Sagittarius, Caspar, Barock-Schriftsteller, bedeutender Historiker deutscher Landschaften, Professor an der Universität Jena (1643-1694). Eigh. Brief m. U. "Caspar Sagittarius". 21/2 S. Doppelblatt mit Adresse und Siegel. 4to. Jena 5.II.1675.
Umfangreicher Brief an den Theologen und Historiker Johann Lader am Hochstift zu Naumburg, dem er seine neueste Veröffentlichung, Exercitatio historicae de Eccardo I., Misniae marchione, Jenae anno MII. sepulto (Jena 1675), übersendet und ausführliche Erörterungen zum Inhalt des Werkes (über Ekkehard I., Markgraf von Meißen und seinen Nachfolger Ekkehard II.) und den benutzten Quellen beifügt. Nennt verschiedene Autoren und ihre Beiträge zur Frühgeschichte Thüringens, die er ausgewertet hat und nun eingehend kommentiert und kritisiert. "... Bey Beschreibung der Abtei S. Georg vor Naumburg, darin sonst fast so viel errores, als Zeilen, gedenket er eines Raben, der in Stein gehauen. So E. WolEhrw. davon etwas bewußt, bitte umb communication. Auch da denselben etwas bewußt von Thoma Hebenstreit dem Abt selbigs Closters. Da auch sonsten E. WolEhrw. die Mühe auff sich nehmen wollen und was zur Erläuterung der Naumburgischen Historien dient, communiciren, soll es gerühmet werden. Habe auch deßwegen an den H. Syndicum geschrieben ...". - Gleichmäßg gebräunt; kleiner Ausriss durch Öffnen der Versiegelung. - Von großer Seltenheit; kein Nachweis eines Autographs von Sagittarius im JbdApr. 1950 ff.
Schriftsteller und Publizisten
Mehr als 50 Briefe und Karten. 1959-1988
Los 2532
Schätzung
600€ (US$ 682)
Schriftsteller und Publizisten. Mehr als 50 Briefe und Karten. 1959-1988.
Großenteils sehr umfangreiche, gehaltvolle Briefe an politisch interessierte und engagierte Leser oder Rundfunkhörer, die kritische Anmerkungen oder Betrachtungen über NS-Vergangenheit oder aktuelle Politik gesandt hatten. Die Durchschläge dieser Gegenbriefe liegen zusätzlich meistens bei. Vorhanden: Jean Améry (eigh. Briefkarte, 1978). - Rudolf Augstein (masch. Brief, 1976). - Hans Bahrs (2 eigh. Briefe, 1976-1977). - Arnulf Baring (masch. Brief, 1971). - Ingeborg Drewitz (2 masch. Briefe, 1 masch. Postkarte, 1976-1978). - Ralph Giordano (2 masch. Briefe, 1986). - Günter Grass (masch. Brief, mit Umschlag, 1971). - Alfred Grosser (eigh. Brief und eigh. Vis.-Karte, 1975). - Joachim Günther (eigh. Brief, 1974). - Peter Hamm (masch. Brief, 1959). - Stephan Hermlin (kurzer masch. Brief, 1980). - Werner Höfer (3 masch. Briefe, 1969-1981). - Yaak Karsunke (3 masch. Briefe, 1967-1988). - Heinar Kipphardt (masch. Brief, 1981). - Arthur Koestler (4 masch. Briefe, 1972-1974). - Eugen Kogon (2 masch. Briefe, 1958-1967). - Joachim Maass (2 masch. Briefe, 1959). - Kurt Marti ( 2 masch. Briefe, 1 eigh. Brief-Karte, 1961-1967). - Fritz J. Raddatz (1 eigh. Brief, 2 eigh. Postkarten, 1 masch. Postkarte, 1976). - Ludwig Renn (2 kurze eigh. Briefe, 1964-1965). - Else Schimmelpfennig (2 eigh. Briefe, 1 masch. Werkverzeichnis, 1979). - Karl Schnog (2 masch. Briefe, 1956-1957). - Peter Scholl-Latour (masch. Brief, 1970). - Carola Stern (masch. Brief, 1961). - George Tabori (eigh. Brief in engl. Sprache, 1971). - Matthias Walden (4 masch. Briefe, 1979-1984). - Inge von Wangenheim (masch. Brief an Wolfgang Harich, 1983). - Aufschlussreiches Material zur Literatur, Geschichte, Öffentlichkeit und Vergangenheitsbewältigung in der Bundesrepublik Deutschland von den 1950ern bis in die 1980er Jahre. Meist mit diversen Beilagen zu den jeweiligen Autoren.
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Stammbuch
des Sebald Welser, Ratsherrn aus Nürnberg. 1575-1580
Los 2533
Schätzung
20.000€ (US$ 22,727)
Stammbuch des Sebald Welser, Ratsherrn aus Nürnberg. 94 Bl., mit insges. 106 Eintragungen, davon an Aquarellen und Deckfarbenmalerei enthalten: 38 Wappen-Darstellungen (davon 7 mit einem Bild verbunden) und 31 Trachten- und Szenenbilder sowie 1 Kupfertafel und 36 reine Schrift-Beiträge. 8vo (16,9 x 11,5 cm). rehbrauner Lederband des 17. Jhdts (Remboitage; Kanten berieben, Rücken am unteren Ende mit modernem Leder ausgebessert) aus einer päpstlichen Bibliothek, reich vergoldet mit floraler Ornamentik und päpstlichen Symbolen (Tiara, Schlüssel etc.) auf beiden Deckeln, sowie mit Rückenschild „1575“ und modernem Vorsatzpapier. 1575-1580.
