Über Theaterzensur
Fulda, Ludwig, vielseitiger Schriftsteller, erfolgreicher Dramatiker und ausgezeichneter Übersetzer, Vorsitzender des Senats der Sektion für Dichtkunst in der Preuß. Akademie der Künste, 1939 von den Nazis in den Selbstmord getrieben (1862-1939). Eigh. Brief m. U. "Ludwig Fulda". 1 S. Gr. 4to. Berlin-Dahlem 25.V.1927.
Als Mitglied des "Goethe-Bundes Berlin" an den Kunsthistoriker und Journalisten Dr. Ludwig Goldstein in Königsberg, den langjährigen Vorsitzenden des Bundes, der wohl gegen das Verbot eines Theaterstückes protestieren wollte. "... Eine Protestaktion in Form einer Versammlung ... könnte hier in Berlin jetzt am äußersten Ende der Saison auf keinen Widerhall mehr rechnen, um so weniger, als der Hauptgegenstand, das Jugendschutzgesetz, durch die leider erfolgte Annahme im Reichstag antiquiert worden ist. Zeitungskundgebungen aber - das hat sich auch in diesem Fall wieder gezeigt - sind so wirkungslos, daß sie, je öfter wiederholt, je sicherer dem Fluch der Lächerlichkeit anheimfallen. Hat doch selbst der Protest der literarischen Sektion der Akademie der Künste, also einer staatlich eingesetzten Instanz, weder beim Schmutz- und Schund- noch beim Jugendschutz-Gesetz auf den Reichstag den geringsten Eindruck gemacht! ...". - Links unten ein größerer Eck-Abschnitt.
Goethe, Johann Wolfgang von
Brief an den Weimarer Stadtrat. 1782
Los 2615
Schätzung
5.200€ (US$ 5,977)
Goethe, Johann Wolfgang von, Dichter und Staatsmann (1749-1832). Brief m. U. "Goethe". 1 S. Doppelblatt mit Adresse und papiergedecktem Siegel. Folio. Weimar 4.VI.1782.
Als Vorsitzender der "Fürstlich Sächsischen Kriegs-Commission" an den Weimarer Stadtrat, wegen eines preußischen Deserteurs, der in seine Heimatstadt Weimar zurückgekehrt war. "Da der von hier bürtige aus Königl. Preuß. Kriegs-Diensten desertirte, Johann Adam Höhne, vor Fürstl. Kriegs-Commission hieselbst sich gebührend sistiret, um Ueberlaßung seines Vermögens geziemend gebeten und dabey versichert hat, daß er sich in hiesigen fürstlichen Landen niederlaßen und als ein treuer Unterthan hinkünftig beweisen wolle: So ist von Seiten Fürstl. Kriegs-Commission, an sein Vermögen keinen Anspruch zu machen, resolviret worden und bleibet solches dem Stadt-Rathe, allhier ... zu weiterer Besorgung, andurch ohnverhalten ...". - Mit Präsentationsvermerk vom 5. Juni 1782. - Stärker gebräunt und mit kleinen Schäden am linken Rand, außerhalb der Schrift. - Im Januar 1779 hatte Goethe u. a. die Leitung der Kriegs-Kommission übernommen. Am Vortag des vorliegenden Briefes hatte Goethe das ihm von Kaiser Joseph II. ausgestellte Adelsdiplom erhalten. - So früh sehr selten.
Froriep, Ludwig Friedrich von
Brief aus Weimar an einen Juristen wegen dessen Honorar. 1823.
Los 2616
Schätzung
300€ (US$ 345)
Goethekreis. - Froriep, Ludwig Friedrich von, Mediziner, Schwiegersohn Bertuchs in Weimar, vorher Professor in Tübingen und Leibarzt König Friedrichs I. von Württemberg, dann Sachsen-Weimarischer Obermedizinalrat und Mitglied des Landtags, pflegte regen Austausch mit Goethe (1779-1847). Eigh. Brief m. U. "LF Froriep Dr." 11/2 S. 4to. Weimar 1.II.1823.
Als Leiter des Bertuchschen "Industrie-Comptoirs" an einen Juristen wegen dessen Honorar für eine Veröffentlichung. "... Da Ew. Wohlgeb. Sich nicht über das Honorar bestimmt erklärt haben, ich aber mir nicht herausnehmen mögte hier etwas zu bestimmen, so habe ich wegen anderer juristischer Verlagswerke des Comptoirs Nachfrage gehalten. Das bedeutendste oder vielmehr einzige Werk der Art ist Schrader ... Was da für Honorare gezahlt worden, ersehen Ew. Wohlgeb. aus der Antwort des Faktors die ich beilege. Das Comptoir ist bey Ss. Werk freylich nicht auf die Kosten gekommen, inzwischen da jenes Werk lediglich für Gelehrte unter den Juristen bestimmt ist, Ihre Erläuterungen aber den praktischen Juristen interessieren, so wäre kein Hinderniß, daß das Comptoir Ihnen nicht dasselbe zahlte ...".
Günther, Martin, Kirchenlieddichter (1690-1736). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "Martinus Güntherus". In latein. Sprache. 6 S. Mit Gedichten anderer
Autor[inn]en zusammengeheftet. Zus. 11 S. Kl. 4to. Heftstreifen-Broschur ohne Umschlag. (Langhelmsdorf, Herzogtum Schweidnitz-Jauer, Schlesien) 8.III.1709.
Schlußteil einer 11seitigen handschriftlichen Geburtstags-Festschrift für den Gutsherrn Gotthard Friedrich von Reibnitz (1668-1714), "Erbherrn auf Langenhelmsdorf [auch: Langhelmsdorf], Ober- und Mittel-Leipe ... bey hohem Wohlseyn d. 8 Martii 1709." Dargebracht von Reibnitz' Töchtern Dorothea Eleonora und Katharina Elisabeth, die ihre Gedichte ebenso unterzeichnet haben wie Martin Günther. Dieser war vermutlich der örtliche Pfarrer. - Ob er mit dem Kirchenlieddichter identisch ist, wie wir vermuten, ist nicht ganz sicher. - Vom Buchbinder leider eng beschnitten, so dass auf 4 Seiten leichter Textverlust entstand.
Gutzkow, Karl
Tantième-Quittung für das Wiener Burgtheater. 1861
Los 2618
Schätzung
200€ (US$ 230)
Gutzkow, Karl, bedeutender liberaler Schriftsteller, Dramatiker, Kritiker und Publizist, dem Jungen Deutschland nahestehend, Förderer Georg Büchners (1811-1878). Eigh. Quittung m. U. "Dr. Gutzkow". 1 S. Quer-4to. Dresden 9.VII.1861.
"Quittung über sechsundsechzig Gulden neun Kreuzer ÖW, welche der Unterschriebene als Tantieme für sein auf dem k k. Hofburgtheater in Wien in dem Zeitraum vom 1. April bis Ende Juni 1861 aufgeführtes Stück Urbild des Tartüffe empfangen zu haben bescheinigt ...". - Geschrieben auf der unten abgeschnittenen oberen Hälfte eines Großquart-Bogens. Als erledigt durchgestrichen, ebenso wie 2 aufgeklebte Gebührenmarken. - Gutzkows fünfaktiges Lustspiel "Das Urbild des Tartüffe" wurde am Wiener Burgheater von 1849 bis 1875, also zu seinen Lebzeiten, 52 mal gespielt.
