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Lot 1001, Auction  127, Rhetorica, De retorica eiusdemque nomen". Incipit-Fragment einer lateinischen Handschrift auf Pergament.

Rhetorica
De retorica eiusdemque nomen". Incipit-Fragment einer lateinischen Handschrift auf Pergament.
Los 1001

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70.000€ (US$ 79,545)

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HANDSCHRIFTEN


Bis dato unbekanntes Schriftzeugnis aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts: Fragment einer Unzial-Handschrift der frühen Karolingerzeit

Rhetorica. "De rethorica eiusdemque nomen". Incipit-Fragment einer lateinischen Handschrift auf Pergament. 1 Blatt, 1 Seite. 13 Zeilen. Schriftraum ca. 10,2 x 11 cm. Blattgröße 10,6 x 13,6 cm. Unziale in braunschwarzer Tinte. Mit 15-zeiligen Feder- und Flechtwerkinitiale "R" in braunschwarzer Tinte. Wohl Norditalien erste Hälfte des 8. Jahrhunderts.
Außergewöhnlich prachtvolles Handschriftenfragment einer frühkarolingischen Unzial-Handschrift, die aller Wahrscheinlichkeit nach noch in die erste Hälfte des 8. Jahrhunderts nach Norditalien zu datieren ist, mit einer besonders großen, prächtigen Flechtwerk-Initiale "R" (9 x 5,3 cm) und 13 Zeilen Schrift. Vergleiche mit wenigen, in öffentlichen Bibliotheken bewahrten Fragmenten, unterstützen die Datierung.

Das bislang unbekannte Fragment gehört zu den ältesten Textzeugnissen der weitverbreiteten Etymologiae (Etymologiae, II, I, 1) des Isidorus von Sevilla (gest. 4. April 636), Buch II "De artibus liberalibus", Kapitel !De rhetorica eiusque nomine!.

Die Schrift ist also eine gelungene, sehr regelmäßige Unziale, die alle Merkmale dieses Schrifttyps aufweist (vgl. etwa die Buchstaben "E", "M" oder "U"). Die Schrift, aber auch die große Initiale lassen vermuten, dass die Handschrift in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts in Norditalien entstanden ist (Vgl. Codices latini antiquiores Nr. 24a, 55, 91, 127, 317, 333, 430 und 546).
Auch die R-Initiale könnte auf einer Entstehung der Handschrift in Norditalien verweisen. Die Abkürzung für 'autem' in der vorletzten Zeile ist ursprünglich irisch oder angelsächsisch, wurde jedoch im Frühmittelalter auch in insular beeinflussten Scriptorien auf dem europäischen Festland verwendet. Die Transliteration der griechischen Wörter ist nahezu perfekt; die Verwendung von Versalien in der 1. Zeile ist enigmatisch. Unleserliche Spuren und Reste einer Beschriftung auf der Rückseite.

"De rethorica eiusdemque nomine. RETHORICA est benedicendi scientia in civilibus questionibus ad persuadendum justa et bona. Dicta autem rethorica greca appellatione ‘a potu rethoresin’ [besser: ‘rethorisin’] id est a copia loquutionis. ‘Resis’ enim apud grecos locutio dicitur,’rethor’ orator." Der Text enthält somit einen der berühmtesten Definitionssätze Isidors: "Die Rhetorik ist die Wissenschaft des guten Redens in öffentlichen Angelegenheiten, um zu gerechten und guten Dingen zu überzeugen." Dieser Schlüsselsatz bildet einen zentralen Ausgangspunkt mittelalterlicher Gelehrsamkeit im Bereich des Triviums (Grammatik - Rhetorik - Dialektik).
Isidor transformiert die antike Rhetorik in ein christlich-ethisches Bildungsmodell; genau diese Definition prägt über Jahrhunderte Kloster- und Kathedralschulen und wirkt bis in den Kontext der karolingischen Reformbewegung hinein. In Alkuins "Disputatio de rhetorica et de virtutibus" erscheint sie nahezu unverändert wieder - als Verbindung von Redekunst, Herrscherethos und Tugendlehre. Der erhaltene Abschnitt deckt den Beginn der klassischen Rhetorik-Definition ab. Die Lesung entspricht der Vulgata-Fassung nach Lindsay (Oxford 1911) mit nur geringfügigen orthographischen Varianten frühmittelalterlicher Schreibpraxis. – Die Rückseite ist weitgehend weiß, da das Blatt als Einbandmakulatur verwendet wurde. Sie weist Leim- und Montagespuren auf und zeigt deutliche Dünnungen im Pergament sowie auch Wurmspuren, die nur in seltenen Fällen auch die Oberfläche recto betreffen (auf der ca. 20 kleine und kleinste Wurmlöchlein durchschlagen, die kaum zu Buchstabenverlust führten). Durch das Loslösen ging nahezu der gesamte Text verso verloren, allerdings sieht man noch Reste einer kleineren Flechtmotiv-Initiale "R" oder "P" und unten den oberen Hals eines "S", rechts in winziger Schrift ein Kommentarrest. Auch recto befindet sich links neben der Prachtinitiale ein kleiner 3-zeiliger Kommentar. Die Versoseite in bemerkenswert gutem Erhaltungszustand.

Nach Befundlage wurde das Blatt in der Frühen Neuzeit als Makulatur in einem Bucheinband (wohl 15.-16. Jh.) wiederverwendet und später - aufgrund der qualitätvollen Initiale und des bedeutenden Textes - gezielt herausgeschnitten. Die gut erhaltene Vorderseite und die auf der Rückseite sichtbaren Abschab- und Extraktionsspuren stützen diese Annahme.

Ein außergewöhnlich frühes, nahezu 1300 Jahre altes Schriftdenkmal und ein herausragendes Zeugnis frühmittelalterlicher Buchkultur. Handschriftenfragmente aus dem 8. Jahrhundert sind im Handel nahezu unbekannt und finden sich fast ausschließlich in Bibliotheks- und Museumsbeständen; ein Exemplar dieser Qualität, mit erhaltener Zierinitiale und prägnantem Text, darf als sensationell selten bezeichnet werden.

Lot 1002, Auction  127, Jesus Sirach, Fragment einer frühmittelalterlichen Bibelhandschrift mit Passagen aus dem Buch Ecclesiasticus. Lateinische Handschrift auf Pergament.

