Ge'ez Gebetbuch
Amharische bzw. Tigrinya Handschriften im Ge'ez Duktus auf Pergament
Los 1056
Schätzung
400€ (US$ 455)
ORIENTALIA
Ge’ez Gebet- und Liederbuch. Amharische bzw. Tigrinya Handschriften im Ge'ez Duktus auf Pergament. 180 nn. Bl. Schrift in Schwarz und Rot, hin und wieder mit Buchschmuckornamentik in Rot und Schwarz. 11,8 x 10 cm. Lagenbindung über drei Knüpfbünde und 2 kantigen Holzdeckeln mit Ritzornamentik, in intaktem Lederetui mit Laschenklappe (minimal eingerissen) und Trageband (übliche Abreibungen und Gebrauchsspuren). Äthiopien zwischen 1840-1880.
Sehr suggestives, hübsches Gebetbuch in altäthiopischer Ge'ez-Schrift mit zahlreichen Gebeten, Liedtexten, aber auch Beschwörungsformeln für alle möglichen Lebenslagen und zur Abhilfe von Krankheiten, Bösem Blick und anderen Gefahren.
Wie üblich wurden die Zeilen durch kleine Nadelstiche vorgegeben und die Linien dann mit dem Griffel regliert. Die wenigen hübschen Flecht-, Schlingwerk- und Knollenbänder und floralen Friese sind in Schwarz und Rot eingemalt.
Geschrieben in schwarzbrauner Tinte mit roten Überschrift- und Verszeilen wurde hier eine Auswahl von Gebeten und Lobgesängen versammelt. Das Amharische bzw. Tiginya wurde in der Abugida-Schrift Ge'ez geschrieben, die sich aus der dem altsüdarabischen Duktus entwickelt hatte und im Gegensatz zum Arabischen selbst und im Gegensatz zu zahlreichen weiteren semitischen Schriften von links nach rechts geschrieben wird. Zum Gebrauche der äthiopischen Wüsten- oder Steppennomaden waren oftmals Gebets- und Andachtsbücher in kleinen Formaten hergestellt worden, die in entsprechenden Futteralen mit Bändern am Sattelknopf des Kamels oder am Gürtel des Beduinen befestigt werden konnten.
Die Ritzornamente auf den Deckeln zeigen das abstrahierte Symbol des Engels der vier Himmels- bzw. Windrichtungen. – Gebrauchsspuren, nur vereinzelte Fleckchen, wie üblich mit einigen späteren Zusätzen und Erweiterungen, wohl vollständige, sehr pittoresk in dem orginalen Etui.
Ge'ez Erbauungs- und Andachtsbuch. Amharische bzw. Tigrinya Handschriften im Ge'ez Duktus auf Pergament. 142 nn. Bl. Schrift in Schwarz und Rot. Mit 3 (1 kolorierten in Rot und Schwarz) Federwerk-Teilbordüren als Kopfstücke, ganzseitiger Bleistift-Skizze des Heiligen Georg und halbseitige Federzeichnung der Muttergottes zwischen Seraphimen. 20,2 x 13,2 cm. Rotbraunes geglättetes Kalbsleder über kantigen Holzdeckeln mit reicher ornamentalen Blindgeprägung (nur minimal berieben, kaum abgegriffen). Äthiopien um 1820.
Bemerkenswert sauber und ordentlich geschriebenes, umfangreiches Andachts-, Gebets- und Erbauungsbuch eines äthiopischen Christen, dessen Kirche sich mit der von Armenien und Georgien auf eine der ältesten Formen des Christentums überhaupt gründet. Schon im 4. Jahrhundert wurde das Königreich von Aksum christianisiert, der Sage nach von der Königin von Saba und David bzw. Salomon. So spielt hier auch in den Texten das Judentum, dessen Riten, Bräuche wie Fastenregeln oder die Verehrung der Bundeslade eine zentrale Rolle.
Oft wurden die Bücher mit Miniaturen geschmückt: Hier findet sich nur eine hübsche Vorzeichnung des den meisten Büchern vorangestellten Heiligen Georgs mit Lanze zun Pferde. Georg gilt im äthiopischen Christentum als Nationalheiliger, der göttlichen Schutz sowie nationale Identität symbolisiert. Seine Verehrung ist tief in der Geschichte und Kultur verwurzelt, was sich etwa in der berühmten Felsenkirche in Lalibela und der St.-Georgs-Kathedrale in Addis Abeba widerspiegelt. Ein historisches Ereignis, das die Bedeutung des Heiligen unterstreicht, ist der Sieg der äthiopischen Streitkräfte in der Schlacht von Adwa, bei dem Kaiser Menelik II. angeblich den Heiligen Georg um Hilfe gebeten hatte, die ihm gewährt wurde. – Erste und letzte Seiten mit Farbabklatsch des Einbandleders, sonst nur vereinzelte Gebrauchsspuren, nur wenige Fleckchen, wohl vollständige, sehr schöne Handschrift.