Hamsun, Knut, norweg. Schriftsteller, Nobelpreisträger, unbeirrbarer Deutschland-Verehrer (1859-1952). 2 eigh. Briefe m. U. "Knut Hamsun". In norweg. Sprache. Zus. 2 S. Gr. 8vo und 8vo. Lillesand 25.III.1921 bzw. o. O. u. J.
Der erste Brief, an einen Herrn O. Liesingdahlsen, über finanzielle Angelegenheiten. Der zweite Brief, an einen Herrn Behrens, den er nicht recht verstehe. Erklärt, dass er wegen der Vorbereitung eines "verfluchten Vortrags", der ihm über den Kopf wachse, noch nicht dazu gekommen sei, einen Brief Henrik Ibsens zu lesen oder den dänischen Schriftsteller Brandes zu hören. "... Außerdem habe ich keine einzige gedruckte Quelle als Arbeitsgrundlage - nur das Gedächtnis. Eine reine Pferdearbeit ..." (Übers.). Außerdem sei das Wetter so trostlos.
Hesse, Hermann
14 Briefe u. 1 signiertes Porträt.1928-1934
Los 2620
Schätzung
7.500€ (US$ 8,621)
"das Malen meiner kleinen Bildchen"
Hesse, Hermann, Dichter, Schriftsteller und Zeichner, Nobelpreisträger (1877-1962). Sammlung von 14 Briefen und 1 Porträtfoto-Postkarte, davon 13 Briefe maschinenschriftlich, 1 Brief und die Porträtkarte eigenhändig. Zus. ca. 20 S. Mit 1 Orig.-Federzeichnung und 1 Orig.-Aquarell. Verschied. Formate. Lose Bl. in einer hellbraunen Leder-Mappe d. Z. mit Aufdruck "Hermann Hesse. Briefe". (Montagnola und o. O.) 1928-1934.
Großenteils sehr umfangreiche und gehaltvolle Briefe an Frau M. M. Redlhammer in Gablonz (Neisse). Auf einer signierten Porträtfoto-Postkarte (wohl Zürich 1928) erwähnt der Dichter - erstmals in dieser Briefreihe - seine wachsenden Augenprobleme. "... Meine Freundin [Ninon Dolbin] verreist dieser Tage für 3 Wochen, in dieser Zeit bin ich ohne Vorlese -Hilfe. Bisher nur ein Tag ohne Schmerzen. Vermutlich gehe ich Anfang Mai nach Montagnola ...". In den folgenden Briefen beruhigt er sie bezüglich seines Augenleidens. "... Auf das, was Sie über meine Augen und mein Kranksein sagen, ist schwer zu antworten. Ich erhalte fast täglich Briefe, die ähnlich klingen, auch von Solchen, die den Zustand meiner Augen und meines ganzen Lebens seit vielen Jahren kennen: sie tun alle so, als müsse das morgen oder übermorgen plötzlich aufhören ..." (dieser Brief fragmentarisch, aber mit Aquarell "Landschaft im Tessin"). "... Ich bin noch etwa 10 Tage in Zürich. Meine Freundin (welche übrigens sich seit einem Jahr sehr um meine Verpflegung bemüht und mir allerlei Sahne etc einflösst) ist für einige Zeit in Berlin, dort wird Ihre Sendung Sie überrascht haben. - Vom 'Piktor' existieren zur Zeit drei fertig geschriebene Exemplare. Ich sende Ihnen eines dieser Tage zu. Das Märchen eignet sich besonders dazu, laut gesprochen zu werden. - Aber wegen meiner Augen brauchen Sie nicht zu fürchten, dass das Malen und Schreiben sie verderbe. Im Gegenteil: grade jetzt, wo ich beinahe gar nichts lesen kann, ist das Malen meiner kleinen Bildchen und das bischen [!] Schreiben die Beschäftigung, die mich über Wasser hält. Noch schöner natürlich wäre eine andere Beschäftigung: die mit einer neuen Dichtung. Aber dazu braucht es Geduld. Vorerst ist Goldmund gestorben, und seither, seit mehr als einem jahr, bin ich zwar nicht ohne Arbeit (das könnte ich nie vertragen) aber doch ohne eine grosse, sinnvolle, wichtige Arbeit. Und in diesen Zeiten ist das Herstellen der kleinen Bildhandschriften mir eine liebe und nicht anstrengende Beschäftigung ...".
1929 bedankt er sich für Bezahlung seiner Bilderhandschriften. "... Hoffentlich haben Sie ein wenig Freunde an den Gedicht-Handschriften. Den 'Verführer' habe ich extra geschrieben, und zwar in Antiqua-Schrift, da diese Ihnen geläufiger sein wird und da dieses Gedicht ja eigens auf Ihren Wunsch geschrieben wurde. Die andern Gedichte sind in Fraktur geschrieben, da dies die mir geläufige Schrift ist. - Im Frühling wurde ich mit einer ziemlich umfangreichen neuen Dichtung fertig, dem 'Goldmund', ich habe mehr als zwei Jahre an ihm gearbeitet, er erscheint im nächsten Jahr als Buch ...". Im September 1929 berichtet Hesse vom Besuch seines Sohnes Bruno in Montagnola, von dessen Ausbildung als Maler, Zeichner und Radierer und von ihren gemeinsamen Ausflügen zum "Skizzieren". In einem weiteren Brief (aus dem Schweizer Baden) geht er auf den ihn etwas enttäuschenden Sammelband "Letzte Reife" ein, der von Hesse die Erzählung "Traumfährte" enthält: "... ich gab doch einem Beitrag dazu, einmal um inmitten der Schweizer Kollegen mich nicht abzusondern, und dann weil eben diese Erzählung ... mir besonders lieb ist ... Ich halte diese kleine Erzählung, mit Ausnahme der Morgenlandfahrt, für das beste was ich in den letzten Jahren geschrieben habe ...". Am 19. November 1929 schreibt er aus Zürich: "... Soeben habe ich eine kleine Reise hinter mir, ich komme aus Schwaben zurück, wo ich drei Vorlesungen hielt: eine in Tübingen und zwei in Stuttgart ... Ich sah meine beiden Schwestern und einen meiner Brüder, und deren Kinder, sah einige Schulkameraden aus Calw, Maulbronn und Tübingen, sowie einige Landschaften, die mir einst lieb und vertraut waren, dazu gehören auch Ulm und Blaubeuren, die ich auf der Rückfahrt besuchte ...".
