Innocentius IV. Papa
Bulla indulgentiarum - Litterae Apostolicae sub plumbo. Päpstliche Ablassbulle. Lateinische Handschrift auf Pergament.
Los 1001
Schätzung
3.600€ (US$ 4,138)
40 Tage Ablass für die Förderung des Baus von Franziskanerklöstern in den Ordensprovinzen Deutschland und Sachsen
Innocentius IV. Papa. Bulla indulgentiarum - Litterae Apostolicae sub plumbo. Päpstliche Ablassbulle. Lateinische Handschrift auf Pergament. 1 S. auf 1 Bl. Schriftraum: 17,5 x 30 cm. Format: 31,5 x 33,5 cm (inkl. Plica). Mit großer Federwerk-Initiale "I" und 5 weiteren Zierinitialen sowie an gelbrotem Faden angehängter geprägte Bleibulle Durchmesser 3,9 cm. Lyon
19. Dezember 1246.
Eine der überaus seltenen, komplett intakt erhaltenen Ablassbriefe Papst Innozenz’ IV. (1195-1254), der von 1243 bis 1254 das Pontifikat inne hatte und im vierten Jahr seiner Amtszeit in Lyon residierte. 1244 war er vor dem Stauferkaiser Friedrich II. dorthin geflohen, wo er im Folgejahr 1245 das "Erste Konzil von Lyon" abhielt. Die exakte Datierung auf den 19. Dezember 1246 geht aus der Formel des Eschatokolls hervor: "Datum Lugduni, quartodecimo kalendas Ianuarii, pontificatus nostri anno quarto." Die ebenfalls bemerkenswert gut erhaltene schwere Bleibulle zeigt avers die Köpfe der Erzapostel Petrus und Paulus, getrennt durch ein Kreuz und darüber die Abkürzung "SPASPE" (Sanctus Paulus, Sanctus Petrus). Auch die Ikonographie entspricht hier schon der üblichen Überlieferung, die Paulus als Glatzkopf mit Spitzbart und Petrus mit Locken und Rauschebart zeigt. Auf dem Revers der Name des amtierenden Papstes in Versalien "INNOCENTIUS PP IIII".
Auch der Inhalt ist historisch interessant, wird der Ablass doch in direktem Zusammenhang mit dem Bau von neuen Franziskanerklöstern in Deutschland und Sachsen gewährt. Franz von Assisi (1181-1226) hatte den Orden der Minderbrüder (Fratres Minores) als Reform- und Predigerorden 1210 gegründet, der sich in der Folge mit hoher Geschwindigkeit in Europa, vor allem aber auch in Deutschland ausbreitete, so dass die Brüder schon 1246 feste Klöster, Noviziate und vor allem große Kirchen brauchten, um die riesigen Menschenmengen zu fassen, die ihre Predigten hören wollten. Dieses bezeugt die Indulgenz-Urkunde:
"Innocentius episcopus servus servorum dei. Universis christi fidelibus presentes litteras inspecturis salute et apostolicam benedictionem. Quoniam ut ait apostola omnes falubimus ante tribunal episcopi recepturi pout in corpore gessimus sive bonum fuerit sive malum. oportet nos diem messionis extreme misericordie operibus prevenire ac eternorum intuetu seminare in terris quod reddente domino cum multiplicato fructu recolligere debemus in coelis […].
Sane, dilecti filii ministri et fratres ordinis fratrum minorum Alemanniae et Saxoniae ibidem, sicut accepimus, ecclesias cum aliis aedificiis suis usibus opportunis ceperunt construere, in qua divinis possint laudibus deservire.
Cum itaque pro huiusmodi aedificiis consum[m]andis ac etiam pro sustentatione art[a]e vit[a]e ipsorum indigeant fidelium iuvari subsidiis qui propter Christum extremae ferunt sarcinam paupertatis, universitatem vestram rogamus et hortamur in Domino, in remissionem vobis peccaminum iniungentes, quatenus eis pias elemosinas et grata caritatis subsidia erogetis, ut per subventionem vestram aedificia huiusmodi consummari valeant et aliter eorum indigentiae providere. Ut vos per haec et alia bona, quae, Domino inspirante, feceritis, ad aeternae possitis felicitatis gaudia pervenire.
Nos enim, de omnipotentis dei misericordia et beatorum Petri et Pauli, apostolorum eius, auctoritate confisi, omnibus vere paenitentibus et confessis, qui eisdem pro dictorum consummatione aedificiis vel pro ipsorum necessitatibus relevandis manum porrexerint adiutricem, quadraginta dies de iniuncta sibi paenitencia misericorditer relaxamus. Datum Lugduni, xiiij kalendas Ianuarii, pontificatus nostri anno quarto."
"Innocent, Bischof, Diener der Diener Gottes. Allen Gläubigen Christi, die diese Zeilen lesen werden, sei Gesundheit und der apostolische Segen gewährt. Denn, wie der Apostel sagt, werden wir alle vor dem Richterstuhl des Bischofs erscheinen, um die Vergeltung für das zu empfangen, was wir im Leben getan haben, sei es Gutes oder Böses. Es ist unsere Pflicht, uns durch unsere Taten auf den Tag der Barmherzigkeit des Herrn vorzubereiten und mit Blick auf die Ewigkeit auf Erden das zu säen, was, wenn es dem Herrn zurückgegeben wird, reichlich Frucht tragen wird.
In der Tat, liebe Söhne, haben die Ordensbrüder und Mitbrüder des Ordens der Minderbrüder in Deutschland und Sachsen, wie wir erfahren haben, begonnen, Kirchen und andere Gebäude für ihre eigenen Zwecke zu errichten, in denen sie dem Gottesdienst nachgehen können.
Da also die Gläubigen, die um Christi willen die schwere Last der Armut tragen, Hilfe benötigen, um solche Gebäude fertigzustellen und auch ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, bitten und ermahnen wir euch im Namen des Herrn als eine von Gott auferlegte Pflicht, ihnen fromme Almosen und gnädige Hilfe in Nächstenliebe zu gewähren, bitten und ermahnen wir eure Gemeinschaft im Herrn und legen es euch als Sündenvergebung ans Herz, dass ihr ihnen fromme Almosen und gnädige Hilfe aus Nächstenliebe gewährt, damit durch eure Unterstützung solche Bauten vollendet und ihre sonstigen Bedürfnisse gedeckt werden. Damit ihr durch diese und andere gute Werke, die ihr, vom Herrn inspiriert, vollbringen werdet, die Freuden des ewigen Glücks erlangt.
Wir nämlich erlassen, im Vertrauen auf die Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes und auf die Autorität seiner heiligen Apostel Petrus und Paulus, allen wahrhaft Bereuenden und Beichtenden, die jenen zur Vollendung der besagten Gebäude oder zur Linderung ihrer Bedürfnisse eine helfende Hand reichen, barmherzig vierzig Tage der ihnen auferlegten Buße.“
„Gegeben zu Lyon, am vierzehnten Tag vor den Kalenden des Januars, im vierten Jahr unseres Pontifikats.“
Nibelungenklage
Fragment aus des Epilog-Epos des Nibelungenliedes. Mittelhochdeutsche Handschrift auf Pergament
Los 1002
Schätzung
32.000€ (US$ 36,782)
"Do gie ein Guntheres man / Vur die chuneginne stan / Unn vraget si der maere, / Ob ir daz liep ware"
Nibelungenklage. Fragment aus des Epilog-Epos des Nibelungenliedes. Mittelhochdeutsche Handschrift auf Pergament. 1 Bl., 2 Seiten. 3 Spalten. 52 Zeilen. Schriftraum 28 x 19-23 cm. Format ca. 36,5 x 23,2 cm. Mit 5 (4 roten, 1 blaue) 2-zeiligen Initialen und ca. 128 1-zeiligen Initialen in Rot und Blau im Wechsel. Sehr gute gotische Textualis. Bayerisch-österreichischer Raum, Ende 13. Jahrhunderts.
Umfangreiches Fragment der "Klage", des mittelalterlichen Epilogs zum Nibelungenlied, das von der Überbringung des Todes Siegfrieds und des Unterganges des burgundischen Hofes an die Familien in Worms, Passau und Bechelarn kündet. Die "Klage" umfasst insgesamt über 4300 Verse, der in den meisten Handschriften des Nibelungenlieds unmittelbar auf den Haupttext der Aventuren folgt.
Da die "Klage" (K) in verschiedenen mittelhochdeutschen Versionen (Fassungen *A, *B und *C) überliefert ist, gibt es keinen Urtext auf den diese Versionen zurückzuführen sind. Hinzukommt eine eigene Kurzversion in nur 944 Versen (*J), "Diese Kurzform sei 'unter ästhetischen Gesichtspunkten' den anderen Fassungen 'überlegen', so daß sogar erwogen worden sei, in ihr die ursprüngliche Fassung zu sehen, die später dann in den anderen Fassungen redaktionell erweitert worden sei [...]", schreibt Peter Brommer in seinem Artikel "Ein unbekanntes Fragment der 'Nibelungenklage‘“ und stellt im weiteren Verlauf fest: "Das von einer geübten Hand geschriebene Fragment überliefert die Verse 609-920 der Kurzfassung *J, was ziemlich genau einem Drittel derselben entspricht [...]. Das Fragment stammt aus dem Ende des 13. Jh.s. [und] ist keiner bislang bekannten 'Klage'-Hs. zuzuordnen". Bronner zitiert den Mediävisten Joachim Bumke: "Mit seiner Feststellung hat Bumke deshalb Recht, daß die Kurzfassung 'nicht durch Nachlässigkeit und Gedankenlosigkeit zustande gekommen ist, sondern daß hier ein planender Redaktor am Werk war [...]" und schließt "Letztlich wird man diese Passage auch als ein Kriterium dafür ansehen können, daß die Kurzfassung wohl doch auf der Langfassung aufbaut [...]." Siehe Peter Brommer, Ein unbekanntes Fragment der "Nibelungenklage" in Koblenz. In: Zeitschrift für deutsches Altertum 135 (2006), S. 324-335.