Prachtvoll illustriertes und opulent gebundenes Stammbuch des 16. Jahrhunderts, entstanden auf der „Grand Tour“ des Nürnberger Patriziersohnes Sebald Welser (1557-1589), der sich 1582 vermählte, 1587 Ratsherr in Nürnberg und 1589 Gesandter auf dem Reichstag in Ulm wurde, wo er bald verstarb. Aus den vielen Beiträgen des Stammbuchs gehen als - teilweise mehrmals besuchte - Aufenthaltsorte hervor: Padua (1575-1576), Venedig (1575-1576, 1580), Löwen, Antwerpen (1577), Bologna (1579-1580), Florenz (1579), Rom (1579), Neapel (1579). Wie weit auch die jeweils nur einmal genannten Städte Köln, Passau (1576) und Regensburg (1579) als Aufenthalts- oder Durchreise-Orte zu werten sind, ist unklar. Die Beiträger des Bandes entstammen großenteils Adelsfamilien aus dem deutschsprachigen Raum, darunter junge Herren v. Ortenburg, Teuffenpach, Wiespurgk, Bodelschwingh, Borstell, Maltitz, Windischgrätz, Volhaim, Bernstein, Schönberg, Hochberg etc., aber auch viele Studenten aus dem Bürgertum sind vertreten. Die fast immer lateinischen Schrift-Beiträge sind auf den Blättern öfter in der Weise oben und unten platziert, dass in der Mitte Raum für eine Wappendarstellung belassen ist, auch wenn diese dann schließlich nicht erfolgte. Die sehr fein in beachtlicher Qualität ausgeführten Wappen, Trachten- und Szenenbilder scheinen großenteils von ein- und demselben Künstler zu stammen. Wenn sie nicht Sebald Welser selbst zuzuschreiben sind, so ist anzunehmen, dass er einen Reisebegleiter hatte, der in den Städten jeweils die vorherrschenden Trachten mit fast professionell wirkender Akribie und zierlicher Schönheit im Bilde festhielt. Doppelblattgroße Meisterstücke sind die Darstellung einer Papst-Audienz und eine Ausfahrt des Dogen von Venedig 1576 auf dem „Bucentaurus“, dem "navis qua Venetum Dux die Ascensionis Duni institur“. Die Trachten-Darstellungen zeigen alle gesellschaftlichen Schichten, vom Adels-Ornat über Karnevals-Kostüme, Universitäts-Talare und geistliche Roben bis hin zu Bettelmönchen und einem Flagellanten. - Die Blätter weisen naturgemäß Fingerflecken und andere Gebrauchsspuren auf, sind aber, wie der ganze Band, sorgfältig restauriert und bei dieser Gelegenheit mit weißen Blättern durchschossen worden, um die vielen Aquarelle und Gouachen zu schonen. - Sowohl Heraldikern als auch Kulturhistorikern bietet das Stammbuch des Sebald Welser kostbares Material zur Sozialgeschichte und Ikonographie des 16. Jahrhunderts.
Stammbuch des Studenten v. Karstedt in Halle (Saale). 237 (statt 262) pag. S. und 4 Bl. Register; davon 64 S. beschrieben oder illustriert. Mit 1 Wappenmalerei auf Pergament und 1 Trompe l'Oeil in mehreren Farben. Quer-gr. 8vo. Brauner Lederband d. Z. (stärker berieben und beschabt) mit ornamentalen Bordüren in Goldprägung auf beiden Deckeln und dem Rücken sowie mit goldgepr. Rückenschild "Stamm-Buch", Goldschnitt und marmorierten Vorsätzen. 1767-1804.
Fast alle Eintragungen von adligen Kommilitonen in Halle, viele in Latein oder Französisch. Vertreten sind die Namen D. W. v. Arnim ("aus der Ukermark"), F. H. J. v. Jeetze, August v. Schlabrendorff, Ludwig Wilhelm Graf v. Gessler, E. v. Berlepsch, E. F. Vogt ("aus Berlin, Hofmeister der H. v. Arnim aus Sukow"), August Wilhelm v. Bismarck (aus Berlin), v. Massow, A. v. Hagen, v. Koeckritz, Carl Friedrich v. Berlepsch, J. G. Fritsche (aus Potsdam), C. D. v. Storch, Georg Friedrich Zimmermann, G. O. F. Rappard, F. F. v. Schierstedt, Wilhelm von Querenheimb, v. Sydow, Friedrich Chr. August von Arnim, Franz Carl Ladislaus v. Mosel, N. C. F. v. Burghausen, C. L. Curtius, Jean Thornton (aus London), v. Krosigk, Kircheisen (Jurist), Joh. Friedrich Lorenz, G. F. L. v. Uslar, Johann Andreas Riedel, G. A. und J. A. v. Schropp (aus Schlesien), F. H. Matthießen (1768 "von der Insul Sylt, aus Dännemark"), L. Hermann aus Dessau, Baron v. Dürckheim, v. Alvensleben, Ernst Ludwig Heim und viele andere. - Leider fehlen gemäß Paginierung 25 Blatt.
Stammbuch
eines "Heggi" Kaufmann aus Bern (Schweiz) 1809--1815 + Beilagen
Los 2535
Schätzung
220€ (US$ 250)
Stammbuch eines "Heggi" Kaufmann aus Bern (Schweiz). 61 Bl., davon 39 S. beschrieben oder illustriert. Mit 7 Aquarellen bzw. Gouachen und 4 kolorierten Kupferstichen. Quer-8vo. Geflammter brauner Lederband d. Z. (Deckel leicht gewölbt; Kanten berieben) mit goldgepr. Bordüren und Darstellung von Pfeil und Bogen nebst Köcher auf beiden Deckeln sowie Rückenvergoldung und Goldschnitt. 1809-1815.
Die Beiträge von Verwandten und Freunden in Bern, Burgdorf und Langenthal. Die farbigen Illustrationen zeigen Denkmäler der Freundschaft und ländliche Idyllen; eine Deckfarbenmalerei zeigt eine Ansicht von Burgdorf, signiert "J. D. Zürcher, Januar 1810". - Über einer Eintragung von einem Eduard Pillischody aus dem Jahr 1809 hat der Inhaber des Stammbuchs am 17. Sept. 1814 einen Nachruf hinzugefügt: "Dieser edle Jüngling verlohr sein Leben durch eine Kanonenkugel von dem Fort Erie in Kanada, wo er mit seinen übrig gebliebenen Gefährten den Amerikanern eine Batterie wieder wegnahm." - Etwas stock- und fingerfleckig. - Lose beiliegend eine Grisaille-Zeichnung, ein kolorierter Kupferstich und eine kuriose, überaus dilettantische Beschreibung des Stammbuchs aus einem Antiquariatskatalog. - Ferner beiliegend: Stammbuch-Kassette einer jungen Dame aus dem schlesischen Gottesberg. 19 lose Bl., davon 21 S. beschriftet. Innendeckel mit 2 kolor. Kupferstichen. Quer-kl. 8vo. Halbleder-Kassette mit reicher Tinsel-Vergoldung (minimal defekt) auf beiden Deckeln, Rückenbeschriftung "Amitié 1848" sowie imitiertem Goldschnitt. 1854-1865. - Die Beiträge von Verwandten und Freundinnen, meist in Schreiberhau, ferner Hermsdorf und Rochlitz (alle Schlesien).
Stammbuch einer jungen Dame in Merseburg. Ca. 71 Bl., davon 28 S. beschrieben oder illustriert. Mit 6 Aquarellen. Quer-8vo. Ziegelroter Pappband d. Z. mit schwarzem Rücken und der Aufschrift "pour mes amies"; Deckel und Rücken mit goldgeprägten Bordüren und Eckfleurons, die Deckel mit grünem ovalen Mittelstück, gleichfalls mit floraler Goldprägung. Goldschnitt und marmorierte Vorsätze. In marmoriertem Karton-Umschlag (dieser beschabt). 1811-1820.