Jesus Sirach
Fragment einer frühmittelalterlichen Bibelhandschrift mit Passagen aus dem Buch Ecclesiasticus. Lateinische Handschrift auf Pergament.
Los 1002

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8.000€ (US$ 9,091)

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Fragment einer karolingischen Bibelhandschrift mit Passagen aus Jesus Sirach
Jesus Sirach. Fragment einer karolingischen Bibelhandschrift mit vier Textstellen aus dem Buch Jesus Sirach (Sir 35,23-26, 36,4-9, 36,14-17 und 36,21-24). Lateinische Handschrift auf Pergament. Qualitätvolle, regelmäßige und ausgewogene Karolingische Minuskel. Vier obere Kolumnenreste auf 1 Bl. (recto und verso) mit viermal 11 Zeilen. Schriftraum ursprünglich ca. 24-25 x 20-21 cm mit ca. 25-26 Zeilen. Blattgröße ursprünglich ca. 33-35 x 23-25 cm. Vermutlich Nordfrankreich, 1. Hälfte 9. Jahrhundert.
Sehr schönes Fragment einer frühmittelalterlichen Bibelhandschrift mit Textstellen aus dem Buch Jesus Sirach, dem kanonischen Buch Ecclesiasticus der Vulgata: "[Miserere plebi tuæ, super quam invocatum est nomen tuum: et Is]rahel quem coæqua[sti p]rimogenito tuo. [Misere]re civitati sanctificatiónis tuæ, Hierusalem, civitáti requiei tuæ. Reple Sion inenarrabilibus verbis tuis, et gloria tua populum tuum. Da testimónium quia ab initio creaturæ tuæ sunt, et suscita prædica[tiones quas locuti sunt in nomine tuo prophetæ priores]“ (Sir 35,23-26), also etwa: "Erbarme dich deines Volkes, über dem dein Name genannt ist, und Israels, das du zu deinem Erstgeborenen gemacht hast. Erbarme dich Jerusalems, der Stadt deines Heiligtums, der Stadt deiner Ruhe. Erfülle Zion mit deinen unaussprechlichen Worten und dein Volk mit deiner Herrlichkeit. Gib Zeugnis für deine Geschöpfe von Anbeginn an und verkünde die Botschaften, die die früheren Propheten in deinem Namen verkündet haben" (Sir 36:14-19). Das Buch Jesus Sirach fehlt in der Lutherbibel, für die es zu den apokryphen Texten gehört und nicht in den Kanon aufgenommen wurde.

Hervorzuheben ist die Größe der Schrift und die damit einhergehende kleine Zahl der Zeilen pro Spalte. Das Fragment stammt somit nicht aus einer Vollbibel, sondern vielmehr aus einer Teilbibel, die entweder nur das Buch Jesus Sirach oder zusätzlich einige der König Salomon zugeschriebenen Bücher der Bibel (Sprüche, Prediger, Hohelied und Weisheit) enthielt.
– Abgelöste Einbandmakulatur der oberen Hälfte eines Blattes einer Handschrift mit entsprechenden Gebrauchsspuren: oben links größerer Ausbruch, sonst beide Kolumnen wohlerhalten mit je 11 Zeilen, verso stärker verblasst und abgerieben, überwiegend aber gut lesbar. - Von größter Seltenheit. Bibelfragmente des frühen 9. Jahrhunderts sind kaum mehr auf dem Antiquariatsmarkt zu finden.

Lot 1003, Auction  127, Eis, Gehard, Album mit 29 Fragmenten von meist deutschen und lateinischen Handschriften des 13., 14. und 15. Jahrhunderts

Eis, Gehard
Album mit 29 Fragmenten von meist deutschen und lateinischen Handschriften des 13., 14. und 15. Jahrhunderts
Los 1003

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6.000€ (US$ 6,818)

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Eis, Gehard. Album mit 29 Fragmenten von meist deutschen und lateinischen Handschriften des 13., 14. und 15. Jahrhunderts. Pergament und Papier, in unterschiedlichen Formaten, Miniatur- bis Quartformat. Überwiegend aus deutschen Provenienzen. Eingelegt in Halbleinen-Mappe mit 2 Hanf-Schließbändern. Meist Deutschland 13.-15. Jahrhundert.
Einmalige Sammlung von kleinen Bruchstücken sehr unterschiedlicher, meist deutschen Handschriften, darunter Fragmente von einem Gebetbuch (Stundenbuch mit Goldinitiale), von Predigten, Rezepten, Heiligenleben, astronomischen und alchemistischen Notizen, Sprüchen, Dichtungen, theologischen Traktaten, Priameln und anderen Texten, einige beschädigt, in ihrer Größe variierend von sehr klein bis zum Quartformat. Einige Fragmente wurden von Gerhard Eis erschlossen oder veröffentlicht. Einige wenige Fragmente sind ins 16.-19. Jahrhundert zu datieren, einige weitere stammen aus den Niederlanden oder aus Frankreich.
Die Fragmente werden in von Eis beschrifteten Umschlägen in Quartformat aufbewahrt. Beiliegend: Notizzettel, Transkriptionen, Korrespondenz, Verweise auf Literatur, Hinweise auf Erwerbung und Vorbesitzer sowie weitere Belege zu den Fragmenten von der Hand des Gerhard Eis und seiner Korrespondenten.
Aus der Sammlung des Heidelberger Mediävisten und Germanisten Gerhard Eis (1908-1984), mit den Signaturen Nummern 7, 9, 10, 15, 16, 34, 53, 55, 57, 65, 67, 69, 70, 85, 90, 91, 93, 95, 96, 97, 98, 119, 120, 121, 122, 123, 133, 137 und 163. – Teils mit stärkeren Gebrauchsspuren, Fehlstellen, Läsuren, Flecken und Leimresten bei ausgelösten Makulaturstücken. Beiliegen einige weitere Stücke und Dokumente.

Lot 1004, Auction  127, Rennewart-Fragment, Fragment einer deutschen Handschrift auf Pergament.