Handschriftencensus, Handschriftenbeschreibung Nr. 1088. Das Fragment stammt aus der Hs. K der ‚Klage‘; aus derselben Handschrift stammen auch die Fragmente Berlin, SBB-PK, Ms. germ. fol. 587, 814 und 923 Nr. 13 sowie Dülmen, Herzog von Croy’sche Verwaltung, Hausarchiv Nr. 54. Zur nur teilweise erhaltenen Hs. K, die neben dem Nibelungenlied und der Nibelungen Klage auch die ‚Kindheit Jesu‘ enthielt, s. auch Gisela Kornrumpf, ‚Heldenbuch - oder Sammelhandschrift? Zu Codex discissus K des „Nibelungenliedes“‘, Scrinium Berolinense. Tilo Brandis zum 65. Geburtstag, Berlin 2000, S. 287-298.
Zur Provenienz: Das Blatt stammt aus der Adelsbibliothek der Freiherren von Salis-Soglio auf Schloss Gmunden, von wo es in das Landeshauptarchiv Koblenz verbracht wurde, zusammen mit Dokumenten, die die Familie dort großzügigerweise als Depositum auf Zeit überlassen hat. Das Blatt, das von den Archivaren ausgelöst wurde, war jedoch niemals Teil der vertraglich fixierten Depositums - und wurde daher der Familie zurückerstattet. Ohne Rücksprache und gegen deren ausdrücklichen Willen war das Blatt - im Zuge mit anderen Objekten des Depositums - unrechtmäßig als "Bestand 701 Nr. 759 Unternummer 060" in den Koblenzer Archivbestand integriert und gestempelt. Nach wie vor wird es dort unter der Signatur geführt, auch wenn der Eintrag des Online-Katalogs auf das Eigentum der Familie Salis-Soglio hinweist "Landeshauptarchiv Koblenz Bestand 701 Nummer 759 Unternummer 060. Nibelungenklage [Eigentum des Archivs der Freiherren von Salis-Soglio, Depositum, vgl. Best. 49]" (siehe: //apertus.rlp.de/index.php?PLINK=1&ID=c36bc12f-3c29-44b8-b41b-18823577661e; Abruf 23.07.26). Im Auftrag der Familie konnte der Stempel entfernt werden und das Blatt nun auf der Auktion angeboten werden (vgl. die beiliegenden Dokumente). – Ausgelöste Einbandmakulatur mit entsprechenden Gebrauchsspuren, Leimresten, Bräunungen und Textablösungen sowie Randeinrissen und elf winzigen bis kleinen Löchlein im Text (kaum Buchstabenverlust) sowie einem größeren Knorpelloch unten im unbeschriebenen Rand. Auf beiden Seiten in der Mitte mehrere stärkere Textabreibungen durch einstige Montage, Druck und Feuchtigkeit. Etwas gebräunt, braunfleckig, berieben, jedoch insgesamt meist gut lesbares, umfangreiches Fragment und eindrucksvolles Zeugnis der berühmtesten Dichtung des deutschen Hochmittelalters.
Sacerdotale
Sammelband mit11 Traktaten. Lateinische Handschrift
Los 1003
Schätzung
8.000€ (US$ 9,195)
Das Handbuch eines Mönches: Vollständiger Sammelband mit theologischen Traktaten
Sacerdotale. Sammelband mit 11 Traktaten und einigen kurzen Betrachtungen unterschiedlicher Verfasser, die alle an Priester gerichtet sind. Lateinische Handschrift in schwarzer, sepiabrauner und roter Tinte auf Pergament (38 Bl.) und auf Papier (75 Bl.), insgesamt 113, teils einzeln in Blöcken alt nummerierter Bl. 16-26 Zeilen. Schriftraum zwischen 7 x 4,3 und 5,6 x 4 cm. Format ca. 11 x 7,2 cm. Spätmittelalterliche Bastarda. Mit zahlreichen roten Lombarden, teils gelb gefüllten Initialen, Kapitalstrichelung und Rubrizierung. Holzdeckelband d. Z. (mit wenigen Wurmlöchlein, Läsuren und Schadstellen, Montageresten) über drei Bünden (mit Resten von späterer Vergoldung), Gelenke brüchig, Vorsätze erneuert. Vermutlich Süddeutschland, 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Einmalige Sammlung von theologische Werken für einen Priester-Mönch von zwei gleichzeitigen Händen geschrieben. "Sacerdotale" ist ein typischer Titel für liturgische oder pastorale Handbücher, die Priestern bei ihren täglichen Pflichten (Messfeier, Spendung von Sakramenten, Bibelstudium) halfen. Hand 1 schrieb Bl. 3-14, 23, 80v-84v, 95r-113r; Hand 2 schrieb Bl. 15-22, 24-80v, 85r-95r. Beide Hände verwenden eine Bastarda, die Schrift von Hand 2 ist jedoch wesentlich kleiner und neigt zu einer kursiven Schrift. Hervorzuheben ist, dass einige Pergamentblätter Spuren einer entfernten Schrift aufweisen (Palimpsest, Bl. 24, 34, 43, 44, 52, 62 und 80).
Armandus de Encena (?). Via salutis (Kurzfassung). Überschrift: Prologus tractatus appellatur ‚Sacerdotale‘, eo quod compositus fuerit in subcidium presbyterorum; qui fuit extractus de quodam nobili libro qui vocatur ‚Via salutis‘; nam sicut via ducit hominem ad domum propriam, ita ista que sunt in isto tractatu ducunt hominem ad domum nostram propriam scilicet paradisi (Bl. 1r-14v und 23r). ("Der gegenwärtige Traktat wird 'Sacerdotale' genannt, weil er zur Unterstützung der Priester verfasst wurde. Er wurde aus einem gewissen edlen Buch herausgezogen, das ‚Weg des Heils‘ genannt wird; denn so wie ein Weg die Menschen zu ihrem eigenen Haus führt, so führen diese Dinge, die in diesem Traktat stehen, die Menschen zu unserem eigenen Haus, nämlich dem des Paradises.")
Zur Autorenfrage: In der handschriftlichen und frühen gedruckten Tradition (Inkunabeln des späten 15. Jahrhunderts) wird dieses Werk meist dem französischen Dominikaner Armandus de Auzeria (auch Armandus de Bellovisu / Armand von Beauvoir, gest. um 1334) oder dem im 15. Jahrhundert weit verbreiteten Prediger Michael de Hungaria (Michael von Ungarn) zugeschrieben. Zweck des Werkes: Es handelt sich um ein überaus populäres Handbuch, das Priestern ohne tiefere akademische Ausbildung als Hilfsmittel (subcidium) bei ihren Aufgaben diente. (Bl. 1r-14v und 23rv).
Hugo von Saint-Cher. Speculum ecclesiae. Incipit speculum ecclesie editum a domino Hugone de Sancto Caro cardinali. Weit verbreiteter Traktat über die hl. Messe (Bl. 15r-22v und 80r).
De recommendatione sacre Scripture und De expositione sacre Scripture. Anonymes Traktat über die vier Ebenen der biblischen Exegese im Spätmittelalter: Sensus litteralis, allegoricus, moralis und anagogicus (buchstäblich, allegorisch, moralisch und im geistigen Sinne). Einführung in das vertiefte Studium der Bibel (Bl. 24r-79v).
Erklärung des Vaterunsers (Bl. 80rv). Nota quod septem sunt petitiones …
Ermahnungen, Sprüche und Gebete, überwiegend über die Demut (Bl. 80v-82r), über die Caritas, Tugenden und Laster (Bl. 83r-87v). Dies ire, dies ille … (Bl. 88r-89r). Ps.-Bernhard von Clairvaux: De mortis memoria. Walther, Initia Nr. 3765. Cum sim modo moriturus … und weitere Betrachungen (Bl. 89r-94v). De vita Christi. Überlegungen über das Leben Christi (Bl. 95r).
Secuntur XV perfectiones que sunt necessarie persone que servit Deo in vita spirituali. 15 Lehren für eine Person, die Gott dient in seinem geistigen Leben (Bl. 95v-96v).
Verus religiosus est qui fervorem habet … Über das Klosterleben (Bl. 97rv).
Si vis esse cenobita, huius vite vitam vita … Betrachtung über das Klosterleben (Bl. 98r-101r). Aus der Exhortatio ad religiosos des Bernhard von Clairvaux.
Devota meditacio. Betrachtung über die Menschwerdung Christi (Bl. 101r-103v).
Ordinacio vite religiose a fratre Rogeri edita. Über die Bildung der Persönlichkeit eines auf Gott gerichteten Menschen (Bl. 103v-109v).
Speculum monachorum. Betrachtungen über das Leben im Kloster (Bl. 109v-113v). – Bl. 23 u. 80 falsch eingebunden. Bindung etwas streng, vereinzelte Gebrauchsspuren (minimale Fleckchen, unwesentliche Bräunungen, Tintenwischer etc. ). Sehr hübsches kleines Vademecum eines Priesters und Wundheilers, in bemerkenswert gutem Gesamtzustand.
Missa pro evitanda morte
Lateinische Handschrift auf Pergament
Los 1004
Schätzung
600€ (US$ 690)
Pestmesse als Vademecum eines französischen Priesters
Missa pro evitanda morte. Lateinische Handschrift auf Pergament. 23-27 Zeilen. 24 nn. Bl. Schriftraum 20,8 x ca. 13 cm. Format 29 x 18,5 cm. Gotica textualis in Sepiafarbener Tinte mit Ausreichnungen in Rot und einigen großen 3-4-zeiligen Schmuckinitialen in Rot-Blau und zahlreicheren kleineren Initialen in Rot und Blau, etwas romanischer Quadratnotation und durchgehender Rubrikation. Wohl Südfrankreich um 1420.
Handschriftlicher Text einer Pestmesse, einer "Missa pro evitanda mort", die auch unter dem Titel "Missa pro vitanda mortalitate" oder "Missa contra pestem" Eingang in die liturgische Literatur des 14. und 15. Jahrhunderts fand. Mit Ausbruch des "Schwarzen Todes" im Jahre 1347 kodifizierte der Avignoner Exilpapast Clemens VI. (ca. 1250-1314) den hier vorliegenden Text einer Votivmesse gegen die Pest und den plötzlichen Tod. Der Text beginnt: mit dem "Recordare, Domine, testamenti tui, et dic angelo percutienti...", dem zentralen Choral gegen eine Pestilenz als flehendes Gebet um Bewahrung vor Tod und Verderben. Biblische Quelle war das 2. Buch Samuel 24,16.
