Arnobius. Disputationum adversus gentes libri octo. Nunc primum in lucem editi. 5 nn., 100 (statt 102) röm. pag., 1 nn. Bl. 32 x 21,5 cm. Blindgeprägter Kalbslederband des späten 19. Jahrhunderts (mit leichten Schab- und Kratzspuren) mit neuerem RSchild. Rom, Franziskus Priscianese, 1542.
IA 108.890. Adams A 1994. STC 56. Brunet I, 491. Ebert 1219. – Erste Ausgabe dieser zwischen 304 und 310 verfassten Streitschrift gegen das Heidentum. Hieronymus zufolge kandidierte der aus Sicca in Nordafrika stammende Rhetor Arnobius (um 330) mit diesem Werk für die Zulassung zur Taufe und seine Überzeugung für den christlichen Glauben. – Es fehlen die beiden Textblatt Diii und Div (durch Kopien ergänzt) sowie das jeweils weiße Anfangs- und Schlussblatt. Etwas fleckig, Titel auch etwas angestaubt sowie mit mehreren Tinteneinträgen, mehrere Lagen mit etwas stärkerem Braunfleck im oberen Rand, am Schluss auch mit schmalem Feuchtigkeitsrand. Mit alten Annotationen und Unterstreichungen.
Athanasius Alexandrinus
Operain, quatuor tomos distributa
Los 1047
Schätzung
450€ (US$ 517)
Athanasius Alexandrinus. Opera, in quatuor tomos distributa: quorum tres sunt à Petronanio Alcmariano, ad Graecorum exemplarium fidem iam primum conversi, exceptis paucis antehac imperfectis ab eo denuo plenius & latinius redditis: Quartus, Latina multorum interpretatione ferè totus seorsim emissus, nunc in unum digestus & concinnatus. Index sub finem additus. 4 Bl., 730 S., 142 S., 13 Bl. Mit 2 Holzschnitt-Druckermarken und zahlreichen figürlichen Holzschnitt-Initialen. 32,5 x 21 cm. Flexibler Pergamentband d. Z. unter Verwendung einer zeitgenössischen Handschrift (fleckig und berieben, Rücken lädiert, VUmschlag mit 2 Einrissen). Basel, Hieronymus Froben d. Ä. und Nikolaus Episcopius d. Ä., 1556.
VD16 A 3980. – Typographisch ansprechender, von Erasmus von Rotterdam besorgter Frobendruck mit den in vier Teile gegliederten Schriften des Kirchenlehrers Athanasius von Alexandria (um 300-373), der mit seiner Disputatio contra Arrium die Irrlehren des Arrianismus abwehrte und ihm den Beinamen "Vater der Orthodoxie" eintrug. Die Teile I bis III mit durchgehender Paginierung, der Teil IV mit eigenem Zwischentitel und eigener Kollation. – Innenspiegel mit historischem und modernem Exlibris. Erste Blatt in der unteren rechten Ecke leicht gestaucht, Titel mit altem Eintrag. Sonst nur etwas fleckig und vereinzelt mit kleinen Wurmlöchern.
August Kurfürst von Sachsen
Ehe wirdt vornemlich, von wegen der Blutfreuntschafft
Los 1048
Schätzung
800€ (US$ 920)
(August, Kurfürst von Sachsen). Die Ehe wirdt vornemlich, von wegen der Blutfreuntschafft, Darnach auch von wegen der Schwegerschafft, wie folgend zusehen, verboten [und:] Volget nun von Personen und graden, so von wegen der Schwegerschaft, zu Ehelichen verboten. 19,5 x 15 cm. 12 nn. Bl. Mit doppelblattgroßer Holzschnitt-Tafel. Ohne Einband. (Dresden, Mathhes Stöckel), 1557.
VD16 S 871 und 874. – Erster Druck der ersten offiziellen sächsische Eheordnung aus der Reformationszeit. Herausgegeben wurde sie von Kurfürst August von Sachsen (1526-1586) und im Jahr 1557 in Dresden von dem Hofbuchdrucker Matthäus Stöckel in zwei Teilen gedruckt, um vor allem der Inzucht beizukommen. Der Druck ist Teil der 64 Seiten unmfassenden "General Articul und gemeiner bericht, wie es in den Kirchen mit den Pfarherrn, Kirchendienern ... gehalten werden soll (siehe VD16 S 874 mit 64 Seiten), meist wurden aber nur diese beiden Teile separat verteilt. Passend dazu wurde dem Werk zur Verdeutlichung ein Arbor Consanguinitatis als Falttafel in Holzschnitt beigegeben, in Form eines knorrigen, gut verwurzelten Baumes "Das ist der Baum der angebornen Mageschafft, und des angebornen geblütes nach gemeiner Sechsischer sprache", in dessen Mitte der Stammvater als Pater familias in einem Clipeus erscheint, von dem aus sich in Ästen die Verwandten ausbreiten, links die "Agnati. Schwertmagen." und rechts die "Cognati Spielmagen". – Gering gebräunt, winziges Wurmlöchlein, Tafel und letztes Blatt mit kleinem Loch, letztes Blatt auch mit Randausriss (ohne Textverlust). Ohne die anderen 52 Bl. "Articuln" des Gesamtwerks.
August, Kurfürst von Sachsen
General Articul und gemeiner bericht
Los 1049
Schätzung
350€ (US$ 402)
August, Kurfürst von Sachsen. General Articul und gemeiner bericht, wie es in den Kirchen mit den Pfarherrn, Kirchendienern, den Eingepfarten ... werden soll. Teil I (von 2). 52 Bl. Mit großer Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel. 19,5 x 15 cm. Fadenheftung, ohne Einband. (Dresden, Stöckel), 1557.
VD16 S 874 (gibt fälschlich 62 Bl. an). Richter, Kirchenordnungen II, 178. Nicht im STC. – Einer von zwei Drucken im Jahr der ersten Ausgabe, bei dem ersten Dresdner Hofbuchdrucker Matthäus Stöckel. Der zweite Teil über die Ehehindernisse wegen Blutsverwandschaft ist hier nicht dabei. – Gebräunt. Titel mit Wasserfleck und hs. Bemerkung der Zeit, diese auch im Text. Unscheinbare Wurmspur. Selten im Handel.
