Los 6413

Broodthaers, Marcel
(1924 Brüssel - 1976 Köln)"Les Bandits European"

Ergebnis
12.300€ (US$ 14,138) *

Los 6413 - Broodthaers, Marcel - "Les Bandits European" - 0 - thumb

Detail-Zoom:

Aus dem Katalog
Über das Leben hinaus – Die Sammlung Louis Peters, Köln
Auktionsdatum 10. Juni 2021

Lot 6413, Auction  117, Broodthaers, Marcel, "Les Bandits European"

"Les Bandits European".
Öl und typographischer Druck auf Leinwand, am Oberrand auf einem mit Leinwand bespanntem Keilrahmen montiert. 78 x 98,7 cm. Aufl. 1/3. 1974.

Während Eugène François Vidocq (1775-1857) nach einem Leben als Krimineller und Häftling 1811 auf die andere Seite wechselte und die erste Geheimpolizei Frankreichs gründete, beschritt Pierre-François Lacenaire (1803-1836) den umgekehrten Weg. Er wandte der Bourgeoisie, der er entstammte, den Rücken und hielt fortan als Mörder und Dichter der Gesellschaft ihre eigene Verderbtheit vor. Die Namen der beiden Männer hielt der belgische Konzeptkünstler Marcel Broodthaers 1974 zusammen mit jenen anderer Verbrecher des 18.-20. Jahrhunderts auf einer weißen Leinwand fest. Mit einem nicht unironischen Augenzwinkern spielte er damit auf die Faszination der Öffentlichkeit und der Populärkultur für das Kriminelle an. Dem verlieh nicht zuletzt Andy Warhol künstlerischen Ausdruck, als er 1962 in seiner Serie Most Wanted Men Polizeifotos von 13 der meistgesuchten Verbrecher des New Yorker Police Departments vergrößerte. Doch von der beabsichtigten Banalität der Pop-Art ist Broodthaers weit entfernt. Er verweigert den visuellen Reiz des Bildes und untersucht die Mechanismen der Sinnproduktion, indem er uns mit immateriellen Wörtern konfrontiert. Er führt vor, dass auch Namen bloß Hülsen sind, die erst in spezifischen zeitgeschichtlichen Kontexten Bedeutung und Verweischarakter entfalten. Denn während die Bekanntheit von Vidocq, Lacenaire und den anderen ihrerzeit geradezu mythische Höhen erreichte, sind sie dem heutigen Publikum weitgehend unbekannt. Broodthaers bewegt sich hier an der verschwimmenden Grenze zwischen verbaler und pikturaler Sprache, zwischen Schrift und Malerei, eine Grenze, die seine konzeptuell anspruchsvolle Kunst stets auszeichnete. Der Künstler war nach dem Krieg zum Kreis der belgischen Surrealisten um René Magritte gestoßen. Deren subversive Kunstauffassung rund um das Ineinandergreifen von Sprache und Malerei begleitete fortan sein eigenes Schaffen, zuerst als Dichter und ab den 1960er-Jahren als bildender Künstler.

Ausstellung: Marcel Broodthaers, 1980, Museum Ludwig Köln.

Literatur: Evelyn Weiss, Gerhard Kolberg, Bernd Vogelsang (Hrsg.): Marcel Broodthaers, Ausst. Kat Köln 1980, Museum Ludwig, Kat. 95, mit Abb. auf S. 94.

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.

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