Les Amoureux au Soleil Rouge
Farblithographie auf Arches-Velin. 1960.
37,4 x 27 cm (47 x 33 cm).
Signiert "Marc Chagall". Auflage 40 num. Ex.
Mourlot 285.
Aus: Chagall Lithographe, Tome I, erschienen bei André Sauret, Paris, Druck Mourlot et Draeger, Paris 1960, in einer Auflage von 100 sowie zusätzlichen 40 Exemplaren. Das Liebespaar schwebt in einer phantasievollen Komposition mit Blumen, einer roten Sonne und der für Chagall typischen Ziege. Prachtvoller Druck mit Rand.
Bonheur
Farblithographie auf Arches-Velin. 1969.
56 x 38 cm (76 x 54 cm).
Signiert "Marc Chagall". Auflage 75 num. Ex.
Mourlot 570.
Herausgegeben von Maeght, Paris. Ganz prachtvoller Druck mit dem vollen Rand, rechts mit dem Schöpfrand.
Bildnis eines jungen Mannes
Kohle und Bleistift auf bräunlichem C.M. Fabriano-Bütten. 1957.
48 x 31 cm.
Unten rechts mit Kohle signiert "Claudio Bravo." und datiert, verso (schwer lesbar, eigenhändig?) mit Bleistift bezeichnet.
Der chilenische Maler Claudio Bravo zählt zu den Vertretern des Hyperrealismus und gestaltete seine Bilder, Zeichnungen und Graphiken mit fotorealistischer Exaktheit. Während seiner Jahre in Concepción schuf Bravo vor allem sensibel gezeichnete Portraits. In diese Werkgruppe ist auch die vorliegende Zeichnung zu rechnen.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Torso
Weißer Marmor. 1952.
26,5 x 13 x 8,8 cm.
Seitlich rechts unten mit dem Künstlersignet "MV", an der Unterseite auf Klebeetiketten (eigenhändig?) bezeichnet "VÁRÓ MÁRTON, TORZÓ, carrara márvány, 26 cm (...)" sowie mit ungarischem Ausfuhrstempel, verso Fragment eines Klebeetiketts "R.M.A.K.".
Radikal widmet sich Váró dem Fragmentarischen, so dass Körperkontur und Draperie eine abstrakte, auf mysteriöse Weise ausschnitthafte Wirkung erhalten. Seine Skulpturen, meist aus seinem bevorzugten Material, dem Carrara-Marmor gehauen, zeigen bevorzugt Draperien und weibliche Figuren, deren Formen sich aus der Grundform des jeweils zugrundeliegenden Steinblocks ergeben. In ganz klassischer Manier haut und schneidet der Künstler direkt in den Marmor oder Stein, beeinflusst ebenso von der Skulptur der Antike wie von Constantin Brancusi, Henry Moore, Louise Nevelson und Isamu Noguchi.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Esse (Aus: Holzschnitte)
Holzschnitt auf BFK Rives-Velin. Lose in Orig.-Halbleinenmappe. 1951/1973-74.
27 x 25,5 cm (50,3 x 65,5 cm).
Signiert "Joseph Beuys" und datiert. Auflage 50 num. Ex.
Schellmann 94.
Die Folge "Holzschnitte", allesamt frühe Motive entstanden zwischen 1948 und 1961, wurde herausgegeben vom Propyläen Verlag, Berlin 1973/74, gedruckt bei Franz Joseph van der Grinten, Gaesdonck. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand, links mit dem Schöpfrand.
Ohne Titel
Acryl und schwarze Pigmente auf Leinwand. 1961.
128 x 109 cm.
Unten rechts signiert (in die feuchte Farbe geritzt) "Zangs" und datiert.