Im Dezember 1929 beschäftigt sich Hesse mit Hugo Ball und dessen Witwe Emmy. "... Sie haben den Steppenwolf gelesen, und die Mehrzahl meiner Gedichte und die Nürnberger Reise und anderes - Sie wissen also wohl, dass mein Leben weder schön noch froh, sondern ein dauerndes Leiden ist. Es hat keinen Sinn, das weglügen zu wollen. Ich finde in unserer Welt und Zeit keine Luft zum Atmen - so wie Hugo Ball materiell verhungert ist, so verhungere ich seelisch ... Seine Witwe, mein liebes Sorgenkind, lebt seither meistens in meiner Tessiner Gegend. Sie führt ihr weltfernes Leben, es ist dasselbe wie sie es einst mit Hugo zusammen führte, es besteht aus viel Einsamkeit, viel Traum, viel geistiger Arbeit, und beständiger, bitterer Armut." Beschreibt dann Emmy Balls kümmerliches Leben mit ihrer Tochter, gemeinsam in einem einzigen, "winzigen Zimmerchen". - Zum Goethe-Jahr 1932 schreibt Hesse: "... Dem Goethe-Theater sehe ich belustigt zu. Das deutsche Volk, im Geistigen und Kulturellen nie sehr glücklich, hat sich vorgenommen, den von ihm theoretisch verehrten, in Wirklichkeit abgelehnten Goethe einer ungeheuren Belastungsprobe auszusetzen. Wenn Goethe dies Jahr 1932 aushält, dann ist er wirklich unsterblich." Auch im August 1933 berichtet er von Emmy Ball und deren Tochter. In einem weiteren Brief erbittet er finanzielle Hilfe für Emmy Ball und berichtet dazu, dass er "jetzt sein Brot wieder reichlich verdiene", umziehen werde und künftig nur noch den Sommer in der äußerst unwirtlichen, kalten Wohnung in Montagnola verbringen wolle. - Wohl 1933 oder 1934 äußert sich Hesse zu Hitlers Machtergreifung in Deutschland. "... Im Vordergrund für mich stehen natürlich die deutschen Ereignisse. Der Ausbruch des weißen Terrors bedroht natürlich mich und meinen Verleger auch, im Augenblick aber steht zuvörderst die Sorge um nahe Freunde, Kollegen etc. ... Deutschland war dem Geist ja nie so freundlich, wie es gern in seiner Grossprecherei tat, aber so systematisch geist- und kulturfeindlich ist es doch noch nie zugegangen. Wir haben wieder Krieg, und wieder geht er gegen uns, gegen die Friedlichen, die Denkenden und Frommen. Es muß ertragen werden ...". Um dieselbe Zeit beklagt er den politisch bedingten Rückgang seiner Einkünfte und wirbt für Subskription seiner illustrierten Gedicht-Abschriften: "Diese ... kosten: von Hand geschrieben 200 bis 250 Franken, mit Maschine geschrieben 150 Franken." Der letzte Brief ist handgeschrieben und an den nun verwitweten Fritz Redlhammer gerichtet: "... Ohne Frau Redlhammer je gesehen zu haben, habe ich aus ihren Briefen ein höchst lebendiges Bild von ihr, u. habe für ihre impulsive, originelle u. dabei so sehr gütige Art eine aufrichtige Verehrung. So wird auch von mir die liebe u. verehrte Dahingegangene nicht vergessen werden ...".
Einige, wenn auch insgesamt unbedeutende Mängel: Bei einem Brief fehlt der Schluß; bei zwei Briefen fehlt die Unterschrift, obwohl es sich zweifellos um die Originale handelt; gelegentlich kleine Randdefekte. - Beiliegend ca. 25 Zeitungsartikel von und über Hermann Hesse, großenteils wohl in Erstdrucken. - Die bedeutende Briefsammlung, in welcher der Dichter sein Dasein, Denken und Schaffen in ungewöhnlicher Offenheit darlegt, bietet wertvolle Einblicke in Hermann Hesses Existenz in einer krisenhaften Epoche Europas.
Hesse, Hermann
Gruß mit Unterschrift auf einer illustrierten Postkarte von Gunter Böhmer. 1933
Los 2621
Schätzung
300€ (US$ 345)
Hesse, Hermann, Schriftsteller, Nobelpreisträger (1877-1962). Gruß und Unterschrift auf einer mit Federzeichnung versehenen Postkarte des mit Hesse befreundeten Graphikers und Illustrators Gunter Böhmer. 11/2 S. Montagnola 15.X.1933.
"Grüsse von Hermann Hesse" steht am unteren Rand, während Gunter Böhmer an Carl Schnauffer im Hotel "Adler" in Calw schreibt: "... Als ich neulich mit Herrn Hesse und Frau Pfarrer Gundert von Calw sprach, wurde zu meiner Freude auch der 'Adler' erwähnt, in dem ich im letzten April für ein paar Tage wohnte. Ich war damals auf der Reise nach Montagnola und verbrachte manche Stunde zeichnend an meinen schönen Fenstern nach der Bischofsstraße oder streifte mit meinem Zeichenbuch im Städtlein umher. Daran lag es, daß ich in der Gaststube nie zu blicken war ... Und wie gern hätte ich einen Calwer von Hermann Hesse sprechen hören! Doch werden wir das schon einmal nachholen können ...". - Auf der Adressenseite der Karte hat Böhmer mit überaus feinem Federstrich einen vor einem See stehenden Reiter gezeichnet, umgeben von sehr hohen, schlanken, entlaubten Bäumen, im Hintergrund eine Berglandschaft, am Himmel Zugvögel. Darunter in ebenso feiner Schrift: "Als Gruß von Gunter Böhmer". - Auf der Textseite der Karte wird das obere Drittel vom Abdruck einer 1931 entstandenen Federzeichnung von Hermann Hesse eingenommen, die wohl sein Haus in Montagnola zeigt. Auf diese Weise der ungewöhnliche Fall, dass eine Postkarte von Hermann Hesse und Gunter Böhmer illustriert ist, auch wenn Hesses Zeichnung nur ein Druck ist. - Gelocht.
Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich
Signiertes Manuskript der zweiten Strophe des Deutschlandliedes. 1844
Los 2622
Schätzung
4.000€ (US$ 4,598)
Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich, politischer Lyriker, Dichter beliebter Kinderlieder und des Deutschlandliedes, Germanist und Bibliothekar (1798-1874). Eigh. Gedichtmanuskript mit Unterschrift "Hoffmann von Fallersleben". 1 S. Mit blaugrünem Rändchen. Kl. 4to. Köthen, "am Johannistage 1844".
Die zweite Strophe des 1841 auf Helgoland entstandenen "Deutschlandliedes", geschrieben und signiert von seinem Dichter: "Deutsche Frauen, deutsche Treue, / Deutscher Wein u. deutscher Sang / Sollen in der Welt behalten / Ihren alten schönen Klang, / Uns zu edler That begeistern / Unser ganzes Leben lang - / Deutsche Frauen, deutsche Treue, / Deutscher Wein und deutscher Sang." - Von großer Seltenheit.
Jean Paul (Friedrich Richter)
Brief an den Rendanten Richter in Sparneck. 1806
Los 2623
Schätzung
1.500€ (US$ 1,724)
Jean Paul (d. i. J. P. Friedrich Richter), Schriftsteller (1763-1825). Eigh. Brief m. U. "J P Richter" sowie mit Adresse und Siegelresten. 2/3 S. 4to. O. O. 5.VIII.1806.
"Eiligst" an seinen Bruder Gottlieb Richter, Rendant in Sparneck. "... Ich habe überhaupt jetzt wenig Zeit zum Epistoliren. - An die Kammer, nicht an das Departement wende Dich mit Deiner Bitte. - Mit Fischer will ich sonst reden - An Samuel schicke ich einen Doppellouisd'or (ungefähr 13 Gulden); aber keinen Wink gib ihm vom Geber ...". - Mit "Samuel" ist wohl der jüdische Kaufmann Emanuel Samuel gemeint, der als Berater und Briefpartner Jean Pauls zu dessen engerem Freundeskreis gehörte. - Mehrere kleine Löcher im Papier aufgrund ehemaliger Feuchtigkeit; leicht fleckig.
