Radierplatten
9 Kupferplatten. 1914-20.
Bis ca. 25 x 19 cm.
Schwarz 167, 193, 198, 299 D und E, 332, 336, 342 und 413.
Druckplatten aus dem Verlag Fritz Gurlitt, jeweils eingeschlagen in die entsprechenden Probedrucke. Enthalten sind: "Leda mit dem Schwan" (1914, Schwarz 167), "Pferdestall" (1914, Schwarz 193), "Pflegerin" (1914, Schwarz 198), "Verschiedene Tierstudien" (zwei Platten, 1917, Schwarz 299 D und E), "Familie am Tisch" (1918, Schwarz 332), "Schularbeiten" (1918, Schwarz 336), "Hausecke" (1918, Schwarz 342) und "Im Tiergarten" (1920, Schwarz 413).
Provenienz: Ehemals Nachlass Wolfgang Gurlitt, München
Radierplatten
4 Kupferplatten. 1914-20.
Bis ca. 20 x 25 cm.
Schwarz 152, 210, 432 III und VII.
Druckplatten aus dem Verlag Fritz Gurlitt, jeweils eingeschlagen in die entsprechenden Probedrucke. Enthalten sind: "Weissagung" (1914, Schwarz 152), "Paradies" (1915, Schwarz 210), "Dorf Urfeld" und "Der Ziegenbock" (1920, Schwarz 432 III und VII). Beigegeben: Sieben Radierplatten weiterer Künstler, dabei u.a. Max Pechstein, "Ein Friese" (1923, Krüger R 133).
Provenienz: Ehemals Nachlass Wolfgang Gurlitt, München
Selbstbildnis
Radierung und Kaltnadel auf Bütten. 1920.
24,6 x 18,7 cm (37,7 x 29,2 cm).
Signiert "Lovis Corinth". Auflage 120 Ex.
Schwarz 414.
Eines von 120 Exemplaren auf Bütten für die Luxusausgabe von Corinths Gesammelten Schriften, erschienen im Verlag Fritz Gurlitt, Berlin 1920. Prachtvoller Druck mit breitem Rand, an drei Seiten mit Schöpfrand.
Walchensee im Nebel
Lithographie auf Velin. 1920.
32 x 37 cm (40,2 x 50,2 cm).
Signiert "Lovis Corinth".
Schwarz L 441.
Schwarz erwähnt eine Gesamtauflage von 115 Exemplaren auf Japan oder Bütten, verlegt von Fritz Gurlitt, Berlin 1920. Unser Exemplar wohl neben der Auflage auf Velin gedruckt. Prachtvoller, kreidiger Druck mit deutlich zeichnender Steinkante und mit breitem Rand.
Haus am Walchensee
Kaltnadel auf Bütten. 1920.
24,4 x 32,2 cm (31,1 x 35,7 cm).
Signiert "Lovis Corinth". Auflage 75 Ex.
Schwarz 449.
Aus der Auflage von 75 Exemplaren auf Bütten, neben 40 Exemplaren auf Japan, erschienen bei Fritz Gurlitt, Berlin. Ganz prachtvoller, gratiger und kontrastreicher Druck mit Rand.
Steuermann auf der Brücke bei Nacht
Öl auf Malpappe.
33,5 x 24,5 cm.
Stimmungsvolle, dunkeltonige Komposition. Mit weichen Konturen und sparsamer Beleuchtung schildert Orlik die einsame nächtliche Arbeit des Schiffsführers am Ruder. Die effektvolle Lichtführung akzentuiert die Hände des Steuermanns und das glänzende Messing der Gerätschaften auf der Kommandobrücke.
Provenienz: Ehemals Sammlung Gabor Breg, Frankfurt/Main
Jeschke-Hauff-Van Vliet, Berlin, Auktion 21.05.2005, Lot 409
Privatbesitz Süddeutschland
Ausstellung: Industrie und Technik in der deutschen Malerei von der Romantik bis zur Gegenwart, Muzeum Śląska Wrocław 1970, Kat.-Nr. 39a (entsprechend deren Klebeetikett auf beiliegender ehem. Rahmenrückseite, dort betitelt "Sternik")
Bildnis eines Mädchens (Susi Demoll)
Bleistift und farbige Kreiden auf Velin. 1931.
