Froriep, Ludwig Friedrich von
Brief aus Weimar an einen Juristen wegen dessen Honorar. 1823.
Los 2616
Schätzung
300€ (US$ 345)
Goethekreis. - Froriep, Ludwig Friedrich von, Mediziner, Schwiegersohn Bertuchs in Weimar, vorher Professor in Tübingen und Leibarzt König Friedrichs I. von Württemberg, dann Sachsen-Weimarischer Obermedizinalrat und Mitglied des Landtags, pflegte regen Austausch mit Goethe (1779-1847). Eigh. Brief m. U. "LF Froriep Dr." 11/2 S. 4to. Weimar 1.II.1823.
Als Leiter des Bertuchschen "Industrie-Comptoirs" an einen Juristen wegen dessen Honorar für eine Veröffentlichung. "... Da Ew. Wohlgeb. Sich nicht über das Honorar bestimmt erklärt haben, ich aber mir nicht herausnehmen mögte hier etwas zu bestimmen, so habe ich wegen anderer juristischer Verlagswerke des Comptoirs Nachfrage gehalten. Das bedeutendste oder vielmehr einzige Werk der Art ist Schrader ... Was da für Honorare gezahlt worden, ersehen Ew. Wohlgeb. aus der Antwort des Faktors die ich beilege. Das Comptoir ist bey Ss. Werk freylich nicht auf die Kosten gekommen, inzwischen da jenes Werk lediglich für Gelehrte unter den Juristen bestimmt ist, Ihre Erläuterungen aber den praktischen Juristen interessieren, so wäre kein Hinderniß, daß das Comptoir Ihnen nicht dasselbe zahlte ...".
Günther, Martin, Kirchenlieddichter (1690-1736). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "Martinus Güntherus". In latein. Sprache. 6 S. Mit Gedichten anderer
Autor[inn]en zusammengeheftet. Zus. 11 S. Kl. 4to. Heftstreifen-Broschur ohne Umschlag. (Langhelmsdorf, Herzogtum Schweidnitz-Jauer, Schlesien) 8.III.1709.
Schlußteil einer 11seitigen handschriftlichen Geburtstags-Festschrift für den Gutsherrn Gotthard Friedrich von Reibnitz (1668-1714), "Erbherrn auf Langenhelmsdorf [auch: Langhelmsdorf], Ober- und Mittel-Leipe ... bey hohem Wohlseyn d. 8 Martii 1709." Dargebracht von Reibnitz' Töchtern Dorothea Eleonora und Katharina Elisabeth, die ihre Gedichte ebenso unterzeichnet haben wie Martin Günther. Dieser war vermutlich der örtliche Pfarrer. - Ob er mit dem Kirchenlieddichter identisch ist, wie wir vermuten, ist nicht ganz sicher. - Vom Buchbinder leider eng beschnitten, so dass auf 4 Seiten leichter Textverlust entstand.
Gutzkow, Karl
Tantième-Quittung für das Wiener Burgtheater. 1861
Los 2618
Schätzung
200€ (US$ 230)
Gutzkow, Karl, bedeutender liberaler Schriftsteller, Dramatiker, Kritiker und Publizist, dem Jungen Deutschland nahestehend, Förderer Georg Büchners (1811-1878). Eigh. Quittung m. U. "Dr. Gutzkow". 1 S. Quer-4to. Dresden 9.VII.1861.
"Quittung über sechsundsechzig Gulden neun Kreuzer ÖW, welche der Unterschriebene als Tantieme für sein auf dem k k. Hofburgtheater in Wien in dem Zeitraum vom 1. April bis Ende Juni 1861 aufgeführtes Stück Urbild des Tartüffe empfangen zu haben bescheinigt ...". - Geschrieben auf der unten abgeschnittenen oberen Hälfte eines Großquart-Bogens. Als erledigt durchgestrichen, ebenso wie 2 aufgeklebte Gebührenmarken. - Gutzkows fünfaktiges Lustspiel "Das Urbild des Tartüffe" wurde am Wiener Burgheater von 1849 bis 1875, also zu seinen Lebzeiten, 52 mal gespielt.
Hamsun, Knut, norweg. Schriftsteller, Nobelpreisträger, unbeirrbarer Deutschland-Verehrer (1859-1952). 2 eigh. Briefe m. U. "Knut Hamsun". In norweg. Sprache. Zus. 2 S. Gr. 8vo und 8vo. Lillesand 25.III.1921 bzw. o. O. u. J.