Augustinus, Aurelius
De summa Trinitate. Mit Holzschnitt-Vignette und breiter Bordüre
Los 1050
Schätzung
900€ (US$ 1,034)
Johann Koberger lässt in Lyon drucken
Augustinus, Aurelius. De summa Trinitate. 110 num. Bl. (ohne die 6 Bl. Index am Schluss). Mit großer szenischer Holzschnitt-TVignette (Magister cum discipulo), breiter vierteiliger Holzschnitt-Bordüre und Titel in Schwarz- und Rotdruck. 29 x 20 cm. Moderes Pergament mit hs. RTitel und 4 Bindebändern. (Lyon, Jacques Sacon für Nürnberg, Johann Koberger), 1520.
VD16 ZV 24636. IA 110.151. BNHCat. A 740. – Erste Ausgabe der bedeutenden Schrift über die Trinität des Kirchenvaters Augustinus aus der Lyonneser Offizin des Jacques Sacon, der diese in Auftrag des berühmten Nürnberger Verlegers Johann Koberger anfertigte. Es ist ein frühes Beispiel für die immer internationaler werdenden Beziehungen und Vertriebssysteme im Bereich des verhältnismäßig neuen Mediums "Druck" und ein eindrucksvolles Zeugnis deutsch-französischer Zusammenarbeit. Finanziert und in Auftrag gegeben wurde das Werk von Johann Koberger d. Ä. (1454-1543), dem Vetter des bedeutenden Druckers Anton Koberger, der das von Jacques Sacon gedruckte Werk in seinen Vertrieb nahm. Im Kolophon nennen sich beide - Drucker wie Verleger: "Jmpressi lugduni ere et impressis circumspecti viri Joannis koburger civis Nurembergensis. Arte tamen ac pervigili cura Industrij viri Jacobi saccon. Anno virginei partus quingentesimo super millesimum secundo Kalendas Augustas".
Der hübsche szenische Titelholzschnitt zeigt ganz in der Tradition der "Magister cum dicipulis" den heiligen Kirchenvater am Pult und vor ihm ein nacktes Kind, das mit einem Löffel einen Teller leert, ein ikonographisches Sinnbild für die Unfassbarkeit Gottes und die Grenzen des menschlichen Verstands.
Ab 1504 hatte Koberger seinen Konzert vom Drucker auf das Verleger- und Verlagsgeschäft umgestellt und immer mehr bei verschiedenen Druckern in Europa drucken lassen, wie bei Jacques Sacon in Lyon. Lyon war zu dieser Zeit nach Paris das zweitwichtigste Druckzentrum Frankreichs Die Produktion, die Löhne für Setzer und das Papier waren dort zeitweise günstiger oder qualitativ konkurrenzfähiger als im kriegs- und reformationsgeschüttelten Deutschland jener Jahre. – Es fehlen die letzten sechs Blätter Register, sonst vollständig, nur vereinzelt gering fleckig, vom rechten Rand gelegentlich blasse Feuchtränder. Titel mit altem Monogrammstempel (Lambda-Phi), sonst sehr schön erhaltene Postinkunabel.
Augustinus, Aurelius
Liber Epistolarum . Compluriusque sanctorum & illustrium virorum ad ipsium Augustinum rescribentium.
Los 1051
Schätzung
500€ (US$ 575)
Aus den Bibliotheken eines Dresdner Privatgelehrten und eines Bautzener Domherren aus Schirgiswalde
Augustinus, Aurelius. Liber Epistolarum. Compluribusque sanctorum & illustrium virorum ad ipsium Augustinum rescribentium. 8 nn., 162 num., 32 nn. Bl. (d. le. w.). Mit großer vierteiliger Holzschnitt-Titelbordüre und Druckermarke des Jean Petit und zahlreichen 3-15-zeiligen Holzschnitt-Initialen. 31,5 x 21 cm. Blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (etwas fleckig, angestaubt und abgegriffen, kaum Fehlstellen) über vier Doppelbünden und kantigen Holzdeckeln mit 2 Messingschließen (Gelenkbänder erneuert) sowie altem Schnitttitel "EPLE.AUG". (Paris, Johannes Parvus und Jodocus Badius, 1515).
IA BP16 102675. Renouard, Badius, II, 60f. – Ausgabe des Briefcorpus aus der Feder des Heiligen Augustinus von Hippo, herausgegeben von Badius und Parvus (Jean Petit) in deren Pariser Offizin. Ein sehr schöner Postinkunabeldruck. – Titel und ersten Blätter mit restauriertem Wurmgang (minimaler Darstellungs-, aber kein Textverlust), weitere kleine Risshinterlegungen, auch in den Vorsatzblättern, etwas unschönes Einlaufen von roter Tinte vom rechten oberen Schnitt, sonst im Block gut erhalten.
Titel mit hs. Besitzvermerken: "Exlibris Joan. Josephi Drosche Dresda comeptis 1684", also erworben von Johann Drosche, der zwischen 1678 bis 1681 als Pfarrer im sächsischen Schirgiswalde nachweisbar ist, und: "Nunc Jacobi Thaddaei Gersky [?] Can[onici] Acsidentis Buddessin 1727", wohl "Jetzt [im Besitz] des Jacob Thaddäus Gersky, Domherr Akzidentiar, 1727." Die Ortschaft
Schirgiswalde unterstand direkt dem Domstift St. Petri in Bautzen. Die dortigen Domherren verwalteten die katholischen Besitztümer der Region. Jacob Thaddäus Gersky war demnach ein Kanonikus des Bautzener Domstifts. Als Akzidentiar (Acidentii) war er im Jahr 1727 konkret dafür zuständig, die anfallenden Sondergebühren und Abgaben (Akzidenzien) - unter anderem aus der katholischen Enklave Schirgiswalde - für das Bistum bzw. das Domkapitel abzurechnen.
Beaucaire, François
Oratio de victoria, qua Carolus IX. Galliarum rex Francisci Lotharingi Guisae ducis, necnon et Annae Monmorencii equitum magistri auspiciis rebelles causam religionis pretexentes ingenti clade superavit
Los 1052
Schätzung
200€ (US$ 230)
Beaucaire, François. Oratio de victoria, qua Carolus IX. Galliarum rex Francisci Lotharingi Guisae ducis, necnon et Annae Monmorencii equitum magistri auspiciis rebelles causam religionis pretexentes ingenti clade superavit. 10 Bl. 19 x 14 cm. Marmorierter Umschlag (leicht berieben) mit handschriftlichem Titelschild. Brescia, G. B. Bozzola für D. Turlino, 1563.
