Kellermann, François-Christophe
Brief als Maréchal de l'Empire, 1806, und Beigabe
Los 2704
Schätzung
250€ (US$ 287)
Kellermann, François-Christophe, Herzog von Valmy, Marschall des Kaiserreichs, stoppte den Vormarsch der Alliierten bei Valmy und brachte damit die Wende im Revolutionskrieg (1735-1820). Brief m. U. "Kellermann". 1/2 S. Mit gedrucktem Briefkopf "Le Maréchal d'Empire Kellermann". 4to. Paris 29.VII.1806.
An Monsieur Goulhot, Chef der 9. Division des Kriegsministeriums. "Je vous recommande avec intérêt ... le François qui vous remettra cette lettre. Si vous pouvez faire quelque chose pour lui, je vous en serai sensiblement obligé ...". - Auf einen Untersatzkarton montiert, vor allem an den Rändern gebräunt und mit geringfüg. Mäusefraß am unteren Rand. - Dabei: Jean-Jacques Regis de Cambacères, Herzog von Parma, Erzkanzler des Kaiserreichs und Regierungschef Frankreichs unter Napoleon (1753-1824). Brief m. U. "Cambacères". 1/3 S. Kl. 4to. Paris 11.II.1813. - An Herrn Kuhn, "Conseiller du Baillage" in Wandsleben, Bezirk Magdeburg, im Königreich Westphalen. Herr Gossler habe ihm mitgeteilt, dass Kuhns Pachtvertrag 1815 auslaufe. Er habe sich ein Arrangement überlegt und werde es Kuhn mitteilen. - Kleiner Papierklebstreifen am Rand; sonst ordentlich erhalten. - Ferner beiliegend ein mit Holzschnitten illustriertes Urlaubs- und Entlassungsformular der französischen Rhein- und Mosel-Armee, 5. Division, 84. Infanterie-Brigade, für den Leutnant Barthelemy Bravet. Unterzeichnet von einem General und 9 Kriegskommissaren und Offizieren des Verwaltungsrates der genannten Brigade. Mit rotem Lacksiegel und bildlicher Darstellung von Revolutionssoldaten links und rechts vom Textteil. Dürkheim "le Vingt Septième jour du mois de Pluviose l'An Cinq de la République Française". - Dekoratives Dokument der Revolutionsarmee vor Napoleon.
Milde, Carl August
Große Sammlung von Lebensdokumenten. 1840-1861
Los 2705
Schätzung
1.800€ (US$ 2,069)
Milde, Carl August, bedeutender schlesischer Industrieller und liberaler preuß. Politiker, Kattunfabrikant, Direktor der Warschau-Wiener Eisenbahn, Gründer der "Dresdener Zeitung", 1848 Präsident der preuß. Nationalversammlung und Handelsminister (1805-1861). Große Sammlung von Dokumenten zu seiner politischen Laufbahn und wirtschaftlichen Tätigkeit. Ca. 180 Blatt, davon ca. 320 S. beschrieben. Meist folio, ferner 4to und gr. 8vo. 1823-1861.
"K. Milde-Erinnerungen. I. Politisches aus den Jahren 1848-1861. - II. Wirtschaftliches aus den 40er und 50er Jahren" (Umschlagtitel des Konvoluts). Briefe, Brief-Abschriften, Konzepte zu Briefen, Manifesten, Veröffentlichungen etc., gesammelt und handschriftlich kommentiert entweder von seinem Schwiegersohn, dem namhaften Staatsrechtslehrer Hermann von Schulze-Gaevernitz (1824-1888) oder dessen Sohn, dem Nationalökonomen und Politiker Gerhart von Schulze-Gaevernitz (1864-1943). 38 meist umfangreiche Briefe Mildes sind an seine Frau Emilie gerichtet, der er ausführlich von seiner Tätigkeit in Politik und Wirtschaft berichtet. Die Briefe und die vielen weiteren Dokumente sind von Mildes Schwiegersohn oder Enkel, Fachleute auf diesem Gebiet, sorgfältig geordnet, teilweise aufgelistet und sachkundig in Regestenform kommentiert. Einige Beispiele für die von Schulze-Gaevernitz verzeichneten Inhalte: "K. Milde (1847). Antrag auf Anbringung einer Petition Seitens des Vereinigten Landtags wegen Errichtung eines Handelsministeriums". - "K. Milde (Wien 21.VI.1850) berichtet als Delegierter des preuß. Ministeriums über Konferenzen mit dem österr. Minister v. Bruck über Zollverfassung u. Handelspolitik (Vertrag mit Preußen). Milde vertritt Preußens Stellung als Haupt des Zollvereins mit Nachdruck" - "Dankschreiben (v. 1.VII.1847) der jüdischen Gemeinde in Breslau anläßlich des mannhaften Eintretens des Abgeordneten Milde für Gewissensfreiheit u. Gleichberechtigung der Konfessionen" . - "Milde, Breslau: Amtliches Exposé an den Minister in Berlin über Österreichs politische u. handelspolitische Lage" (Juni 1855). - "K. Milde an Rudolf v. Auerswald und dessen Antwort" (Juni 1859). - "K. Milde Breslau 15. Sept. 1859. Umfangreicher Brief (31 Seiten), Adresse unbekannt. Das wichtigste Dokument für die Kenntnis der politischen Anschauungen Milde's". - "K. Milde u. Genossen (Breslau d. 15. Sept. 1856). Aufruf zur Anlage von Baumwollspinnereien in Schlesien". - "K. Milde (ca. 50er Jahre). Über Bedeutung u. Notwendigkeit des Papiergeldes". - "Schilderung u. Geschichte der Baumwollfabrikation in England (unvollständig)". - Beiliegend 1 eigh. Beileidsschreiben (4.IV.1862) des preußischen Politikers und zeitweiligen Ministerpräsidenten Rudolf von Auersbach an die Tochter Carl August Mildes nach dessen Tod. - Ferner beiliegend 3 gedruckte Flugblätter und Aufrufe. - Einige Blätter beschädigt. - Sehr reichhaltiges, wertvolles Material zur preußischen Politik und Wirtschaftsgeschichte im Zeitraum 1840-1861.
