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Lot 1031, Auction  127, Zemirot Israel, Zemirot Israel. Hebräische Handschrift auf Papier.

Zemirot Israel
Zemirot Israel. Hebräische Handschrift auf Papier.
Los 1031

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2.500€ (US$ 2,841)

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Seltenes Judaicum: "Zemirot Israel" - ein handschriftliches Gesangbuch mit Hymnen und Liedern zum Sabbat
Zemirot Israel (hebraice: Gesänge Israels). Hebräische Handschrift mit Luach (Kalenderteil). 83 num. Bl. mit 159 beschriebenen S. 12 Zeilen. Italienisch-jüdische Quadratschrift mit kursiven Elementen. Schriftraum 11,5 x 8,5 cm. Format 15 x 11,2 cm. Pergament d. Z. (kleiner Kratzer, beschabt und Kanten etwas berieben, bestoßen). Ferrara / Norditalien ca. 1750-1760.
"Zemirot Israel" sind traditionelle jüdische Lieder und Gesänge, wie es auf dem Titelblatt-Incipit heißt: "zmirot ysrael yom za yom za mikal yom mechuvar ae hashivt [...]", womit der Text des ersten Sabbatliedes anhebt: "Dieser Tag ist ehrenvoller als alle Tage, denn er ist der Sabbat des Schöpfers der Welten. Sechs Tage sollst du arbeiten, aber der siebte Tag ist ein Sabbat für deinen Gott. Du sollst an ihm keine Arbeit tun".

Die "Zemirot Israel"-Lieder werden gemeinhin vor und während der Sabbat-Mahlzeiten zu Tische angestimmt. Die meisten der Texte stammen aus jüdischen Quellen des Mittelalters, sie feiern den Sabbat, die Schöpfung und auch die sinnlich-kulinarische Genüsse nach den jüdischen Riten. Dabei wird der Esstisch zu einem Altar Jehovas, der die Mahlzeit mit einem privaten Gottesdienst verbindet. Stark war hier auch der Betrag der sephardischen Liedtradition, die sich hier mit aschkenasischen Überlieferungen vermischt, woraus vermutlich die Lokalisierung (die sich durch Papierqualität, Kalzierung, Einband, Kalligraphie zu bestätigen scheint) nach Norditalien ergibt, auch wenn freilich eine wissenschaftlich fundierte Bewertung noch aussteht. Zu den bekanntesten Gesängen zählen "Adon Olam", "Tzur Mishelo", "Yah Echsof"oder das "Anim Zemirot (Shir Hakavod)".

Auf der letzten Seite ein Besitzvermerk eines italienischen Juden "Garo Finzi" in hebräsicher Schrift und italienischer Bezeichnung "questo Zimirot Ysrael è del Sig: Garo Finzi", einzelne hebräische Einträge werden von italienischen Randvermerken begleitet. Damit gehört die Handschrift eindeutig in den Kontext der berühmten jüdischen Familie Finzi aus Ferrara und Norditalien - eine Gelehrten- und Rabbinerfamilie von hoher kultureller und sozialer Bedeutung innerhalb der italienisch-jüdischen Welt des 18. Jahrhunderts. In der Handschrift erscheinen mehrfach Namens- und Besitzvermerke der Familie Finzi, darunter der Name Elisha / Ben Elisha Finzi, was die Überlieferung als Familienexemplar überzeugend stützt und der Handschrift einen ausgeprägt personal-historischen Charakter verleiht.

Die Familie brachte zahlreiche Rabbiner und Talmudgelehrte, Prediger und Gemeindeleiter, Ärzte und Humanisten sowie Bankiers und wirtschaftlich einflussreiche Persönlichkeiten hervor. Einige Finzis waren im 15.-18. Jahrhundert zentrale Figuren des jüdischen Geisteslebens Norditaliens. Besonders hervorzuheben sind etwa: Mordechai Finzi (Mantua, 15. Jh.), Arzt, Mathematiker und Astronom; Hizkija ben Benjamin Finzi (Ferrara), bedeutender Talmudist; Gur Aryeh Finzi, Herausgeber rabbinischer Werke; oder Isaac Raphael ben Elisha Michael Finzi (1728-1813), berühmter Prediger, später Mitglied und Vizepräsident des Pariser Sanhedrin (1806).

Die paläographischen Merkmale, das Papier und die Schriftform sprechen für eine Entstehung um die Mitte des 18. Jahrhunderts (ca. 1750-1760) - zeitlich gut vereinbar mit der Generation der in Ferrara belegten Finzi-Schreiber- und Rabbinerfamilie. Die Zuschreibung an den Familienkreis ist aufgrund der Autornennungen und der internen Eigennotizen auf überzeugende Weise plausibel und macht die Handschrift zu einem kultur- und familiengeschichtlich hochbedeutsamen Zeugnis.

Zum Inhalt:
Die Handschrift enthält eine umfangreiche Sammlung von Zemirot, Pijjutim und liturgischen Gesängen für Sabbat, Festtage und den religiösen Jahreslauf. Zemirot Yisrael (oder: Zemirot Yisra’el) ist der Titel einer traditionellen Sammlung hebräischer Melodien und liturgischer Lieder, die sowohl im synagogalen Kontext als auch im familiären Hausgebrauch gesungen wurden. Die Texte verbinden religiöse Dichtung, Andachtslyrik und gemeinschaftliche Ritualpraxis. Hervorzuheben ist am Ende der Handschrift ein Luach - ein kurzer Kalenderteil, der der praktischen religiösen Orientierung im Jahreslauf diente. Er ist in tabellarischer Form ausgeführt und spiegelt den pragmatischen Gebrauch der Handschrift im Familien- und Gemeindeleben wider. Auch wenn es sich um einen nicht datierenden, immerwährenden Kalender handelt, unterstreicht er den funktionalen Charakter des Buches. So steht die Handschrift in enger Traditionslinie zu jener Gruppe italienisch-jüdischer Zemirot-Manuskripte, die seit dem frühen 18. Jahrhundert - besonders in Ferrara und dem oberitalienischen Raum - nachweisbar sind (vgl. etwa: Sotheby’s, New York, 2025 - Kitzur Zemirot Yisrael, Ferrara 1840, dekorierte Titel- und Familienhandschrift (Victor-Klagsbald-Collection). – Nur wenige Gebrauchsspuren, hin und wieder saubere, alte Papierergänzungen (meist nur unwesentlicher Textverlust), kaum Fingerfleckchen oder sonstige Flecken, in feinster, sauberster Kalligraphie auf bemerkenswert festem, weißen Büttenpapier einer italienischen Mühle mit breitem Siebraster geschrieben. Jüdische "Zemirot"-Handschriften um 1600 sind von großer Seltenheit.

Lot 1032, Auction  127, Conrad, Balthasar, Traktat von der Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheit der katholischen Lehre. Deutsche Handschrift auf Papier

Conrad, Balthasar
Traktat von der Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheit der katholischen Lehre. Deutsche Handschrift auf Papier
Los 1032

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200€ (US$ 227)

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"Die wahre Lehre wird dort sein,
wo sie von Wundern begleitet wird" -
Eigenhändige Verteidigung des katholischen Glaubens von dem Breslauer Jesuitenrektor

Conrad, Balthasar. Traktat von der Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheit der katholischen Lehre. Deutsche Handschrift auf Papier. 2 geheftete Doppelblätter mit zus. 4 Bl. mit 8 nn. S. 28 Zeilen. Schrift: deutsche Kurrentschrift. Format: 24 x 16,5 cm. Mit einigen kalligraphischen Schwüngen. In modernem Kartonumschlag. Breslau, 1652-1655.
Eines umfangreiche Disputation und Abhandlung über die Glaubwürdigkeit und Integrität der katholischen Lehre des Rektors des Breslauer Jesuitenkollegs, unterschrieben "Ihrer Gnaden Dienstwilliger in Christo Balthasar Conradus S. I. Coll. Vratisl. Rector" (1609-1660).

Der Text wurde einer ausführlichen wissenschaftlichen Untersuchung von Rainer Rudolf unterzogen, der feststellte: "Offenbar handelt es sich bei unserem Text um eine Reinschrift durch den Verfasser selbst ... Durch scharfes Beschneiden am rechten Rand wurden manche Wörter verstümmelt, doch fehlen jeweils nur wenige Buchstaben, so daß sich die Wörter leicht ergänzen lassen ..." (Balthasar Conrads Traktat von der Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheit der katholischen Lehre, Sonderdruck aus dem Archivum Historicum Societatis Iesu, Extractum e vol. XLI, Roma 1972).

"Die Schrift von Pater Baltasar Conrad S. I. (1609-1660) findet sich im Privatarchiv von Professor Eis. Die kritische Ausgabe wurde von R. Rudolf S. D. S. erstellt. In der Einleitung bietet der Herausgeber sorgfältig neue Daten und korrigiert einige Biografien von Pater Conrad, in denen er die Abhandlung anderer Autoren beisteuert. Der Text ist verfasst als eine Antwort, die Pater einer Edeldame gab, deren Namen wir nicht kennen und die sich in ihren Gewissenskonflikten an ihn gewandt hatte. Pater Conrad stützt seine Argumentation auf die Wunderlehre und beginnt mit den Worten Christus: 'Wenn nicht ich die Werke (Wunder) unter ihnen getan hätte ...' (Joh 15, 24). Das Argument lautet: Die wahre Lehre wird dort sein, wo sie von Wundern begleitet wird, die denen Christi und der Apostel ähneln; solche Wunder geschehen nur in der katholischen Kirche ..." (nach dem spanischen und lateinischen "Resumen - Summarium"). – Papier teils etwas stärker gebräunt, rechts beschnitten, leicht über den Rand (o.g. geringer Buchstabenverlust). Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 197, erworben am 2. August 1971 bei Antiquariat Jacques Rosenthal (Hans Koch), Eching bei München. – Beiliegt: Rainer Rudolf, Balthasar Conrads Traktat von der Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheit der katholischen Lehre, Sonderdruck, zit. oben.

