Brinckmann, Johann Peter
Vergleichung der Erziehung der Alten mit der heutigen, und Untersuchung welche von beiden mit der Natur am meisten übereinstimme
Los 423
Schätzung
300€ (US$ 345)
KULTUR- UND SITTENGESCHICHTE
Brinckmann, Johann Peter. Vergleichung der Erziehung der Alten mit der heutigen, und Untersuchung welche von beiden mit der Natur am meisten übereinstimme. 570 S., 1 Bl. 17,5 x 10,5 cm. Leder d. Zeit mit RSchild (leicht berieben und mit wenigen Wurmstichen, Rückenschild mit kl. Abplatzungen). Dessau und Leipzig, Buchhandlung der Gelehrten, 1784.
Erste Ausgabe. Pädagogisches Hauptwerk des großen Arztes und Philanthropen. Brinckmann (1746-1785) zeigt, daß die antike Pädagogik in den humanistischen Bildungsvorstellungen seiner Zeit höchst einseitig und in einer der menschlichen Natur wenig entsprechenden Weise mißverstanden worden sei. Die Schrift wurde "von den beiden kühnen Neuerern auf dem Gebiete der Pädagogik, Basedow und Campe, mit freudigem Beifall begrüßt. Campe trug Brinckmann sofort die Mitarbeiterschaft an seinem großen pädagogischen Sammelwerke (der Allgemeinen Revision) an, das damals gerade in Vorbereitung war" (ADB XLVII, 236). Ähnlich wie Basedow war Brinckmann ein Vertreter des eudämonistischen Prinzips und bestimmte als oberstes Erziehungsziel die Glückseligkeit, die in einer glücklichen und möglichst allseitigen Entwicklung aller Anlagen des Zöglings liege. "Allenthalben offenbart sich der denkende Arzt, der neben vielem andern die große Bedeutung der lange fast vergessenen Gymnastik eingehend hervorhob - hier wie in vielen andern Dingen seiner Zeit um Jahrzehnte in der Erkenntnis vorauseilend" (ADB). – Gering stockfleckig.
Hermann, Johann Gottlieb
Der Mystagog oder vom Ursprung und Entstehung aller Mysterien
Los 424
Schätzung
220€ (US$ 253)
(Hermann, Johann Gottlieb). Der Mystagog oder vom Ursprung und Entstehung aller Mysterien und Hieroglyphen der Alten welche auf die Freymaurerey Bezug haben aus den ältesten Quellen hergeleitet und aufgesucht von einem ächten Freymaurer. 4 Bl., 319 S. 20 x 11,5 cm. Pappband d. Z. (etwas lädiert, beschabt, bestoßen, lichtrandig, leicht geöffnete Gelenke und Fehlstellen) mit goldgeprägtem RSchild. Osnabrück und Hamm, Philipp Heinrich Perrenon, 1789.
Wolfstieg 4868. – Einzige Ausgabe dieser Geschichte der Mysterien. Behandelt werden in 16 Kapiteln u. a. "Ursache der Abgötterey", "Von der Entstehung der Hieroglyphen", ferner über Ursprung, Geschichte, Untergang und Einweihungsrituale der ägyptischen Mysterien, die Lehren des Pythagoras und die griechischen Mysterien. Am Schluss mit dem "Beweis, daß der Freymaurerorden die Forstsetzung der alten Mysterien unter veränderter Gestalt sey". – Mit hs. Bestizvermerk auf dem Vorsatz und dem Titel "Gutjahr". Etwas stockfleckig und mit kleiner Fehlstelle am fliegenden Blatt. Vorderes Innengelenk offen.
Holwell, John Zephaniah. Événemens historiques intéressans. Traduit de l'Anglois. 2 Bände. XXVIII S., 2 Bl., 208 S.; 2 Bl., 184 S. Mit 9 gefalteten Kupfertafeln. 20 x 10,5 cm. Halbleder d. Zeit mit RSchildern und floraler RVergoldung (berieben, Rückgelenk von Bd. 1 mit kleiner Wurmspur, Ecken sorgfältig restauriert). Amsterdam, Arkstee und Merkus und Paris, de Hansy le Jeune, 1768.
Cox I, 297. – Erste französische Ausgabe. Die Originalausgabe erschien 1766-67 (Bd. I und II; ein dritter Band erschien erst 1771 und wurde wohl nicht mehr übersetzt). Holwell (1711-78) arbeitete nach seiner Ankunft in Bengalen zunächst als Chirurg, später in der Verwaltung, wo er für kurze Zeit sogar zum Gouverneur Bengalens aufstieg. Bekannt wurde Holwell durch sein Buch über die Ereignisse im Schwarzen Loch von Kalkutta 1756. Als einziger Bericht eines Beteiligten galt es lange Zeit als authentisches Zeugnis; später stellte sich heraus, daß Holwell die Fakten stark zum Nachteil der indischen Beteiligten verändert hatte. Die vorliegende Arbeit bietet zum einen eine Geschichte Bengalens, seiner Menschen und ihrer Glaubenswelt, zum anderen ist es die erste Untersuchung eines Europäers über die bengalischen Altertümer (einige abgebildet auf den 5 Tafeln in Band 2). Holwell hatte zwar Hindi gelernt, verfügte aber nicht über Sanskrit-Kenntnisse, sodass für spätere Forscher einige Irrtümer bezüglich der indischen Mythologie zu berichtigen blieben. Die Karten in Bd. I zeigen u.a. den Lauf des Jumna-Flusses mit den daran liegenden Städten und Ortschaften. – Gering gebräunt und stockfleckig, S. 145-160 sowie Tafeln in der unteren Ecke wasserrandig. Beide Titel verso mit Stempel des Joachimsthalschen Gymnasiums (Nachlaß (F. W. von) Thulemeier), darüber "Ausgeschieden" Stempel.
