als ganz eigene lithographische Technik, die es ihm erlaubte, Blätter mit der Hand, ganz ohne Presse, direkt vom Stein abzuziehen. "So sind Kirchners Lithographien sehr charakteristisch und leicht zu erkennen an den oft hauchzarten Tonflächen, die nur auf diese neue Art der Technik erzielt werden konnten." (Gustav Schiefler, Die Graphik Ernst Ludwig Kirchners, Berlin 1931, S. 34). Ganz prachtvoller, mit seinen tiefen Schwärzen und den zartgrauen Partien wunderbar differenzierter Druck, teils mit kleinem Rändchen. Gercken sind außer dem vorliegenden lediglich vier weitere Exemplare des Blattes bekannt. Rarissimum.
Provenienz: Galerie Matthias Hans, Hamburg
Gewecke und Erna
Kaltnadel auf Velinkarton. 1913.
25,5 x 20,7 cm (39,2 x 34,4 cm).
Gercken 603 B, Dube R 169.
Hans Gewecke war einer der beiden Schüler Kirchners an seiner 1911 gegründeten Zeichenschule, dem MUIM-Institut in Berlin, und begleitete den Künstler 1913 zusammen mit Erna Schilling auf seine Reise nach Fehmarn. Die Berliner Tänzerin hatte Kirchner erst im Jahr zuvor, 1912, kennengelernt. Sowohl in Fehmarn als auch in Kirchners Berliner Atelier entstanden mehrere Zeichnungen von Gewecke und Erna. Aus der unsignierten Auflage von maximal 50 Exemplaren, erschienen im Verlag Graphisches Kabinett I. B. Neumann, Berlin 1913. Ganz prachtvoller, tiefdunkler und gratiger Druck mit breitem Rand.
Kirchner, Ernst Ludwig
Tanz in der Alp - Bauerntanz mit Handorgler (im Haus "In den Lärchen")
Los 7065
Schätzung
35.000€ (US$ 39,773)
Tanz in der Alp - Bauerntanz mit Handorgler (im Haus "In den Lärchen")
Lithographie auf gelbem Papier. 1920.
59,5 x 50,5 cm (68,5 x 54,3 cm).
Rückseitig mit dem Basler Nachlaßstempel "L 415 IV" und mit Kreide in Blau betitelt.
Gercken 1134, Dube L 396 (I).
Keine mondäne Berliner Tanzbar, sondern einen ländlichen Bauerntanz auf Holzdielen zeigt uns Kirchner. Es ist aber eine den Großstadtszenen ganz ebenbürtige Lebensenergie, die die Szene erfüllt. Kirchners besonderes Interesse am Tanz nahm auch nach seinem Umzug in die Schweiz nicht im geringsten ab. Die dichtgedrängte Szene spielt, ebenso wie auch seine darauffolgende Lithographie "Alptanz mit zwei Handorglern" (Gercken 1135), wohl in dem Haus "In den Lärchen", das der Künstler seit Oktober 1918 in Davos - Frauenkirch gemietet hatte. Am 12. Januar 1920 schreibt Kirchner an Helene Spengler, die Frau seines behandelnden Lungenarztes: "In den letzten Tagen haben wir durch das Grammophon viel Besuch gehabt. Es wurde getanzt. Diese Naturkinder sind berauscht von der Musik, ich werde interessante Sachen zeichnen können." (Ernst Ludwig Kirchner, Der gesamte Briefwechsel, Bd. I, Briefe von 1901-1923, hrsg. von Hans Delfs, Zürich 2010, S. 431).
Entgegen den Angaben bei Dube gibt es nach neuerer Erkenntnis nur einen einzigen Druckzustand mit verschiedenen helleren und dunkleren Varianten. Diese gestaltete Kirchner mit Hilfe der von ihm selbst 1907 in vielen Experimenten erfundenen Technik der Terpentinätzung, alle in leicht unterschiedlichen Bearbeitungsstufen, und zog die Blätter selber einzeln vom Stein ab. Jedes Exemplar dieser minimalen Auflage behandelte er demnach wie ein Unikat.
Das vorliegende Exemplar entstand auf Kirchners bevorzugtem zitronengelben Papier. Es zeigt sich mit seinen zum Teil hauchzarten, halbtransparenten Grauflächen und der reichen Skala an Schwarztönen nahe dem von Dube angenommenen ersten Zustand, in dem der Berg und die Türöffnung hinter dem Kopf des Musikers hell sind. Prachtvoller, kräftiger Druck mit herrlich differenzierter Tonalität, der gelbe Papierton einheitlich frisch. Sehr selten, Gercken führt lediglich sieben bekannte Abzüge auf.
"Der Hunger"
Lithographie auf Similijapan. 1919.
63 x 49,4 cm (71 x 55,2 cm).
Signiert "Beckmann" und betitelt. Auflage 75 num. Ex.
Hofmaier 143 B.