Fast alle Eintragungen von Freundinnen und Freunden in Merseburg. Eines der Aquarelle zeigt eine hübsche farbige Gesamtansicht von Merseburg, gefertigt vom "Bruder Friedrich Volckmann" der Stammbuch-Inhaberin. Ein anderes Blatt enthält eine Landschaft mit einer Vase im Mittelpunkt, darüber eine aus den Wolken kommende Hand, die eine Waage mit den Schalen "Liebe" und "Schmerz" hält. Die anderen reizvollen Malereien, teils mit Deckfarben, zeigen Blumengebinde. - Lose beiliegend 1 Blatt mit Aquarell von 1820, ferner 2 vielleicht nicht hierzu gehörige Blätter mit einer Blumenstickerei bzw. einem kolor. Kupferstich. - Stellenweise leicht gebräunt, sonst gut erhalten.
Stammbuch
des Carl Felix Colberg aus Berlin 1812-1814 + Beigabe
Los 2537
Schätzung
250€ (US$ 284)
Stammbuch des Carl Felix Colberg aus Magdeburg oder Berlin, wo die Mehrzahl der Verwandten wohnte. Ca. 73 Bl., davon 41 S. beschrieben oder illustriert. Mit 7 aquarellierten Federzeichnungen und 3 kolorierten Kupferstichen. Quer-8vo. Brauner Lederband d. Z. (berieben, das Kapital etwas defekt) mit goldgepr. Bordüren auf beiden Deckeln, Rückenvergoldung mit Rückenschild "Der Freundschaft geweiht" sowie Stehkantenvergoldung und Goldschnitt. 1812-1814.
Reizvoll illustriertes Stammbuch, das zwar nur drei (politisch bewegte) Jahre umfasst, den Inhaber jedoch auf einige Reisen begleitet. Die Beiträge stammen von Eltern, Geschwistern und anderen Verwandten vornehmlich in Berlin, ab 1812 aber bereits Magdeburg, wo der Vater und Freunde wohnen, dann Strehlen, Leipzig (?), Hamburg und 1814 nur noch Neuwied. Die hübschen Illustrationen zeigen ein Bauernhaus, idyllische Schäfer-Szenen, Tempel und Denkmäler der Freundschaft, Blumengebinde sowie 1 Blatt mit farbigen Symbolen einer Leipziger Burschenschaft. - Dabei: Stammbuch der Ida Hiege aus Stendal. 34 Bl., davon 17 S. beschrieben oder illustriert. Mit 4 kolorierten Kupfertafeln und 1 mit Goldschrift bedruckten Titelblatt. Quer-8vo. Ziegelroter Halblederband d. Z. mit goldgeprägten Bordüren und Vignetten auf beiden Deckeln sowie Rückenvergoldung und Aufdruck "Denkmal der Freundschaft". Goldschnitt. 1837-1842. - Die Eintragungen von Verwandten und Freundinnen. Nur der früheste Beitrag in Stendal, die weiteren in Potsdam und Angermünde. Die reizvollen kolorierten Kupfer zeigen Liebes- und Harmonie-Szenen, sind nummeriert und scheinen aus der Berliner Werkstatt von C. Schauer zu stammen.
Stammbuch der Anna Mayer in Heidelberg. 63 Bl., davon 32 S. beschrieben oder illustriert. Mit 5 Farblithographien, 1 Stahlstich, 4 Photographien (teils nach Gemälden), 2 ornamentalen Schriftdrucken und 2 getrockneten Blüten. Quer-4to (17 x 23 cm). Lederband d. Z. (unteres Kapital etwas defekt) mit Gold- und Blindprägung auf beiden Deckeln sowie dem vergoldeten Aufdruck "Album" und Goldschnitt. 1859-1860.
Fast alle Beiträge (meist Gedichte) von Verwandten, Freundinnen und Freunden in Heidelberg. Die Abbildungen, darunter zwei schöne Farblithographien mit Ansichten nicht bezeichneter Gebäude (in oder bei Heidelberg?), waren früher oftmals ins Blatt gesteckt, sind jetzt aber z. T. gelöst. - Gleichfalls lose beiliegend 8 Briefe eines Oheims der Anna Mayer aus dem Zeitraum 1878-1882, geschrieben in Ingolstadt, Landshut und Gößweinstein.
Stammbuch eines Buchbinders aus Zürich. Ca. 127 Bl., davon ca. 115 S. beschrieben oder illustriert. Mit ca. 84 Abbildungen in Lithographie, Stahlstich, Bleistiftzeichnung oder Photographie, dazu 2 Bl. mit getrockneten Pflanzen. Quer-gr. 4to (20,5 x 28 cm). Lederband d. Z. (Kanten bestoßen; vom Deckel-Dekor mit 8 Perl-Knöpfen fehlt 1 Knopf) mit Goldprägung, aufmontierter farbiger Ansicht als Mittelstück und goldgepr. Aufdruck "Erinnerung an die Schweiz". 1864-1871.
Die ersten Eintragungen (meist Gedichte) stammen aus Aarau und Zürich im Sommer 1864, wo der Inhaber des reichhaltigen Albums anscheinend eine Buchbinderlehre beginnt. Etwa nach der Hälfte des Bandes, 1867, beginnen bis 1871 andauernde Eintragungen in Chemnitz, wo sich wieder Buchbinderkollegen einschreiben, und es folgt eine Reihe von lithographischen und photographischen Ansichten aus Deutschland. Mehr als 30 Lithographien, Stahlstiche und kleine Photos nach Lithographien zeigen Schweizer und Südtiroler Ansichten, wobei die großen und kleinen farbigen Stücke zum Teil reizvoll und dekorativ sind. Die farbigen Ansichten bewegen sich zwischen 12,5 x 18,5 cm und 7,5 x 11 cm. Auch die schönen lithographischen und Stahlstich-Ansichten aus Deutschland (Elgersburg, Gotha, Coburg, Schwarzburg, Aachen und Neckarsteinach, letzteres in prächtiger Farblithographie) tragen zum Wert des Albums bei. Sogar eine gefaltete Gesamt-Ansicht von Hamburg aus der Vogelschau (17,5 x 32 cm) ist vorhanden. Die 37 Photos, darunter 15 Porträts, mit ihren Reproduktionen von Graphiken und Gemälden bewegen sich meist im Visit-Format, während die Original-Lithographien mit Ansichten öfter Blattgröße erreichen. - Einige lose Schrift-Beilagen.
Poesie-Album
eines jungen Mädchens aus schlesischem Adel. 1854-1858
Los 2540
Schätzung
150€ (US$ 170)
Poesie-Album eines jungen Mädchens aus schlesischem Adel. 36 Bl., davon 54 S. beschrieben. Goldschnitt. Quer-gr. 4to. Brauner Lederband d. Z. (berieben) mit Gold- und Blindprägung sowie vergold. Aufdruck "Album". Sorau und Neisse 1854-1858.