Lot 1033, Auction  127, Testament, der Anna Polixena von Krasseg. Schloss Krasseg (Steiermark) 1659

Testament
der Anna Polixena von Krasseg. Schloss Krasseg (Steiermark) 1659
Los 1033

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200€ (US$ 227)

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Testament der Anna Polixena von Krasseg. Deutsche Handschrift auf Papier. 6 nn. Bl. mit 9 S. Text. Schrift: Kanzleibastarda. Schriftraum: bis 21,8 x 15 cm. Format: 31,5 x 19,5 cm. Mit kalligraphischen Schnörkeln. Moderner Kartonumschlag. Schloss Krasseg (Steiermark) 1659.
Reinschrift des Testaments der reichen Witwe Anna Polixena von Krasseg, Herrin von Schätzenberg, in der Regeste mit "Testament Abschrifft" betitelt und notariell gezeichnet "Kollationiert Landt Canzler zu Krain (?), den 29. Januarij Anno 1659 LS Conradt Hagg", demnach zahlreiche bewegliche und immobile Güter sowie beträchtliche Gelder in der Erbmasse zur Disposition stehen. – Sehr sauber und wohlerhalten. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 54, erworben von Helko Eis bei Hans Koch, Antiquariat Jacques Rosenthal in Echning, Dezember 1967. – 125/1054

Hostauer Judeneid
Deutsche Handschrift auf Papier. 7 S. auf 4 Bl. 14-18 Zeilen
Los 1034

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1.400€ (US$ 1,591)

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"So ein Jud einen Ayd schwören wil"
Hostauer Judeneid - Taufzettel. Deutsche Handschrift auf Papier. 7 S. auf 4 Bl. 14-18 Zeilen. Schrift: Deutsche Kurrentschrift. Format: 10,8 x 7 cm. Moderner Pergamentumschlag (unter Verwendung älteren Materials). Hostau in Böhnen 1659-1662.
Sehr kleine, aber sehr gehaltvolle, umfangreiche und engbeschriebene Handschrift, die wohl einem Geistlichen, einem Gerichtsschöffen o. ä. als Vademecum diente. Auf Fol 1v nennt er sich als Wenzeslaus Adelbert Miller aus dem westböhmischen Hostau, dem heutigen tschechischen Hostoun auf halber Strecke zwischen Pilsen und Amberg. Zunächst ein:

"Verzeichnus der Hochlöbl. Bistumümer der Röm. Reichs. Annotiert von mir Wencelslao Adalberts Miller der Zeit wohhafft in der Stadt Hostau: im Königreich Böheimb: am fest s. gregorijy Anno 59". Es folgt Fol 1v ein Register mit Nennung einiger Bistümer des Heiligen Römischen Reichs wie "Straßburg", "Maytz", "Treyer" (Trier), "Cöln".

Hauptteil der kleinen, aller Wahrscheinlichkeit in sich vollständigen Handschrift ist ein ausrührliches Iuramentum Iudaeorum, ein seltener deutscher Judeneid, der ganze vier engbeschriebene Seiten umfasst (Fol 2r-3v). Der Judeneid, auch "More Iudaico", war eine von Stadtherren, Richtern und Kirchenobersten den Juden obligatorisch auferlegter Schwur auf die Gebote Moses und besiegelt mit dem höchsten Gebet "Höre Israel", mit dem sich Juden einer Anklage oder einer Beschuldigung gegenüber zur Wehr setzen konnten. Für Betroffene hatte der Judeneid, der Zwange, sich vor seinem eigenen Gott und dem Propheten Moses zu verantworten eine klar diskriminierende Konnotation und steht somit meist in Verbindung zu Herabwürdigung, Einschüchterung, Verfolgung, Hetze und Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung

"Eines Juden Aydt. So ein Jud einen Ayd schwören wil, so sol er bey ihm haben Herrn Moyses buch, darin die Zehen gebot geschrieben stehen, und sol sie rechter Hand bis auf oder an die Knorren auf die Zehen gebot Legen. Und sol ihm der eyd schriefftlich vorgelegt werden, den sol er selbst lesen mit lauter stim: das hab ich nit gethan, und bin des gantz unschuldig, also helf mir gott, der himmel und erden erschaffen hat: und also helf mir die Ee, die gott gebott, die die gab Hern Moysi auf den berg Sinai in Zweiyen Stainen tafeln, mir und aller Juden zu trost:
Es folgt das wichtigste Gebet des Judentums "Schma Jisrael" ("Höre Israel"): "Schem Adanai elohecha laschane ... escher issa et schmo Laschane", gewissermaßen als höchste jüdische Schwurformel.

Der zweite Text (Fol 6, 7r), datiert 1662 in schwarzer Tinte hinzugefügt worden, offenbar war das kleine Heft bis dahin in Gebrauch. Es enthält einen "Taufzettel", datiert "den iij. May 1662" mit einem Taufmahngedicht, ebenfalls in deutscher Sprache, gereimt in 8 Versen zu 16 Zeilen: "Jetz und hir angezaiget ist / daz schöne kindlein Jesu Christ / Bevreyt bist du nun von Sünd / und von den gottes Liebes Kind / So wachs nun auf mit gutem vleis, Sey deinen eltern ehr und preis / ein erb der frohen Seligkeit / Welche hier allzeit ist bereit ..." (ungefähre Lesart mit Fehlern).

Der schon im frühen Mittelalter nachweisbare Judeneid wurde nahezu überall in Europa angewendet und erst im 19. Jahrhundert abgeschafft bzw. verboten (in den preußischen Erbländern am 15. März 1869). – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 94. Vorderer Innendeckel mit Signatur "Hs. 94" und Stempel "Prof. Dr. Gerhard Eis". Fliegender Vorsatz am Schluss mit eigenhändigen Einträgen der bibliographischen Angaben: "Veröffentlicht: G. Eis. Judeneid aus Hostau in Böhmen, Journal of English and Germanic Philology LII, 1953, S. 86-89", "G. Eis, Mitteilungen aus altdeutschen Handschriften aus dem Sudentenländern, Stifter-Jahrbuch VIII (1964), S. 174-178" und weiteres.

Lot 1035, Auction  127, Fogaccia, Gaetano, Conclusiones physico-metaphysice plurium auctorum

Fogaccia, Gaetano
Conclusiones physico-metaphysice plurium auctorum
Los 1035

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300€ (US$ 341)

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Fogaccia, Gaetano. "Conclusiones physico-metaphysice plurium auctorum Soc. Jesu Auditore Caietano Fogaccia Bergomate convictore Collegij Nobilium S. Antonij. Brixiae Anno Domini MDCCVIIII". Lateinische Handschrift auf Papier. Ca. 320 nn. Bl. 20 x 14,5 cm. 29 Zeilen. Kurrent in schwarzbrauner Sepia mit kalligraphischen Auszeichnungen. Braunes Kalbsleder d. Z. (stärker beschab, berieben, nur kleine Fehlstellen) mit Resten von RVergoldung und sprenkelmarmorierter Schnitt. Brixen 1709.
Umfangreiche Kompilationen der wichtigsten Erkenntnisse aus Physik und Metaphysik nach mehreren Autoren der Jesuitenforscher, angefertigt von dem Studenten Gaetano Fogaccia aus Bergamo, der am dortigen St. Antonius-Kolleg "Convictor" war, also "convitto", Student, der in einem jesuitischen Internat (dem Convict oder Kolleg) wohnt. Sein Studium führte ihn wohl dann nach Brixen in Tirol, wo die vorliegende Mitschrift entstand. – Leicht gebräunt, vereinzelt ein wenig Tintenfraß, geringe Fleckchen, insgesamt sehr sauber und gut lesbar.

Lot 1036, Auction  127, Juristischer Sammelband, Deutsche Handschrift auf Papier

Juristischer Sammelband
Deutsche Handschrift auf Papier
Los 1036

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1.800€ (US$ 2,045)

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Bedeutendes frühneuzeitliches Gerichts- und Verhörbuch mit Judeneid (hebräisch umschrieben) und Hexenrecht
Juristischer Sammelband. Deutsche Handschrift auf Papier. Ca. 280 Bl. (num. 1-335 mit Fehlern). 18,5 x 15,4 cm. Pergament d. Z. unter Verwendung einer Urkunden-Handschrift des 15. Jahrhunderts (stark abgerieben, Gelenke brüchig, Deckel lose, ohne Schließbänder, stärker fleckig und bestoßen). Franken Anfang 18. Jahrhundert.
Umfangreicher handschriftlicher Sammelband mit Abschriften von Gesetztestexten, Halsgerichtsordnungen, Strafberichten, Formularien und Präzedenzfällen aus Urkunden des 15.-18. Jahrhunderts. In deutscher Sprache verfasst von mehreren zeitgenössischen Kanzleihänden des 17. Jahrhunderts. Es handelt sich um ein praxisorientiertes Gerichts- und Verhörbuch, das für den konkreten Einsatz im gerichtlichen Alltag bestimmt war und entsprechend deutliche Gebrauchsspuren aufweist.

Der Text vereint zentrale Bereiche der frühneuzeitlichen Rechtspraxis: allgemeine Gerichtsordnung, detaillierte Interrogatoria (systematisch nummerierte Verhörfragen), Instruktionen für Richter und Examinatoren sowie umfangreiche Formulare zur Eid- und Schwurleistung: "Ordnung über den Bericht und Rats verneuerung, Im ganzen Fürstenthumb Brandenburg [d. i. Fürstentum Ansbach-Brandenburg] unter- und oberhalb des Gebirgs Anno 1454", "Wie man das Gericht verlegen und verbieten soll", Gerichtsordnung: "Anfenglich fragt der Richter den Gerichts Knecht ... Andtwort deß Gericht Knechts", "Von dem christlichen Proceß", "Formular Peinlichen Process am Halsgericht zu Neustatt", "Verzaichnus der fragen und Antwortt zum Seckhendörffischen Gericht zu Ipßhaim hie volgt", "Der Richter und Vogt, auch der S[ch]ultheißen Aydt" etc.
Entstanden ist die Niederschrift Franken, zwischen Würzburg und Nürnberg, genannt werden u. a. Neustadt (an der Aisch), Seckendorf, Ipsheim und Nürnberg. Der erste Text ist wohl auch als Referenz gemeint.