Adams B 412. Jöcher I, 878. – Erste Ausgabe. Rede vor den in Trient versammelten Konzilsvätern über den Sieg, den der Herzog von Guise, Franz v. Lothringen, am 19. Dezember 1562 über die Hugenotten errungen hatte. François Beaucaire (hier Belcarius) de Péguillon war der vom Hause Lothringen eingesetzte Bischof von Metz. – Titel etwas verstaubt und mit altem Besitzvermerk.
Bembo, Pietro
De gliasolani di M. Pietro nequali si ragiona d'amore
Los 1053
Schätzung
600€ (US$ 690)
Bembo, Pietro. De gliasolani di M. Pietro nequali si ragiona d'amore. 2. Ausgabe. 104 S. 15 x 9,5 cm. Leder d. Z. (berieben, bestoßen und oberes Kapital mit Einriss) mit goldgeprägtem RSchild, RVergoldung. O. O. und Dr., 1539.
Nicht bei Adams. – Sehr selten. Von uns konnte nur ein weiteres Exemplar aus der Universitätsbibliothek Regensburg bestimmt werden. – Ersten zwei Blätter gebräunt, erstes Blatt mit hinterlegter Fehlstelle, insgesamt etwas stockfleckig.
Biblia germanica
Das Newe Testament, verdeutscht. Durch D. Johan. Dietenberger.
Los 1054
Schätzung
1.500€ (US$ 1,724)
Biblia germanica. - Das Newe Testament, verdeutscht. Durch D. Johan. Dietenberger. (Bl. CCCCXLV)-CCCCCLXXVIII, 4 nn. Bl. Mit 2 wiederholten vierteiligen Holzschnittbordüren mit Wappendarstellungen auf dem Titel und am Schluss und 28 szenischen Textholzschnitten von Hans Sebald Beham, Anton Woensam u. a. sowie zahlreichen figürlichen Holzschnitt-Initialen. 4. 31 x 23 cm. Moderner Halbpergamentband (mit schwächeren Schabspuren) mit RTitel. Mainz und Köln, Peter Jordan für Peter Quentell, 1534.
VD16 B 2693. Vgl. Darlow-Moule 4211. NDB 3, 667. – Erster Druck der berühmten Dietenberger-Bibel, die als katholische "Gegenbibel" der Lutherübertragung Konkurrenz machte und bis ins späte 18. Jahrhundert die verbreitetste Bibelübersetzung in allen deutschsprachigen katholischen Regionen war. Sie erlebte etwa 100 Auflagen. Vorliegend allerdings nur das Neue Testament mit der dramatischen Holzschnittfolge (21) zur Apokalypse des Johannes. – Titel alt gestempelt, mit kleinem Loch im weißen Seitenrand und mit Besitzeintrag in Sepia im oberen Rand, Blatt ll1 verso und ll2 recto stärker fleckig, einige Blatt verbunden, stellenweise etwas gebräunt oder braunfleckig. Am Schluss mit verblasstem Feuchtigkeitsrand im unteren Bug, das Schlussblatt auch etwas wurmstichig und mit kleiner hinterlegter Fehlstelle (geringer Wortverlust).
Biblia latina
Testamentum novum ex Des. Erasmi Rot. versione
Los 1055
Schätzung
300€ (US$ 345)
Biblia latina. - Testamentum novum ex Des. Erasmi Rot. versione, ac eiusdem recognitione postrema. 797 S. Mit Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel. 12,5 x 7 cm. Moderner Kalbslederband unter Verwendung alter Deckelbezüge mit Goldprägung im Grolier-Stil auf den Deckeln, den Eignerinitialen "IO. W." sowie Goldschnitt. Lyon, Sebastian Gryphius, 1550.
Lyoneser Taschenausgabe in der kommentierten Textedition des Erasmus. – Gering gebräunt und leicht fleckig. Exemplar aus der historischen Bibliothek des Kartäuserklosters Buxheim, mit entsprechendem hs. Eintrag und Stempel auf dem Titel recto et verso.
Biblia latina
Biblia Sacra, veteris et novi testamenti, secundum editionem vulgatam
Los 1056
Schätzung
2.500€ (US$ 2,874)
Die Tobias-Stimmer-Vulgata in einheitlichen, auf "1583" datierten und reich verzierten Einbände
Biblia latina. - Biblia Sacra, veteris et novi testamenti, secundum editionem vulgatam. 3 Teile in 2 Bänden. 16 Bl., 612; 251 S., 3 Bl., 224 S., 37 Bl. Mit Holzschnitt-Titelbordüre, 3 Holzschnitt-Druckermarken, 190 Textholzschnitten von Tobias Stimmer sowie 3 gefalteten und 1 ganzseitigen (im Text) Holzschnitt-Karten. 21,5 x 13,5 cm. Reich blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (stellenweise alt fleckig, etwas stärker gebräunt, jedoch kaum beschabt, bestoßen oder mit Bezugsfehlern) über kraftvollen, abgefasten Holzdeckeln mit jeweils 2 intakten ziselierten Messingschließen und dreiseitigem Rotschnitt. Basel, Thomas Guarinus, 1578.
VD16 B 2644. STC 87. Adams B 1086. Andresen III, 131. Thieme-Becker XXXII, 57-62. Vgl. Schmidt 297 ff. und Fairfax Murray 66. Nicht bei Darlow-Moule. Siehe Foot, H. Davis Gift II, 408-409. Goldschmitdt, Gothic & Renaissance Bookbindings I, 251-252. – Prachtvoll zeitgenössisch gebundenes Exemplar der ersten Ausgabe der vollständigen Quart-Bibel mit der kleinformatigen Folge der schönen, fantasievollen Holzschnitte von Tobias Stimmer (1539-1584), die erstmals in einem Album mit Reimen von Johann Fischart 1576 in Basel erschienen waren. So hatte der Drucker Thomas Guarinus (Gwarin, Guarin) eine Serie von Holzschnitten mit biblischen Szenen von Tobias Stimmer als "Neue Künstliche Figuren Biblischer Historien" (vgl. Fairfax-Murray G 68) herausgebracht und diese 170 Bilder von Versen des Johann Fischart (1546-1591) begleiten lassen. Nach dem Druck obiger Bibel wanderten die Stöcke nach Straßburg, wo sie von B. Jobin und später L. Zetzner noch mehrfach verwendet wurden: "Diese Schnitte von Tobias Stimmer sind hervorragend schön. Matthäus Merian hat dann mit seinem sicheren Urteil nicht weniger als ein rundes Dutzend zu Vorbildern seiner Bibelkupferstiche genommen" (Schmidt).
