Los 6314

Wittmer, Johann Michael
"Ponte delle caravane a Smyrna": Rast der Karawane

Ergebnis
36.900€ (US$ 41,000) *

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Lot 6314, Auction  115, Wittmer, Johann Michael, "Ponte delle caravane a Smyrna": Rast der Karawane

"Ponte delle caravane a Smyrna": Rast der Karawane.
Öl auf Leinwand. 46,3 x 61,7 cm. Auf der Holzkiste rechts signiert "M. Wittmer f." und verso auf der Leinwand bezeichnet und signiert "Ponte delle caravane a Smӱrna M. Wittmer f." sowie mit dem Stempel des englischen Künstlerbedarfs "T[homas] B[rown], High Holbron, London" und einer Inventarnummer "429". Um 1840.

Smyrna, das heutige Izmir, war bereits in der Seldschukenzeit und im osmanischen Reich der wichtigste Handelsplatz Kleinasiens. Direkt an der Ägäischen Küste gelegen, waren die Handelsvoraussetzungen ideal. Im Laufe der Jahrhunderte siedelte sich eine Vielzahl von Bevölkerungsgruppen an und brachte ein internationales Flair mit verschiedensten kulturellen Einflüssen in die Hafenstadt.
In vorliegendem Gemälde sehen wir die steinerne „Ponte delle Caravane“ über den Fluss Meles, an dem sich die Reisenden auf dem Weg nach Burnaba gerne niederließen, um sich im Schatten der Bäume bei Tee und Wasserpfeife zu erholen.
In Berichten britischer Handelsreisender wird die „Caravane Bridge“ als beliebter Versammlungsort beschrieben: „Abgesehen vom Basar war die Karawanenbrücke ein Ort großer Anziehung für die Reisenden. Der Name ist einfach erklärt: Die Kamelkarawanen, die auf dem Weg nach Anatolien waren, wurden hier zusammengeführt, wie an einem modernen türkischen Busbahnhof; die steinerne Brücke war ursprünglich ein römisches, möglicherweise byzantinisches Aquädukt, die noch immer existiert und nach nur einem kurzen Spaziergang im Norden der Stadt liegt; die Einwohner von Smyrna schlenderten abends gerne dorthin, man fand dort eine große Anzahl von Personen, die auf Stühlen saßen und im Schatten der Kaffeehausbäume Erfrischungen zu sich nahmen ... ein Ort, von dem aus man das Tableau des osmanischen Gesellschaftslebens beobachten konnte. Die Szenerie dieses " Smyreischen Paradieses" bestand aus einem kleinen Bach, in der Antike der Fluss Meles, Kaffeegärten, Picknickplätzen, einem Friedhof voller hoher Zypressen und der alten Brücke […]“ (Übersetzung aus dem Englischen aus Reinhold Schiffer: Oriental Panorama. British Travellers in 19th Century Turkey, 1999, p. 128).
Wittmer liefert uns hier eine visuelle Beschreibung dieser Berichte. Er zeigt uns mit romantischem Blick das Treiben an der Brücke, wo die osmanischen Reisenden in ihren bunten Gewändern und traditionellen Turbanen, mit ihren Familien und Lastenkamelen in der städtischen Idylle rasten. Die warmen Farbtöne, die klaren formalen Strukturen - ganz im Sinne der nazarenischen Kunstauffassung - verdichten die einzelnen Szenen zu einem großen Ganzen.
Eine Vielzahl von Zeichnungen und Skizzen sind von Wittmers Reisen überliefert. Von seiner Orientreise haben sich unter anderem auch zwei Aquarelle erhalten, die eben genau diesen Beobachtungs-Blickwinkel auf die „Ponte delle Caravane“ zeigen - eines betitelt und datiert „Die Caravanen-Brücke außerhalb Smyrnas auf dem Wege nach Burnaba - 1. Juni 1833“ (Salmen op. cit. Abb. 53, 54 (WL 44-46), siehe auch S. 104 ff.).
Wittmer, der in Murnau geboren ist, studiert ab 1820 an der Münchner Akademie der Künste zunächst bei Johann Peter von Langer, dann bei Peter Cornelius und auch Heinrich Maria Hess. Die Malklassen waren zunehmenden geprägt von nazarenischen Gestaltungsprinzipien, die mit der Ernennung Peter Cornelius 1825 zum Direktor der Akademie einhergingen. Cornelius vermittelte Wittmer auch einige Aufträge, beispielsweise die Mitarbeit an den Wandmalereien der Glyptothek in München (Salmen op. cit. S. 23).
Im Jahr 1828 ermöglichte ihm ein erstes Stipendium eine Reise nach Rom. Weitere Stipendien folgten. Rom sollte seine neue Heimat werden und er schloss sich dem Kreis der Nazarener an. Vor Ort arbeitete er auch eine Zeit lang intensiv mit Joseph Anton Koch zusammen, der 1833 sein Schwiegervater wurde. Trotz Aufträgen und der Stipendien hatte Wittmer bis 1832 jedoch Mühen sich finanziell über Wasser zu halten. Erst die Vermittlung seines Freundes Graf Franz von Pocci an keinen geringeren als den Kronprinzen Maximilian von Bayern, der spätere König Maximilian II. Joseph von Bayern, brachte ihm schließlich auch die finanzielle Stütze (Salmen op. cit. S. 24-29). Wittmer erhielt fortlaufend Aufträge vom Kronprinzen und durfte ihn schließlich 1833 auf seine Orientreise begleiten (Salmen op. cit. S. 31). Wittmers Aufgabe war es „[…] Reiseskizzen zu machen, die später auch der künstlerischen Ausstattung in Maximilians Schloß Hohenschwangau dienen sollten“ (Salmen op. cit. S. 31, siehe auch S. 33).
Auch nach dieser Reise war Wittmer für das Königshaus tätig und reiste regelmäßig nach München. Das Angebot einer Professur an der Akademie München lehnte er seiner Familie zu liebe jedoch ab. Er wollte ihnen - und sich - den Umzug ersparen und blieb bis zu seinem Tode im Jahr 1880 der Ewigen Stadt treu.

Provenienz: Ehemals in der Sammlung des Erzherzogs Ferdinand Maximilian Joseph Maria von Österreich (Kaiser Maximilian I. von Mexiko) (siehe Bötticher).
Österreichische Privatsammlung.

Literatur: Friedrich von Boetticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts, Nr. 16 "Ponte delle caravane a Smyrna".
Vgl. Brigitte Salmen: Johann Michael Wittmer (1802-1880). Studien zu Leben und Werk, Diss., Universität Passau 2007 (online urn:nbn:de:bvb:739-opus-1004).

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.

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