Kraus, Karl
Gedicht-Manuskript an seine Geliebte. 1918
Los 2624
Schätzung
5.000€ (US$ 5,747)
"der Unvergeßlichen"
Kraus, Karl, österr. kritischer Publizist und Schriftsteller, Herausgeber der "Fackel" (1874-1936). Eigh. Gedicht-Manuskript. 45 Zeilen auf 2 Seiten. Doppelblatt. 4to. O. O. 31.VII.1918.
"Verwandlung". Dreistrophiges Gedicht, für Sidonie Nádherný in der Zeit der Krise ihrer engen Beziehung geschrieben: "Du bist mir nur von weitem noch. Und kaum / an meinem Horizont ein Rand mehr, nur ein Saum / purpurnen Abschieds. Nur noch eine Spur. / Schien mir die Sonne? Nein, sie schien mir nur! / Du bist es nicht! Den Brand noch im Gesicht, / ruf ich dir nach: Bist du nicht, warst du nicht! ...". - Die gut lesbare zierliche Reinschrift weist außer einer sorgfältig überschriebenen Rasurstelle am Ende der ersten Strophe keine Korrekturen auf. Vermutlich war das Manuskript für die Geliebte selbst bestimmt, die sich ihm entfremdet hatte und sich im September 1918 von ihm löste. Laut Anmerkung in der Brief-Ausgabe von Borutin und Pfäfflin überreichte Kraus ihr das Gedicht am 1. September in Pottenstein. - Beiliegend der Korrektur-Abzug des Gedichts mit der eigenhändigen Widmung "Der Unvergeßlichen. Karl Kraus". Der Dichter nahm die intimen Verse nicht in die "Fackel", aber im Dezember 1918 in den vierten Band der "Worte in Versen" auf. - Das Gedicht-Manuskript am rechten Rand mit einer Klebefilm-Spur, jedoch weit außerhalb der Schrift.
Lang, Siegfried, bedeutender Schweizer Lyriker des 20. Jahrhunderts (1887-1970). Eigh. Brief und eigh. Karte m. U. "Siegfried Lang". Zus. 4 S. Folio und quer-8vo. Basel 10.XII.1946 - 8.V.1948.
An den Wiener Schriftsteller Alexander Lernet-Holenia (1897-1976), mit dem er sich in St. Wolfgang am 8. Mai 1948 verabredet hatte: "Zugleich mit ihrer Anfrage vom 4. erhielt ich aus Zürich die Einladung, im Laufe der kommenden Woche dort einen Besuch zu machen, doch konnte man mir den dafür passenden Tag noch nicht nennen. So muss ich Sie nur fragen: Hätten Sie in Basel noch andere Personen, ausser mir, sehen wollen, und wären auf jeden Fall nach Basel gefahren? Dann würde ich es einrichten am Mittwoch in Basel zu sein. Sonst aber könnte unser Zusammentreffen nun auch in Zürich stattfinden...". - Beiliegend ein eigh. Brief m. U. von Frank Thieß (1890-1977), ebenfalls an Lernet-Holenia. 4 S. auf 1 Doppelblatt. 4to. Bad Aussee 27.IX.1948.
Lasker-Schüler, Else, Dichterin, Kleistpreisträgerin (1869-1945). Eigh. Brief m. U. "Else Lasker-Schüler". 1 S. Doppelbl. 8vo. (Berlin, wohl 1906).
An einen Studenten, der sie zu einer Lesung in einer literarischen Vereinigung eingeladen hatte. "... Ich kam erst gestern von Dresden retour wo ich in der liter. Gesellschaft einen Vortrag hielt - ich hätte Ihnen sonst schon herzlich für Ihre Liebenswürdigkeit gedankt. Mir wird es sehr schwer meinen Jungen überhaupt ein Jahr fortzugeben - aber die Unruhe hier schadet ihm. Ich habe auch eine feine Sache im Spreewald entdeckt.
Kann es so sein - daß ich vor dem oder bis zum 12. Dezember lese - ich möchte am 14, 15 verreisen - Weihnachten über. Und was halten Sie davon wenn ich das Peter Hille Buch vorlese? Sind im Verein nur Studenten oder ist es ein Arbeiterverein von Studenten geleitet wie es ja jetzt so ähnliche giebt. Nicht? ...". - Else Lasker-Schülers Dresdener Vortrag war ein Mißerfolg. An Richard Dehmel schrieb sie: "Ich les nie mehr nach Dresden. Von 500 Jungfrauen und Jungens, 10 Literaten, 3 Larven habe ich mich auslachen lassen, seitdem bin ich Aujust". - "Meinen Jungen": ihr Sohn Paul (1899-1927). - Ihr Peter-Hille-Buch war 1906 im Verlag Axel Juncker erschienen. - So früh selten.
Mann, Thomas
Brief an den Schriftsteller Hans Hermann Wilhelm
Los 2627
Schätzung
1.800€ (US$ 2,069)
Mann, Thomas, Schriftsteller, Nobelpreisträger (1875-1955). Eigh. Brief m. U. "Thomas Mann". 21/2 S. Doppelblatt mit gedrucktem Briefkopf. 4to. München 27.IX.1919.
An den Schriftsteller Hans Hermann Wilhelm (1892-1975), der ihm sein Erstlingswerk, den Roman "Freiheit", zur Begutachtung übersandt hatte. "... Mit vollem Recht erwarteten Sie, dass ich das reine und große Wollen, das daraus spricht, zu ehren wissen würde. Ich darf aber mehr thun, nämlich Sie mit kollegialem Respekt zu manchem glänzenden Gelingen beglückwünschen. Der Roman nimmt Anläufe zur Zeit- und Kulturkritik großen Stils, und wenn es Anläufe geblieben sind, so weiß ich natürlich nicht zu sagen, wie weit es der Blaustift des Verlags-Redakteurs war, der sie abschnitt. Dabei kann man nicht einmal behaupten, daß dieser, wenn es denn schon aufs Kürzen ankam, seines Amtes mit Ungeschick gewaltet hat. Das Wesentliche des Buches ist offenbar erhalten, und es ist stark genug, um zu wirken, - in seiner fruchtbaren Mischung aus Entwicklungsroman und anklagender Zeitschilderei. Ein Erstlingswerk also? Dann ist es sehr vielversprechend, nicht nur in dem Ehrgeiz seines Wollens, und viele werden ... Ihren weiteren Gaben erwartungsvoll entgegensehen ...". - Etwas geknittert; geringfügige Faltenrisse.
Mann, Thomas
Signiertes Billet an Ernst Ludwig Schellenberg
Los 2628
Schätzung
120€ (US$ 138)
Mann, Thomas, Schriftsteller, Nobelpreisträger (1875-1955). Eigh. Billet m. U. "Thomas Mann". Auf einem eng beschnittenen Papierstreifen. 18 x 9,8 cm. O. O. (vor 1933).
"Herrn Ernst Ludwig Schellenberg mit verbindlichstem Gruß Thomas Mann". - In welchem Zusammenhang der Weimarer Lyriker und Erzähler Ernst Ludwig Schellenberg (1883-1964) mit Thomas Mann in Verbindung stand, ist unklar.