Der erste Brief, an einen Herrn O. Liesingdahlsen, über finanzielle Angelegenheiten. Der zweite Brief, an einen Herrn Behrens, den er nicht recht verstehe. Erklärt, dass er wegen der Vorbereitung eines "verfluchten Vortrags", der ihm über den Kopf wachse, noch nicht dazu gekommen sei, einen Brief Henrik Ibsens zu lesen oder den dänischen Schriftsteller Brandes zu hören. "... Außerdem habe ich keine einzige gedruckte Quelle als Arbeitsgrundlage - nur das Gedächtnis. Eine reine Pferdearbeit ..." (Übers.). Außerdem sei das Wetter so trostlos.
Hesse, Hermann
14 Briefe u. 1 signiertes Porträt.1928-1934
Los 2620
Schätzung
7.500€ (US$ 8,621)
"das Malen meiner kleinen Bildchen"
Hesse, Hermann, Dichter, Schriftsteller und Zeichner, Nobelpreisträger (1877-1962). Sammlung von 14 Briefen und 1 Porträtfoto-Postkarte, davon 13 Briefe maschinenschriftlich, 1 Brief und die Porträtkarte eigenhändig. Zus. ca. 20 S. Mit 1 Orig.-Federzeichnung und 1 Orig.-Aquarell. Verschied. Formate. Lose Bl. in einer hellbraunen Leder-Mappe d. Z. mit Aufdruck "Hermann Hesse. Briefe". (Montagnola und o. O.) 1928-1934.
Großenteils sehr umfangreiche und gehaltvolle Briefe an Frau M. M. Redlhammer in Gablonz (Neisse). Auf einer signierten Porträtfoto-Postkarte (wohl Zürich 1928) erwähnt der Dichter - erstmals in dieser Briefreihe - seine wachsenden Augenprobleme. "... Meine Freundin [Ninon Dolbin] verreist dieser Tage für 3 Wochen, in dieser Zeit bin ich ohne Vorlese -Hilfe. Bisher nur ein Tag ohne Schmerzen. Vermutlich gehe ich Anfang Mai nach Montagnola ...". In den folgenden Briefen beruhigt er sie bezüglich seines Augenleidens. "... Auf das, was Sie über meine Augen und mein Kranksein sagen, ist schwer zu antworten. Ich erhalte fast täglich Briefe, die ähnlich klingen, auch von Solchen, die den Zustand meiner Augen und meines ganzen Lebens seit vielen Jahren kennen: sie tun alle so, als müsse das morgen oder übermorgen plötzlich aufhören ..." (dieser Brief fragmentarisch, aber mit Aquarell "Landschaft im Tessin"). "... Ich bin noch etwa 10 Tage in Zürich. Meine Freundin (welche übrigens sich seit einem Jahr sehr um meine Verpflegung bemüht und mir allerlei Sahne etc einflösst) ist für einige Zeit in Berlin, dort wird Ihre Sendung Sie überrascht haben. - Vom 'Piktor' existieren zur Zeit drei fertig geschriebene Exemplare. Ich sende Ihnen eines dieser Tage zu. Das Märchen eignet sich besonders dazu, laut gesprochen zu werden. - Aber wegen meiner Augen brauchen Sie nicht zu fürchten, dass das Malen und Schreiben sie verderbe. Im Gegenteil: grade jetzt, wo ich beinahe gar nichts lesen kann, ist das Malen meiner kleinen Bildchen und das bischen [!] Schreiben die Beschäftigung, die mich über Wasser hält. Noch schöner natürlich wäre eine andere Beschäftigung: die mit einer neuen Dichtung. Aber dazu braucht es Geduld. Vorerst ist Goldmund gestorben, und seither, seit mehr als einem jahr, bin ich zwar nicht ohne Arbeit (das könnte ich nie vertragen) aber doch ohne eine grosse, sinnvolle, wichtige Arbeit. Und in diesen Zeiten ist das Herstellen der kleinen Bildhandschriften mir eine liebe und nicht anstrengende Beschäftigung ...".