Charakteristische Arbeit in der Technik der strukturierten Stabmalerei, aus der Serie "Schwarze Reliefgemälde", die Zangs 1958 beginnt und in den 1980er Jahren fortsetzt. „Um die pastos aufgetragene Farbmasse rasterartig zu strukturieren, benutzte er, was gerade zur Hand war: die Kanten von Spateln und Pappe, Finger und Daumen, den Pinselstiel, ein Gitter. Anschließend überzog er sie mit Schwarzpigment, das je nach Feuchtigkeit und Dicke der Farbmasse dunkler oder heller auftrocknete. Jede Art von Ordnung, die der Künstler einbrachte, respektierte nicht nur die Eigenwilligkeit und Autonomie des Materials und der ausführenden Hand, sondern feierte geradezu den Macher und sein Material.“ (Susannah Cremer-Bermbach, Parallelismus - verzangst, in: Herbert Zangs. Von Willkür und Ordnung, Ausst.-Kat. Galerie Rottloff, Karlsruhe 15.01. bis 30.02.2020, S. 60 f.). Das Werk ist Emmy de Martelaere, Paris, bekannt.
Provenienz: Ehemals Dr. Ludwig Poullain, Hannover
Privatsammlung Rheinland
Literatur: Herbert Zangs. Arbeiten 1952-1962, Ausst.-Kat. Sprengel Museum Hannover, bearb. von Dietmar Elger, Hannover 1985, Kat.-Nr. 30, Abb. S. 31
"Chevaux d'Hélios"
Öl bzw. Tempera auf Leinwand. 1960.
92 x 73 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert "Jené" und datiert, verso auf dem Spannrahmen mit Kugelschreiber in Schwarz nochmals datiert und betitelt.
In einer schimmernd-unwirklichen, phantastischen Welt bewegen sich die mächtigen Pferde des Sonnengottes. In braun-grauweißer Tonalität gehaltene Farbspuren liegen teilweise durchscheinend übereinander und erfassen die Tiere andeutungshaft. Es scheint sich bei den fragmentierten, breit gespachtelten Tiergestalten mehr um eine transzendente Vorstellung der göttlichen Helfer zu handeln als um ein Bild ihrer konkreten Erscheinung. Edgar Jené studierte an der Akademie der Bildenden Künste München (1922-24), anschließend an der École nationale des beaux-arts, der Académie Julian und der Académie de la Grande Chaumière in Paris. Hier kam er in Kontakt mit dem Surrealismus und organisierte ab 1948 die ersten Surrealisten-Ausstellungen in Wien. André Breton, Paul Celan, Max Ernst und andere Vertreter der surrealistischen Bewegung gehören zu Jenés geistigen Weggefährten in Wien und Paris.
Provenienz: Ehemals Sammlung Hans Schröder, Garmisch-Partenkirchen (mit dessen Stempel und Klebeetikett verso auf dem Spannrahmen, dort handschriftlich bezeichnet und mit der Inv.-Nr. 41)
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Ausstellung: Sammlung Schröder, Saarland-Museum, Saarbrücken 1964 (mit dessen Klebeetikett verso auf dem Spannrahmen, dort typographisch bezeichnet)
Schwingende Form
Stahl auf Holzsockel.
Ca. 61,5 x 54 x 44 cm.
Nach dem Studium bei Hans Uhlmann und Max Kaus war Volkmar Haase seit 1958 freischaffend als Maler, Graphiker und Bildhauer tätig. Seine abstrakten Skulpturen sind deutschlandweit, besonders in Berlin, auf vielen öffentlichen Plätzen zu finden. Sein bildhauerisches Werk widmet sich ausschließlich der abstrakten Skulptur, die überwiegend aus Edelstahl hergestellt wird und meist von kantigen, geometrischen Formen, aber auch von geschwungenen Elementen geprägt ist. Gesamthöhe mit Sockel: 67,5 cm.
Provenienz: Privatbesitz Berlin (direkt beim Künstler erworben)
Geschwungene Form
Stahl auf Holzsockel.
Ca. 43,5 x 48 x 49 cm.
Weichere Akzente, Kurven und Schwingungen ergänzen seit den 1980er Jahren den bis dahin von geometrischen, kantigen Elementen bestimmten Formenkanon von Volkmar Haase und treten auch in dieser Skulptur prägnant hervor. Die fließenden Übergänge der Formen erzeugen eine lebendige Dynamik, die im Zusammenspiel mit der klaren Materialität des Edelstahls eine besondere Spannung entfaltet. Die vorliegende Skulptur aus Edelstahl verdeutlicht eine Weiterentwicklung seines künstlerischen Schaffens, das seit den späten 1950er Jahren den öffentlichen Raum prägt. Gesamthöhe mit Sockel: ca. 52,5 cm.