Moltke, Helmuth Graf von
Brief an einen Oberamtmann, den er besuchen will. 1872
Los 2706
Schätzung
180€ (US$ 207)
Moltke, Helmuth Graf von, preuß. Generalfeldmarschall, Chef des Generalstabs, Träger beider Klassen des Ordens pour le Mérite sowie weiterer 43 internationaler Orden; auch Schriftsteller, als genialer Stratege maßgeblich am Erfolg der drei deutschen Einigungskriege beteiligt (1800-1891). Eigh. Brief m. U. "Gr Moltke". 1 S. Doppelblatt. Gr. 8vo. Berlin 11.IV.1872.
An einen Oberamtmann, den er gemeinsam mit seinem Neffen aufsuchen will. "... wegen des Reichstags muß ich den Sonntag benutzen, um hier abzukommen, u. am Montag zurück sein. Ich werde daher am 14. d. M. meinen Neffen zu Ihnen bringen. Da derselbe Morgens von Lübeck abreisend erst nach 3 Uhr in Magdeburg anlangt, so treffen wir leider zu der etwas unbequemen Stunde Abends 6 Uhr 40 ... ein." Der Adressat möge einen Wagen zum Bahnhof schicken. "... Auch muß ich Ihre Gastfreundschaft für eine Nacht in Anspruch nehmen, u. hoffe nur, daß ich Ihnen dadurch keine Umstände mache ...".
Ohyama, Tsunakai, Botschafter des Kaiserreichs Japan in Wien (dort tätig 1892-1895). 5 eigh. Briefe m. U. "T. Ohyama". In franz Sprache. Zus. 7 S. Mit Briefkopf "Légation du Japan à Vienne". Gr. 8vo. (Wien) März - 8. Nov.1893.
An die Wiener Salonnière Rosa von Gerold. Sehr freundliche Briefe über deren Einladungen, über die Geburt seines Sohnes und andere Nachrichten, Erwähnt im August die herrschende Cholera-Epidemie.
Passy, Frédéric
Brief an Wilhelm Ulhmann über eine Antikriegs-Broschüre. 1869
Los 2708
Schätzung
150€ (US$ 172)
Der erste Friedensnobelpreisträger
Passy, Frédéric, franz. Politiker, Humanist und Pazifist, gemeinsam mit H. Dunant der erste Träger des Friedensnobelpreises (1822-1912). Eigh. Brief m. U. "Frédéric Passy". 31/2 S. Mit Briefkopf "Ligue Internationale et Permanente de la Paix". Doppelbl. Gr. 8vo. Paris 29.IV.1869.
Wohl an Wilhelm Ulhmann, der ihm eine Schrift "Der Krieg" anlässlich eines französischen Preisausschreibens übersandt hatte. "... Je mets de cote l'enveloppe contenant le nom de l'auteur, et je vais, ne lisant guère bien l'allemand à mon grand regret, faire lire ce travail afin d'en avoir une première idée ...". Er wisse nicht, ob die Jury auch Schriften akzeptieren werde, die schon vor Beginn des Preisausschreibens gedruckt wurden. "... Ce que je puis vous assurer, c'est que, quelle que soit sa décision à cet égard, la Ligue de la Paix sera toujours reconnaissante de tout ce qui sera fait pour aider à la ... des idées quelle défend ... Je vous adresse par la poste quelques exemplaires de notre programme ...". - In Straßburg war kurz zuvor eine Broschüre erschienen: "Der Krieg. Rede gehalten den 25. April 1869. Von Athanasius Coquerel". - Alle Friedensbemühungen waren vergeblich: im folgenden Jahr brach der Deutsch-französische Krieg aus. - Etwas geknittert.
Peters, Carl, dt. Kolonialpolitiker, Gründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika (1856-1918). Eigh. Brief m. U. "Carl Peters". 2 S. Doppelblatt mit illustr. Briefkopf des Hotels "Bayerischer Hof". Gr. 8vo. München 23.VI.1907.
An einen Freund. "... Schon ehe ich erfuhr, daß Sie heute Abend hier ankommen, hatte ich eine Einladung zu einem Künstlerfest angenommen. Ich habe nun den Auftrag, Sie dringendst ebenfalls dorthin einzuladen; und hoffe sehr, Sie dort zu sehen. Dr. Rosenthal will versuchen, Sie am Bahnhof etwa im Hotel Deutscher Kaiser heute Abend noch zu sehen. Das Fest ist bei Herrn Weigand, Sternwarteweg 3 ...". - Peters, der 1897 wegen schwerer Vergehen in Afrika unehrenhaft aus dem Reichsdienst entlassen worden war, lebte seit 1896 in England und setzte von dort aus seine wirtschaftsorientierte Kolonialpolitik fort. - Beiliegend Peters' gedruckte Visitenkarte sowie 4 Bl. mit Text-Fragmenten von anderen Händen zum Thema Kolonialpolitik und Peters.
Ernst II., Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha
Eigenhändiger Brief aus Dresden. 1839
Los 2710 [*]
Schätzung
200€ (US$ 230)
Sachsen-Coburg. - Ernst II., Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha, hier noch als Prinz (1818-1893). Eigh. Brief m. U. "Ernst HzSCG". 51/2 S., Tinte mit Goldstaub. 2 Doppelbl. 8vo. Dresden 16.VIII.1839.
Als 21jähriger Prinz aus Dresden, wo er ab November in einem sächsischen Kavallerie-Regiment und bei Hofe eine musikalisch-kulturelle Ausbildung erhielt. An einen nicht genannten Vertrauten über einen ausgedehnten Briefwechsel mit diversen, nicht leicht zu identifizierenden Personen.
Starhemberg, Ludwig Fürst von, österr. Diplomat, Patenkind Ludwigs XV. von Frankreich, österr. Botschafter in London, lebte in Österreich auf seinen Schlössern Eferding und Dürnstein (1762-1833). Eigh. Brief m. U. "Starhemberg". In engl. Sprache. 3 S. 4to. Wien 29.XII.1814.