38,5 x 29 cm.
Seitlich rechts mit Bleistift signiert "Emil Orlik" und datiert, verso (von fremder Hand?) bezeichnet "Frl. Susi Demoll".
Der gesuchte Portraitist Orlik zeichnet hier wohl ein Portrait von Susi Demoll, die als Eiskunstläuferin ab Mitte der 1930er Jahre Bekanntheit erlangte. In der Ausarbeitung des Profilbildnisses, insbesondere in der sensiblen Wiedergabe des gerüschten Kleides und der schimmernden Zopffrisur, offenbart sich Orliks außerordentliche Begabung als feinfühliger Zeichner.
Am alten Burgwall
Farblithographie auf Similijapan. 1900.
24 x 38 cm (30,3 x 44 cm).
Signiert "Orlik" und mit dem Stempel der Druckerei Koshiba, Tokio, sowie mit dem ovalen Nachlaßstempel.
Voss-Andreae L 79.
Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand. Sehr selten.
Männerbildnis
Rohrfeder in Schwarz über Bleistift auf Schoellershammer-Velin. 1919.
63,3 x 47 cm.
Unten rechts mit Bleistift monogrammiert "LM" und datiert.
In Überlebensgröße rückt Meidner das expressiv gestaltete Männerportrait dicht an den Betrachter heran. So vehement fährt er in großzügigen Schwüngen mit der Rohrfeder über das Zeichenpapier, dass sich vielfach die Federspitzen auch ohne Farbe in die Oberfläche eindrücken und dort ihre Kratzer hinterlassen. An anderen Stellen reißt der Künstler mit kurzen, heftigen Hieben das Papier derart auf, dass die Farbe tief eindringt und matt-schwarze Akzente bildet. Das Blatt stellt somit nicht nur ein großartiges Beispiel für Meidners Portraitkunst dar, sondern macht zudem den Prozess und die individuelle Weise seines Zeichnens erfahrbar.
Provenienz: Grisebach, Berlin, Auktion 158, 31.05.2008, Lot 711
Privatbesitz Rheinland
Paar auf der Bank
Feder und Pinsel in Schwarz und Gouache auf Karton. 1904.
20 x 24 cm.
Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert "H. Zille" und datiert.
Weil es auf der Parkbank immer noch besser ist als zu Hause, rückt das Paar in der Kälte eng zusammen und hilft sich mit wärmendem Schnaps. Das innige Miteinander täuscht nicht über die harte Realität des Lebens für die sozial Benachteiligten und Abgehängten im Berlin des beginnenden 20. Jahrhunderts hinweg. Realistisch und liebevoll, mit lebendig pointierten Federstrichen und effektvollen weißen Höhungen widmet sich Zille den Details der verlebten, von der Härte des Daseins gezeichneten Gesichtern und der Kleidung, während die Umgebung summarisch erfasst bleibt.
Provenienz: Ehemals Sammlung Werner Eberhard Müller, Leipzig (mit dessen Sammlerstempel verso, Lugt 5075)
Ehemals Privatbesitz Norddeutschland
16 Figurenstudien
16 Bl. Verschiedene Techniken auf unterschiedlichen Papieren, zusammen in 1 Passepartout montiert.
Bis 20,8 x 14,5 cm.
11 Bl. recto bzw. verso mit Nachlaßstempeln (teils Fragmente, teils verblasst) "Heinrich Zille" bzw. "Nachlaß Prof. Heinrich Zille" (Rosenbach 1 und 4, Lugt 2676b).