Meckel, Christoph, Schriftsteller und Graphiker, bedeutender Lyriker und Träger zahlreicher Literaturpreise (1935-2020). Sammlung von 4 eigh. Briefen und 1 eigh. Postkarte m. U. "Christoph Meckel". Zus. ca. 41/2 S. Verschied. Formate. Mit den Briefumschlägen. 1960-1965. - Dazu 3 aquarellierte Orig.-Federzeichnungen (16 x 22 bzw. 16 x 25,8 cm).
Meist aus dem "lauten, nassen, grauen Berlin" an eine befreundete Familie in Baden, der er Grüße, kurze Mitteilungen und Aufträge sendet. Ein Brief vom 29.VII.1964 stammt von einer Afrika-Reise: "... ob der Brief je ankommt, weiß ich nicht, denn Post ist hier eine Glückssache und kann so schnell verschwinden wie eine Maus in ihrem Loch. Die Hitze ist groß, es ist stickig, feucht und niemals frisch. Man trinkt Dünnbier und Palmwein und isst irrsinnig gepfefferte Reisgerichte. Wenn es regnet, dann prasselt es ganz enorm. Hier sind Märkte, so groß wie ganz Lörrach, die Urwälder wimmeln von Moskitos. Die Schnecken sind so groß wie kleine Katzen, die Schmetterlinge wie Bücher ...". - Ein Weihnachtsbrief enthält eine Selbst-Karikatur in Federzeichnung. - Die nicht signierten aquarellierten Federzeichnungen zeigen süddeutsche Ortschaften: ein Dorf bei Freiburg, die Kapelle in Bötzingen (datiert 1948) und Oberschaffhausen aus der Vogelschau. Die ganz konventionell gestalteten hübschen Veduten dürften, falls sie Meckel zuzuschreiben sind, aus der Frühzeit des Künstlers stammen.
Miller, Henry
Brief an die Verlegerin Madame Voilier. 1947
Los 2630
Schätzung
600€ (US$ 690)
Miller, Henry, amerikan. Schriftsteller und Maler (1891-1980). Eigh. Brief m. U. "Henry Miller". 4 S. Gr. 4to. Big Sur (California) 24.IX.1947.
Sehr umfangreicher Brief an Madame Voilier (Jeanne Loviton) im Verlag Editions Denoël. Ausführlich über Pläne und Vermarktung seiner Werke, darunter auch der vielfach verbotene Bestseller "Tropic of Cancer". "... Also, from you, the two books - thank you. (Do not forget to think about a French translation of Hesse's 'Siddartha' [!], I beg you.) ... I have been thinking about the silk screen book and the possibilities of doing business with your private librairie in Paris ... It is my firm conviction that this book would sell in France. If you could assure us of the sale of a large enough quantity, we could then arrange ways and means for you to act as our distributor in France and at terms which would be mutually satisfactory ...". Erörtert dann Möglichkeiten und Wege der Vermarktung mit Hilfe seines Agenten Dr. Michael Hoffman und fährt fort: "... In my letter to Hoffman, I spoke of the de luxe illustrated edition of 'Tropique de Cancer' which your firm has been engineering thru les Editions des Deux Rives (?). I suggested that, if you knew a way to pay me in dollars, perhaps it could be arranged that I get my share direct ...". Diskutiert diverse Vertriebs- und Zahlungsmöglichkeiten und fragt schließlich an, ob sie nicht ein Dutzend oder mehr Exemplare seines Buches "Into the hight Life" verkaufen kann, sobald diese in Paris eingetroffen seien. Kündigt ihr einen Stapel Werbeprospekte für das Buch an sowie Fotos der Ausstellung des Museum of Art in San Francisco, wo die ersten experimentellen Seiten des Buches zu sehen sind. Auch André Breton habe in seiner Exposition Surréaliste ein Exemplar ausgestellt, was für die Werbung hilfreich sei. Im übrigen wundere er sich, dass der Schriftsteller Blaise Cendrars so wenig verbreitet ist. Er, Miller, mache weltweit Werbung für Cendrars und fragt, ob sich nicht ein amerikanischer Verleger finden ließe, der für die Übersetzungen sorgt. - Ausgiebige Informationen über die Aktivitäten, mit denen der stets in finanziellen Nöten steckende Henry Miller seine Veröffentlichungen in der wirtschaftlich schwierigen Nachkriegszeit an den Mann bzw. die Frau zu bringen versucht. - Beide Blätter gelocht.
Körner, Christian Gottfried
Brief an einen Offizier in Wien. 1813
Los 2631
Schätzung
300€ (US$ 345)
Schiller-Umkreis. - Christian Gottfried Körner, der Vater Theodor Körners sowie Freund und wichtiger Förderer Friedrich Schillers, Jurist und Schriftsteller (1756-1831). Eigh. Brief m. U. "Körner". 1 S. Doppelblatt mit Adresse. Gr. 4to. Töplitz 18.VI.1813.
An den Leutnant von Herrl in Wien, einen Waffengefährten Theodor Körners, dem er mitteilt dass er wieder ein Briefchen von seinem Sohn erhalten habe, von Mühltorf bei Plauen im Vogtland. "... Er schreibt sehr lustig von beschwerlichen Märschen, die er glücklich überstanden hätte, und versichert sich vollkommen wohl zu befinden. Auch habe ich Nachrichten erhalten, daß kurz nachher das Corps bey Hof eingetroffen ist, daß man ihm dort feindlicher Seits den Waffenstillstand bekannt gemacht, das Corps aber diesen nicht sogleich anerkannt, sondern zuvörderst einen Officier an den König von Preussen um Verhaltungsbefehle einzuholen geschickt hat ...". Das Corps soll inzwischen im sächsischen Gebirge bis zur böhmischen Grenze vorgerückt sein. Er hoffe, bald mehr zu erfahren und bestellt einen herzlichen Gruß, auch von Theodor, "durch diese Nachricht. Theodor bittet darum, da er nicht selbst schreiben konnte ...". - Am 26. August ist Theodor Körner dann in einem Gefecht bei Gadebusch gefallen.
Schulte vom Brühl, Walter
Signiertes und kalligraphisch geschmücktes Gedicht-Manuskript. 1883
Los 2632
Schätzung
180€ (US$ 207)
Schulte vom Brühl, Walter, Schriftsteller, Maler und vielseitiger Journalist, langjähriger Chefredakteur des "Wiesbadener Tagblattes" (1858-1921). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "Schulte vom Brühl" und Datierung "Weimar MDCCCLXXXII". Mit einer großen Zier-Initiale in Rot und Silber, vermutlich vom Autor selbst gezeichnet. Das Blatt ist von zweifarbigen Linien umrandet und auf einen Untersatzkarton gezogen, der wiederum mit Bleistift eine Widmung des Verfassers mit Unterschrift "Schulte v. Brühl" trägt. 16,5 x 24 cm. Weimar 20.VI.1883.
"Hinaus!" 2 Strophen zu je 5 Zeilen: "Hörst du der Möven Schrei die Luft durchgellen? - / Siehst du den Aufruhr in der Meeresfluth? - Das Wasser schäumt, hoch spritzen auf die Wellen, / Der Sturmwind wird Dein Segel besser schwellen, / Hinaus, hinaus mit kühnem Wagemuth! ...". - Unten auf dem Karton mit Bleistift die Widmung: "Herrn Thelemann z. fr. Erinnerung. Weimar d. 20/6 1883 Schulte v. Brühl". - Der Autor lebte von 1878 bis 1884 als Maler in Weimar. - Etwas angestaubt, aber dekoratives, farbiges Blatt.