Blatt 5 der Folge "Die Hölle / Großes Spektakel / in 10 Blättern", erschienen 1919 bei I.B. Neumann, Berlin. Not, Kargheit und Armut zeigen sich als ein in der Kälte sich sammelndes Schweigen unter fahl verdämmerndem Licht. Dargestellt ist das Bild einer Familie am spärlich gedeckten Tisch, der Sohn glotzt mit leeren Augen, Mutter und Vater haben den Blick gesenkt, eine Hausangestellte hat ihre Hände zum Gebet gefaltet. Es ist die wahrscheinlich bewegendste Darstellung von Not und Existenzangst der ambitionierten graphischen Folge „Die Hölle“, in der Max Beckmann das Kaleidoskop eines gesellschaftlichen Untergangs entfaltete. Die Szenen von Betroffenheit, Morden, Armut und Not wechseln zwischen Straßen und Räumen der Großstadt, meist zur Nachtzeit. Scharfkantig ist alles angeschnitten, trifft spitz aufeinander, jeden Moment bereit zur Explosion. Bedrängende Enge lädt die Spannungen auf. Beckmanns Protest war kein politischer, sondern entsprang der Fähigkeit mitzuleiden. Brillanter, großformatiger Druck mit Rand.
Landschaft mit Ballon
Kaltnadel auf kräftigem Bütten. 1918.
23,3 x 29,5 cm (29,7 x 36,8 cm).
Signiert "Beckmann". Auflage 60 Ex.
Hofmaier 134 II A b (von B b).
Exemplar des endgültigen Zustandes nach Verstählung der Platte, hier eines der bei Hofmaier erwähnten Blätter. Eines von 60 Exemplaren auf kräftigem Bütten, neben 40 Drucken auf Japan (diese vor Verstählung der Platte). Entstanden nach dem Gemälde "Landschaft mit Luftballon" von 1917 (Göpel 195), das in der Radierung seitenverkehrt und mit einigen Abweichungen wiedergegeben ist. Abgebildet ist vermutlich die Darmstadtstraße im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen, dem Viertel, in dem Beckmann lebte. Erschienen als Blatt 14 der Folge "Gesichter", im Verlag der Marées-Gesellschaft, R. Piper & Co., München 1919, mit deren Blindstempel unten rechts. Ausgezeichneter, kräftiger Druck mit dem vollen Rand, rechts und oben mit dem Schöpfrand.
Provenienz: Ehemals Nachlass Günther Franke (1900-1976), München
Stadtnacht
7 Bl. Lithographien auf hauchdünnem Japan. Einzeln in Orig.-Passepartouts montiert, lose in Orig.-Halbleinenmappe mit Titelvignette. 1920.
36,5 x 27 cm (Mappengröße).
Sämtlich signiert "Beckmann". Auflage 100 num. Ex.
Hofmaier 164-170.
Die komplette Folge aller sieben Lithographien (inklusive Titelblatt) der Deluxe-Ausgabe auf Japan, neben der gebundenen Buchauflage zu "Stadtnacht" mit zwanzig Gedichten von Lili Braunbehrens. Die Mappe mit den signierten Sonderabzügen wurde den 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe des Buches beigegeben. Gedruckt von Dr. C. Wolf Sohn, München und erschienen im Verlag R. Piper & Co., München 1921. Max Beckmann und Lili von Braunbehrens lernten sich 1915 über das befreundete Ehepaar Battenberg in Frankfurt kennen und ihre Gedichte reizten den Künstler von Anfang an. So war es seine Idee, die bildstarken Verse zu „Stadtnacht“, die sie nach einem nächtlichen Ausflug mit ihrem Vater durch die verruchte Frankfurter Innenstadt verfasste, zu illustrieren. Beiden lag daran, die sozialen Gegensätze der Großstadt sichtbar zu machen: zum einen die dekadenten Ausschweifungen des neureichen Bürgertums (vgl. Trinklied; Stadtnacht), zum anderen die Kehrseite der Gesellschaft mit tiefer Not und Einsamkeit (vgl. Verbitterung; Die Kranke). Diese Kontraste zeigen sich, wie typisch für Beckmann, auch in der Vielfigurigkeit der dekadenten Szenen, während die Not und Hoffnungslosigkeit der Menschen in seinen isoliert betrachteten Protagonisten zum Ausdruck kommt (vgl. Verena Faber, Jede Woche ein Ei, Mentorship für die Dichterin Lili von Braunbehrens, in: Max Beckmann. Gute Freunde, Freiburg 2019, S. 89 ff.). In dieser kompletten Form selten.
Nackttanz
Lithographie auf Velin. 1922.
47,2 x 37 cm (62,8 x 49 cm).
Signiert "Beckmann". Auflage 100 num. Ex.
Hofmaier 216 B.
Erschienen als Blatt 4 der "Berliner Reise" 1922, einer Folge von zehn Lithographien, verlegt bei I. B. Neumann, Berlin, Druck C. Naumann, Berlin. In "Nackttanz" zeichnet Beckmann die Figuren der expressiv bewegten Nackttänzerinnen auf der Bühne in derselben skurril-ausdrucksvollen, verdrehten Beinhaltung wie bei der zentralen Figur im direkt darauf folgenden Blatt 5 der Mappe "Berliner Reise", "Der Schlittschuhläufer" (Hofmaier 217). Innerhalb des Zyklus sind diese beiden Lithographien von Beckmann als zusammengehöriges Paar gesetzt, bei dem er mit den Kontrasten männlich/weiblich und bekleidet/nackt spielt. Prachtvoller, kräftiger Druck mit sehr breitem Rand.