Mädchen mit großem Hut, pummelige Kleinkinder, freche Straßengören, Flaneure - ein Panoptikum verschiedenster Berliner Gestalten versammelt sich auf Makulaturpapier, Zettelchen oder Fragmenten von Briefumschlägen. Manchmal ausschnitthaft und vielfach ohne weiteren Zusammenhang skizziert Zille die für ihn so typischen Figuren des Berliner Alltagslebens, mit seinem ganz eigenen, freundlichen Blick für das Wesentliche und mit sicherem Strich. Verso teils mit Fragmenten weiterer Zeichnungen des Künstlers.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Drei Gören
Kohlestift und Aquarell auf festem Japan. 1923.
14,5 x 21,3 cm.
Unten rechts mit Kohlestift signiert "H. Zille" und datiert, im Unterrand gewidmet und dort nochmals signiert.
Wippende Zöpfchen, leuchend bunte Kleider, drei Mädchen miteinander unterwegs: ein Bild unbeschwerter Freundschaft. Farbfrisch erhaltene Variante eines der besonders beliebten Sujets des großen Berliner Chronisten Heinrich Zille. Eine frühe, linear gezeichnete Variante des Motivs entstand bereits 1912 (vgl. Zille's Hausschatz, Hrsg. Hans Ostwald unter Mitarbeit von Hans Zille, Berlin 1937, S. 72). Die "Drei Gören", umarmt spazierende Berliner Mädchen, von hinten gesehen, zeichnete Zille mehrfach, mit nur geringen Abweichungen. Unser sorgfältig und in leuchtender Farbigkeit aquarelliertes Blatt entstand vermutlich als Geschenk.
Provenienz: Privatbesitz Dresden (seit 2002)
Selbstbildnis
Strichätzung, Kaltnadel sowie Vernis mou mit Durchdruck von Bütten und Zieglerschem Umdruckpapier auf Japan. 1912.
14 x 9,9 cm (32,5 x 24,3 cm).
Signiert "Käthe Kollwitz".
Knesebeck 126 VII a (von d).
Eines der intimsten Selbstbildnisse der Künstlerin auf der Höhe ihres reifen Schaffens. Endgültige Fassung, mit der unterhalb des linken Nasenlochs hinzugefügten, aus unregelmäßigen kurzen Strichen bestehenden Horizontallage. Druck vor den Auflagen für Sievers Katalog. Ganz prachtvoller, stellenweise gratiger und wunderbar kontrastreicher Druck in Braun mit klar eingeprägter Plattenkante und Rand, unten mit dem Schöpfrand.
Kollwitz, Käthe
Zwei schwatzende Frauen mit zwei Kindern
Los 7044
Schätzung
2.500€ (US$ 2,841)
Zwei schwatzende Frauen mit zwei Kindern
Lithographie auf festem Velin. 1930.
29,8 x 26 cm (43,4 x 34 cm).
Signiert "Käthe Kollwitz".
Knesebeck 250 c.
Exemplar der endgültigen Fassung, aus der Auflage von ca. 150 unnumerierten Drucken, erschienen als Jahresgabe des Deutschen Kunstvereins, Berlin 1930. Die "Schwatzenden Frauen" tragen genrehafte Züge, die sich häufiger im Spätwerk der Künstlerin finden. Mit Werken wie diesem knüpfte sie an ihre frühen Arbeiten aus der Münchner Studienzeit und den folgenden Jahren an, in denen Max Liebermann zu ihren großen Vorbildern zählte. Ganz prachtvoller, kräftiger und toniger Druck mit Rand.
Ruderboot am Anleger
Öl auf Holz.
23 x 30,3 cm.
Seitlich rechts mit Pinsel in Braun monogrammiert "R. St.", verso (von fremder Hand?) mit Kreide in Blau bezeichnet "A 193" und "11".
Nicht bei Zimmermann/Popova.
Ein warmer, brauner Grundton dominiert das stimmungsvolle Gemälde, aufgelockert von hellen Akzenten sowie Nuancen von Rot und Blau. Mit lockerem Duktus trägt Sterl die pastosen Farben auf, lässt dabei aber vielfach die hellbraune Grundierung durchscheinen. "Er hat in der Dresdner Galerie gelernt, daß Kunst von Können kommt und daß nicht der Intellekt, sondern der sinnliche Eindruck den Maler macht.“ (Max Liebermann über Robert Sterl, 1928, zit. nach robert-sterl-haus.de, Zugriff 02.02.2026).