Von herausragender Bedeutung ist der ausführlich ausgeführte Judeneid, der hier nicht lediglich erwähnt, sondern vollständig wiedergegeben ist. Bemerkenswert ist die Umschrift zentraler hebräischer Gottesnamen und Schwurformeln (u. a. Adonai, Elohecha), die fest in den deutschen Text eingebunden sind. Diese Praxis verweist auf die besondere rechtliche Stellung jüdischer Prozessbeteiligter innerhalb der frühneuzeitlichen Gerichtsbarkeit. Ob diese Umschrift der Verständlichkeit, der rechtlichen Bindung oder einer verpflichtenden rituellen Form diente, bleibt offen; sie unterstreicht jedoch die Ausnahmestellung des Judeneides und die formalisierte Abgrenzung jüdischer Eidesleistungen vom übrigen Verfahrensrecht.

Ein weiterer zentraler Komplex ist dem Malefizrecht und der Hexe gewidmet. In mehreren Abschnitten werden Straftatbestände, Verdachtsmomente und Verfahrensweisen im Zusammenhang mit Hexerei, Schadenszauber und anderen malefizischen Handlungen behandelt. Die zugehörigen Verhörkataloge zeigen eine bereits stark formalisiert-juristische Behandlung des Hexenwesens, charakteristisch für die fortgeschrittene Phase der frühneuzeitlichen Strafverfolgung.

Das Manuskript weist mindestens drei unterschiedliche Schreiberhände auf, was auf eine längere Nutzung sowie fortlaufende Ergänzungen schließen lässt. Rubrizierte Überschriften und vereinzelte dekorative Initialen strukturieren den Text. Papier mit sichtbaren Kettenlinien; altersbedingte Bräunung, kleinere Flecken und Randabnutzung, insgesamt jedoch in gutem, authentischem Erhaltungszustand.

Ein eindrucksvolles und seltenes Zeugnis frühneuzeitlicher Rechtspraxis, das Judeneid (mit hebräischer Umschrift), Hexenrecht und gerichtliche Verhörtechnik in einer regional verortbaren Handschrift vereint. Besonders der Judeneid verleiht dem Manuskript eine ausgeprägte judaica-historische Dimension, während die Abschnitte zu Malefiz und Hexe tiefe Einblicke in die Rechts-, Sozial- und Mentalitätsgeschichte des 17. Jahrhunderts ermöglichen. Ein Objekt von hoher Attraktivität für spezialisierte Sammler, Institutionen und die Forschung. – Etwas ausgebunden, einige Blätter lose, mehrere sind weiß geblieben.

Laertius, Diogenes
Ex Läertio de vitis philosophorum.
Los 1037

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200€ (US$ 227)

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Laertius, Diogenes. Ex Läertio de vitis philosophorum Anno 1719. Lateinische Handschrift auf Papier. 124 num. S. 16 Zeilen. Schrift: lateinische Kurrent. Format: 10,2 x 8 cm. Pergament (abgegriffen, fleckig) unter Verwendung von Material d. Z. Wohl Tiroler Raum, datiert 1719.
Kleines Breviarium philosophorum, eine Taschenkompilation aus den Viten der Philosophen nach den Schriften des Philosophiehistorikers und Doxographen Diogenes Laertius (3. Jahrhundert n. Chr.), der die Biographien der bedeutendsten antiken Philosophen und deren Lehren zusammenfasste und damit eine unerschöpfliche Quelle für unser heutiges historisches Wissen bildete.
Das interessante an dem Kompendium ist die thematische Zusammenfassung nach alphabetischen Stichwörtern wie "Admonitio", "Adolescens", "Adversa", "Aequanimitas", "Amicitia", "Amare et amor", "Arcana", "Avaritia", "Aulico", "Aurum", um allein den Buchstaben "A" zu zitieren. – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis (1908-1982), Heidelberg, Hs. 27, mit eigenhändigem Besitzvermerk des Sammlers und dessen Stempel.

Lot 1038, Auction  127, Arnhold, Christian, Artzeney Buch Vor vile Jinnerliche, und eusserliche, des

Arnhold, Christian
Artzeney Buch Vor vile Jinnerliche, und eusserliche, des
Los 1038

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300€ (US$ 341)

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Arnhold, Christian. Artzeney Buch Vor vile Jinnerliche, und eusserliche, des menschlichen Leibes zu stossenden Schwachheiten und Krankheiten, bewerthe Mittel. Deutsche Handschrift auf Papier. 1 Bl., 342 hs. num. S., 7 nn. Bl. Schrift: Kalligraphie und deutsche Kurrent. Text in Sepia mit einigen Unterstreichungen in Rotbraun. 19,5 x 16 cm. Halbleder d. Z. (Rücken mit größeren Fehlstellen, Bezug teils abgeschabt, Gebrauchsspuren, stärker bestoßen). Deutschland (Kohren bei Leipzig) 1725.
Im Jahre 1721 begonnenes, bis 1725 weitergeführtes Arzneibuch aus einer Hand, wohl Autograph von einem Schuldiener mit Namen Christian Arnhold, der über Geburts-, Tauf- und Sterberegister in die sächsische Kleinstadt Kohren zu verorten ist, das heutige Kohren-Sahlis, ein Ortsteil der Stadt Frohburg im Süden des Landkreises Leipzig.
Enthalten sind Hunderte von wertvollen Ratschlägen und Rezepten der Gesundheitsfürsorge und Humanmedizin, darüber hinaus auch ein eindrucksvolle Sprachzeugnis des Barock, das von zahlreichen Germanisten sprachlich und inhaltlich wissenschaftlich bearbeitet wurde:

"Artzeney Buch Vor vile Jinnerliche, und eusserliche, des menschlichen Leibes zu stossenden Schwachheiten und Krankheiten, bewerthe Mittel. Theils aus Eigenerfahrung, und Probä Theils auch aus erfahren, und gelehrter Leute Schrifften zusammen getragen und auffgezeichnet. Vor allein nur arme und Preßhaffte und sehr kränckliche Menschen aus Liebe bemerket, und eingetragen. Benebst einen Vollständigen Register von Christian Arnhold. Derzeit Kirch- und Schull-diener In-Jahrshayn Anno Christi 1725" (Titel).

Veröffentlichungen bzw. Teilveröffentlichung und Nenneng bei:
Gerhard Eis. Späte Paracelsus-Exzerpte aus unbekannten Handschriften, in: Eis, Vor und nach Paracelsus (1965) S. 74-93. - Karl-Heinz Weimann. Paracelsus-Bibliographie 1932-1960 (1963), S. 86. Volker Wendland, Die Gräfin von Mansfeld, eine Verfasserin spätmit-telalterlicher Rezepte, in: Medizinische Monatsschrift 23 (1969), S. 544- 548. – Etwas gebräunt, vereinzelter Durchschlag, insgesamt sehr sauber und kaum Gebrauchsspuren. - Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 46, mit dessen Fiche mit eigenhändigem Eintrag in Tinte auf dem vorderen Innenspiegel: "Handschrift 46 Christian Anrholdt Rezeptbuch, 1725 im Besitz Doz. Dr. Gerhard Eis" und hs. "Gekauft am 12. Juni 1940 in Dresden bei Paul Alike, lt. Kat. 236, Nr. 1297". Beiliegen mehrere eigenhändige Transkriptionszettel von Eis, ferner 4 gestempelte und unterschriebene Auszüge aus dem "Geburts-, Tauf-, Sterbe-, Aufgebots- und Begräbnisregister der ev.-luth. Kirche zu Kohren", die sich auf den Autor Christian Arnhold beziehen (von 1940).

Liebenberg
"Sammlung fürstlicher und adeliger Wappen". Deutsche Handschrift auf Papier. Um 1728
Los 1039 [^]

Schätzung
3.500€ (US$ 3,977)

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Aus dem Besitz des Antiquars William Salloch, New York
Liebenberg. - "Sammlung fürstlicher und adeliger Wappen" (hs. Titel). Deutsche Handschrift auf Papier. 1 Bl. und 70 num. Wappentafeln mit hs. Beischriften. Format: 16 x 18,4 cm. Mit 71 ganzseitigen Wappenmalereien in Deckfarben und zweifach gefalteter großer Wappentafel (20,8 x 34,6 cm). Hellbraunes Halbleder d. Z. (beschabt und bestoßen, Vorsätze stärker abgerieben) über 5 erhabene Bünde mit Goldfileten und goldgeprägtem RSchild "Armories" sowie dreiseitigem Rotschnitt. Deutschland (Schloss Liebenberg) nach 1728.
Wohl für das Adelsgeschlecht der Freiherren Hertefeld (Hertefeldt) von Liebenberg am Ende des ersten Viertels des 18. Jahrhunderts angefertigtes Wappenbuch, das alle prachtvollen Wappenschilder der Freiherren bzw. Barone, Fürsten, Könige und Kaiser zeigt, die irgendwie mit dem Geschlecht verwandt und assoziiert sind. So zeigt die große Falttafel am Schluss (No. 71) das Wappen "Cleve", da die Hertefeldt dem kleveschen Adelsgeschlecht im 17. Jahrhundert entstammen: "Comtes de Lottum et Willich".

Am Anfang ein großes kaiserliches Wappen mit Krone, Einhorn, Greif und dem Orden vom Goldenen Vlies mit hs. Beischrift "Duc d'Espagne en Russie - Liria grand et Ambassadeur 1728". Enthalten sind auch englische und schottische Adelsgeschlechter "Angleterre", "Ecosse", "France" z. B. "Du Bourg Maréchal de France et Gouverneur de Straßbourg", "Hollande", "Gueldre" etc. – Nur vereinzelte kleine Oberflächenbereibungen, wenige Farbabplatzungen, fast durchgehend in bemerkenswert guter, frischer Qualität.
Provenienz
: Vorsatz mit kleiner gelber Klebefiche: "Aus der Bibliothek des Baron von Hertefeld in Liebenberg". Das Geschlecht der Freiherren von Hertefeldt zu Schloss Liebenberg in Brandenburg (nördlich von Berlin im Löwenberger Land) hatte wohl als wichtigsten Spross den Freiherren Samuel von Hertefeldt aus dem klevischen Adelsgeschlechts von und zu Hertefeldt hervorgebracht, einen preußischen Staatsmann, Geheimer Oberfinanz-, Kriegs- und Domänenrat sowie Ritter des Schwarzen Adlerordens, der als Erbherr von Liebenberg erstmals ein Schloss errichten ließ, in dem auch eine Bibliothek eingerichtet wurde. Mit altem Wappenstempel auf dem Vorsatzblatt. Vorsätze aus türkischem Marmorpapier, der hintere mit Marke des bedeutenden Antiquars William Salloch, New York.