Frauenbad
Kaltnadel auf Velin. 1922.
44 x 29 cm (52,5 x 38 cm).
Signiert "Beckmann". Auflage 100 Ex.
Hofmaier 234 II B c (von d).
Aus der Auflage von 100 Exemplaren wurden 40 von Günther Franke auf x/40 numeriert, daneben erschienen weitere 50 Drucke auf Japan, zudem sind insgesamt elf Probedrucke im ersten und zweiten Zustand bekannt. Erschienen im Verlag R. Piper & Co., München 1922. Die Radierung ist eine Variation des gleichnamigen Gemäldes von 1919 (Göpel 202, Nationalgalerie, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin), welches dasselbe Thema behandelt, wobei sich Graphik und Gemälde jedoch in der Komposition unterscheiden. Die Radierung verzichtet auf die beklemmende Raumsituation und verwandelt das Geschehen in eine eher grotesk-widersprüchliche Szenerie, die an Beckmanns frühere Varieté- und Kabarettdarstellungen erinnert. Prachtvoller, kontrastreicher und kräftiger Druck mit dem vollen Rand, an drei Seiten mit dem Schöpfrand.
Selbstbildnis
Lithographie auf Velin. 1946.
31,5 x 26,3 cm (40 x 30 cm).
Signiert "Beckmann" sowie bezeichnet "I.". Auflage 10 Ex.
Hofmaier 357 B a (von B b).
Blatt I aus der Mappe "Tag und Traum", erschienen in einer Gesamtauflage von ca. 110 Exemplaren bei Curt Valentin, New York; hier eines von 10 unnumerierten Exemplaren für den Künstler, neben ca. 10 weiteren unnumerierten Drucken. 1946 stellte Max Beckmann im Auftrag von Curt Valentin dieses Mappenwerk speziell für den amerikanischen Markt zusammen. Ab 1937 im holländischen Exil lebend, bekam er von dem in New York ansässigen Verleger und Kunsthändler, den er noch aus Berliner Tagen kannte, das Angebot, eine Graphikmappe zu schaffen. So komponiert er als letzte große Rückschau auf sein Schaffen diese Folge seiner wichtigsten Themen, darunter als Eröffnungsblatt das vorliegende Selbstbildnis. Prachtvoller Druck mit kleinem Rand.
Zu vorgerückter Stunde
Feder in Schwarz auf festem Velin. 1924.
49,5 x 36,8 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert "GROSZ", verso mit dem Nachlaßstempel, darin mit Feder in Schwarz numeriert "3-75-5".
Gierig greifen die Männer nach der entblößten Frau. Sie aber wirft, anstatt die Hände der Alten abzuwehren, exaltiert ihren Arm in die Luft. Mit lebendig und kraftvoll geführter Rohrfeder, in seinem typischen Zeichenstil mit vereinfachten Formen und scharf gezogenen Konturen erfasst Grosz die erotisch aufgeladene Szene und setzt durch den verschachtelten Bildaufbau die Figuren eng zueinander in Beziehung. Die Neue Sachlichkeit prägt Grosz' Stil im Jahr 1924, und insbesondere die Schonungslosigkeit des veristischen Flügels dieser Kunstströmung findet ihren Widerhall in der vorliegenden Zeichnung.
Eine schriftliche Bestätigung der Echtheit von Ralph Jentsch, Berlin, vom 29.06.2025 liegt vor. Die Arbeit wird von ihm in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Arbeiten auf Papier aufgenommen.
Provenienz: Nachlass des Künstlers
Privatsammlung
William Louis-Dreyfus, Mount Kisco, New York (erworben 1993)
Ehemals Privatbesitz (2016 vom oben genannten als Geschenk erhalten)
Ausstellung: George Grosz, Marlborough Fine Art Ltd., London 1968, Nr. 33 (mit Abb.)
George Grosz in Germany: Works on Paper, 1913-1925, New York Studio School, New York 2013/14, Tafel 7 (Farbabb., dort betitelt "Untitled")
Literatur: Robert Cicetti, The Shock and Awe of George Grosz, in: Hyperallergic (online), 12.12.2013, mit Abb. (Detail)
Grosz, George
Der Kapitalist (Illustration zu Brechts 'Die drei Soldaten')
Los 7073
Schätzung
12.000€ (US$ 13,636)
Der Kapitalist (Illustration zu Brechts 'Die drei Soldaten')
Rohrfeder und Bleistift auf dünnem Velin. Ca. 1930-32.
Ca. 60 x 45,5 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert "GROSZ" und gewidmet.