Thieme-Becker verweisen, dass die Bildentwürfe "durch die Fülle des Neuen in Auffassung der Szenen und Wahl und Komposition des dekorativen Apparats auf lange Zeit hinaus schulbildend" wirkten und noch Peter Paul Rubens sie höchst bewunderte. Die Karten zeigen das Paradies, das Heilige Land (2, davon 1 mit Ägypten) und das östliche Mittelmeer (im Text). – Vorsätze mit altausgestrichenen Einträgen, Titel mit Vermerkrasuren, wenige Fleckchen, teils leicht gebräunt, hier und da Unterstreichungen in Rot und wenige rote Federzeichnungen in den Holzschnitt-Vignetten. Band II mit einigen Wurmlöchlein und Unterstreichungen in schwarzer Tinte, hier und da blasse Wasserränder. Insgesamt ein außergewöhnlich schönes, einheitliches Paar der beiden Bände dieser hervorragend edierten und illustrierten Vulgata.
Die blindgeprägten Einbände mit dem Porträt Karls V. auf dem Vorderdeckel: "Carole mortales dubitant homo sisne deusve sunt tua sc[e]ptra hominis sed tua facta dei". Auf dem Rückdeckel eine Porträtplatte mit dem Antlitz des Herzogs Johann Friedrich von Sachsen: "Victus eras acie fidei constantia tandem victorem ante homines fecit et ante deum". Goldschmidt erwähnt zwei ganz ähnliche Einbände in seiner Sammlung (Nr. 251 und 252) und stellt fest, dass es mehrere dieser Platten gab, sowohl signiert wie unsigniert. Auch bei Foot findet man einen ähnlichen Einband von 1582. Die vorliegenden Exemplare sind beide auf das Jahr "1583" datiert und tragen die Initialen "K.L.R." als Monogramm des Eigners. Die Porträtplatten sind umgeben von breiten floralen Rollen mit Profilköpfen in Tondi, Putten und einem Schildträger mit den Initialen "H.S" sowie einem Christuskind (vgl. dazu Haebler II, Tafeln III/1).
Biblia polyglotta. - Sacr. Bibliorum quadrilinguium tomus secundus trilingius. 26 nn., 289 num. Bl. Titel in Schwarz und Rot. Mit Kupfertitel, 2 blattgroßen Textkupfern, Holzschnitt-Titelbordüre und zahlreichen Textholzschnitten nach J. Mores d. Ä. 37,5 x 24 cm. Blindgeprägter Schweinslederband d. Z. (etwas fleckig und berieben, 1 Messingschließe defekt). Hamburg, Jacob Lucius d. J., 1596.
Kayser-Dehm 60. Kayser, Hamburger Bücher 25. Lappenberg 93. ADB XLIV, 541. – Erste Ausgabe. Band I der in sieben Teilen erschienenen, von dem an der Hamburger St. Petri-Kiche wirkenden Prediger David Wolder (1550-1604) herausgegebenen Hamburger Polyglottenbibel, illustriert mit den schönen Textholzschnitten nach Jakob Mores (um 1540-1612), die auch für die Bibeldrucke der Lüneburger Sterne Verwendung fanden. Enthalten ist der Pentateuch mit den ersten fünf Büchern Mose. "Wolder hat sich besonders in weiteren Kreisen bekannt gemacht durch die Herausgabe größerer Bibelwerke. Schon bei der durch Elias Hutter besorgten Ausgabe des hebräischen Textes des Alten Testamentes war Wolder betheiligt. Das Werk erschien nach langen Vorbereitungen zu Hamburg 1587; obschon es in mancher Hinsicht verdienstlich ist und jedenfalls viel Fleiß und Mühe auf die Herstellung verwandt ward, fand es wenig Absatz. Wolder gab daraufhin für sich allein eine vollständige Bibel in griechischer, lateinischer und deutscher Sprache heraus; in vier Columnen neben einander druckte er die Septuaginta, die Vulgata, die lateinische Uebersetzung von Pagnini und die deutsche Uebersetzung Luther's ab. Das Werk erschien in sieben Theilen (gewöhnlich in 3 Bänden gebunden) in Folio Hamburg 1596, gedruckt bei Jacob Lucius dem Jüngeren, einem damals sehr thätigen Drucker und Verleger. Der Verleger verband sodann mit dieser Wolder’schen Polyglotte die Hutten’sche Ausgabe des hebräischen Textes des A. T.'s als ersten Band und gab dem ganzen (nun vierbändigen) Werke den neuen Titel: 'Sacra biblia quadrilinguia'" (ADB). – Etwas gebräunt oder braunfleckig, sonst wohlerhaltenes Exemplar des aufwendigen vierspaltigen Drucks in einem schönen zeitgenössischen Einband mit Reformatorenrolle, der Vorderdeckel mit szenischer Kreuzigungsszene, den Eignerinitialen "CKT" sowie dem Bindejahr "1615", ferner mit dem etwas später aufgebrachtem Stempel einer historischen Schulbibliothek.
Bock, Hieronymus. Kreuter Buch. Darin Underscheid, Würckung und Namen der Kreiiter so in Deutschen Landen wachsen ... I-II Teil (von 3). 19 Bl., VI-CCCL, CCCLIII (letzten drei Bl. unkenntliche Nummerierung) num. Bl. Mit zahlreichen kolorierten Textholzschnitten. 28 x 18,5 cm. Blindgeprägtes Leder d. Z. (beschabt und bestoßen) über Holzdeckel und 4 Bünden mit 2 Messingschließen. Straßburg, Wendelin Rihel, 1546.
Nissen 182. Pritzel 865. VD16 B 6016. ADB II, 766. – Zweite Ausgabe, die erste erschien im Jahre 1539. Die Illustrationen erschienen jedoch erstmalig in der vorliegenden zweiten Ausgabe. "Seine Beschreibungen und seine Holzschnitte, die er in dem 'New Kreuterbuch' ... von den deutschen Pflanzen gab, sind ... meist ausführlicher und naturgetreuer, als diejenigen seiner Vorgänger" (ADB). – Es fehlen die nummerierten Blätter I-V und CCCLI-CCCLII. Vorsatz mit mehreren hs. Besitzvermerk und Titel auf Papier montiert sowie mit rotem Besitzstempel (unleserlich). Mehrere Seiten mit verstärkten Rändern, Einrissen und Fehlstellen sowie braun- und fingerfleckig.