Die drei ungebundenen pergamentenen Oktavlagen sind ursprünglich aus einem wohl größeren Kontext herausgelöst durch Stichbindung oben und unten am Bug zu einem Handbuch des Priesters geworden. Es enthält des Weiteren die "Missa de cruce" (Fol. 8v Folgende) sowie die "Missa de pace" (Fol. 22v, unvollständig, bricht nach 4 Seiten ab).
Auch im 15. Jahrhundert, in deren ersten Jahren unsere Handschrift entstanden ist, gehörte die Pest zu einem wiederkehrenden Übel, wodurch die "Missae pro vitanda mortalitate" weiterhin vielfach gefeierter Teil des Gottesdienstes blieb. – Teils mit stärkeren Gebrauchsspuren wie Bräunungen, Fingerflecken und Abreibungen (jedoch nur unwesentlicher Textverlust), Ecken rechts unten teils verstärkt, hinterlegt oder ergänzt, einige Ein- und wenige Ausrisse zeitgenössische bzw. alt geschlossen, einmal mit Textergänzungen, wellig, gebräunt und etwas fleckig, insgesamt jedoch in gutem Zustand.
Notule de notaire de Juncosa
Notule. Sammlung von katalanischen Urkunden. Lateinische Handschrift auf Papier
Los 1005
Schätzung
500€ (US$ 575)
Juncosa, Lleida. "Notule". Sammlung von katalanischen Urkunden. Lateinische Handschrift auf Papier. 22 nn. Bl. 20-36 Zeilen. Format 22 x 15 cm. Moderner marmorierter Pappband mit RSchild. Juncosa, Lleida (Katalonien) 1454-1459.
Abschriften von Notariatsurkunden aus der katalanischen Gemeinde Juncosa in der Provinz Lleida im Nordosten Spaniens, die zur "Comarca Garrigues" gehört. Es handelt sich vor allem um Verkaufsurkunden, deren erste anhebt: "Noverint universi quod ego bernardo habit[ator] loci junicosse gratis et ex certa [scientia] per me et omnes meos successores praesentes et futuros, vendo tibi, Johannes Estapari (?), dicti loci, iure perpetuo, quandam sortem terrae campive meam cum confrontationibus... [...]" - ("Allen sei bekannt, dass ich, Bernardo, Einwohner des Ortes Juncosa, freiwillig und aus sicherem Wissen, für mich und all meine gegenwärtigen und zukünftigen Nachfolger, dir, Johannes Estapari (?), aus dem besagten Ort, zu ewigem Recht ein gewisses Stück meines Ackerlandes mit folgenden Begrenzungen verkaufe... [...]"). Es folgen weitere Abschriften von anderen, wohl auch späteren Händen. – Erste Blätter mit Randläsuren, das erste mit Fehlstellen (etwas Textverlust), vereinzelt etwas fleckig und mit Gebrauchsspuren, insgesamt aber (bis auf das erste stärker gebräunt und fleckig Blatt) gut erhalten und lesbar. Vorne eine eingebundene Einbandmakulatur mit einem Teil aus einem Paulusbrief an die Röme auf einem Fragmentblatt einer spanischen Handschrift des 14. Jahrhunderts (mit entsprechenden Makulaturspuren).
Alphabetarium
divini amoris. Lateinische Sammelhandschrift auf Papier mit xy Traktaten
Los 1006
Schätzung
22.000€ (US$ 25,287)
Reichhaltige, seltene theologische Sammelhandschrift mit komplexen deutschen Liedern
Alphabetarius divini amoris. Theologische lateinische Sammelhandschrift auf Papier mit 8 Traktaten und einigen kurzen Texten sowie drei deutschen Lieder. 22-39 Zeilen. Bastarda und Cursiva von verschiedenen, etwa gleichzeitigen Händen. Schriftspiegel 15 x 9,5 bis 16-17 x 11 cm. Mit zahlreichen, bis zu 4-zeiligen roten Initialen und viel Rubrizierung mit Absatzmarken, Kapitalstrichelung, Unterstreichungen etc., je nach Hand und Traktat. Format 20,6 x 14 cm. Rotes Schafsleder (mit Druckstellen, Kratzern, etwas beschabt, bestoßen und fleckig) über drei Bünde und schweren, abgerundeten Holzdeckeln sowie 2 intakten neuzeitlichen Messingschließen. Rücken ausgebessert. Süddeutschland, Anfang des 15. Jahrhunderts.
Besonders reichhaltige theologische Sammelhandschrift, die überwiegend aus selten überlieferten Texten von deutschen und mitteleuropäischen Autoren zusammengesetzt wurde. Die Themenbreite dieser Texte ist auffallend groß und widerspiegelt die breite theologische und juridische Orientierung des Urhebers der Sammlung. Die etwa 20 leeren Seiten belegen, dass die Sammlung nicht abgeschlossen war, als die Handschrift gebunden wurde. Die drei komplexen deutschen Lieder auf Bl. 86v-88v sind womöglich nur in dieser Handschrift überliefert; sie kontrastieren inhaltlich mit den theologischen Texten. Die Schriftsprache dieser Lieder ist süddeutsch, vermutlich bayrisch. Anhand der Merkmale der Schrift ist die Entstehung aller Texte ins frühe 15. Jh. anzusetzen.
Alphabetarius divini amoris. Incipit alphabetarius divi amoris. Ad honorem omnipotentis Dei aliquos modos et vias … (Bl. 1r-35v). Erbauliches Werk, besonders in Süddeutschland überliefert. Behandelt alphabetisch geordnete, inhaltlich zusammenhängende theologische Begriffe, die aus der Perspektive der Spiritualität der Kartäuser erläutert werden.
Albertus von Diessen. Speculum clericorum. Legimus in Exodo centesimo XIIo capitulo quod Moyses fecit librum eneum de speculis mulierum … (Bl. 39r-70v). Handbuch mit theologischem Grundwissen für Geistliche.
Henricus de Langenstein (?). Super canonem misse. Quam brevis fuerit missa et in verbis et in ceremoniis … Am Schluß: Explicit scriptum super canonem misse magistri Hinrici de Hassia (Bl, 73r-84r).
Matthäus von Krakau (?). Domine Ihesu Christe, qui ecclesiam tuam sponsam vocare, et eius amabilis … Am Schluss: Hanc orationem composuit magister Matheus de Cracovia in Praga (Bl. 84r-85r). Zuschreibung unsicher. Vgl. Matthias Nuding, Matthäus von Krakau, Tübingen 2007, S. 259.
Merkverse.V sensus. Visus auditus gustus tactus odoris. VII peccata mortalia … (Bl. 85v). Juristische Notizen (Bl. 86r).
Lied an die Jungfrau Maria. Hec est una cantilena de beata virgine Maria et al… ut martirium conducet. Wol uff waz hie und zchymel sy / mit symphoni und singend … 7 Strophen (Bl. 86v-87r).
Mai und Herbst. Lied über die Freuden des Essens und Trinkens. Daz fress. Maeij, din wnne brennende zit git wit, in den angern, uff der haide … 7 Strophen (Bl. 87r-88r).
Reimende medizinische Rezepte. Medicina bona. Vier tayl sint an dem menschen da von sich der siechtum hebet … 7 Strophen (Bl. 88rv).
Merkverse zu ausgewählten Büchern des Alten Testaments (Bl. 89r-90r).
Juristische Betrachtung der heiligen Kommunion. Communicare id est corpus Christi sumere. Quilibet fidelis … (Bl. 91r-93r). Aus Thomas von Aquin, De sacramento eucharistiae.
De bestiis (Dicta Chrysostomi). Auszug über Raubtiere und andere Tiere. Jacobus benedicens filium suum Iudam ait: Catulus leonis Iuda … (Bl. 93v).
Hayo de Faversham. Ordo missae. Incipit ordo agendorum et dicendorum a sacerdote in missa iuxta consuetudinem ratione ecclesie … (Bl. 98r-100v).
Juristische Betrachtung über die Wirkung der Beichte. Confessio est salus animarum, dissipatrix vitiorum … (Bl. 101v-102v).
Matthäus von Krakau (?). Fünf Predigten. Incipiunt sermones Mathei de Cracovia. Et primus de apostolis. (Bl. 108r-118r). Vgl. Nuding, Matthäus von Krakau, S. 257-259.
Decem virtutes missae. Über die Wirkung der hl. Messe (Bl. 118v-119r). – Vorsätze erneuert, mit sauberen Restaurierungen, im Buchblock nur zu Anfang und Ende an den Rändern etwas feuchtfleckig, Text jedoch lesbar geblieben. Vereinzelt gering fleckig, sonst nur wenige Gebrauchsspuren. Moderne Foliierung in der oberen rechten Ecke. Die festen Vorsätze mit einem Blatt Handschriftenmakulatur belegt, aus einer lateinischen Handschrift auf Pergament. Darauf vorne der handschriftliche Besitzvermerk "Ex libris Fratrum Wiblingensium" (18. Jh.?), wiederholt auf Bl. 1r, demnach die Handschrift wohl aus der Bibliothek der Benediktinerabtei im oberschwäbischen Wiblingen (bei Ulm) stammt. Mit kleinem Zusatz "Pater n[oste]r qui es in cel[um] alleluia etc.". Alte Signatur I.E.46 (Wiblingen?) auf dem Rekto des 2. Vorsatz.
Vorsätze erneuert, mit sauberen Restaurierungen, im Block nur zu Anfang und Ende an den Rändern etwas feuchtfleckig, Text jedoch lesbar geblieben. Vereinzelt gering fleckig, sonst nur wenige Gebrauchsspuren, neuere Foliierung in der oberen rechten Ecke. Die festen Vorsätze mit einem Blatt Handschriftenmakulatur belegt, aus einer lateinische Handschrift auf Pergament. Darauf ein hs. Besitzvermerk "Ex libris F. F. Wilblingensium", demnach das Exemplar wohl aus der Bibliothek der Fratres (F.F. - Fratres Fideles) der Benediktinerabtei im oberschwäbischen Wiblingen stammt. Mit kleinem Zusatz "Pater n[oste]r qui es in cel[um] alleluia etc.".
Dornblattranken-Bordüren
4 Blätter aus einem spätmittelalterlichen Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament
Los 1007
Schätzung
600€ (US$ 690)
Dornblattranken-Bordüren. 4 Blätter aus einem spätmittelalterlichen Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament. 8 S. auf 4 Bl. 15 Zeilen. Textura in Rot und Braunschwarz. Schriftraum 9,5 x 6,4 cm. Format 19 x 13,2 cm. Mit 25 1-2-zeiligen Blattgold-Initialen in rot und blauem Kasten mit weißem Federwerk, zahlreichen Zeilenfüllern, Absatzmarken, Überschriften und Rubrikation in Rot und alle Seiten mit breiter flankierender Rankenbordüre mit Dornblattornamentik, Akanthus-, Federwerk, Blumen, Blüten und Blattgold-Dornblattranken sowie Goldpunkten. Ile-de-France um 1465.