Ein korpulenter Kapitalist überragt beinahe gottgleich das Geschehen, während er sich am Leid der Armen ergötzt. Mit beißendem Zynismus schildert Grosz in dieser imposanten Zeichnung einen Industriellen, zu dessen Füßen unten links vier ärmliche Personen um Almosen bitten. Die Zeichnung ist die Variante einer Illustration, die George Grosz für das antimilitaristische Kinderbuch „Die drei Soldaten“ von Bertolt Brecht schuf, das 1932 im Kiepenheuer-Verlag erschien. Grosz, der zu dieser Zeit selbst junger Familienvater war, steuerte insgesamt 25 Illustrationen zu Brechts Gedichten bei, in denen er dem Text folgend und in gewohnt pointierter Weise die soziale Ungleichheit anprangert. Der hier formulierte Typus des reichen, machtbewussten Kapitalisten taucht in Grosz' Œuvre auch in einer weiteren Variante auf. Unter dem Titel „Der unvermeidliche Kreislauf der Krise“ erschien im Sammelwerk Interregnum (Dückers SII, 53) eine Darstellung, in welcher der rauchende Industrielle entrückt auf einer Wolke steht, während links im Bild - wohl ein Familienvater - als Anhänger der Roten Armee gewaltsam vor die Tür gesetzt wird. In der im Buch veröffentlichten Variante wiederum zeigt Grosz dieselbe Figur mit einem Hakenkreuz am Revers; zu seinen Füßen zieht ein Demonstrationszug hindurch, dessen Teilnehmer Plakate mit dem Aufruf „Deutschland Erwache!“ in die Höhe halten.
Eine schriftliche Bestätigung der Echtheit von Ralph Jentsch, Berlin, vom 27.05.2019 liegt in Kopie vor. Die Arbeit wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Arbeiten auf Papier aufgenommen.
Provenienz: Privatbesitz Berlin (1958, Geschenk des Künstlers siehe Widmung)
Privatbesitz Süddeutschland (durch Erbschaft vom Vorgänger)
"HAREM"
Feder in Braun auf dünnem, leicht transparenten Velin. Um 1914.
19,6 x 23,2 cm.
Unten rechts mit Stempelsignatur "GROSZ", unten links mit Feder in Braun betitelt und verso mit Feder in Schwarz von fremder Hand wohl mit der Nachlassnummer "3 35 10".
Nach einem Jahr Zeichenunterricht an der Königlich Sächsischen Kunstgewerbeschule in Dresden zog es George Grosz mit neunzehn Jahren nach Berlin, wo ihn das vibrierende Leben der Metropole rasch in den Bann zog. Mit spitzer Feder hielt Grosz alles fest, was das urbane Leben für ihn als Beobachter zu bieten hatte: Theater- und Varietébesuche, Zirkusveranstaltungen und die erotische Halbwelt. Huren, Bordelle und Lustbarkeiten faszinierten den jungen Künstler. Für erotische Zeichnungen dieser frühen Jahre wählte Grosz oft die feine Feder, deren Striche und Schraffuren sich wie ein Netz auf dem Papier ausbreiten. Der kompositorische Aufbau der vorliegenden Arbeit erinnert an Edouard Manets „Olympia“, doch Grosz überzeichnet seine Figuren in seiner typischen Manier: Nicht schön, sondern mit herben, verbraucht wirkenden, nahezu grotesken Gesichtszügen räkelt sich eine halbentkleidete, shisharauchende Frau lasziv auf einem Divan. Die verschattete Figur im Hintergrund bleibt nur vage angedeutet, während Grosz den Raum mit einer Umrandung abschließt und dem Interieur mit diversen Requisiten einen typisch orientalischen Charakter verleiht.
Provenienz: Kunsthandel Wolfgang Werner, Bremen (verso auf Passepartout mit dessen Klebeetikett)
Privatbesitz Berlin
Die Irrsinnige von St. Marie-à-Py
Radierung und Kaltnadel auf BSB-Bütten. 1924.
28,9 x 19,7 cm (48 x 35,8 cm).
Signiert "DIX" und bezeichnet "IV 5".
Karsch 104/II a (von b).
Blatt 9 aus der Mappe IV „Der Krieg“, in einer Gesamtauflage von 70 Exemplaren erschienen bei Karl Nierendorf, Berlin 1924, erschienen und gedruckt bei Otto Felsing. Unser Blatt außerhalb der Auflage ohne die Numerierung unten mittig und links. Das 50 Blätter umfassende letzte Radierwerk von Otto Dix ist unzweifelhaft der graphische Höhepunkt im vielfältigen Œuvre des Künstlers und entstand erst mit zeitlichem Abstand von sechs Jahren zum Kriegsgeschehen im Ersten Weltkrieg. In der hier vorliegenden Darstellung rückt weniger die unmittelbare Kriegshandlung in den Fokus, als vielmehr eine der vielen Folgen des Krieges, die Dix schonungslos wiedergibt. Kräftiger Druck mit dem vollen Rand, als Einzelblatt selten vorkommend.
Gefunden beim Grabendurchstich (Auberive)
Radierung mit Aquatinta auf Bütten. 1924.
19,5 x 29 cm (32 x 36,8 cm).
Signiert "Dix" und bezeichnet "IX". Auflage 70 num. Ex.
Karsch 98 a (von b).
