Körner, Christian Gottfried
Brief an einen Offizier in Wien. 1813
Los 2631
Schätzung
300€ (US$ 345)
Schiller-Umkreis. - Christian Gottfried Körner, der Vater Theodor Körners sowie Freund und wichtiger Förderer Friedrich Schillers, Jurist und Schriftsteller (1756-1831). Eigh. Brief m. U. "Körner". 1 S. Doppelblatt mit Adresse. Gr. 4to. Töplitz 18.VI.1813.
An den Leutnant von Herrl in Wien, einen Waffengefährten Theodor Körners, dem er mitteilt dass er wieder ein Briefchen von seinem Sohn erhalten habe, von Mühltorf bei Plauen im Vogtland. "... Er schreibt sehr lustig von beschwerlichen Märschen, die er glücklich überstanden hätte, und versichert sich vollkommen wohl zu befinden. Auch habe ich Nachrichten erhalten, daß kurz nachher das Corps bey Hof eingetroffen ist, daß man ihm dort feindlicher Seits den Waffenstillstand bekannt gemacht, das Corps aber diesen nicht sogleich anerkannt, sondern zuvörderst einen Officier an den König von Preussen um Verhaltungsbefehle einzuholen geschickt hat ...". Das Corps soll inzwischen im sächsischen Gebirge bis zur böhmischen Grenze vorgerückt sein. Er hoffe, bald mehr zu erfahren und bestellt einen herzlichen Gruß, auch von Theodor, "durch diese Nachricht. Theodor bittet darum, da er nicht selbst schreiben konnte ...". - Am 26. August ist Theodor Körner dann in einem Gefecht bei Gadebusch gefallen.
Schulte vom Brühl, Walter
Signiertes und kalligraphisch geschmücktes Gedicht-Manuskript. 1883
Los 2632
Schätzung
180€ (US$ 207)
Schulte vom Brühl, Walter, Schriftsteller, Maler und vielseitiger Journalist, langjähriger Chefredakteur des "Wiesbadener Tagblattes" (1858-1921). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "Schulte vom Brühl" und Datierung "Weimar MDCCCLXXXII". Mit einer großen Zier-Initiale in Rot und Silber, vermutlich vom Autor selbst gezeichnet. Das Blatt ist von zweifarbigen Linien umrandet und auf einen Untersatzkarton gezogen, der wiederum mit Bleistift eine Widmung des Verfassers mit Unterschrift "Schulte v. Brühl" trägt. 16,5 x 24 cm. Weimar 20.VI.1883.
"Hinaus!" 2 Strophen zu je 5 Zeilen: "Hörst du der Möven Schrei die Luft durchgellen? - / Siehst du den Aufruhr in der Meeresfluth? - Das Wasser schäumt, hoch spritzen auf die Wellen, / Der Sturmwind wird Dein Segel besser schwellen, / Hinaus, hinaus mit kühnem Wagemuth! ...". - Unten auf dem Karton mit Bleistift die Widmung: "Herrn Thelemann z. fr. Erinnerung. Weimar d. 20/6 1883 Schulte v. Brühl". - Der Autor lebte von 1878 bis 1884 als Maler in Weimar. - Etwas angestaubt, aber dekoratives, farbiges Blatt.
Simonow, Konstantin
Brief an das DDR-Kulturministerium. 1974
Los 2633
Schätzung
120€ (US$ 138)
Simonow, Konstantin, sowjetischer Schriftsteller, Lyriker und Kriegsberichterstatter (1915-1979). Eigh. Brief m. U. "Konstantin Simonow". In russ. Sprache. 1 S. Folio. Moskau 28.V.1974.
An den DDR-Kulturminister Hoffmann, bei dem er sich für dessen Glückwünsche zur Verleihung des Lenin-Preises an Simonow bedankt. "... Ich habe stets danach gestrebt und werde auch künftig stets danach streben, daß meine Bücher über den vergangenen Krieg der Sache des Friedens, des gegenseitigen Verstehens und der Freundschaft zwischen unseren Völkern dienen. Es erfüllt mich mit Freude und Stolz, daß diese Bücher ihre Leser in der Deutschen Demokratischen Republik gefunden haben ..." (Übers.). - Mit Eingangsstempel des DDR-Kulturministeriums.