1929 bedankt er sich für Bezahlung seiner Bilderhandschriften. "... Hoffentlich haben Sie ein wenig Freunde an den Gedicht-Handschriften. Den 'Verführer' habe ich extra geschrieben, und zwar in Antiqua-Schrift, da diese Ihnen geläufiger sein wird und da dieses Gedicht ja eigens auf Ihren Wunsch geschrieben wurde. Die andern Gedichte sind in Fraktur geschrieben, da dies die mir geläufige Schrift ist. - Im Frühling wurde ich mit einer ziemlich umfangreichen neuen Dichtung fertig, dem 'Goldmund', ich habe mehr als zwei Jahre an ihm gearbeitet, er erscheint im nächsten Jahr als Buch ...". Im September 1929 berichtet Hesse vom Besuch seines Sohnes Bruno in Montagnola, von dessen Ausbildung als Maler, Zeichner und Radierer und von ihren gemeinsamen Ausflügen zum "Skizzieren". In einem weiteren Brief (aus dem Schweizer Baden) geht er auf den ihn etwas enttäuschenden Sammelband "Letzte Reife" ein, der von Hesse die Erzählung "Traumfährte" enthält: "... ich gab doch einem Beitrag dazu, einmal um inmitten der Schweizer Kollegen mich nicht abzusondern, und dann weil eben diese Erzählung ... mir besonders lieb ist ... Ich halte diese kleine Erzählung, mit Ausnahme der Morgenlandfahrt, für das beste was ich in den letzten Jahren geschrieben habe ...". Am 19. November 1929 schreibt er aus Zürich: "... Soeben habe ich eine kleine Reise hinter mir, ich komme aus Schwaben zurück, wo ich drei Vorlesungen hielt: eine in Tübingen und zwei in Stuttgart ... Ich sah meine beiden Schwestern und einen meiner Brüder, und deren Kinder, sah einige Schulkameraden aus Calw, Maulbronn und Tübingen, sowie einige Landschaften, die mir einst lieb und vertraut waren, dazu gehören auch Ulm und Blaubeuren, die ich auf der Rückfahrt besuchte ...".
Im Dezember 1929 beschäftigt sich Hesse mit Hugo Ball und dessen Witwe Emmy. "... Sie haben den Steppenwolf gelesen, und die Mehrzahl meiner Gedichte und die Nürnberger Reise und anderes - Sie wissen also wohl, dass mein Leben weder schön noch froh, sondern ein dauerndes Leiden ist. Es hat keinen Sinn, das weglügen zu wollen. Ich finde in unserer Welt und Zeit keine Luft zum Atmen - so wie Hugo Ball materiell verhungert ist, so verhungere ich seelisch ... Seine Witwe, mein liebes Sorgenkind, lebt seither meistens in meiner Tessiner Gegend. Sie führt ihr weltfernes Leben, es ist dasselbe wie sie es einst mit Hugo zusammen führte, es besteht aus viel Einsamkeit, viel Traum, viel geistiger Arbeit, und beständiger, bitterer Armut." Beschreibt dann Emmy Balls kümmerliches Leben mit ihrer Tochter, gemeinsam in einem einzigen, "winzigen Zimmerchen". - Zum Goethe-Jahr 1932 schreibt Hesse: "... Dem Goethe-Theater sehe ich belustigt zu. Das deutsche Volk, im Geistigen und Kulturellen nie sehr glücklich, hat sich vorgenommen, den von ihm theoretisch verehrten, in Wirklichkeit abgelehnten Goethe einer ungeheuren Belastungsprobe auszusetzen. Wenn Goethe dies Jahr 1932 aushält, dann ist er wirklich unsterblich." Auch im August 1933 berichtet er von Emmy Ball und deren Tochter. In einem weiteren Brief erbittet er finanzielle Hilfe für Emmy Ball und berichtet dazu, dass er "jetzt sein Brot wieder reichlich verdiene", umziehen werde und künftig nur noch den Sommer in der äußerst unwirtlichen, kalten Wohnung in Montagnola verbringen wolle. - Wohl 1933 oder 1934 äußert sich Hesse zu Hitlers Machtergreifung in Deutschland. "... Im Vordergrund für mich stehen natürlich die deutschen Ereignisse. Der Ausbruch des weißen Terrors bedroht natürlich mich und meinen Verleger auch, im Augenblick aber steht zuvörderst die Sorge um nahe Freunde, Kollegen etc. ... Deutschland war dem Geist ja nie so freundlich, wie es gern in seiner Grossprecherei tat, aber so systematisch geist- und kulturfeindlich ist es doch noch nie zugegangen. Wir haben wieder Krieg, und wieder geht er gegen uns, gegen die Friedlichen, die Denkenden und Frommen. Es muß ertragen werden ...". Um dieselbe Zeit beklagt er den politisch bedingten Rückgang seiner Einkünfte und wirbt für Subskription seiner illustrierten Gedicht-Abschriften: "Diese ... kosten: von Hand geschrieben 200 bis 250 Franken, mit Maschine geschrieben 150 Franken." Der letzte Brief ist handgeschrieben und an den nun verwitweten Fritz Redlhammer gerichtet: "... Ohne Frau Redlhammer je gesehen zu haben, habe ich aus ihren Briefen ein höchst lebendiges Bild von ihr, u. habe für ihre impulsive, originelle u. dabei so sehr gütige Art eine aufrichtige Verehrung. So wird auch von mir die liebe u. verehrte Dahingegangene nicht vergessen werden ...".