Rennewart-Fragment
Fragment einer deutschen Handschrift auf Pergament.
Los 1004

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1.200€ (US$ 1,364)

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Rennewart-Fragment. Fragment einer deutschen Handschrift auf Pergament. Schriftraum hier ca. 24 x 3,6 cm. Format 27,8 x 4,3 x 4,6 cm. Mit roter Kapitalstrichelung und einer 2-zeiligen Initiale "S" als rote Versalie mit blauem Federwerk. Nürnberger Raum um 1345.
Bedeutendes, nicht im Handschriftencensus erfasstes Fragment einer Nürnberger Rennewart-Handschrift aus dem 15. Jahrhundert. Erhalten als Einbandmakulatur sind beiseitig 39 Zeilen wohl einer wie üblich 40-zeiligen Handschrift auf Pergament. "Fragmente mit 40 Zeilen sind nicht ganz selten", schreibt Klaus Graf (Archivalia 59205764) und zählt einige ähnliche Fragmente auf: in Berlin (Census 1780), Dillingen (23753), Graz (1781), Klosterneuburg (1130), München Cgm 5249/7k (1774) etc. Das vorliegende ist besonders interessant, da es nicht nur fast eine ganze Kolumne (es fehlt oben wohl nur eine einzige Zeile) der Zeilenanfänge mit bis zu 3-4 Wörtern und 12-16 Buchstaben umfasst, sondern auch verso die flatternden Zeilenenden enthält mit den Reimpaaren wie "missesaget - wol behaget", "nit twingen - gedingen", "gar den líp - reínez wip" etc. Vgl. hier Uolrich's von Türheim. Rennewart. Deutsches Gedicht des 13. Jahrhundertes. Hrsg. und erl. von Dr. Karl Roth. 1856. Mit der bezüglichen Textpassage "[...] wol in gant / und die enpristen stille stant / da mit wir den lip ernern / daz wir uns des ymmer gewern / swaz nu dem prise wol behaget / nit wolt des tauffes segen / so enwil iz iuch niht twingen / ein ding wil ich gedingen [...]". (Deutsche Texte des Mittelalters XXXVIII, S. 171).

Der Dichter Ulrich von Türheim (um 1195-1250) war als Fortsetzer des Tristan-Epos’ des Gottfried von Straßburg in die hochmittelalterliche Literaturgeschichte eingegangen. Mit seiner zweiten großen Versdichtung, der dem "Rennewart" knüpfte er an den Willehalm Wolframs von Eschenbach an. Paläographisch ist das Fragment wohl in die erste Hälfte des 14. Jahhunderts zu verorten, was allerdings die Forschung erst noch bestätigen muss.

Lot 1005, Auction  127, Ludwig von Brandenburg, Urkunde des Markgraphen. Deutsche Handschrift auf Pergament

Ludwig von Brandenburg
Urkunde des Markgraphen. Deutsche Handschrift auf Pergament
Los 1005

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500€ (US$ 568)

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Pergamenturkunde des Markgrafen Ludwig von Brandenburg und Herzogs von Bayern und Grafen von Tirol
Ludwig Markgraf von Brandenburg. Lehensverleihung. Urkunde in deutscher Handschrift auf Pergament. 1 Bl. 1 S. 17 Zeilen. Kanzleitextura in Schwarzbraun. Schriftraum 9 x 22 cm. Blattgröße 23,5 x 30,5 cm. Tirol 1353.
Zeitgenössische Abschrift einer Lehensurkunde, die verliehen wurde von Ludwig der Brandenburger (1323-1361), der seit 1323 als Kurfürst von Brandenburg und seit 1342 als Herzog von Bayern und Graf von Tirol regierte, in Zorneding starb und ein Fürstengrab in der Münchner Frauenkirche bekam. "Wir ludwig von gotz gnadn margraff von brandenburg und zu lusytz dez heiligen Römischen reich oberster chammer pfaltzgraff pei dem rein hyrtzog zu payrn und zu charendn Graff zu Tyrol [...] bechennen offenlych mytt dem bryeff das für uns cham unßer truyer merln der mareyder [?] als ain procurator myt volm gewalt anstat ulrychs und ramprechts peyd prüder von wyrwerg daz wir solen ulrichen und rampirchen Lehenn verleyhenn [...] dytz bryeffs der geben yst auf Tyrol nach xpws [Christus] gepurt drewtzehem hondt jar dar nach Im dem drew und L jar am sand Erhartz Tag etc. etc. etc." – Kleiner Randausriss links und zwei etwas größere rautenförmige Ausrisse im Schriftspiegel mit einigem Textverlust, etwas angestaubt, mit Plica und Pergamentlitz (ohne Siegel). Aus dem Besitz des Germanisten und Mediaevisten Gerhard Eis (1908-1982). Siehe Gerhard Eis, Eine unbekannte Urkunde Herzog Ludwigs des Älteren vom Jahre 1353, in: Ostbairische Grenzmarken vol. 14 (1972) S. 304. – Beigegeben eine weitere Urkunde: Peter von Lemis (?). Zoll-Erbschaftsurkunde in deutscher Handschrift auf Pergament. 1 Bl. 1 S. 28 Zeilen. Süddeutsche Kanzleitextura in Schwarzbraun. Schriftraum 14,5 x 22,5 cm. Blattgröße 18,8 x 25,8 cm. Rothenburg ob der Tauber (?) 1385. - Anerkennende Beurkundung einer Vererbung des Zollrechts von Lemis (?), wohl bei Rothenburg ob der Tauber an den Kürschner Peter: "Ich Peter der Kürsn[er] von Lemis und ich Margret sein Hausfraw [...] mit dem offen prieff für uns und für all unser erben, daz der Erber Edelherre her chumrat von Rotenburg ... uns glazzen hat sein tail des zolls zu Lemis [...]". - Mit stärkeren Braunflecken, kleinen Ausbrüchen in der Plica, Text vollständig. Dabei ein Blatt mit einer vollständigen (wenn auch vielfach irrigen) Transkription von Gerhard Eis in blauer Tinte.