Provenienz: Privatbesitz Berlin
Rohlfs, Christian
Aufgereihte Herren im Frack empfangen eine junge Dame
Los 7046
Schätzung
12.000€ (US$ 13,636)
Aufgereihte Herren im Frack empfangen eine junge Dame
Aquarell und Gouache auf Velin. 1908.
18,5 x 18 cm.
Unten rechts mit Kreide in Schwarz monogrammiert "CR" und datiert "8".
Eigenwillige, humorvoll aufgefasste Komposition aus Rohlfs' experimenteller Schaffensphase. Kräftige Pinselstriche in tiefem Schwarz schildern stilisiert die Figuren, ein Hauch von aquarelliertem Chromoxidgrün, einem der Haupttöne Rohlfs', liegt darunter und kontrastiert lebhaft mit den roten Akzenten in den Gesichtern. Die klaren, großen Gesten der vereinfachten Gestalten sprechen eine deutliche Sprache, wobei die Antlitze lediglich angedeutet bleiben. In der weiblichen Figur wird die elegante Linie zum Ausdrucksmittel einer fließenden Bewegung und ornamentaler Schwingung, die mit den vegetabilen Formen des Jugendstils zu spielen scheint. Das Flächengefüge der Zeichnung hingegen zeigt sich in seinem Kontrastreichtum von einer expressiven, fast holzschnittartigen Klarheit. Nicht zufällig entstanden ab demselben Jahr Rohlfs' allererste Holzschnitte.
Provenienz: Galerie Rieder, München (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite)
Lempertz, Köln, Auktion 05.06.2004, Lot 971
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Alter Mann
Pinsel in Schwarz über Tempera auf festem, genarbtem Velin. 1918.
37,5 x 26,5 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert "CR" und datiert.
Nicht bei Vogt.
Nahezu formatfüllend umreißt Rohlfs mit lockerem Pinselstrich die Konturen eines alten Mannes in langem Gewand. Man möchte an einen Mönch oder Propheten denken, eine biblisch-religiöse Figur zumindest, wie sie in Rohlfs Werk mit Beginn des Ersten Weltkrieges öfter vorkommen. Formvereinfacht steht der gebeugte Mann unter einem Torbogen, der als einziger Hinweis auf den Umraum gilt. Die Stirn in Falten, aber die Augen weit aufgerissen, wirkt die Figur wie abgeschnitten von der Außenwelt. Lebendigkeit bekommt die Arbeit durch das Flächengefüge unter dem Einsatz unterschiedlichster Techniken. Pinsellinien werden mit Tupfen, kurzen Strichen und gemusterten Abdrücken in der Art einer Frottage verknüpft. Der Farbton changiert zwischen dunklem Schwarz und durchscheinenden hellen Partien, wie ein Aufleuchten zwischen Schwermut und Hoffnung im letzten Kriegsjahr, und mit farbigen Akzenten in Blau und Rotbraun. Mit einer Echtheitsbestätigung des Christian Rohlfs Archivs, Osthaus Museum Hagen, vom 22.04.2024. Die Arbeit ist in dem Archiv unter der Nummer CRA 266/24 verzeichnet.
Provenienz: Privatbesitz Niedersachsen
Kopf
Rötel (Reiberdruck von einem Holzstock) auf Velin. 1935.
32,2 x 20,3 cm.
Unten rechts mit Rötel (verblasst) monogrammiert "CR" und datiert.
Zeichnerisch überarbeiteter Reiberdruck von der linken Hälfte des deutlich früher, 1912, entstandenen Holzschnitts "Drei Köpfe" (Vogt 45; vgl. Utermann 52), der in seiner Transparenz den Charakter einer Frottage erlangt, konturiert von anmutig geschwungenen Kreidelinien.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Straße in Rottluff
Kaltnadel und Stich auf festem Kupferdruckkarton. 1921.