Umfangreiche Gedicht- und Prosa-Zitate, eingetragen von Freundinnen in Sorau und Neisse. Im März 1854 in Sorau beginnend, stammen die Beiträge großenteils von jungen Mädchen aus Adelsfamilien. Am 22. März, "Sorau 14 Tage vor Deiner Confirmation", trägt sich als ihr "Seelensorger" der "Archidiaconus" M. Kirchner ein. Als erste hatte sich Cäcilie v. Schlicht im Album verewigt; es folgen Clementine v. Goldammer, Clothilde v. Schwarzkoppen, Agathe v. Bredow, Thekla Deutsch, geb. v. Horn, Elise, Ida und Eveline v. Gallwitz, Carola, Marie, Jenny und Auguste v. Sobbe, Wilhelmine v. Prondzynska, Toni und Minna v. Triebenfeld, Elisabeth v. Diezelski, Emma v. Kriegstein, Lina v. Schickfuß, Anna v. Besserer. 3 Eintragungen stammen nicht aus Sorau oder Neisse: 1855 Onkel und Tante v. Goldbeck in Hamm sowie 1858 Louise v. Borcke in Berlin. Ferner ein Anzahl bürgerlicher Familien. Zitiert werden längere Passagen aus Werken von Jean Paul, Matthisson, Uhland, Leopold Schefer, Lenau, Geibel, Heine, Victor Hugo und anderen. - Beiliegend handschriftliche Notizen eines Johannes Meyer in Berlin zur Provenienz des Albums, das angeblich einst auch eine Eintragung des Dichters Joseph von Eichendorff enthielt, wozu Meyer notiert: "habe ich für 7,50 Mk West verkauft." - Eichendorff starb 1857 in Neisse.
Stammbuch-Kassette
eines jungen Herrn Zehme aus Kreypau bei Leuna. 1806-1819
Los 2541
Schätzung
150€ (US$ 170)
Stammbuch-Kassette eines jungen Herrn Zehme aus Kreypau bei Leuna. 26 lose Bl. mit Goldschnitt, davon 31 S. beschrieben oder illustriert. Mit 3 Blumenstickereien und 2 Kupferstich-Ansichten. Quer-gr. 8vo. Braune Leder-Kassette d. Z (Rücken und Kanten beschabt) mit goldgepr. Amphoren-Darstellungen auf beiden Deckeln sowie imitiertem Grünschnitt. Mit marmoriertem Papp-Schuber (dieser defekt). 1806-1819.
Die Beiträge von Verwandten, Freunden und Freundinnen in Kreypau, Leipzig, Merseburg, Schandau und Bautzen, meist im Jahr 1819. Die beiden gestochenen Ansichten zeigen in und bei Merseburg das Schloß und "Beyers Caffeehaus".
Thiess, Frank, Schriftsteller, Publizist, Dramaturg, Regisseur, Kritiker und Literaturhistoriker, Mitglied zahlr. literar. Gesellschaften, Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes und anderer Auszeichnungen, prägte den Begriff "Innere Emigration" (1890-1977). Sammlung von mehr als 170 Briefen und Postkarten an Frank Thiess. Großenteils mit den Umschlägen. 1923-1928.
Große Sammlung literarischer Schreiben deutschsprachiger Autorinnen und Autoren an den ungemein fruchtbaren und vielseitigen, in vielen Bereichen engagierten Frank Thiess; meist umfangreiche eigenhändige Briefe. Darunter: Vicki Baum, Walter Bloem (3), Bernhard Diebold, Otto Flake (14), Georg von der Gabelentz, Paul Gurk, Friedrich Holthaus, Arno Holz, Klabund, Rolf Lauckner (11), Elfriede Lauckner-Thum (Lauckners Ehefrau, Malerin, 7), Florence Losey (Thiess' Ehefrau, Opernsängerin, 62), Walter von Molo (2), Thassilo von Scheffer (3), Otto Wirz (28), Arnold Zweig. - Ferner ca. 35 Briefe und Karten weiterer Personen, großenteils zu Thiess' und eigener literarischer Tätigkeit, darunter Autoren aus Skandinavien und dem Baltikum. Dazu eine Anzahl teils gedruckter Schriftstücke zu verschiedenen Themen. - Reiches Material, mit vielen Einblicken in den deutschen Literaturbetrieb der 1920er Jahre - eine wichtige Ergänzung zu Thiess' Nachlass, der in der Hessischen Landesbibliothek Darmstadt aufbewahrt wird.
Tucholsky, Mary
36 Briefe und Karten an Claus und Katharina Clauberg. 1960-1982
Los 2543
Schätzung
1.500€ (US$ 1,705)
Tucholsky, Mary (geb. Gerold), Kurt Tucholskys zweite Ehefrau und Nachlaß-Verwalterin, Gründerin des Kurt Tucholsky-Archivs in Rottach-Egern, Herausgeberin zahlreicher Einzelwerke, Briefe und Tagebücher Tucholskys sowie der 10bändigen Ausgabe Gesammelter Werke (1898-1987). Sammlung von 36 Briefen und Brief-Karten m. U. "Mary Tucholsky" sowie 29 Briefumschlägen und mehreren Beilagen. Rottach-Egern 1960-1982.
Reichhaltige Sammlung von masch. Briefen und Brief-Karten (davon 4 handschriftlich) an den Komponisten Claus Clauberg (1890-1963) und seine Witwe, die Sängerin Katharina Witt. Clauberg hatte eine Reihe von Texten Kurt Tucholskys bereits zu dessen Lebzeiten vertont und war trotz sozialistischer Gesinnung nach 1933 in Deutschland sowie nach 1945 mit seiner Ehefrau in der DDR verblieben. Die Briefe (und 5 Durchschriften von Gegenbriefen der Adressatin) handeln von den Tucholsky-Kompositionen Claubergs und von Veranstaltungen mit Texten Tucholskys in der DDR sowie ausführlich von den unermüdlichen Bemühungen Katharina Witt-Claubergs, das Andenken an ihren Mann zu beleben, seine Kompositionen im Rundfunk und auf Veranstaltungen unterzubringen sowie Tantiemen und andere Erlöse zu erwirken. Mary Tucholsky hilft ihr nach Möglichkeit und läßt ihr auch kleine DM-Spenden zukommen. Ihre Äußerungen über das Tucholsky-Archiv geben auch Aufschlüsse über die Entwicklung des Archivs im Verlauf der 22 Jahre.
Verne, Jules
Billet an einen Herrn in Neuchâtel (Schweiz). 1885
Los 2544
Schätzung
600€ (US$ 682)
Verne, Jules, franz. Schriftsteller, weltberühmter Verfasser utopischer Romane (1828-1905). Eigh. Brief (Billet) m. U. "Jules Verne". 1/2 S. Doppelblatt. Mit eigh. Umschlag. Kl. 8vo. O. O. 17.V. 1885.