Lot 1006, Auction  127, Chapelle de Chambon, 2 mittelalterliche Urkunden. Französische Handschrift auf Pergament

Chapelle de Chambon
2 mittelalterliche Urkunden. Französische Handschrift auf Pergament
Los 1006

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300€ (US$ 341)

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Blois. - Chapelle de Chambon. 2 mittelalterliche Urkunden. Französische Handschrift auf Pergament. Ca. 11 x 27 bzw. 6 x 26,5 cm. Mit Resten von Wachssiegeln am Plica-Streifen. Unter Glas in einfacher Holzrahmenleiste 20 x 30 cm. Blois 11. Februar 1359 und 17. Januar 1360.
Datiert am 11. Februar 1359 "Etienne Gobillon Conseiller de Comte de Blois reçoit de Gillet Boivin Garde de la récolte de Blois pour Perrault Lergaut à cause de sa Chapelle der Notre Dame de l'Hôtel à Chambon appartenant de Mr. de Blois ce qué lui est donné à cause de sa chapelle" (Text einer späteren Regeste, verso). Und die zweite Urkunde vom 17. Januar 1360: "Frère Etienne de Vauconcourt à reçu du Pierre de Boulogne de Blois 40 annés de Bureau 20 Royaux d'or en rabat de Compte de plus grande somme d'années de burea à lui donnés par le Comte pour cause de Vente à Noel [...]" (etwa: "Bruder Etienne de Vauconcourt erhielt von Pierre de Boulogne de Blois 40 Jahre Amtszeit 20 königliche Goldmünzen als Ausgleich für die größere Summe der Jahre, die ihm der Graf aufgrund des Verkaufs zu Weihnachten gewährt hatte [...]").
Womöglich handelt es sich um eine heute nicht mehr existente Kapelle "Chapelle der Notre Dame de l'Hôstel à Chambon", wohl in der Nähe von Blois. Nachweisen konnten wir einzig die bedeutende romanische "Chapelle funéraire de Chambon-sur-Lac" am Puy-de-Dôme in der Auvergne. – Kleine Montagespuren und Löchlein, gering fleckig. – Beiliegt: Ein weiteres Schriftstück. Französische Handschrift auf Papier. Unter Glas in einfacher Holzrahmenleiste 29,5 x 22,5 cm. Frankreich 15. Jahrhundert.

Lot 1007, Auction  127, Iunianus Iustinus, Marcus, Fragment aus den Historiarum Philippicarum libri XLIV des Pompeius Trogus. Lateinische Handschrift auf Pergament

Iunianus Iustinus, Marcus
Fragment aus den Historiarum Philippicarum libri XLIV des Pompeius Trogus. Lateinische Handschrift auf Pergament
Los 1007

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500€ (US$ 568)

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Sie warfen Gold und Silber in den See zur Buße
Iunianus Iustinus, Marcus. Fragment aus den Historiarum Philippicarum libri XLIV des Pompeius Trogus. Lateinische Handschrift auf Pergament. Gotica textualis. 1 Bl. Mit 29 (von 32?) Zeilen und 3 kleineren Fragmentteilen, teils mit Schrift. Schriftraum verbleibend 18,2 x 11,6 cm. Format 19,3 x 13,6 cm bzw. ca. 1 x 3 oder 1,5 x 14 cm (Schnipsel). Norditalien (?) um 1360.
Großes, textreiches Fragmentblatt aus einer der wenigen erhaltenen Handschriften des 14. Jahrhunderts, die Teile der "Epitoma historiarum Philippicarum" des Marcus Junianus Iustinus, eines römischen Historikers des 2.-3. Jahrhunderts überliefern. In seinen Texten bezieht sich Iunianus auf die "Historiae Philippicae" des Pompeius Trogus, die dieser zu Zeiten des Augustus verfasste, die er aber zu einem eigenen Œuvre komplilierte. Das vorliegende Fragment enthält eine bedeutende Passage, die vor dem Hintergrund des Verfalls des Römischen Weltreichs den Untergang verschiedener italienischer Stämme durch die Pest als Prophezeiung skizziert: "Testosagi autem cum in antiquam patriam tolosanam venissent, comprehentique pestifera lue effent, non priùs sanitatem recuperavere, quàm aruspicum responsis moniti , aurum argentumque bellis sacrilegiisque quæsitum in Tolosensem lacum mergerent, quod omne magno post tempore Caepio, Romanus consul, abstulit [...]" - übersetzt etwa: "Als die Testosagi jedoch in ihre alte Heimat Toulouse zurückkehrten und von einer verheerenden Seuche befallen wurden, hatten sie sich noch nicht von ihrer [vorigen] Krankheit erholt. Da warfen sie, gewarnt durch die Prophezeiungen der Wahrsager, das Gold und Silber, das sie durch Kriege und Sakrilege erworben hatten, in den See von Toulouse. Alles wurde nach langer Zeit von Caepio, dem römischen Konsul, wieder eingesammelt [...]".
Die Überlieferung und Lesarten des Fragments müssten wissenschaftlich überprüft werden, sie geben sicherlich interessantes Material zu neuen Erkenntnissen. – Einbandmakulatur mit entsprechenden Gebrauchsspuren, etwas gebräunt, fleckig, der Spiegel der Kolumne oben und rechts abgeschnitten, der Hauptkorpus des Textes jedoch ohne wesentliche Fehlstellen. Knickspuren, leichter Abrieb, aber insgesamt gut lesbar, mit einigen Marginal- und Interlinearglossen.

Lot 1008, Auction  127, Graduale-Fragment, Französische Handschrift auf Pergament. 13 nn. Bl. mit 26 S. 23 Zeilen.

Graduale-Fragment
Französische Handschrift auf Pergament. 13 nn. Bl. mit 26 S. 23 Zeilen.
Los 1008

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500€ (US$ 568)

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Graduale-Fragment. Französische Handschrift auf Pergament. 13 nn. Bl. mit 26 S. 23 Zeilen. Gotische textura in Schwarzbraun mit Auszeichnungen in Rot und 7 großen 4-zeiligen Schmuckinitialen in Rot und Blau, zahlreichen 2-zeiligen Initialen im Wechsel rot und blau sowie romanische Quadratnotation. Schriftraum 21 x 13 cm. Format 29 x 18,5 cm. Lagen mit Fadenheftung aus einistigem Einband gelöst. Frankreich Ende des 14. Jahrhunderts.
Ein recht umfangreiches Fragment mit 26 Seiten aus einem handlichen Graduale mit hübscher Rubrizierung und romanischer Quadratnotation auf vierlinigem System. Das Graduale Romanum diente im Spätmittelalter als Chorbuch, das die Gesänge mit Texten und Noten für die für die Heilige Messe enthält. Der Text gliedert sich dabei in "Introitus", der Gesang zum Einzug der Priester zum Altar, der "Oratio", bei der die Scola, die Sängergemeinde nach den Noten intoniert und das "Responsorium", der liturgische Wechselgesang. Während das Antiphonale oder Messbuch in Händen der den Gottesdienst leitenden Priester lag, war das Graduale den Chorsingern vorbehalten.

