Los 2451

Friedrich II., der Große, König von Preußen
(1712-1786)53 Briefe und Urkunden + Beilagen

Zuschlag
15.000€ (US$ 14,706)

Los 2451 - Friedrich II., der Große, König von Preußen - 53 Briefe und Urkunden + Beilagen - 0 - thumb

Aus dem Katalog
Literatur, Spazierstöcke und Autographen
Auktionsdatum 12.10.2022

Lot 2451, Auction  120, Friedrich II., der Große, König von Preußen, 53 Briefe und Urkunden + Beilagen

"dem Hülfs bedürftigen Adel gar nicht geholfen""
Friedrich II., der Große, König von Preußen (1712-1786). Faszikel mit 48 Briefen, 4 Urkunden und 1 weiteren Schriftstück m. U. "Frch"; beigeheftet diverse Akten; zus. 125 Bl, oft zweiseitig beschrieben. 4to bis gr. folio. Geheftet; in einem (defekten) Umschlag des 19. Jhdts. Potsdam und Berlin 8.IX.1773 bis 14.VII.1782.
Umfangreiches und bedeutendes Konvolut von Briefen des Königs sowie von Urkunden und Schreiben seiner Minister und anderer Staatsbeamter, betreffend die Gründung und Geschichte einer wichtigen nationalökonomische Einrichtung in Preußen, der "Kur- u. Neumärkischen Haupt-Ritterschafts-Direktion", eines Kreditinstituts, das nach den langen Kriegszeiten dem märkischen Landadel durch die Gewährung unkündbarer hypothekarischer Darlehen die oftmals schwierige Existenz sichern sollte. Enthält Urkunden des Königs zur Gründung der "Kur- und Neumärkischen Landschaft" sowie zahlreiche entsprechende Kabinettsordes an den mit der Planung der Einrichtung beauftragten Minister v. Goerne, den mit der Durchführung betrauten Landschaftsdirektor v. Arnim und die sämtlichen Stände der Kur- und Neumark.
Der erste hier vorliegende Brief des Königs an die Stände (Potsdam 8.IX.1773) signalisiert seine Zustimmung zu dem vorgelegten Plan: "Seiner Königlichen Majestät von Preußen ... ist der Inhalt ... von denen Verordneten sämtlichen Ständen der Churmark ... gethanen Vorstellungen um so angenehmer gewesen, da solcher Seiner Königlichen Majestät zur Wiederherstellung des Landes-Credits so verschiedentlich geäußerten Absicht vollkommen gemäs ist, und werden Allerhöchstdieselbe dahero den Plan, welchen gedachte Verordnete zu Retablirung und Beförderung des verfallenen Credits der Güther-Besizer zu entwerffen gemeinet ist, ... sehr gern genehmigen."
Nach den ersten Erfahrungen kündigt der König am 4.I.1776 den Ständen Reformen an: "Da Seiner Königlichen Majestät von Preußen ... Landes-Väterliche Absicht immer dahin gerichtet ist, das Beste dero Unterthanen ... zu befordern, So wollen Höchst dieselbe auch gerne sehen, daß die Sachen der Chur Märkischen Landschaft, auf einen ordentlichern, und beßern Fuß, eingerichtet werden: In Schlesien sind diese Sachen sehr gut reguliret: Gehet das nun hier, gleich nicht gantz völlig auf die Arth an, so wird es doch einiger maaßen möglich seyn; denn die Haupt Absicht ist immer die, daß die gesamten Stände mehr zusammen treten, sich beßer vereinigen, und dadurch sich stärker und ansehnlicher machen solln, damit der Credit der landschaft größer wird, und die Edelleute genöthiget sind, mehr auf die Conservation ihrer Güther bedacht zu seyn, und nicht zu viele Schulden machen: Seiner Königlichen Majestät haben dahero dero Etats-Minister v. Carmer bey deßen jetziger Anwesenheit zu Berlin, aufgetragen, seine Idées und Meiningen, über die Sache, und wie alles darunter beßer einzurichten, denen gesamten Ständen der Chur Märckschen Landschaft, mitzutheilen ...".
Es zeigt sich jedoch, daß einige Stände und Regionen sich sperren, dem von Carmer vorgelegten Plan einer "Credit-Assoziation" nach schlesischem Vorbild zuzustimmen. Am 21. März 1777 spricht der König seinen Unwillen darüber aus und reduziert kuzerhand die Anzahl der Landtags-Deputierten. Er habe erfahren, "daß die zum Landtag jetzo zu Berlin versammlete Deputirte des Praelaten Standes, der Altmark, Priegnitz und Mittelmark, den ... Plan zu einer Credit-Association nach Schlesischen Fuß für ihre Kreiser angenommen, dagegen die Deputirte der Uckermark und Neumark Anstand nehmen, diesem beizutreten; So wollen Sr. Königliche Majestät, daß denen ersterwehnten Deputirten Höchstdero gnädige Zufriedenheit über ihren Beytritt, denen andern aber bekannt gemacht werde, daß Sr. Königlichen Majestät es nicht zu wenigem Wohlgefallen gereichen würde, wenn baldigst eine allgemeine Vereinigung geschähe; da Höchstdieselben aber die Anzal der anwesenden Deputirte jetzo weder nöthig noch nützlich finden, So ist Dero gnädigster Wille, daß von denen hier anwesenden von dem Praelaten Stande Einer, Einer aus der Altemark, Einer aus der Priegnitz, Zwey aus der Mittelmark, Einer aus der Uckermark und Zwey aus der Neumark, alhier verbleiben, an den ... jetzo noch einzurichten nötigen Sachen mitarbeiten, die übrige Deputirte aber entlaßen und ihnen mitgegeben werde, so bald es thunlich in ihren Kreisen dasjenige, wozu sie angewiesen werden sollen, dergestalt zu veranstalten ...".