Lot 1040, Auction  127, Rossarznei und geistliches Lied, Deutsche Handschrift auf Papier. Deutschland 1728

Rossarznei und geistliches Lied
Deutsche Handschrift auf Papier. Deutschland 1728
Los 1040

Schätzung
220€ (US$ 250)

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Rossarznei und geistliches Lied. Deutsche Handschrift auf Papier. Fragment. Deutschland 1728. - Rezepte zur Kurierung von Pferden:
Rossarznei und geistliches Lied. Deutsche Handschrift auf Papier. Fragment mit 6 nn. Bl. Schrift: deutsche Kurrent. Format: 21 x 16 cm. Moderner Kartonumschlag. Deutschland 1728.
Rezepte zur Kurierung von Pferden ("Wenn ein Roß aufgebrochen ist mit Zeiten..."), denen "Ain segenes Geistliches Liedt" beigegeben ist. An dessen Schluss datiert "1728". – Erstes Blatt hier zu einem Drittel abgerissen (Textverslust), wahrscheinlich fehlen anfangs weitere Blätter, etwas fleckig, mit Gebrauchsspuren. Provenienz: Tenner Heidelberg Auktion 81 10/1970. Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 157.

Lot 1041, Auction  127, Neuschloß, Kontorbuch aus der Kaunitz-Bibliothek Neuschloß. Deutsche Handschrift auf Papier

Neuschloß
Kontorbuch aus der Kaunitz-Bibliothek Neuschloß. Deutsche Handschrift auf Papier
Los 1041

Schätzung
460€ (US$ 523)

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Kontorbuch der bedeutenden böhmischen Residenz "Neuschloss"
Neuschloß. - Kontorbuch aus der Kaunitz-Bibliothek Neuschloß. Deutsche Handschrift auf Papier. Ca. 80 Bl. mit ca. 80 beschriebenen S. in brauner Sepiatinte und 36 Vakat-Blätter.Tabelle mit 4 Spalten, bis 30 Zeilen mit Einträgen. Schrift: deutsche Barock-Kurrent. Format: 19,5 x 16,5 cm. Geheftet und über 3 Bünde (ohne Decken, aus einem Einband ausgelöst). Neuschloß, Nordböhmen 1750-1761.
Aus dem heutige tschechischen Schloss Nový zámek (Neuschloß) stammendes Kontorbuch mit Hunderten von Einträgen der Jahre 1750-1761, die eine ganze Wirtschaftsgeschichte im Barock rekonstruieren lassen: "Ausgabe von NeuSchloß Monath January 1750". Zum Barockschloss gehört der Neugarten sowie die größten Parkanlagen Böhmens, die im Stil der englischen Gärten angelegt worden waren - und noch heute zu den bedeutendsten Tschechiens gehören.
Das Kontorbuch, das aus der Bibliothek des Fürsten Wenzel Anton von Kaunitz (1711-1794) stammt, verzeichnet Einnahmen und Ausgaben, etwa: "Vor die pro Januario abgeführende contribution", "Den Pfarrer und denen Rechen Vättern sambt buben und contor der colecta", "Kircheninteressen", "Nach Prag geschicket der Herr Ragnitzki", aber auch Reparaturarbeiten wie: "die Schoßstiegen machen zu lassen" und vieles, vieles mehr. – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 43. Mit auf den Vorderdeckel montierter Fiche: "Handschrift 43 Ausgabenbuch (aus Neuschloß), 18. Jhdt. im Besitz von Dr. Gerhard Eis, Prag 1938". Kostbar sind auch die zahlreichen Vakat-Blätter feinster Bütten aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Lot 1042, Auction  127, Rönisch, Carl Ernst, "Einige Anmerkungen" - Chronik von Hubertusburg, Dt. Handschrift auf Papier

Rönisch, Carl Ernst
"Einige Anmerkungen" - Chronik von Hubertusburg, Dt. Handschrift auf Papier
Los 1042

Schätzung
3.200€ (US$ 3,636)

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Witterung, Moritaten und politisches Weltgeschehen - die unveröffentlichte Chronik von Hubertusburg
Rönisch, Carl Ernst. "Einige Anmerkungen und Beobachtungen gesammlet von Carl Ernst Jänisch in Hubertusburg, bis zu Ende des 1807ten Jahres" [und:] "Fortsetzung der Anmerkungen und Beobachtungen von 1808 an gesammlet", 2 Teile in 1 Band. Deutsche Handschrift in schwarzbrauner und roter Tinte auf Papier. 48 nn.; 26, 2 w. Bl. mit zus. 148 dicht beschriebenen Seiten in deutscher Kurrent. Schriftraum ca. 28 x 18 cm. Format 35 x 22 cm. Mit kleiner Federzeichnung. Halblederalbum d. Z. mit 4 Bindebänder, Deckelbezügen in Kleisterpapier (beschabt, bestoßen, berieben) und montiertem leeren Titelschild. Hubertusburg 1770-1813.
Unveröffentlichte, sehr umfangreiche und überaus detaillierte Chronik der Güter, Ländereien und Gegenden um den Weiler Hubertusburg bei Wermsdorf und Oschatz in Sachsen, ungefähr auf halbem Wege zwischen Leipzig und Dresden. Das Jagdschloss, auf dem der sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August III. temporär residierte, war als barocker Prachtbau ab 1720 errichtet worden, der Autor der Handschrift Carl Ernst Rönisch war als Gärtner und Landwirt zunächst als Adjunkt, später als Verwalter der Güter tätig und begleitete diese Tätigkeiten in seinen Aufzeichnungen, wobei er minutiös das Wetter, die Witterung, das Klima, was sich alles auf die Landwirtschaft auswirkte, dokumentiert. Zur Chronik gehören aber auch alle historischen Ereignisse der näheren Umgebung, die Rönisch in den weltpolitischen Zusammenhang stellt, was die Chronik zu einer geradezu einzigartigen Quelle der Geschichtsforschung macht. Beispielsweise werden alle Truppenbewegungen der Russen, Habsburger, der Preußen und Franzosen taggenau genannt, aber auch sämtliche sich im näheren sächsischen Raum zugetragenen Moritaten, die der Autor wie folgt kennzeichnet:

"+ Ein Kreutz, auf der linken Rande bedeutet natürliche Todes Fälle; ++ Zwey Kreutz, Gemordete und Selbstentleibte; +++ drey Kreutz, durch die Justiz Hingerichtete."

Vor allem auch für die Paläoklimatologie dürfte die Chronik von unschätzbarem Wert sein, lässt sich hier doch ein nahezu lückenlos dokumentiertes Klimabild über mehr als 40 Jahre verfolgen. Rönisch schreibt u. a.:

"Im Jahre 1762 den 15 Febr: verließ ich meinen Geburts-Ort Cölln, wo mein Vater damals auf dem Königl. Jagd-Hause Hallali, als Gärtner und Hausmann diente, und begab mich auf Reisen. 1763, den 15 Febr. ist der Friede wegen des 7jährigen Krieges zu Hubertusburg geschlossen worden. In dem näml. Jahr ist mein Ehrherr, der Hofgärtner Starke in Meissen Salzverwalter worden, und mein Vater in seiner Stelle zu Hubertusburg eingerückt, jedoch mit Beybehalt des Collenschen Gartens [...]. Nach Achthalbjährigen Reisen kam ich 1769 den 11 Junii glücklich in Hubertusburg an [...]".

"1771 war ums neue Jahr die angenehmste Witterung, viele Landleute die wegen grosser Nässe vor Winters nicht hatten bestellen können, säeten jetzt ihr Winterkorn. Den 25 Januar: wurde der bekannte Kirchen Räuber Eulitz, zu Oschatz an den dortigen Raths-Galgen gehängt. Gegen Ende Januar stellte sich Frost und Schnee genug ein [...]. In diesem Monate erhielt ich auch mein Adjunctur-Decret von Dresden.", "1772 [...] Den ganzen Sommer hindurch war die Witterung vermischt mit Gewittern und fruchtbar, den 13 Sep. der erste Reiff, den 25 Sept. wurde der Mordbrenner Namens Bäumler aus Lanpertswalde, welcher 1769 in Calbitz den großen Brand verwahrlost hatte, in Großböla [Großböhla] auf einem Scheiderhaufen verbrannt.", "1774. [...] Den 27 Mart. war der Palm-Sonntag, geschahe hier zu Wermsdorf eine fast unerhörte Mordthat: Ein Weib, namens Grüblerin, erschlug mit einer Holzaxt zu erst ihren Ehemann, hernach ihres Mannes Bruders Sohn, einen Menschen von 19 bis 20 Jahren, den sie an Kinds Statt angenommen hatten, beyde schlafend und in Betten liegend. Ihre vorher geäußerte Melancholie brachte sie nach Waldheim unter die Wahnwitzigen, wiewohl sie eine härtere Strafe verdient hätte."

"1791 [...] In diesem Jahr war die bekannte Zusammenkunft des Kaisers Leopolds, und des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm II. in Pillnitz, wo sie sich gegen die in Rebellions Stande befindlichen Franzosen verbanden, auch würklich mit ganzer Macht gegen dieselben marchierten, sich aber um die Eroberungen zankten, und darüber, so wie über den Rang selbst uneins wurden, wodurch die Franzosen nicht nur Luft bekamen, sondern die Preussen so gar auf ihrer Seite zogen. Die Kaiserin von Rußland räumte Preussen Danzig und Thoren [Thorn] ein, und es bey der Coalition zu erhalten, aber Preussen brauchte keinen Ernst mehr, ob es gleich noch ein Jahr die Campagne mit machte".

Die ständige Bedrohung durch die napoleonischen Truppen wird ebenfalls ausfühlich für den Landstrich protokolliert. So heißt es "Anno 1813 [...] den 4 [April] sehr kühl, an diesem Tage rückten in Mutzschen und umliegender Gegend viel Russische Cavallerie ein, aus dem hiesigen Magazin holten sie Hafen und Heu, in Reckwitz hatte jeder Bauer [Dienst?], den 5 hatten sie Rasttag, und gingen den 6 mit 12 Stücken Geschütz hier durch Wermsdorf nach Luppa zu, die Pferde waren schön, nicht so ihre Aufführung, den ganzen Tag heftiger Wind, den 9 ein wahrer Sommertag, abends querelten die Frösche [...]". Die kleine Randzeichnung mit einer ekliptischen Wetterskizze, die einen Regenbogen darstellt. – Vollständig, Bindung teils gelockert oder Lagen etwas ausgebunden, vereinzelte kleine Gebrauchsspuren und Braunfleckchen, teils etwas gebräunt, insgesamt sehr saubere, bemerkenswert gut lesbare Handschrift. Beiliegt ein weitere Blatt "Witterungsbeobachtung" von 1841.