Die angerufenen und verehrten Heiligen des Kalendariums im Kirchenjahr deuten auf eine Entstehung wohl im Norden Frankreichs hin: "Ludovici regis francorum introitus" (Ludwig der Heilige, Schutzpatron Frankreichs), "In festo visitationis beatae mariae introitus", "Anne matris marie introitus", "In conceptione beatae mare totum sicut in nativitate", "De sancto domnolo oratio" (Heiliger Domnolus von Le Mans, gallischer Bischof und Abt des 6. Jahrhunderts) etc. Der Text endet mit "Frater franciscus de mazeres feat me anima eius requiescat in pace". – Wenige blaue Initialen leicht ausgewaschen, sonst kaum fleckig, gut erhaltene Pergamenthandschrift in interessantem Groß-Oktav-Format.

Lot 1009, Auction  127, Canticum canticorum, 2 Fragmente aus einem Kommentar zum Hohenlied Salomonis. Mittelniederländische Handschrift auf Pergamen

Canticum canticorum
2 Fragmente aus einem Kommentar zum Hohenlied Salomonis. Mittelniederländische Handschrift auf Pergamen
Los 1009

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600€ (US$ 682)

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Canticum canticorum. 2 Fragmente aus einem Kommentar zum Hohelied Salomons. Mittelniederländische Handschrift auf Pergament. 4 S. auf 2 Bl. 2 Spalten. 2 Kolumnen mit Resten von jeweils 5-6 Zeilen der oberen Blatthälfte. Schriftraum ca. 2,5 x 10,2 cm. Fragmentgrößen ca. 3,2 x 16,6 cm. Bastarda in schwarzer Tinte mit wenigen roten Auszeichnungen. Westliche Niederlande (Holland oder Utrecht), um 1400.
Fragmente aus einem Kommentar zum Hohelied der Bibel in seltenem mittelniederländischen Idiom. Der Germanist und Mediävist Gerhard Eis identifizierte den Text in einem Aufsatz: "Wiewohl nur sehr wenig Text erhalten ist, konnte der Inhalt genau bestimmt werden. Allein schon eine Stelle wie Dijn borsten sijn beter dan wijn (BI. 2ra) ist eindeutig als Zitat aus dem Hohenlied zu erkennen (Cant. I,1 quia meliora sunt ubera tua vino). Es handelt sich aber nicht um eine reine Übersetzung, sondern um eine Erklärung des Hoheliedes". So Gerhard Eis, Fragment einer mittelniederländischen Erklärung des Hohenliedes, in: Studia neophilologica 34 (1951-1952), S. 59-62 (mit einer Edition der Fragmente).
Der in diesen Fragmenten überlieferte Text ist die mittelniederländische Bearbeitung einer anonymen Erläuterung des Hohelieds mit dem Titel Glossa tripartita super Cantica (13. Jh.). Diese Bearbeitung ist als Bedudinghe op Cantica canticorum in 43 mittelniederländischen Handschriften überliefert. Unsere Fragmente stammen aus dem Anfang von Buch 4, Kap. 10. S. Kees Schepers, Bedudinghe op Cantica canticorum. Vertaling en bewerking van ‘Glossa Tripartita super Cantica’, Leuven 2006, Bd. 1, S. 365-366, Bd. II, S. 228-230 (Edition, in der Hs. mit erheblichen Varianten). – Text teils etwas berieben, kaum fleckig, gut leserlich. Gerhard Eis erhielt diese Fragmente 1951 als Geschenk des Münchener Antiquars Adalbert Lauter. In seiner Sammlung erhielten sie die Signatur Hs. 49. Ein Brief von Lauter an Eis liegt dem Fragment bei.

Lot 1010, Auction  127, Spätmittelhochdeutsche Pergamenthandschrift, einer spätmittelhochdeutschen Pergamenthandschrift mit Auszeichnungen in Rot und Blau,

Spätmittelhochdeutsche Pergamenthandschrift
einer spätmittelhochdeutschen Pergamenthandschrift mit Auszeichnungen in Rot und Blau,
Los 1010

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400€ (US$ 455)

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Da tat sich die Erde auf "da rect sich dz ertrich uff"
Spätmittelhochdeutsche Pergamenthandschrift. 2 Fragmente aus Einbandmakulatur mit Teilen von 4 Kolumnen. Gotica textura. Jeweils ca. 13,2 x 15,6 cm. Mit Auszeichnungen, Kapitalstrichelung und großen Absatzmarken in Rot und Blau. Süddeutschland Ende 14. Jahrhundert.
Zwei Fragmente einer spätmittelhochdeutschen Pergamenthandschrift mit Auszeichnungen in Rot und Blau, einst verwendet als Einbandmakulatur mit entsprechenden Fehlstellen und Überklebungen, die restauratorisch gelöst werden sollten, um den Text zuzuordnen. Möglicherweise handelt es sich um ein Erbauungsbuch mit verschiedenen Texten aus der Vita Christi, der Bibel o.ä., man liest u. a.: "[...] spricht sant jeronimus dz den psalmen chore sün einer hab gemaht der und den anderen brüdern der turst [Durst?] sig gewesen der chore wz ungereht und wolt sinem sun nit volgen. da rect sich dz ertrich uff und chore fiel zu tal mit allen den die ym geulud da bekerten [...] ding hin zu [...] und wissagte [...]". – Einstige Umschläge zweier Kopertbände mit aufmontierten alten Bibliotheksschildern (textverdeckend), einem hs. Rückentitel des 15. Jahrhunderts "Speculum morale de Sacramentis", Bereibungen, Flecken, Anschmutzungen und kleinen Löchlein, Leim- und Montagespuren. – Beiliegt: 1 weiteres Fragment einer mittelalterlichen Handschrift. Lateinische Handschrift auf Pergament. Minuskelschrift auf regliertem System. Als Umschlagmakulatur gefaltet, ca. 19 x 14 cm (ohne die Falzränder gemessen). Anfang des 14. Jahrhunderts. - Teils stärker gebräunt, mit Löchern, Rissen, Flecken und Gebrauchsspuren.