Einige, wenn auch insgesamt unbedeutende Mängel: Bei einem Brief fehlt der Schluß; bei zwei Briefen fehlt die Unterschrift, obwohl es sich zweifellos um die Originale handelt; gelegentlich kleine Randdefekte. - Beiliegend ca. 25 Zeitungsartikel von und über Hermann Hesse, großenteils wohl in Erstdrucken. - Die bedeutende Briefsammlung, in welcher der Dichter sein Dasein, Denken und Schaffen in ungewöhnlicher Offenheit darlegt, bietet wertvolle Einblicke in Hermann Hesses Existenz in einer krisenhaften Epoche Europas.
Hesse, Hermann
Gruß mit Unterschrift auf einer illustrierten Postkarte von Gunter Böhmer. 1933
Los 2621
Schätzung
300€ (US$ 345)
Hesse, Hermann, Schriftsteller, Nobelpreisträger (1877-1962). Gruß und Unterschrift auf einer mit Federzeichnung versehenen Postkarte des mit Hesse befreundeten Graphikers und Illustrators Gunter Böhmer. 11/2 S. Montagnola 15.X.1933.
"Grüsse von Hermann Hesse" steht am unteren Rand, während Gunter Böhmer an Carl Schnauffer im Hotel "Adler" in Calw schreibt: "... Als ich neulich mit Herrn Hesse und Frau Pfarrer Gundert von Calw sprach, wurde zu meiner Freude auch der 'Adler' erwähnt, in dem ich im letzten April für ein paar Tage wohnte. Ich war damals auf der Reise nach Montagnola und verbrachte manche Stunde zeichnend an meinen schönen Fenstern nach der Bischofsstraße oder streifte mit meinem Zeichenbuch im Städtlein umher. Daran lag es, daß ich in der Gaststube nie zu blicken war ... Und wie gern hätte ich einen Calwer von Hermann Hesse sprechen hören! Doch werden wir das schon einmal nachholen können ...". - Auf der Adressenseite der Karte hat Böhmer mit überaus feinem Federstrich einen vor einem See stehenden Reiter gezeichnet, umgeben von sehr hohen, schlanken, entlaubten Bäumen, im Hintergrund eine Berglandschaft, am Himmel Zugvögel. Darunter in ebenso feiner Schrift: "Als Gruß von Gunter Böhmer". - Auf der Textseite der Karte wird das obere Drittel vom Abdruck einer 1931 entstandenen Federzeichnung von Hermann Hesse eingenommen, die wohl sein Haus in Montagnola zeigt. Auf diese Weise der ungewöhnliche Fall, dass eine Postkarte von Hermann Hesse und Gunter Böhmer illustriert ist, auch wenn Hesses Zeichnung nur ein Druck ist. - Gelocht.
Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich
Signiertes Manuskript der zweiten Strophe des Deutschlandliedes. 1844
Los 2622
Schätzung
4.000€ (US$ 4,598)
Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich, politischer Lyriker, Dichter beliebter Kinderlieder und des Deutschlandliedes, Germanist und Bibliothekar (1798-1874). Eigh. Gedichtmanuskript mit Unterschrift "Hoffmann von Fallersleben". 1 S. Mit blaugrünem Rändchen. Kl. 4to. Köthen, "am Johannistage 1844".
