Los 2182

Schreyvogel, Josef
(1768-1832)Auszüge aus seinen Tagebüchern. Um 1860

Schätzung
1.500€ (US$ 1,563)

Abgabe von Vorgeboten möglich

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Lot 2182, Auction  125, Schreyvogel, Josef, Auszüge aus seinen Tagebüchern. Um 1860

Schreyvogel, Josef, österr. Schriftsteller, Publizist und künstlerischer Leiter des Wiener Burgtheaters, begründete den europäischen Ruhm des Burgtheaters (1768-1832). Auszüge aus seinen Tagebüchern. Manuskript von Hand seiner Enkelin. 90 Bl., davon 153 S. beschrieben. 4to (23,6 x 19,6 cm). Grüner Lederband d. Z. (etwas berieben und bestoßen) mit reicher floraler Blindprägung und Filetenvergoldung sowie ornamentaler Rückenvergoldung und Goldschnitt. Mit Messingschließe. (Wien, wohl um 1860).
"Aus dem Tagebuche meines Großvaters" (Titel). Sorgfältig geschriebene, jeweils datierte Auszüge aus Schreyvogels Tagebüchern von 1814, 1815, 1816, 1812, nochmals 1816 und 1813. Dass auf dem Titel nur von "dem Tagebuche" die Rede ist, liegt wohl daran, dass die Schreiberin sich zunächst nur den Band 1814 vornahm und sich erst später entschloß, auch die Jahrgänge 1815, 1816, 1812 und 1813 zu exzerpieren. Inhalt und Charakter dieser Exzerpte werden verständlich aus Karl Glossys Einleitung zu der wissenschaftlichen Edition der Tagebücher von 1810 bis 1823, die er in zwei Bänden 1903 in den Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte erscheinen ließ. Glossy schreibt dort: "Wer in Schreyvogels nachfolgenden Tagebuchblättern Aufzeichnungen erwartet, wie sie gewöhnlich von Bühnenleuten geboten werden, wird die beiden Bände unbefriedigt aus der Hand legen. Denn nichts von alledem ist darin zu finden, keine Kulissengeschichten, keine intimen Mitteilungen über Kunstgenossen und was sonst zu den Pikanterien dieser Literaturgattung zählt. Schreyvogels Aufzeichnungen sind vielmehr eine Art Chronik der inneren Kämpfe eines Menschen, der nach Vollkommenheit strebte und zu diesem Zwecke ein Tagebuch führte. 'Wie alle Religionen Stunden des Gebetes und der Betrachtung haben, so sei es mir Religion, mich in diesem Tagebuche mit meinem besseren Selbst zu beschäftigen' - heißt es auf einem dieser Blätter, die sich in ihrer Gesamtheit als ein psychologisches Denkmal eines Mannes darstellen, der bis ins vorgerückte Alter bemüht war, seine moralischen Fehler zu bekämpfen."
Die Beschäftigung mit seinem eigenen Wesen und Handeln, mit seinen philosophischen Gedanken sowie mit seinem Verhältnis zu Gott und den biblischen Lehren und Geboten bildet neben vielen Angaben zu seiner aktuellen Lektüre auch den größten Teil des Inhalts der vorliegenden Tagebuch-Auszüge. Schreyvogels Enkelin, die zur Zeit der Veröffentlichung der Tagebücher bereits "längst ihrem berühmten Großvater in den Tod gefolgt" war, hatte dem Herausgeber die Bände zur Abschrift zur Verfügung gestellt. Glossy hat jedoch trotz einer zugegebenen Einschränkung nicht den vollen Text wiedergegeben, denn: "Nur wenige, das intime Familienleben betreffende Stellen dieses Tagebuches sind von ihr der Veröffentlichung entzogen worden, alles übrige ist dem vollen Wortlaute nach zum Abdruck gelangt."