Stammbuch
des Johann Conrad Steinberger in Görlitz. 1759-1760.
Los 2634
Schätzung
750€ (US$ 862)
Stammbuch des Johann Conrad Steinberger in Görlitz. Ca 123 Bl., davon 29 S. beschrieben oder illustriert. Mit einschl. des Titelblattes 15 Aquarellen, Gouachen und aquarellierten Federzeichnungen sowie 1 kolor, Kupferstich. Quer-8vo. Blassrot gefärbter Pergamentband (mit Spuren von Mäusefraß) mit reicher ornamentaler Vergoldung und einer goldgepr. Krone auf beiden Deckeln und dem Rücken sowie den Initialen J. C. S. 1759 auf dem Vorderdeckel. Goldschnitt. 1759-1760.
Nur kurzzeitig in Gebrauch gewesenes Stammbuch, dessen Beiträger sich ausschließlich in Görlitz und Zittau einschrieben. Es handelt sich offenbar um lebenslustige Freunde des Inhabers, der wohl auch selbst kein "Kind von Traurigkeit" war, was aus den Themen der Texte und vor allem aus den reizvollen Illustrationen zu schließen ist. 5 ganzseitig bemalte Blätter zeigen fröhliche Gesellschaften: 5 Männer und 2 Frauen sitzen vergnügt beim Wein zusammen; Mann und Frau spielen Billard; 4 Männer sitzen beim Kartenspiel, während ein fünfter auf dem Sofa schläft; 3 Männer sitzen beim Kartenspiel, während darunter im mit Fässern gefüllten Keller zwei weitere Männer Wein verkosten; 4 Männer beim Billardspiel, während unten auf der Straße ein Mann mit 3 Frauen diskutiert. Auf einem weiteren Blatt wird ein Mann rasiert, während ein anderer mit einer Kerze für die nötige Beleuchtung sorgt. Besonders interessant sind auch 3 Gesamtansichten von Städten aus der Vogelschau: eine Ansicht von Görlitz ist entsprechend bezeichnet. Eines der beiden anderen Bläter zeigt die völlig zerstörte Stadt Zittau, nachdem sie 1757 durch österreichische Artillerie in Brand geschossen worden war. Ob die nahe gegenüberstehende, mit roter Tinte sehr fein und sorgfältig ausgeführt Stadtansicht Zittau vor dem großen Brand zeigt, war für uns nicht zu klären. - Der auf beiden Deckeln und auch auf dem Rücken mit einer Königskrone geschmückte Einband läßt an eine Remboitage denken. Gut erhaltenes Stammbuch aus der Zeit des 7jährigen Krieges mit fast ganz friedfertigen, reizvollen Abbildungen.
Stammbuch
eines Jenaer Studenten. Reich illustriert. 1773-1786
Los 2635
Schätzung
6.000€ (US$ 6,897)
Mit Eintrag von Carl Philipp Moritz
Stammbuch eines Jenaer Studenten namens Riemschneider. Ca. 233 Bl., davon ca. 334 S. beschrieben oder illustriert. Mit 20 Gouachen und Aquarellen sowie 4 Federzeichnungen und Grisaillen. Brauner Lederband d. Z. (stärker berieben und bestoßen) mit Resten von vergoldeten Schmuck-Bordüren auf beiden Deckeln. 1773-1786.
Zweiteiliges, außergewöhnlich umfangreiches und prachtvoll illustriertes Stammbuch, das in den Universitätsstädten Jena und Wittenberg reichhaltig gefüllt wurde.