Meisner, Ernst
Ein Hundert Drey-unddreyssig Gotteslästerliche
Los 426
Schätzung
450€ (US$ 517)
Meisner, Ernst. Ein Hundert Drey-unddreyssig Gotteslästerliche, gottlose, schändliche und schädliche, auch unanständige, und theils falsche teutsche Sprüch-Wörter. 8 Bl., 143 S. 16,5 x 9 cm. Moderner Halbpergamentband (etwas berieben und bestoßen, Gelenke mit kleinen Einrissen) mit goldgeprägtem RTitel. Jena, Johann Bielcke, 1705.
Sehr seltenes Werk, das sich kritisch mit umstrittenen oder als unmoralisch empfundenen Redewendungen des frühen 18. Jahrhunderts befasst. Ernst Meisner widerlegt ebenso einige der theologischen bzw. moralischen Sprichwörter. Von uns konnte kein weiteres Buch ausfindig gemacht werden, nur zwei Mikrofich-Versionen in zwei Bibliotheken. – Papierbedingt gebräunt, sonst gutes Exemplar.
Pancirolli, Guido. Rerum memorabilium sive Deperditarum commentariis illustrata, et loci prope innumeris postremum aucta ab Henrico Salmuth. 2 Teile in 1 Band. 3 Bl., 349 S., 10 Bl.; 313 S., 9 Bl. Mit Kupfertitel. 20,5 x 17 cm. Pergament d. Z. mit hs. RTitel. Frankfurt, Erben Johann Gottfried Schönwetter, 1660.
Graesse V, 117. Katalog Rosenthal 8744. Dorbon-Aine 3452 (Ausgabe 1631). – Eine von mehreren Druckvarianten der Ausgabe, die 1660 in Frankfurt erschien. Interessantes Sammelwerk des italienischen Juristen Guido Pancirolli (1523-1599) über naturwissenschaftliche, geographische und kulturhistorische Errungenschaften. Behandelt Porzellan, Uhren, Typographie, Papier, Musik, Alchemie, Getränke, Bibliotheken, antikes Schiffswesen, Geheimschriften u. a. Mit einer ausführlichen Beschreibung Amerikas auf 64 Seiten (vgl. Sabin XIV, 58412). Der Kupfertitel mit einer allegorischen Darstellung der Alten und der Neuen Welt, sowie dem Inneren einer Druckerwerkstatt. Der Erstdruck erschien 1599 bis 1602 posthum in Frankfurt und Amberg. – Schwach braunfleckig, sonst wohlerhalten.
Praetorius, Johann (d. i. Hans Schultze). Daemonologia Rubinzalii Silesii. Das ist, Ein ausführlicher Bericht, von den wunderbarlichen, sehr alten, und weitbeschrienen Gespensts dem Rübezahl; welches sich, auff den Gebürgen in Schlesien und Böhmen erzeiget. 3 Teile in 1 Band. 10 Bl., 292 S.; 1 Bl., 232 S., 3 w. Bl.; 12 Bl., 264 S. (ohne Register). 13 x 7 cm. Leder d. Z. (stärker berieben, Ecken etwas bestoßen, Rückenbezug am unteren Kapitale mit Fehlstelle, mit einigen Wurmlöchern, mit hs. RSchild) mit goldgeprägter Rücken- und Deckelfilete. Arnstadt bzw. Rudolstadt und Leipzig, Caspar Freyschmied für Johann Barthol Oehler, 1662-1665.