17,3 x 11,2 cm (39,3 x 26,3 cm).
Signiert "S. Rottluff" sowie mit seiner Werknummer "211 St.".
Schapire R 47.
Auf das Wesentliche reduziert Schmidt-Rottluff die dörfliche Szenerie mit Figur. Rundungen und kantige Formen fügen sich zu einem harmonischen, dicht komponierten Ganzen, die breitgratigen, tiefschwarzen Linien mit dem feinen weißen Mittelstrich zeigen, wie Schmidt-Rottluff hier mit dem Stichel direkt in die Zinkplatte hineingearbeitet hat. Prachtvoller Druck mit schön changierendem Plattenton und ungereinigter Facette, mit breitem Rand.
Am Gebüsch
Pinsel- und Kreidelithographie auf genarbtem SLG-Bütten. 1914.
27,8 x 20,3 cm (50,8 x 33,7 cm).
Signiert "S. Rottluff" und datiert sowie mit der Werknummer "1418".
Schapire L 92.
Eine gewisse Monumentalität, die von Schmidt-Rottluffs tiefer Verinnerlichung der Holzschnittkunst herrührt, zeigt sich auch bei der vorliegenden Lithographie in der Einfachheit ihrer Formen, der souveränen Stilisierung und dem Kontrastreichtum. Prachtvoller, feiner, differenzierter Druck mit dem vollen Rand, an drei Seiten mit dem Schöpfrand.
Abend in Leba ("Abend am Lebaausfluss")
Öl auf Leinwand. 1933.
60 x 91 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Blau monogrammiert (ligiert) und datiert „HMP 1933“, verso mit Pinsel in Schwarz eigenhändig bezeichnet „Abend am Lebaausfluss / HMPechstein / Berlin W. 62. / Kurfürstenstr. 126“.
Soika 1933/9.
Im spätsommerlichen Licht der frühen Abendstunden, dominiert von verschiedenen Blau- und Grüntönen, lenkt Pechstein den Blick vom Hafen aus über den Fluss Leba in Pommern bis zu dessen Mündung in die Ostsee.
Vorbei an aufgebockten Fischkuttern links und entlang kleiner Fischerhütten am rechten Rand des Ufers, dazwischen einzelne Boote, die nach dem Fang leise tuckernd zum Hafen zurückkehren. Vereinzelt kreisen Möwen über der Szenerie, am tiefen Horizont türmen sich voluminöse Wolkenformationen hoch in den Himmel, die den horizontalen Bildaufbau maßgeblich durchbrechen.
Die scheinbare Idylle der sonst ausgewogenen Komposition mag trügen, angesichts der historischen Entstehungszeit dieses Gemäldes kurz nach Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933. Wie schon in den Sommermonaten zuvor reiste Pechstein Mitte Mai dieses Jahres mit seiner Familie zu den Schwiegereltern nach Leba in Pommern (heute Łeba, Polen), wo diese eine kleine Pension betrieben. Die Familie blieb dort fünf Monate bis Anfang Oktober.
Wie für viele Künstler und Literaten markierte das Jahr 1933 auch für Pechstein eine einschneidende Zäsur: Zunehmende Anfeindungen und Vorhaltungen prägten das Umfeld, und es boten sich nur wenige Möglichkeiten für den Verkauf seiner Bilder. So waren die Sommermonate in Pommern mit Unterstützung der Schwiegereltern auch eine Notwendigkeit, um Geld für den Lebensunterhalt der Familie zu sparen und an neuen Gemälden zu arbeiten. Ein Eintrag in seinem Werkstattbuch lässt vermuten, dass Pechstein das Gemälde direkt im Oktober von Leba mit nach Berlin brachte, um es zusammen mit zwei weiteren Arbeiten dieses Sommers, ab dem 1. November in der Berliner Künstlerkneipe "Die Insel" auszustellen. Sein Eintrag vom 1. November 1933 nennt den Titel ‚Abend am Lebaausfluss‘ an erster Stelle.