Indopersische Miniaturen
4 Blätter Miniaturen in Gold und Farben vom Hof der Mogulkaiser. Indopersischer Raum 19. Jahrhundert
Los 1058
Schätzung
200€ (US$ 227)
Indopersische Miniaturen . 4 Einzelblätter aus verschiedenen indopersischen Handschriften mit 4 Miniaturen in Gold und Farben vom Hof der Mogulkaiser. Verschiedene Formate. Ca. 20,5 x 14 cm bis 24,5 x 17 cm. Wohl indopersischer Raum 19. Jahrhundert.
Fein ausgearbeitete Miniaturen, die ein kleines Panorama des höfischen Lebens der persischen Fürsten bieten. Eine Darstellung zeigt eine Jagdszene, in der ein Reiter mit einem Säbel zum finalen Schlag gegen einen Tiger ansetzt, während weitere Miniaturen die aristokratischen Zusammenkünfte von Fürsten in Gartenhäusern oder prächtigen Gemächern abbilden. Die Gruppierungen der Figuren sind dabei meist in ein hierarchisches Gefüge arrangiert: Im Zentrum stehen hochrangige Personen, umgeben von ihren Untergebenen. – Teils etwas wasserfleckig. Verso jeweils handschriftlicher Text. Im weißen Rand meist mit Randläsuren und kleinen Löchlein (Spuren einer früheren Bindung).
Firdousi, Abu l-Qasim
Mogul-Miniaturmalerei. 16 Blätter in farbiger Deckfarbenmalerei
Los 1059
Schätzung
400€ (US$ 455)
Firdousi, Abu l-Qasim. Mogul-Miniaturmalerei. 16 Blätter in farbiger Deckfarbenmalerei auf Papier. Verschiedene Formate. Spätes 19. bis frühes 20. Jahrhundert.
Fein gearbeitete und dekorative Miniaturen in der Tradition des späten Mogul-Stils. Dargestellt sind Szenen des höfischen Lebens, Reiter- und Jagdszenen, darunter eine Wildschweinjagd, ein Porträt eines Gelehrten sowie. Mehrere Blätter thematisieren Liebesszenen und Darstellungen von Tempeltänzerinnen.
Eine geschlossene Folge von sechs Miniaturen zeigt wohl mythologische Szenen aus der Krishna-Verehrung: Krishna und Radha erscheinen hier in verschiedenen Momenten des Zusammenseins in einem Palastgarten mit Lotusblütenteich.
– Ein Blatt mit (Reiter bei der Jagd) mit großem Einriss.
Firdousi, Abu l-Qasim
Schahname. Indo-Persische Miniatur. Indopersischer Raum wohl Mitte 19. Jahrhundert
Los 1060
Schätzung
200€ (US$ 227)
Firdousi, Abu l-Qasim. Schah-Name. Der Prinz hält Hof unter dem Baumdach. Indopersische Miniatur. Größe 31,5 x 18 cm. Mit Rahmen 35 x 21 cm. Mit Goldblumenbordüre auf Karton montiert 40,8 x 27 cm. Indopersischer Raum wohl Mitte 19. Jahrhundert.
Hübsche Szenen wohl aus dem Firdousi oder anderen indo-persischen Erzählungen. Dargestellt ist der Prinz unter einem großen Dach, in dessen Mitte ein mächtiger Baum wächst. Höflinge huldigen ihm, während eine Kapelle mit sechs Musikern eine Tänzerin begleiten, die um einen kleinen Springbrunnen tanzt. – Kleine Knickspuren. Nur wenige Gebrauchsspuren, kaum Farbabrieb. Sehr dekorativ.
Parabaik
3 birmanische (burmesische) Leporellos mit Illustrationen in Federzeichnung und Text
Los 1061
Schätzung
800€ (US$ 909)
Parabaik. 3 birmanische (burmesische) Leporellos mit Illustrationen in Federzeichnung und Text auf Khoi Papier. Zwischen 12 x 37 und 17,5 x 40,5 cm. Birma (auch Burma, heute Myanmar) Ende 19. bis Anfang 20. Jahrhundert.
