Los 2702

Kamerun-Reiseberichte
Manuskript zweier Berichte von einem Marsch durch Kamerun. 1912

Schätzung
1.500€ (US$ 1,724)

Abgabe von Vorgeboten möglich

Los 2702 - Kamerun-Reiseberichte - Manuskript zweier Berichte von einem Marsch durch Kamerun. 1912 - 0 - thumb

Aus dem Katalog
Autographen
Auktionsdatum 7.10.2026

Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026

Lot 2702, Auction  128, Kamerun-Reiseberichte, Manuskript zweier Berichte von einem Marsch durch Kamerun. 1912

Kamerun-Reiseberichte. Zweiteiliges Manuskript. Insges. 29 S. auf 25 losen Blättern. 4to. (Kamerun) 16.IX. - 25.X.1912.

"Reisebericht von Longji nach Jaunde Südkamerun" und "Bericht über meine erste Anwerbereise". Interessante, sehr anschaulich und lebendig geschilderte Fußmärsche des unbekannten Verfassers in Begleitung von eingeborenen Trägern und anderen Bediensteten, hauptsächlich mit dem Ziel, Arbeitskräfte anzuwerben. Der erste Teil beginnt: "Wieder stehe ich vor einem großen Unternehmen. Morgen soll es in den Busch gehen ca. 800 km sind zu Fuß zurückzulegen, unwillkürlich durchrieselt mich ein leises Schaudern und bange Zweifel, ob ich der kolosalen [!] Marschleistung gewachsen bin. Doch mit tausend Stimmen ruft es mich hinaus in den tiefen unerforschten Urwald um alle die Wunder desselben selbst zu erleben, die ich bis jetzt nur aus Büchern kenne ...". Geschildert werden u. a. der Empfang durch den "King" der Najumbas, der ebenso freundliche Empfang auf den gepflegten Dörfern, die den Schreiber begeisternde Landschaft, die Strapazen der vom Schreiber ständig verlangten 25 km Fußmarsch pro Tag (was Konflikte mit seinem Troß von eingeborenen Trägern verursachte), seine tägliche Verpflegung und Unterkunft, Begegnungen mit Engländern und Deutschen bis zum Erreichen des Ziels Jaunde am 29. September 1912. - Noch interessanter ist die Fortsetzung, die des Schreibers Bemühungen schildert, auf den Dörfern Arbeiter anzuwerben. Er beschreibt auch die von ihm beobachtete Behandlung solcher Personen: "Nachmittags passierten einige schwarze Soldaten mit 50 schwarzen Arbeitern das Dorf, in dem ich wohnte. Die Arbeiter waren alle mit einer einzigen Schnur von Hals zu Hals zusammengebunden. Leider muß man zu solchen Mitteln greifen und die Leute vielfach mit Gewalt einfangen, da sich sonst nicht so schnell jemand zur Arbeit einfinden würde. In diesem Monat sind gegen 2000 Träger mit Lasten nach dem neuen Gebiet abmarschiert. Ich glaube von diesen 2000 sind 1900 direkt eingefangen." Beschreibt dann die Sitten der Eingeborenen sowie seine zunehmend gewalttätigeren Versuche, Arbeiter zu rekrutieren; er findet leere Dörfer vor, deren Einwohner vor ihm geflohen waren, und schließlich stellt sich ihm eine große Anzahl bewaffneter Krieger entgegen und verlangt die Rückgabe ihrer rekrutierten Brüder, so daß er schließlich einwilligen muß. Trotz Abratens seiner Begleiter bricht der Schreiber dann zur Fortsetzung seines Vorhabens auf, doch hier brechen die Aufzeichnungen ab. - Wertvolle Schriftquelle über das beschämende Verhalten der Europäer auf dem afrikanischen Kontinent in der "Blütezeit" der Kolonialpolitik.


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