Los 6361

Sohn, Anton
(1769 Bad Waldsee - 1840 Zizenhausen, heutiges Stockach)Der Zizenhausener Totentanz

Ergebnis
17.220€ (US$ 19,793) *

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Detail-Zoom:

Aus dem Katalog
Über das Leben hinaus – Die Sammlung Louis Peters, Köln
Auktionsdatum 10. Juni 2021

Lot 6361, Auction  117, Sohn, Anton, Der Zizenhausener Totentanz

Der Zizenhausener Totentanz.
41 (von 42) Figuren aus Ton, rückseitig abgeflacht, farbige Fassungen, auf den Plinthen die auf Papier gedruckten, zugehörigen Text. Je ca. H. 13,5-14,5 cm.

Den Totentanz, bestehend aus insgesamt 42 Figuren, fertigte Anton Sohn ab 1822 in seiner berühmten Terrakottamanufaktur in Zizenhausen bei Stockach am Bodensee. Die Figuren gehen in ihrer Motivik auf den sogenannten Basler Totentanz, ein monumentales Wandgemälde mit dem „Tod in Basel“ zurück, das im 15. Jahrhundert von einem unbekannten Künstler auf den Mauern des Friedhofs des Predigerklosters der Dominikaner angelegt wurde. Im 16. Jahrhundert wurde die Wandmalerei überarbeitet und die Figuren erhielten zeitgenössische Kleidung. Bei der Niederlegung der Mauer im Jahre 1805 wurde die Malerei jedoch zerstört. Überliefert sind die Bilder durch alte Bildkopien und die Kupferstiche von Matthäus Merian den Älteren. Anton Sohn folgt in seiner Ausarbeitung den Bildern Merians, der den Totentanz 1623 erstmals mit begleitendem Text herausgab. Nach diesen Stichen formte Anton Sohn Halbreliefs aus Ton, von denen Gipsabgüsse angefertigt wurden, die als Model zur Vervielfältigung der Figuren dienten.
Bei den Szenen handelt es sich um die Gegenüberstellung des Lebens mit dem Tod. Auftakt macht die Predigtszene mit einer kleinen Menschengruppe, die sich um einen Geistlichen schart, vermutlich predigt er über das Sterben. Die zweite Szene zeigt zwei musizierende Gerippe, die dem Beinhaus entschwinden und den Tanz einleiten. Die Menschen sind mit Attributen ihres jeweiligen Standes oder Berufes dargestellt; dies und die Reihenfolge der Darstellungen zeigen die Hierarchie der spätmittelalterlichen Gesellschaftsordnung: beginnend mit dem Papst und endend mit dem Bauern. Nach dem Bauern schließt der Tanz mit Adam und Eva, dem Maler und der Malerin. Hoffnung gibt es im Tod, da alle Menschen sterben müssen. Gerade der Basler Totentanz gilt angesichts seiner frühen Entstehung als Sinnbild der Sterblichkeit und damit des Memento-Mori Bildes, wie es seit dem 15. Jahrhundert vor allem in Bettelordensklöstern in ganz Europa Verbreitung fand. -
Die Figuren des Zizenhausener Totentanzes wurden über eine Spanne von 150 Jahren in der Terrakotta Werkstatt des Anton Sohn produziert und auch wenn heute einige vollständige Sätze überliefert sind, darunter diverse Mustersätze sowie ergänzende Archivalien (das Stadtmuseum Stockach verwahrt seit 2003 den Nachlass der Familie Sohn), nähern sich die Experten nur langsam der Zuordnung eines bestimmten Satzes an einen bestimmten Autor der Familie sowie deren Chronologie (op. cit. S. 6f.). Begonnen bei Anton Sohn wurde die Anleitung zur Produktion bis an den Ururenkel Otto Müller Sohn (1909-2003) weitergegeben. Erschwerend zu einer Klassifizierung kommt hinzu, dass sie Figuren auch auf Kundenwunsch unterschiedlich gefasst, lackiert und gefirnisst wurden. Aufgrund der rückseitigen Höhlungen, der Fassung und der Bemalung der Rückseite lässt sich die Entstehung der vorliegenden Figuren auf die Jahre zwischen 1860 und 1920 eingrenzen.
Wir danken Herrn Johannes Waldschütz, Stadtmuseum Stockach für wertvollen Hinweise.- Hier vorliegend die beinahe vollständige Serie, lediglich Nr. 38: Der Tod und der Koch fehlen.

Literatur: Vgl. Stefanie Knöll: „Der Zizenhausener Totentanz“, in: Friedhof und Denkmal: Zeitschrift für Sepulkralkultur, 49:1-2(2004), S. 3-9.

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.

* Alle Angaben inkl. 23% Regelaufgeld ohne MwSt. und ohne Gewähr – Irrtum vorbehalten.


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