Die zweite Strophe des 1841 auf Helgoland entstandenen "Deutschlandliedes", geschrieben und signiert von seinem Dichter: "Deutsche Frauen, deutsche Treue, / Deutscher Wein u. deutscher Sang / Sollen in der Welt behalten / Ihren alten schönen Klang, / Uns zu edler That begeistern / Unser ganzes Leben lang - / Deutsche Frauen, deutsche Treue, / Deutscher Wein und deutscher Sang." - Von großer Seltenheit.
Jean Paul (Friedrich Richter)
Brief an den Rendanten Richter in Sparneck. 1806
Los 2623
Schätzung
1.500€ (US$ 1,724)
Jean Paul (d. i. J. P. Friedrich Richter), Schriftsteller (1763-1825). Eigh. Brief m. U. "J P Richter" sowie mit Adresse und Siegelresten. 2/3 S. 4to. O. O. 5.VIII.1806.
"Eiligst" an seinen Bruder Gottlieb Richter, Rendant in Sparneck. "... Ich habe überhaupt jetzt wenig Zeit zum Epistoliren. - An die Kammer, nicht an das Departement wende Dich mit Deiner Bitte. - Mit Fischer will ich sonst reden - An Samuel schicke ich einen Doppellouisd'or (ungefähr 13 Gulden); aber keinen Wink gib ihm vom Geber ...". - Mit "Samuel" ist wohl der jüdische Kaufmann Emanuel Samuel gemeint, der als Berater und Briefpartner Jean Pauls zu dessen engerem Freundeskreis gehörte. - Mehrere kleine Löcher im Papier aufgrund ehemaliger Feuchtigkeit; leicht fleckig.
Kraus, Karl
Gedicht-Manuskript an seine Geliebte. 1918
Los 2624
Schätzung
5.000€ (US$ 5,747)
"der Unvergeßlichen"
Kraus, Karl, österr. kritischer Publizist und Schriftsteller, Herausgeber der "Fackel" (1874-1936). Eigh. Gedicht-Manuskript. 45 Zeilen auf 2 Seiten. Doppelblatt. 4to. O. O. 31.VII.1918.
"Verwandlung". Dreistrophiges Gedicht, für Sidonie Nádherný in der Zeit der Krise ihrer engen Beziehung geschrieben: "Du bist mir nur von weitem noch. Und kaum / an meinem Horizont ein Rand mehr, nur ein Saum / purpurnen Abschieds. Nur noch eine Spur. / Schien mir die Sonne? Nein, sie schien mir nur! / Du bist es nicht! Den Brand noch im Gesicht, / ruf ich dir nach: Bist du nicht, warst du nicht! ...". - Die gut lesbare zierliche Reinschrift weist außer einer sorgfältig überschriebenen Rasurstelle am Ende der ersten Strophe keine Korrekturen auf. Vermutlich war das Manuskript für die Geliebte selbst bestimmt, die sich ihm entfremdet hatte und sich im September 1918 von ihm löste. Laut Anmerkung in der Brief-Ausgabe von Borutin und Pfäfflin überreichte Kraus ihr das Gedicht am 1. September in Pottenstein. - Beiliegend der Korrektur-Abzug des Gedichts mit der eigenhändigen Widmung "Der Unvergeßlichen. Karl Kraus". Der Dichter nahm die intimen Verse nicht in die "Fackel", aber im Dezember 1918 in den vierten Band der "Worte in Versen" auf. - Das Gedicht-Manuskript am rechten Rand mit einer Klebefilm-Spur, jedoch weit außerhalb der Schrift.
Lang, Siegfried, bedeutender Schweizer Lyriker des 20. Jahrhunderts (1887-1970). Eigh. Brief und eigh. Karte m. U. "Siegfried Lang". Zus. 4 S. Folio und quer-8vo. Basel 10.XII.1946 - 8.V.1948.
An den Wiener Schriftsteller Alexander Lernet-Holenia (1897-1976), mit dem er sich in St. Wolfgang am 8. Mai 1948 verabredet hatte: "Zugleich mit ihrer Anfrage vom 4. erhielt ich aus Zürich die Einladung, im Laufe der kommenden Woche dort einen Besuch zu machen, doch konnte man mir den dafür passenden Tag noch nicht nennen. So muss ich Sie nur fragen: Hätten Sie in Basel noch andere Personen, ausser mir, sehen wollen, und wären auf jeden Fall nach Basel gefahren? Dann würde ich es einrichten am Mittwoch in Basel zu sein. Sonst aber könnte unser Zusammentreffen nun auch in Zürich stattfinden...". - Beiliegend ein eigh. Brief m. U. von Frank Thieß (1890-1977), ebenfalls an Lernet-Holenia. 4 S. auf 1 Doppelblatt. 4to. Bad Aussee 27.IX.1948.
