Los 1004
Missa pro evitanda morte
Lateinische Handschrift auf Pergament
Schätzung
600€ (US$ 690)
Abgabe von Vorgeboten möglich
Aus dem Katalog
Alte Drucke, Theologie, Orientalia
Auktionsdatum 6.10.2026

Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026


Pestmesse als Vademecum eines französischen Priesters
Missa pro evitanda morte. Lateinische Handschrift auf Pergament. 23-27 Zeilen. 24 nn. Bl. Schriftraum 20,8 x ca. 13 cm. Format 29 x 18,5 cm. Gotica textualis in Sepiafarbener Tinte mit Ausreichnungen in Rot und einigen großen 3-4-zeiligen Schmuckinitialen in Rot-Blau und zahlreicheren kleineren Initialen in Rot und Blau, etwas romanischer Quadratnotation und durchgehender Rubrikation. Wohl Südfrankreich um 1420.
Handschriftlicher Text einer Pestmesse, einer "Missa pro evitanda mort", die auch unter dem Titel "Missa pro vitanda mortalitate" oder "Missa contra pestem" Eingang in die liturgische Literatur des 14. und 15. Jahrhunderts fand. Mit Ausbruch des "Schwarzen Todes" im Jahre 1347 kodifizierte der Avignoner Exilpapast Clemens VI. (ca. 1250-1314) den hier vorliegenden Text einer Votivmesse gegen die Pest und den plötzlichen Tod. Der Text beginnt: mit dem "Recordare, Domine, testamenti tui, et dic angelo percutienti...", dem zentralen Choral gegen eine Pestilenz als flehendes Gebet um Bewahrung vor Tod und Verderben. Biblische Quelle war das 2. Buch Samuel 24,16.
Die drei ungebundenen pergamentenen Oktavlagen sind ursprünglich aus einem wohl größeren Kontext herausgelöst durch Stichbindung oben und unten am Bug zu einem Handbuch des Priesters geworden. Es enthält des Weiteren die "Missa de cruce" (Fol. 8v Folgende) sowie die "Missa de pace" (Fol. 22v, unvollständig, bricht nach 4 Seiten ab).
Auch im 15. Jahrhundert, in deren ersten Jahren unsere Handschrift entstanden ist, gehörte die Pest zu einem wiederkehrenden Übel, wodurch die "Missae pro vitanda mortalitate" weiterhin vielfach gefeierter Teil des Gottesdienstes blieb. – Teils mit stärkeren Gebrauchsspuren wie Bräunungen, Fingerflecken und Abreibungen (jedoch nur unwesentlicher Textverlust), Ecken rechts unten teils verstärkt, hinterlegt oder ergänzt, einige Ein- und wenige Ausrisse zeitgenössische bzw. alt geschlossen, einmal mit Textergänzungen, wellig, gebräunt und etwas fleckig, insgesamt jedoch in gutem Zustand.
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