Ein authentisches Stück Spätmittelalter in leuchtendem, schillernden Blattgold. – Sehr feine, exzellente Bordüregestaltung auf Pergament, minimal angestaubt, kaum fleckig, ausgelöst aus Stundenbuch. Sehr dekorativ.
Blattgoldinitialen
Blätter aus einem spätmittelalterlichen Gesangbuch-Brevier
Los 1008
Schätzung
700€ (US$ 805)
Blattgoldinitialen. 6 Blätter aus einem spätmittelalterlichen Brevier in lateinischer Handschrift auf Pergament . 12 S. auf 6 Bl. 17 Zeilen. Textura in Schwarz oder Braunschwarz. Schriftraum 9,4 x 7 cm. Format 20,2 x 14,5 cm. Mit 26 (davon 10 großen, 2-zeiligen) Blattgold-Initialen in rot-blauen Rahmenkästen mit weißem Federwerk. Ile-de-France um 1450.
Blätter aus einem bemerkenswert üppigen spätmittelalterlichen Stundenbuch auf besonders großem, breiten Pergament mit Textpassagen aus dem 2. Buch der Könige, Kapitel 20: "Omnipotens sempitérne Deus, qui Ezéchiae regi Iudae te cum lácrimis deprecánti vitae spátium protendísti...", geschmückt mit schillernden Blattgoldinitialen. Das Pergament teils sehr zart, fein rot regliert. Der Text nimmt dabei weniger als ein Fünftel des Blattes ein, was zeigt, wie wohlhabend der Auftraggeber gewesen sein muss. – Teils leicht fleckig oder angestaubt, zwei Blätter etwas mehr gebräung, teils unwesentlicher Abrieb, die Initialen in leuchtendem Blattgold.
Federwerk-Initialen
Blätter aus einem spätmittelalterlichen Gesangbuch-Brevier
Los 1009
Schätzung
650€ (US$ 747)
"In jener Zeit nach Markus: Als die elf Jünger zu Tisch saßen, erschien ihnen Jesus..."
Federwerk-Initialen. 5 Blätter aus einem spätmittelalterlichen Brevier in lateinischer Handschrift auf Pergament . 10 S. auf 5 Bl. 20 Zeilen. Textura in Braunschwarz. Schriftraum 9 x 6 cm. Format 16 x 12 cm. Mit ca. 64 1-2-zeiligen Blattgold-Initialen in rot-blauen Federwerk-Konturkästen mit weißem Federwerk und teils mit Federwerk-Ausläufern. Ile-de-France um 1440.
Einzelblätter eines Stundenbuchs mit hübschen Blattgold-Initialen, die mit reichem Federwerk sorgsam umspielt sind. Enthalten ist eine der schönsten biblischen Erzählungen des Neuen Testaments: "In illo tempore secundum Marcum: Recumbentibus undecim discipulis apparuit illis Iesus", das sie Szene des Erscheinens Jesu vor seinen Aposteln nach seiner Auferstehung schildert: "In jener Zeit nach Markus: Als die elf Jünger zu Tisch saßen, erschien ihnen Jesus..." (Markus Kapitel 16, Vers 14). – Nur gering gebräunt, kaum fleckig, schön.
Ad primam versus
Blätter aus einem spätmittelalterlichen Gesangbuch-Brevier
Los 1010
Schätzung
600€ (US$ 690)
Ad primam versus. 5 Blätter aus einem spätmittelalterlichen Gesangbuch-Brevier in lateinischer Handschrift auf Pergament . 10 S. auf 3 Bl. und 1 Doppelblatt. 16 Zeilen. Textura in Rot und Braunschwarz. Schriftraum 9 x 6,4 cm. Format 17 x 11,8 cm. Mit großer, 6-zeiliger Flecht-Federwerk-Initiale in Blau und 48 1-2-zeiligen Pinselgold-Initialen in rot und blauem Kasten mit goldenem Federwerk, zahlreichen Zeilenfüllern, Absatzmarken, Überschriften und Rubrikation in Rot. Ile-de-France um 1470.
"Ad primam versus" mit der hübschen Initiale "A", die vielfach gezogen in reichem Bandzugfederflechtwerk ausläuft, um dabei zwei hübsche Gesichter auszubilden, wohl ein weibliches und ein männliches. Damit begannen die Gebete zur "Prim", der ersten Hore der täglichen Stundengebete. – Nur minimale Gebrauchsspuren, sehr schön.
Goldgrund-Initialen
7 Blätter aus einem spätmittelalterlichen Gesangbuch-Brevier
Los 1011
Schätzung
500€ (US$ 575)
Goldgrund-Initialen. 7 Blätter aus einem spätmittelalterlichen Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament . 14 S. auf 7 Bl. 15 Zeilen. Textura in Braunschwarz. Schriftraum 10,3 x 7,3 cm. Format 16,5 x 12,2 cm. Mit 7 größeren, 2-zeiligen Goldgrundinitialen in Rosé, Blau, Weiß und schwarzer Feder in Quadratkasten mit Pinselgoldfüllung sowie zahlreichen 1-zeiligen Initalen in Pinselgold auf blauem oder rotem Grund. Ile-de-France um 1480.
Recht phantasievoll illuminierte Einzelblätter mit aparten zweizeiligen Initialen in schwarzer Federzeichnung und mit blauen und roséfarbenen Buchstabenbalken, weiß gehöht - und auf feinem Pinselgrund aufgebracht.
– Unwesentlich gebräunt, alt wellig, kaum fleckig.
Chronik der Bischöfe von Mimigardeford
Westfälische Handschrift auf Papier.
Los 1012
Schätzung
800€ (US$ 920)
Münster. - Chronik der Bischöfe von Mimigardeford. Westfälische Handschrift auf Papier. 120 hs. num. Bl. Ca. 16 bis 18 Zeilen. Format 20 x 15,5 cm. Pergament d. Z. (stark fleckig, gebräunt, wellig, mit Fehlstellen). Westfalen 17. Jahrhunderts.
Umfangreiche niederdeutsche Chronik des Bistums Münster mit fortlaufender Geschichte und Sukzession der Münsteraner Bischöfe ("Catalogus Episcoporum"). Bereits der Beginn nennt ausdrücklich eine: "Cronica offn Catalogus Episcoporum Mimigardevordensium" also eine Chronik bzw. ein Verzeichnis der Bischöfe von Mimigardeford, dem alten Namen Münsters.
Die Handschrift behandelt in chronologischer Folge die Münsteraner Bischöfe, darunter den heiligen Liudgard ("Sanctus Ludgerus der erste Bischop“), ferner u. a. Otto von Hoya, Florentius, Conradus und weitere Amtsinhaber des Hochstifts. Der Text verbindet historische Nachrichten, biographische Notizen und Ereignisse der Bistumsgeschichte in niederdeutscher Volkssprache mit einzelnen lateinischen Einschüben. Besonders bemerkenswert ist die konsequent westfälisch-niederdeutsche Sprachform mit charakteristischen
Formen wie "dat", "unde", "tho", "Bischop", "Boick", "geboiren" etc. Der Codex steht damit in der Tradition der spätmittelalterlichen Münsteraner Bistumschronistik, dürfte jedoch keine reine Kompilation aus dem Lateinischen, sondern eine eigenständige volkssprachliche Bearbeitung bzw. Überlieferung darstellen. Die Schrift ist eine spätmittelalterliche niederdeutsche Bastarda/Kursive. Ausstattung bewusst schlicht ohne Rubrizierungen oder ausgeführte Initialen, was auf eine funktionale historische Gebrauchshandschrift und nicht auf einen repräsentativen Schaumanuskriptband schließen lässt. Gerade solche Arbeitscodices bewahren oft seltene oder unikale Textfassungen regionaler Chronistik. – Papier etwas gebräunt, fingerfleckig, vereinzelte Fleckchen, ältere Korrekturen oder Anmerkungen als Marginalien, wenige blaue Tintenwischer, insgesamt jedoch bemerkenswert
geschlossen und gut lesbar.
Nürnberger Wappenbuch
Deutsche Handschrift auf Papier mit zahlreichen Wappenmalereien
Los 1013
Schätzung
4.000€ (US$ 4,598)
Nürnberger Wappenbuch. Großes Fragment eines Wappenbuchs. Deutsche Handschrift auf Papier mit zahlreichen Wappenmalereien. 32 (statt 36?) teils num. Bl. 37-39 Zeilen. Schriftraum 28,4 x 14 cm. Format 41 x 27,4 cm. Deutsche Kanzleibastarda in Braunschwarz mit reichen Auszeichnungen in Fraktur und zahlreichen hübschen Federwerk-Caudillen. Mit 2 ganzseitigen farbigen Darstellungen und 35 großen halbseitigen farbigen Wappendarstellungen sowie einer ganzseitigen Tafeln mit vier farbigen Wappenmalereien (alles in der Foliierung). Modernes Halbpergament (fleckig, berieben). Wohl Nürnberg um 1519.
Prachtvoll illuminiertes Wappenbuch mit den Statuten und Kollegien des Reichstags. Der am Anfang unvollendete Text in sehr schöner, kunstvoller Kanzleischrift beinhaltet einen Chronikabriss, es folgt eine kalligraphische Fraktur-Überschrift: "Nachvolgen wievil furtreffentlicher Reich und Kayserthumb auf Erdrich gewesen. vor das Hailig Römisch Reich herkom unnd was ursachen es zu den Edlen Teutschen verendert worden. Auch wie, unnd wo man Kayer und Kunig, Erwelen, Salben, Weyhen und Crönen auch durch wen es geschehen soll. sambt denen dartzu verordenten unnd bestettigten Curfürsten, fürsten, Gaistlichen und weltlichen, unnd anndern, welche hernach unnderschiedlich beschriben und mit sampt iren wappen gemalet steen."
Danach sind die Statuten der Kaiserwahl, Krönung und Salbung wiedergegeben, wie sie 1356 in der Goldenen Bulle erstmals prominent kodifiziert wurden: "Wo und wie auch durch wen ain Römischer Kayser und Kunig erwelt bestettigt unnd gekrönt werden soll."