Dix, der selber als Artillerieschütze in den Gräben an der Somme und an der Ostfront gelegen hatte, konzentriert sich auf die Folgen der Schlacht: tote, sterbende und verwundete Soldaten, ausgebombte Landschaften und Gräber. Die Radierungen "breiten wie in 50 Momentaufnahmen die ganze Hölle des Ersten Weltkrieges aus, weniger die Kämpfe sondern mehr das Elend der Soldaten, (...) das hinter der Maske jener Dynamik liegende wahre Gesicht: die Folgen für die Menschen, das Verrecken, den Tod, das Verfaulen, die Gerippe." (Dietrich Schubert, Otto Dix, Die Radierungen 'Der Krieg' von 1924, in: Kunsthistorische Arbeitsblätter 2002, Heft 9, S. 40). Blatt 9 aus der Mappe III "Der Krieg", erschienen bei Karl Nierendorf, Berlin 1924, gedruckt bei Otto Felsing. Die Sammlung bestand aus 50 Graphiken, verteilt auf fünf Mappen mit je zehn Blättern. Prachtvoller, differenzierter Druck mit breitem Rand.
Max Reinhardt (Kopf)
Lithographie auf Japan. 1919.
38,6 x 30,3 cm (60 x 42 cm).
Signiert "OKokoschka" sowie (von fremder Hand?) betitelt, bezeichnet "I. Probe" und "Litho.".
Wingler-Welz 135.
Probedruck, bereits mit dem Monogramm unten rechts, doch im Papierformat größer als bei Wingler-Welz notiert. Vor der Auflage von 125 numerierten Exemplaren, erschienen bei Paul Cassirer, Berlin, Druck Pan-Presse, Berlin. Ganz prachtvoller, wunderbar kreidiger Druck mit dem wohl vollen Rand, rechts mit dem Schöpfrand.
Selbstbildnis
Lithographie auf Bütten. 1919/20.
49,6 x 30,4 cm (51,2 x 40 cm).
Signiert "Walter Gramatté" und datiert.
Eckhardt 73.
Direkt über dem Kopf des Künstlers strahlt die Sonne und erfüllt das Selbstbildnis mit kristalliner Transparenz. "Es ist immer wieder, Zeit seines Lebens, das eigene Ich, das er darstellt. Daher die vielen Selbstporträts. Sie zeigen, weit über das Formale und Technische hinaus, die außerordentliche Entwicklung seines Inneren, die Entwicklung einer Seele, die vom Chaos zum Kosmos, die vom zerrissenen zum geläuterten Selbst führt (...)" (Hermann Kasack, zit. nach: Walter Gramatté, Ausst.-Kat. Galerie Remmert und Barth, Düsseldorf 2005, S. 20). Ganz prachtvoller Druck mit kleinem Rand. Äußerst selten.
Jagendes Shetlandpony
Bronze mit goldbrauner Patina und Bronzeplinthe, montiert auf Marmorsockel. 1937.
9,4 x 13,7 x 3 cm.
Am linken Hinterlauf hinten monogrammiert "RS", auf der Plinthe seitlich links mit dem Gießerstempel "H.NOACK BERLIN".
Berger/Ladwig/Wenzel-Lent 159.
Diese Darstellung eines galoppierenden Ponys ist eine von Sintenis’ charakteristischen kleinformatigen Tierplastiken. Dafür wählt sie meist Jungtiere, deren verspielte, dynamische Bewegungen sie meisterhaft einfängt. Die Arbeiten zeichnen sich zudem durch eine nahezu impressionistische Oberflächenstruktur aus. Neben den vielen Fohlenplastiken, die ihr als Pferdeliebhaberin besonders am Herzen lagen, zählt der Berliner Bär zu ihren bekanntesten Werken. Prachtvoller Guss mit schönem Relief und fein changierender Patina. Gesamthöhe mit Sockel: 11 cm.
Provenienz: Quentin, Berlin, Auktion 21.10.2023, Los 2017
Privatsammlung Berlin
Tanzender Tod
Öl und Bleistift auf Holz.
61,3 x 41,1 cm.
Eine innere Vision lässt uns tief in die Nachtgesichte des Künstlers blicken, in das Reich seiner Kreativität und damit auch in den Ursprung seines Schaffensprozesses. Die Malweise ist pastos, mit feinem Pinsel sorgfältig ausgeführt und leicht stilisiert, zu den Rändern hin stellenweise auslassend, so dass die Konstruktionslinien sichtbar bleiben und dort eine Transparenz entsteht. "(...) der Maler Curt Echtermeyer malt Bilder, die ihn als einen der wenigen legitimen Surrealisten Berlins ausweisen (...) Das Zwischenreich bricht auf, Nachtgespenster, Spuk und Schimären geistern in die Bildfläche herein und manchmal ist es, als stocke dem Maler der Pinsel vor den Visionen, die ihn bedrängen. Laut seinem Geburtsschein ist der Maler ein Enkel des seinerzeit bekannten Bildhauers Carl Echtermeyer, in seinen surrealistischen Phantasien ist er jedoch ein Enkel Munchs und James Ensors." (Hellmut Kotschenreuther, in: Der Kurier, 08.12.1955, S. 3). Der Umfang von Curt Echtermeyers surrealem Frühwerk ist klein. Erst 2014 wurden die noch vorhandenen Arbeiten aus den 1920er Jahren mit einer Ausstellung in der Galerie Bassenge gewürdigt. Es war die erste Einzelausstellung mit Werken dieses Künstlers seit dem Zweiten Weltkrieg.