Provenienz: Privatbesitz Berlin (direkt beim Künstler erworben)
Ohne Titel
Öl und Sand auf Leinwand. 1962.
49 x 36 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert "Dahmen", verso nochmals signiert "K.F. Dahmen" und datiert sowie mit Richtungspfeil.
Weber 043.62 - B 0207i.
Charakteristische Arbeit von dreidimensionaler Gestaltung. Dahmen ist einer der frühesten und bedeutendsten Vertreter des Informel in Deutschland. "Als wäre der Künstler Archäologe, werden Schichten freigelegt und von der Materie wieder verschüttet, insulare Setzungen schaffend und die Farbe den Bildkörper als atmende Haut überziehend. Kruste und scheinbar erstarrte Farblava verweisen in den informellen Kompositionen auf ihren Anlaß zurück. Das Bild ist künstlerische und künstliche Landschaft zugleich. In tonalen oder monochromen Differenzierungen verweigert der Maler dem Bild jede Heftigkeit der Farbe, um Struktur und sie gliedernde Ordnungen als kompositorische Setzungen stärker zu betonen. (...) Bis 1964 entwickelte Dahmen diese oberflächenbetonte, strukturreiche, formassoziative Malerei, um ihr dann mehr und mehr Objektcharakter zu verleihen und das Bild schließlich ganz zu verdinglichen." (Rolf-Gunter Dienst, in: Kunst des Informel. Malerei und Skulptur nach 1952, Ausst.-Kat. Museum am Ostwall Dortmund u. a., 1997, S. 92-93.).
Provenienz: Privatsammlung Bayern
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
"El-Adem"
Öl auf Leinwand. 1962.
68 x 45 cm.
Unten rechts (in die feuchte Farbe geritzt) signiert "Schumacher" und datiert, verso auf dem Keilrahmen mit Pinsel in Blau (auf dem Kopf stehend) betitelt.
In kraftvoll-dicken Schichten bringt Schumacher die Farbe auf die Leinwand, zieht mit dem Pinselstiel in der typischen Handschrift des Informel fließende Liniengerüste wie Gräben oder Furchen hinein, die wie wilde Bäche das Bild durchströmen, die Kruste der Farboberfläche aufreißen und die eruptive Kraft der Komposition unterstreichen. Die Farbmaterie in ihrer reliefhaften Form bildet eine expressive Bildlandschaft von archaischer Wirkung. Emil Schumacher hielt sich im Jahr 1962 in Libyen auf, unter anderem auch im Ort El-Adem, der diesem Werk seinen Titel gab. Eine ganze Reihe an Bildern entstand im Zusammenhang mit dieser Reise. Das Werk ist mit der Inventarnummer 0/4.601 in dem von Dr. Ulrich Schumacher angelegten Verzeichnis der Emil Schumacher Stiftung in Hagen aufgeführt und ist Rouven Lotz, Direktor des Emil Schumacher Museums, Hagen, bekannt.
Provenienz: Galleria La Medusa, Rom
Ehemals Privatsammlung Nordrhein-Westfalen
Ohne Titel ("G-1/1981")
Gouache auf Velin. 1981.
Ca. 78 x 53/58 cm (unregelmäßig geschnitten).
Oben links mit Kreide in Blau signiert "Schumacher" und datiert.
Schumachers gestischer, dichter Farbauftrag lässt zusammen mit dem knittrigen, ungleich beschnittenen und zum Teil eingerissenen Untergrund eine haptische Materialwirkung entstehen und verdeutlicht die Dynamik des Entstehungsprozesses. Um 1980 gehörte Emil Schumacher zu den wichtigsten Vertretern der abstrakten Kunst in Deutschland. Beeinflusst vom amerikanischen Action Painting und vom französischen Tachismus, spielt er mit rhythmischen Bewegungen und der Balance zwischen Farbe, Linie und Material. Das vorliegende Werk ist ein charakteristisches Beispiel dieser Schaffenszeit, das wunderbar die Bedeutung des Bildmaterials für Schumachers Arbeit verdeutlicht.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Gelbes Zentrum in Weiß
Kugelschreiber in Schwarz, Farbstifte, Bleistift und Aquarell auf genarbtem Aquarellpapier. 1963.