Parabaik-Leporellos auf Khoi Papier, einer Art Rinde, die dem Maulbeerbaum-Papier vergleichbar ist. . Vorhanden sind zwei schwarze und ein weißes Parabaik. Die beiden schwarzen, kleineren enthalten meist naturwissenschafrtlich-technische oder lexikalische Texte, die weißen hingegen zeigen die Welt der Götter oder das Leben am Hofe.
1) Schwarzes Parabaik, wohl ein astronomisches Parabaik. 20 Kompartimente 12 x 37 cm. Ausgefaltet 240 x 37 cm. Birmanische Abugida in Schwarz, Rot und Violett. Mit figurativen und geometrischen Tabellen, Zeichnungen in Feder, mit Rot und grauem Bleistift gehöht, Kämpfer und Tierkreiszeichen darstellend. Schwarz-dunkelbraune Khoi-Deckel.
2) Schwarzes Parabaik, wohl mit enigmatischen Weissagungen und religiösen Prophezeihungen. 12 Kompartimente. 17 x 39 cm. Ausgefaltet 204 x 39 cm. Birmanische Abugida in Schwarz, Rot und Bleistift. Mit zentralem Schlangegeflecht-Symbol und 10 figürlichen Darstellungen sowie Tabellen und kalligraphisch umschriebenen Symbolfiguren. Teils in Feder, Bleistift mit Rot gehöht. Schwarz-dunkelbraune Khoi-Deckel.
3) Großes weißes Parabaik, mit Darstellungen der göttlichen Sphären, Schöpfungsgeschichte nach dem Theravada-Buddhismus. 18 Kompartimente. 17,5 x 40,5 cm. Ausgefaltet 315 x 40,5 cm. Birmanische Abugida in schwarzer Feder und ca. 40 Federzeichnungen in schwarzer Tinte: Menschen im Paradies und der Hölle (mit drastischen Darstellungen der Folter im Naraka und der Wiederausferstehung im Nat-pyi), alles in bemerkenswert feinen, überaus phantasievollen Zeichnungen. Besonders reizvoll sind hier sicherlich die verschiedenen Nga-ye-Sphären der 16 Höllenbereichen, die sich in acht kalte Orte (ein Teufel stürzt eine Frau den Berg hinunter oder ersäuft sie im kalten Wasser, ein Jüngling wird gekreuzigt, oder ihm kopfüber die Glieder gebrochen) und acht heiße Orte teilt (Teufel kochen die Seelen in den Kesseln und verbrennen die Menschen im Höllenfeuer). Weiße gestrichene Khoi-Deckel mit schwarzer Lackverzierung in Rahmenform.
Indische Berufe. 7 farbige Originalzeichnungen. Aquarelle und Gouache über Federzeichnung auf Bütten, unten teils betitelt. Je 38,5 x 24 cm. Indopersischer Raum 19. Jahrhundert.
Dargestellt sind Männer und Frauen in traditionellen Gewändern, jeweils als Vertreter verschiedener Berufe. – Leicht stockfleckig. Ecken bestoßen.
Ibn al-Dschazari
Persisches Gebetbuch mit Texten aus Ibn-al-Gazans
Los 1063
Schätzung
2.500€ (US$ 2,841)
Ibn al-Dschazari (auch: Ibn al-Jazari bzw. Ibn-al-Gazari, Muhammad Ibn-Muhammad). Kitab al-hisn al-hasin min kalam saiyid al-mursalin (arabice: Abhandlung über Zeiten und Gelegenheiten zum Gebet für den Propheten Muhammad, zusammengestellt nach Traditionswerken). Persische Handschrift mit prachtvoller Illumination auf gelatiniertem Büttenpapier. 298 nn. Bl. 9 Zeilen mit den Versen in schwarzer Naskhi-Schrift und interlinearer Farsi-Übersetzung in Nastaliq-Duktus. Jede Seite mit breitem Goldrahmen in vielfachem schwarzen und blauem Lineament, Zeilentrennern in goldgefülltem Doppellineament, Auszeichnungen in roter Tinte und 7 besonders reich vergoldeten Doppelzierseiten Sar-lauh im Stil der typischen Carpet Pages in Lapislazuli-Blau mit breiter Rahmenornamentik in Blattgold, Lapisblau und teils mit Goldblumen und floralen Elementen in Hellblau, Rot, Orange und Grün. Schriftraum: 13,2 x 6,5 cm. Format: 19 x 12,5 cm. Schlichter schwarzbrauner Lederband des 19. Jahrhunderts (stärker berieben und beschabt, teils überarbeitet bzw. alt restauriert) mit goldgeprägten Deckelfileten (diese ebenfalls berieben). Persien (Shiraz, Isfahan?) 18. Jahrhundert.
