Los 1022

Nider, Johannes
Die 24 goldenen Harfen. Ulm, Johann Zainer d. Ä., 1476.

Nachverkaufspreis
14.000€ (US$ 16,092)

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Aus dem Katalog
Sonderkatalog „Apokalypse“
Auktionsdatum 13.4.2021

Lot 1022, Auction  117, Nider, Johannes, Die 24 goldenen Harfen. Ulm, Johann Zainer d. Ä., 1476.

Ulmer Zainer-Druck in Ulmer Dinckmut -Einband
Nider, Johannes: Die 24 goldenen Harfen. CXLVIII (recte CLVIII) Bl. (ohne das erste nn. Bl., durch Faksimile ersetzt). 32-34 Zeilen. Got. rotunda. Schriftraum: 18,8 x 11,4 cm. Format: 28,2 x 20,5 cm. Mit 4-zeiliger figürlicher Holzschnitt-Initiale, 24, teils wiederholten großen ornamentalen 10-zeiligen Holzschnitt-Initialen und zahlreichen kleineren 3-zeiligen Holzschnitt-Initialen. Reich blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (mit nur geringen Schabspuren, Rückdeckel mit kleinen Kratzern, Rücken alt gekalkt) über schweren, abgefasten Holzdeckeln mit Mittelschließe aus Schweinsleder und 3 punzierten Messingbeschlägen (überarbeitet) in moderner Leinenkassette mit goldgeprägtem RSchild. Ulm, Johann Zainer d. Ä., 1476.
Hain 11849. GW 26865. Goff N-224. Amelung, Frühdruck, I, 26. Dahm 670. Hubay 1559. Schlechter-Ries 1355. Ohly-Sack 2124. 2125. Sack 2572. Sallander 2359. Scheidegger-Tammaro 981. Šimáková-Vrchotka 1395. BSB-Ink N-179. CSA 362. IBP 3974. ISTC in00224000. – Dritte deutsche Ausgabe des in Prosa abgefassten Erbauungsbuchs von dem aus Isny im Allgäu stammenden Dominikanertheologen Johannes Nider (1385-1438), der als Kirchenreformer zu einer der führenden Figuren der Observanzbewegung gehört. Das Werk soll dem Leser die Grundlagen des christlichen Glaubens und Anhaltspunkte zum Führen eines gottgefälligen Lebens in allen möglichen Alltagssituationen geben. Entstanden waren Die vierundzwanzig goldenen Harfen in einer Reihe von Predigten, die Nider in Nürnberg gehalten hatte, wo er zwischen 1427 und 1429 als Prior dem Dominikanerkloster vorstand. Einige Frauen aus dem wohlhabenden Nürnberger Bürgertum hatten Nider um die Niederschrift seiner Predigten in Buchform gebeten. Nider kam der Bitte nach und verarbeitete in seinem Werk Quellen wie die Collationes patrum des Johannes Cassianus und Texte des Mystikers Heinrich Seuse und anderer.

"Das interessanteste Dokument der volkssprachlichen Aufnahme dees Collators, zugleich das einzige mit großer Breitenwirkung, eines der erfolgreichsten Erbauungsbücher des 15. Jahrhunderts, sind die 'Vierundzwanzig goldenen Harfen' des Dominikanermagisters Johannes Nider. Zwischen 1427 und 1429 in Nürnberg entstanden, ist es aus Predigten hervorgegangen. Nider gilt, zu Recht, nicht als Mystiker, auch nicht als literarischer Vermittler von Mystik, er hat nur wie viele seiner Zeitgenossen teil am namentlich durch Seuse geprägten und verfügbar gewordenen mystischen Sprachduktus" (Kurt Ruh, Geschichte der abendländischen Mystik, II, 137".

Ein Meisterwerk der Typographie aus der Offizin des Johannes Zainer in Ulm. Mit Zainers dritter Type sind überhaupt nur fünf Bücher gedruckt worden – Es fehlt das erste Blatt (alpha1, vor der ersten Lage), das durch ein hervorragend gemachtes Faksimile auf zeitgenössischem Papier ersetzt wurde (erkennbar nur an der Papierstärke und den Schöpflinien), vorletztes Blatt mit Riss. Ganz vereinzelte mimimale Fleckchen und unwesentliche Papierläsuren, winziges Wurmloch im Rand, stellenweise leicht gebräunt, das letzte Blatt mit geringen Wurmlöchlein und geringem Randbeschnitt, sonst durchgehend sauber, frisch und ein grandios breitrandiges Exemplar in ausgezeichnet guter Gesamterhaltung.

Die Deckel des bemerkenswerten Einbandes sind mit dreifachen Streicheisenlinien in einen Bordürerahmen und ein Mittelfeld eingeteilt. Die Bordüre mit Rhombenstempeln mit einem Greif und ein heraldischer Adler, nach links blickend (vgl. Schunke, Stl. Schwenke, 245). In dem ebenfalls durch Dreifachfileten mit einem Rhombenmuster verzierten Mittelfeld sind kleine Quadratstempelchen "Hirsch" (ebenda 24) eingeprägte. Auf den Außenecken des Rückdeckels findet sich ein rhombischer Stempel "Lamm" (ebenda 6; Kyriss, Gruppe 126, 3). Auf den waagerechten und senkrechten Randstreifen befindet sich jeweils dreifach ein runder Rosettenstempel (634), das Mittelfeld des Rückdeckels ist in Rechtecke geteilt, die dann schräg durchkreuzt wurden. In den so entstandenen Felder findet sich der Stempel "Erdbeere" (vgl. Schunke 10).

Die verwendeten Stempel sowie der Stil lassen den Einband der Buchbindewerkstatt von Dinckmut und Mancz zuordnen (vgl. Amelung, Konrad Dinckmut, der Drucker des Ulmer Terenz, S. 16-18 und Abb. 9-12; ferner Kyriss Gruppe 126 sowie Textband S. 106-107. Schunke-Rabenau 261 (Typ a). Konrad Dinckmut ist ab 1481 als Buchbinder in Ulm nachgewiesen (vgl. Amelung, Ulm, S. 152 & 197 sowie 104).
Mancz' Tätigkeit als Drucker in Blaubeuren endete 1478 bzw. 1479. Im Jahr 1485 ist er bereits als selbstständiger Buchbinder nachzuweisen (vgl. Amelung 101). Später agierte er als Buchführer. "Die Buchbinderwerkstatt Dinckmuts gehörte sowohl was die Anzahl der dort gebundenen Bände anbelangt, als auch wegen ihres außerordentlich reichen Vorrats an Schmuckformen (Rollen und Stempeln) zu den größten und bedeutendsten bürgerlichen Werkstätten des 15. Jahrhunderts" (Amelung, Dinckmut, S. 18).
Die Innendeckelbezüge mit zwei Fragmenten einer spätmittelalterlichen Handschrift des ausgehenden 14. Jahrhunderts als feste Vorsätze.


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