Simonow, Konstantin
Brief an das DDR-Kulturministerium. 1974
Los 2633
Schätzung
120€ (US$ 138)
Simonow, Konstantin, sowjetischer Schriftsteller, Lyriker und Kriegsberichterstatter (1915-1979). Eigh. Brief m. U. "Konstantin Simonow". In russ. Sprache. 1 S. Folio. Moskau 28.V.1974.
An den DDR-Kulturminister Hoffmann, bei dem er sich für dessen Glückwünsche zur Verleihung des Lenin-Preises an Simonow bedankt. "... Ich habe stets danach gestrebt und werde auch künftig stets danach streben, daß meine Bücher über den vergangenen Krieg der Sache des Friedens, des gegenseitigen Verstehens und der Freundschaft zwischen unseren Völkern dienen. Es erfüllt mich mit Freude und Stolz, daß diese Bücher ihre Leser in der Deutschen Demokratischen Republik gefunden haben ..." (Übers.). - Mit Eingangsstempel des DDR-Kulturministeriums.
Stammbuch
des Johann Conrad Steinberger in Görlitz. 1759-1760.
Los 2634
Schätzung
750€ (US$ 862)
Stammbuch des Johann Conrad Steinberger in Görlitz. Ca 123 Bl., davon 29 S. beschrieben oder illustriert. Mit einschl. des Titelblattes 15 Aquarellen, Gouachen und aquarellierten Federzeichnungen sowie 1 kolor, Kupferstich. Quer-8vo. Blassrot gefärbter Pergamentband (mit Spuren von Mäusefraß) mit reicher ornamentaler Vergoldung und einer goldgepr. Krone auf beiden Deckeln und dem Rücken sowie den Initialen J. C. S. 1759 auf dem Vorderdeckel. Goldschnitt. 1759-1760.
Nur kurzzeitig in Gebrauch gewesenes Stammbuch, dessen Beiträger sich ausschließlich in Görlitz und Zittau einschrieben. Es handelt sich offenbar um lebenslustige Freunde des Inhabers, der wohl auch selbst kein "Kind von Traurigkeit" war, was aus den Themen der Texte und vor allem aus den reizvollen Illustrationen zu schließen ist. 5 ganzseitig bemalte Blätter zeigen fröhliche Gesellschaften: 5 Männer und 2 Frauen sitzen vergnügt beim Wein zusammen; Mann und Frau spielen Billard; 4 Männer sitzen beim Kartenspiel, während ein fünfter auf dem Sofa schläft; 3 Männer sitzen beim Kartenspiel, während darunter im mit Fässern gefüllten Keller zwei weitere Männer Wein verkosten; 4 Männer beim Billardspiel, während unten auf der Straße ein Mann mit 3 Frauen diskutiert. Auf einem weiteren Blatt wird ein Mann rasiert, während ein anderer mit einer Kerze für die nötige Beleuchtung sorgt. Besonders interessant sind auch 3 Gesamtansichten von Städten aus der Vogelschau: eine Ansicht von Görlitz ist entsprechend bezeichnet. Eines der beiden anderen Bläter zeigt die völlig zerstörte Stadt Zittau, nachdem sie 1757 durch österreichische Artillerie in Brand geschossen worden war. Ob die nahe gegenüberstehende, mit roter Tinte sehr fein und sorgfältig ausgeführt Stadtansicht Zittau vor dem großen Brand zeigt, war für uns nicht zu klären. - Der auf beiden Deckeln und auch auf dem Rücken mit einer Königskrone geschmückte Einband läßt an eine Remboitage denken. Gut erhaltenes Stammbuch aus der Zeit des 7jährigen Krieges mit fast ganz friedfertigen, reizvollen Abbildungen.
Stammbuch
eines Jenaer Studenten. Reich illustriert. 1773-1786
Los 2635
Schätzung
6.000€ (US$ 6,897)
Mit Eintrag von Carl Philipp Moritz
Stammbuch eines Jenaer Studenten namens Riemschneider. Ca. 233 Bl., davon ca. 334 S. beschrieben oder illustriert. Mit 20 Gouachen und Aquarellen sowie 4 Federzeichnungen und Grisaillen. Brauner Lederband d. Z. (stärker berieben und bestoßen) mit Resten von vergoldeten Schmuck-Bordüren auf beiden Deckeln. 1773-1786.
Zweiteiliges, außergewöhnlich umfangreiches und prachtvoll illustriertes Stammbuch, das in den Universitätsstädten Jena und Wittenberg reichhaltig gefüllt wurde.
Der erste Teil ist von 1773 bis 1776 fast ausschließlich in Jena geführt, mit einigen Abstechern nach Leipzig. Dann folgen 8 Blatt Gesamt-Register, und es beginnt der zweite Teil mit dem Jahr 1777, der bis zum Jahr 1786 reicht und annähernd vollständig in Wittenberg spielt, 1786 schließlich auch in Nordhausen. Die Beiträger sind größtenteils Kommilitonen, vor allem Jura- und Medizin-Studenten, die wie gewöhnlich ihre Herkunft und oft auch ihr Studienfach angeben. Der heute weitaus prominenteste der damaligen Beiträger ist der vielseitige Schriftsteller und Freund Goethes, Carl Philipp Moritz, Verfasser des "Anton Reiser", der sich 1776 in Erfurt für ein Theologiestudium eingeschrieben hatte, sich am 17. Januar 1778 in Wittenberg in vorliegendes Album einträgt und in demselben Jahr nach Berlin überwechselt, wo er Lehrer am Gymnasium zum Grauen Kloster wird. Moritz schreibt: "Wir wollen die Sorgen des Lebens vertrinken, und nicht durch schwermüthige Gedanken an die Tage der Zukunft uns eine frohe Gegenwart verbittern." Autographen von Carl Philipp Moritz sind von größter Seltenheit. - Ein anderer Beiträger aus dem Goethekreis ist der berühmte Silhouetteur Johann Friedrich Anthing, dessen Sammlung auch ein Goetheporträt enthält (Jena 25. Okt. 1774). - Eine weitere Persönlichkeit aus dem Goethekreis trägt sich am 26. Februar 1774 in Jena ein, der Mineraloge Johann Carl Wilhelm Voigt, der von Goethe zum Bergrat und Leiter der Ilmenauer Bergwerke ernannt wurde. Ein G. P. H. Lenz (Jena 1774) könnte der gleichnamige berüchtigte Alchimist sein.