Besonders schöne, kostbar illuminierte Handschrift mit sieben doppelblattgroßen Zierseiten "Sar-lauh", sogenannten "Carpet Pages", die den Text mit besonders üppigen, breiten Bordüren einfassen. Es handelt sich um das Hauptwerk des Korangelehrten Ibn al-Dschazari (1350-1429), eine Zusammenstellung aus den bedeutendsten Koranrezitatoren bis zum 15. Jahrhundert mit mystischen Gebeten und Erbauungstexten. Ibn al-Dschazari schrieb über die Auslegung von Hadithen und Fiqh, islamische Rechtswissenschaft, Geschichte und die arabische Sprache, aber eben auch über die Deutungsmöglichkeiten des Koran.
Während der mystisch-heiligen Urtexte in hoher aufrecht gezogener, minimal nach links kippender schwarzen Kalligraphie im Naskhi-Duktus und mit Auszeichnungen in Rot, etwa für den Gottesnamen "Allah", "Der Mächtigste", "Der Allerbarmer" etc., geschrieben wurde, sind in den schmaleren Zeilen dazwischen - jeweils unter dem arabischen Urtext - Übersetzungen in Farsi im Nastaliq-Duktus. Die Textanlage mit den interlinearen Übersetzungen ist typisch für die Koranschulen und Schreiberwerkstätten in Isfahan oder Shiraz, teils auch in Teheran, in der Übergangszeit vom späten Safawiden- zum Qajar-Reich (18. und 19. Jahrhundert). Die Künstler der Kitabkhana (Werkstätten bzw. Schreiberateliers) zeichneten sich nicht nur durch eine Rückbesinnung auf klassische Stile, sondern auch durch neue, phantasievolle Ornamente aus, die ganz besonders minutiös und nuanciert ausgearbeitet waren, so daß Koran- und Gebetshandschriften entstanden, die für die reiche Mittel- und Oberschicht, den Hof und wohlhabende Händler gedacht waren. – Nur leichte Handhabungsspuren, der erste Ziertitel mit kleinen Knitterspuren und sauberer Randansetzung, sonst kaum Randläsuren, gelegentlich etwas stock- und braunfleckig. Vorsätze mit arabischen Annotationen von alter Hand. Vereinzelt auch im Textblock Randkommentare in Rot. Mit wenigen hinterlegten Randläsuren und kleinen Randausbrüchen. Insgesamt altersgemäß in herausragend gutem Zustand.
Kani, Mustafa
Talhis rasa’il ar-rumat (arabice: Über das Bogenschießen).
Los 1064
Schätzung
500€ (US$ 568)
Kani, Mustafa. Talhis rasa’il ar-rumat (arabice: Über das Bogenschießen). 2 Bl., 272 S. 5 (1 mehrfach gefaltete) Tafeln mit 7 Holzschnitt-Darstellungen. 21,6 x 14,6 cm. Pappband d. Z. mit glänzendem Lackpapierbezug (kleine Abplatzungen an Gelenken und Kanten, winzige Fehlstelle) mit reich Reliefprägung und Barockvergoldung mit floralen Bordüren, Eckfleuronstempeln und zentraler Losange. (Istanbul, Amira, higra 1263; d. i. 1847).
Erste Ausgabe des mit Holzstichtafeln herausgegebenen vollständigen Texts des "Talhis rasa’il ar-rumat" des berühmten Traktats über das Bogenhandwerk und den Bogensport bei den Osmanen. Der Autor, Mustafa Kani, diente am Hofe des osmanischen Sultans Mahmud II. (1785-1839), der ihn bat, die seit den goldenen Zeiten des Reiches im 16. Jahrhundert in Vergessenheit geratene hohe Kunst des Bogenschießens aufzuzeichnen und als Buch zu veröffentlichen. So beschreibt Kani in seinem, englisch als "Sacred Archery: the Forty Prophetic Traditions" bekannten Buche die Terminologie, Anwendung, Konstruktion, Meisterschaften und einzelnen ausgefeilten Techniken, die schon in der berühmten Schlacht von Lepanto im Jahre 1571 zur Anwendung gekommen waren. Die Tafeln zeigen zahlreiche Illustrationen zu Bogenbau, Bogenformen und sonstigen Techniken. Am Anfang ein ausführliches Register. – Geringe Gebrauchsspuren wie kleine Fleckchen, Tafeln teils etwas stärker betroffen, die Falttafel mit Einriss, wenige blasse Feuchtränder, sonst kaum gebräunt und sehr sauber, odor fumi frigidi tabaci. Selten.