An einen Herrn, über dessen Briefe er sich sehr gefreut habe. "... I shall always remember the few moments we passed together in this country and I am still in hope we shall sooner or latter [!] meet in England and see there a little more of each other ...". Der kurze Aufenthalt habe in seiner Familie einen tiefen Eindruck hinterlassen, und man sei glücklich über jeden seiner Briefe. - Dabei: Derselbe. Eigh. Billet mit Namenszug am Kopf. In franz. Sprache. 1/2 S. 4to. (London?) o. J. - "Le C: de Starhemberg présente son hommage respectueux à Mylady ... et a L'honneur de l'informer qu'en conséquence de quelques scrupules du Clergé anglais le baptême fini pour demain sera différé ...".
Wilhelm I., Deutscher Kaiser
2 eigenhändige Briefe. 1868
Los 2712 [*]
Schätzung
350€ (US$ 402)
Wilhelm I., Deutscher Kaiser, König von Preußen (1797-1888). 2 eigh. Briefe m. U. "Wilhelm". Zus. 4 S. Doppelbl. Gr. 8vo. Baden-Baden 13.X. und 11.XI.1868.
Noch vor der Kaiserkrönung eigenhändig an einen Vertrauten. "Hierbei sende ich Ihnen den Brief für Grf. Keller, dem ich Sie also bitte das Ordens Päkchen beizufügen u. auf der Adresse das von mir offen gelassene :sig: - auszufüllen, - um am 18ten d. M. beides dem Gefreiten [?] zu übergeben. - Mein Telegramm hat Sie Ihrem Wunsche u. richtiger Ansicht gemäß, authorisirt, dem Grf Bendern [?] die Dönhoffjade zur Erledigung zu übergeben, was mir freilich nicht angenehm war, da Sie in Abwesenheit desselben, die Sache korrekter u. fester geleitet haben würden! Wir haben hier 5 wundervolle Herbsttage genossen, heute scheint es sich aber ändern zu wollen ...". - Der zweite Brief handelt von Korrespondenzen innerhalb der Familie, die durchgesehen werden sollen, wobei die Königinmutter und die Königin genannt werden.
Wilhelm I., Deutscher Kaiser
Urkunde zur Ordensverleihung. 1874
Los 2713
Schätzung
180€ (US$ 207)
Wilhelm I., Deutscher Kaiser, König von Preußen (1797-1888). Urkunde m. U. "Wilhelm". 1 S. Doppelblatt mit Wappen in Blindprägung. Folio. Berlin 18.I.1874.
Verleihung des Roten Adler-Ordens II. Kl. mit Eichenlaub an den Generalmajor Alexander Eberhard Frhr von Medem, Kommandant von Mainz. - Leicht gebräunt.
Wilhelm I., Deutscher Kaiser, König von Preußen
Ordensverleihung an den Freiherrn Christoph von Godin. 1877
Los 2714
Schätzung
150€ (US$ 172)
Wilhelm I., Deutscher Kaiser, König von Preußen (1798-1988). Urkunde m. U. "Wilhelm". 1 S. Mit blindgepr. Majestätssiegel. Folio. Schloß Benrath 5.IX.1877.
"Wir ... haben dem Königlich Bayerischen Oberstleutnant Christoph Freiherrn von Godin, à la suite des Generalstabes und Chef der Abtheilung für die persönlichen Angelegenheiten im Kriegs-Ministerium, Unsern Königlichen Kronen-Orden zweiter Klasse verliehen ...". - Ordentlich erhalten.
Wilhelm II., Deutscher Kaiser, König von Preußen
Eigenhändiger Telegramm-Text an den König von Italien. 1902
Los 2715
Schätzung
800€ (US$ 920)
Wilhelm II., Deutscher Kaiser, König von Preußen (1859-1941). Eigh. Telegramm-Text m. U. "William". In engl. Sprache. 1/2 S. (Bleistift). Auf einem Formular mit gekröntem Adler, "Telegramm Sr. Majestät des Kaisers und Königs". O. O. 19.VII.1902.
Nach dem Einsturz des Campanile von Venedig eine Art Kondolenz-Telegramm an den König von Italien, Victor Emanuel III. "... I beg to express my sincerest regrets at the fall of the Campanile of Venice. the loss of this fine old piece of architecture, the ancient landmark of the marvellous town stirs the heart of everybody who has once been within the walls of Venice. If you do not consider it pushing on my side I would be happy to offer to join in the ranks of your subjects with a contribution for the restauration. Au revoir soon. William". - Sehr ungewöhnliches Dokument in der Geschichte der deutsch-italienischen Beziehungen.
Wilhelm II., Deutscher Kaiser, König von Preußen
Porträtfoto-Postkarte zusammen mit Hermine, Prinzessin Reuß. 1933
Los 2716
Schätzung
150€ (US$ 172)
Wilhelm II., Deutscher Kaiser, König von Preußen (1859-1941). Porträtfoto-Postkarte mit den Signaturen "Wilhelm I.R." und "Hermine" auf der Bildseite. Montiert in einen zeitgenöss. Papp-Rahmen. (Doorn 1933).
Die Aufnahme zeigt den Ex-Kaiser Wilhelm mit seiner zweiten Frau, der verwitweten Prinzessin Hermine von Schönaich-Carolath, sowie mit einer Enkelin, jeweils eingehakt in Winterkleidung vor einer Schlossfassade stehend. - Die Einrahmung (mit leichten Gebrauchsspuren) auf der Rückseite mit kurzen Erläuterungen zum Bild versehen.
Barks, Carl, US-amerikan. Maler und Comic-Zeichner der Disney-Cartoons, legendärer Schöpfer der Donald-Duck-Familie und nach einhelliger Fan-Meinung der beste Zeichner der Disney-Comics seit den 1950er Jahren (1901-2000). Eigh. Signatur "Carl Barks" (mit Filzstift) auf einem Farbfoto, das als Weihnachtsgruß verschickt wurde. 17,5 x 8,8 cm. O. O. (wohl um 1985).