Besonders prachtvoll ist die großartige folgende Doppelseite mit den Wappen der Länder des Heililgen römischen Reichs und der Darstellung des Kaisers Karl V. auf seinem Thron zwischen zwei Triumphsäulen "PLVS VLTRA" und hinterfangen von dem mächtigen schwarzen Habsburger Doppeladler": "Carolus der fünfft Römisch Kaiser des Namens künig zu Hispanien etc. Ertzherzog zu Osterreich Ist erwelt worden. Anno. 1519." - Es folgen Beschreibungen der Reichsinsignien und Indumenta "Von den Kaidungen", "Von dem purpurn Klaid", "Von der gülin Cron", Von dem Scepter", "Von dem güldin Apfel", Von dem Schwert",
"Von dem Kayserlichen und Kuniglichen Tron", "Aus was ursachen Kayserliche Mayestat mit drey Cronen gekrönnt wurdt" etc. Es schließen sich zum Schluss die Wappen der Reichsfürsten an, zunächst der Kurfürsten "Etzbischoff zu Meyntz", "Etzbischoff zu Trier", "Etzbischoff zu Cöln", "Pfaltzgraff bey Rhein", "Hertzog von Sachssen", "Markgraue zu Brandenburg", "Hertzog von Behaim", ferner "Von den vier Hertzogen": "Hertzog zu Bayern", "Hertzog von Braunschweigk", "Hertzog von Lützingen" und "Hertzog von Schwaben", dann folgen die Markgrafen, die Burggrafen und schließlich die bedeutendsten Freiherren und Ritter - womit die ganze Führungshierarchie des Heiligen Römischen Reiches abgebildet wird. – Es fehlen am Anfang wohl ein Titelblatt und die Blätter 1, 2 und 7 innerhalb der Foliierung, unwahrscheinlicher Weise auch weitere Blätter am Schluss. Mehrere Blätter zu Anfang und Schluss mit Randläsuren und älteren Stegverstärkungen sowie kleinen Ergänzungen bzw. Hinterlegungen, oben etwas knapp beschnitten (teils leicht über die kalligraphischen Überschriften), Knickspuren, gebräunt (erstes Blatt stark), angestaubt und fleckig, die letzten Blätter auch mit größeren Ausrissen und alten Hinterlegungen, teils mit etwas Textverlust, Gebrauchsspuren. - Die Wappenmalereien in sachkundlicher Zeichnung und eindrucksvoller Farbmalerei.
Petrus Dresdensis. Parvulus philosophiae naturalis. Lateinische Handschrift auf Papier. 18 Bl. 15-18 Zeilen. Schriftraum 13 x 8 cm. Format 20 x 14 cm. Cursiva in Braunschwarz mit durchgehender reicher Rubrizierung. Moderner Pergamentband mit goldgeprägtem RTitel "PARVULUS". Deutschland (sächsischer Raum?), datiert 1554.
Sehr saubere, klare frühneuzeitliche Handschrift des "Parvulus" von dem Lehrer Petrus von Dresden (um 1350-1421 oder 1426), der 1409 die Universität Prag verlassen hatte und das Amt eines Schulmeisters in Dresden antrag. Als Anhänger der Hussiten wurde er 1412 aus Dresden verjagt und gründete er ein deutsche Schule in Prag, die er selber leitete. Sein 'Parvulus' vermittelt Grundkenntnisse der Naturphilosophie. Dieses kleine Werk ist in mehr als 20 Handschriften überliefert und wurde bis 1500 zweimal gedruckt. Die hübsche Die Schrift, eine Cursiva, zeigt Einflüsse der humanistischen Schrift. Schriften dieser Art wurden ab dem frühen 16. Jahrhundert im ganzen deutschen Sprachgebiet von Hochgebildeten verwendet. Eine Datierung auf den 5. November 1554 findet sich am Schluss (Bl. 16v): "Finis anno 50 4to secunda feria omnium sanctorum hora 2a per (...)". – Nur leicht feuchtrandig oder fleckig, sehr gut erhalten und vollständig.
Johann Egolff von Knöringen und Augsburg
Erbschaftsurkunde, das Stift zu Edelstetten betreffend. Deutsche Handschrift auf Pergament.
Los 1015
Schätzung
400€ (US$ 460)
Augsburg. - Johann Egolff von Knöringen. Erbschaftsurkunde, das Stift zu Edelstetten betreffend. Deutsche Handschrift auf Pergament. 27 Zeilen. 29 x 28 cm. mit kalligraphischer Auszeichnung und 2 an zwei Pergamenstreifen an die breite Plica angehängten dunkelgrünen Wachssiegeln (das recht noch in der Hartholzkapsel (ohne Deckel). Augsburg 4. Juli 1572.
Hübsche, mit zwei weitgehend unversehrten, an die Plica angehängten Wachssiegeln versehene Erbschaftsurkunde, die das ehemalige adeliges Damenstift Kloster Edelstetten in Bayerisch-Schwaben begünstigt. Erblasser ist Angehöriger der bedeutenden Augsburger Adelsfamilie derer von Knöringen, die dem schwäbischen Uradel entstammen und u. a. 1573 bis 1575 den Bischofssitz von Augsburg belegten. Johann Egolff von Knöringen war Dom-Kustos (Thumb Custor) und Domherr, Scholastiker und Chorherr zu Kloster Ellwangen: ""Wir die hernachbenantten mit Namen Johann Egolff von Knöringen Thumb Custor zue Augspurg Thumbherr und Scholasticus zur wirzburg und Chorherr zu Ellwangen [...]" Datiert ist die Urkunde: "Geben und geschehen am tage Sancti Vdalrici, welcher ist der vierdte tag des monaths Julij nach Christi unsers lieben Herrn und Seligmachers geburt gezehlet fünff zehnhunddert und in dem zwei und sibenzigisten Jaar". – In bemerkenswert frischer Erhaltung, lediglich verso etwas angestaubt, gebräunt und unwesentlich fleckig, dort mit zeitgenössischer Regeste.
Artzney Buch,
darinnen zur Notturft Menschlichen Leibß. Deutsche Hs. auf Papier
Los 1015a
Schätzung
800€ (US$ 920)
Artzney Buch, darinnen zur Notturft Menschlichen Leibß undt lebens gesundthheit, allerle Pflaster, Salben Öhll, Wundttränck, Wasser, Syrup, Confect, Pilulae, Blutt, undt Gliedwasser Vorstellung, Brandt vom feuer ... und Pestilentz beschrieben, undt begreifft dies gantze Buch. Deutsche Handschrift auf Papier. 17 nn., 240 num., 17 nn. Bl. 18,8 x 16,6 cm. Pergament d. Z. (etwas abgegriffen, fleckig und angestaubt, Vorsätze erneuert, Pergament überarbeitet) mit spanischen Kanten hs. RSchild und geprägtem Monogramm "G.W.V.E.V.T" mit Jahreszahl "1.6.2.0". Würzburg 1620.
Bemerkenswert umfangreiches Medizin- und Pharmazie-Manuskript zur Abhilfe bei allen möglichen Krankheiten der Humanmedizin. Enthalten sind ca. 453 Rezepte aus dem Jahr 1620 (begonnenI) bis ca. 1640, angefertigt wohl für den noch jugendlichen Freiherren Hans Veit III. von Würtzburg (1609-1647). Die Handschrift ist datiert (Titel verso): "Actum am 12. Julij Anno 1620". – Teils gebräunt, geringe Gebrauchsspuren, insgesamt aber wohlerhalten und gut lesbar.
Wedel, Georg Wolfgang
Collegium casuale practicum. Deutsche Handschrift auf Papier
Los 1016
Schätzung
800€ (US$ 920)
Bis dato unbekannte, unveröffentlichte Mitschrift einer Fallsammlung des Jenaer Mediziners Georg Wedel
Wedel, Georg Wolfgang. "Collegium casuale practicum. Noo: 1 [und:] No: 2". Lateinische und deutsche Handschrift von zwei Händen auf Papier. 2 Teile in 1 Band. 20,8 x 17 cm. Lagen über Bünden, ohne Einband. Möglicherweise Jena 1696.