Der erste Teil ist von 1773 bis 1776 fast ausschließlich in Jena geführt, mit einigen Abstechern nach Leipzig. Dann folgen 8 Blatt Gesamt-Register, und es beginnt der zweite Teil mit dem Jahr 1777, der bis zum Jahr 1786 reicht und annähernd vollständig in Wittenberg spielt, 1786 schließlich auch in Nordhausen. Die Beiträger sind größtenteils Kommilitonen, vor allem Jura- und Medizin-Studenten, die wie gewöhnlich ihre Herkunft und oft auch ihr Studienfach angeben. Der heute weitaus prominenteste der damaligen Beiträger ist der vielseitige Schriftsteller und Freund Goethes, Carl Philipp Moritz, Verfasser des "Anton Reiser", der sich 1776 in Erfurt für ein Theologiestudium eingeschrieben hatte, sich am 17. Januar 1778 in Wittenberg in vorliegendes Album einträgt und in demselben Jahr nach Berlin überwechselt, wo er Lehrer am Gymnasium zum Grauen Kloster wird. Moritz schreibt: "Wir wollen die Sorgen des Lebens vertrinken, und nicht durch schwermüthige Gedanken an die Tage der Zukunft uns eine frohe Gegenwart verbittern." Autographen von Carl Philipp Moritz sind von größter Seltenheit. - Ein anderer Beiträger aus dem Goethekreis ist der berühmte Silhouetteur Johann Friedrich Anthing, dessen Sammlung auch ein Goetheporträt enthält (Jena 25. Okt. 1774). - Eine weitere Persönlichkeit aus dem Goethekreis trägt sich am 26. Februar 1774 in Jena ein, der Mineraloge Johann Carl Wilhelm Voigt, der von Goethe zum Bergrat und Leiter der Ilmenauer Bergwerke ernannt wurde. Ein G. P. H. Lenz (Jena 1774) könnte der gleichnamige berüchtigte Alchimist sein.
Den Hauptreiz des Albums bilden 11 ganzseitige, bildmäßig in kräftigen Farben ausgeführte Veduten mit vielfältiger Staffage von Studenten und anderen Bürgern, davon vier mit vielfigurigen Spielen und Feiern der akademischen Jugend auf öffentlichen Plätzen, teils höchst romantisch bei Mondschein. Die Bilder sind vom Künstler meist zierlich bezeichnet oder kommentiert, so dass sie auch topographisch-ortsgeschichtlich von hohem Wert sind. Gezeigt werden Ketschau; Jena (mit Studentenspiel bei Tage); Jena vor der Stadt (mit Studenten, die flotte Sprüche von sich geben); Zwetzen; Borstendorf; Jena (nächtliches Studentenspiel, bezeichnet "Die lustige Schnurren Bataille wegen auslöschung des Feuers bey der Fidelitet"); Jena (Gesamt-Ansicht "von Mitternacht" mit Lobeda und Leuchtenburg im Hintergrund); Landhäuser in der Umgebung von Jena; Dorndorf mit Dornburg; nächtliches Studentenspiel ("Creirung des Burgau-Müllers") und die Rasenmühle bei Jena. Ferner hübsche häusliche Szenen, mehrere Szenen mit Soldaten (ein Reiter rettet [?] eine Frau von ihrem sich aufbäumenden Pferd) und ein Quodlibet mit illustrierten Spielkarten. Ein Medizinstudent Johann Friedrich Christian Eggert zeichnet 1773 in professioneller Qualität ein zweifarbiges Bild mit einem jungen Mann, der erschrickt, als ihm ein geflügelter Amor ein neugeborenes Baby zeigt, dessen Mutter im Hintergund um die Ecke schaut. Dazu der Spruch: "Kein Degen, kein Pedell, kein Wetter, Sturm noch Wind, / Schreckt einen Purschen so, als nur ein Jungfern-Kind." Eine andere Tafel zeigt einen Jura-Studenten in seinem Zimmer beim Studium gewichtiger Werke. - Stärkere Gebrauchsspuren: das hintere Innengelenk geplatzt; es fehlt Bl. 1 und vielleicht einige weitere Blätter (die handschriftl. Paginierung ist lücken- und fehlerhaft), das Schlußblatt lose und defekt, die schönen Veduten teils etwas beschabt (eine mit stärkerem Farbverlust), eine Tafel beschädigt und alt repariert, vor allem im ersten Teil reichliche Fingerspuren. - Trotz dieser Erhaltungsmängel ein kostbares Stammbuch aus der literarischen Epoche des Sturm und Drang, das nicht nur ausnehmend interessante Illustrationen enthält, sondern auch mit dem Eintrag von Carl Philipp Moritz eines der seltensten Autographen der deutschen Klassik.