Provenienz: Nachlass Curt Echtermeyer
Privatbesitz Berlin
Ausstellung: Curt Echtermeyer, Ölbilder und Pastelle, Galerie Bassenge/Archiv Klaus Spermann, Berlin 2014 (Nr. 24, Abb. S. 29)
Grotesken & Symbole
12 Bl. Radierung mit Aquatinta auf chine-collé auf festem Kupferdruckpapier. Lose in Orig.-Kartonmappe mit Titelvignette. Um 1914.
40,2 x 29,8 (Blattgröße).
Je signiert "Meltzer-Karlsfeld" und betitelt.
Die vollständige Mappe ohne den auf der Titelvignette erwähnten Text, gedruckt bei Heinrich Wetteroth, München, die Radierungen mit dessen Blindstempel links. Mit großartigem handwerklichen Können und phantastischer Kreativität schafft Meltzer-Karlsfeld zwölf gesellschaftskritische Graphiken. Die satirischen Darstellungen mit Titeln wie „Eitelkeit“, „Dauerredner“, „Speichellecker“, „Streber“ u.a. zeigen vor allem vermenschlichte Tiere in Form von phantastisch-realistischen Fabelwesen. Stilistisch erinnert vieles an die grotesken Graphiken von Paul Klee, der zu dieser Zeit in München wirkte, vor allem aber auch an das Münchner Frühwerk Alfred Kubins, dessen mit Lavierung und Spritztechnik sorgsam ausgeführten Tuschfederzeichnungen Meltzer-Karlsfeld gekannt haben müsste. Über den Künstler selbst ist leider wenig bekannt. Lediglich ein weiteres Exemplar der Mappe befindet sich im Mead Art Museum, Amherst in Massachusetts aus einer Schenkung der französisch-amerikanischen Biochemikerin Claude Klee. Brillante, wunderbar atmosphärische, teils kräftige Abzüge mit facettierter Plattenkante über dem chine-collé. Rarissimum.
Blick auf einen Fluss
Lithographie auf festem Similijapan. 1912.
19,8 x 28,5 cm (40 x 45 cm).
Signiert "Klee". Auflage 200 Ex.
Kornfeld 42 B b.
Erschienen als eine von 15 Steinzeichnungen in der SEMA-Mappe, Delphin-Verlag, München 1912, mit deren Stempel unten links sowie mit der Signatur, der Datierung und dem Titel im Stein. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand.
Klee, Paul
Die erhabene Seite. Postkarte zur Bauhaus-Ausstellung Weimar 1923
Los 7083
Schätzung
8.000€ (US$ 9,091)
Die erhabene Seite. Postkarte zur Bauhaus-Ausstellung Weimar 1923
Farblithographie auf Postkartenkarton.
14,4 x 7,4 cm (15,2 x 10,5 cm).
Verso mit dem Postkartenaufdruck.
Kornfeld 88 III b.
Von drei Farbsteinen in Blau, Rot und Gelb gedrucktes Motiv Klees, oben im Stein bezeichnet "Weimar Bauhaus Ausstellung 1923", unten mit dem Schriftzug "Staatliches Bauhaus Weimar Ausstellung". Bauhaus-Karte Nr. 4, das erste von zwei Motiven von Paul Klee (Karte Nr. 5 wurde ebenfalls von ihm gestaltet) für die Folge von insgesamt 20 realisierten Werbepostkarten, entstanden anlässlich der Ausstellung verschiedener Bauhauskünstler wie Bayer, Feininger, Kandinsky, Marcks, Moholy-Nagy, Schlemmer u. a. In der Ausstellung unter dem Motto "Kunst und Technik. Eine neue Einheit" wurden erstmals die Arbeiten der 1919 gegründeten Hochschule gezeigt. Paul Klee unterrichtete dort, von Gropius an das Bauhaus berufen, seit 1920 seine Formlehre in verschiedenen Werkstätten. Die als Werbematerial verbreitete Postkartenserie wurde bei Reineck & Klein in Weimar gedruckt. Prachtvoller Druck, unbeschrieben und ungelaufen.
"Wasserfall I"
Öl auf Karton. 1913.
39,5 x 29,7 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert "W DEXEL" und datiert, verso mit Bleistift nochmals signiert, datiert und betitelt.
Wöbkemeier 24.
Kristalline Strukturen beherrschen die schroffe Landschaftsformation, changieren zwischen Raum und Fläche und lassen den flächenhaft stilisierten, von vertikalen Linien strukturierten Wasserfall wie eine kulissenartige, schimmernd-erstarrte Abstraktion erscheinen. Dexel spielt mit einer Palette von Blau- und Gelbtönen, deren pastose Massen er in streng vertikaler und horizontaler Richtung aufträgt. So verwandelt er das Naturbild in ein künstliches " (...) so als ob hinter ihm bzw. vor ihm eine andere Geschichte spielt und es als Zeichen oder Statthalter für ein anderes Thema funktioniert." (Wöbkemeier S. 28). In einer mystischen Klarheit strahlt die expressive Komposition, charakteristisch für Dexels frühe Schaffensphase, in der er sich mit Cézanne, dem Kubismus und den Expressionisten auseinandersetzte, bevor er sich dem Konstruktivismus zuwandte.