Bock, Hieronymus. Kreutterbuch, darin underscheidt Nammen und Würckung der Kreutter, Stauden, Hecken und Beumen, sampt ihren Früchten, so inn Teutschen Landen wachsen. 26 Bl., 400 (von 454) num. Bl. Mit Holzschnitt-Druckermarke und zahlreichen Textholzschnitten. Titel in Rot und Schwarz. Leder d. Z. (beschabt, bestoßen, mit Fehlstellen, Einrissen insgesamt stark lädiert) VDeckel über Holzdeckel. 33 x 20 cm. Straßburg, (J. Rihel), 1587.
VD 16, B 6024. Ind. Aurel. 120.600. Ritter 219. Nissen 182. Pritzel 866. – Vierte von Melchior Sebezius revidierte und erweiterte Ausgabe des wohl bedeutendsten Kräuterbuchs des 16. Jahrhunderts. – Es fehlen 54 nummerierte und 23 nicht nummerierte Blätter. Zahlreiche Blätter lose, papierbedingt gebräunt, feucht- und braunfleckig, mit größeren Einrissen und Fehlstellen. Vorsatz und Titel mit hs. Besitzvermerken. Insgesamt mit größeren Gebrauchsspuren und stark lädiert.
Böhm, Johannes. Omnium gentium mores, leges et ritus, ex multis clarissimis rerum scriptoribus. Tribus libris absolutum opus, Aphricam, Asiam, & Europam describentibus. 303 S., 12 Bl. 16 x 10,5 cm. Modernes Halbleder. Lyon, Simon Vincent, 1535.
IA 120.927. Adams B 2260. Jöcher I, 1171. – Seltene zweite Auflage des mehrfach verlegten Werks. Der Humanist Johannes Böhm (um 1485-1534) gilt als "Vater der wissenschaftlichen Volkskunde" (NDB II, 403). "Describes the customs and manners of many peoples of the world. The earliest editions contain only three parts: Africa, Asia, and Europe" (Borba de Moraes 110). – Anfangs etwas wasserrandig, mit mehreren Anmerkungen und Unterstreichungen der Zeit.
Borghesi, Diomede
Delle rime. Parte I-VI. [und:] Del secondo libro delle rime
Los 1061
Schätzung
300€ (US$ 345)
Borghesi, Diomede. Delle rime di M. Diomede Borghesi gentil'huomo senese. Parte I-VI. [und:] Del secondo libro delle rime di M. Diodeme Borghesi genti l'huomo senese. Parte I-VII. 2 Teile in 1 Band. Mit 13 Holzschnitt-Druckermarken auf den Titeln. Pergament d. Z. (etwas berieben und bestoßen) mit hs. RTitel. Padua, o. Dr., 1566-1567.
STC 120. Nicht bei Adams. – Erste Ausgabe. – Mit Exlibris auf dem fliegenden Blatt. Etwas stockfleckig und mit kleinen hinterlegten Fehlstellen. Selten.
Brunfels, Otto. Iatrion medicamentorum simplicum. Teil I (von IV). 32 Bl., 240 num. Bl. Mit Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel und am Schluss. 15,5 x 10 cm. Blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (berieben, bestoßen, fleckig und ohne die 2 Messingschließen sowie Rücken sträker Wurmgängig). Straßburg, Ulricher, 1533.
VD16 B 8507. IA 125.652. Adams B 2927. Bird. 425. Durling B 727. Muller II, 329, 19. Ritter, Cat, 608. – Erste Ausgabe des ersten Teils. Seltenes pharmazeutisches Werk von Otto Brunfels (1488-1534). – Papierbedingt gebräunt, vorderes Innegelenk offen und mit Randläsuren. Titel mit rasierten Besitzvermerken. Sehr selten.
Sammelband mit 5 Reformationsdrucken und Calvin, Johannes
darunter 2 Schriften von Joannes Calvin.
Los 1063
Schätzung
6.000€ (US$ 6,897)
Calvin, J. - Sammelband mit 5 frühen Reformationsdrucken, darunter 2 Schriften von Joannes Calvin. 15,5 x 10 cm. Blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (stärker lädiert und fleckig, Reste zweier Metallschließen) über Holzdeckel mit hs. Rückenschild. Magdeburg, Wittenberg, Leipzig, verschiedene Verlage, 1547-1549.
Sammelband mit fünf reformatorischen Streitschriften aus den 1540er Jahren, die die maßgeblichen theologischen und kirchenpolitischen Auseinandersetzungen jener unruhigen Zeit behandeln. Besonders bemerkenswert sind zwei äußerst seltene zu Lebzeiten gedruckte Schriften Johannes Calvins (1509-1564).
I. Joannes Calvin. Interim adultero germanum. Cui adiecta est. Vera christianae pacificationis, & ecclesiae reformandae ratio. (Magdeburg, Lotter), 1549. - VD 16, C323. Erichson, Bibl. Calviniana S. 9. Knaake III, 511 und Kuczynski 370. - Erste in Deutschland gedruckte Ausgabe, aus dem Jahr der Erstausgabe (Genf 1549). Wegen dieser Stellungnahme gegen das Augsburger Interim zog sich Calvin die äußerste Gegnerschaft der Lutheraner zu.
II. Joannes Calvin. Acta Synodi Tridentinae. Cum antidoto. 288 S. (Genf, J. Gérard), 1547. - Nicht bei Adams. I. A. 129.791. Schottenloher 43209e. Erichson 7. - Erste, äußerst seltene Ausgabe. "Ueber dem an Heftigkeit zunehmenden Streit (in Genf) war Calvins Blick trotzdem unverwandt auf die schicksalsschweren Ereignisse des Jahres 1547 in Deutschland gerichtet. Wachsam die Gegenbewegung der röm. Kirche verfolgend, versah er die Akten der abgeschlossenen ersten Sessionsperiode des Tridentinums wieder mit einem wirksamen 'Gegengift'" (K. Barth).
III. Flacius Matthias. De vocabulo fidei et aliis quibusdam vocabulis, explicatio vera & utilis, sumta ex fontibus Ebraicis 188 S., 1 Bl. Vitebergae, Creucer, 1549. - VD16 F 1525.