Stammbuch
des Hamburger Handlungsakademie-Schülers J. A. Bröms aus Orebrö in Schweden.
Los 2636 [*]
Schätzung
600€ (US$ 690)
Stammbuch des Hamburger Handlungsakademie-Schülers J. A. Bröms aus Orebrö aus Schweden. 149 Bl., davon 43 S. beschrieben. Quer-8vo. Lederband d. Z. (beschabt, oberes Kap. bestoßen) mit dezenter Deckel- und Rückenvergoldung sowie Rückenschild "Denkmale der Freundschaft" und Goldschnitt. 1785-1805.
Ein Großteil der Beiträger sind offenbar Schüler der Hamburger Handlungsakademie von J. G. Büsch, der auch in dem Album vertreten ist, ebenso wie sein Mitarbeiter P. H. Chr. Brodhagen. 23 Eintragungen mit Ortsangabe Hamburg, während 10 französische, 4 englische, 3 schwedische und 1 russischer Beiträger in dem Band zu finden sind. Hervorzuheben sind der Bruder von Philipp Otto Runge, Johann Daniel (1786) und der später an St. Nicolai tätige Organist und Komponist Johann Christoph Westphal (1773-1828). Viele Ausländer tragen sich in Le Havre ein, so z. B. ein Louis Breitinger aus Zürich. - Zahlreiche weitere Namen in einer beigefügten ausführlichen Beschreibung des Stammbuchs.
Stammbuch eines jungen Berliners namens Kuntzmann. 191 (statt 209) pag. S., davon 99 S. beschrieben oder illustriert. Mit 5 Aquarellen bzw. Gouachen, 5 kleinen aquarell. Grabstein-Vignetten, 1 Federzeichnung, 1 Bleistiftzeichnung und 1 Porträt-Silhouette. Quer-8vo. Hellbrauner geglätterter Kalblederband d. Z. (Kanten beschabt) mit ornamentalen Bordüren und Vasen in Goldprägung auf dem Rücken und auf beiden Deckeln, Rückenschild "Denkmahl der Freundschaft", Stehkantenvergoldung, Goldschnitt und marmor. Vorsätzen. 1788-1813.
Trotz Plünderung durch Vorbesitzer (es fehlen 9 Bl.) noch sehr schönes Berliner Stammbuch, das neben zahlreichen Verwandten und Freunden des Inhabers eine Anzahl prominenter Beiträger aufweist: den späteren Singakademie-Direktor Carl Friedrich Rungenhagen (1778-1851), den Theologen und Pädagogen Friedrich Gedike, u. a. Gymnasialdirektor und Mitglied der Akademie der Wissenschaften (1754-1803), den Sprachwissenschaftler und romantischen Schriftsteller August Ferdinand Bernhardi (1769-1820), den Altphilologen und Pädagogen Johann Heinrich Christian Barby (1765-1837), den Philologen und Philosophen Karl Wilhelm Friedrich Solger (1780-1819), den Philologen, Pädagogen (Lehrer Tiecks) und romantischen Schriftsteller Friedrich Rambach (1767-1826) sowie die beiden Berliner Künstler-Brüder Catel, nämlich den Architekten und Maler Louis Catel (1776-1819, mit längerem Text) und den Holzbildhauer und Maler Franz Catel (1778-1856), der auch mit einer ganzseitigen, signierten Bleistiftzeichnung (Landschaft) vertreten ist. Zu Beginn eine bildmäßig ausgeführte romantische Landschaft mit einer Ruine im Vordergrund, die an der Wand ein "Monument d'amitié" enthält; mit Tinte signiert: "H. Kuntzmann fecit 1790". Die anderen farbigen Blätter enthalten ein weiteres Denkmal der Freundschaft und Blumensträuße in leuchtenden Farben. Die kunstreiche Silhouette (1792) zeigt die Großmutter des Stammbuch-Inhabers, Christina Sophia Sonnenberg. Die meisten Beiträge in Berlin, einige (z. B. Solger) auch in Halle (Saale). Gedike, Bernhardi, Rambach und Barby tragen sich 1793 in Berlin ein. Zitiert werden Ewald von Kleist, Ramler, Claudius, Herder, Goethe (1799), Schiller (aus "Wallenstein") und Shakespeare.