Bei dieser Handschrift handelt es sich möglicherweise um eine Fallsammlung, die auf Vorlesungen des bekannten Jenaer Mediziners u. Chemikers G. W. Wedel (1645-1721) beruht. - Teil 1 beginnt mit einer kurzen Vorrede "A Jove Principium. / Dictum hoc m. ad Medicum spectat, si qvidem in curationibus suis se vult felicem. Praeces a. Medico dicatas vid: ap: Mart: Rulandium in curationibus it: ap: Gregor: Horstium Formula talis ee [?] posset." Er enthält 24 Casus, die folgendermaßen aufgebaut sind: Nach der Krankengeschichte, die auch auf schriftlichen Mitteilungen des oder der Kranken beruhen kann, folgt eine "Responsio", an die sich Rezepturen mit Angabe der Inhaltsstoffe u. Hinweisen zur Anwendung anschließen. Manche Casu enthalten mehrere Krankengeschichten, so dass insgesamt mehr Fälle als Casu beschrieben werden. Auffällig an diesem Teil ist der vermehrt auftretende Hinweis auf das Werk "Opera medico-chirurgica ... omnia" von Johann Michaelis (1606-1667; erschienen Nürnberg 1688). Einige Responsii auch als "Methodus s. cura Wedelii", "Curatio Wedelii" oder ähnlich bezeichnet. - Das Inhaltsverzeichnis listet u. a. auf: Foemina ischuria laborans à Calculo, Epilepsia infantilis, Vertigo, Varioli & morbilli, Arthritis, Lues, Puerpera doloribus post partem, Dysenteria, De Fluore albo, De passione hysterica, De convulsione colli. - Teil 2 enthält 35 casus, scheint aber nicht komplett zu sein (Heftstreifen ragen über den Buchblock hinaus). Dieser Teil geht nicht mehr auf Michaelis' Werk ein, ist aber identisch aufgebaut (u. wesentlich besser lesbar). Mit z. B. folgenden Krankheiten: Colica ex cardialia, De Mania, Semiparalysis, Insultus Epilepticus, Asthma Hypochondriaco, Lues venera in infante, Scorbutus Oris, Passio Hysteriaca, Variolae, Vertigo, Melancholia Hypochondria sowie Passio Hyster. c. Fluore albo. - Ein vergleichbares Werk Wedels (allerdings nur in Latein) ist das "Compendium Praxeos Clinicae Exemplaris" (Jena 1706 u. 1707), das bei kurzer Durchsicht jedoch keine identischen Fälle oder Rezepte enthält. - "Wir entnehmen den ... Vorlesungen, daß Wedel letzten Endes ein Mediziner war, der von Galenischen Schriften ausgehend immer die Praxis und eigene Erfahrung betonte und die chemiatrischen Lehren in Jena maßvoll vertreten hat. Er war ein ausgezeichneter Pharmazeut, der die zahlreichen Medikamente, mochten sie einfach oder zusammengesetzt sein, genau kannte, auch in ihrer Gefährlichkeit, und immer das Wohl seiner Patienten im Auge hatte." (Giese/von Hagen S. 177). - Papier: Mit Wasserzeichen eines waagerecht dreigeteilten Wappenschildes ohne Belegung; mit Helmzier (nicht nachgewiesen in www.wasserzeichen-online.de). - Vgl. DSB 14, S. 212f., ADB XLI, S. 408, Hirsch-Hübotter V, S. 875 u. Giese-von Hagen, Geschichte der medizin. Fakultät Jena, S. 174ff. - In den durch die ThULB digitalisierten Vorlesungsverzeichnungen der Uni Jena der entsprechenden Jahre findet sich kein offensichtlicher Hinweis auf ein "Collegium casuale" Wedels. - Zustand: – Die erste Lage lose, leicht gebräunt, vor allem an den Rändern, Tinte teils etwas durchschlagend, einige Durchschussblätter nicht komplett, teilweise mit Blei- u. Buntstiftkritzeleien (vor allem auf den leeren Blättern). In Teil 2 fehlt eine Lage mit den Casu 9 bis 12 sowie der Schluß. Teil 1 bis S. 12 mit kleiner werdenden Braunflecken. Gebrauchsspuren, Flecken, Ausrisse, durchschossen. Teil 1: Das erste Blatt mit durch Wurmfraß beschädigtem Eintrag: "G. W. W. / Casuale Aoo 1696 / C [?] Noo: 1." Es folgen ein leeres Blatt, 122 S., 2 Bl. mit Index (recto Bl. 1) u. "Tabula de methodo consultandi epistolari renunciatoria." (verso Bl. 1 u. Bl. 2 r u. v). - Teil 2: Titelblatt: Collegium Casuale / Practicum. W. No: 2." 40 nicht nummerierte Blatt (von ?).
Antiphonale
desanctis in festo S. Andreae Apostoli ad primas vesperas antiphonae
Los 1017
Schätzung
750€ (US$ 862)
Antiphonale desanctis in festo S. Andreae Apostoli ad primas vesperas antiphonae. Liturgische lateinische Handschrift mit Text und Quadratnotation auf Papier. 143 num. Bl. (recte: 142). 6-9 Zeilen mit romanischer Quadratnotation auf rotem, fünflinigen System. Titel in Rot. Schrift: Gotica. Schriftraum: 41 x 23,5 cm. Format: 49,5 x 29 cm. Mit zahlreichen rot kolorierten Initialen. Bindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (stärker beschädigt, stark gebräunt, berieben, mit Fehlstellen, unteres Kapital, 8 Messingbeschläge und 2 Messingschließen fehlen) über Holzdeckel. Deutschland, um 1630.
Die alte, polyphone Choralmusik des Mittelalters mit den Gregorianischen Gesängen zur Liturgie im Gottesdienst wurde im Laufe der Jahrhunderte zunehmend mittels Notationen kodifiziert. Dabei wurden die "Neumen", Winke der Hand, zunächst durch Quadratnoten auf vier- und im 16. Jahrhundert verstärkt auf fünfzeiligem System ersetzt. Oftmals dienten liturgische Handschriften noch bis ins 18. Jahrhundert den Chorgesängen der Mönche. Große, teils monumentale Handschriften lagen dabei auf einem Holzpult in der Mitte des Chores, so dass die ganze mönchische Chorgemeinschaft den Text lesen und die Noten erfassen konnte, die ein Weiser zeigte. – Mit zahlreichen, teils sehr großen, hinterlegten Fehlstellen und verstärkten Stegen, stock- und fingerfleckig, knickspurig und mit wenigen verwischten Buchstaben sowie mit einzelnen Wurmgängen.
Marienbrink
Nonnenbuch. Mittelniederdeutsche Handschrift auf Papier
Los 1018
Schätzung
900€ (US$ 1,034)
Seltenes Zeugnis mittelniederdeutscher Frömmigkeit im Beginenkloster von Marienbrink in Westfalen
Marienbrink. - Nonnenbuch. Mittelniederdeutsche Handschrift in braunschwarzer und roter Tinte auf Papier. 16 nn., 252 num., 8 w. Bl. (davon ca. 20 S. unbeschrieben). Format 15,2 x 10 cm. Geglättetes dunkelbraunes Kalbsleder d. Z. (Kapitäle mit Fehlstellen, Gelenke etwas brüchig, bestoßen, winzige Wurmlöchlein, neueres RSchild) mit 2 intakten Messingschließen. Marienbrink (Borken) 1688.
Handschriftliches Nonnenbuch mit Kalendarium, Gebeten und Andachteneiner Schwester aus dem westfälischen Beginenkloster Marienbrink im westlichen Münsterland bei Borken, dessen Gründung sich bis ins Jahr 1397 zurückverfolgen lässt und das 1803 während der Säkularisation aufgelöst wurde. Es handelt sich um eine der eher seltenen überlieferten Schwesternbreviere in mittelniederdeutscher Handschrift.
Vorgesetzt sind 2 Blätter mit typographischem Text "J.M. J. Geistliche Hanthierung oder Weise, in einem Jahr so viel bey Gott zu gewinnen, oder zu verdienen, als sonsten in vielen Jahren zum Newen Jahr 1711 verehret", darauf der hs. Besitzvermerk "Suster Maria Graes".
Es folgt ein Kalendarium (unpag. 1-16) "Iannarius" bis "December" mit Angabe der Monatstage und den Heiligen, darunter die für die Gegen um Borken im Bistum Münster verehrten Heiligen wie der heilige Liudger (Apostel der Westfalen), Paulus (als Patron des Bistums des Münsteraner Doms), Remigius (Patron der Borkener Probsteikirche), Ludgerus (Borkener und Hoxfelder Lokalheiliger) etc. Daran schließen sich Gebet zu allen möglichen Anlässen an (pag. 1-180): "Up unses leiven heren hemmelfardes dach ein gebett negen mal met negen te deum tho bedden up den kerckhof" (An unseres lieben Herrn Himmelfahrtstag: ein Gebet neunmal mit neun Te Deum zu beten auf dem Kirchhof), "De erste fronfast im lentzen", "De ander fronfast tho pfingsten", "De derde fronfast im Herbst" (Das Fonfasten im Frühling, zu Pfingsten, im Herbst),
Ferner: "Dyt synt de xl cellekens un inwendijge offeninge over to dencken des lydens unses leven heren ume unsen willen in der wyldernysse geledden heft" (Dies sind die 40 Zellchen [Zellen, Räume] und die innerliche Übung, um über das Leiden nachzudenken, das unser lieber Herr um unseres Willens willen in der Wildnis erlitten hat.) und vieles mehr. Es schließen sich auf einst weißen Seiten mehrere spätere Gebete an. Dann (pag. 209-239): "De Comendasije to der Be gravige" ("Die Commendatio [Seelenempfehlung] beim Begräbnis). – Nur vereinzelte Gebrauchsspuren, kaum Ausrisse, Fehlstellen oder Flecke, insgesamt wohlerhalten, Buchblock teils etwas gelockert. Datierung auf dem festen Vorsatz "1688", was mit dem Duktus der Handschrift passen würde, ferner mit Besitzeinträgen "Sûster Maria Elisabeth Graes" und "Anna Cathrina Hiller 1790" mit dem Vermerk "Schwestern im Kloster Marienbrinck".
Messbuch Graduale
Sequens Hymnusdi citur ad nocturnos in die sancta trinitatis
Los 1019
Schätzung
900€ (US$ 1,034)
Messbuch Graduale. Sequens Hymnusdi citur ad nocturnos in die sancta trinitatis et abipso die omnibus cliebus dominicis. Liturgische lateinische (und vereinzelt italienische) Handschrift mit Text und Quadratnotation auf Papier. Titel in Rot, Text in Schwarz, Rot und Grün. Schrift: Gotica. 193 num. S., num. Bl. 194-211, 25 (recte: 24). Mit farbiger Wappenzeichnung, mit 3 kalligraphischen Zierinitialien in Rot und Blau und zahlreichen roten und grünen Initialien. 7-8 Zeilen. 42 x 27 cm. Blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (stärker gebräunt, berieben und bestoßen oberes Kapital und 2 Messingschließen fehlen sowie mit wenigen Wurmlöchern) über Holzdeckel. Wohl Frankreich um 1700.
Besonders hübsches und in kräftigen Farben koloriertes Messbuch mit verschiedenen Einträgen. Enthalten sind zum Beispiel die Gesänge "Eisdem diebus ad laudes hymnus", "Ad primam omni tempore hymnus", "Ad tertiam dominicis ... hymnus", "Ad vesperas dominicis ... hymnus", "Ad completorium canitur per totum aduentum ... hymnus", "Eodem tempore ad tertiam exceptis festis sanctorum", "Ad tertiam toto tempore ... hymnus", etc.
Auf dem ersten Blatt befindet sich ein hübsches und farbenprächtiges Bischhof-Wappen mit den Initialien "FLAO". Darauf abgebildet ist ein Buch, eine Bischhofsmütze, ein Kreuz, eine "fleur de Lille" und zwei Bischofsstäbe. – Vorderes Innenglenk offen, mit Wurmlöchern, teilweise mit Einrissen und Fehlstellen, etwas braunfleckig sowie sieben Blätter lose.