Den Hauptreiz des Albums bilden 11 ganzseitige, bildmäßig in kräftigen Farben ausgeführte Veduten mit vielfältiger Staffage von Studenten und anderen Bürgern, davon vier mit vielfigurigen Spielen und Feiern der akademischen Jugend auf öffentlichen Plätzen, teils höchst romantisch bei Mondschein. Die Bilder sind vom Künstler meist zierlich bezeichnet oder kommentiert, so dass sie auch topographisch-ortsgeschichtlich von hohem Wert sind. Gezeigt werden Ketschau; Jena (mit Studentenspiel bei Tage); Jena vor der Stadt (mit Studenten, die flotte Sprüche von sich geben); Zwetzen; Borstendorf; Jena (nächtliches Studentenspiel, bezeichnet "Die lustige Schnurren Bataille wegen auslöschung des Feuers bey der Fidelitet"); Jena (Gesamt-Ansicht "von Mitternacht" mit Lobeda und Leuchtenburg im Hintergrund); Landhäuser in der Umgebung von Jena; Dorndorf mit Dornburg; nächtliches Studentenspiel ("Creirung des Burgau-Müllers") und die Rasenmühle bei Jena. Ferner hübsche häusliche Szenen, mehrere Szenen mit Soldaten (ein Reiter rettet [?] eine Frau von ihrem sich aufbäumenden Pferd) und ein Quodlibet mit illustrierten Spielkarten. Ein Medizinstudent Johann Friedrich Christian Eggert zeichnet 1773 in professioneller Qualität ein zweifarbiges Bild mit einem jungen Mann, der erschrickt, als ihm ein geflügelter Amor ein neugeborenes Baby zeigt, dessen Mutter im Hintergund um die Ecke schaut. Dazu der Spruch: "Kein Degen, kein Pedell, kein Wetter, Sturm noch Wind, / Schreckt einen Purschen so, als nur ein Jungfern-Kind." Eine andere Tafel zeigt einen Jura-Studenten in seinem Zimmer beim Studium gewichtiger Werke. - Stärkere Gebrauchsspuren: das hintere Innengelenk geplatzt; es fehlt Bl. 1 und vielleicht einige weitere Blätter (die handschriftl. Paginierung ist lücken- und fehlerhaft), das Schlußblatt lose und defekt, die schönen Veduten teils etwas beschabt (eine mit stärkerem Farbverlust), eine Tafel beschädigt und alt repariert, vor allem im ersten Teil reichliche Fingerspuren. - Trotz dieser Erhaltungsmängel ein kostbares Stammbuch aus der literarischen Epoche des Sturm und Drang, das nicht nur ausnehmend interessante Illustrationen enthält, sondern auch mit dem Eintrag von Carl Philipp Moritz eines der seltensten Autographen der deutschen Klassik.
Stammbuch
des Hamburger Handlungsakademie-Schülers J. A. Bröms aus Orebrö in Schweden.
Los 2636 [*]
Schätzung
600€ (US$ 690)
Stammbuch des Hamburger Handlungsakademie-Schülers J. A. Bröms aus Orebrö aus Schweden. 149 Bl., davon 43 S. beschrieben. Quer-8vo. Lederband d. Z. (beschabt, oberes Kap. bestoßen) mit dezenter Deckel- und Rückenvergoldung sowie Rückenschild "Denkmale der Freundschaft" und Goldschnitt. 1785-1805.
Ein Großteil der Beiträger sind offenbar Schüler der Hamburger Handlungsakademie von J. G. Büsch, der auch in dem Album vertreten ist, ebenso wie sein Mitarbeiter P. H. Chr. Brodhagen. 23 Eintragungen mit Ortsangabe Hamburg, während 10 französische, 4 englische, 3 schwedische und 1 russischer Beiträger in dem Band zu finden sind. Hervorzuheben sind der Bruder von Philipp Otto Runge, Johann Daniel (1786) und der später an St. Nicolai tätige Organist und Komponist Johann Christoph Westphal (1773-1828). Viele Ausländer tragen sich in Le Havre ein, so z. B. ein Louis Breitinger aus Zürich. - Zahlreiche weitere Namen in einer beigefügten ausführlichen Beschreibung des Stammbuchs.
Stammbuch eines jungen Berliners namens Kuntzmann. 191 (statt 209) pag. S., davon 99 S. beschrieben oder illustriert. Mit 5 Aquarellen bzw. Gouachen, 5 kleinen aquarell. Grabstein-Vignetten, 1 Federzeichnung, 1 Bleistiftzeichnung und 1 Porträt-Silhouette. Quer-8vo. Hellbrauner geglätterter Kalblederband d. Z. (Kanten beschabt) mit ornamentalen Bordüren und Vasen in Goldprägung auf dem Rücken und auf beiden Deckeln, Rückenschild "Denkmahl der Freundschaft", Stehkantenvergoldung, Goldschnitt und marmor. Vorsätzen. 1788-1813.
Trotz Plünderung durch Vorbesitzer (es fehlen 9 Bl.) noch sehr schönes Berliner Stammbuch, das neben zahlreichen Verwandten und Freunden des Inhabers eine Anzahl prominenter Beiträger aufweist: den späteren Singakademie-Direktor Carl Friedrich Rungenhagen (1778-1851), den Theologen und Pädagogen Friedrich Gedike, u. a. Gymnasialdirektor und Mitglied der Akademie der Wissenschaften (1754-1803), den Sprachwissenschaftler und romantischen Schriftsteller August Ferdinand Bernhardi (1769-1820), den Altphilologen und Pädagogen Johann Heinrich Christian Barby (1765-1837), den Philologen und Philosophen Karl Wilhelm Friedrich Solger (1780-1819), den Philologen, Pädagogen (Lehrer Tiecks) und romantischen Schriftsteller Friedrich Rambach (1767-1826) sowie die beiden Berliner Künstler-Brüder Catel, nämlich den Architekten und Maler Louis Catel (1776-1819, mit längerem Text) und den Holzbildhauer und Maler Franz Catel (1778-1856), der auch mit einer ganzseitigen, signierten Bleistiftzeichnung (Landschaft) vertreten ist. Zu Beginn eine bildmäßig ausgeführte romantische Landschaft mit einer Ruine im Vordergrund, die an der Wand ein "Monument d'amitié" enthält; mit Tinte signiert: "H. Kuntzmann fecit 1790". Die anderen farbigen Blätter enthalten ein weiteres Denkmal der Freundschaft und Blumensträuße in leuchtenden Farben. Die kunstreiche Silhouette (1792) zeigt die Großmutter des Stammbuch-Inhabers, Christina Sophia Sonnenberg. Die meisten Beiträge in Berlin, einige (z. B. Solger) auch in Halle (Saale). Gedike, Bernhardi, Rambach und Barby tragen sich 1793 in Berlin ein. Zitiert werden Ewald von Kleist, Ramler, Claudius, Herder, Goethe (1799), Schiller (aus "Wallenstein") und Shakespeare.
Stammbuch eines J. G. B. aus Kassel. 157 pag. S., 1 S. Nachtrag, davon 59 S. beschrieben, 1 illustriert; (13) S. Register. Mit einem Blumen-Aquarell. Quer-8vo. Brauner marmor. Lederband d. Z. (Kanten gering berieben) mit goldgepr. Bordüre auf beiden Deckeln, goldgepr. Aufdrucken "J. G. B." und "1793", reicher Rückenvergoldung und grünem Rückenschild "Meinen Freunden u. Gönnern gewidmet" sowie Stehkantenvergoldung, Goldschnitt und marmorierten Vorsätzen. In zeitgenöss. Pappschuber. 1793-1797.
Alle Eintragungen von 1793 in Kassel, ab 1794 alle in Leipzig. Die Beiträger in beiden Städten sind fast nur männliche Freunde. - 1 Blatt fehlt in der Paginierung. - Frisch erhaltenes Stammbuch in gediegenem Einband.