29,7 x 32,3 cm.
Unten links mit Kugelschreiber in Schwarz signiert "Bohrmann" und datiert.
Frühe, abstrakte Zeichnung, wohl noch unter dem nachwirkenden Eindruck einer mehrmonatigen Griechenlandreise von 1962 entstanden. Die dortigen Lichtverhältnisse inspirierten Bohrmann zu luftig-leichten, dem Informel verhafteten Zeichnungen, sanft farbig und mit einem feinen, mitunter gestischen Liniengespinst. Als Schüler von Boris Kleint und Willi Baumeister schuf Bohrmann in den 1950er Jahren vor allem Radierungen, bevor er ab 1961 vermehrt Zeichnungen fertigte, die seinen Graphiken ebenbürtig und durch die Arbeit mit der Radiernadel maßgeblich beeinflusst waren.
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland
Informelle Komposition
Ölkreiden auf dunkelgrauem beflockten Velin. 1960.
50 x 66 cm.
Unten rechts mit Kreide in Schwarz signiert "Francis Bott" und datiert.
Intensiv leuchten die Farben auf der samtigen Papieroberfläche. Die komplexe informelle Komposition aus Botts abstrakter Periode lässt um das tiefschwarze Zentrum herum kristalline Formen sich artikulieren, deren rote, weiße und blaue Strahlen dynamisch aus dem fein differenzierten rottonigen Untergrund hervorleuchten. Ausgehend von der Neuen Sachlichkeit in den 1930er Jahren, findet Bott über Max Ernst und Salvador Dalí zum Surrealismus und schließlich ab etwa 1948 zur Abstraktion. Wesentlich für seinen künstlerischen Erfolg ist seine Begegnung mit Alix de Rothschild, die Bott 1952 kennenlernt; sie erwirbt von ihm ein erstes Bild und gewährte ihm ein Stipendium für ein Jahr.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Phantastische Landschaft
Öl auf Leinwand. Um 1965.
50 x 65 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Weiß signiert "Spiro", verso auf dem Spannrahmen (von fremder Hand) betitelt und bezeichnet "Nr. 295".
Die Natur scheint auf phantastische Weise belebt, doch aufgrund der Abwesenheit menschlicher Figuren strahlen Spiros fein und akkurat gezeichnete Werke vielfach eine tiefe Einsamkeit aus. Mit subtilen Farbabstufungen, plastischer Delikatesse und akribischer Feinheit gestaltet, entfaltet die Szenerie einen charakteristischen surrealen Reiz.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
"La ville sur l'arbre"
Öl auf Leinwand.
73 x 60 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert "Spiro", verso auf dem Keilrahmen mit Kugelschreiber in Schwarz betitelt und bezeichnet "Nr. 9" sowie (von fremder Hand?) in Rot "515".
Zentral in der menschenleeren surrealistischen Landschaft erhebt sich der mächtige Baum: Der Stamm beherbergt ein Treppenhaus, die Krone eine ganze Stadt. Der an der Wiener Kunstgewerbeschule ausgebildete Künstler war zunächst Journalist, Autor und Spielzeughersteller, widmete sich jedoch nach seiner Flucht aus dem besetzten Österreich nach Frankreich zunehmend der Malerei. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg verkaufte Spiro auf seiner ersten, äußerst erfolgreichen Ausstellung in der L’Arcade Gallery, London, fast alle Werke und lebte nun ausschließlich von seiner Malerei. Georges Spiro verband eine langjährige Freundschaft mit Jean Cocteau.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
I Nobili ed I Borghesi
Lithographie auf weichem Velin. 1969.
78,5 x 61 cm (106,3 x 77,8 cm).
Signiert "de Chirico". Auflage 80 num. Ex.