Über die Jahre wurden der Kutterhafen von Leba und seine Umgebung ein beliebtes und wichtiges Motiv im Œuvre des Künstlers. Die Ostsee blieb für Pechstein ein Zufluchtsort und es existieren ab den 1920er Jahren bis Anfang der 1940er Jahre zahlreiche Darstellungen des Ortes, sowohl in Öl auf Leinwand als auch Aquarelle und Zeichnungen. Das einfache Leben der Küstenbewohner, die Landschaft, das Licht und die unberührte Natur waren für ihn schon früh eine fruchtbare Inspiration für seine Kunst und bildeten ein Gegengewicht zum großstädtischen Leben.
Wir danken Julia Pechstein, Hamburg, und Prof. Dr. Aya Soika, Berlin, für wertvolle Hinweise und die Unterstützung bei der Katalogisierung der Arbeit. Ein Gutachten mit Echtheitsbestätigung als Ergänzung zum Werkverzeichniseintrag vom 19.03.2026 liegt vor.
Provenienz: Atelier des Künstlers (dort erworben 1943)
Seitdem in Erbfolge Privatbesitz Berlin
Pechstein, Hermann Max
Bildnißköpfe I (Porträt Dr. Freundlich)
Los 7052
Schätzung
20.000€ (US$ 22,727)
"Bildnißköpfe I" (Porträt Dr. Freundlich)
Fettkreide in Schwarz und Aquarell auf festem Velin, mit eingeprägtem Papiersignet "TAUEN". 1918.
50 x 37,8 cm.
Unten rechts mit Zimmermannsbleistift monogrammiert "HMP" (ligiert) und datiert, verso mit Kreide in Schwarz betitelt und unleserlich bezeichnet.
Das Portrait seines engen Freundes, des berühmten Astrophysikers und versierten Cellisten Prof. Dr. Erwin Finlay Freundlich zeichnete Pechstein nach seiner Versetzung ein Jahr vor Kriegsende zurück nach Berlin, im Zusammenhang einer Reihe psychologisch aufgeladener Portraits, die sein feines Gespür für die Persönlichkeit, den Blick und die Miene des Dargestellten widerspiegeln und zu einem bedeutenden Teil seines Œuvres wurden. Expressiv, mit schnellem, sicherem Strich und von kräftig-bewegten Schraffuren umreißt er die Physiognomie und schildert seinen Freund konzentriert, mit einem forschenden, eindringlichen Blick. Pechstein erreicht mit harmonisch-dezentem, mitunter pointiertem Kolorit eine intensive, malerische Wirkung, die ihresgleichen sucht. Weder Beruf und sozialer Status des Dargestellten, noch seine Profession als Musiker spielen für Pechstein hier eine Rolle, sondern sein Interesse gilt allein der Psychologie. Das Antlitz Freundlichs (1885-1964) diente Pechstein als Vorlage für zahlreiche Portraits sowohl in Öl, wie auch als Zeichnung und Druckgraphik. Unsere Arbeit entstand noch vor dem ersten Gemälde "Cellospieler: Bildnis Dr. Freundlich" (Soika 1919/116) von 1919 und steht dem Holzschnitt "Bildnis Dr. Freundlich" (Krüger H 206) desselben Jahres sehr nahe. Freundlich war Direktor des Astrophysikalischen Observatoriums am Albert-Einstein-Institut in Potsdam. In Zusammenarbeit mit dem Architekten Erich Mendelsohn (1887-1953) entwickelte er zwischen 1919 und 1924 ein Sonnenobservatorium für seinen Freund Albert Einstein, den sog. Einsteinturm, der heute als Hauptwerk expressionistischer Architektur gilt. Während des Zweiten Weltkriegs emigrierte Freundlich nach Schottland, wo er seine Arbeit an der Sternwarte der Universität St. Andrews fortsetzte. Verso mit einer verworfenen Tuschpinselzeichnung desselben Motivs. Die Arbeit ist der Max Pechstein Urheberrechtsgemeinschaft, Hamburg, bekannt. Wir danken Julia Pechstein, Hamburg, für wertvolle Hinweise vom 13.03.2024.