Stammbuch eines J. G. B. aus Kassel. 157 pag. S., 1 S. Nachtrag, davon 59 S. beschrieben, 1 illustriert; (13) S. Register. Mit einem Blumen-Aquarell. Quer-8vo. Brauner marmor. Lederband d. Z. (Kanten gering berieben) mit goldgepr. Bordüre auf beiden Deckeln, goldgepr. Aufdrucken "J. G. B." und "1793", reicher Rückenvergoldung und grünem Rückenschild "Meinen Freunden u. Gönnern gewidmet" sowie Stehkantenvergoldung, Goldschnitt und marmorierten Vorsätzen. In zeitgenöss. Pappschuber. 1793-1797.
Alle Eintragungen von 1793 in Kassel, ab 1794 alle in Leipzig. Die Beiträger in beiden Städten sind fast nur männliche Freunde. - 1 Blatt fehlt in der Paginierung. - Frisch erhaltenes Stammbuch in gediegenem Einband.
Stammbuch
eines Fräulein Schiele in Schönebeck a. d. Elbe. 1797-1814
Los 2639
Schätzung
120€ (US$ 138)
Stammbuch eines Fräulein F. S. Schiele in Schönebeck bei Magdeburg an der Elbe. Ca. 100 Bl., davon 39 S. beschrieben. Mit 1 Haarlocke sowie einem beiliegenden Blatt mit einer weiteren Haarlocke. Quer-8vo. Brauner marmor. Lederband d. Z. (gering berieben) mit goldgepr. Bordüren auf beiden Deckeln, Rückenvergoldung und grünem Rückenschild mit Aufdruck "Der Freundschaft geweiht", goldgepr. Initialen "F. S. S." auf dem Vorderdeckel sowie Goldschnitt und marmorierten Vorsätzen. 1797-1814.
Die Beiträge von Verwandten (darunter auch etliche des Großvaters Clauswitz), Freundinnen und Freunden in Schönebeck und Magdeburg. Vereinzelte Eintragungen auch in Westerhusen, Schora, Wanzleben und anderen kleinen Orten. Zitiert wird vor allem Schiller. - Einige Blätter wohl irgendwann entnommen.
Stammbuch
der Friederike Nauwerck aus Eisleben. 1799-1842
Los 2640
Schätzung
400€ (US$ 460)
Stammbuch der Friederike Nauwerck aus Eisleben. Ca. 74 Bl., davon 115 S. beschrieben oder illustriert. Mit 11 Aquarellen und Gouachen, 1 Bleistiftzeichnung und 4 Seidenstickereien. Quer-8vo. Türkisfarbener Seidenband d. Z. (Rücken und angrenzende Teile der Deckel fleckig; 1 Ecke bestoßen) mit goldgepr. Bordüren und Eckfleurons auf beiden Deckeln, Rückenschild "Denkmäler mein Freunde" [!] und Goldschnitt. Mit defektem Pappschuber d. Z. 1799-1842.