Ciranna 155, Vastano/Bonfiglioli 165.
Mit Mobiliar und architektonischen Elementen füllt de Chirico die hüllenartigen Körper der gesichtslosen Figuren. Großformatige surrealistische Komposition in einem prachtvollen Druck mit dem wohl vollen, sehr breiten Rand.
Heidelbach, Karl
Ohne Titel (Mademoiselle Rivière. Kopf nach Ingres über weiblichem Torso)
Los 7198
Schätzung
1.200€ (US$ 1,364)
Ohne Titel (Mademoiselle Rivière. Kopf nach Ingres über weiblichem Torso)
Öl auf Leinwand, im Künstlerrahmen. Um 1964.
100 x 80 cm.
Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert "Heidelbach", verso auf dem Keilrahmen mit Kugelschreiber in Schwarz nochmals signiert.
Verstörend fragmentiert und doch lebendig erscheint die weibliche Figur mit dem Antlitz von Ingres' Mademoiselle Caroline Rivière (1806). Ein mechanisches Gerät mit hoch aufragender Stange fixiert den Kopf über einem zierlichen halbnackten Torso vor dem monochromen blauen Hintergrund. Sorgsam und doch leicht abstrahiert schildert der Künstler das Motiv. "Im Sinne postmoderner Reflektionen stellt er die junge Frau als ein formal zweigeteiltes Wesen dar." (Melancholie und Eros in der Kunst der Gegenwart, Ausst.-Kat. Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen u.a.1997, S. 44). Karl Heidelbach studierte 1944 an der Frankfurter Städelschule, 1946-1948 bei Karl Caspar in München und nahm 1954-1956 an der Internationalen Sommerakademie in Salzburg bei Oskar Kokoschka teil. Sein Werk ist geprägt durch seine Bekanntschaft mit Otto Dix 1945 und die Neue Sachlichkeit, doch ist sein künstlerischer Stil eher dem Realismus zuzuordnen.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Ausstellung: Melancholie und Eros in der Kunst der Gegenwart, Hrsg. Axel und Christa Murken, Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen u.a. 1997, Abb. S. 43
Weiße Kugelstruktur ("Nr. 9")
Reliefbild auf Hartfaser, fest in weißem Künstlerrahmen montiert. 1962.
51,2 x 51,2 cm.
Verso auf dem Spannrahmen mit Bleistift signiert "Rudolf Kämmer", bezeichnet "Nr. 9" und datiert sowie ein aufgeklebtes Papierfragment mit Strukturanalyse des Künstlers in Bleistift.
Ganz in der Tradition Konkreter Kunst basiert das Interesse Rudolf Kämmers in der vorliegenden Arbeit auf der visuellen Wahrnehmung, dem Rhythmus und der Struktur. In einem streng geordneten Raster verteilt Kämmer zahlreiche halbkugelartige Erhebungen gleichmäßig über die weiße Fläche. Durch minimale Unterschiede in Höhe und Durchmesser entstehen beim Betrachten optische Effekte in Form einer quadratischen Rasterung, und die serielle Wiederholung der Punkte wirkt außerdem wie ein algorithmisches Muster. Kämmer, der nach Stationen in Dresden und Leipzig an der Akademie der Bildenden Künste in München studierte, schloss sich noch während seines Studiums der internationalen Gruppe Nove Tendencije (Neue Tendenzen) an, die als Sammelbewegung in den 1960er und 1970er Jahren hunderte Künstler aus dem Umkreis der Op Art, der Kinetischen Kunst und der Lichtkunst umfasste. In ihren Arbeiten spiegelt sich der Zeitgeist von moderner Technik und wissenschaftlicher Erkenntnis wider.
Provenienz: Grisebach, Berlin, Auktion 04.12.2020, Lot 646
Privatsammlung Rheinland
Ohne Titel (Frottage)
Wachskreiden auf Velin, auf schwarzen Karton montiert. 1959.
13,5 x 10,5 cm.
Auf dem Unterlagekarton mit Bleistift signiert "mack" und datiert.