Lot 1043, Auction  127, Costanza, Lorenzo, "Storia della Chiesa di Inghilterra". Italienische Handschrift auf Papier.

Costanza, Lorenzo
"Storia della Chiesa di Inghilterra". Italienische Handschrift auf Papier.
Los 1043

Schätzung
300€ (US$ 341)

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Die Untaten Heinrichs VIII vor der katholischen Kirche: "Matrimoni con Poligamie d'Enrico 8"
Costanza, Lorenzo. "Storia della Chiesa di Inghilterra". Italienische Handschrift auf Papier. 1 Bl., 68 S., 2 Bl. Register. 27 Zeilen. 26 x 17 cm. Italienische Kursiva-Kurrent in Sepia. Dunkelbraunes Kalbsleder d. Z. (Deckel stärker geworfen, fleckig, mit kleinen Lederfehlstellen, etwas brüchig) mit RVergoldung. Italien 1773.
Interessante Darstellung der Geschichte Englands aus italienischer Perspektive von dem Studioso Lorenzo Costanza, der sich am Schluss (S. 68) als Autor und Propst, Leiter eines Kollegiatstifts von Albiano (im Trentino) nennt. Er bedauert gleichzeitig die Auflösung des Jesuitenordens, die der Kirche großen Schaden zufügen würde. Den Jesuitenorden (die "Societas Jesu") hatte bekanntlich Papst Clemens XIV. am 21. Juli 1773 durch das Breve "Dominus ac Redemptor" offiziell aufgelöst: "Di Lorenzo Costanza prevosto d'Albiano. Lavoro di mesi due luglio ed agosto 1773. Nei sud[detti] mesi è seguita l'abolizione della Compagnia di Gesù e un grave danno della Chiesa".
Der Text enthält die wichtigsten Ereignisse der englischen Geschichte seit der Neuzeit und dem von Heinrich VIII. eingeführten Anglikanismus mit Kapiteln: "Della Chiesa d'Inghilterra", "Durazione della Fede Cattolica nell'Inghilterra", "Ruina della Chiesa d'Inghilterra sotto Enrico 8", "Enrico ottavo prima Cattolico", "Enrico 8 ripudia la Consorte per sposar Anna Bolena", "Sentenza del Papa intorno al matrimonio d'Encrico e Scommunica", "Sacrilegi e crudeltà d'Enrico 8", "Matrimonj con Poligamie d'Enrico 8", "Ultime disposizioni e morte d'Enrico 8", "Odoardo VI", "Maria", "Elisabetta", "Carlo primo", "Interregno", "Carlo 2", "Giacomo 2" etc. Am Schluss ein ausführliches Register. Es folgt eine Übersetzung der berühmten "Lettera di Maria Stuarda Regina di Scozia scritta dalla prigione a Sisto V". – Kaum Gebrauchsspuren, nur gelegentlich anfangs und am Ende leicht angestaubt, aus dem Besitz eines "Luciano Caruso" mit dessen Exlibris.

Chur und Graubünden
Stadtrecht. Deutsche Handschrift auf Papier.
Los 1044

Schätzung
800€ (US$ 909)

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Das Graubündner Stadtrecht von 1676
Chur. - Stadtrecht. Deutsche Handschrift auf Papier. 2 Teile in 1 Bd. Bl., 163 S., 8 w. Bl.; 1 Bl., 40 S. Ca. 36-46 Zl. Format 17,5 x 11 cm. Mit 2 hübschen Federwerk-Vignetten und kalligraphischen Auszeichnungen. Schlichter Pappband d. Z. (unteres Kapital fehlerhaft, beschabt). Chur 1774.
Graubündener Codex mit dem ausführlichen Stadtrecht für die Stadt Chur, der heutigen Hauptstadt des ostschweizerischen Kantons Graubünden, geschrieben in feinster deutscher Kurrentschrift mit Auszeichnungen in kalligraphischer Fraktur und zwei hübschen Vignetten, davon eine Blume in Federzeichnung: "Stadtrecht" (Teil I) und "Ordnungen Eines Hoch und Wohlweisen Raths, Vogtgerichts, Ehegerichts, Stadtgerichts, Avvellatz-, Kundschaffts, Offenrechts, Arrests und Prefectengerichts, Erneuert und verbessert im Jahr 1676 Abgeschrieben 1774" (Teil II). Tatsächlich markiert das Jahr 1676 einen wichtigen Zeitpunkt in der Rechtstradition der Stadt Chur, die als älteste Stadt der Schweiz gilt. Stadtrechte waren in dieser Epoche von zentraler Bedeutung für die Organisation des städtischen Lebens und die Zentralität des Ortes. Sog. "Avvellatz-Gesetze" wurden vertreten durch Avvellatz-Richter (auch Avellaz-Richter), die v. a. im 17. und 18. Jahrhundert in den "Drei Bünden" (einem Vorläuferstaat des heutigen Graubünden in der Schweiz) tätig waren, was das Stadtrecht von 1676 kodifizierte.

"Ordnung Wieder das Gotteslästern", "Ordnung des Kirchgangs halber", "Ordnung Wieder die Kupplerey", "Ordnung in Churbündischen Erbfällen", "Ordnung wegen den Pferden vor den Hirten zu treiben", es folgen zahlreiche Gewerbeordnungen, etwa: "Ordnung der Metzgereyen", "Ordnung der Pfisteren", "Ordnung der Mülleren", "Ordnung der Wagneren", "Ordnung der Flözern" und vieles mehr, mit ausführlichem Register. – Kaum größere Gebrauchsspuren, meist sehr sauber und frisch und in feinster Schönschrift sauber auf Papier gebracht.

Lot 1045, Auction  127, Meister Albrant, "Albrechts Roßarzneibuch, Rosenberger Pelzbuch"

Meister Albrant
"Albrechts Roßarzneibuch, Rosenberger Pelzbuch"
Los 1045

Schätzung
500€ (US$ 568)

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Rossarzneibuch Meister Albrants und Pelzbuch
des Jost von Rosenberg

Meister Albrant. "Albrechts Roßarzneibuch, Rosenberger Pelzbuch". Großes Fragment einer böhmischen Sammelhandschrift in tschechischer Sprache auf Papier. 159 (statt 185?) Bl., mit Seitennummerierung 53-412 (mit Fehlern und Sprüngen). Ca. 14 Zeilen. Schrift: nordböhmische Kurrent. Schriftraum: 19 x 16,4 cm. Format: 22 x 18,5 cm. Mit Rubrizierung und kalligraphischen Auszeichnungen der Überschriften in roter und brauner Feder. Halbleder d. Z. (Kanten und Ecken beschabt, gering bestoßen). Nordböhmen (Ploschkowitz, Leitmeritz) um 1800.
Gerhard Eis, Meister Albrants Roßarzneibuch im deutschen Osten (Schriften der Deutschen Wissenschaftlichen Gesellschaft in Reichenberg 9), Reichenberg 1939 (Nachdruck [Documenta Hippologica] Hildesheim/Zürich/New York 1985). - Gerhard Eis, Meister Albrants Roßarzneibuch. Verzeichnis der Handschriften, Text der ältesten Fassung, Literaturverzeichnis, Konstanz 1960, S. 15-21. – Großes Fragment einer besonders umfangreichen böhmischen Handschriften-Anthologie mit großen Teilen aus Meister Albrants Roßartzneibuch, des bedeutendsten hippiatrischen Textes des Mittelaltes, der in mittelhochdeutscher Sprache im 13. Jahrhundert wohl am Hofe des Stauferkönigs Friedrichs II. entstanden war. Geschildert werden 36 typische Krankheiten der Reitpferde und Anweisungen zu deren Kurierung. Der Mediaevist und Germanist Gerhard Eis, Heidelberg (1908-1982) sammelte Überlieferungen in Handschriften wie der vorliegenden des späten 18., bzw. frühen 19. Jahrhunderts, die er edierte, um damit erstmalig die Bedeutung der Roßarznei Meister Albrants für die Entwicklung der deutschen Sprache zu manifestieren. Wie wenige andere Texte wurde das Pferdebuch als praktische Diagnose- und Kurationsanweisung nahezu lückenlos über 800 Jahre tradiert und bildete somit ein Kaleidoskop der Sprachentwicklung und wichtige Quelle für die Linguistik zwischen Mittelalter und Neuzeit.

"Im Herbst 1937 von dem Prager Antiquar K. Zink gekauft. Es ist eine um 1800 hergestellte Abschrift eines Werkes, das 1599-1601 abgefaßt worden sein muß. Ein Pferdesegen aus Ploschkowitz bei Leitmeritz [das heutige Ploskovice bei Leitmeritz in Böhmen], ist 1599 datiert und das Pelzbuch das den ersten Abschnitt bildet, ist Peter Wok von Rosenberg (+1611) gewidmet, der Herr auf Krummau genannt ward. Diese Herrschaft verkaufte er jedoch 1601. Der erste Teil ist ein Roßarzneibuch, das zum großen Teil Vorschriften des Meisters Albrant, Kaiser Friedrichs Schmied, enthält. Von besonderer Wichtigkeit ist der vierte Teil, das Rosenberger Pelzbuch, von Jost von Rosenberg für Peter Wok von Rosenberg, verfaßt" (eigenhändiger Eintrag Gerhard Eis). Gemeint ist der Grundherrr Peter Wok von Rosenberg (1539-1611). – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg. Mit einmontierter Fiche auf dem fliegenden Vorsatz: "Handschrift H. 33 Albrechts Roßarzneibuch, Rosenberger Pelzbuch u. a. im Besitz von Dr. Gerhard Eis, in Ruppersdorf bei Reichenberg in Böhmen ist nach den Grundsätzen der [durchgestrichen:] Königl. Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin von Herrn Doz. Dr. Gerhard Eis im November 1937 aufgenommen worden". Fliegender Vorsatz mit umfangreichen hs. Einträgen des Germanisten und einer höchst ausführlichen Liste der Bibliographie von Veröffentlichungen über die Handschrift mit neun Titeln, meist von Eis selber.