Wie die vorliegenden umfangreichen Auszüge zeigen, ist jedoch recht viel "entzogen" worden. Glossy war bemüht, vor allem die enthaltenen faktischen Mitteilungen über Leistungen und Geschehnisse um Schreyvogel in seiner Theater-Funktion wiederzugeben, während er offenbar große Teile der ausgedehnten Reflexionen und Selbstbetrachtungen Schreyvogels weggelassen hat. Die Schreiberin der vorliegenden Auszüge gibt wiederum nur das wieder, was ihr wichtig erscheint, so z. B. 1816 die erste Zusammenarbeit Schreyvogels mit Grillparzer, wobei dem Leser immer wieder leichte Abweichungen von Glossys Ausgabe begegnen. "4. Juni. Ich werde also heute eine neue Erfahrung machen, denn mein Stück [Schreyvogels Bearbeitung von Calderons "Das Leben ein Traum"] wird gegeben. Da ich weder großen Beifall, noch völliges Mißfallen erwarte, so bin ich ziemlich ruhig. Doch auch das Eine, wie das Andere sollte mich wenig afficiren. - Es sind Eitelkeiten! - Die Probe mit den Statisten ging sehr schlecht u. es wird wohl Confusionen geben. Die Musick ist gut. - Mein Stück ist, ungeachtet der schlechten Besetzung (außer Heurteur u. der Löwe) gut aufgenommen worden, u. der böse Wille so Mancher hat nichts dagegen vermocht. - 5. Juni. Wie reitzbar ist mein Körper! Ich habe kaum eine Stunde geschlafen! Das ist die Folge der Überspannung, in die mich der gestrige Tage setzte; u. doch scheint es nicht, daß mir so viel an dem Ausgang lag? - Ich war dennoch bei der 2. Vorstellung des 'Traum's bis zum Schluß des 3. Acts. Heurteur wurde wieder gerufen. Im Parterre hörte ich directe u. indirecte Lobsprüche. Der Graf [Stadion] ist sehr zufrieden, u. Alles wünscht nun, daß das Stück in der Stadt gegeben würde. - 7. Juni. Die 3. Vorstellung des 'Traums' hatte ein sehr volles Haus u. ein sehr befriedigtes Publicum. Die Reputation dieses Stückes ist gemacht, u. alle Umtriebe dagegen helfen nichts mehr ... Was würde erst geschehen, wenn das Stück in der Stadt mit allen Hülfsmitteln gegeben würde ... 12. Juni. ... Mein Nebenbuhler in der Übersetzung des 'Traum's' ist der junge Grillparzer. Für seine Jugend wirklich ein bedeutendes Talent! - 22. Juni. Der junge Grillparzer war Nachmittag bei mir. Ich habe die Hälfte der Hauptscenen, u. in 8 Tage könnte das ganze Stück (Donna Diana) fertig sein ... 28. Juli. Ich war bis 6 Uhr Abends bei der [Caroline] Pichler, wo man mir viele Artigkeiten sagte. Anfangs sagte ich einige Albernheiten, dann aber wurde ich natürlich, u. sprach gut. Nach Tisch las ich die 'Donna Diana', die viel aufrichtigen Beifall zu erhalten schien ... 25. August. Grillparzer las mir den 2. Act seiner Tragödie vor. Er hat unstreitig viel poetisches Talent. - 3. September. Grillparzer las mir heute seinen 3. Act vor. Ich erklärte ihm mit Wärme u. Wahrheit, daß er ein Dichter sei! Dieses Talent habe ich großentheils geweckt, u. ihm Selbstvertrauen gegeben. Er gesteht es auch zu. - 15. September. Grillparzer brachte mir seinen letzten Act, der zu gräßlich, u. überhaupt noch formlos ist. - 19. September. Das Stück von Grillparzer habe ich zum Theil durchgearbeitet, es ist, als Composition, doch noch sehr unreif ...".
Auch solche Mitteilungen enthält also der vorliegende Band. Obwohl die philosophischen Betrachtungen und die vielen Beurteilungen der aktuellen Lektüre den größten Teil und einen eigenen Wert dieser Texte ausmachen, sind sie doch augenscheinlich bisher nicht veröffentlicht. So bilden die vorliegenden, weitgehend unbekannten Auszüge aus Grillparzers Tagebüchern eine wichtige Ergänzung zur Biographie des bedeutenden Mannes und zur Kenntnis seines Wesens und Charakters.
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