Katechetische Sammelhandschrift
Deutsche Handschrift auf Papier. Südwestdeutschland um 1400
Los 1011

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30.000€ (US$ 34,091)

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Sammelhandschrift der deutschen Mystik:
Mit zwei Traktaten von Heinrich Seuse

Theologische Sammelhandschrift mit 12 mystischen und asketischen Traktaten, darunter 2 Schriften von Heinrich Seuse. Deutsche Handschrift auf Papier, gut erhalten. Die erste Lage fehlt, einige weitere Blattverluste ohne Textverluste. 86 von einer gleichzeitigen Hand foliierten Bl. (XIIII-CXI, lückenhaft). 21-23 Zeilen. Schrift: regelmäßige Bastarda und Cursiva (Bl. 35r-72v) von einer Hand, spätere Nachträge in Cursiva (Bl. 83r-84v). Schriftraum 13,3 x 8 cm. Format 21,6 x 14,5 cm. Rubriziert. Wenig späteres flexibles weinrotgefärbtes Leder mit Kettenstichen im verstärkten Buchrücken (Kopert). Buchblock und Einband an den äußeren Ecken oben und unten gerundet. Südwestdeutschland (alemannischer Raum, vermutlich Konstanz) um 1400.
Geistlich-mystische Sammelhandschrift in alemannischer Schriftsprache Alemannisch mit schwäbischen Anklängen (Vermeer (s. u.) S. 88), darin:

Heinrich Seuse: 'Büchlein der ewigen Weisheit' [Auszüge, überwiegend aus Buch XIII] (Bl. 2r-27r), nach dieser Hs. teilweise ediert von H. J. Vermeer in Germanisch-romanische Monatsschrift 41 (1960), S. 86-93.
Heinrich Seuse: 'Horologium Sapientiae', lat. [Auszug] (Bl. 28r-32v).
Betrachtung über die wichtigsten Gebete und Tugenden (Bl. 35r-42r).
'Zehn Gebote'-Erklärung (Bl. 42r-49v), nach dieser Hs. ediert von J. Werlin in Zs. für die Geschichte des Oberrheins 110 (1962), S. 132-140, Ergänzungen in 2VL 10, Sp. 1490-91.
'Von den acht Seligkeiten' (Bl. 49v-52r).
'Die zwölf Räte Jesu Christi' und weitere Betrachtungen (Bl. 52r-53r), nach dieser Hs. von J. Werlin ediert in Leuvense bijdragen 52 (1963), S. 156-168; s. auch 2VL 10, Sp. 1643-46.
'Die Goldwaage der Stadt Jerusalem' (Bl. 59-60), ediert in W. Stammler, Spätlese des MAs, S. 57-60 u. 157-160; vgl. 2VL 3, Sp. 93-94.
Traktat über die Kunst zu Leben und zu Sterben (Bl. 61v-63v), nach dieser Hs. ediert von J. Werlin (s. oben), S. 147-149.
Betrachtungen über das Paternoster und die Siebenzahl (Bl. 65v-70v), nach dieser Hs. ediert von J. Werlin (s. oben), S. 140-146.
Betrachtung über das Leiden Christi (Bl. 70v-74r)
'Zehn Staffeln der Demut' (Bl. 74v-76v), nach dieser Hs. ediert v. G. Eis in Neophilologus 52 (1968), S. 286-291; s. auch 2VL 10, Sp. 1512-14.
'Seelenkloster' (Bl. 77rv), nach dieser Hs. ediert in G. Eis, Altgermanistische Beiträge z. geistl. Gebrauchsliteratur, S. 145-150.
Geistliche Betrachtung (Bl. 77v-79r)
'Die Bruderschaft von der ewigen Weisheit' (Bl. 79v-83r)
[Nachtrag des 16. Jh.s: Andachtsübung (Bl. 83v-84v)].

Es handelt sich um eine inhaltlich kohärente, gut erhaltene Sammlung von meist selten überlieferten Texten zur Meditation, vermutlich in und für ein Franziskaner- oder Franziskanerinnenkloster geschrieben. Inhaltich teilweise mit der jüngeren Handschrift Einsiedeln, Stiftsbibl. 710 (aus Konstanz) übereinstimmend. Beschreibung der Hs. in Leuvense Bijdragen 52 (1963), S. 156-163. Verzeichnet im Handschriftencensus Nr. 2639 (https://handschriftencensus.de/2639). – Innendeckel mit dem blassen Stempelabdruck "Prof. Dr. Gerhard Eis", die alte Foliierung hebt mit "XIIII" an, davor Blatt XIII ohne Nummer, möglicherweise fehlt wie oben genannt erste 12 Blätter, wiewohl Seite XIIIIr mit rotem Initialtext anfängt "Wel[ch]er Oren hab zu Hoerent" (nach dem antiken "Qui habet aures audiendi, audiat"). Blatt "XV" dann mit älter hinterlegtem größeren Ausschnitt (2/3 Textverlust), sonst nur hinterlegte Randverluste. Wenige Fingerfleckchen, Tintenwischer und Flecken, insgesamt bemerkenswert wohlerhaltene umfangreiche Sammelhandschrift mit Texten der mittelalterlichen Mystik in Deutschland.
Provenienz: Aus der Bibliothek des Franziskanerklosters in Konstanz, Bl. 2v mit hsl. Besitzvermerk Bibliothecae F. F. Min: Conv: Constantiae (18. Jh.). Aus der Sammlung des Germanisten und Mediaevisten Gerhard Eis (1908-1982), hier mit der Signatur Hs. 112. Zwei Zettel mit bibliographischen Angaben von Eis‘ Hand hinten eingeklebt.

Lot 1012, Auction  127, Passionalsbrevier, Umfangreiches Fragment aus einer spätmittelalterlichen Gebetshandschrift

Passionalsbrevier
Umfangreiches Fragment aus einer spätmittelalterlichen Gebetshandschrift
Los 1012

Schätzung
1.200€ (US$ 1,364)

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"Erleuchte meine Augen,
dass ich nicht im Tode entschlafe"

Passionalsbrevier. Umfangreiches Fragment aus einer spätmittelalterlichen Gebetshandschrift. Deutsche Handschrift auf Papier. 18-19 Zeilen Unterschiedliche Fragmentformate bis 15 x 10,5 cm. Breites Halbkaliko des 19. Jahrhunderts mit breiten Leinenecken, goldgeprägtem Rückentitel "Schles. Gebetsbetrachtungen, Handschr. XV. Jahrh." und wurzelmarmorierten Deckelbezügen. Schlesien (Glogau?) um 1420.
Unterschiedlich große Fragmente aus einer spätmittelalterlichen Gebetshandschrift, die möglicherweise aus dem schlesischen Glogau stammt (oder vermutlich aus der Langer'schen Bibliothek in Braunau, wie der Forscher Gerhard Eis vermutete), der auf einem beigebundenen masch. Zettel vermerkt: "Gebetsbetrachtungen über die Passion in schlesischer Mundart. Bruchstücke. Ausgelöst im August 1911 aus einem Einband von Christ. Schwytzer in Breslau, datiert 1532 (M. Fabian Francke, Ein Canczley- vnd Titelbuchlin, Wittenberg, Nickel Schirlentz MDXXXI)".