Lot 1046, Auction  127, Ghigini, Giovanni, Sull’abuso della sciringa nell’iscuria vesicale. Italienische Handschrift auf Papier

Ghigini, Giovanni
Sull’abuso della sciringa nell’iscuria vesicale. Italienische Handschrift auf Papier
Los 1046

Schätzung
250€ (US$ 284)

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Einzige Abschrift des weltweit einzigen Exemplars einer einzigartigen Schrift
Ghigini, Giovanni. "Sull’abuso della sciringa [sic] nell’iscuria vesicale. Memoria di Giovanni Ghigini chirurgo presso l’artiglieria italiana. In Pavia, presso Giovanni capelli stampatore e libraio, MDCCCIV". Italienischen Handschrift auf Papier. 1 w. Bl., 19 num. S., 3 w. Bl. 28,5 x 20 cm. Fadengeheftet. Pavia nach 1804.
Abschrift in sauberer Kurrent von einer einzigen Hand - eine Manuskriptkopie der gedruckten Ausgabe (Pavia 1804), von der laut Opac Sbn und OCLC, Nr. 560487856, offenbar nur ein Exemplar erhalten geblieben ist, das sich heute in der British Library befindet (aber keines in Italien, keines in Deutschland oder in Frankreich). Dieses Traktat wurde von Sir John Forbes zitiert, "The Cyclopaedia of Practical Medicine III, S. 171)". Der Autor Giovanni Ghigini war 1839 "erster Chirurg und Hofarzt" in Parma. Hier untersucht er den oft tödlichen Missbrauch einer Spritze ("sciringa", heute "siringa") bei Blasenentleerungsstörungen.

Lot 1047, Auction  127, Wilhelm V. von Oranien, Gedicht. Niederlanden (Delft?) um 1806

Wilhelm V. von Oranien
Gedicht. Niederlanden (Delft?) um 1806
Los 1047

Schätzung
200€ (US$ 227)

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Wilhelm V. von Oranien. Gedicht. Niederdeutsche Handschrift auf Papier. 8 nn. Ca. 20-28 Zeilen. Schrift: Niederländische Kurrent. Schriftraum: Format: 20 x 15 cm. Mit Titelkalligraphierung in Sepia. Moderner loser Umschlag. Niederlanden (Delft?) um 1806.
Zeitgenössische Abschrift einer Nänie auf Wilhelm V., Prinz von Oranien-Nassau (1748-1806): "Op de verzaardag van Willem, Den 5de Prince van Orange en Nassau, Plegtig??? geriert den 8. Maart 1787" (Am Begräbnistag von Willem, dem 5. Prinzen von Oranien und Nassau). Das Gedicht beginnt: "Zoo bliefst willem met ons Leven ...". – Saubere Handschrift, gut lesbar, Ränder teils etwas knickspuring und brüchig, nur leicht gebräunt, kaum fleckig. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 209.

Lot 1048, Auction  127, Kochen und Backen, Handschriftliche Kochbücher aus dem 19. Jahrhundert

Kochen und Backen
Handschriftliche Kochbücher aus dem 19. Jahrhundert
Los 1048

Schätzung
400€ (US$ 455)

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Kochen und Backen. Handschriftliche Kochbücher aus dem 19. Jahrhundert. 2 Bände. Deutsche Handschrift auf Bütten. 196 hs. S., Bl., 19 l. w. Bl; 93 Bl. Ca. 23 Zeilen. Schrift: Kurrent. Format: 19,5 x 16,5 cm bzw. 21 x 17,5 cm. (1) Pappband d. Z. (beschabt und bestoßen); (1) Halbleinen d. Z. (beschabt, bestoßen, fleckig, Rücken offen und mit Fehlstellen). Preußen (Wittenburg) 1820-1861.
Die beiden Kochbücher stammen aus Preußen und vereinen daher typische deutsche und französische Gerichte, eines ist aus Wittenburg in Mecklenburg. Sie tragen je einen Titel: "Sammlung von mancherley Recepten zum einmachen und Kochen" und "Kochbuch für A. Henninges". Darin finden sich zahlreiche Rezepte und Anleitungen zum Einmachen, Backen, Kochen und Zubereiten von verschiedenen Gerichten aus der preußischen und französischen Küche. Zum Beispiel: "Grüne Erbsen einzumachen", "Sauce Robert", "Créme à la Vanille zu machen", "Tourte de Créme", "Orangen zu machen", "Kirschen Saft zu machen", "Reis-Kuchen zu machen", "Citronen Kuchen zu machen", "Mandelpudding zu machen", "Borstorffer Aepfel Gelée zu machen", "Pflaumen ahn Zwetschen mit zucker zu trocknen", "Zinn-Brey zu machen", "Eier Schnee zu machen", etc. – Papierbedingt gebräunt, etwas braun- und stockfleckig sowie etwas gewellt. Das Kochbuch aus dem Jahre 1861 mit offenem Innensteg ab Blatt 5 sowie etwas feuchtrandig.

Lot 1049, Auction  127, Gebett Büchlein, aus Lindenhau im Egerland. Deutsche Handschrift auf Papier.

Gebett Büchlein
aus Lindenhau im Egerland. Deutsche Handschrift auf Papier.
Los 1049

Schätzung
600€ (US$ 682)

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Reich illuminiertes Gebetbuch aus Lindenhau im Egerland
"Gebett Büchlein" aus Lindenhau im Egerland. Deutsche Handschrift auf Papier. 1 Bl., 154 hs. num. S., 2 w. Bl. 16-22 Zeilen. Schriftraum 12,4 x 7,2 cm. Format 16,6 x 10,2 cm. Sepiabraune Handschrift mit kalligraphischen Fraktur-Auszeichnungen in Rot und Blau, Textrahmungen in doppelter Federlinie, illuminiert mit 55 große Zierinitialen "O", Bordüren, Kopf- und Schlusstücken mit floralen Darstellungen, üppiger farbiger Buchschmuck in feiner Gouache sowie 11 ganzseitigen, farbig gouachierten Miniaturen. Schwarzer, strukturgeprägter Kalbslederband d. Z. (bestoßen, leicht beschabt, Bezug mit winzigen Fehlstellen und leicht wellig) mit oxidierter Goldprägung Eckfleurons, Palmettenbordüre und Initialen "A.G. 1834". Lindenhau 1834.
Sehr hübsches, reich illustriertes Gebetbuch zum privaten Gebrauch einer Betschwester mit Initialen "A.G." aus Lindenhau im Egerland, das heutige Lipová u Chebu im Okres Cheb mit wiederholten, vielfach farbig gestalteten Initialen "O" für "O Gott allmächtiger himmlischer Vater", "O liebste barmhertzig Jungfrau Maria", "O liebster güthigster Herr Jesu", "O sanftmüthiges Lämmlein" etc. Die Miniaturen zu den einzelnen Gebetsabschnitten zeigen den Heiligen Franziskus, das Kreuz mit den Arma Christi und den symbolischen Darstellungen der Geburts- und Grabeskirche, Christus mit dem Engel und Kelch in Gethsemane, "Vor der Beicht" mit Darstellung des Heiligen Paulus, ferner "St. Felix", Kelch und Hostie "Dieß ist wahrhaftig mein Leib nehm ihn hin und esset", Christus als Infans mit Kugel und Kreuz, Marienmonogramm mit Krone etc. Am Ende: "In Lindenhau ist mein Vaterland! Wo ich sterben werde ist Gott bekant - Die Römisch Jahrszahl MDCCCXXXIV 1834". – Abgesehen von üblichen Gebrauchsspuren wie Fingerfleckchen, wenigen Bräunungen und Flecken, vereinzelten Farbwischern sehr schön erhalten.

Lot 1050, Auction  127, Chasles, Julien, Arithmetik. Französische Handschrift auf Papier

Chasles, Julien
Arithmetik. Französische Handschrift auf Papier
Los 1050

Schätzung
900€ (US$ 1,023)

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Chasles, Julien. Arithmetik. Französische Handschrift auf Papier. 292 (ab S. 203 alle w.) hs. num. S. Schrift: Gotica textualis, Textura, Bastarda etc. Format: 40,5 x 25 cm. Mit 98 Kopfvignetten in roter, grüner und gelber Tinte gezeichnet. Modernes Halbleder. 1838.
Reich illustriertes Buch über die Arithmetik, von Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division bis hin zu Bruchrechnung. Bis Seite 195 ist jeweils recto eine Kopfvignette in Tinte gezeichnet mit Darstellungen von Hunden, Engeln, Löwen, Kranichen , Pferden, Blumen und Sträußen in Rot, Grün und Gelb. Die letzten fünf Blatt mit Kassenbuch Einträgen von 1895 bis 1905. – Die ersten drei Blatt etwas wurmstichig, durchgehend leicht braun- und stockfleckig. Mit kleinenren Randläsuren, Kopfvignetten teils mit Abklatsch. Die letzten drei Blatt mit Notizen über den Bürgerkrieg in Syrien im Jahr 1860.

Lot 1051, Auction  127, Kochbücher, 3 deutsche, englische und französische Handschriften auf Papier

Kochbücher
3 deutsche, englische und französische Handschriften auf Papier
Los 1051

Schätzung
750€ (US$ 852)

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Kochbücher. 3 deutsche, englische und französische Handschriften auf Papier. 3 Bände. 1 Bl., 169 hs. S., 16 Bl., 121 überwiegend weiße Bl.; 640 hs S., 14 Bl; 192 S., 6 w. Bl., 6 Bl., 28 w. Bl (letztes beschriftet). Schriftraum: 18 x 14 cm bis 20,5 x 16,5 cm. Format: 22 x 17,5 cm bis 19,5 x 15 cm. Pappband d. Z. (etwas lädiert, bestoßen und berieben, 1 Band mit größeren Fehlstellen und Rücken fehlt) 1 Band mit hs. RSchild. Deutschland 1857 bzw. Bochum 1868.
Zwei der Bücher tragen die Titel "Kochkunst" und "Koch-Buch", während das dritte Buch ohne Titel ist. Zwei umfangreiche Kochbücher aus dem deutschen Raum in deutscher, englischer und französischr Sprache mit zahlreichen Rezepten, wie zum Beispiel "gefüllte Kartoffeln", "Blumenkohl mit Baulion", "Spargel mit Eier", "Reisbudding", "Milch Créme", "Zitronen Créme", "Detto à la Villeroi", "Queen-cakes", "Little plummcake to keep long", "Very good common plum-cakes", "Bouillon", "Bouillon clair", "Consommé", "Duppe à la Francaise", etc. – Papierbedingt gebräunt, weiße Blätter teils mit größeren Fehlstellen, mit Randläsuren sowie etwas braun- und fingerfleckig.