Stammbuch
eines Fräulein Schiele in Schönebeck a. d. Elbe. 1797-1814
Los 2639
Schätzung
120€ (US$ 138)
Stammbuch eines Fräulein F. S. Schiele in Schönebeck bei Magdeburg an der Elbe. Ca. 100 Bl., davon 39 S. beschrieben. Mit 1 Haarlocke sowie einem beiliegenden Blatt mit einer weiteren Haarlocke. Quer-8vo. Brauner marmor. Lederband d. Z. (gering berieben) mit goldgepr. Bordüren auf beiden Deckeln, Rückenvergoldung und grünem Rückenschild mit Aufdruck "Der Freundschaft geweiht", goldgepr. Initialen "F. S. S." auf dem Vorderdeckel sowie Goldschnitt und marmorierten Vorsätzen. 1797-1814.
Die Beiträge von Verwandten (darunter auch etliche des Großvaters Clauswitz), Freundinnen und Freunden in Schönebeck und Magdeburg. Vereinzelte Eintragungen auch in Westerhusen, Schora, Wanzleben und anderen kleinen Orten. Zitiert wird vor allem Schiller. - Einige Blätter wohl irgendwann entnommen.
Stammbuch
der Friederike Nauwerck aus Eisleben. 1799-1842
Los 2640
Schätzung
400€ (US$ 460)
Stammbuch der Friederike Nauwerck aus Eisleben. Ca. 74 Bl., davon 115 S. beschrieben oder illustriert. Mit 11 Aquarellen und Gouachen, 1 Bleistiftzeichnung und 4 Seidenstickereien. Quer-8vo. Türkisfarbener Seidenband d. Z. (Rücken und angrenzende Teile der Deckel fleckig; 1 Ecke bestoßen) mit goldgepr. Bordüren und Eckfleurons auf beiden Deckeln, Rückenschild "Denkmäler mein Freunde" [!] und Goldschnitt. Mit defektem Pappschuber d. Z. 1799-1842.
Reich gefülltes Stammbuch einer jungen Dame, genannt "Fritzchen", das über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren geführt wurde. Die allermeisten Beiträge von Verwandten und Freundinnen in und um Eisleben, darunter auch etliche Adelsfamilien, z. B. v. Wangenheim. Zum Teil häufig besuchte Städte und Orte der näheren und weiteren Umgebung waren Dresden, Leipzig, Querfurt, Hoym und Schloß Allstädt sowie 1802-1803 Magdeburg und Gießen. 1804 wird "Göthe" zitiert. Die eindrucksvollen, z. T. bildmäßig ausgeführten Aquarelle zeigen u. a. eine kleine Ansicht von Dresden (1801), einen Hafen, eine Flußlandschaft mit Ruine und Kirche, Denkmäler der Freundschaft und Blüten-Arrangements (eines mit Raupe und Schmetterling). Reizvoll sind auch die kunstreich gestalteten Stickereien; eine von ihnen (wohl 1799) zeigt bildmäßig eine Flußlandschaft mit Dorf und Bäumen. - Die Inhaberin des Stammbuchs hat in vielen Fällen am unteren Rand vermerkt, wann der Beiträger/die Beiträgerin verstorben ist. - Mäßige Gebrauchsspuren.
Stammbuch einer C. E. Dietrich in Leipzig. 117 Bl., davon 42 S. beschrieben oder illustriert. Mit 11 Aquarellen, Gouachen oder aquarellierten Federzeichnungen und 3 kolor. Kupferstichen. Quer-gr. 8vo. Geglätteter Kalblederband d. Z. mit intarsiertem dunkleren Mittelstück, goldgepr. Bordüren und floralen Eckstücken auf beiden Deckeln, Rückenvergoldung mit goldgepr. Aufdrucken "C.F.V.K." und "1743" sowie Stehkanten-Vergoldung, Goldschnitt und marmorierten Vorsätzen. 1809-1847.
Sehr hübsch illustriertes Stammbuch. Die Beiträge größtenteils von Freundinnen und Freunden sowie Verwandten in Leipzig, später Naumburg, Dresden und Lindenau; ganz überwiegend aus dem Zeitraum 1809-1815. Die reizvollen Aquarelle und kolorierten Kupfer zeigen einen Amor mit Blumen und schnäbelnden Tauben, Denkmäler der Freundschaft, Obst-Stilleben und Blumen sowie Landschaften mit Ruinen bzw. einer Hütte. Von den Beiträgen ein schönes Beispiel (Leipzig 1811): "Ich will mich in Ihr Stammbuch schreiben, / Ich weiß nicht was? / Ich will stets Ihre Freundin bleiben, / Gefählt Sie daß?" - Durchgehend leicht gebräunt oder braunfleckig. - Beiliegend eine genauere Beschreibung mit Aufzählung einer Reihe der enthaltenen Namen.
Stammbuch
der Mathilde von Drewitz aus Worlack (Ostpreußen). 1819-1826
Los 2642
Schätzung
180€ (US$ 207)
Stammbuch der Mathilde von Drewitz vom Rittergut Worlack (bei Preußisch-Eylau, Ostpreußen). 37 Bl., davon 29 S. beschrieben oder illustriert. Mit 2 Aquarellen, 2 Grisaille-Zeichnungen, 1 Seidenstickerei und 2 Haarlocken. Quer-8vo. Grünlicher Pappband d. Z. (Rücken stark beschabt) mit vergold. Deckelbordüren (teils verblichen) und Goldschnitt. 1819-1826.
Die Beiträge von Verwandten (Vater und Brüdern), Freundinnen und Freunden in Worlack, Königsberg, Pillau, Marienwerder und Saraunen; großenteils Adelsfamilien aus den umliegenden Rittergütern, darunter Angehörige der Familien v. König, v. Milewska, v. Langen und v. Gabain. Das Aquarell auf dem ersten Blatt zeigt einen von Pflanzen umgebenen Freundschafts-Altar, vor dem am Boden eine Lyra, eine Flöte und ein Notenheft liegen, wodurch auf eine musikalische Tätigkeit der Mathilde von Drewitz zu schließen ist. - Beiliegend ein nicht zugehöriges Blatt mit dem Aquarell einer Rosenblüte.- Etwas braunfleckig; anfangs leider ein Blatt mit Eintragung Berlin 1940, ansonsten mäßige Gebrauchsspuren.
Stammbuch-Kassette
der Familie Bösing in Grünberg (Schlesien). 1835-1854.
Los 2643
Schätzung
250€ (US$ 287)
Stammbuch-Kassette der Familie Bösing in Grünberg (Schlesien). 47 Bl., davon 52 S. beschrieben oder illustriert. Mit 2 kolor. Kupferstichen, 4 Perlenstickereien und 4 Kalligraphien. Quer-8vo. Lose Bl. mit Goldschnitt in einer Kassette in Form eines Stammbuchs. Halblederband d. Z. mit reicher Druk- und Tinsel-Vergoldung, Rückenvergoldung mit Aufdruck "Zum Andenken", imitiertem Goldschnitt und marmor. Umschlag. In gleichfarbig marmor. Pappschuber. 1835-1854.
Die Eintragungen beginnen 1835 in Züllichau, offenbar von Zöglingen eines Pädagogiums, werden erst 1842 in Grünberg bis 1846 in großer Zahl fortgesetzt und verteilen sich dann von 1847 bis 1854 neben Grünberg auf diverse Ortschaften wie Kramp, Samtmühle, Schmöllen, Teppendorf und andere. Außer den kunstreichen Perlenstickereien sind die 4 phänomenalen Kalligraphien hervorzuheben, die in mikroskopisch kleiner Schrift geometrische und figürliche Bilder formen.
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