Provenienz: Beurret & Bailly Auktionen / Galerie Widmer, Basel, Auktion 23.09.2020, Lot 39
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Ausstellung: Walter Dexel, Kestner-Gesellschaft, Hannover 1974, Kat.-Nr. 9 (mit deren Klebeetikett verso)
Literatur: Ernst-Gerhard Güse, Bemerkung zum Werk Walter Dexels, in: Walter Dexel. Bilder, Aquarelle, Collagen, Leuchtreklame, Typografie, Westfälisches Landesmuseum, Münster/Ulmer Museum, 1979, S. 9 (Abb. S. 10, dort nur als Foto dokumentiert)
Thorn Prikker, Johan
Abstrakte Komposition (Heillige Drei Könige, Neuss)
Los 7085
Schätzung
2.400€ (US$ 2,727)
Abstrakte Komposition (Heilige Drei Könige, Neuss)
Bleiglasfenster. Farbiges Mosaik mit Bleiruten in Holzrahmen. Um 1912.
72 x 52 cm.
Feinteilig und mit zart abgestimmter Farbigkeit strukturieren abstrahierte Elemente den Fensterentwurf für die Dreikönigskirche der gleichnamigen römisch-katholischen Pfarrgemeinde in Neuss. Der niederländische Künstler Johan Thorn Prikker wurde im Jahr 1911 damit beauftragt, alle sechs Chorfenster sowie die vier Fenster des Querschiffs der dreischiffigen Basilika zu gestalten. Bereits im ersten Halbjahr 1912 stellte er seine Auftragsarbeit fertig, der Einbau wurde jedoch vom Kölner Generalvikariat vorerst untersagt. Eine überwältigende Zustimmung der Kunstwelt erfuhren die Fensterentwürfe trotzdem, da sie 1913 auf der Kölner Ausstellung des Deutschen Werkbundes gezeigt wurden. Erst 1919 wurde der Einbau von der erzbischöflichen Behörde doch genehmigt. In den Jahren 1928-1929 folgten von Prikker neu geschaffene Fenster für das Langhaus, die 1945 durch eine Luftmine zerstört wurden. Die älteren Kirchenfenster waren 1940 vorsorglich ausgebaut worden.
Provenienz: Sammlung Derix, Kevelaer
Thorn Prikker, Johan
Geometrische Komposition (Glasfenster)
Los 7086
Schätzung
2.000€ (US$ 2,273)
Geometrische Komposition (Glasfenster)
Bleiglasfenster. Farbiges Mosaik mit Bleiruten im Orig.-Holzrahmen. Um 1928.
92 x 64 cm (mit Rahmen).
Geometrisch-abstrakte Fensterkomposition, symmetrisch angelegt und überzeugend mit einer ausgewogenen Harmonie von dunklen und hellen Elementen, von warmen und kühlen Farbwerten, von kleinen und großen Glaselementen. Das hier verwendete durchgefärbte Glas besitzt bei Lichteinfall eine besonders farbintensive Leuchtkraft. Der Künstler wurde 1926 auf Einladung Richard Riemerschmidts Leiter der Abteilung Mosaik, Glasmalerei und Wandschmuck an der Kölner Werkschule. Bald darauf, um 1928, entwarf er als Auftragsarbeit für die Romanische Basilika St. Georg in Köln einen Zyklus von insgesamt 40 Bleiglasfenstern. Seine "Fenster zeugen von einem tiefen Verständnis sowohl für die mittelalterliche Lichtmystik als auch für die moderne christozentrische Liturgie seiner Zeit und dies lässt sich besonders in der prächtigen Farbgebung sowie der reduzierten Symbol- und abstrakt-figürlichen Bildsprache nachvollziehen." (rheinische-geschichte.lvr.de, Zugriff 18.03.2026).
Provenienz: Sammlung Derix, Kevelaer
Thorn Prikker, Johan
Abstrakte Komposition (Glasfenster)
Los 7087
Schätzung
2.400€ (US$ 2,727)
Abstrakte Komposition (Glasfenster)
Bleiglasfenster. Farbiges Mosaik mit Bleiruten. Um 1928.
106 x 41,4 cm.
In hellem Blau und Grün schimmern die farbigen Glasfelder aus der dunkeltonigen abstrakten Komposition hervor. Die Bleiruten besitzen darin eine sowohl tragende als auch zugleich strukturierende Funktion. Das Spannungsverhältnis zwischen dem fragilen, transparenten Material Glas, den schimmernden metallischen Elementen und dem ständig wechselnden, die Farben zum Leben erweckenden Licht ist charakteristisch für die Glasmalereien und Mosaike des niederländischen Künstlers Johan Thorn Prikker. Während er in seinem Frühwerk mit expressionistischen und neoimpressionistischen Techniken experimentierte, nähert er sich schließlich künstlerisch dem späten Jugendstil an. So fand er zu seinem ganz eigenen Stil, der sich von den anfänglich intensiv genutzten figurativen Elementen zu einer streng geometrischen Formsprache hin entwickelte. Im Zentrum seiner Kunst stehen der Mensch und eine tiefe Religiosität. 1926 ließ sich Thorn Prikker, nach sechs Jahren Lehre für Glasmalerei an der Königlichen Kunstgewerbeschule in München und an der Kunstakademie Düsseldorf, in Köln als Professor nieder. In dieser Zeit fertigte er die vorliegende Arbeit an.
