Los 5077

Dürer, Albrecht
(1471-1527, Nürnberg)Die Melancholie (Melencolia I)

Ergebnis
98.400€ (US$ 113,103) *

Los 5077 - Dürer, Albrecht - Die Melancholie (Melencolia I) - 0 - thumb

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Aus dem Katalog
Druckgraphik des 15. bis 19. Jahrhunderts
Auktionsdatum 9. Juni 2021

Lot 5077, Auction  117, Dürer, Albrecht, Die Melancholie (Melencolia I)

Die Melancholie (Melencolia I). Kupferstich. 23,6 x 18,6 cm. 1514. B. 74, Meder 75 II, mit der Richtigstellung der Ziffer 9, vor dem Ritz auf der Kugel, b-c (von f).

Vorliegender Kupferstich ist der letzte der drei sogenannten "Meisterstiche", die Dürer in den Jahren 1513 und 1514 entwarf und die innerhalb des druckgraphischen Œuvres als unübertroffene Höhepunkte gelten.
Rechts auf einer Steinbank sitzt die weibliche, bildbestimmende Figur. Sie trägt einen Blätterkranz auf dem Haupt und hat Engelsflügel. Den Ellenbogen auf ihr Bein gestützt, legt sie den Kopf nachdenklich in die linke Hand - ein seit dem Altertum geprägter Topos für Schwermut und Trauer, die Personifikation der Melancholie. Das fledermausähnliche Wesen mit aufgerissenem Maul im oberen linken Rand verweist mit dem Titulus „Melencolia I“ auf den Sinngehalt des Kupferstichs. Einhellig geht man davon aus, dass es sich um eine allegorische Darstellung einer der vier menschlichen Temperamente handelt, dem seit der Antike entwickelten Schema der Humoralpathologie folgend (vgl. Schoch/Mende/Scherbaum 2002, Bd. I, S. 180). Aus der antiken Vier-Säftelehre, nach deren Verständnis das Mischverhältnis der vier Körpersäfte Blut (sanguis), Schleim (phlegma), gelbe Galle (chole) und schwarze Galle (melaina) die Befindlichkeit eines jeden Menschen bestimmt, entwickelte sich die Idee der vier menschlichen Grundtypen mit stereotypen Charaktereigenschaften: Sanguiniker, Phlegmatiker, Choleriker und Melancholiker. Auch zu Dürers Zeit war die Vorstellung dieser vier Grundtypen verbreitet; wurde der Sanguiniker gemeinhin als heiter betrachtet, so wurde der Melancholiker als dessen durchaus negatives Gegenbild definiert. Angestoßen durch eine Passage in Aristoteles „Problemata“, die durch neoplatonische Philosophen zunächst in Italien Verbreitung fand, besteht Dürers epochale Leistung vor allem darin, für die europäische Bildtradition dieses mittelalterliche Schema der Komplexionen durch eine neue Sicht auf das melancholische Temperament abgelöst zu haben; es wurde in der Folge mit intellektueller Kreativität in Verbindung gebracht. Melancholie und Genialität bedingten sich nun wechselseitig. Dürers geflügelte Gestalt wird somit zu einer Allegorie der künstlerischen Melancholie. Vielleicht nicht zu Unrecht sehen einige Forscher deshalb in dem Kupferstich ein „verstecktes Selbstbildnis“ des Künstlers, denn Dürer waren die Leiden des Melancholikers wohl nicht fremd: grundlose Traurigkeit und Weltfurcht - um nur eine der vielen Deutungen aufzugreifen (vgl. op. cit. S. 183). -
Das bedeutende Blatt Dürers in einem zweiten Zustand mit der Richtigstellung der Ziffer 9 auf der magischen Tafel, bereits mit einer leichten, sich andeutenden Horizontalen auf dem weißen Beinkleid der Melancholie, wie für die Druckzustände der Meder c-Qualität vermerkt, die etwa um 1525 zu datieren sind. Ganz ausgezeichneter, harmonischer und in den dunklen Partien kräftiger Abzug mit sehr feinem Rändchen an drei Seiten, oben knapp auf die Darstellung geschnitten. Insgesamt leicht stockfleckig sowie verso vereinzelt minimal fleckig, winziges Braunfleckchen zwischen Hund und Weihrauchegfäß, verso leichte Knitter- bzw. Quetschspuren, die jedoch recto nur wenig bis gar nicht in Erscheinung treten, in den äußersten Rändern sehr sorgsame und äußerst unmerkliche Ausbesserungen (etwa links unten nahe der Ecke, in der unteren rechten Ecke und im Rand oben), die obere rechte Eckenspitze sorgsam wieder angesetzt, in diesen Stellen sehr vereinzelt und nur mit punktuellen Federretuschen, sonst im Gesamteindruck sehr schönes und harmonisches Exemplar.

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.

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