IV. Otho Körber. Assertio sententiae sola fides iustificat. 32 Bl. (Leipzig, Bapst, Valentin d.Ä., 1548). - VD16 K 1882.
V. Bernhard Ziegler. De sacramento altaris seu coena dominica et missa disputatio. 20 Bl. (Leipzig, Bapst, Valentin d.Ä., 1548). - VD16 Z 410. – Titelblatt mit hs. Exlibris-Vermerk "Ex libris Davidis Helt.". Das erste Titelblatt zweifach gestempelt, mit Rasur (nicht mehr lesbar). Titelblätter oben rechts in Sepia von alter Hand nummeriert; fliegender Vorsatz mit zeitgenössischer Notiz. Im Bug unten mit Feuchtigkeitsrand. Papierbedingt gebräunt. Die ersten Lagen oben rechts mit kleinen Knickeselsohren. Das leere Blatt zwischen Titel I und II mit größerem Ausriss.
Canones concilii provincialis Coloniensis
anno celebrati M.D.XXXVI
Los 1064
Schätzung
1.500€ (US$ 1,724)
Widmungsexemplar von Joachim Mynsinger
Canones concilii provincialis Coloniensis anno celebrati M.D.XXXVI. 3 Teile in 1 Band. 8 Bl., 111 S.; 5 Bl., 94 S.; 20 Bl., 671 S. 17 x 10,5 cm. Blindgeprägter Schweinslederband d. Z. (fleckig und berieben, oberes Kapital lädiert; ohne Schließen). Lyon, Johannes und Franciscus Vrellonius, 1544.
Lyoneser Druck der drei Schriften zum Kölner Konzil von 1536, die Teile II (Reformatio cleri Germaniae) und III (Enchiridion Christianae) jeweils mit eigenem Titelblatt. Exemplar mit Geschenkwidmung des Juristen und Dichters Joachim Mynsinger von Frundeck (1514-1588) an seinen Freund Joachim Schiller von Herdern (1506-1555), mit entsprechendem Geschenkvermerk auf dem Titel ("Mynsingerus hunc librum dono dat Schillero, suo usque ad aras fratri") sowie eigenhändigem 18zeiligen lateinischen Widmungspoem auf dem fl. Vorsatz. Mynsinger war lange Zeit Kanzler des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel und gilt als Begründer der für die Systematisierung des frühneuzeitlichen Rechts bedeutsamen sogenannten kameralistischen Jurisprudenz, eine Gesamtausgabe seiner neulateinischen Gedichte erschien 1585. Sein enger Freund Joachim Schiller von Herdern (1506-1555) wirkte als Arzt und Apotheker in Freiburg. Im Jahr 1542 verkaufte er den im Familienbesitz befindlichen Weiherhof, den ehemaligen Verwaltungssitz des zu Freiburg gehörenden Dorfes Herdern, an Mynsinger. – Etwas fleckig, Titel von Teil III mit sehr kleinem Eckabriss, Titel auch mit Besitzeintrag von 1648.
Caoursin, Guillaume
Historia von Rhodis. Wie ritterlich sie sich gehalten mit dem Tyrannischen keiser Machomet
Los 1065
Schätzung
8.000€ (US$ 9,195)
Reich illustrierter, sehr seltener Türkendruck
Caoursin, Guillaume. Historia von Rhodis. Wie ritterlich sie sich gehalten mit dem Tyrannischen keiser Machomet uß Türckyen lustig und lieplich zu lesen. (Deutsch von Johannes Adelphus Mülich). 68 nn. Bl. Mit großem Titelholzschnitt und 35 Textholzschnitten sowie Holzschnitt-Druckermarke am Schluss. 29 x 21,5 cm. Moderner flexibler Pergamentband aus einem alten Manuskriptblatt. Straßburg, Martin Flach, 1513.
VD16 C 790 (nur neun Exemplare). Adams C 574. Muller 105, 39. Panzer, DA 759. Göllner 59 – Sehr seltene erste deutsche Ausgabe, erstmals 1496 in Ulm bei Reger unter dem Titel "Obsidionis Rhodie urbis descriptio" in lateinischer Sprache erschienen (GW 6003). Das Werk besteht aus einer Zusammenstellung verschiedener, inhaltlich zusammenhängender Texte zur Geschichte von Rhodos und beginnt mit dem Augenzeugenbericht der Belagerung von Rhodos durch die Osmanen unter Mehmet II. 1480 durch Guillaume Caoursin, Vizekanzler des Johanniterordens.
Weitere Texte behandeln u.a. das Erdbeben von 1481, den Tod Mehmets II., ebenfalls 1481, oder die Flucht Cems, des Bruders des Sultans Bayezid, im Jahr 1482 nach Rhodos und seine Verbringung nach Frankreich in Gefangenschaft. Die Holzschnitte der vorliegenden Straßburger Ausgabe sind freie Nachschnitte der Ulmer Holzschnitte von 1496 in einfacherer, zum Teil etwas groberer, wiewohl sehr ausdrucksstarker Ausführung. Die Beschreibung der Belagerung allein erschien schon seit 1480 in mehreren Ausgaben in lateinischer Sprache.
"Der Besitzer nennt sich in der Zueignungsschrift Johannem Adelphum Argentinensem Physicum. Er war in Mühlungen bei Straßburg geboren. er nennt sich daher auch in der Übersetzung des Marsil. Ficin. Johannen Adelphum Mülich" (Göllner). – Durchgehend leicht gebräunt, teils etwas fleckig. Einzelne kleine Randläsuren, zwei kleine Eckabrisse. Blatt C4 mit Riss entlang des Satzspiegels. Unterrand mit leichter Knickspur. Heftung unter teilweiser Restaurierung der Fälze erneuert. Die Holzschnitte nahezu durchgängig in bemerkenswert gutem, kontrastreichem und gratigem Druck. In nur wenigen deutschen Bibliotheken nachweisbar, im Handel seit Jahrzehnten kein weiteres Exemplar nachweisbar.
Carion, Johannes
Chronica conversa ex Germanico in Latinum
Los 1066
Schätzung
400€ (US$ 460)
Carion, Johannes. Chronica conversa ex Germanico in Latinum a doctissimo viro Hermanno Bono, et ab autore diligenter recognita. 166 num., 6 nn. Bl. Mit Holzschnitt-Druckermarke. 14,5 x 9 cm. Geprägtes Leder des 20. Jahrhunderts im Stil d. Z. Antwerpen, J. Steelsius, 1537.