An einen Herrn in Neuchâtel (Schweiz). "... Je ne pas trouve rien de mieux a vous transmettre en une phrase que mes remerciments pour votre aimable lettre et l'avarance de toute ma consideration ...". - Mit eigenhändigem Umschlag, bei dem leider der Name des Adressaten überstempelt ist und später auch die Briefmarke ausgeschnitten wurde.
Vesper, Guntram
Signiertes Manuskript einer Gedichtsammlung. 1959
Los 2545
Schätzung
180€ (US$ 205)
Vesper, Guntram, Lyriker und Erzähler (1941-2020). Eigh. Manuskript einer Gedichtsammlung mit Unterschrift "Guntram Vesper" am Schluß. 18 Bl., davon 19 S. beschrieben. Bräunliches, büttenartiges Papier mit Fadenheftung. 8vo. O. O. 1959.
"Die Erinnerung an die Erinnerung. Documentagedichte 1959." Kurze Einleitung über Vespers Documenta-Besuch in Kassel, dann 15 Gedichte, jeweils eines pro Blatt, dann ein zweiseitiger, von Vesper kommentierter Bericht aus der Bild-Zeitung über einen Mann, der aus Mordlust nachts auf die Weiden ging und Rinder schlachtete. - An mehreren Stellen Wörter oder Sätze geändert oder getilgt.
Viebig, Clara
Eigh. Postkarte und handschr. Visitenkarte. 1919-1925
Los 2546
Schätzung
250€ (US$ 284)
Viebig, Clara, Schriftstellerin, bedeutende Erzählerin (1860-1952). Eigh. Postkarte und eigh. Visitenkarte m. U. "Clara Viebig". Zus. 3 S. Berlin-Zehlendorf 11.VII. 1925 bzw. 1.I.1919.
An den Schauspieler, Regisseur, Intendant und Schriftsteller Curt Elwenspoek in Stuttgart, der sie nach einer Handschrift des berühmten "Schinderhannes" gefragt hatte, weil sie dessen Prozess-Akten eingesehen hatte. "... Ich kann Ihnen leider nicht bestimmt sagen, ob ich die erwähnte Handschrift - das Original - in den Akten zum Schinderh.-Prozeß gesehen habe, oder ob ich mir das Scherz halber erlaubt habe. Ich weiß es nicht mehr; feststellen kann ich das erst, wenn ich im Herbst wieder in jene Gegend komme. Jedenfalls steht in der Reiterles-Kapelle, die berüchtigt war durch die Ueberfälle, keine Inschrift von des Räubers Hand mehr, und ich habe auch dort keine mehr gesehen. Die Kapelle ist innen restauriert ...". - Von Elwenspoek erschien in demselben Jahr das Buch "Schinderhannes. Der rheinische Rebell. Erste kritische Darstellung nach Akten, Dokumenten und Überlieferungen". - Die Visitenkarte ist sozusagen als Albumblatt gedacht: "Wer eine Hoffnung hat ist reich - hoffen ist an sich schon ein Glück! Clara Viebig."
Voltaire, Fr.-M. Arouet, gen.
Brief an den Buchhändler Lambert über mehrere seiner Werke. Wohl um 1770
Los 2547
Schätzung
4.500€ (US$ 5,114)
Voltaire, François-Marie Arouet, gen., Schriftsteller und Philosoph, der führende franz. Aufklärer des 18. Jhdts, von europaweitem Einfluß (1694-1778). Eigh. Brief m. U. "V". 3 S. Doppelblatt mit Adresse und Lacksiegel. 4to. O. O. 8.XI. (um 1770?).
Wichtiger, umfangreicher Brief an den Buchhändler Lambert in Paris, "à coté de la Comédie Française", über mehrere von Voltaires Werken. Dieser bedankt sich für Lamberts Brief und teilt mit: "... monsieur dargental a pour vous un exemplaire corrigé de l'orphelin de la Chine". - Das höchst erfolgreiche Stück erschien 1755 im Druck. - Dann verlangt Voltaire ausgedehnte Änderungen an seiner Tragödie "Semiramis": "il y a une grande faute dans Sémiramis au second acte dans la scene entre assur et cédar, voyez comme il faut restituer cet endroit ...". Es folgen 20 Zeilen geänderter Text der 1749 im Druck erschienenen Tragödie; dazu Voltaires Kommentar: "... presque tout est changé dans ces pièces et dans plusieurs autres." Auch weitere Werke kommen zur Sprache: "... les melanges de litterature ont dix sept chapitres nouvaux et je travaille au 18ième. - les elements de neuton [Newton] ont été imprimez d'une manière absurde. les figures expriment souvent le contraire de ce quelles doivent exprimer. d'ailleurs cet ouvrage est refondu. les préfaces des comédies de molière ne sont pas de moy ... l'histoire generale qui est en quelque façon l'histoire de l'esprit humain est ce que m'occupe le plus: et peut-être cest de tous mes ouvrages celuy que se vendra le moins male ...". - Bedeutender Brief, in dem Voltaire gleich zu mehreren seiner Werke Stellung bezieht.
Voss, Luise Gräfin von
Brief an den Dichter Friedrich de la Motte Fouqué. 1816
Los 2548
Schätzung
250€ (US$ 284)
Voss, Luise Gräfin von, geb. von Berg, Berliner Salonnière ab 1808, Mitglied des Tugendbundes, stand in Kontakt mit zahlreichen Schriftstellern und Politikern, u. a. mit Jean Paul und Königin Luise befreundet, deren Biographie sie auch schrieb (1780-1865). Eigh. Brief m. U. "Luise Vos". 21/4 S. auf 2 Bl. mit Adresse. 4to. (Berlin 1816).