Provenienz: Sammlung Derix, Kevelaer
Cherubinischer Wandersmann
16 Zeichnungen. Kreide in Schwarz, teils mit Kreide in Weiß oder über Farbstift in Blau, auf Velin bzw. unterschiedlichen Papieren. 1924.
Bis 37,8 x 25 cm (Blattgröße).
10 Bl. mit Bleistift signiert "Hans Haffenrichter" und in der Darstellung mit Kreide in Schwarz monogrammiert "h", 3 Bl. monogrammiert und 1 Bl. signiert, teils betitelt oder mit Angaben zum Buch bezeichnet, unten rechts teils unterschiedlich numeriert.
Allesamt graphische Interpretationen zum Buch "Cherubinischer Wandersmann" von Angelus Silesius (d.i. Johannes Scheffler), erschienen im Falken-Verlag Dresden/Leipzig 1924, mit einem Nachwort vom Verleger Dr. Walter Ehrenstein. Drei Zeichnungen weichen von den Darstellungen im Buch etwas ab und scheinen Versionen der später verwendeten Vorlagen zu sein: Abgeschiedenheit, Erlösung und Passion. Die restlichen Zeichnungen sind jeweils identisch mit den Abbildungen im Buch. Da auch einige Kapitel im Buch ohne Illustration sind, gab es offensichtlich über die 16 Zeichnungen hinaus auch noch weitere Interpretationsentwürfe. Das Gedichtwerk von 1657 mit dem Untertitel „Geistreiche Sinn- und Schlussreime“ besteht aus christlich-pathosreichen Hymnen in neunundvierzig kurzen Gedichten, die als Liebeslieder zu Gott formuliert sind und den mystischen Weg zu ihm beschreiben. Die graphische Interpretation von Haffenrichter, werden vom Verleger im Nachwort mit den folgenden Worten kommentiert: In der Ausgabe mit Bildern "hat Hans Haffenrichter (von der expressionistischen Gruppe „Der Sturm“) den Versuch unternommen, die Gedanken des „Cherubinischen Wandersmann“ in graphischer Darstellung dem Auge sichtbar werden zu lassen. Daß für diese Aufgabe nur ein Expressionist berufen sein konnte, bedarf keiner Rechtfertigung. Die Bildbeigaben, welche den Ausdruck auch von solchen Lebensbewegungen der Seele noch anstreben, für welche die Sprache nicht mehr ausreicht, beweisen, daß es einem kongenialen Künstler möglich war, auch die Gedankenwelt eines Mystikers im Bilde darzustellen.“
Hans Haffenrichter studierte Anfang der 1920er Jahre am Bauhaus in Weimar bei Oskar Schlemmer und Lothar Schreyer, war Mitglied im Deutschen Werkbund und wurde von Herwarth Walden 1923 im Sturm ausgestellt. Die hier vorliegenden bildgewaltigen, kontrastreichen Schwarz-Weiß-Zeichnungen stehen ganz in der Tradition der avantgardistischen Strömungen der 1920er Jahre, mal lieblich, mal bedrohlich, die Figuren stilisiert, mit kubistischer Aufsplitterung oder geometrisierenden Formen und durch die reiche Tonwertskala mit äußerst malerischer Wirkung. Rarissimum. Beigegeben: Das dazugehörige Buch: Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1. Auflage, Falken-Verlag, Dresden/Leipzig 1924.
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland
Abstrakte Komposition
Aquarell auf bräunlichem Velin. 1919.
64 x 47,5 cm.
Unten links mit Bleistift signiert "Eugen Hoffmann" und datiert.
Expressive, abstrakte Komposition in intensiver Farbigkeit. Ab 1906 absolvierte Hoffmann eine Ausbildung zum Musterzeichner für Tapeten in Dresden, nebenbei nahm er Abendkurse an der Kunstgewerbeschule. Nach seiner Kriegsgefangenschaft in der Ukraine studierte er ab 1918 an der Dresdner Akademie und wurde 1920 Mitglied der Dresdner Sezession. 1924 nahm der kommunistische Künstler an der Ersten Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung in Moskau teil. Während der Zeit des Nationalsozialismus erhielt er Arbeitsverbot, seine Kunst galt als "entartet". Seit 1947 lehrte er Bildhauerei an der Akademie in Dresden.
Provenienz: Irene Lehr, Berlin, Auktion 45, 29.10.2016, Lot 254
Privatbesitz Berlin
Stadt
Wohl Monotypie, aquarelliert, auf dünnem bräunlichen Velin. 1922.
Ca. 8,8 x 17 cm (11,4 x 19,4 cm).
Signiert "Ludwig Hirschfeld".
Zart aquarellierter Druck des wunderbar abstrahierten Motivs. Entstanden während Hirschfeld-Macks früher Zeit am Bauhaus in Weimar, zeigt das Blatt sich in der kristallinen Formensprache inspiriert von Lyonel Feininger. Prachtvoller, klarer Druck mit kleinem Rand.
Provenienz: Alma Siedhoff-Buscher, Frankfurt/Main
Joost Siedhoff, Potsdam
Privatbesitz Berlin
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