Sweerts-Spork, Karl Rudolf
"Protocollum zum Eintreibung aller und jeden Ehren-Versicherungen
Los 1020
Schätzung
800€ (US$ 920)
Protokollbuch der Grafen Sweerts-Spork zu Schloss Lissa in Böhmen
Sweerts-Spork, Karl Rudolf. "Protocollum zum Eintreibung aller und jeden Ehren-Versicherungen und Dergleichen Examina, Reversen, Cautionen dann Bürgschafft-Leistung, samt Straff-Verbündungen auffgericht ... glücklich und gnädiger Regierung Des Hoch- und Wohlgebohrnen Herrn Herrn Frantz Carl Rudolph Grafen von Sweertz und Sporck, Reichsfreyherrn von Reist ... Anno 1734. Deutsche Handschrift auf Papier. 377 (le. w.) hs. num. Bl., 51 vacat-Bl., 5 S. Register, 7 w. Bl. 33,8 x 21 cm. Blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (Kapital eingerissen, Deckel leicht geworfen, etwas fleckig ung angestaubt, bestoßen) mit reicher floraler Präung und hs. Deckeltitel (ohne die einst breiten Bindebänder). Böhmen und Schlesien 1731-1848.
Protokoll-, Schuld- und Einzugsbuch der brabantinischen Reichsgraphen von Sweerts-Spork, die zu den sieben Patriziergeschlechtern gehörten, die das Stadtregiment zu Brüssel führten und dann einen schlesischen Ast in Schlesien und Böhmen ausbildeten, der aus der Ehelichung des Johann von Reist und Sweerts mit Johanna Emerentiana von Drysch hervorging und von dem Freiherrn Franz Johann von Sweerts-Spork (1653-1700) begründet wurde.
Angelegt unter einem der mächtigsten Vertreter des Adelsstammes, Franz Karl Rudolph Graf Sweerts-Spork (1688-1757), der auf Schloss Lissa (Zámek Lysá nad Labem) residierte, enthält der Band in allen Einzelheiten durch ein Register am Schluss erschlossenes Memoriale mit Schilderungen von Rechtsfällen, wie "Unterschiedliche vermische Clagen": "Des Schmiedhoffer Müllers Aussag", "Klagen von Matthes Wünsch", "Wie dem Galgen-Müller ein Pferdt arrestiert worden", "Wie der Andreas Fischer als ein gefangener deserteur außen arrest eschappiert",
Oftmals ist die "Stade Daube" (Dubá bei Reichenberg), "Wegen Hanß Mickses Schneider aus der Stadt Dauba", "Wegen Hanß Loß Weber Gesell aus Daube", "Wegen Ferdinand und Hanß Wenzel Taschke als Musicanten aus der Stadt Dauba". Es folgen zahlreiche Kopien von Urkunden, teils mit kalligraphischen Überschriften und Siegeln etc.: "Herrnhaus- und Weinschank", "Brandweinhaus Pachtkontrakt" etc. – Von üblichen Gebrauchsspuren abgesehen in sehr gutem Zustand, nur vereinzelt etwas fleckig oder gebräunt.
Ferdinand II.
Lista derer Kriegs-Völkher zu Fuß und zu Roß,
Los 1020a
Schätzung
300€ (US$ 345)
Musterungsschrift mit der Truppenliste aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges
Ferdinand II. - "Lista derer Kriegs-Völkher zu Fuß und zu Roß, alß auch derer Kriegs-Häubter, Seyner Römischen Mayestät des Kaysers Ferdinandi des Andern, so anitzt, für des durchlauchtigsten Ertz-Hauses Recht und Ehr, wieder die bohaimbschen Rebellen und deren adhaerentes, zuz Veldt liegen. Anno MDCXX. Deutsche Handschrift auf Papier. 3 nn., 46 num. S. Schriftraum 13 x 8,5 cm. Format 14,6 x 9,8 cm. Modernes Pergament unter Verwendung zeitgenössischen Materials mit hs. Eintrag. Reinschrift des 18. Jahrhunderts.
Musterungsschrift mit der Truppenliste aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges unter Kaiser Ferdinand II. (1578-1637), die die "Kriegs-Völkher zu Fuß und zu Roß", also die Infanterie mit Musketiere und Piketieren sowie Kavallerie mit den Reitertruppen der Kürassiere und Arkebusiere aufführt und mit konkreten Namen nennt. Ferner werden auch die "Kriegs-Häubter" aufgeführt, also die namentliche Erfassung der Generäle, Obristen, Regimentschefs und der Hauptleute, die Patente des Kaisers besaßen und gegen die protestantischen Stände Böhmens für "Recht und Ehre" des "Ertz-Hauses", also des Hauses Habsburg und dessen Herrschaftsansprüche und den katholischen Glauben ins Feld ziehen sollten.
Dem Jahr 1620 kam dabei eine besondere Bedeutung zu, das es einen der kritischsten Wendepunkte zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) ausmachte. Ferdinand II. hatte 1619 den Thron bestiegen, die böhmischen Stände hatten ihn jedoch als König abgesetzt und den Protestanten Friedrich V. von der Pfalz (den "Winterkönig") gewählt. Daher stand Ferdinand II. unter massivem Druck, eine schlagkräftige Armee aufzustellen, um Böhmen zurückzuerobern und seine Herrschaft zu sichern. – Bindung etwas gelockert, Innengelenke teils offen, nur gering fleckig und mit Gebrauchsspuren.
Alchemistische Sammelhandschrift. "Von dem Lapide Animale". Deutsche Handschrift auf Papier. 54 Bl., eng beschrieben. Ca. 45-50 Zeilen. Schrift: Deutsche Kurrentschrift. Format: 36 x 22 cm. Ungebunden. Lose Lagen. Deutschland, letzter Teil datiert: April 1787.
Fragmentarisch erhaltene, umfangreiche Sammelhandschrift mit alchemistischen Abhandlungen und Briefen, teilweise nach Basilius Valentinus (1394-1450).
Enthält u. a. die Texte "Von dem Lapide Animale", "Excerpta aus einem Manuscript von H. Gardtmann", "Von der höchsten Artzeney aus dem Weinstock" sowie Ausführungen zur Goldmacherkunst. Vereinzelt mit kleinen Federzeichnungen und Skizzen versehen. – Lose Lagen. Papier altersbedingt gebräunt und teils stockfleckig. Vereinzelte zeitgenössische Tintenflecken. Ränder und Ecken bestoßen, teils randbrüchig mit kleineren Läsuren. Insgesamt fragmentarisch erhalten.
Venedig
Azioni del demanio. Italienische Handschrift in Sepiatinte auf Papier
Los 1022
Schätzung
800€ (US$ 920)
Staatliches Kassenbuch aus der Zeit der napoleonischen Herrschaft in Venedig
Venedig. - "Azioni del demanio". ("Angaben zur Verwaltung des Staatsvermögens"). Italienische Handschrift in Sepiatinte auf Papier. 1 Bl. "Indice" und 12 doppelblattgroße hs. Tabellen. 20,8 x 18,8 cm. Halbleder d. Z. (etwas beschabt, bestoßen) mit goldgeprägtem Rücken und goldgeprägtem roten Deckelschild "Demanio" sowie Kleisterpapier-Deckelbezügen. Venedig 1808.
Übersicht über die Staatsfinanzen der französischen Krone in Italien mit genauen Angaben der Steuer- udn Güteransprüche, der Staatsschulden, Obligationen und Tilgungen, der Verwaltung der Staatsdomäne der Terra ferma wie der Stadt Venedig. Napoleon hatte 1806
Im Jahr 1806 gliederte Napoleon Venedig in den Herrschaftbereich des "Regno d'Italia" ein. Die Franzosen führten eine hocheffiziente, aber auch rücksichtslose Finanzverwaltung ein, für die sie die Staatsfinanzen minutiös dokumentierte: Wie viel Besitz hat der Staat, wie wird er verwaltet, wie viel wurde verkauft (Distrazione), um die enormen Staatsschulden (Debito pubblico) und Kriegskosten zu tilgen. Einbezogen werden nicht zuletzt die wertvollen staatlichen Wälder (Boschi), die dem Okkupanten ebenfalls reichen Ertrag versprachen.
"Azioni del demanio", "Derivazione del Azione del Demanio", "Amministrazione del Demanio", "Distrazione delle Proprietà del Demanio", "Debito pubblico e monte", "Boni e loro ammortizzazione", "Prospetto dell'Amministrazione del Demanio in origine", "Prospetto delle Distrazioni del Demanio", "Prospetto del Debito Pubblico e Pensioni", "Amministrzione della Corona", "Amministrazione dei Boschi" (etwa: "Staatseigentum", "Abzweigung von Staatseigentum", "Verwaltung des Staatseigentums", "Entziehung von Staatseigentum", "Staatsverschuldung und Gesamtverschuldung", "Anleihen und deren Tilgung", "Übersicht über die ursprüngliche Verwaltung des Staatsvermögens", "Übersicht über die Umwidmungen des Staatsvermögens", "Übersicht über die Staatsverschuldung und Renten", "Verwaltung der Krone", "Verwaltung der Wälder"). – Sehr sauber und in bestem Zustand, Reinschrift fast ohne Gebrauchsspuren.
Grand Orient de France
Initiations-Urkunde der Mutterloge für Friedrich von Romberg.
Los 1023
Schätzung
200€ (US$ 230)
Grand Orient de France. Initiations-Urkunde der französischen Mutterloge für Friedrich von Romberg der Julius-Loge zur Eintracht. Französische Handschrift auf Pergament. 40 x 53 cm. Mit zahlreichen "Timbres et scelles" und Signaturen der Logenobersten sowie Kopfstempel der "Mère Loge à L'Orient d'Arras". Gefaltet. Arras 5. Mai 1814.
Logendiplom der großen Mutterloge "Loge à L'Orient d'Arras" für den Genadier und Gardecorpos-Offizier des preußischen Regiments Friedrich von Romberg. Nach der Niederlage Preußens gegen Napoléon im Jahr 1806 verlegte Friedrich Wilhelm III. Einheiten in die Provinz Pommern (unter anderem nach Stargard und Stettin), wo Romberg der Freimaurerloge Julius zur Eintracht beitrat, die wiederum angegliedert war an die Mutterloge "à L'Orient": "Au nom et sous les auspices du Grand Orient de France. D'un lieu éclairé, où règnent la Paix, le Silence et la Charité, à toutes les Loges Régulières [...]. Nous, Vénérables Officiers, dignitaires et Membres composant la Respectable Mère Loge de Maîtres Anglais, Écossais et Français d'Artois, sous le titre distinctif de la Constance à l'Orient d'Arras [...]. En conséquence de la délibération prise à l'unanimité dans la séance d'hier, voulant donner au Cher et Très Fidèle Frère Frédéric De Romberg, Chef d'un bataillon de Grenadiers du Royaume de Prusse, âgé de 36 ans, né à Wesel en Westphalie, [possédant] le 1er Grade, Membre de la Respectable Loge Julius de la Concorde à l'Orient de Stargard dans la Poméranie, un Témoignage de la haute estime qu'il nous a inspiré, lui donner en même temps un gage de notre sincère attachement, et établir entre nous et lui un Lien de Domicile réciproque [...]. Fait à l'Orient d'Arras le 5e jour du 3e mois de l'An de la Vraie Lumière 5814 (Ère vulgaire 5 Mai 1814)." – Etwas abgegriffen, mit hübsche hellblauen Seidenband (ohne Siegel), Gebührenstempel, unten etwas fingerfleckig, mit Knickspuren, dekorativ.