Ausführlich an den Dichter Friedrich de la Motte Fouqué in Nennhausen. Entschuldigt sich für die Seltenheit ihrer Briefe. "... Sie wissen ja nun einmahl wie es mit mir steht in puncto des Schreibens, daß nur eine besondere Veranlassung oder ein querelliger Harnisch mich dazu bringen kann - u. doch würde ich geschrieben haben um für Ihren freundlichen Brief zu danken, wenn ich nicht an jedem Maytag erwartet hätte daß er uns den Dichter zuführen würde. Da nun aber heute der letzte Tag des Mays ist u. Sie noch nicht da sind, so ergreife ich die Feder, um schriftlich um die Absolution zu bitten, die ich mündlich zu erlangen hoffte ... Von hier weiß ich Ihnen wenig zu sagen, ausser daß Ihr Freund Segemund besser ist u. ich ihn gestern in der Justinianischen Gallerie an seinem ersten Ausgang begrüßt habe. Diese Gallerie wäre allein eine Reise hieher wehrt - sie mus aber ordentlich gründlich studirt werden, wenn man den vollen Genuß daran haben will; auch das herliche Danziger Bild ist izt noch dabey. Neuigkeiten schreibt Theodor u. wird bald erzählen - ich frage also nur nach, wie es mit der Sängerliebe steht, soll denn der Frühling vergehen ehe Sie sie uns mittheilen? - Ich erbitte sie mir ganz eigens als Begleitung in die öde Unterwelt wohin ich nun in Kurzem abgehe. Adieu lieber Fouqué - schreiben Sie mir nur immer bisweilen, auch nach Schoenfeldt, wohin die Briefe mir eine wahre Wohlthat sind ... Wissen Sie denn daß izt ein französischer Gesandter hier ist, ein Marquis de Bonay der die Undine u. einen Theil des Zauberringes übersetzt hat ...". - Charles François, Marquis de Bonnay, französischer General und hoch dekorierter Staatsmann unter der Revolutionsregierung und unter Ludwig XVIII., war ab 2. März 1816 Sondergesandter in Berlin (1750-1825). - Mit der "Justinianischen Gallerie" ist die berühmte Sammlung Giustiniani gemeint, die ein Teil des Grundstocks der Berliner Gemäldegalerie wurde. - Leicht gebräunt; ein Blatt mit 2 Eck-Abrissen, ein Ausriss am Adressblatt alt restauriert, mit Fouqués [?] Anmerkung: "Das Siegel habe ich selbst so zerrissen." - Sehr selten.
Wright, Thomas
2 Briefe an Stephan Ladislaus Endlicher. 1836-1838
Los 2549
Schätzung
300€ (US$ 341)
Wright, Thomas, englischer Schriftsteller, Gelehrter und Altertumsforscher, Herausgeber zahlreicher mittelalterlicher Texte und Mitbegründer der British Archaeological Association (1810-1877). 2 eigh. Briefe m. U. in englischer Sprache. 5 S. auf Doppelblättern, eng beschrieben. 8vo. Paris, 28.VII.1836 und London, 30.V.1838.
Zwei Schreiben an den Wiener Botaniker, Sinologen und Philologen Stephan Ladislaus Endlicher (1804-1849). Inhaltlich dichte Briefe über altenglische und mittelalterliche Literatur, mit vielen fachlichen Anspielungen und Literaturhinweisen. Thematisiert wird u. a. die anonyme Komödie Babio, ein in 484 Versen verfasstes Elegiendrama des 12. Jahrhunderts, wobei Wright Endlicher um dessen Einschätzung bittet: "... I should like to know what you think about the Babio, and who do you think is likely to be the author of it? Do you not think that the form about the Norfolk People, and the Rhyming songs are curious? ...". Darüber hinaus berichtet Wright von seinen Arbeiten an einem Vorwort sowie seinen Studien zur Komödie Geta des Vitalis von Blois, einer der frühesten bekannten Bearbeitungen des Amphitruo von Plautus, und behandelt weitere fachliche wie persönliche Angelegenheiten, darunter den Tod seines Vaters. Namentlich erwähnt wird auch mehrfach der gemeinsame Freund Ferdinand Wolf (1796-1866), österreichischer Romanist, Bibliothekar an der Wiener Hofbibliothek und Mitbegründer der Akademie der Wissenschaften in Wien. – Mit Falt- und leichten Eckknickspuren.
Adamović, Lujo, österreich-ungarischer und jugoslawischer Botaniker, Spezialist für die Vegetation der Balkanhalbinsel und der Dinariden, Direktor des Botanischen Gartens Belgrad "Jevremovac" und Privatdozent in Wien (1864-1935). 6 eigh. Briefe m. U. In deutscher Sprache. 15 S. Kl.-8vo, teils Doppelblätter. Ragusa (Dubrovnik) und Plitvice, 17.VI.1888 - 8.I.1889.
Umfangreiche Korrespondenz an einen namentlich nicht genannten Fachkollegen, vermutlich tätig im Landesmuseum, mit wissenschaftlichen und persönlichen Mitteilungen. Adamović übersendet seinem Korrespondenten neben den Briefen mehrfach gepresste Pflanzenexemplare auf Bögen. In einem Schreiben entschuldigt er sich für die mangelhafte Auswahl der Belege: "Tief gekränkt, dass Sie mit den Pflanzen nicht zufriedengestellt wurden, beeile ich mich, Sie um Verzeihung zu bitten. Ich habe es selbst vorausgesehen, dass die Pflanzen nicht passend sind, wollte aber Ihrem Wunsche baldigst entsprechen." Die Briefe behandeln neben botanischen Fragen u. a. das Alpen-Leinkraut (Linaria alpina), auch persönliche Themen. So erwähnt Adamović eine Erkrankung, die ihn "für 20 Tage nicht die Feder in die Hand greifen" ließ, sowie den Tod seines Bruders, der ihn tief erschütterte: "Ich hätte es bedeutend früher getan, kam aber leider nicht dazu wegen einer kleinen Geistesstörung infolge der, durch den Tod meines inniggeliebten Bruders, hervorgerufenen Verzweiflung." Darüber hinaus äußert er sich zu Buchpreisen und zu seiner Übersetzungstätigkeit ins Serbische sowie zu Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Publikationen. Mehrfach bittet er seinen Korrespondenten um finanzielle Unterstützung bzw. die Begleichung offener Forderungen: "Was Preis anbelangt, werde ich mit jedem Preis, was Sie mir setzen, zufrieden und vollkommen einverstanden sein. Nur möchte ich Sie höflich bitten, so gütig zu sein, mir sobald als tunlich das Geld anzuweisen wollen ... Da Ihnen meine Verhältnisse ganz genau bekannt sind, werden Sie auch diese Frechheit entschuldigen, indem Sie sich des ital. Sprichwortes ogni goccia bagna erinnern können / ein jedes Tröpfchen macht nass". – Papierbedingt gebräunt, kaum stockfleckig.
Baer, Karl Ernst von
Brief an einen Professor wegen einer Buchauktion. Um 1870
Los 2551
Schätzung
450€ (US$ 511)
Baer, Karl Ernst von, Mediziner und Naturforscher, Embryologe, Zoologe, Anthropologe, Geograph und Forschungsreisender, Professor in Königsberg und St. Petersburg (1792-1876). Eigh. Brief m. U. "Dr v Baer". 1 S. Doppelblatt. Gr. 8vo. O. O. 4.IX. (wohl um 1870).
An einen Professor, den er bittet, bei einer Buch-Auktion auf Verschiedenes, darunter die "Zeitschrift für Wissenschaftliche Zoologie", für sich (v. Baer) zu bieten. "... Haben Sie die Güte, bis 7 Rtl zu gehen, weiter möchte ich nicht. - Unter den kleinen Flugschriften sind auch einige, die ich zwar nicht kenne, aber kennen lernen möchte. Auf 3 derselben bitte ich für mich bis zu der mir auf dem Beiblatt notirten Höhe freundlichst zu bieten ...".