Das Foto zeigt den Künstler in ganzer Figur, im Lehnstuhl sitzend, hinter ihm stehend "Bill" und "Kappy", die ebenfalls signiert haben; alle drei bei dem Aufdruck "Happy Holidays. Carl Barks Studio". Im Hintergrund Donald-Bilder an der Wand. - Beiliegend eine unbenutzte Postkarte von der Ausstellungstournee "Wer ist Carl Barks" mit farbiger Donald-Duck-Szene. Auch unter diesem Bild die Signatur "Carl Barks", die hier aber wohl gedruckt ist.
Behmer, Marcus
Sehr umfangreicher Brief an Madame Dédé über seine graphische Produktion. 1920
Los 2718
Schätzung
300€ (US$ 345)
Behmer, Marcus, Graphiker, Illustrator, Schrift- und Buchkünstler (1879-1958). Eigh. Brief m. U. "Marcus Behmer". 2 S., sehr eng beschrieben. Auf bräunlichem Papier mit dem Emblem "M B" in Rotdruck. Berlin-Charlottenburg 28.XI.1920.
Äußerst umfangreicher Brief an "Madame Dédé", eine Mäzenin, die er auch als "Neveuchen" und "liebes Ogchen" anredet. Sehr ausführlich über seine graphische Produktion sowie Pläne und Projekte. Anfangs berichtet er über den Druck einer Kartoffelblüte. "... Letzten Sonntag habe ich wieder die Kartoffelblüte gedruckt, und sende Ihnen ... 60 Drucke davon. Sie sind auf verschiedenen Büttenpapieren gedruckt ...". Einige Versuche habe er auch gemacht, in Blau zu drucken. "... ich schicke einige davon mit, der Kuriosität halber, denn schön sind sie ja nicht. Schön läßt sich Blau nur mit Ultramarin drucken, aber das enthält chemische Stoffe, die das Kupfer occidieren und dem Blatt deshalb gefährlich sind. - Ich habe alle Drucke unterschrieben, wenn Sie nichts dagegen haben ...". Sendet ihr auch verschiedene Druckplatten. "... als Verpackung benutze ich ein Exemplar der 'Ilsebill', die Sie vielleicht noch nicht gesehen haben. - Einen Ersatzdruck der 'Seligen Sehnsucht', die ich Leni s. Z. brachte, schicke ich Ihnen bald ... inzwischen, teures Ogchen, sind auch die herrlichen und völlig unerwarteten Kartoffeln eingetroffen ... Nächst dem Spender aller guten Gabe sei Ihnen, liebes Ogchen, mein Dank- und Lobgesang dargebracht ...". Zitiert dann den Text seiner "Lob- und Dank-Kantate", die er kommentiert, bevor er ausführlich auf Buchhändler und Drucker (z. B. Otto von Holten) zu sprechen kommt. Weitere Themen füllen den Brief, darunter auch ein heftiges Glatteis in Berlin. - Reichhaltiger Brief aus Behmers produktivster Periode.
Campendonk, Heinrich
Brief an den Maler Fritz Schaefler über Künstlervereinigungen. 1919
Los 2719
Schätzung
450€ (US$ 517)
Campendonk, Heinrich, Maler und Graphiker (1889-1957). Eigh. Brief m. U. "Campendonk". 11/2 S., eng beschrieben. Gr. 4to. Seeshaupt 24.I.1919.
An den Maler (Fritz) Schaefler über Neugründungen von Künstlervereinigungen. "... Es ist schön, daß Sie nun die jungen Maler in M. sammeln wollen. - Ich hatte wohl den Gedanken, einmal Ähnliches zu tun, nachdem [Curt] Lahs mir von vielen jungen Malern erzählt hatte ... An eine Neugründung habe ich aber nie gedacht, sondern nur an die Möglichkeit daß diese Leute früher oder später der 'Neuen Sezession' sich anschließen könnten. Der 'N.S.' bin ich nun als Mitglied beigetreten ... Ich kenne mich vor lauter Neugründungen ... nicht mehr aus. Herrn Klee schreiben Sie am besten selbst. Soviel ich beurteilen kann, halte ich seinen Beitritt ... für ausgeschlossen ...". - Gelocht.
Chagall, Marc
Briefkarte an Hilla Rebay von Ehrenwiesen. 1947
Los 2720
Schätzung
450€ (US$ 517)
Chagall, Marc, russ.-frz. Maler, Graphiker und Keramiker (1887-1985). Eigh. Briefkarte m. U. "Marc Chagall". In franz. Sprache. 1 S. 8vo. New York 18.IX.1947.
An Hilla von Rebay (eigentlich Hildegard Baronin Rebay von Ehrenwiesen, 1890-1967), deutsch-amerikanische Malerin, Kunstsammlerin und Mäzenin, Gründungsdirektorin der Solomon R. Guggenheim Foundation und beteiligt an der Planung des Guggenheim Museums. "... Je suis reconnaissant de tout mon coeur pour Votre prête genereux du tableau 'Paris par la fênetre [sic]'. Je Vous envoie un petit dessin qui est le premier esquisse pour le tableau 'la femme enceinte' de 1912 qui se trouve dans le Mussee [!] Municipale d'Amsterdam (salle Regnault) ...". - Beiliegend ein Briefumschlag von 1937, beschriftet von Hilla von Rebay als Vertreterin der Guggenheim Foundation, den sie für den Maler Pablo Picasso mit seiner Absender-Adresse vorbereitet hatte.
Crane, Walter, englischer Maler und Illustrator, als Mitglied des "Arts and Crafts Movement" Mitbegründer des Jugendstils (1845-1915). Eigh. Brief m. U. "Walter Crane". 1 S. 8vo. Shepherd's Bush 24.I.1888.
An einen Herrn, den er nicht angetroffen habe. Schlägt eine neue Verabredung vor.
"Je suis contre les musées"
Dubuffet, Jean, frz. Maler und Bildhauer (1901-1985). Masch. Brief m. U. "Jean Dubuffet". 2 S., eng beschrieben. 8vo. O. O. 26.IX. (wohl um 1948).