Qur’an Mushaf al-Dhahab
Reich vergoldeter osmanischer Taschenkoran
Los 1065
Schätzung
5.000€ (US$ 5,682)
Qur’an Mushaf al-Dhahab. Reich vergoldeter osmanischer Taschenkoran 3 Doppelzierseiten. Arabische Handschrift auf gelatiniertem Walzpapier. 310 nn. Bl. 15 Zeilen. Schriftraum 8 x 4,5 cm. Format 14,4 x 9,6 cm. Schrift im Naskhi-Duktus in schwarzer Tinte und Auszeichnungen in Rot. Mit weißen Surenüberschriften Goldrahmenkästen, bunten, abwechslungsreichen Aya-Markern (Rosettenweisern), Tausenden von Goldpunkten zur Verstrennung, 22 florale Buchschmuckbordüren für 12 Überschriften in Gold und Farben für die 12 der letzten, kürzeren Suren (dschuz’amma), Doppelzierseite am Anfang und Schluss in flächigem Gold und Farben sowie Doppelzierseite wohl zum Beginn der An-Naba Sure 78. Klappenband d. Z. aus weinrotem geglätteten Kalbsleder mit reichen goldgeprägten und intarsiert aufgebrachten Ornamenten auf Vorder- und Rückdeckel sowie der Klappe, Schnittdeckel teils mit (schwarz oxidierter) Silberprägung sowie dreiseitiger Schnittmalerei in Gold und Farben. Osmanisches Reich (wohl Istanbul a.h. "1284", d.i.) 1867.
Überaus reich geschmückter Goldkoran in seinem originalen, ebenfalls reich verzierten Klappenband mit drei goldüberzogenen, Doppelzierseiten mit Ornamenten in teils punziertem Gold und Farben, in Indigoblau, in Karmesinrot, in Grün, in Orange und Violett, teils mit Weißhöhungen und -verläufen, datiert auf das Jahr "1284" Anno Hegirae, nach der Hidschra. Die Handschrift beginn mit einer besonders feinen, auf flächigem Goldgrund mit reicher Farbigkeit und Ornamentik geschmückten Doppelzierseite (Serlevha), auf der in feinster schwarzer Miniaturschrift im Nastaliq-Duktus die erste Sure (al-Fatiha) und der Anfang der zweiten Sure (al-Baqara) in je einer Kartusche stehen, die mit zahlreichen bunten Blumen umgeben sind. Um den mit viel blau und roten Palmetten verzierten Kasten ist eine breite Bordüre mit zehn Schildern gelegt, die wiederum mit entzückenden bunten Blumen bemalt sind. Blaue und rote Zinnen strahlen radial von der Bordüre aus.
Unverkennbar erscheinen hier Stilelemente, die seit dem frühen 19. Jahrhundert aus der westlichen Ornamentik in die orientalische Buchillumination (Tezhip) übernommen wurden: Barockkartuschen, Schildformen, Ovalformen, Blumenspiegel, aber auch Tabulae oder auf der Schlusszierseite ein veritables Blumenbouquet in einem Bastkorb. Einen ganz besonderen Effekt erzeugen die zahlreichen Punktpunzierungen in den Palmetten oder den Rahmen der Losange- oder Ovalkartuschen. Auch diese wurden aus dem barocken Formenvokabular Westeuropas übernommen, sie geben der Flächenvergoldung eine gewisse dreidimensionale Tiefe und glitzern im Licht.
Die aufwendige Goldprägung des Einbandes folgt dem traditionellen Muster mit zwei Riefelbordüren (Zencirek) in Goldfiletenrahmen, zentraler, leicht mandelförmiger "Sonne" (Shemse), den Sonnenanhängern (Salbek) und den vier geschwungenen, reich mit floralen Binnenmustern gefüllten Eckstücken (Köshebent). Die Klappe (Mikleb) schützt die mit bunten und goldenen Blumen geschmückte Schnittkante, sie ist mit einer weiteren Shemse geschmückt. Die Innenklappe und Deckel sind mit buntem Marmorpapier ausgestattet, die Schnittschutzklappe mit bunten Blumen bemalt.
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