Lot 1052, Auction  127, Schorn, Carl, Tour nach Paris 1851. Lebens-Ereignisse vom Jr. 1836-1857

Schorn, Carl
Tour nach Paris 1851. Lebens-Ereignisse vom Jr. 1836-1857
Los 1052

Schätzung
150€ (US$ 170)

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Schorn, Carl. "Tour nach Paris 1851. Lebens-Ereignisse vom Jr. 1836-1857". Deutsche Handschrift auf Papier. 88 Bl. Ca. 20-26 Zeilen. Format: 16,5 x 10 cm. Halbleder d. Z. (Rücken stark lädiert) mit hs. VDeckelschild. Aachen und Paris um 1857.
Reisetagebuch des 32-jährigen Carl Schorn, gebürtig aus Essen und Wohnhaft in Cöln. Dem beiliegenden Reisepass zufolge werden seine Personalmerkmale so beschrieben: braunes Haar und Augenbrauen, gebogene Nase, gesunde Gesichtsfarbe, schlanke Statur.

Schorn unternahm seine Reise von Trier über Aachen nach Paris. Die Aufzeichnungen enthalten Beobachtungen zum Wetter, Beschreibungen seiner Tagesrouten sowie Notizen zu besuchten Orten und Gebäuden, darunter Notre dame, das Hôtel de Ville, die Rue Montmartre, Place du Nord, verschiedene Cafés und Restaurants. Ausführlich schildert er den Besuch von Schloss und Park von Versailles; vorhanden ist eine gezeichnete Grundrissskizze des Westflügels mit dem Vorbau. Mehrfach erwähnt er die durch Regenwetter beeinträchtigten Besichtigungen.

Namentliche Erwähnung finden Louis Napoleon, Horace Vernet, Gräfin Pavlowska. – Papierbedingt wenig gebräunt und kaum stockfleckig.

Lot 1053, Auction  127, Alemannisches Hausbuch, Deutsche Handschrift auf Papier. um 1860-1893. - Südwestdeutschland, alemannischer Raum um 1860-1893

Alemannisches Hausbuch
Deutsche Handschrift auf Papier. um 1860-1893. - Südwestdeutschland, alemannischer Raum um 1860-1893
Los 1053

Schätzung
300€ (US$ 341)

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"Tauschgeschäft" der Badischen Landesbibliothek
Alemannisches Haus- und Jagdbuch. Deutsche Handschrift auf Papier. 158 S., davon 1-147 eng beschrieben, inkl. vorderer Vorsatz. 30-60 Zeilen. Schrift: Kurrent. Format: 16,4 x 10,2 cm. Halbleder d. Z. (etwas beschabt und bestoßen, berieben) mit 1 (statt 2) Bindebändern. Südwestdeutschland, alemannischer Raum um 1860-1893.
Von mehreren Händen angefertigte Zusammenstellung von Exzerpten mit Hunderten von Rezepten und Anweisungen für Krankheiten, Kuren, Verwendung von Kräutern und Chemikalien als Heilmittel. Ferner Ausführungen zur Jagd, Fischfang, Pferden und Landwirtschaft. Das Buch fasziniert vor allem durch sein lückenloses Beschreiben des Papiers: Bis auf den äußersten Rand wurde mit sauberer, flüchtiger, gröberer und feinener Feder in schwarzbrauner oder brauner Sepiatinte Rezepte eingetragen gegen allerhand Schmerzen und Haushaltsprobleme, teils mit lateinischen Bezeichnungen der Medikationen und Remedien. Die Schrift wird mit höherwerdender Seitenzahl immer enger und feiner bis fast hin zu einem Mikrogramm-Duktus, die letzten Seiten sind mit Bleistift weitergeführt worden.

Laut dem Germanisten und Mediävisten sowie Medizinhistoriker Gerhard Eis (1908-1982) handelt es sich um eine Handschrift aus dem alemannischen Sprachraum und nachweislich auch um Kompilationen aus Zeitschriften wie etwa dem "Oberkircher Boten", die Zeit zwischen 1860 und 1893 umfassend.

Vgl. den Aufsatz von Gerhard Eis, Alte Jägerkunststücke aus unbekannten Handschriften, in: Zeitschrift für Jagdwissenschaften VII, 1961, S. 127, in der Eis schreibt: "Es werden sechs kurze Rezepte für Jäger mitgeteilt, die in unbekannten altdeutschen Sammelhandschriften überliefert sind. Sie beziehen sich auf die Betäubung von Federwild mit vergifteten Ködern, das Anlocken von Haarwild durch eine stark duftende Salzlecke und auf das böswillige Verscheuchen von Wild durch einen Zauberspruch. Durch den Vergleich, mit anderen Überlieferungen wird die literarische und fachgeschichtliche Stellung dieser Texte bestimmt." – Gelegentliche Gebrauchsspuren, teils leicht gebräunt und fleckig. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 138 mit dessen Eintragung zur Literatur und Stempel. Eis erwarb es auf Angebot der Badischen Landesbibliothek, Karlsruhe, am 3. Febuar 1960 von dem Ersten Bibliothekar Dr. Hannemann als Tauschgeschäft: "Für den 'Ausgleich' ist damit nach unsrer Meinung genug geschehn - wir wollten das 'Tauschgeschäft' auch nur am Rande betreiben" (9. Februar 1960), Korrespondenz mit drei Briefen beiliegend.

Lot 1054, Auction  127, Spottlied von der Joppe, Von einer Jubpen. Deutsche Handschrift auf Papier. Süddeutschland zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Vollständiges Vexierlied

Spottlied von der Joppe
Von einer Jubpen. Deutsche Handschrift auf Papier. Süddeutschland zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Vollständiges Vexierlied
Los 1054

Schätzung
500€ (US$ 568)

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Tausend Schneider für eine Joppe
Das Spottlied von der Joppe. "Von einer Jubpen, welche ihm ein berckbauer in catolgerland neülich hat machen lassen, daran zwölff tausend Schneider 6 iahr gearbeitet, gantz lustig und kurtzweilig zu singen". Deutsche Handschrift auf Papier. 4 Bl. mit 8 Seiten, 4 w. Bl. 21 Zeilen. Schrift: deutsche Kurrent. Format: 14 x 10,4 cm. Moderner Pappband mit marmoriertem Deckelbezug (bestoßen). Süddeutschland zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Vollständiges, in dieser Fassung unbekanntes Vexierlied in 21 Strophen, deren jede im Refrain um ein Wort länger ist (Vgl. dazu Tschischka-Schottky, Österreichische Volkslieder, wo eine niederösterreichische Fassung des Liedes - vor 1818 - mitgeteilt wird). In dem in Vexierreimen abgefassten Spottlied wird vom Kampf der Schneider mit einer verschnittenen Joppe, einer Männerjacke, geschildert, die letztlich zur Höllenfahrt des Schneiders führt - und somit zum umfangreichen Genre der sogenannten "Schneiderspottlieder" gehört.

"Von einer Jubpen, welche ihm ein berckbauer in catolgerland neülich hat machen lassen, daran zwölff tausend Schneider 6 iahr gearbeitet, gantz lustig und kurtzweilig zu singen. Im Ton Ich lag in einer nacht und schlieff." Das Lied hebt an: Ein berck bauer thät ein Schneider fragen wie viel muß ich ellen Tuch zu einer Jubpen ... mußt du haben.". Es endet "... ich wollt ehe die Jubpen die Jubpen, die Jubpen unterwegen haben gelahn" (etwa: "Einst tut ein Bauer ein Schneider fragen / wieviel Ellen dass er für ein Juppen muss haben / Dreissig Ellen müssen sie haben / wenn sie einen völligen Juppen wollen haben / ... / Den ersten Tag im Monatschein / dann soll der Juppen ganz fertig sein / Der Bauer spannt sechs Ochsen an den Wagen / und wollt den Juppen holen fahren ..."; zit. nach volksliederarchiv.de).

Veröffentlicht von dem bedeutenden Sprachwissenschaftler Hans Josef Vermeer (1930-2010), dem Begründer der Skopostheorie: Hans J. Vermeer, Das Spottlied von der Joppe; in: Ostbairische Grenzmarken, Passauer Jahrbuch X (1968), 328-331. – Geringer Druckschlag, leicht fleckig, Gebrauchsspuren, gut leserlich. Heidelberg, Hs. 146. Vorsatz mit Stempel "Univ.-Prof. Dr. Gerhard Eis". Erworben bei Hans Koch (Inhaber des Antiquariats Jacques Rosenthal) am 16. September 1965 (Brief mit Beleg beiliegend).

Lot 1055, Auction  127, Sturhahn, Hermann, Liebe Stärker als der Tod

Sturhahn, Hermann
Liebe Stärker als der Tod
Los 1055

Schätzung
100€ (US$ 114)

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Sturhahn, Hermann. Liebe stärker als der Tod. Ein Gedenkbuch aus eiserner Zeit 1914-1918. 6 Bl., 217 (recte: 216) num. Bl., 1 Bl. Mit goldgehöhten, kolorierten, gezeichneten Titel und golgehöhte, kolorierte Zeichnung am Schluss. Pergament d. Z. (minimal fleckig und leicht geworfen) mit goldgeprägtem Rück- und DTitel im Pappschuber (mit größeren Einrissen). Bayern 1914-1918.
Privates, unveröffentlichtes Typoskript über den 1. Weltkrieg von Hermann Sturhahn, der als Leutnant des Res. a. D. im ehemaligen königlichen bayerischen 1. Feld-Artillerie Regiment gedient hat. Sturhahn, der wohl großer Befürworter der Monarchie und später des Nationalsozialismus war, erzählt in dem Werk chronologisch von seinen Erlebnissen in Péronne, Douai, Sedan, "An der Front" und "in der Heimat". "In den folgenden Blättern sollen keine grossen Ereignisse aus dem Weltkriege berichtet werden. Sie sollen vielmehr die stille Tätigkeit des Roten Kreuzes und der Feldgeistlichen, patriotische und kirchliche Feste schildern, sowie von ernsten Totenfeiern reden, die Leser in Lazarette, auf Friedhöfe und zu historischen Gedenkstätten führen und nebenbei auch mit dem Leben und den Gesinnungen einiger französischen Familien bekannt machen." (Vorwort). – Vorsatz und fliegendes Blatt mit drei verschiedenen Exlibris aus der Familie "Sturhahn", eines geschnitten von Otto Hupp. Mit drei hs. Widmungen je 21-Zeilen, 40-Zeilen und ein 6-Zeilen langes von Rudolf Ritter und Edler von Xylander.