Becker, Alexander
4 Briefe und Karte an Fachkollegen. 1884-1897
Los 2552
Schätzung
280€ (US$ 318)
Becker, Alexander, russlanddeutscher Organist, Entomologe und Botaniker, tätig im Gebiet des Kaukasus und der unteren Wolga (1818-1901). 4 eigh. Briefe und 1 Karte m. U. Zus. 9 S., eng beschrieben. Sarepta, 16.XII.1884 - 25.IV.1897.
An verschiedene Fachkollegen, darunter die österreichischen Botaniker Richard Wettstein (1863-1931) und Eugen von Halácsy (1842-1913). Fachkorrespondenz über botanische Präparate, Pflanzensendungen und Artenbestimmungen, Preisverhandlungen sowie den Austausch wissenschaftlicher Materialien. Mit Mitteilungen "von der Flora der Sarepta", Danksagungen für Ertragsauszahlungen und Hinweisen auf den Verkauf und Weiterverkauf seiner Pflanzenpräparate und weiteres mehr. – Ein Brief von 1884 papierbedingt etwas stärker gebräunt und mit Faltspur am Rand.
Bernoulli, Carl Gustav
Brief an Eugen v. Halacsy. Guatemala 1869.
Los 2553
Schätzung
450€ (US$ 511)
Bernoulli, Carl Gustav, Schweizer Arzt, Botaniker und Forschungsreisender sowie Mitglied der Basler Gelehrtenfamilie Bernoulli, bekannt durch seine botanischen und archäologischen Forschungen in Mittelamerika (1834-1878). Eigh. Brief m. U. 2 S. 8vo. Mazatenango (Guatemala), 11.IV.1869.
An an den Wiener Botaniker Eugen von Halacsy (1842-1913). Bernoulli schreibt aus Mazatango (Guatemala) und berichtet: "... Seit vorigem Dezember bin ich wieder in meiner amerikanischen Heimath zurück", er habe sich jedoch erst jetzt melden können, "weil es mir bisher unmöglich gewesen ist, mich mit Botanik zu beschäftigen". Seine "Arbeiten in meiner Hacienda" und die "medizinische Praxis" hätten "alle meine Zeit in Anspruch genommen". Er teilt mit, dass er nach einer Reise in die Hauptstadt "nun wieder etwas mehr Ruhe" habe und sich "ein wenig aufs Beobachten und Sammeln legen" könne. Eine neue botanische Sendung nach Europa stellt er in Aussicht, merkt jedoch an, dass "Orchideen ... wahrscheinlich auch nicht sehr viele dabei sein" würden, "da die Hauptblüthezeit für diese Familie" gerade vorüber sei. Überdies schildert Bernoulli einen dramatischen Zwischenfall auf der Reise: "... Auf meiner Reise hierher habe ich an der Küste von Cuba Schiffbruch gelitten und [bin] nur mit Noth mit dem Leben davongekommen." Dabei habe er sein "sämtliches Gepäck verloren, damit auch alle meine geographischen und botanischen Notizen", einschließlich jener Aufzeichnungen, "die Sie mir mitgetheilt hatten". Trotz dieses Rückschlags hofft er, "sobald ich eine Sendung nach Europa machen kann", wieder schreiben zu können. – An den Ecken leicht angeschmutzt, gefalzt und mit geringen Gebrauchsspuren.
Bernoulli, Johann III
Brief an den Bibliotheks-Sekretär F. W. Strieder in Kassel. 1781
Los 2554
Schätzung
450€ (US$ 511)
Bernoulli, Johann III., aus der Schweiz stammender Mathematiker und Kgl. preußischer Astronom, Leiter der Berliner Sternwarte, Mitglied der Berliner Akademie, Ehrenmitglied der russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg, besuchte Kant in Königsberg, wurde in Köpenick beerdigt (1744-1807). Eigh. Brief m. U. "Bernoulli". In deutscher Sprache. 1 S. Doppelblatt mit Adresse und Lacksiegel. 4to. Berlin 9.I.1781.
An den Bibliotheks-Sekretär Friedrich Wilhelm Strieder in Kassel. Begleitschreiben zu einer bestellten Büchersendung, nämlich dem 1. Band von Bernoullis "Sammlung kurzer Reisebeschreibungen" (18 Bde, Berlin 1781-1786). Sendet "die drey von Ihnen gütigst bestellte Exemplare meines ersten Bandes, als 2 andere für Cassel, und drey nach Coblenz, Giessen u. Frankfurth bestimmte, welche ich bitte mit der fahrenden Post, unfrankirt wenn es nicht unmöglich ist, abgehen zu lassen. In eines der Ihrigen lege ich ein Zweyguldenstück Conv. Münze wovon die Hälfte meine Prenumeration auf den 1ten Band der Hess. Gel. Gesch. liquidirt; die andere bestimmt ist, die Ausgaben dieses Transports zu bestreiten ...". Beklagt sich, dass Buchhändler sich weigern, solche Sendungen zu organisieren, und leitet die Nachricht eines Herrn Dohm weiter. - Friedrich Wilhelm Strieders "Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte. Seit der Reformation bis auf gegenwärtige Zeiten" erschien in 37 Bänden von 1781 bis 1819 in Kassel und Göttingen.
-
Billroth, Theodor, Wiener Chirurg, musikhistorisch durch seine Freundschaft mit Johannes Brahms bekannt (1829-1894). Eigh. Rezept m. U. "Th Billroth". 1 S. Schmal-8vo (17 x 7 cm). Wien 7.VII.1879.
Mit der arzt-üblichen schlechten Schrift stellt Billroth ein Rezept aus, das u. a. Penicillin enthält. - Beiliegend 3 eigenhändig beschriftete Visiten-Karten von gleichfalls berühmten Medizin-Professoren: Emil du Bois-Reymond, Ernst Schweninger und Franz von Soxhlet.
Bötticher, Adolf, Kunsthistoriker und Denkmalpfleger (1842-1901), technischer Leiter der deutschen Ausgrabungen in Olympia, später Provinzialkonservator für Ost- und Westpreußen. Eigh. Brief m. U. 2 S. auf Doppelblatt. 8vo. Berlin 7.VII.1883.