Reich gefülltes Stammbuch einer jungen Dame, genannt "Fritzchen", das über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren geführt wurde. Die allermeisten Beiträge von Verwandten und Freundinnen in und um Eisleben, darunter auch etliche Adelsfamilien, z. B. v. Wangenheim. Zum Teil häufig besuchte Städte und Orte der näheren und weiteren Umgebung waren Dresden, Leipzig, Querfurt, Hoym und Schloß Allstädt sowie 1802-1803 Magdeburg und Gießen. 1804 wird "Göthe" zitiert. Die eindrucksvollen, z. T. bildmäßig ausgeführten Aquarelle zeigen u. a. eine kleine Ansicht von Dresden (1801), einen Hafen, eine Flußlandschaft mit Ruine und Kirche, Denkmäler der Freundschaft und Blüten-Arrangements (eines mit Raupe und Schmetterling). Reizvoll sind auch die kunstreich gestalteten Stickereien; eine von ihnen (wohl 1799) zeigt bildmäßig eine Flußlandschaft mit Dorf und Bäumen. - Die Inhaberin des Stammbuchs hat in vielen Fällen am unteren Rand vermerkt, wann der Beiträger/die Beiträgerin verstorben ist. - Mäßige Gebrauchsspuren.
Stammbuch einer C. E. Dietrich in Leipzig. 117 Bl., davon 42 S. beschrieben oder illustriert. Mit 11 Aquarellen, Gouachen oder aquarellierten Federzeichnungen und 3 kolor. Kupferstichen. Quer-gr. 8vo. Geglätteter Kalblederband d. Z. mit intarsiertem dunkleren Mittelstück, goldgepr. Bordüren und floralen Eckstücken auf beiden Deckeln, Rückenvergoldung mit goldgepr. Aufdrucken "C.F.V.K." und "1743" sowie Stehkanten-Vergoldung, Goldschnitt und marmorierten Vorsätzen. 1809-1847.
Sehr hübsch illustriertes Stammbuch. Die Beiträge größtenteils von Freundinnen und Freunden sowie Verwandten in Leipzig, später Naumburg, Dresden und Lindenau; ganz überwiegend aus dem Zeitraum 1809-1815. Die reizvollen Aquarelle und kolorierten Kupfer zeigen einen Amor mit Blumen und schnäbelnden Tauben, Denkmäler der Freundschaft, Obst-Stilleben und Blumen sowie Landschaften mit Ruinen bzw. einer Hütte. Von den Beiträgen ein schönes Beispiel (Leipzig 1811): "Ich will mich in Ihr Stammbuch schreiben, / Ich weiß nicht was? / Ich will stets Ihre Freundin bleiben, / Gefählt Sie daß?" - Durchgehend leicht gebräunt oder braunfleckig. - Beiliegend eine genauere Beschreibung mit Aufzählung einer Reihe der enthaltenen Namen.
Stammbuch
der Mathilde von Drewitz aus Worlack (Ostpreußen). 1819-1826
Los 2642
Schätzung
180€ (US$ 207)
Stammbuch der Mathilde von Drewitz vom Rittergut Worlack (bei Preußisch-Eylau, Ostpreußen). 37 Bl., davon 29 S. beschrieben oder illustriert. Mit 2 Aquarellen, 2 Grisaille-Zeichnungen, 1 Seidenstickerei und 2 Haarlocken. Quer-8vo. Grünlicher Pappband d. Z. (Rücken stark beschabt) mit vergold. Deckelbordüren (teils verblichen) und Goldschnitt. 1819-1826.
Die Beiträge von Verwandten (Vater und Brüdern), Freundinnen und Freunden in Worlack, Königsberg, Pillau, Marienwerder und Saraunen; großenteils Adelsfamilien aus den umliegenden Rittergütern, darunter Angehörige der Familien v. König, v. Milewska, v. Langen und v. Gabain. Das Aquarell auf dem ersten Blatt zeigt einen von Pflanzen umgebenen Freundschafts-Altar, vor dem am Boden eine Lyra, eine Flöte und ein Notenheft liegen, wodurch auf eine musikalische Tätigkeit der Mathilde von Drewitz zu schließen ist. - Beiliegend ein nicht zugehöriges Blatt mit dem Aquarell einer Rosenblüte.- Etwas braunfleckig; anfangs leider ein Blatt mit Eintragung Berlin 1940, ansonsten mäßige Gebrauchsspuren.