Lot 1056, Auction  127, Ge'ez Gebetbuch, Amharische bzw. Tigrinya Handschriften im Ge'ez Duktus auf Pergament

Ge'ez Gebetbuch
Amharische bzw. Tigrinya Handschriften im Ge'ez Duktus auf Pergament
Los 1056

Schätzung
400€ (US$ 455)

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ORIENTALIA
Ge’ez Gebet- und Liederbuch. Amharische bzw. Tigrinya Handschriften im Ge'ez Duktus auf Pergament. 180 nn. Bl. Schrift in Schwarz und Rot, hin und wieder mit Buchschmuckornamentik in Rot und Schwarz. 11,8 x 10 cm. Lagenbindung über drei Knüpfbünde und 2 kantigen Holzdeckeln mit Ritzornamentik, in intaktem Lederetui mit Laschenklappe (minimal eingerissen) und Trageband (übliche Abreibungen und Gebrauchsspuren). Äthiopien zwischen 1840-1880.
Sehr suggestives, hübsches Gebetbuch in altäthiopischer Ge'ez-Schrift mit zahlreichen Gebeten, Liedtexten, aber auch Beschwörungsformeln für alle möglichen Lebenslagen und zur Abhilfe von Krankheiten, Bösem Blick und anderen Gefahren.
Wie üblich wurden die Zeilen durch kleine Nadelstiche vorgegeben und die Linien dann mit dem Griffel regliert. Die wenigen hübschen Flecht-, Schlingwerk- und Knollenbänder und floralen Friese sind in Schwarz und Rot eingemalt.
Geschrieben in schwarzbrauner Tinte mit roten Überschrift- und Verszeilen wurde hier eine Auswahl von Gebeten und Lobgesängen versammelt. Das Amharische bzw. Tiginya wurde in der Abugida-Schrift Ge'ez geschrieben, die sich aus der dem altsüdarabischen Duktus entwickelt hatte und im Gegensatz zum Arabischen selbst und im Gegensatz zu zahlreichen weiteren semitischen Schriften von links nach rechts geschrieben wird. Zum Gebrauche der äthiopischen Wüsten- oder Steppennomaden waren oftmals Gebets- und Andachtsbücher in kleinen Formaten hergestellt worden, die in entsprechenden Futteralen mit Bändern am Sattelknopf des Kamels oder am Gürtel des Beduinen befestigt werden konnten.
Die Ritzornamente auf den Deckeln zeigen das abstrahierte Symbol des Engels der vier Himmels- bzw. Windrichtungen. – Gebrauchsspuren, nur vereinzelte Fleckchen, wie üblich mit einigen späteren Zusätzen und Erweiterungen, wohl vollständige, sehr pittoresk in dem orginalen Etui.

Lot 1057, Auction  127, Ge'ez Andachtsbuch, Ge'ez Erbauungs- und Andachtsbuch

Ge'ez Andachtsbuch
Ge'ez Erbauungs- und Andachtsbuch
Los 1057

Schätzung
500€ (US$ 568)

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Ge'ez Erbauungs- und Andachtsbuch. Amharische bzw. Tigrinya Handschriften im Ge'ez Duktus auf Pergament. 142 nn. Bl. Schrift in Schwarz und Rot. Mit 3 (1 kolorierten in Rot und Schwarz) Federwerk-Teilbordüren als Kopfstücke, ganzseitiger Bleistift-Skizze des Heiligen Georg und halbseitige Federzeichnung der Muttergottes zwischen Seraphimen. 20,2 x 13,2 cm. Rotbraunes geglättetes Kalbsleder über kantigen Holzdeckeln mit reicher ornamentalen Blindgeprägung (nur minimal berieben, kaum abgegriffen). Äthiopien um 1820.
Bemerkenswert sauber und ordentlich geschriebenes, umfangreiches Andachts-, Gebets- und Erbauungsbuch eines äthiopischen Christen, dessen Kirche sich mit der von Armenien und Georgien auf eine der ältesten Formen des Christentums überhaupt gründet. Schon im 4. Jahrhundert wurde das Königreich von Aksum christianisiert, der Sage nach von der Königin von Saba und David bzw. Salomon. So spielt hier auch in den Texten das Judentum, dessen Riten, Bräuche wie Fastenregeln oder die Verehrung der Bundeslade eine zentrale Rolle.
Oft wurden die Bücher mit Miniaturen geschmückt: Hier findet sich nur eine hübsche Vorzeichnung des den meisten Büchern vorangestellten Heiligen Georgs mit Lanze zun Pferde. Georg gilt im äthiopischen Christentum als Nationalheiliger, der göttlichen Schutz sowie nationale Identität symbolisiert. Seine Verehrung ist tief in der Geschichte und Kultur verwurzelt, was sich etwa in der berühmten Felsenkirche in Lalibela und der St.-Georgs-Kathedrale in Addis Abeba widerspiegelt. Ein historisches Ereignis, das die Bedeutung des Heiligen unterstreicht, ist der Sieg der äthiopischen Streitkräfte in der Schlacht von Adwa, bei dem Kaiser Menelik II. angeblich den Heiligen Georg um Hilfe gebeten hatte, die ihm gewährt wurde. – Erste und letzte Seiten mit Farbabklatsch des Einbandleders, sonst nur vereinzelte Gebrauchsspuren, nur wenige Fleckchen, wohl vollständige, sehr schöne Handschrift.

Lot 1058, Auction  127, Indopersische Miniaturen, 4 Blätter Miniaturen in Gold und Farben vom Hof der Mogulkaiser. Indopersischer Raum 19. Jahrhundert

Indopersische Miniaturen
4 Blätter Miniaturen in Gold und Farben vom Hof der Mogulkaiser. Indopersischer Raum 19. Jahrhundert
Los 1058

Schätzung
200€ (US$ 227)

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Indopersische Miniaturen . 4 Einzelblätter aus verschiedenen indopersischen Handschriften mit 4 Miniaturen in Gold und Farben vom Hof der Mogulkaiser. Verschiedene Formate. Ca. 20,5 x 14 cm bis 24,5 x 17 cm. Wohl indopersischer Raum 19. Jahrhundert.
Fein ausgearbeitete Miniaturen, die ein kleines Panorama des höfischen Lebens der persischen Fürsten bieten. Eine Darstellung zeigt eine Jagdszene, in der ein Reiter mit einem Säbel zum finalen Schlag gegen einen Tiger ansetzt, während weitere Miniaturen die aristokratischen Zusammenkünfte von Fürsten in Gartenhäusern oder prächtigen Gemächern abbilden. Die Gruppierungen der Figuren sind dabei meist in ein hierarchisches Gefüge arrangiert: Im Zentrum stehen hochrangige Personen, umgeben von ihren Untergebenen. – Teils etwas wasserfleckig. Verso jeweils handschriftlicher Text. Im weißen Rand meist mit Randläsuren und kleinen Löchlein (Spuren einer früheren Bindung).

Lot 1059, Auction  127, Firdousi, Abu l-Qasim, Mogul-Miniaturmalerei. 16 Blätter in farbiger Deckfarbenmalerei

Firdousi, Abu l-Qasim
Mogul-Miniaturmalerei. 16 Blätter in farbiger Deckfarbenmalerei
Los 1059

Schätzung
400€ (US$ 455)

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Firdousi, Abu l-Qasim. Mogul-Miniaturmalerei. 16 Blätter in farbiger Deckfarbenmalerei auf Papier. Verschiedene Formate. Spätes 19. bis frühes 20. Jahrhundert.
Fein gearbeitete und dekorative Miniaturen in der Tradition des späten Mogul-Stils. Dargestellt sind Szenen des höfischen Lebens, Reiter- und Jagdszenen, darunter eine Wildschweinjagd, ein Porträt eines Gelehrten sowie. Mehrere Blätter thematisieren Liebesszenen und Darstellungen von Tempeltänzerinnen.

Eine geschlossene Folge von sechs Miniaturen zeigt wohl mythologische Szenen aus der Krishna-Verehrung: Krishna und Radha erscheinen hier in verschiedenen Momenten des Zusammenseins in einem Palastgarten mit Lotusblütenteich.
– Ein Blatt mit (Reiter bei der Jagd) mit großem Einriss.

Lot 1060, Auction  127, Firdousi, Abu l-Qasim, Schahname. Indo-Persische Miniatur. Indopersischer Raum wohl Mitte 19. Jahrhundert

Firdousi, Abu l-Qasim
Schahname. Indo-Persische Miniatur. Indopersischer Raum wohl Mitte 19. Jahrhundert
Los 1060

Schätzung
200€ (US$ 227)

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Firdousi, Abu l-Qasim. Schah-Name. Der Prinz hält Hof unter dem Baumdach. Indopersische Miniatur. Größe 31,5 x 18 cm. Mit Rahmen 35 x 21 cm. Mit Goldblumenbordüre auf Karton montiert 40,8 x 27 cm. Indopersischer Raum wohl Mitte 19. Jahrhundert.
Hübsche Szenen wohl aus dem Firdousi oder anderen indo-persischen Erzählungen. Dargestellt ist der Prinz unter einem großen Dach, in dessen Mitte ein mächtiger Baum wächst. Höflinge huldigen ihm, während eine Kapelle mit sechs Musikern eine Tänzerin begleiten, die um einen kleinen Springbrunnen tanzt. – Kleine Knickspuren. Nur wenige Gebrauchsspuren, kaum Farbabrieb. Sehr dekorativ.

[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.

* Alle Angaben inkl. 25% Regelaufgeld ohne MwSt. und ohne Gewähr – Irrtum vorbehalten.


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