IA 132.262. Vgl. Adams C 705. NDB III, 138ff. – Einer von zwei Drucken im Jahr der ersten lateinischen Ausgabe. In sämtlichen Händler- und Auktions-Katalogen wird die von Melanchthon überarbeitete Ausgabe von 1532 als die erste lateinische Ausgabe vermerkt, jedoch ist diese nach Karl Hertfelder (XII, 201) und dem STC (183) in deutscher Sprache erschienen. "Neben der Anfertigung von astrologischen Kalendern (Practica, Nürnberg 1531 folgende) und allgemeinen Voraussagen wirkte er vor allem als ständiger Berater des Kurfürsten und seit 1527 auch Herzog Albrechts von Preußen, die den gewandten und weltkundigen Mann auch zu diplomatischen Missionen verwendeten, so unter anderem bei der Eheanbahnung zwischen Joachim II. und Hedwig von Polen. Weiter bekannt wurde C. durch eine knappe deutsche Weltchronik, die Melanchthon überarbeitete" (NDB). – Titel und Folgeblatt verso am Rand hinterlegt. Anfangs mit zahlreichen Annotationen und 2 Blätter tintenfleckig.
Chytraeus, David
Chronologia historiae Herodoti et Thucydidis
Los 1067
Schätzung
300€ (US$ 345)
Chytraeus, David. Chronologia historiae Herodoti et Thucydidis. 8 nn., 576 num., 32 nn., 2 w. Bl. Mit Holzschnitt-Druckermarke. 15,5 x 9,5 cm. Blindgeprägter Schweinslederband d. Z. (etwas fleckig und berieben) mit 2 intakten Messingschließen. Rostock, Jacob Lucius, 1573.
VD16 C 2565. – Rostocker Druck der Schrift des bedeutenden Spätreformators David Chyträus (1530-1600), der viele Jahre als Rektor der Universität Rostock wirkte. – Schwach gebräunt, mit einigen Unterstreichungen und Annotationen. Innenspiegel mit montiertem Exlibris sowie alten Einträgen. Wohlerhaltenes Exemplar in einem vermutlich von dem Hallenser Renaissance-Buchbinder Georg Rumler gefertigten Einband. Die vordere Mittelplatte zeigt ein Portrait von Kurfürst August von Sachsen, der Rückdeckel mit einer Darstellung des sächsischen Wappens (vgl. Haebler, Festschrift Tafel IX, 6 und den Beitrag von Fritz Juntke über Georg Rumler, Seite 201ff.).
Cicero, Marcus Tullius. Opera. Teile III und IV (von 4). 566 S., 1 w. Bl.; 627 S. Mit 2 wiederholten Holzschnitt-Druckermarken. 39 x 25 cm. Blindgeprägter Schweinslederband d. Z. (fleckig und berieben, vorderes Gelenk unten leicht angeplatzt, ohne die Messingschließen) mit hs. RTitel. Paris, Jakob de Puis, 1565 (Kolophon: Floricus Praevotius 1566).
Adams C 1656. Schweiger 104. – Erste Ausgabe der von dem Pariser Gelehrten Dionysius Lambinus (1520-1572) edierten Werke Ciceros, seinerzeit hoch geschätzte Ausgabe und hervorragend gedruckt im großzügigen Folioformat. "Neue treffliche Recension. Lambin brach in der Critik des Cicero eine neue Bahn. Sein grosses Verdienst um Cicero ist lange verkannt. Man hat mit Unrecht daran gezweifelt, dass Lambin wirklich Handschriften gehabt habe" (Schweiger). Die vorliegenden Teile III und IV der vierbändigen Ausgabe enthalten die Briefe und seine philosophischen Schriften. – Schwach braunfleckig, sonst wohlerhalten. Der zeitgenössische Einband mit den Eignerinitialen "IRC" und dem Bindejahr "1570" sowie später aufgebrachtem Goldstempel mit dem Eignerbuchstaben "F" mit Ährenkranz.
Cicero, Marcus Tullius
Opera omnia quae extant a Dionys. Lambino emendata
Los 1069
Schätzung
450€ (US$ 517)
Cicero, Marcus Tullius. Opera omnia quae extant, a Dionys. Lambino Monstroliensi ex codicibus manuscriptis emendata. Eiusdem Dionysii Lambini annotationes, seu emendationum rationes. 4 Bände. Mit 4 wiederholten Holzschnitt-Druckermarken. 38,5 x 23,5 cm. Pergament d. Z. (gering fleckig und berieben, Rücken etwas wurmstichig und tels lädiert, Deckel teils schwach geworfen) mit je 2 farbigen goldgeprägten RSchildern. (Lyon), Jeremias de Planches, 1584.
Schweiger II, 105. – Lyoneser Folio-Nachdruck der Edition von Dioynsios Lambinus, mit Beifügung der Anmerkungen von Fulvius Ursinus. – Stärker gebräunt und braunfleckig, Titelblätter alt gestempelt und mit altem Besitzeintrag, erste Lagen in Band I gelöst und im Bug etwas lädiert, einige Lagen in Band II mit Wurmspur.
Cicero, Marcus Tullius
Opera rhetorica: oratoria et forensia premisso indice
Los 1070
Schätzung
900€ (US$ 1,034)
Cicero, Marcus Tullius. Opera rhetorica: oratoria et forensia premisso indice. Addita per Leonardum Aretinum, Aeschinis accusatio et Demosthenis defensio. 4 nn., CXXXVIII num. Bl. Titel in Rot und Schwarz. [Und:]. Derselbe. Orationes premisso indice et de petitione consulatus. 6 nn., CCLXII num. Bl. Mit 2 wiederholten breiten und figürlichen Holzschnitt-Titelbordüren mit Holzschnitt-Druckermarke und einigen großen Holzschnitt-Initialen. 33 x 21 cm. Goldgeprägter Kalbslederband d. Z. (berieben und bestoßen, mit Schabspuren). (Paris), Johannes Parvus und Jodocus Badius, 10.XII.1511.
IA. 137.362. IA 137.363. Brunet II, 6. Nicht bei Adams und im STC. – Die Bände I und II der vierbändigen zweiten Gesamtausgabe von Ciceros Schriften. Hervorragender Pariser Druck, die Titelblätter mit der schönen Druckermarke von Badius mit der Darstellung einer Druckerpresse. – Titel von Teil I gestempelt und leicht wurmstichig, mit tieferem Blattriss, vertikaler Quetschfalte, mehreren teils gestrichenen Sepiaeinträgen sowie ankolorierter Bordüre. Anfangs etwas wurmstichig, Titel und Vorstücke mit kleinem Loch im Satzspiegel. Insgesamt vereinzelte geringe Flecken, stellenweise mit verblasstem Wasserrand sowie mit wenigen alten Annotationen, sonst wohlerhalten. Fl. Vorsatz mit Quetschfalte und längerem hs. Eintrag. Schöne und typographisch ansprechende Klassikerausgabe.
