Los 1078 [*]
Quaist Cudasch Musical Appertain
Engadiner Musikhandschrift als Monument der rätoromanischen Sprache mit spätbarockem Sgraffito-Schmuck. Bever 1799.
Schätzung
1.600€ (US$ 1,667)
Abgabe von Vorgeboten möglich
Monument der rätoromanischen Sprache mit spätbarockem Sgraffito-Schmuck
Engadiner Musikhandschrift. - Quaist Cudasch Musical Appertain. Allas Prudaintas Nobillissimas Conspicuas bain Educhedas Sig.rs. Cioe Sig.ra Chiatina Gian Pool et Sig.ra Maria Gian Pool Sruors […] Scrit Tres me Hans Lücij Enga (raetoromanice: "Dieses Musikbuch gehört den Damen Chiatina Gian Pool und Maria Gian Pool, Schwestern … Geschrieben von mir Hans Lücij Enga). 5 nn. Bl. (Titel und Index), 5 num. S., Bl. 6-51, 1 nn. Bl., Bl. 52-88, meist beidseitig beschrieben. Mit 10 Blattrahmen in bunter Deckfarbenmalerei. Schwarze und rote Feder mit kalligraphischen Initialen; etwas später von mindestens 2 Händen auf Leerräumen, Vakatseiten, den Bl. 77-88 und 6 losen Einlagen fortgesetzt. 18,8 x 26,2 cm. Braunschwarzes genarbtes Ziegenleder d. Zt. (unwesentliche Bereibungen oder Kratzer) mit goldgeprägten Rücken- und Deckelfileten, marmorierten Vorsätzen sowie dreiseitigem Goldschnitt. Bever (Oberengadin), 1799.
Stimmbuch für zwei- bis vierstimmige Vertonungen von Psalmen und geistlichen Liedern ("Chianzuns") mit rätoromanischen Texten. Sorgfältig auf bestem, weißen und festem Büttenpapier angelegte und reich geschmückte Sammlung von über 60 Vertonungen für Tenor und Discant, bisweilen auch Cantus I/II (Ergänzungen nicht eingerechnet). Die Empfänger/innen waren Mitglieder der alten Familie Pool in Bever (Bevers, Bevero), ein Weiler im Oberengadin in der Region Maloja des Kantons Graubünden in der Schweiz. Wahrscheinlich handelt es sich um die Töchter des dort und in Amsterdam tätigen Kaufmannes Jan Pool (1758-1830), der mit Ursina Pool-Planta die Töchter Caterina und Maria hatte (letztere verehelichte von Salis, später von Muralt). Die Familienakten einschließlich Stammbäumen sind im Staatsarchiv Graubünden erhalten (Sign. A SP III/16f mit Findmittel-PDF).
Der Schreiber und Illustrator ist für uns nicht nachweisbar, sein voller Name findet sich am Fuß der opulenten Titelkartusche, die Initialen "H.L.E." nochmals in der Bordüre zu Bl. 67v. Der Buchschmuck entspricht der architektonischen Sgraffito-Kunst im Engadin und hat daher deren Formensprache in farbiger Nachbildung übernommen […] die Stimmbücher [sind] verkleinerte Nachbilder von Sgraffito und bunter Fassade (Jenny, Über den Buchschmuck der Engadiner Musikhandschriften und die Gesangskultur im Oberengadin; in: Unsere Kunstdenkmäler XV, 1964, S. 209-16, als Digitalisat verfügbar). Das Wasserzeichen des starken Büttens zeigt die Intialen "GF" und "HF", als Gegenzeichen drei Halbmonde sowie gekrönter Schild mit drei Sternen.
Die Psalmenharmonisierungen sind teils gedruckten Quellen entnommen und mit Kürzeln der Tonsetzer oder Titel versehen, darunter Johann Caspar Bachofen, Barthold Heinrich Brockes (Broches, in der Vertonung Bachofens), Christian Huber (Ex Selenmusic), Balthasar Musculus, Johannes Schmidlin, Johann Wilhelm Simler. Psalm 110 wurde aus der Vertonung des Genfer Psalters durch Jan Pieterszoon Sweelinck ausgewählt (Ex Sveling; Bl. 29r, 30v, ergänzt 87v). Unter den Liedern solche zu Neujahr (d’Ann Nouf), auf den Frühling oder zur Hochzeit (Nuptiella). Zahlreiche Kompositionen sind namentlich nicht gekennzeichnet, darunter möglicherweise unbekannte. Wenige im Index vorgesehene Titel wurden nicht oder erst von den Folgehänden ausgeführt. Die Stimmen (meist je eine pro Seite) folgen nicht immer direkt aufeinander. – Nur ganz vereinzelt untere Ecken minimal fingerfleckig, wenige Farbverwischungen und Korrekturen, insgesamt bemerkenswert frisch.
[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.
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