Provenienz: Nachlass Galerie Otto Stangl, München (rückseitig mit dem blauen Galeriestempel)
Literatur: Carla Schulz-Hoffmann (Hrsg.), Sammlung Otto Stangl. Von Klee bis Poliakoff, Ostfildern-Ruit 1993, S. 231, Nr. 157 (Farbabb.)
Beim Schnaps
Kaltnadel mit Riffelfeile und Pinselätzung auf Kupferdruckpapier. 1920.
20,8 x 23,5 cm (31,5 x 36,3 cm).
Signiert "HMPechstein" und datiert sowie bezeichnet "35".
Krüger R 117.
Straffe, geometrisierte Formen und klare Kontraste kennzeichnen seit ca. 1919 Pechsteins graphischen Stil und erscheinen auch im vorliegenden Blatt dominant. Mit den Schwüngen der Riffelfeile erzeugt der Künstler in seiner rhythmisch und spannungsreich durchkomponierten Kaltnadelarbeit zudem fein differenzierte Grautöne. Krüger waren nur drei Exemplare bekannt geworden, er erwähnt keine Auflagenhöhe, sondern nur wenige Exemplare für Gurlitt. Ganz prachtvoller, kontrastreicher, in den Schwärzen samtiger Druck mit breitem Rand. Äußerst selten, im internationalen Auktionshandel nur ein weiteres Exemplar nachweisbar.
Christian Sinding
Kreidelithographie auf Velin. 1912.
27,5 x 22 cm (55,5 x 42,3 cm).
Signiert "Edv Munch".
Woll 396, Schiefler 359.
Beinahe maskenhaft schwebt der Kopf mit frontal ausgerichtetem Antlitz in der Leere des Bildraums. Ikonisches Portrait des norwegischen Komponisten, erschienen in einer kleinen Auflage von ca. 20 Exemplaren auf Velin; dem Munch Museum, Oslo, sind insgesamt 45 Exemplare bekannt. Munchs Landsmann Sinding gehört neben Edvard Grieg zu den großen norwegischen Romantikern; bekannt sind heute vor allem noch seine Lieder sowie seine zahlreichen Klaviersonaten. Gedruckt von Anton Peder Nielsen, Kristiania (heute Oslo). Woll kennt einen Druck, der signiert, datiert "1913" und bezeichnet ist "Kleine Vorzugsauflage". Ganz prachtvoller, wunderbar kreidiger Druck mit sehr breitem Rand.
Großbauern
Radierung und Aquatinta auf festem Van Gelder Zonen-Velinkarton. 1918.
22,5 x 30,4 cm (56,6 x 45,2 cm).
Signiert "Emil Nolde.", im Unterrand von Ada Nolde betitelt und bezeichnet "II.2.".
Schiefler/Mosel R 193 II (von IV).
Eines von lediglich acht Exemplaren des zweiten Zustandes mit der differenzierten, wolkig-hellen Tonätzung, vor der dunkel-fleckigen und der gleichmäßig dunklen Tonätzung. Daneben führen Schiefler/Mosel nur fünf Exemplare im Zustand I und weitere 22 Abzüge in den letzten beiden Zuständen III und IV auf. Noldes Radierung schildert in ausdrucksvoller Direktheit die Züge der wohlhabenden Bauern der Marschlandschaft in seiner nordfriesischen Heimat, hier in einem fein differenzierten Druck mit wunderbar nuancierten Grautönen und mit sehr breitem Rand, rechts und unten mit dem Schöpfrand.
"Zärtlichkeit"
Kaltnadel in Schwarzbraun auf festem Kupferdruckpapier. 1919.
20 x 15,2 cm (30,3 x 24,9 cm).
Signiert "D. Maetzel-Johannsen", datiert, betitelt und bezeichnet "Nº 10".
Nicht bei Hans.