Am 12.IV.1777 schreibt der König an den Minister v. Goerne über die störrischen Landstände: "Ich muß Euch nur sagen, sie haben keine patriotische Gesinnungen, und das allgemeine Beste, ist die längste Sache, woran sie dencken, und dem sind auch noch zwey Sachen im Weg, das sind die Leute von der Justitz, und die Advocaten, diese suchen das Werck ihres Vortheils wegen zu hintertreiben, und setzen den Leuten allerhand Dinge im Kopf, und machen lauter Cabalen ...".
Auch in anderen Personalfragen nimmt der König in seiner offenen Art kein Blatt vor den Mund. So schreibt er am 20.VII.1777 an v. Goerne: "... Da ich aus Eurem Bericht ... ersehen, daß die Uckermärcksche Stände, den vice Landesdirector v. Eckstedt, zum Director bey dem Credit-Wesen erwählet haben; so habe nichts dagegen, wenn sie vernünftige Leute wählen, nur keine Windbeutel, das werde nicht gestatten ...".
Aus vielen weiteren Briefen ist ersichtlich, wie akribisch sich der König um die Entwicklung dieser Einrichtung kümmert, Zinsen festsetzt oder sich über Verhinderung von Konkursen freut. Doch am 7.IV.1782 zieht er in einem Brief an den Landschaftsdirektor v. Arnim eine bittere Bilanz: "... Nachdem Ich von dem eigentlichen Zustand und bisherigen Fortgange des hiesigen Credit-Werks nähere Nachricht eingezogen; so habe Ich wahrnehmen müßen, daß dabey meine landesväterliche Absicht keinesweges erreicht, und dem verschuldeten Hülfs bedürftigen Adel gar nicht geholfen worden; vielmehr täglich neue Concurse entstehen, und eine Familie nach der andern an den Bettelstab geräth ... Ich bin vollkommen überzeugt, daß Mein getreuer Chur- und Neu-Märkscher Adel eben so viel Generosité, Patriotismus und guten Willen, seinen unglücklichen Mitständen zu helfen, besitzt, als die Pommern und Schlesier. Der Fehler muß also in der ersten Einrichtung, und besonders darin liegen, daß die meißten noch gar keine rechte Idée von der Sache haben, und nicht wißen, worauf es dabey eigentlich ankommt; und daß man hienächst durch unnütze Formalitaeten und Pointillen weitläuftige Zögerungen und übertriebene Kosten, den schwächern Theil des Adels außer Stand gesetzt hat, an den Beneficiis des Credit-Systems wirklich Theil zu nehmen ...".
Beigeheftet ein Reihe zugehöriger weiterer Schriftstücke: I. Mehrere Abschriften von Briefen Friedrichs des Großen, davon 3 an Minister v. Goerne, 1 an Großkanzler v. Fürst, 1 an General von Buddenbrock, 2 an die Stände der Mittelmark (alle Potsdam 1777) und 1 an den Kapitän v. Jagow (Berlin 1778). - II. Eine Rede Friedrichs des Großen an die Deputierten der kur- und neumärkischen Landstände (6 Seiten; gr. folio) in Potsdam am 18.I.1776. - III. Ein Pfandbrief m. U. des Generaldirektors v. Kameke, ausgestellt auf das Gut Treppeln (handschriftlich ausgefüllter Vordruck; 1 S. Quer-folio. Berlin 2.I.1778). - IV. Das komplette Manuskript "Revidirtes Chur- und Neumärksches Ritterschaftliches Credit-Reglement" mit Unterschrift des kgl. Kommissars v. Arnim (98 S. Gr. folio. Berlin 23./25.V.1782). - Ein separater, Sammelband mit dem Erstdruck "Chur- und Neumärkisches allergnädigst confirmirtes Ritterschafts-Credit-Reglement" (Berlin, G. J. Decker, 1777) sowie 2 Nachträge "Tax-Principia" (Berlin 1777, 1784), - Daran angebunden ein Neudruck der Ausgabe von 1777 mit Register sowie diversen Anhängen und Ergänzungen (1875-1877). - V. Ein handschriftl. Auszug aus dem revidierten Reglement (2 S. Gr. folio. Berlin 1782). - VI. 2 Briefe m. U. des Kronprinzen bzw. Königs Friedrich Wilhelm II. an Goerne (Potsdam 1777 und Berlin 1786). - Gelegentliche Randschäden; einige Schriftstücke gelöst; Heftung des gedruckten Bandes locker; sonst alles ordentlich erhalten. - Das reiche Material bietet wertvolle Einblicke in die Bemühungen des Königs, das Finanzwesen Preußens im allgemeinen und die wirtschaftlichen Verhältnisse des ländlichen Adels im besonderen in solide Bahnen zu lenken.

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