Umfangreiche Textfragmente sind erhalten mit den roten Überschriften "Antiphona", "Dy Erste Lectio", "Dy andere Lectio", "Anti[phona]", "Capitel uff dy laudes", "Dy dritte lectio", "Laudes", "Irleuchte dy awgen meyn das sy nymmer geslossen yn dem tode ..." nach dem Psalm 13, 6. Bis dato unveröffentlicht. – Provenienz: Heinrich Hinterberger, Wien 10/1957, dann Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 102. Mit Stempel und hs. Signatur der Sammlung Eis.

Lot 1013, Auction  127, Stundenbuchminiaturen, Horae BMV. 2 Einzelblätter aus einem niederländischen Stundenbuch mit 2 Miniaturen

Stundenbuchminiaturen
Horae BMV. 2 Einzelblätter aus einem niederländischen Stundenbuch mit 2 Miniaturen
Los 1013

Schätzung
400€ (US$ 455)

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Stundenbuchminiaturen. - Horae BMV. 2 Einzelblätter aus einem niederländischen Stundenbuch mit 2 Miniaturen. Lateinische Handschrift auf Pergament. Miniaturgröße ca. 8,3 x 5,7 cm Blattgröße 14,4 x 9 cm bzw. 14,6 x 9,8 cm. Mit 2 3-zeiligen Initialen in Pinselgold und Farben sowie 2 kleinen Initialen in Blattgold und jeweils einer breiten, dreiteiligen belebten Bordüre. Mit Passepartout unter Glas in vielfach profilierter, üppig vergoldeter Holzleiste gerahmt 31,5 x 36 cm. Wohl westliche Niederlande um 1440.
Zwei christologisch bedeutende Szenen aus dem Leben des Heilands Jesus Christus. Verkündigung an die Hirten: Drei Hirten in blauen und grünen Wämsern lagern anbetend auf einem grünen Hügel, als ihnen der Engel über der Stadtsilhouette von Bethlehem erscheint. In der breiten Bordüre sind zwei braune Fantasietiere mit lustigem Schopf bzw. Hut, umgeben von rotem und blauen Akanthus auf Pinselgold dargestellt. Die zweite Miniatur zeigt die Kreuzigung Christi, zur Rechten des Heilands Marie mit Johannes, rechts der Hauptmann Longinus mit dem Speer, begleitet von Soldaten. – Teilweise etwas knapp über die Rahmenlinie beschnitten (kaum Bordüreverlust), nur unwesentlicher Oberflächenabrieb, insgesamt sehr dekorativ und hübsch gerahmt.

Johannes von Neumarkt
Mystische Sammelhandschrift. Deutsche Handschrift auf Papier. Nürnberg, St. Katharina, 2. Drittel des 15. Jahrhunderts. - Umfangreiche spätmittelalterliche Sammelhandschrift
Los 1014

Schätzung
20.000€ (US$ 22,727)

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Spätmitelalterliche Sammlung mystischer deutscher und lateinischer Gebete an Maria,
die Trinität und die Heiligen

Johannes von Neumarkt et al. Mystische Sammelhandschrift. Reichhaltige deutsche Sammelhandschrift auf Papier mit wenigen lateinischen Texten, aus mindestens drei gleichzeitigen Faszikeln zusammengesetzt. 150 nn. Bl. 18-22 Zeilen. Schrift: Bastarda und Cursiva von verschiedenen Händen. Schriftraum: ca. 8-9 x 6 cm. Format: 11,2 x 7,2 cm. Mit durchgehender Rubrizierung, Initialen, Überschriften, Hervorhebungen, Unterstreichungen in Rot. Alte Lagensignatur VIII (Bl. 14r) bis XX (Bl. 145r). Moderner schlichter Leinenband um 1950 (etwas streng gebunden). Wohl Nürnberg, St. Katharina, 2. Drittel des 15. Jahrhunderts.
Besonders umfangreiche, reichhaltige spätmittelalterliche deutsche Sammelhandschrift mit Texten der deutschen Mystik, die wohl aus dem Nürnberger St. Katharinenkloster stammt. Enthalten sind u.a.:

1)
Lateinische Weihnachtsgebete und -gesänge mit deutschen Einsprengseln (Bl. 1r-9r), darunter ein Lied zur Krippe Jesu (Bl. 6r-7r), nach dieser Hs. von G. Eis ediert in Altgermanistische Beiträge zur geistl. Gebrauchslit. (1974), S. 162-164.

2) Sieben Freuden von Maria
(Bl. 9r-13v).

3)
Dt. und lat. Gebete und Gesänge zu Palmsonntag (Bl. 13v- 16v), Karfreitag (Bl. 16v-20v), Ostersamstag (Bl. 20v-21v) und Ostern (Bl. 21v-26v).

4)
Dt. Betrachtung (Gebet) über sieben biblische Wörter (Rufe) Jesu (Bl. 26v-28r).

5)
Dt. Lieder und Reimgebete an Maria (Bl. 28r-30v).

6)
Lat. Officium für das Osterfest (Bl. 30v-34r).

7)
Dt. Gebet an Maria (Bl. 34rv), lat. Gebete und Gesänge an Maria (Bl. 35r-39r), weitere lat. liturgische Gebete (Bl. 39r-44r), lat. Gebete und Gesänge an Maria (Bl. 44v-48v), weitere dt. Gebete und Betrachtungen (Bl. 48v-53v), darunter Spruch der Engel (Bl. 52v), vgl. 2VL 9, Sp. 184.

8)
Lat. liturgische Gebete und Gesänge (Bl. 54v-59r), darunter lat. Chunradus zugeschriebene Reimsprüche, vgl. 2VL 5, Sp. 110.