Die Frottage-Technik überträgt die Struktur des Rasters unter dem Bildgrund durch Abreiben mit leuchtend blauer und schwarzer Kreide auf das Papier. Gerade ihre Einfachheit, sowohl hinsichtlich der Struktur als auch des Herstellungsprozesses, der ein spielerisches Erproben noch spüren lässt, macht den besonderen Reiz dieser frühen Arbeit aus. „Struktur“ ist hier Inhalt und Form zugleich. Dieser Begriff erfasst sowohl die Gestaltungsweise des Künstlers, als auch seine Intention: die Idee einer Komposition durch ein gleichmäßig, flächendeckendes System homogener Strukturelemente.
Provenienz: Firmensammlung Süddeutschland
Mack, Heinz
Klassische Chromatik: die Reinheit des Lichts
Los 7201
Schätzung
20.000€ (US$ 22,727)
Klassische Chromatik: "die Reinheit des Lichts"
Farbige Kreiden und Aquarell auf Velin. 1966.
106 x 78 cm.
Unten mittig mit Bleistift signiert "mack", unten links datiert und betitelt.
Hier spricht vor allem die Farbe. In Macks charakteristischer Farbchromatik strukturiert die Rasterung die nuancierten Farbverläufe und betont ihre Lebendigkeit. Der Künstler versetzt mit den Gitterstrukturen die eingefärbte Fläche in Vibration und Oszillation. Minimale Verschiebungen lassen diese Strukturen nie ganz regelmäßig erscheinen, wodurch die Hand des Künstlers stets spürbar bleibt. Als Mitbegründer der Künstlergemeinschaft „ZERO“ ist Mack ab 1958 führendes Mitglied einer Avantgarde, die sich europaweit mit neuen künstlerischen Prinzipien wie Monochromie, Serialität oder Struktur gegen die Kunstrichtung des Informel und des Tachismus richtete. Als Mitbegründer der Gruppe gaben er und Nagelkünstler Günther Uecker sowie Lichtkünstler Otto Piene der Nachkriegskunst eine völlig neue Richtung.
Provenienz: Firmensammlung Süddeutschland
Klein, Yves - nach
Expo 65, Galerie Alexandre Iolas, Portrait Arman
Los 7202
Schätzung
1.500€ (US$ 1,705)
nach. Portrait Arman. Expo 65, Galerie Alexandre Iolas
Plakat. Farbserigraphie, collagiert, auf Velin. 1965.
80 x 42,3 cm.
Collagierter Farbsiebdruck in Gold und dem charakteristischen Yves-Klein-Blau, entstanden als Ausstellungsplakat für die Galerie Alexandre Iolas zur Expo 1965. Druck Delpire, Paris. Prachtvoller Druck der formatfüllenden Komposition.
Red-blue structure
Farbserigraphie auf Velin. 1967.
60 x 60 cm.
Verso auf Klebeetikett signiert "Sýkora" und datiert. Auflage 100 num. Ex.
Warm und Kalt, Rot und Blau: Die gegensätzlichen Farbklänge bewegen sich umeinander herum und scheinen die Bildfläche zu sprengen. In ihrer geometrischen Ausgewogenheit charakteristische, frühe Arbeit des tschechischen Konstruktivisten. Als einer der weltweit ersten Künstler bezog Sýkora bereits zu Beginn der 1960er Jahre den Computer als Hilfsmittel in die Vorbereitungen seiner Entwürfe ein. Gemeinsam mit einem Physiker der Universität Prag erarbeitete er im Jahr 1964 am Computer die Grundlagen für seine konkret-konstruktiven Strukturbilder. Zunächst arbeitete er mit mathematisch strukturierten Zufallsverteilungen von Kreisen, Quadraten und Dreiecken, später bezog er aus Zufallszahlen die Parameter für Farbe, Breite und Radienentwicklung von Linienclustern. Zdeněk Sýkora nahm im Jahr 1968 an der 4. documenta in Kassel teil. Herausgegeben von H. Haseke, Hannover, hier ohne dessen Stempel verso. Prachtvoller Druck der formatfüllenden Komposition in intensiver Farbigkeit.
Wasser, Wasser
Farbradierung über rosa Farbtonplatte auf BFK Rives-Velin. 1967.