An die Wiener Schriftstellerin und Salonnière Rosa von Gerold (1829-1907) gerichtet. Bötticher äußert seine Freude über deren Reiseerfahrungen in Griechenland ("... daß auch Ihnen ein freilich nur kurzer Aufenthalt in Athen und Corfu vollen Genuß bereitet hat") und berichtet von seiner angeschlagenen Gesundheit, da er sich "nur langsam von meinem Schlaganfalle erhole, der mich im verflossenen Dezember ereilt hat" und ihn derzeit "nur Krakelfüße machen" lasse. Er hoffe, bald wieder "von Athen und speziell von seiner Burg erzählen" zu können, und erwähnt die geplante Überarbeitung seines 1883 bei Julius Springer in Berlin erschienenen Werkes Olympia. Das Fest und seine Stätte. Nach den Berichten der Alten und den Ergebnissen der Deutschen Ausgrabungen, das "bald einer neuen Auflage bedürfen wird" und "überarbeitet und etwas besser ausgestattet" erscheinen solle. – Mit zwei Faltspuren, zweite Vacat-Seite an der Falz mit kl. Einriss.
Borzì, Antonino
3 Briefe und eine Karte an Eugen von Halácsy. 1876-1880
Los 2557
Schätzung
180€ (US$ 205)
Borzì, Antonino, italienischer Botaniker, Professor für Botanik an den Universitäten von Messina und Palermo, Direktor des Botanischen Gartens der Universität Palermo (1852-1921). 4 eigh. Briefe m. U. (darunter 2 Doppelblätter und 1 Briefkarte). Zusammen 8 S. Kl.-8vo. 3 Briefe in deutscher, einer in italienischer Sprache. Messina, 9.XII.1876 - 18.VI.1880.
An Eugen von Halácsy (1842-1913), Wiener Botaniker und Arzt ungarischer Herkunft. Vorwiegend fachliche Korrespondenz über den Austausch botanischer Präparate, insbesondere sizilianischer Pflanzen. Borzì entschuldigt sich in einem Schreiben für seine unzulängliche deutsche Sprache und berichtet von seinen durch ungünstige Witterung erschwerten Sammelarbeiten in Messina. In den weiteren Briefen erörtert er den Versand eines Pflanzenpakets über Triest, verweist auf logistische Schwierigkeiten und erwähnt die Vorbereitung von rund hundert sizilianischen Exemplaren, darunter mehrere seltene Arten ("Linaria triphylla, Linaria reflexa, Euphorbia spinosa" u. a.). Ferner kündigt er eine Reise in die Toskana und nach Oberitalien an. – Papierbedingt gebräunt und leicht fleckig.
Botaniker
Konvolut von 22 Briefen und 5 Briefkarten.Ca 1832-1905
Los 2558
Schätzung
1.200€ (US$ 1,364)
Botaniker. - Sammlung von 22 eigenhändigen Briefen und 5 Briefkarten. Ca. 1832-1905.
Briefe und Postkarten von Botanikern und Naturforschern aus Deutschland, der Schweiz, Belgien und Australien, meist von regem wissenschaftlichem und fachbezogenem Inhalt.
Vorhanden: I. Paul Ernst Emil Sintenis, Botaniker und Reiseschriftsteller (1847-1907). 4 eigenh. Briefe. Kupferberg und Çukurova (Südtürkei) 2. II.1874 bis 4. X. 1902. - II. Hans Schinz, Schweizer Forschungsreisender und Botaniker (1858-1941). 1 eigenh. Brief und 1 Karte. Zürich 1892-1889. - III. Max Koch, Botaniker, deutsch-australischer Kaufmann, Seemann, Farmer und Pflanzensammler (1854-1925). 4 Briefe. Lyndhurst 1899-1900. - IV. Alexandre Louis Simon Lejeune, belgischer Arzt und Botaniker (1779-1858). 3 Briefe. 1832-1835. - V. Emilio Levier, Schweizer Botaniker und Mediziner (1838-1911). 5 Briefe und 1 Karte. Florenz 28. XII. 1870 - 31. VII. 1903. - VI. Franz Buchenau, Botaniker und Lehrer (1831-1906). 5 Briefe und 3 Karten. Bremen 1885-1905. - Unterschiedlich erhalten; teils mit altersbedingten Gebrauchsspuren, vereinzelt Knickspuren.
"....an einem Orte, wo die Götter in jener reizenden Homer'schen Mythologie ihre Scene gespielt haben!"
Dohi, Keizo, japanischer Mediziner, Begründer der modernen japanischen Dermatologie, Schüler von Moriz Kaposi und Vertreter der "Wiener Schule der Dermatologie" (1866-1931). Eigh. Brief m. U. 3 S. auf Doppelblatt. Kl.-8vo. Und 1 Visitenkarte mit gedrucktem Namenszug und einer 6-zeiligen eigh. Geburtstagswidmung m. U. Beide Stücke in deutscher Sprache. Tokio, 29.XI.1901.
An die Wiener Schriftstellerin und Salonnière Rosa von Gerold (1829-1907), bekannt durch ihre Reiseliteratur und als Gastgeberin eines literarischen Salons. Dohi erinnert sich an die angenehmen Gesellschaftsabende während seines studienbedingten Aufenthalts in Wien, wo er sich unter Moriz Kaposi (1837-1902) an der dermatologischen Klinik fortbildete. Er empfiehlt ihr zudem seinen Freund, den japanischen Gesandtschaftssekretär D. Hida, Schwiegersohn des bekannten Staatsmannes Graf Inoue Kaoru (1836-1915), mehrfacher japanischen Außenminister der Meiji-Zeit. Beiliegend lässt er ihr zwei kleine Präsent-"Schächtelchen" überreichen. Dohi nimmt am Schluss Bezug auf einen früheren Brief der Adressatin aus Korfu, wo sie sich auf einer ihrer Reisen befand, und schreibt: "Es ist sehr schön von Ihnen, gnädige Frau, daß Sie auch in einer fernen Reise an mich gedacht haben, und gerade an einem Orte, wo die Götter in jener reizenden Homer'schen Mythologie ihre Scene gespielt haben!" - Beiliegend seine Visitenkarte mit gedrucktem Namenszug und Geburtstagsglückwünschen. – Zweifach gefalzt und etwas braun- und stockfleckig. – Beigegeben: H. Watanabe, wohl japanischer Diplomat oder Gelehrter. Eigh. Brief m. U. in englischer Sprache. Doppelblatt. 8vo. (Wien) 30. XII. 1891. - Ebenfalls an Rosa von Gerold adressiert. Einladungsschreiben zum Neujahrsdinner am 5. Januar 1892 bei Familie Watanabe in Wien. Er bittet die Adressatin, gemeinsam mit ihrer Bekannten, einer gewissen Martha Righter, an einem geselligen Abend mit japanischen Gästen teilzunehmen - "For this party all japanese only assemble together to amuse themselves for new year who are all acquainted with you ...".
Edison, Thomas Alva, amerik. Ingenieur und Erfinder (1847-1931). Visiten-Karte mit eigh. Signatur "Thomas A Edison". 5,5 x 9,5 cm. O. O. (wohl um 1900).
Leichte Gebrauchsspuren.
[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.
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