Cicero, Marcus Tullius
Orationum volumen I. Ex Dionys. Lambini emendatione
Los 1071
Schätzung
180€ (US$ 207)
Cicero, Marcus Tullius. Orationum volumen I. Ex Dionys. Lambini emendatione. 1 Bl., S. 863-1542. Mit Holzschnitt-Druckermarke. 17 x 11 cm. Blindgeprägter Schweinslederband d. Z. (stärker fleckig und berieben) mit Wappendarstellung in den Mittelplatten. (Genf), Santandrea, 1580.
Vgl. Ebert 4262. – Band I der Genfer Ausgabe der Reden Ciceros in der zuerst 1566 erschienenen Edition des französischen Humanisten Dionysius Lambinus (1520-1572). – Titel verso mit verblasstem Stempel, einige Lagen etwas feuchtrandig. Exemplar in einem dekorativen zeitgenössischen Einband.
Cicero, Marcus Tullius. Orationum volumen primum. 8 nn., 303 num, 1 w. Bl. Mit figürlicher Holzschnitt-Titelbordüre und einigen Holzschnitt-Initialen. 16,5 x 10,5 cm. Leder d. 17. Jahrhunderts (etwas stärker berieben) mit RVergoldung und goldgeprägtem RTitel. Paris, Simon Colinaeus, 1532.
Nicht bei Adams und im STC. – Zweiter Druck der zuerst ebenda 1525 erschienenen Pariser Ausgabe von Ciceros gesammelten Reden, hier allerdings nur der erste von zwei erschienenen Teilen. Im handlichen Taschenformat nach dem Vorbild der Aldinen hergestellte Klassikerausgabe, gedruckt in einer eleganten Antiqua nach italienischem Vorbild. Simon de Colines (geb. um 1546) war Mitarbeiter von Henri Estienne d. Ä. (geb. 1470) und übernahm nach dessen Tod 1520 seine Offizin. – Titel mit gelöschtem Stempel sowie hs. Einträgen in roter Tinte, die Bordüre sowie die Autoren- und Titelzeile ankoloriert, im weißen Rand mit kleinem Loch. Nur vereinzelte Flecken. Wohlerhaltenes Exemplar des herrlich akkuraten Drucks.
Clemens von Alexandria. Omnia, quae quidem extant opera. Nunc denuo accuratius excusa, Gentiano Herveto Aureliona interprete. Addita sunt in fine scholia, obscuriora quaedam loca illustrantia, cum duplice indice. 4 Bl., 242 (recte: 252) S., 27 Bl. Mit Holzschnitt-Druckermarke. 34 x 23 cm. Etwas späterer Pappband (etwas fleckig und berieben, mit hs. RSchild). Paris, Michel Sonnius, 1572.
Adams C 2109. – Pariser Druck der zuerst 1551 erschienenen lateinischen Übersetzung durch Gentian Hervet (1499-1584). Enthält neben dem Liber adhortatorius adversus gentes Clemens' Hauptwerk Stromateis, in welchem er die grundsätzliche Vereinbarkeit von griechischer Philosophie und christlichem Glauben und die epistemologische Überlegenheit des letzteren zu belegen versucht, sowie als drittes die Schrift Paidagogós, in der er die Vorstellung einer göttlichen Pädagogik entwickelt. Der frühchristliche Philosoph und Kirchenschriftsteller Clemens von Alexandria (um 150-215) leistete in seinen Schriften einen wichtigen Beitrag zur Rezeption der platonischen Philosophie in der christlichen Glaubenslehre. Die schöne Druckermarke von Michel Sonnius zeigt eine Schlange über einem lodernden Feuer, gehalten von einem Wolkenarm, als Symbol für göttlichen Schutz. – Etwas braunfleckig, die ersten zwei Blatt vom Index mit kleinem Loch im Satzspiegel (minimaler Buchstabenverlust). Insgesamt woherhaltenes Exemplar des zweispaltigen Drucks.
Diogenes Laertius. De philosophorum vita decem per quam secundi libri ad bene beateque vivendum commotivi. 8 nn., CXXXVII num. Bl. Mit großer Holzschnitt-Druckermarke und blattgroßem Textholzschnitt auf dem Titel verso. 20,5 x 14 cm. Moderner marmorierter Halbpergamentband. Paris, Jean Petit und G. Marchant, (um 1507-1509).
IA 153.795. STC 135. Moreau 317, 68. – Erste Ausgabe der Philosophenviten des Diogenes bei Jean Petit. In der Übertragung von A. Traversarius und der Textbearbeitung von B. Brognolo. Der schöne Holzschnitt auf dem Titel verso zeigt einen Mönch in seiner Studierstube. – Es fehl das nicht paginierte Schlussblatt mit der zweiten Druckermarke von Marchant. Titel mit kleiner Ziffernsignatur, die Titelzeile in Sepia unterstrichen. Am Schluss mit Braunfleck im Bug, das Schlussblatt mit kleinem Loch im Satzspiegel (geringer Textverlust). Vorderes Innengelenk nach den Vorstücken unfachmännisch mit Leinenstreifen verstärkt. Sonst wohlerhalten.
Dionysius der Kartäuser
Liber utilissimus, de quatuor hominis novißimis
Los 1075
Schätzung
150€ (US$ 172)
Dionysius der Kartäuser. Liber utilissimus, de quatuor hominis novißimis, nempe I. Morte. II. Iudicio. III. Inferni pœnis. IIII. Gaudiis cœli. Eiusdem item, colloquium de particulari iudicio animarum. 8 nn., 180 num. Bl. 15,5 x 10 cm. Pergament d. Z. (mit hs. RTitel; Remboitage). Paris, Jean Roigny, 1543.
Nicht im STC 265. – Früher Pariser Druck der "viel gelesene(n) und oft aufgelegte(n) Schrift" des spätmittelalterlichen belgischen Mystikers Dionysius Carthusianus (Wetzer-W. III, 1808), dessen knapp 200 visionäre Schriften und sein asketischer Lebensstil ihm den furchteinflössenden Beinamen Doctor Ecstaticus einbrachten. – Titel gestempelt. Ohne fl. Vorsätze, Innengelenke unfachmännisch überklebt.
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