41,7 x 30 cm (65,5 x 50 cm).
Signiert "Rainer". Auflage 99 num. Ex.
Breicha R 67.
Herausgegeben von der Galerie Ariadne, Wien 1967. Ganz prachtvoller Druck mit dem vollen Rand, oben und unten mit dem Schöpfrand.
"DIE SAGE VON KRANÄE" [Kranaё]
Öl auf Leinwand. 1962.
99,7 x 90,5 cm.
Verso mittig mit Pinsel in Braun signiert "KUBIKA", datiert und betitelt, oben rechts mit Pinsel in Blau monogrammiert "MK", datiert und bezeichnet "AUCH EIN KRANÄE".
Margarete Kubicka wird meist zusammen mit ihrem Ehemann, dem im Widerstand kämpfenden und von den Nazis ermordeten Künstler Stanislaw Kubicki genannt. Ausgebildet als Zeichenlehrerin, war Kubicka Mitglied der Künstlergruppe "BUNT" und gründete 1920 in Köln zusammen mit namhaften Künstlerkollegen wie Franz W. Seiwert, Heinrich Hoerle, Jankel Adler und Otto Freundlich die Gruppe „Kommune“. Ihre Bilder im Stile des expressionistischen Kubismus wurden 1926 in Moskau und 1930 in Chicago gezeigt. Anders als ihr Mann, von dem sie sich 1937 zum Schutz der Familie scheiden ließ, emigrierte Kubicka nicht ins Ausland, sondern begab sich in Berlin in die innere Emigration. Nach dem Krieg wirkte sie dort weiter als Lehrerin und Künstlerin. Anders als ihr Spätwerk, bestehend aus labyrinthisch filigranen Tuschezeichnungen, sind die Arbeiten der Nachkriegsjahre von allegorisch mythologischen Reminiszenzen bestimmt: Auf einer kargen, kristallin zerklüfteten Insel im Meer liegt auf einer leicht begrünten Hochebene ein unbekleidetes Liebespaar, Paris und Helena, die der Sage nach auf Kranaё (heute Marathonisi) ihre erste Liebesnacht verbrachten. Vereinzelte kubistische Elemente weisen noch auf Kubickas Prägung vor dem Krieg, ihre kühle, teils grelle Farbwahl richtet sich aber bereits ganz nach dem Zeitgeist Anfang der 1960er Jahre. Ihre Gemälde sind auf dem Kunstmarkt sehr selten.
Provenienz: Privatbesitz München
Allein vorn
Öl auf Leinwand, auf Holz kaschiert. 1969.
49 x 61 cm.
Unten links mit Pinsel in Beige signiert "Franz Radziwill", verso mit Pinsel in Grün mit der Werknummer "611".
Firmenich/Schulze 815.
Wie ein Zuschauer am Rand der Rennstrecke blickt man auf den Radsportler: Grell ausgeleuchtet von einem kalten, surreal wirkenden Sonnenschein wird der Rennradler auf der Landstraße gleich vorbeizischen, geradewegs nach vorne, verfolgt von einem tieffliegenden Hubschrauber. Der spitze Winkel der scharf angeschnittenen Straße zieht mit seinen weiß leuchtenden Markierungen den Blick des Betrachters schnell ins Bild hinein und könnte ihn mit derselben Dynamik zügig wieder entlassen, doch der bühnenhaft inszenierte, trotz der Landschaftsszenerie geschlossene Bildaufbau mit der niedrigen Horizontlinie hält den Blick in der fein austarierten Komposition fest. Den phantastischen Charakter der Szenerie unterstreichen die überspitzt geformten Landschaftselemente. In differenzierter Palette und mit pastosem Farbauftrag gestaltet Radziwill die dynamische Szene. Bekannt wurde der Künstler mit seinen sachlichen Industrielandschaften und Endzeitszenarien des Magischen Realismus, einer Form der Neuen Sachlichkeit mit surrealistischen Anklängen, inspiriert durch Giorgio de Chirico und die Pittura Metafisica.