Lasker-Schüler, Else, Dichterin, Kleistpreisträgerin (1869-1945). Eigh. Brief m. U. "Else Lasker-Schüler". 1 S. Doppelbl. 8vo. (Berlin, wohl 1906).
An einen Studenten, der sie zu einer Lesung in einer literarischen Vereinigung eingeladen hatte. "... Ich kam erst gestern von Dresden retour wo ich in der liter. Gesellschaft einen Vortrag hielt - ich hätte Ihnen sonst schon herzlich für Ihre Liebenswürdigkeit gedankt. Mir wird es sehr schwer meinen Jungen überhaupt ein Jahr fortzugeben - aber die Unruhe hier schadet ihm. Ich habe auch eine feine Sache im Spreewald entdeckt.
Kann es so sein - daß ich vor dem oder bis zum 12. Dezember lese - ich möchte am 14, 15 verreisen - Weihnachten über. Und was halten Sie davon wenn ich das Peter Hille Buch vorlese? Sind im Verein nur Studenten oder ist es ein Arbeiterverein von Studenten geleitet wie es ja jetzt so ähnliche giebt. Nicht? ...". - Else Lasker-Schülers Dresdener Vortrag war ein Mißerfolg. An Richard Dehmel schrieb sie: "Ich les nie mehr nach Dresden. Von 500 Jungfrauen und Jungens, 10 Literaten, 3 Larven habe ich mich auslachen lassen, seitdem bin ich Aujust". - "Meinen Jungen": ihr Sohn Paul (1899-1927). - Ihr Peter-Hille-Buch war 1906 im Verlag Axel Juncker erschienen. - So früh selten.
Mann, Thomas
Brief an den Schriftsteller Hans Hermann Wilhelm
Los 2627
Schätzung
1.800€ (US$ 2,069)
Mann, Thomas, Schriftsteller, Nobelpreisträger (1875-1955). Eigh. Brief m. U. "Thomas Mann". 21/2 S. Doppelblatt mit gedrucktem Briefkopf. 4to. München 27.IX.1919.
An den Schriftsteller Hans Hermann Wilhelm (1892-1975), der ihm sein Erstlingswerk, den Roman "Freiheit", zur Begutachtung übersandt hatte. "... Mit vollem Recht erwarteten Sie, dass ich das reine und große Wollen, das daraus spricht, zu ehren wissen würde. Ich darf aber mehr thun, nämlich Sie mit kollegialem Respekt zu manchem glänzenden Gelingen beglückwünschen. Der Roman nimmt Anläufe zur Zeit- und Kulturkritik großen Stils, und wenn es Anläufe geblieben sind, so weiß ich natürlich nicht zu sagen, wie weit es der Blaustift des Verlags-Redakteurs war, der sie abschnitt. Dabei kann man nicht einmal behaupten, daß dieser, wenn es denn schon aufs Kürzen ankam, seines Amtes mit Ungeschick gewaltet hat. Das Wesentliche des Buches ist offenbar erhalten, und es ist stark genug, um zu wirken, - in seiner fruchtbaren Mischung aus Entwicklungsroman und anklagender Zeitschilderei. Ein Erstlingswerk also? Dann ist es sehr vielversprechend, nicht nur in dem Ehrgeiz seines Wollens, und viele werden ... Ihren weiteren Gaben erwartungsvoll entgegensehen ...". - Etwas geknittert; geringfügige Faltenrisse.
Mann, Thomas
Signiertes Billet an Ernst Ludwig Schellenberg
Los 2628
Schätzung
120€ (US$ 138)
Mann, Thomas, Schriftsteller, Nobelpreisträger (1875-1955). Eigh. Billet m. U. "Thomas Mann". Auf einem eng beschnittenen Papierstreifen. 18 x 9,8 cm. O. O. (vor 1933).
"Herrn Ernst Ludwig Schellenberg mit verbindlichstem Gruß Thomas Mann". - In welchem Zusammenhang der Weimarer Lyriker und Erzähler Ernst Ludwig Schellenberg (1883-1964) mit Thomas Mann in Verbindung stand, ist unklar.