9)
Dt. Betrachtungen (Bl. 60r-81v), darunter 'Marien Rosenbaum' (Bl. 79r-80v), nach dieser Hs. von Eis ediert in Germanisch-romanische Monatsschrift n. F. 17 (1967), S. 98-100.

10) 'Kunigundengürtel'
(Bl. 82r-85r), nach dieser Hs. v. Eis ediert in Zs. f. Religions- und Geistesgeschichte 12 (1960), S. 263-265.

11)
Dt. Leidensbetrachtung (Bl. 85r-87r).

12)
Dt. Gebet von dem Heiligen Wilhelmus (Bl. 88r-91v), an die Heilige Katharina (Bl. 91v-94r), nach dieser Hs. von G. Eis ediert in Altgermanistische Beitr. z. geistlichen Gebrauchslit., S. 160-162.

13)
Gebet an den Heiligen Geist (Bl. 95r-98r).

14) Johannes von Neumarkt
: ‚Summe sacerdos‘ (dt.) (Bl. 98v-108r), nach dieser Hs. v. Eis ediert in Ders., Altgermanistische Beitr. zur geistlichen Gebrauchslit., S. 184-189.

15)
Dt. Gebet an Maria (Bl. 109r-116r), weitere dt. Gebete (Bl. 116v-120v), dt. Betrachtung der fünf Wunden Christi und der fünf Ausflüsse Christi (Bl. 121r-129r).

16) Dt. Gebete an die Trinität (Bl. 129r-133v), an das süße Herz Christi (Bl. 133v-136v), weitere, meist kurze dt. Gebete (Bl. 136v-150v), darunter ein dt. Gebet, das an Maria zugeschrieben wird, nach dieser Hs. von G. Eis ediert in Euphorion 53 (1959), S. 441-442.

Unter den zahlreichen Aufsätzen und Artikeln, die über diese bedeutsame Sammelhandschrift und ihre einzelnen Partitionen erschienen, nennen wir hier u. a. Gerhard Eis, Geistliche Lyrik des späten Mittelalters aus unbekannten Handschriften, in: Euphorion 53 (1959), S. 441-455, hier S. 441f. - Gerhard Eis, Zur Überlieferung von 'Unser vrouwen klage', in: Germanisch-Romanische Monatsschrift N.F. 17 [48] (1967), S. 98-100. - Rainer Rudolf, Konrad, in: 2VL 5 (1985), Sp. 110. - Rolf Bergmann, Katalog der deutschsprachigen geistlichen Spiele und Marienklagen des Mittelalters (Veröffentlichungen der Kommission für Deutsche Literatur des Mittelalters der Bayerischen Akademie der Wissenschaften), München 1986, S. 489. - Edgar Büttner, Die Überlieferung von "Unser vrouwen klage" und des "Spiegel" (Erlanger Studien 74), Erlangen 1987, S. 18. – Teils etwas gebräunt, kaum fleckig, erste und letzte Blätter mit kleinen Randläsuren, jedoch keinerlei wesentlicher Textverlust, insgesamt sehr gut erhalten und klar lesbar.

Provenienz
: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 136, der die Sammelhandschrift in dieser Form 1958 im Wiener Antiquariat Heinrich Hinterberger erwarb (vgl. Eis in Euphorion 53 (1959), S. 441 Anm. 6). Möglicherweise enthielt sie vor seinem Erwerb noch weitere Teile. Vorsatz mit hs. Eintrag "Cod. 136" und mit blauem Stempel des "Univ.-Prof. Dr. Gerhard Eis. Neckargemünd bei Heidelberg Saarstraße 3". Fliegender Nachsatz mit zahlreichen eigenhändigen Literaturangaben des Herrn Gerhard Eis (1908-1982).

Lot 1015, Auction  127, Horae BMV, Großes Fragment eines französischen Stundenbuchs des Spätmittelalters

Horae BMV
Großes Fragment eines französischen Stundenbuchs des Spätmittelalters
Los 1015

Schätzung
1.800€ (US$ 2,045)

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Horae BMV. Großes Fragment eines lateinischen Stundenbuchs des Spätmittelalters mit reicher Blattgold-Illumination und Ergänzungen des 16. Jahrhunderts. Lateinische Handschrift auf Pergament. Textualis von 2 oder 3 Händen. 94 S. auf 47 Bl. 18 Zeilen. Schriftraum 11,3 x 7,8 cm. Format 17 x 13 cm. Mit ca. 200 1-4-zeiligen Blattgold-Initialen auf Farbgrund mit Federwerk sowie einer Zierseite mit großer Initiale "D" in Gold und Farben (Bl. 10r), Blattgoldbordüren mit Feder- und Blattwerk sowie Goldpunkten. Hellbrauner Schweinslederband (kaum fleckig, Gelenke leicht schwach). Flandern (vermutlich Gent) um 1450.
Großes Stundenbuch-Fragment, bestehend aus den jeweils stark abgekürzten Horen des hl. Kreuzes (Bl. 1r-2v), des hl. Geistes (Bl. 3r-3v) und der Jungfrau Maria (Bl. 10r-32v). Es folgen die Bußpsalmen (Bl. 35r-40r), eine kurze Heiligenlitanei und die am Ende unvollständige Totenvigil (Bl. 44r-47v). Die Anrufung von St. Bavo in der Litanei verweist auf Gent als mutmaßlicher Herkunftsort der Handschrift. Alle Teile sind reich illuminiert mit Initialen in Rot, Blau und schimmerndem Blattgold. Hervorzuheben ist die erheblich jüngere handschriftliche Fortführung auf mehreren weißgebliebenen Pergamentstellen (unter dem Text) und auf hinzugefügten oder leer gebliebenen Blättern (Bl. 4r-9v, 33r-34v, 41r-43v). Hier finden sich Gebete (u. a. an die hl. Anna) sowie andere lateinische und französische Texte, die im späteren 16. Jh. von mindestens drei Händen hinzugefügt wurden. Die nachgetragenen Texte belegen, dass die Handschrift ca. 100 Jahre nach ihrer Entstehung noch aktiv benutzt wurde. – Teils etwas wellig und knittrig, leicht fleckig bzw. minimal fingerfleckig, insgesamt aber sehr frisch und wohlerhalten, kaum Abrieb, lediglich die Schmuckseite mit minimalen Verwischungen.

[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.

* Alle Angaben inkl. 25% Regelaufgeld ohne MwSt. und ohne Gewähr – Irrtum vorbehalten.


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