Gehaltvoller Brief an einen Freund, über den Charakter und die Funktion seiner Gemälde. "Vous faites bien trop de fêtes à ce tableau qui surement n'en mérite tant. Puissent mes tableaux être seulement des canevas pas bouchés, invitant l'usager à broder dessus sa taisserie, puissent-ils seulement rayonner une pressante invite, contenir une levure qui aide l'usager à faire monter sa pâte! C'est assez s'ils sont cela: un support, une clef; c'est l'usager qui fait tout le reste, c'est vous donc, c'est vous qui les refaites et leur donnez existence. Personne qui fasse si bon usage d'un tableau que vous faites. Avec vous comme destinataire cela devient facile (et si passionnant) de faire des tableaux! ...". Spricht dann von einem Museumsdirektor: "... Qu'il démissionne donc de ses fonctions et ensuite je pourrai lui écrire et organiser avec lui des expositons, des graffiti ou d'autres: autrement pas. Je suis vaisseau corsaire et ne m'engage dans aucun cas au service de l'Amirauté! Je suis contre les musées, les musées sont ma bête-noire ... Je m'occupe en ce moment aux préparatifs de la grande exposition d'ensemble de L'Art Brut qui se tiendra à la Galérie Drouin ...". - Erwähnt Max Ernst, Jean Paulhan und Gaston Puel.
Der revolutionäre Maler
Felixmüller, Conrad, Maler und Graphiker (1897-1977). Eigh. Brief m. U. "Ihre Felixmüllers". 2 S. Gr. 4to. O. O. (1920).
An einen jungen Künstler und Felixmüller-Verehrer in Hamburg, dem er eine politische, revolutionäre Kunst propagiert. "... Ich werde Ihnen gleichzeitig etwas Graphik von mir senden - entweder was größeres oder kleine Dinge, mehrere. - Es ist zwar sehr schön, wenn man als junger Mensch die entscheidenden Eindrücke des Lebens durch die Kunst wahrnimmt (deshalb durch die Kunst, da als 'junger Mensch' Vieles vom Leben noch unerreichbar ist, höchstens eben intellektuell oder gefühlsmäßig durch Kunst) - aber es hat eine große Gefahr in sich: es ist möglich, die lebendige Sache 'ästhetisch' und nur ästhetisch zu nehmen; es handelt sich aber um das Leben; die neue Kunst soll u. ist im Innersten bei den wahren Künstlern rein politisch, d. h. rein gesellschaftlich gewollt u. bestimmt! Vergessen Sie das nicht ... sagen Sie sich selbst, daß Sie jung sind u. zur aufsteigenden Generation gehören, denken Sie an die russischen Gymnasiasten, die in der Weltgeschichte, zwar namenlos, aber doch!, eine große Rolle spielen. Machen Sie sich klar und glauben Sie daran: Alles was wir tun ist ein gesellschaftlicher Prozess ... Die heutige Gesellschaft stinkt und bricht faulig zusammen: die ersten neuen Bilder enthalten eine Vorahnung vom neuen lebendigen Aufbruch einer jungen Generation - inzwischen sind auch diese Herrschaften senil u. mufflig geworden: Kopf auf! rücksichtslos voran ... Lesen Sie Jimmy Higgins, von U. Sinclair, Kiepenheuer Verlag!". - Das angegebene Datum 1920 ist von anderer Hand eingesetzt.
Höch, Hannah
Eigenhändiges und signiertes Gedichtmanuskript mit Beilagen. 1918
Los 2724
Schätzung
1.500€ (US$ 1,724)
Höch, Hannah, Malerin, Graphikerin und Collage-Künstlerin des Dadaismus (1889-1978). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "Hanna Höch". 7 S. auf 2 Doppelbl. 8vo. O. O. Februar 1918.
Zweiteiliges expressionistisches Gedicht ohne Titel, Balladen um Frauen und ein totes bzw. ein ungeborenes Kind. "O blauer Tag / Abhang. / Blau, so himmelblau / rot, grün, weiss / Maiwiese. - Schreitend Sie. / Zitternd Leben fühlend / aus Todnächten kommend. / - Oh ihr ... / Hauchend / küssend ein weisses Kleid. / - Tausend Gotteskinder / trösten: / armes Mütterlein; / wiegen Herzblut / in Frieden ... Da / talab / schreit welthin / ein D-Zug. / Morgen schon - / eine blasse Frau - / Tact von eisernen Rädern; / Wo ist das Kind - / Bohrend: / Wo ist dein Kind - Stöhnend: Kein Kindelein - kein Kindelein ...". - Das Gedicht, zu den wenigen literarischen Arbeiten der Künstlerin zählend, entstand im schwersten Krisenjahr ihrer seit 1915 währenden Liebesbeziehung zu dem verheirateten Raoul Hausmann. Ein zweiter Schwangerschafts-Abbruch verschärfte die Situation, Konflikte wuchsen und Hausmann trennte sich nicht von seiner Frau. - Das Manuskript stammte ursprünglich, bevor es auf den Markt kam, aus dem Besitz von Raoul Hausmanns Tochter. - Beiliegend 6 Bleistift-Skizzenblätter mit Modeentwürfen, die möglicherweise von Hannah Höch stammen könnten, denn sie arbeitete seit 1916 neben ihrem Studium für die Handarbeits-Redaktion des Ullstein-Verlags.
Lehmbruck, Wilhelm
Brief und Postkarte an Hilla von Rebay. 1915
Los 2725
Schätzung
1.500€ (US$ 1,724)
Lehmbruck, Wilhelm, der bedeutende Bildhauer, Graphiker und Medailleur (1881-1919, starb durch Selbstmord). Eigh. Brief und eigh. Postkarte m. U. "W. Lehmbruck". Zus. 5 S. 4to und Quer-8vo. Berlin-Friedenau 21.IX. und 3.X.1915.