Meckel, Christoph, Schriftsteller und Graphiker, bedeutender Lyriker und Träger zahlreicher Literaturpreise (1935-2020). Sammlung von 4 eigh. Briefen und 1 eigh. Postkarte m. U. "Christoph Meckel". Zus. ca. 41/2 S. Verschied. Formate. Mit den Briefumschlägen. 1960-1965. - Dazu 3 aquarellierte Orig.-Federzeichnungen (16 x 22 bzw. 16 x 25,8 cm).
Meist aus dem "lauten, nassen, grauen Berlin" an eine befreundete Familie in Baden, der er Grüße, kurze Mitteilungen und Aufträge sendet. Ein Brief vom 29.VII.1964 stammt von einer Afrika-Reise: "... ob der Brief je ankommt, weiß ich nicht, denn Post ist hier eine Glückssache und kann so schnell verschwinden wie eine Maus in ihrem Loch. Die Hitze ist groß, es ist stickig, feucht und niemals frisch. Man trinkt Dünnbier und Palmwein und isst irrsinnig gepfefferte Reisgerichte. Wenn es regnet, dann prasselt es ganz enorm. Hier sind Märkte, so groß wie ganz Lörrach, die Urwälder wimmeln von Moskitos. Die Schnecken sind so groß wie kleine Katzen, die Schmetterlinge wie Bücher ...". - Ein Weihnachtsbrief enthält eine Selbst-Karikatur in Federzeichnung. - Die nicht signierten aquarellierten Federzeichnungen zeigen süddeutsche Ortschaften: ein Dorf bei Freiburg, die Kapelle in Bötzingen (datiert 1948) und Oberschaffhausen aus der Vogelschau. Die ganz konventionell gestalteten hübschen Veduten dürften, falls sie Meckel zuzuschreiben sind, aus der Frühzeit des Künstlers stammen.
Miller, Henry
Brief an die Verlegerin Madame Voilier. 1947
Los 2630
Schätzung
600€ (US$ 690)
Miller, Henry, amerikan. Schriftsteller und Maler (1891-1980). Eigh. Brief m. U. "Henry Miller". 4 S. Gr. 4to. Big Sur (California) 24.IX.1947.
Sehr umfangreicher Brief an Madame Voilier (Jeanne Loviton) im Verlag Editions Denoël. Ausführlich über Pläne und Vermarktung seiner Werke, darunter auch der vielfach verbotene Bestseller "Tropic of Cancer". "... Also, from you, the two books - thank you. (Do not forget to think about a French translation of Hesse's 'Siddartha' [!], I beg you.) ... I have been thinking about the silk screen book and the possibilities of doing business with your private librairie in Paris ... It is my firm conviction that this book would sell in France. If you could assure us of the sale of a large enough quantity, we could then arrange ways and means for you to act as our distributor in France and at terms which would be mutually satisfactory ...". Erörtert dann Möglichkeiten und Wege der Vermarktung mit Hilfe seines Agenten Dr. Michael Hoffman und fährt fort: "... In my letter to Hoffman, I spoke of the de luxe illustrated edition of 'Tropique de Cancer' which your firm has been engineering thru les Editions des Deux Rives (?). I suggested that, if you knew a way to pay me in dollars, perhaps it could be arranged that I get my share direct ...". Diskutiert diverse Vertriebs- und Zahlungsmöglichkeiten und fragt schließlich an, ob sie nicht ein Dutzend oder mehr Exemplare seines Buches "Into the hight Life" verkaufen kann, sobald diese in Paris eingetroffen seien. Kündigt ihr einen Stapel Werbeprospekte für das Buch an sowie Fotos der Ausstellung des Museum of Art in San Francisco, wo die ersten experimentellen Seiten des Buches zu sehen sind. Auch André Breton habe in seiner Exposition Surréaliste ein Exemplar ausgestellt, was für die Werbung hilfreich sei. Im übrigen wundere er sich, dass der Schriftsteller Blaise Cendrars so wenig verbreitet ist. Er, Miller, mache weltweit Werbung für Cendrars und fragt, ob sich nicht ein amerikanischer Verleger finden ließe, der für die Übersetzungen sorgt. - Ausgiebige Informationen über die Aktivitäten, mit denen der stets in finanziellen Nöten steckende Henry Miller seine Veröffentlichungen in der wirtschaftlich schwierigen Nachkriegszeit an den Mann bzw. die Frau zu bringen versucht. - Beide Blätter gelocht.
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