Stammbuch-Kassette
der Familie Bösing in Grünberg (Schlesien). 1835-1854.
Los 2643
Schätzung
250€ (US$ 287)
Stammbuch-Kassette der Familie Bösing in Grünberg (Schlesien). 47 Bl., davon 52 S. beschrieben oder illustriert. Mit 2 kolor. Kupferstichen, 4 Perlenstickereien und 4 Kalligraphien. Quer-8vo. Lose Bl. mit Goldschnitt in einer Kassette in Form eines Stammbuchs. Halblederband d. Z. mit reicher Druk- und Tinsel-Vergoldung, Rückenvergoldung mit Aufdruck "Zum Andenken", imitiertem Goldschnitt und marmor. Umschlag. In gleichfarbig marmor. Pappschuber. 1835-1854.
Die Eintragungen beginnen 1835 in Züllichau, offenbar von Zöglingen eines Pädagogiums, werden erst 1842 in Grünberg bis 1846 in großer Zahl fortgesetzt und verteilen sich dann von 1847 bis 1854 neben Grünberg auf diverse Ortschaften wie Kramp, Samtmühle, Schmöllen, Teppendorf und andere. Außer den kunstreichen Perlenstickereien sind die 4 phänomenalen Kalligraphien hervorzuheben, die in mikroskopisch kleiner Schrift geometrische und figürliche Bilder formen.
Stammbuch-Kassette
der Charlotte Brestel in Wien. 1842-1852.
Los 2644
Schätzung
450€ (US$ 517)
Stammbuch-Kassette der Charlotte Brestel in Wien. 44 lose Bl., davon 50 S. beschrieben oder illustriert. Mit 2 Aquarellen, 3 Bleistift-Zeichnungen, 1 geschnittenen Porträt-Silhouette und 1 Strauß getrockneter Blumen. Quer-8vo. Lose Bl. mit Goldschnitt in einer mit reich ornamentiertem rosa Samt bezogenen Kassette in Form eines Stammbuchs (1 Rückenkante zerschlissen), mit 7 (inclus. der Schließe) ornamentierten Silberbeschlägen im Rokoko-Stil sowie imitiertem Goldschnitt. 1842-1852.
Die meisten Beiträge in Wien geschrieben, einige, teils von Offizieren, auch in Verona und Venedig. Einige adlige Beiträgerinnen schreiben französisch oder italienisch. Ein Aquarell zeigt die Ortschaft Jerowitz, die hübsche Porträt-Silhouette ein junges Mädchen. Ein für eine Stammbuch-Kassette der Zeit ungewöhnlicher Einband.
Poesie-Album
einer Schülerin des Internats Petit Chateau in Lausanne. 1857.
Los 2645
Schätzung
450€ (US$ 517)
Poesie-Album einer Schülerin des Internats "Petit Chateau" in Lausanne (Schweiz). 59 Bl., davon 35 S. beschrieben oder illustriert. Mit 1 Gouache, 1 Grisaille, 1 Federzeichnung, 3 Bleistift-Zeichnungen und 2 kolor. Lithographien. Quer-gr. 4to (19,5 x 26 cm). Schwarzer Lederband d. Z. (Buchbinder L. Pflüger ainé, Lausanne) mit Gold- und Blindprägung auf beiden Deckeln, goldgepr. Aufdruck "Album" und Goldschnitt. 1857.
Mit Textbeiträgen von Mitschülerinnen in Poesie und Prosa in Französisch, Englisch und Deutsch. Alle Illustrationen zeigen Landschaften oder Ansichten in und um Lausanne, ausgeführt in professioneller Qualität. - Frisch erhalten.
[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.
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