Zunächst ein längerer Brief an die Malerin Hilla von Rebay in der Domäne Amt Grimnitz (Uckermark bei Groß-Ziethen), die ihm als Freundin des Generals Max von Gallwitz offenbar dabei behilflich sein sollte, an der Front nicht als Soldat, sondern in einer geeigneteren Verwendung beschäftigt zu werden. "... Also wir (Freie Secession) haben für Mitte Januar eine Ausstellung, Gemälde, Plastik, Schwarz-Weiß, beschlossen. Die 'Freie Secession' ist Ihnen wohl bekannt, es ist wohl das Beste darin, was es in Deutschland giebt, die älteren wie Liebermann, Slevogt und auch von den Jüngeren die Besten. Voraussichtlich werde ich in der Jury sein. Was halten Sie davon, wenn ich direkt mal an Excellenz von Gallwitz schreiben würde, ich könnte dann auch näher auseinanderlegen, was ich bei ihm vorhabe. Über letzteres schrieb ich Ihnen ja in meinem letzten Brief. Das Einfachste wäre, wenn Excellenz v. Gallwitz dem Generalkommando mitteilen würde, daß er mich gerne nehmen würde oder wenigstens, daß er damit einverstanden, daß ich zu seiner Armee komme ... Es war sehr schade, daß damals die Sache, wo Herr General [Gerhard] Glokke sich in freundlicher Weise verwandte, damit endete, daß ich vielleicht in der kartographischen Abteilung hätte arbeiten können, um Karten zu zeichnen, was mir nicht sehr interessant erschien. Ich weiß nicht, ob ich Ihnen damals schrieb, daß Liebermann mir ein Schreiben gegeben, in dem Sinne, daß es für die deutsche Kunst der Zukunft sehr zu wünschen wäre, wenn ich als Zeichner oder dgl. draußen zugelassen würde ... Hier geht das Gerücht, Fénéon sei zu Anfang des Krieges im Café im Streit erschossen worden, da er auf die Engländer geschimpft. Ungeheuerlich ...". - Die Postkarte handelt von Lehmbrucks vergeblichem Versuch, Hilla von Rebay telefonisch zu erreichen. - Beiliegend ein eigh. Feldpost-Brief (1 S., Leszno 21.VII.1915) des genannten Artillerie-Generals Max von Gallwitz (1852-1937), ebenfalls an Hilla von Rebay. Er bedankt sich für ihren Brief in Sachen Lehmbruck. "... Sie werden inzwischen wohl aus den Zeitungen erfahren haben, in welche Tätigkeits-Periode er bei mir hineintraf. Es geht sehr lebhaft zu ... Was den Künstler anlangt, so müßen alle Gesuche um Zulassung bei der Front durch den 'Stellvertretenden Großen Generalstab-Berlin' gehen. Es ist den Oberkommandos pp. ausdrücklich verboten, Literaten, Künstler etc. selbständig zuzulaßen. Helfen kann ich nur insofern, als Herr Lehmbruck in seinem Gesuche angeben könnte, daß er zu meiner Armeegruppe zu kommen wünscht, wo ein Kriegszeichner derzeit nicht vorhanden ist, und ich mit seiner Überweisung einverstanden wäre. Ob er nun hier viel Stoff finden wird, dafür kann ich keine Gewähr übernehmen; in letzter Zeit war wohl Gelegenheit. Draußen knallt's ...". - Lehmbruck war zu dieser Zeit als Sanitäter im Hilfslazarett in Friedenau tätig, erhielt aber durch Vermittlung Liebermanns im Dezember 1915 eine Zulassung als Kriegsmaler in Straßburg.
Nolde, Emil, Maler und Graphiker (1867-1956). Eigh. Brief (Billet) m. U. “Emil Nolde”. 1/2 S. Doppelbl. 4to. Berlin 15.II.1924.
An eine Primaner-Schulklasse. “... Wie Sie sich das denken, weiß ich nicht, ich bitte Sie zu Herrn Probst in der ‚Neuen Kunst’ Zinzendorfstr. 2 A. zu gehen, er wird gewiß so freundlich sein es mit Ihnen zu besprechen ...“.
Picasso, Pablo, Maler, Graphiker und Bildhauer (1881-1973). Eigh. Bleistift-Zeichnung mit Widmung u. U. "Picasso". Auf dem oberen Drittel eines Einleitungs-Blattes einer Picasso-Monographie. O. O. 21.I.1968.
Zeichnung eines geflügelten Stierkopfes, mit Widmung und Unterschrift, alles mit Bleistift, auf dem Blatt "Introduzione" einer italienischen Picasso-Monographie. - Leicht gebräuntes Papier.
Scheibe, Richard
Brief an den Maler Heinrich Graf von Luckner. 1962
Los 2728
Schätzung
200€ (US$ 230)
Scheibe, Richard, Bildhauer (1879-1964). Eigh. Brief m. U. "Richard Scheibe". 4 S. auf 2 Bl. Folio. Berlin 28.IV.1962.
Umfangreicher Brief an den Maler Heinrich Graf von Luckner, mit Nachrichten vom Berliner Kunstbetrieb. "... In der Akademie wird nun die Abfassung von Statuten für dringend notwendig gehalten. Zwei Entwürfe liegen vor, einer von Buttlar und ein anderer von Kollmann ... Mir erscheint es sehr schwer, Statuten zu finden, in denen die hohe Intuition nisten mag. Tiburtius veranstaltet dieses Jahr die große Berliner als Juryfreie ... 'Kuratorium': Schmidt-R., Sintenis, Ullmann ... Zu Kolbes 85. Geburtstag wurde der 'Dionysos' im Kolbehaus feierlich enthüllt. Den Guß zahlte z. T. das hochherzige Zahlenlotto an Noack, die Stadt zahlte ein kleines Postament und die Musikkapelle, die Stiftung stiftete und hatte demzufolge dies Jahr kein Geld für den Kolbepreis ... Der Schwanenkampf hat mich mit Vorstellungen beschäftigt, die ich aus fernen Kindertagen bewahre, da ich am Zwickauer Schwanenteich mich in den Anblick eines Schwans als Bild seliger Gelassenheit vertiefte und der plötzlich den Pinscher meiner Großmutter attakierte ... Ich habe noch mal eine grössere Tonpastete angelegt, um mich in meinem Nochdasein zu bestätigen und mein Verharren in dem schönen und begehrten Atelier zu rechtfertigen. Aber die Augen sind sehr getrübt und die Hände wackelig ...". - Das erste Blatt mit kleinem Eck-Ausriss ohne Textberührung.
Thiersch, Ludwig, Münchener Maler (1825-1909). 12 Blättchen mit insges. 17 Bleistift-Skizzen. Verschiedene Formate. O. O. (1874).
Professionelle Skizzen lebender Motive: zeitgenössische Frauen, eine Familie am Tisch, Figuren der Antike, ein Christuskopf (?), schlafende Kinder, karikierte Männerköpfe, Tiere und Pflanzen, z. T. auf der Rückseite von Notizzetteln. - Lose in einem Umschlag, beschriftet "1874. Skizzen u. Entwürfe v. L. Th."
Werner, Anton von
Porträt-Photographie mit Widmung an Paul Lindau. 1881
Los 2730
Schätzung
250€ (US$ 287)
Werner, Anton von, Berliner Historienmaler, Porträtist und Illustrator, langjähriger Direktor der Berliner Akademie der bildenden Künste, faktisch offizieller Maler der wilhelminischen Ära aufgrund seiner hervorragenden Beziehungen zum Kaiserhaus und zum übrigen deutschen Hochadel, einer der meistbeschäftigten und angesehensten deutschen Maler seiner Zeit, Wirklicher Geheimrat und Exzellenz (1843-1915). Porträt-Photographie mit eigh. Widmung u. U. "A v Werner" auf dem Untersatzkarton. Kabinett-Format. 16,5 x 10,8 cm. (Berlin) Januar 1881.
"Seinem verehrten Freund Paul Lindau. Januar 1881. A v Werner". Die Aufnahme (Brustbild) des Berliner Ateliers Loescher & Petsch zeigt den Künstler im Halbprofil, den Kopf nach links (vom Betrachter) gewandt. Der hoch angesehene Publizist, Kritiker und Bühnenautor Paul Lindau gehörte zu dieser Zeit zu den einflußreichsten Schriftstellern Berlins.
Anschütz, Heinrich
Brief aus Triest an einen Freund in Venedig. 1827
Los 2731
Schätzung
180€ (US$ 207)
Anschütz, Heinrich, berühmter Schauspieler und Regisseur, langjähriges, führendes Mitglied des Wiener Burgtheaters, schrieb wertvolle Memoiren (1785-1865). Eigh. Brief m. U. "H. Anschütz". 3 S. Doppelblatt mit Adresse und Siegelresten. 4to. Triest 5.VIII.1827.
An Herrn Walcher vom Marine-Oberkommando in Venedig. Interessanter Brief, in dem Anschütz ausführlich den nächtlichen Zusammenstoß zweier Schiffe schildert, den er mit seiner Familie auf der Fahrt nach Triest erlebte. "... In diesem Augenblicke machte ich schon mein Testament, und Alles stürzte mit bleichen Todtengesichtern aus dem unteren Raume herauf; aber wir wurden glücklich erhalten, und unser bleßirtes Fahrzeug trug uns noch glücklich in den Hafen ... Wahrscheinlich hat Alles auf beyden Schiffen geschlafen, und diese unverzeihliche Nachläßigkeit hätte beinahe vielen Menschen das Leben gekostet; wie ich höre sind die Capitains auch schon in Untersuchung gezogen ... Ihrem freundlichen Anerbieten zufolge empfehle ich Ihnen einen Bekannten, Herren Rettich, vom hiesigen Theater, der vielleicht nach Venedig kommen wird. Er ist ein junger Mann, empfänglich für alles Gute und Schöne, und Sie werden vielleicht einige Ihrer Mußestunden nicht unangenehm mit ihm zubringen; vielleicht ist er Ihnen noch von Wien aus bekannt als er beym Hoftheater war ...". Bestellt u. a. Grüße von "Stubenrauchs". - Der Maler Philipp von Stubenrauch (1784-1848) war fast 40 Jahre lang Kostüm- und Dekorationsdirektor an den Wiener Hoftheatern. - Der Schauspieler Karl Rettich (1805-1878) erhielt 1835 zusammen mit seiner Frau Julie ein lebenslängliches Engagement am Wiener Burgtheater. - Kleiner Einriss beim Siegel; die erste Seite am oberen und unteren Rand mit kleinen Notizen über Anschütz.
Autographen-Album einer Sammlerin in Mannheim. 128 signierte Karten, Fotos, Briefe, Albumblätter, Visitenkarten und andere kleinere Schriftstücke, fest montiert auf die Kartonblätter eines Albums. Quer-folio. Leinen d. Z. (Rückenkanten defekt). 1878-1920.
Reichhaltige Sammlung von Autographen und Autogrammen zeitgenössischer Prominenz, vor allem aus den Gebieten Literatur, Musik, Theater. Wo es sich um Postkarten handelt, haben die Autoren häufig mit Versen und Sinnsprüchen die Sammlerin angesprochen. Musiker und Theaterleute sind großenteils mit Porträt- oder Rollenfoto-Postkarten vertreten. - Vorhanden aus dem Bereich Literatur: Friedrich von Bodenstedt, Raoul Auernheimer, Georg Engel, Fritz Mauthner, Richard Schaukal (2), Wilhelm Bölsche, Heinrich Mann ("Hier ist der Autograph. Bin ich nicht brav?"), Hedwig Lachmann-Landauer, Julius Wolff, Hans Bethge, Max Halbe, Edward Stilgebauer, Victor Blüthgen, Christian Morgenstern (Bleistift-Konzept eines Gedichts), Franz Karl Ginzkey, Johannes Schlaf, Rideamus, Carl Busse, Marx Möller, Rudolf Löwenstein, Ernst Wichert, Lulu von Strauß und Torney, Will Vesper, A. de Nora (Anton Noder), Albert H. Rausch (Henry Benrath), Heinrich Lilienfein, Erich Mühsam, Clara Viebig, Klabund, Herbert Eulenberg, Ludwig Fulda, Hermine Villinger, Julius Stettenheim (Brief) und andere. - Kritiker, Journalisten: Maximilian Harden, Heinrich Bulthaupt, Oscar Bie, Siegfried Jacobsohn (Postkarte an Hermann Sinsheimer). - Komponisten, Musiker: Richard Heuberger (Notenzitat), Carl Michael Ziehrer (2), Eduard Künneke, Rosé-Quartett, Oscar Straus (Brief), Ruggiero Leoncavallo (lose Visitenkarte), Hugo Röhr (Notenzitat), Franz von Vecsey, Paul Lincke (Notenzitat), Alfred Hoehn, Quatuor Capet, Victor Hollaender, Max Bruch und andere. - Sängerinnen und Sänger: Fritzi Massary, Lillian Sanderson, Martha Leffler-Burckard, Ottilie Metzger, Franz Naval, Ejnar Forchhammer, Elisabeth Böhm-van Endert, Lilly Hafgren-Waag, Lula Mysz-Gmeiner, Paul Bender, Wilhelm Grüning, Fritz Feinhals. - Tänzerinnen: Gret Palucca, Gertrud Leistikow, Maud Allan. - Schauspielerinnen und Schauspieler: Alexander Girardi, Agnes Sorma, Robert Volkner, Alois Wohlmuth, Alexander Moissi, Henny Porten, Sylvester Schäffer, Konrad Dreher (2), Rosa Bertens, Max Pohl, Bernhard Baumeister, Tilla Durieux, Friedrich Haase, Friederike Goßmann, Paul Wegener. - Theaterleiter: Carl Hagemann (2), Max Martersteig. - Politiker: August Bebel, Paul von Braun. - Wissenschaftler: Henry Thode, Adolf von Harnack, Paul Laband, Carl Hagenbeck. - Maler: Paul Meyerheim, Albert Hertel (Brief). - Etliche weitere Autoren waren nicht eindeutig zu identifizieren. - Einige Blätter mit Zustandsmängeln. Mehrere Stücke, die sich
herauslösen ließen, wurden offenbar irgendwann entfernt. Insgesamt jedoch ordentlicher Zustand. - Auch für Händler eine wertvolle Sammlung von Schriftproben.
Bernauer, Rudolf
Brief an Prof. Hans Knudsen + Beigabe Rudolf Forster
Los 2733
Schätzung
300€ (US$ 345)
Bernauer, Rudolf, Berliner Schauspieler, erfolgreicher Bühnenautor und zeitweilig Direktor eines Theater-Konzerns in Berlin, emigrierte 1933 und lebte ab 1935 in London (1880-1953). Masch. Brief m. U. "Rud. Bernauer". 1 S. Gr. 4to. London 19.III.1953.
An Hans Knudsen, Professor der Theaterwissenschaft in Berlin, der sich bereit erklärt hatte, ein Vorwort zu den in Entstehung befindlichen Lebenserinnerungen Bernauers zu schreiben. Der Autor erklärt sich glücklich über diese Nachricht, lobt Knudsen in höchsten Tönen und legt die Vermittlung zu dem Verleger Blanvalet vertrauensvoll in Knudsens Hände. Der Brief ist insofern besonders bemerkenswert, als Knudsen seit den 1960er Jahren als "williger Mitläufer" der Nazi-Herrschaft angefeindet wurde und noch heute wird. Das große Vertrauen, das Bernauer in Knudsens Persönlichkeit setzt, läßt erkennen, dass ihm Knudsens Haltung in der NS-Zeit entweder nicht bekannt war, oder dass er in den 1920er Jahren nur gute Erfahrungen mit Knudsen gemacht hatte. "... Daß Sie wirklich bereit sind, die Einleitung zu meinen Erinnerungen zu schreiben, macht mich stolz und glücklich. Ihre Überzeugung, hierdurch das Niveau des Buches, den [gemeint ist: das der] etwas zu reißerische Titel herabdrückt, zu heben, ist auch die meine. Es ist selbstverständlich, daß Ihr Name allein schon genügt, den Ernst meiner Arbeit zu unterstreichen ... von dem Augenblick an, da Sie sich zu meiner Arbeit positiv einstellten, war es stets mein Wunsch, von Ihnen bei den Lesern eingeführt zu werden, und hat mit der Titeländerung eigentlich nichts zu tun ... Auf Ihre Frage, ob Sie in der Sache noch etwas für mich tun können, bitte ich Sie inständig, sich gleich nach Ostern mit Herrn Blanvalet in Verbindung zu setzen und auf ihn Ihren gewichtigen Einfluß auszuüben. Ich kann mir keinen besseren Fürsprecher wünschen ...". - Der Brief ist in Bernauers letztem Lebensjahr geschrieben. Seine theaterhistorisch höchst wertvollen Memoiren "Das Theater meines Lebens" erschienen erst 1955 bei Blanvalet und enthalten keine Spur von einer Mitwirkung Knudsens, auch nicht im Nachwort des Verlegers. - Dabei: Rudolf Forster, österr. Theater- und Filmschauspieler, bedeutender Charakterdarsteller in sehr zahlreichen Filmen und berühmten Theater-Inszenierungen, nach 1945 mehrfach mit hohen Auszeichnungen geehrt (1884-1968). 4 masch. Briefe m. U. "R. Forster". Zus. ca. 3 S. Groß 4to. Bad Aussee 12.II. - 3.III.1967. - An den Berliner Theater- und Filmkritiker Joachim Werner Preuß, der ihm bei der Textgestaltung und Korrektur seiner Memoiren "Das Spiel mein Leben" behilflich war. In 2 Briefen ausführlich über Änderungen, Striche und Korrekturen im Text, die eine wesentliche Mitwirkung Preuß' erkennen lassen. In der in demselben Jahr in 2 Auflagen bei Propyläen erschienenen Buchausgabe der Memoiren taucht Preuß' Name nicht auf. - Beiliegend die Durchschläge von Preuß' 6 Gegenbriefen sowie ein Schreiben des Propyläen Verlags zum Thema Forster (1966).
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