Dorothea Maetzel-Johannsen war zusammen mit ihrem Mann Emil Maetzel Mitbegründerin der Hamburgischen Sezession und entwickelte zwischen 1919 und 1921 eine eigene expressive Bildsprache. Inspiration zog sie dabei unter anderem aus dem Kubismus, der Künstlergemeinschaft Brücke und der afrikanischen Skulptur. Prachtvoller, sanft toniger Druck mit facettierter Plattenkante und mit Rand.
"Mutter und Kind"
Kaltnadel in Schwarzbraun auf festem Kupferdruckpapier. 1919.
18,8 x 12,1 cm (30,2 x 24,8 cm).
Signiert "D. Maetzel-Johannsen", datiert und betitelt.
Nicht bei Hans.
Typische Graphik aus der expressiven Schaffensphase der Künstlerin in einem prachtvollen, leicht verwischten und bewusst tonigen Druck, mit tief eingeprägter Plattenkante und mit Rand.
Akt mit Handspiegel
Kaltnadel auf Velin. 1920.
21,1 x 15,9 cm (38,8 x 26 cm).
Signiert "D. Maetzel-Johannsen" und datiert.
Hans S. 77.
Der stark vom Kubismus geprägte Frauenakt in unbestimmter Landschaft in einem kräftigen, gratigen Abzug mit differenziertem Plattenton und tief eingeprägter Plattenkante, verso mit feinem Relief, mit Rand.
Frauenakt mit Blumenstrauß
Kaltnadel auf festem Kupferdruckpapier. 1921.
27,7 x 17,9 cm (49,8 x 34,8 cm).
Signiert "D. Maetzel-Johannsen" und datiert.
Nicht bei Hans.
Prachtvoller Druck mit teils kräftigem expressiv-malerischen Plattenton und tief eingeprägter Plattenkante, mit breitem Rand.
"Hockende"
Holzschnitt auf dickem Hadern-Bütten. 1913/14.
41,7 x 31 cm (70,3 x 55,8 cm).
Signiert "Erich Heckel", datiert und betitelt.
Ebner/Gabelmann 578 H A (von B), Dube 263 I (von II B).
In das eigenwillige Trapezformat des Druckstocks setzt Heckel in monumentaler Nahsicht und komplexer Räumlichkeit den weiblichen Halbakt. Kantige Linien, breite Konturen und kräftige Helldunkelkontraste abstrahieren Physiognomie und Körper der weiblichen Figur und gestalten sie zugleich fast skulptural durch. Die Grundform des nach rechts ausgerichteten Trapezes findet sich im Jahr 1913 mehrfach in Erich Heckels Holzschnitten wieder; sie unterstreicht die spannungsreich konstruierte Tiefe des Bildraumes. In dem Blatt, nach der Auflösung der Künstlergemeinschaft Brücke entstanden, manifestiert die Darstellung Heckels Auseinandersetzung mit der außereuropäischen Kunst aus Afrika und Ozeanien und seine Suche nach anti-artifiziellen, archaisch-ursprünglichen Ausdrucksmitteln. Wie sein Künstlerkollege Ernst Ludwig Kirchner fertigte er auch eigene Holzskulpturen nach afrikanischem Vorbild, so zum Beispiel die Hockende Figur (heute im Folkwang Museum, Essen). Zugleich ist der Holzschnitt "Hockende" ein Bild der inneren Versenkung, dessen Tiefe und Komplexität der Komposition einhergeht mit einer Erweiterung der inneren Dimensionen des Menschen in Heckels Druckgraphik. Frühdruck mit den für einen Hand-Reiberdruck typischen Abweichungen im Druckbild, hier mit einem ausdrucksvollen Streifen unterhalb der Brust. Es entstanden 50 Drucke für Heckel selbst, zudem die Auflage von 50 Exemplaren, gedruckt für die Mappe "Elf Holzschnitte" 1912-1919, Erich Heckel", erschienen bei I.B. Neumann, Berlin 1921. Prachtvoller, wunderbar kräftiger und prägnanter Druck mit reicher Binnenzeichnung und dem vollen Rand, unten und oben mit dem Schöpfrand.
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