Geistliches Gebeth Buch
Deutsche Handschrift auf Papier. Mit 12 ganzseitigen Miniaturen.
Los 1024
Schätzung
500€ (US$ 575)
Gebetbuch einer Güttlersfrau aus dem bayrisch-schwäbischen Monheim
Geistliches Gebeth Buch, darin erhelt Mogen-Aben Meß-Vesper Beich- und Communion, und andere verschidene Gebetter samt den angehengten heiligen Kreuzweg. 1828. Deutsche Handschrift auf Papier. 1 S. (Titel), 393 num. S., 5 nn. Bl. Schriftraum 13 x 7,8 cm. Format 16 x 10,2 cm. Deutsche Kurrent in hellbrauner Tinte, Auszeichnungen in Fraktur-Kalligraphie. Mit zahlreichen bunten Initialen, Vignetten, Buchschmuck und ca. 12 ganzseitigen Miniaturen. Dunkelbraun-schwarzes Leder d. Z. (gering beschabt, bestoßen, leicht abgegriffen) mit Strukturprägung und reicher Rückenvergoldung und goldgeprägten Deckelbordüren (alles etwas gedunkelt und beschabt) mit hübschen Kattunpapier-Vorsätzen. Monheim 1818-1828.
Laut hs. Eintrag auf dem weißen Vorsatzblatt stammt das Buch von einer "Güttlersfrau", einer Kleinbäuerin, aus dem bayrisch-schwäbischen Monheim im heutigen Landkreis Donau-Ries, ungefähr auf halbem Wege zwischen Nürnberg und Augsburg. So lautet ein späterer hs. Bleistift-Eintrag auf einem weißen Vorsatzpapier: "Ana Maria Handschiegel Güttlersfrau in Monheim anno 1818 gerschrieben". "Güttler" bezeichnet dabei Kleingrundbesitzer unter den Bauern, die ein kleines Gut ("Gütle") besaßen, jedoch die Landwirtschaft meist nur als Nebenerwerb zu einem Handwerk betrieben.
Die hübschen Illustrationen zeigen in bunt-aquarellierten Farben zahlreiche Initialen, Girlanden, Kopf- und Schlussvignetten sowie ganzseitige Titelbilder oder figürliche Darstellungen von "Maria" und "Jesus", jeweils mit einem einmontierten Holzschnitt, ferner die Symbole der Sakramente wie "Leidens Kelch Jesu", "IHS", "Beicht Gebetter", "Das ist das Lamm Gottes welches hinwägnimb d. Sünd d. w." etc. – Teils mit etwas Durchschlag von den farbigen Illustrationen, wenige Farbverwischungen, kaum fleckig, kaum Gebrauchsspuren, sehr gut erhalten.
"Bihr Suppen", "Lungen Schoal" und "Sausse zu Ochsenfleisch" und Torten - Eine Kochbuchhandschrift der Biedermeierzeit
Lieselotte Chrapkowski. Deutsche Handschrift auf graugrünem Papier. 131 S., 18 Vacatbl. Ca. 19-27 Zeilen. 24,5 x 20 cm. Späterer Pappband des 20. Jahrhunderts mit goldgeprägtem Rückenschild (minimal bestoßen). Süddeutsch-österreichischer Raum, um 1820.
Umfangreiches handschriftliches Kochbuch in sauberer, gleichmäßiger Kurrentschrift mit zahlreichen Rezepten der gehobenen bürgerlichen Küche des süddeutsch-österreichischen Raums. Die Sammlung vermittelt einen anschaulichen Einblick in die Koch- und Tafelkultur des frühen 19. Jahrhunderts und umfasst ein breites Spektrum an Suppen, Fleisch- und Mehlspeisen, Strudeln, viele Torten und anderem feinen Backwerk.
Enthalten sind u. a. Rezepte für:
"Suppe mit Eierschöberl, Fleisch Bitzel, Reis Bitzel, Leber Schöal, Lungen Schoal, Grießnockerl in die Suppen, Consumé in die Suppen, Consume zu machen, Biscolade Suppe, Wein Suppe, Bihr Suppen, Fastenschöberl Suppen, Gries Suppen, Gersten Suppen, Obers Suppe, Mehl Suppen, Gogl Suppen, Gallert Suppen."
Ferner Saucen und Fleischgerichte wie z. B. "Sodosses Fleisch, Sausse zu Ochsenfleisch, Kälbernes; daneben zahlreiche Mehlspeisen und Backwaren wie Gugelhupf von Germ Teig, Zuckerbrot zu machen, Feiner Gugelhupf, Abgeriebner Gugelhupf, Eis Kaffée, Gebackene Mehlkoist, Reis Schöal, Striezel, Karthoffel Schöal, Suttene Mehlkoist, Leberknödl, Mandl Strudl, Tiroler Strudl, Krausche Mandeln, Höllenfizzen zu machen (Höllenpfannkuchen bzw. Schmarren), Dieselbe auf eine andere Art, Gefülzte Milch, Mandl Torten, Biskoten Torten, Gehobene Torten, Biskoten Gugelhupf, Semmel Torten, Brodt Torten, Englischer Brötl, Mohrun Torten (Mohrentorte/Schokoladentorte), Englisch Brod, Reicher Podin, Reicher Podin auf ander Art sowie Dunstgekochter Mehlkoist". – Papierbedingt etwas gebräunt sowie vereinzelt gering stockfleckig bzw. tintenfleckig, zu Beginn etwas stärker, im Verlauf nachlassend. Gelegentliche zeitgenössische Durchstreichungen und Korrekturen. Vorsätze neueren Datums. Nur vereinzelt kleine Randläsuren oder Knickspuren. Insgesamt wohlerhaltene und sauber geschriebene Handschrift mit gut lesbarem Schriftbild.
Zirkel, W.
"Doctor Faust. Schauspiel in 4 Acten". Deutsche Handschrift auf Papier
Los 1026
Schätzung
450€ (US$ 517)
"Pforten der Hölle, öffnet Euch der bekannten Stimme, die Euch ruft!"
Zirkel, W. "Doctor Faust. Schauspiel in 4 Acten". (Persiflage auf Faust). Deutsche Handschrift auf Papier. 49 Bl. 19-21 Zeilen. Schrift: Deutsche Kurrentschrift. Format: 21 x 17,5 cm. Pappband (Rücken aufgeplatzt, Kanten bestoßen und Deckel stark berieben). Deutschland ca. 1841.
Bisher nicht im Druck nachweisbare dramatische Bearbeitung des Volksbuchstoffes in vier Akten. Das Faustspiel weist im vorliegendem Manuskript parodistische und persiflierende Züge auf. Zu den handelnden Personen gehören: Doctor Faust, Wagner, Mephistophiles, Fitzliputzli, Prinzessin Bianka, Kasper, der Herzog von Parma Piacensa sowie weitere Figuren. Der Text enthält zahlreiche Regieanweisungen. Die Handlung setzt in einem "Zimmer in Fausts Behausung" ein und führt über Beschwörungsszenen und den Teufelspakt bis zu Auftritten der Furien und vielem mehr. Ein Ausruf in Szene 4 lautet: "Pforten der Hölle, öffnet Euch der bekannten Stimme, die Euch ruft!" – Buchblock gelockert, 2 Blätter lose beiliegend. Durchgehend unterschiedlich stark braun- und stockfleckig. Erstes (Titel-)Blatt mit größerem Randeinriss. Vereinzelt ferner mit Knickspuren und Randläsuren.
Gästebuch der Familie von Schimmelmann. Ca. 180 Bl., davon 28 mit handschriftlichen Einträgen, 152 Bl. vacat. Mit 4 Aquarellen (3 blattgroß, 1 halbseitig) und einer Federzeichnung. 26,5 x 21 cm. Schweres, geprägtes Jugendstil-Lederalbum d. Z. (etwas berieben und bestoßen) mit Messing-Schließe. Naumburg 1910-1919.
Gästebuch von Gertrud Freifrau von Schimmelmann mit Einträgen aus den Jahren 1910 bis 1919. Frau von Schimmelmann studierte Malerei in Oldenburg bei Hugo Ziegler. Zahlreiche Gäste danken in ihren Einträgen für die Gastfreundschaft im Hause Schimmelmann. Enthalten sind drei reizende Aquarelle des Münchner Malers Willy Hermann, eines Schülers von Lovis Corinth. Sie zeigen die SMS Oldenburg in Wilhelmshaven sowie Eindrücke von der Hochzeitsfeier seiner Tochter Gudrun mit einem Marineoffizier im Jahr 1919. – Wohlerhalten.
Indopersische Miniaturen. Zwei Gouachen, eine mit Goldhöhung, aus verschiedenen Handschriften. Auf Karton montiert bzw. unter Passepartout. 27,5 x 22,5 cm bzw. 20,5 x 24,5 cm. Frühes 19. Jahrhundert.
Zwei Miniaturen aus unterschiedlichen Handschriften. Das erste Blatt zeigt ein höfisches Paar auf einem Diwan, auf rot- und blaugemustertem Teppich sitzend. Das zweite, illuminierte Doppelblatt umfasst sechs Schriftfelder in Nastaliq, umgeben von Miniaturen: links eine Interieurszene mit lagernder männlicher Figur und zwei Dienern, rechts ein Reiterkampf mit Belagerungsszene. – Trägerkarton mit deutlichen Gebrauchsspuren, Resten eines ehemaligen Passepartouts sowie unschönen Klebespuren. Eine fachgerechte Ablösung ist anzuraten. Die Darstellungen selbst gut erhalten, nur geringfügig fleckig.
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