Dünnhaupt V, 3155, 10.I.2., 10.II.2. und 10.III.1. Faber du Faur II, 745d. Graesse, Bibliotheca Magica 22. Hayn, Praetorius 84. Jantz II, 2021. ADB XXVI, 524, 5. Vgl. Goedeke III, 238, 9. – Mischauflage der in verschiedenen Drucken überlieferten ersten umfassenden literarischen Gestaltung des Rübezahlstoffes, Hauptwerk des unter zahlreichen Pseudonymen schreibenden Polyhistors Johannes Praetorius (1630-1680). Der Teil I liegt in der leicht gekürzten späteren von zwei bekannten Fassungen mit dem Druckjahr 1662 vor (vgl. Dünnhaupt). Enthält eine Sammlung von über 250 teils nacherzählten, teils frei von ihm erfundenen Rübezahlgeschichten. "Es handelt sich hier um das erste große Rübezahlbuch, auf dem alle späteren Fassungen - auch die anderer Herausgeber - beruhen" (Dünnhaupt). "In spite of the halting German, Praetorius in this book has created the most vivid ghostly apparition of the century, a phantom which has persisted to the present time. One fearful story follows another. Rübezahl can take on any form and haunts everyone everywhere; but on the whole he remains just a humorous 'Poltergeist' and at times even turns benevolent. He is undoubtedly the most amusing of all ghosts" (Faber du Faur). – Es fehlen das weiße Schlussblatt in Teil I und das Gesamtregister am Schluss von Band III. Papierbedingt etwas gebräunt und braunfleckig, anfangs auch mit kleinerem Feuchtigkeitsrand. Ohne das vord. fl. Vorsatz. Exemplar mit allen drei Teilen.
Theilhaber, Felix A. Blutwunder und Liebeswahn. 24 S. 23 x 15,5 cm. Illustrierte OBroschur (Titel mit altem Ziffernstempel). Berlin, Asy-Verlag, (1929).
Beiträge zum Sexualproblem, Heft 17. Seltene, später beschlagnahmte Erstausgabe mit der Titelgraphik von Will Faber: "Das Muckertum greift an! Am 7. Juni [1930, C.K.] wurde in den Geschäftsräumen des uns befreundeten Asy-Verlages G.m.b.H. Berlin, die Broschüre Blutwunder und Liebeswahn von Dr. F. A. Theilhaber beschlagnahmt. Das Amtsgericht Berlin-Mitte, gez. Dr. Masur, begründete diesen Beschluß wie folgt: Das Titelblatt unterliegt als unzüchtige Abbildung der Einziehung. Die Abbildung der Frau am Phallusbaum und besonders des Christus am Kreuze mit seiner für christliche Leser äußerst abstoßenden und verletzenden Hervorhebung des Geschlechtlichen sind geeignet, das Scham- und Sittlichkeitsgefühl zu verletzen. Gegen den bekannten Grafiker Will Faber, Berlin, und den Geschäftsführer des Asy-Verlages, Willi Jadau, wurde das Verfahren eröffnet. [...] Unseren Gildenmitgliedern sollte dieser Vorstoß des Muckertums ein Anlaß sein, die Schrift in Massen zu verbreiten. Sie ist jetzt mit einem etwas korrigierten Umschlag neu erschienen und kostet einzeln 40 Pfennig." (Besinnung und Aufbruch Nr.6/1930, S. 94, zitiert nach Corinna Kaiser, Der Kater-Konzern, siehe www.anarchismus.at). – Etwas gebräunt; einige Anstreichungen; insgesamt wohlerhalten.
Weigel, Christoph
Berufe. Abbildung der Gemein-Nützlichen Haupt-Stände von denen Regenten und ihren ... Bedienten an.
Los 430
Schätzung
450€ (US$ 517)
(Weigel, Christoph). Berufe. Sammlung von 25 (7 doppelt) losen Kupferstichen. 15,3 x 20 cm (Blattgröße). (Regensburg 1698).
Vgl. Lipperheide Pe 11. Landwehr 637. Praz S. 93. Hiler S. 895. Graesse VII 430. – Diese Kupferstiche stammen aus Christoph Weigels (1654-1725) Werk "Abbildung Der Gemein-Nützlichen Haupt-Stände Von denen Regenten Und ihren So in Friedens- als Kriegs-Zeiten zugeordneten Bedienten an, biß auf alle Künstler Und Handwercker" und verbildlichen die Arbeit die hinter. Dargestellt sind verschiedene Berufe wie zum Beispiel: "De Trompetter", "De Bykorf het Kanon", "De Konstapel en Vuurwerker", "De Bykorf het Wapenhuis", "De Koperslaager", "De Klok-en Geschut-Gieter", "De Loopemaker", "De Zwaardueger", "De Harnaschmaker en Pantziermaker", "De Soldaat", "De Koperslager", "De Geelgieter", "De Tinnegieter", "De Klok-en Geschut-Gieter", "De Kaarsemaaker", "De Roermaaker", "De Soldaat". Mit sieben doppelten – Obere rechte Ecke verso meist verstärkt, mit minimalen Wurmspuren, finger- sowie fleckig, gebräunt, Darstellung jedoch kaum betroffen. Breitrandige, schöne Exemplare. – Dabei: I. Jost Amman. Adumbrator. Der Reisser. Holzschnitt. 7,5 x 6 cm (Darstellung) bzw. 14 x 8,5 cm. (Blatt). 1568. - II.
Derselbe. Dux exercitus. Der Führer der Landsknecht. Holzschnitt. 7,5 x 6 cm (Darstellung) bzw. 14 x 8,5 cm. (Blatt). 1568. III. A. Gabler. Der Huff u Waffenschmidt. Kolorierter Kupferstich. 15 x 9 cm (Plattenrand). 1791.
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