Provenienz: Ehemals R. Buchrucker, München (so verso auf Fragment eines Ausstellungsetiketts)
Schloss Ahlden, Auktion 80/81, 1993, Abb. 124
Privatsammlung Berlin
Ausstellung: Franz Radziwill. Gemälde, Aquarelle, Handzeichnungen, Kunsthalle Bremen 1970, Nr. 66
Franz Radziwill, Kunstverein Hannover 1971, Nr. 66
Franz Radziwill, Staatliche Kunsthalle NGBK, Berlin 1981, Nr. 180
Inszenierte Bildräume, Franz Radziwill Haus, Dangast 2020, Kat.-Nr. 23 (Abb. S. 84)
"This world is my world"
Feder und Pinsel in Schwarz auf Transparentpapier. 1967.
42,7 x 35,2 cm.
Unten mittig mit Bleistift signiert "T. Ungerer".
Eine fratzenhaft deformierte Cowboygestalt versucht sich die Weltkugel anzueignen; eine Version mit dem Titel "Son of the Great Society" entstand ebenfalls 1967 (Jack Rennert (Hrsg.), The poster art of Tomi Ungerer, Zürich 1971, Abb. S. 33, Nr. 41). Eine Variante der Zeichnung wurde zudem veröffentlicht in "Politrics", S. 15. Der 1979 erschienene Band versammelte politische, pazifistische Zeichnungen Ungerers aus den Jahren 1960-1979, satirische und schonungslose Kommentare des Künstlers zu Rassismus, Faschismus und dem Vietnamkrieg.
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland
Ohne Titel, für: Symptomatics
Aquarell und Feder in Schwarz auf Transparentpapier. Um 1980/82.
19,5 x 15,3 cm.
Unten links mit Bleistift signiert "T. Ungerer", verso auf dem Unterlagekarton von fremder Hand bezeichnet.
Abgebildet in "Symptomatics", S. 53, 1982 im Diogenes-Verlag erschienen - wie alle Bücher Ungerers. Humor, Erotik und Verzweiflung liegen dicht beieinander in seinen Zeichnungen, die geprägt sind von einem entlarvenden, durchdringenden und häufig überspitzten Blick auf die Gesellschaft.
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland
"Soirée à la Coupole"
Feder in Schwarz und farbige Kreiden auf festem Velin, auf Karton kaschiert. Vor 1970.
18,5 x 17,8 cm.
Unten rechts in der Darstellung mit Feder in Schwarz signiert "Topor", auf dem Unterlagekarton unten rechts mit Bleistift betitelt sowie bezeichnet "115".
Ganz im Sinn des Surrealismus erdachtes und in Topors typischer Akribie gestaltetes Motiv. Die in Topors Sammelband "Toxicologie", Nr. 118, bei Diogenes in Zürich 1970 veröffentlichte, dort noch unkolorierte Zeichnung trägt dort den Titel "Et qui est le chef?". Jacques Prévert schrieb dort im Nachwort, "c'est sans nul doute l'humour de Dieu qui l'inspire." (a.a.O., o. S.).
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland
Literatur: Vgl. Topor, Toxicologie, Nr. 118 (unkoloriert)
"UBU", cuirasse
Feder in Schwarz, aquarelliert, auf Velin. Um 1991.
25,8 x 17,3 cm.
Unten mittig mit Bleistift signiert "Topor" und betitelt, verso bezeichnet "130".
Ubu in skurriler Rüstung. Topor lieferte ein ganzes Ausstattungsuniversum in Form zahlreicher Dekorations-, Bühnenbild- und Kostümentwürfe für die Opera buffa "Ubu Rex" mit Musik von Krzysztof Penderecki und einem Libretto von Jerzy Jarocki, nach Alfred Jarrys Stück Ubu Roi (1896), uraufgeführt an der Münchner Oper am 06.07.1991 (vgl. Topor. Dessins paniques, Ausst.-Kat. Les Musées de Strasbourg 2004, S. 201 ff.).
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland
[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.
* Alle Angaben inkl. 25% Regelaufgeld ohne MwSt. und ohne Gewähr – Irrtum vorbehalten.
Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin
Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr
Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com
Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge
Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin
Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr
Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com
Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge