Theilhaber, Felix A. Blutwunder und Liebeswahn. 24 S. 23 x 15,5 cm. Illustrierte OBroschur (Titel mit altem Ziffernstempel). Berlin, Asy-Verlag, (1929).
Beiträge zum Sexualproblem, Heft 17. Seltene, später beschlagnahmte Erstausgabe mit der Titelgraphik von Will Faber: "Das Muckertum greift an! Am 7. Juni [1930, C.K.] wurde in den Geschäftsräumen des uns befreundeten Asy-Verlages G.m.b.H. Berlin, die Broschüre Blutwunder und Liebeswahn von Dr. F. A. Theilhaber beschlagnahmt. Das Amtsgericht Berlin-Mitte, gez. Dr. Masur, begründete diesen Beschluß wie folgt: Das Titelblatt unterliegt als unzüchtige Abbildung der Einziehung. Die Abbildung der Frau am Phallusbaum und besonders des Christus am Kreuze mit seiner für christliche Leser äußerst abstoßenden und verletzenden Hervorhebung des Geschlechtlichen sind geeignet, das Scham- und Sittlichkeitsgefühl zu verletzen. Gegen den bekannten Grafiker Will Faber, Berlin, und den Geschäftsführer des Asy-Verlages, Willi Jadau, wurde das Verfahren eröffnet. [...] Unseren Gildenmitgliedern sollte dieser Vorstoß des Muckertums ein Anlaß sein, die Schrift in Massen zu verbreiten. Sie ist jetzt mit einem etwas korrigierten Umschlag neu erschienen und kostet einzeln 40 Pfennig." (Besinnung und Aufbruch Nr.6/1930, S. 94, zitiert nach Corinna Kaiser, Der Kater-Konzern, siehe www.anarchismus.at). – Etwas gebräunt; einige Anstreichungen; insgesamt wohlerhalten.
Weigel, Christoph
Berufe. Abbildung der Gemein-Nützlichen Haupt-Stände von denen Regenten und ihren ... Bedienten an.
Los 430
Schätzung
450€ (US$ 517)
(Weigel, Christoph). Berufe. Sammlung von 25 (7 doppelt) losen Kupferstichen. 15,3 x 20 cm (Blattgröße). (Regensburg 1698).
Vgl. Lipperheide Pe 11. Landwehr 637. Praz S. 93. Hiler S. 895. Graesse VII 430. – Diese Kupferstiche stammen aus Christoph Weigels (1654-1725) Werk "Abbildung Der Gemein-Nützlichen Haupt-Stände Von denen Regenten Und ihren So in Friedens- als Kriegs-Zeiten zugeordneten Bedienten an, biß auf alle Künstler Und Handwercker" und verbildlichen die Arbeit die hinter. Dargestellt sind verschiedene Berufe wie zum Beispiel: "De Trompetter", "De Bykorf het Kanon", "De Konstapel en Vuurwerker", "De Bykorf het Wapenhuis", "De Koperslaager", "De Klok-en Geschut-Gieter", "De Loopemaker", "De Zwaardueger", "De Harnaschmaker en Pantziermaker", "De Soldaat", "De Koperslager", "De Geelgieter", "De Tinnegieter", "De Klok-en Geschut-Gieter", "De Kaarsemaaker", "De Roermaaker", "De Soldaat". Mit sieben doppelten – Obere rechte Ecke verso meist verstärkt, mit minimalen Wurmspuren, finger- sowie fleckig, gebräunt, Darstellung jedoch kaum betroffen. Breitrandige, schöne Exemplare. – Dabei: I. Jost Amman. Adumbrator. Der Reisser. Holzschnitt. 7,5 x 6 cm (Darstellung) bzw. 14 x 8,5 cm. (Blatt). 1568. - II.
Derselbe. Dux exercitus. Der Führer der Landsknecht. Holzschnitt. 7,5 x 6 cm (Darstellung) bzw. 14 x 8,5 cm. (Blatt). 1568. III. A. Gabler. Der Huff u Waffenschmidt. Kolorierter Kupferstich. 15 x 9 cm (Plattenrand). 1791.
Anderson, Jacob
Neues Constitutionen-Buch der alten ehrwürdigen Brüderschaft der Frey-Maurer
Los 431
Schätzung
120€ (US$ 138)
MASONICA
Anderson, Jacob. Neues Constitutionen-Buch der alten ehrwürdigen Brüderschaft der Frey-Maurer. Dritte vermehrte Auflage. [Und:] Anhang zum Constitutionen-Buch der Frey-Maurer. 448 S.; 188 S.Mit gestochenem Frontispiz, 1 gefalteten Kupfertafel und 6 gefalteten Tabellen. Frankfurt, Andreä, 1762.
Wolfstieg 20416 – Leicht papierbedingt gebräunt und stockfleckig.
Beyerlé, Jean-Pierre-Louis
Abhandlung über die allgemeine Zusammenkunft der Freymaurer
Los 432
Schätzung
450€ (US$ 517)
(Beyerlé, Jean-Pierre-Louis). Abhandlung über die allgemeine Zusammenkunft der Freymaurer, bey dem Gesundbrunnen in Wilhelmsbad, ohnweit Hanau. Ins Teutsche übersetzt, mit Anmerkungen und Erläuterungen, von R(itter) v(on) S(chwan; d. i. Adolph von Knigge). 276 S. 17 x 10 cm. Pappband d. Z. (etwas fleckig und berieben; zeitgenössische Remboitage). O. O. u. Dr. (Frankfurt, Erben Heinrich Ludwig Brönner), 1784.
VD18 1115148X. Fromm I, 3226. Wolfstieg 38605. – Erste deutsche Ausgabe des Berichts vom Freimauerkongress in Wilhelmsbad, der 1782 nach heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Freimaurer einberufen worden war. Als Ziel der Freimaurerei wurde dort die moralische Vervollkommnung auf der Basis der christlichen Religion festgelegt. Die über 80 teils umfangreichen Anmerkungen Knigges zeigen, dass es sich hier um weit mehr als eine Brotarbeit, wie zuweilen behauptet wird, handelt. – Titel gestempelt. Nur gering fleckig, ohne das hintere fl. Vorsatz.
Einige Originalschriften des Illuminatenordens,
welche bey dem gewesenen Regierungsrath Zwack vorgefunden worden
Los 433
Schätzung
150€ (US$ 172)
Einige Originalschriften des Illuminatenordens, welche bey dem gewesenen Regierungsrath Zwack durch vorgenommene Hausvisitation zu Landshut den 11. und 12. Oktob. 1786 vorgefunden worden. 4 Bl., 407 S. Mit 3 gefalteten Tabellen. 19,5 x 12 cm. Broschur d. Z. (etwas fleckig). München, Lentner, 1787.
Wolfstieg 42770. Pfister 503. – Die Veröffentlichung der Briefe und Dokumente des Illuminatenordens sollte dessen 1784 in Bayern verfügtes Verbot vorbereiten und dessen Gründer Weishaupt in Misskredit bringen. – Titel etwas fleckig und mit Besitzvermerk. Unbeschnittenes Exemplar.
Haugwitz, Christian Heinrich Curt von
Ueber den Rosenorden
Los 434
Schätzung
250€ (US$ 287)
(Haugwitz, Christian Heinrich Curt von). Ueber den Rosenorden. Ein Blättchen an Schlesische und andere Damen, die diesen Orden nicht kennen. 4 Bl., 44 S. 17 x 10 cm. Türkisblauer Pappband d. Z. (etwas fleckig und berieben) mit goldgeprägter Freimaurer-Vignette auf em VDeckel. Breslau, Brieg und Leipzig, Christian Friedrich Gutsch, 1786.
VD18 11595132. Wolfstieg 43307. – Einziger Druck der anonym erschienenen kleinen Freimaurerschrift, das VD18 schreibt die Verfasserschaft dem preußischen Staatsmann und Diplomaten Christian August Heinrich Curt von Haugwitz (1752-1832). Kuriose Werbeschrift für den 1784 von dem berüchtigten Hochstapler und Abenteurer Franz Rudolph von Grossing gegründeten Adoptionsorden, in dem auch Frauen Mitglieder werden durften und in die geheimen Rituale eingeführt wurden. Möglicherweise gilt Grossing auch als Verfasser der Schrift. – Etwas gebräunt und braunfleckig. Titel verso mit geschwärztem Stempel, Innenspiegel mit kleiner Tintensignatur.
Vom pythagoräischen Bunde
Altenburg, Karl Heinrich Richter, 1797
Los 435
Schätzung
150€ (US$ 172)
Vom pythagoräischen Bunde. VI, 46 S., 1 w. Bl. 16,5 x 10 cm. Preußischblauer Pappband d. Z. (etwas fleckig und berieben, mit Schabspuren und Papierschildchen). Altenburg, Karl Heinrich Richter, 1797.
VD18 13025120. Wolfstieg 5030. – Einziger Druck der kleinen geheimbündlerischen Abhandlung über den spätantiken Philosoph Pythagoras und die von ihm gegründete mysterienumwobende Lebensgemeinschaft, laut etwas schmeichelhafter Vorrede nicht mehr als ein "nicht ganz unwillkommener" Auszug der entsprechenden Kapitel aus der wenige Jahre zuvor erschienenen Geschichte des Ursprungs, Fortgangs und Verfalls der Wissenschaften in Griechenland und Rom des Göttinger Professors Christoph Meiners. – Titel etwas fleckig. Exemplar aus der Bibliothek der 1776 gegründeten Leipziger Johannisloge Balduin zur Linde, mit entsprechendem Stempel auf dem Titel und Eignerschildchen auf dem Innenspiegel.
Gadendam, Johann Wilhelm
Historia Academiae Fridericianae Erlangensis
Los 436
Schätzung
750€ (US$ 862)
STUDENTICA
Gadendam, Johann Wilhelm. Historia Academiae Fridericianae Erlangensis qua praeter eius originem solemnia dedicationis sacra eventusqve proxime secuti referuntur. Addita sunt scripta tam publica quam privata academiae causa concepta. 2 Teile in 1 Band. 3 Bl., 54 S.; 2 Bl., 217 (recte: 221) S., 1 Bl. Mit gestochenem gefaltetem Frontispiz, gefaltetem Portrait in Schabkunstmanier, 3 gefalteten Kupfertafeln, Portraitkupfer, Medaillonkupfer, großem Wappenkupfer im Text sowie einigen Textkupfern. 32,5 x 19,5 cm. Pappband d. Z. (stärker berieben). Erlangen, Typographia Academica, 1744.
VD18 10417524. Erman-Horn II, 2984. – Einziger Druck der prächtig ausgestatteten Festschrift zur Eröffnung der Universität Erlangen. Komplett mit allen Kupfertafeln: Szenische Barockkartusche als Frontispiz, Portrait Friedrichs in Schabkunstmanier, Stadtplan von Erlangen, Feierlicher Einzug der Stifter, Universitätsgebäude, Portrait des ersten Direktors Daniel de Superville sowie dem Medaillonkupfer; die Textkupfer zeigen Wappen und Münzen. – Das Portrait in Schabkunstmanier mit größerem Einriss. Titel mit rasierten Bibliotheksstempeln. Wenige Blatt gebräunt, etwas fleckig.
Huber, Victor Aimé. Die englischen Universitäten. Eine Vorarbeit zur englischen Literaturgeschichte. 2 Bände. XVII, 450 S., 1 Bl.; VII, 580 S. 21,5 x 13,5 cm. Etwas spätere Halbleder mit RVergoldung und je 2 farbigen RSchildern. Kassel, Krieger, 1839-40.
ADB 13, 252. vgl. Allibone II, 1412 (unter Newman). – Erste Ausgabe. In England damals vielzitiertes Werk, das auch in den Diskussionen zwischen Konservativen und Reformern um die Frage einer Reform der englischen Universitäten eine Rolle gespielt hat und von Francis W. Newman ins Englische übersetzt wurde. – Gebräunt und stockfleckig. Dekorativ gebundenes Exemplar.
MODEN UND KOSTÜME
Art Déco. - 8 Modebilder in Hinterglasmalerei. Kolorierte Schwarze Konturzeichnung. Je 30 x 24 cm. Deutschland 1920er Jahre.
Bildzyklus mit acht Szenen aus der mondänen Frauenwelt der 1920er Jahre. Vier Darstellungen vor hellem Grund zeigen eine Dame am Kaffeetisch mit Sonnenschirm, daneben einen Herrn, der zum Gruß den Hut lüftet; eine Dame beim Spaziergang mit Hund; eine Badende; eine Reisende mit Koffer sowie zwei Damen beim Ankleiden in Unterkleidern.
Die weiteren Bilder vor schwarzem Grund zeigen Motive aus dem Zirkus- und Varietémilieu: schwebende und tanzende Figuren, Akrobatinnen und Tänzerinnen in knappen Kostümen, mit Seidenstrümpfen, teils in dynamischen Bewegungs- und Luftakrobatikposen. Schließlich eine Darstellung des Sterntalers mit einem Mädchen im Nachtkleid, das den vom Himmel fallenden Sternenregen auffängt. – Zwei Bilder mit Scheibenbruch und Einrissen. Alle mit leichten Bereibungen, Bestoßungen und Randschäden. Insgesamt von guter Erhaltung.
Gazette du bon ton. Art, mode et frivolités. Teil I und II in 1 Band, insg. 2 Bände Text- und Tafelband. 2 Bl., VI, 1 Bl., 191 S.; 2 Bl., Seite 193-382, 2 Bl. Mit 91 nummerierten, Pochoir kolorierten Tafel-Abbildungen, 21 farbigen, ganzseitigen Lithographien und zahlreichen, meist kolorierten Text-Abbildungen. 24,5 x 19,5 cm bis 30,5 x 24,5 cm. Rotes Leinen d. Z. (berieben, fleckig, hinteres RGelenk offen) mit Rück- und DTitel. Paris, Emile Lévy bzw. Berlin, Paul Cassierer, 1912-1913.
Colas 1202. Hiler 356-57. Lipperheide Zb 290. Carteret IV, 18.Feilchenfeldt-Brandis K1. – Eines der wichtigsten Modemagazine, hier aus dem Jahre 1921, mit Illustrationen im Stil des Art Déco. "Le plus important et le plus interessant pour les modes contemporaines. Il est illustre... par les artistes modernes les plus notoires, tels que Raoul Dufy, Pierre Brissaud, Simeon, Martin etc." (Carteret). Die hübsch kolorierten Darstellungen zeigen extravagante Mode für allerlei Anlässe, wie Dinner, Spaziergänge, Opern besuche, Hochzeiten, Jagd, Soireen, Kostüme, etc. – Unbeschnitten, papierbedingt leicht an en Rändern gebräunt, teils mit offenen Innenstegen, minimal fleckig.
Genauere Kollation: Pochoir kolorierte Tafeln: 1 I, II, IV-VI, X; 2 I, III, V-VIII, X; 3 II- IV, X; 4 I-III, V, VII-X; 5 II- III, VI-VII, X; 6 I-IV, VI, VIII; 7 I-IV, VI, 8 I-VII, IX, X; 9 I-V,VII, IX; 10 I-X; 11 I, II, VI-X; 12 I- IV, VI-X.
Grasset de Saint-Sauveur, Jacques
Tableau des principaux peuples de l'Europe
Los 440
Schätzung
750€ (US$ 862)
Grasset de Saint-Sauveur, Jacques. Tableau des principaux peuples de l'Europe. Kolorierter Kupferstich. 51,5 x 64 cm (Plattenrand). Paris, Bance, 1795.
Dargestellt sind verschiedene Trachten und Personengruppen des Kontinents Europa von Jacques Grasset de Saint-Sauveur (1757-1810). Der Maler fertigte verschiedene Tafeln an mit idealisierten Darstellungen verschiedener Völkergruppen geordnet nach Kontinenten. – Papierbedingt gebräunt, leicht stock- und braunfleckig, mit Randläsuren.
Hamdy Bey, Osman
Les costumes populaires de la Turquie en 1873.
Los 441
Schätzung
15.000€ (US$ 17,241)
Hamdy Bey, (Osman). Les costumes populaires de la Turquie en 1873. Ouvrage publié sous le patronage de la Commision Impériale Ottomane pour l'Exposition Universelle de Vienne. 319, VII S. Mit goldgedrucktem Widmungskarton und 74 Tafeln in Heliogravur nach Fotografien. 37,5x 28,5 cm. Kalbslederband d. Z. (Gelenke etwas schwach, teils leicht offen, sonst nur an Stehkanten unwesentlich berieben). Konstaninopel, Levant Times & Shipping Gazette, 1873.
Prunkband mit frühen Fotografien der türkischen Modetrachten, die auf der Wiener Weltausstellung von 1873 präsentiert wurden, auf der der bedeutende osmanische Archäologe, Maler und Museumsgründer Osman Hamdi Bey (1842-1910) persönlich anwesend war, wo er wohl das vorliegende Exemplar zusammen mit seiner Frau und Mitautorin Marie de Launay dem Erzherzog Rainier d'Autriche (1827-1913) persönlich überreichte. Der Erzherzog, mit vollem Namen Rainer Ferdinand Maria Johann Evangelist Franz Ignaz von Österreich verkehrte als Förderer von Kunst und Wissenschaft in den allerhöchsten Kreisen. Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften und Protektor des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie hatte er die Präsidentschaft der Wiener Weltausstellung von 1873 übernommen.
Das Exemplar trägt auf einem in goldenen Lettern lithographierten Widmungsblatt die Zugeignung "A Son Altesse Impériale et Royale Monseigneur l'Archiduc Régnier. Les auteurs: O. Hamdy, Marie de Launay". Das Exemplar ließ Hamdi Bey in einer türkischen Meisterbuchbinderei in dunkelgrünes Halbmaroquin binden, mit prächtiger Rückenvergoldung. Besondere Aufmerksamkeit widmete der Binder jedoch den fantastischen Reliefdeckeln:
Der sicherlich aus Istanbul stammende Buchbinder (Mücellid) folgte dabei der Tradition der osmanischen Prunkeinbände, indem er auf eine mit reliefiertem Leder in unterschiedlichen Farben und reicher Flächenvergoldung eine weitere erhabene Schablonenschicht auflegte, die hier mit dem zartesten glatten, üblicherweise marokkanischen Ziegenleder (Saffian) bezogen und dann mit goldgeprägten Riefeln, Guillochen, Stempelfleurons und Wellenkonturen mit Goldpunkten und Pendentifs (Cevahir) versehen wurde.
Den äußeren Rahmen bildet eine Guilloche-Bordüre, die mit 14 Medaillons mit der inneren Bordüre verklammert ist. Die untere Lage zeigt eine reiche Goldbordüre mit roten Lederreliefs, die Schlangenmäander mit Dornen und Blüten ausbildet. Die floralen Elemente des Bodens steigern sich in ihrer Raffinesse zur Mitte des Einbandes: vier halbe Mandelformen (Shamsa, Semsen) ragen von oben und unten in den Mittelspiegel, sie sind gefüllt mit braunen Ranken, die große und in sich wieder reliefierte Blätter auf flächig gehämmerten Goldgrund ausbilden. Weitere sechs Semsen, diesmal mit nachblauen Ranken und Blättern, umgeben als radiale Strahlenelemente das große hochrechteckige Mittelfeld, auf dessen Goldgrundspiegel eine noch gewagteres noch feineres noch fantasievolleres und noch prächtigeres Flechtwerk-Labyrinth in braunem Reliefleder erscheint, das mit Margeriten, Lilien, Butterblumen und anderen Blüten, Blattwerk und Dornen durchwirkt ist - und so die allerhöchste Ornamentkunst des osmanischen Zeit in einer letzten großen Blüte repräsentiert.
Die mit geglättetem hellgrünen Saffianleder ausgelegten Innendeckel beprägte der Mücellid bemerkenswerter Weise mit breiten floralen Bordüren, die aus dem europäischen Formenvokabular entnommen wurden: mit Weinlaub, Weintrauben und Blattranken. Ein innerer Goldfiletenrahmen bildet gar typische Rokoko-Elemente der westlichen Einbandkunst aus, während das Mittelmedaillon sich aus zahlreichen Einzelstempeln mit zwei größeren Abhängern (Cevahir) zusammensetzt. Es folgen die mit hellgrüner Seide bezogenen fliegenden Vorsätze, bevor dann das Innere des Buches anhebt mit der Widmung an den Erzherzog und dem Titel.
Eine kleine Volte bildete die Wiener Weltausstellung für den Autor Osman Hamdi Bey - ebenso wie dessen Frau und Mitautorin - da dieser dort das erst 17-jährige französische Mädchen Marie kennenlernte, die als "Naile" seine zweite Frau und Mutter seiner drei Kinder werden sollte. – Durchgehend sauberes, sehr breitrandiges, sehr schönes und unbeschnittenes Exemplar.
(Harding, E.). The costume of the Russian empire. With descriptions in English and French. 9 Bl. Mit 73 kolorierten Kupfertafeln in Punktiermanier und Sepia von J. Dadley, jeweils mit dazugehörigem Erläuterungsblatt. 35 x 26 cm. Neu aufgebundener Lederband d. Z. (Rücken und Ecken unter Verwendung zeitgenössischen Materials restauriert). London, S. Gosnell für W. Miller, 1803.
Lipperheide Kaa 18. Colas 702. Hiler 192. Abbey, Travel 244 – Erste Ausgabe. Mit Trachtendarstellungen aus dem Baltikum, Finnland, Lappland, Ostsibirien, Kaukasus, Ungarn, der Wolga-Völker, der Tartaren, Kirgisen, Jakuten, Turkmenen, Tscherkessen, den Bewohnern Kamtschatkas, der Aleuten etc. Bei den Kupfern handelt es sich um vergrößerte Nachbildungen nach J. G. Georgi Beschreibungen allen Nationen des Russischen Reichs 1776-1780 (Lipperheide). – Innengelenke unfachmännisch mit Leinenstreifen verstärkt, zumeist mit Abklatsch, sonst wohlerhalten.
Lepape, Georges. Modes et manières d'aujourd'hui. Douze Gouaches de Georges Lepape. Douze Poèmes de Henry-Jacques. 1914-1919. 4 Bl., 16 S., 1 Bl. Mit 12 pochoirkolorierte Tafeln von Georges Lepape. 28 x 19 cm. Lose Bl. in farbig illustr. OPappmappe (diese lädiert, Rücken aufgeplatzt). (Paris), Collection Pierre Corrard, 1921.
Vgl. Colas 2099. Carteret IV, 285. – Eines von 271 nummerierten Exemplaren (Gesamtauflage: 300). Reizvolle Art-Déco-Folge, begleitet von 12 Prosaminiaturen von Gérard d'Houville. Sie stammen von Robert Bonfils (1886-1972), der hier für das Jahr 1920 das Mappenwerk für die Collection Pierre Corrard schuf. Außer ihm arbeiteten zwischen 1912 und 1922 George Barbier, Georges Lepape, Charles Martin, André Marty und Fernand Siméon für die Collection. – Die Tafeln sind sehr schön erhalten.
Schwarz-Torinus, Anne-Marie
Fleur animée. Farbiges Aquarell bzw. Gouache auf Karton
Los 444
Schätzung
160€ (US$ 184)
Schwarz-Torinus, Anne-Marie. "Fleur animée". Inspiriert von Jean-Jacques Grandville. Farbiges Aquarell bzw. Gouache auf Karton, von der Künstlerin signiert. 42,6 x 29,6 cm. Um 1930.
Eine junge Frau im langen gelben Rock schwebt mit nacktem Oberkörper zwischen Stängeln einer blühenden Prachtnelke (Dianthus superbus). Anne-Marie Schwarz-Torinus (1907-2004) war eine etablierte Postkartenkünstlerin und Bücherillustratorin. – Der Rand verso angerändert, Karton gleichmäßig stärker gebräunt, leichte Abnutzungsspuren.
Vernet, Carle
Campagnes des Français sous le Consulat et l'Empire
Los 445
Schätzung
450€ (US$ 517)
Vernet, Carle. Campagnes des Français sous le Consulat et l'Empire. 2 Bl. Teil I von II. Mit gestochenem, golderhöhten Frontispiz, Holzschnitt. Vignette auf dem Titel und 57 Kupfertafeln. 46 x 30 cm. OLeinen (berieben, bestoßen, staubig, vorderes RGelenk unfachmännisch restauriert und Kapitelle mit kleinen Fehlstellen) mit goldgeprägtem Rück- und DTitel sowie mit goldgeprägtem DWappen und dreiseitigem Goldschnitt. Paris, Librairie Rue Visconti, o. J. (ca. 1820).
Lipperheide Qk 58. Hiler 875. – Mit zahlreichen Schlachtszenen aus den Napoleonischen Kriegen. – Band II fehlt. Vorderes Innengelenk verstärkt und braunfleckig.
Wentzel, Fr.
4 kolorierte Kreidelithographien mit farbigem Tondruck
Los 446
Schätzung
200€ (US$ 230)
Wentzel, Fr. 4 kolorierte Kreidelithographien mit farbigem Tondruck. "Vorbereitung auf den Ball", "Achtung", "Ich liebe Dich ein wenig", "Sie haben gefischt". 64 x 48,5 cm. Druck und Verlag von Fr. Wentzel in Weißenburg (Elsass). Um 1880.
Die Lithographien wurden entweder von Jean Frédéric Wentzel (1807-1869) oder seinem Vater Philippe Frédéric Wentzel angefertigt. Erster gründete in seiner französischen Geburtstadt Weißenburg eine bedeutende Buchdrucker- und Lithographiewerkstatt. Die Tafeln zeigen neben einer sich für einen Ball reizend hergerichten jungen Frau, ein Kind, das versucht seinem Hund ein Kunststück beizubringen, ein junges Liebespaar, das sich näher zu kommen scheint und die gemeinsame Zeit an einem idyllischen Seeufer genießt und letztlich drei Mädchen, die zum Fischen in einer herrlichen Parkanlage verabredet sind. Unterhalb der Darstellung sind die Lithographien in französischer, deutscher und englischer Sprache betitelt. – Mit sorgfältigem zeitgenössischem Kolorit angefertigte Drucke mit breitem Rand. Im Rand etwas angestaubt und stockfleckig, teils mit kleinen Einrissen.
Wolfgang, Johann Georg. Die Königl. Preüssische Salbung. Kupferstich. 39 x 93 cm (Plattenrand). Berlin 1712.
VD18 1052214X. Lipperheide 2529. Vinet 699. – Aus Wolfgangs reich illustriertem Werk "Der Königlich-Preussischen Crönung hochfeierliche Solemnitaeten". – Falze stellenweise hinterlegt.
Moreau, Jean-Michel
Collection entière des drapeaux de l'armée nationale parisienne
Los 448
Schätzung
1.500€ (US$ 1,724)
MILITARIA
Moreau, Jean-Michel. Collection entière des drapeaux de l'armée nationale parisienne. Mit 58 kolorierten Radierungen auf hellblauem Papier, alle unten betitelt und oben rechts nummeriert. 28 x 22 cm. Pappband d. Z. mit goldgeprägtem RSchild und RVergoldung (Rücken gebräunt, berieben und stellenweise angeplatzt). Varennes, 1790.
Ohne Titelblatt erschienen. Die Radierungen zeigen die Bataillone der französischen Nationalgarde in Paris sowie deren Uniformen und Fahnen. – Im weißen Rand vereinzelt leicht fingerfleckig und etwas angeschmutzt.
Remón Zarco del Valle y Huet
Bosquejo de una Memoria militar que el Teniente General é Ingeniero General Don Antonio Remón Zarco
Los 449
Schätzung
450€ (US$ 517)
Remón Zarco del Valle y Huet, Antonio. "Bosquejo de una Memoria militar que el Teniente General é Ingeniero General Don Antonio Remón Zarco del Valle, se propone escribir come resultado de sus observaciones durante su viage por el centro y norte de Europa en 1848 x 49." Spanische Handschrift auf Papier. 2 w., 82 nn., 4 w. Bl. 20,5 x 14,8 cm. Reich ornamental blindgeprägtes Leder d. Z. (gering beschabt und bestoßen, winzige Bezugsfehler, Gelenke nur minimal brüchig) mit goldgeprägtem RTitel, Goldfileten auf dem Deckel, Steh- und hübscher Innenkantenvergoldung sowie dreiseitigem Goldschnitt. Spanien um 1865.
Seltene Reinschrift des "Entwurf einer militärischen Beobachtung" von einem der bedeutendsten Persönlichkeiten des spanischen Militäringenieurwesens und Gründer des renommierten Denkmals des Ingenieurkorps, Antonio Remón Zarco del Valle y Huet (1785-1866), entstanden vor dem Hintergrund der zahlreichen revolutionären Aufstände, die zwischen 1848 und 1849 Mitteleuropa erschütterten. Angesichts der tiefgreifenden Instabilität entsandte Spaniens Königin Isabella II. Zarco del Valle auf eine vielseitige diplomatische und wissenschaftliche Mission, deren Ergebnisse er in dem vorliegenden wertvollen historischen, technischen und strategischen Dokument niederlegte.
Tatsächlich wurde der "Bosquejo" niemals im Druck veröffentlicht. Der im Jahre 1858 entstandene konzeptionelle Entwurf (Bosquejo) sollte eine Skizze für eine umfassendere Publikation bilden, zu der es aber nicht mehr kam. So sind nur wenige handschriftliche Abschriften auf uns gekommen, die hier vorliegende ist bis dato unbekannt geblieben. – Sehr sauber geschrieben, gut lesbar und mit kaum Gebrauchsspuren. Vorsätze etwas ausgesilbert, altes Klebeschild.
Sallustius Crispus, Gaius
Von Catilinischer rottierung und Jugurthischem Krieg verteutscht
Los 450
Schätzung
300€ (US$ 345)
Sallustius Crispus, Gaius. Von Catilinischer rottierung und Jugurthischem Krieg verteutscht: Sambt Etlichen Anmerckungen Und Angehengten Kriegs Discoursen Durch Wilhelm von Calchum g(e)n(ann)t Lohause(n). Illustrierter Kupfertitel (G. Muntinck sculp.), 5 Bl., 619 (recte 561) S., 13 Bl. 19,5 x 15.5 cm. Pergament d. Zeit mit neuem RTitel (Rückdeckel etwas fleckig). Bremen, (B. de Villiers), 1629.
VD17 23:236548M. Faber du Faur 177. Seebass N.F. 557. Schweiger II, 893. – Einzige Ausgabe dieser Übersetzung: ein Text über den Krieg, übersetzt von einem Soldaten. Wilhelm von Kalckheim hatte als Oberst in hessischen Diensten sein Bein verloren und zog sich danach vier Jahre lang zu Studien zurück. Der Wiedereintritt in den Soldatendienst und die Schlacht bei Lutter am Barenberge (1626) trugen ihm anderthalb Jahre kaiserliche Gefangenschaft und somit Zeit zur Anfertigung dieser Übersetzung und zum Verfassen eines umfangreichen Anmerkungsapparates (S. 349-486) ein. Am Schluss fand sich noch Zeit für vier kurze Diskurse (über Gottesfurcht, Kriegsursachen und -übungen sowie über Waffen und Gewehr). Der eindrucksvolle Kupfertitel zeigt einen architektonischen Rahmen mit Weltkugel über gekreuztem Schwert und Lanze, an den Seiten stehen sich Sallust und sein Übersetzer (mit Holzbein und angekettet) gegenüber (siehe dazu Faber du Faur 177, der Kalckheim a Sancho Pansa face (and figure) bescheinigt). – Leicht gebräunt und vereinzelt etwas fleckig. Titel unten mit schmalem ergänzten Randabschnitt und verso mit Stempel des Joachimsthalschen Gymnasiums.
Schlieffen-Wioska, H. v. und R. Mackensen v. Astfeld
Hundert Jahre Braunschweigische Husaren
Los 451
Schätzung
250€ (US$ 287)
Schlieffen-Wioska, H. v. und R. Mackensen v. Astfeld. Hundert Jahre Braunschweigische Husaren. 2 Bände. XII, 371 S.; 3 Bl., 265 S. Mit zahlreichen Abbildungen im Text und Tafeln sowie 11 Faltkarten im Anhang. 23,5 x 20 cm. OLeinen (Band II mit Gebrauchsspuren). Braunschweig, Westermann, (1909).
Einzige Ausgabe der seltenen Regimentsgeschichte. Teil I behandelt die Geschichte "Von der Errichtung der Schwarzen Schar 1809 bis zum Frühjahr 1870" und Teil II "Von der Mobilmachung 1870 bis zum Jahr 1909. – Band I wohlerhalten, Band II mit mäßigen Gebrauchsspuren.
Suckow, Lorenz Johann Daniel
Erste Gründe der Kriegs Baukunst in einem Zusammenhange entworfen
Los 452
Schätzung
300€ (US$ 345)
Suckow, Lorenz Johann Daniel. Erste Gründe der Kriegs Baukunst in einem Zusammenhange entworfen. 7 Bl., 158 S., 3 Bl. Mit gestochener Titelvignette und 16 gefalteten Kupfertafeln. 25,5 x 20 cm. Pappband d. Zeit (fleckig und angestaubt, Ecken bestoßen, Vorsätze mit alten Notizen in Tinte, vorderer freier Vorsatz mit schmalem Randabschnitt). Frankfurt und Leipzig, Goebhardt, 1769.
Jähns 2772. Jordan (Festungsbau) 3695. Ornamentstichkat. Berlin II, 3547. – Erste Ausgabe. Suckow (1722-1801) war kein erfahrener Kriegsingenieur, sondern ein "gelehrter Akademiker und Senior der Deutschen Gesellschaft zu Jena" (Jähns), Professor der Mathematik und Physik einschließlich der Baukunst. Sein "gediegenes Unterrichtsbuch" (Jähns) über die Kriegsbaukunst bildete die Grundlage für den Unterricht "auf der hiesigen Akademie" für "in Diensten stehende" Offiziere. - Erste Ausgabe, worinnen man "von der Lage, ingleichen der Anlage und von der innern Einrichtung der Gebäude hinlänglichen Unterricht" findet. - Hamberger/Meusel V, 85. – Durchgehend leicht gebräunt, in I. sechs Bl. im Fußsteg mit großen Braunfleck. – Beigebunden: Mayer, Andreas Christian. Kurze Anweisung der praktischen bürgerlichen Baukunst: welche von der bequemen innern Eintheilung der Gebäude handelt zum Unterricht für Baulustige als eine Fortsetzung seiner Abhandlung von der äussern Schönheit und Vestigkeit der Gebäude entworfen. 35 S. Mit 8 gefalteten Kupfertafeln. Nürnberg und Leipzig, Weigel und Schneider, 1784.
Tiedemann Carl Ludwig Heinrich von
Vorlesungen über die Tactik, Dt. Hs. auf Papier. Berlin 1820
Los 453
Schätzung
500€ (US$ 575)
Aus der Bibliothek des Prinzen Adalbert von Preußen
Tiedemann Carl Ludwig Heinrich von. Vorlesungen über die Tactik, bearbeitet von einem Officier des General Staabes. Mit Anmerkungen versehen. Deutsche Handschrift auf Papier. 1 Bl., 629 hs. num. S., 4 Bl. Mit 4 teils mehrfach gefalteten gezeichneten Plänen. 22,5 x 17,8 cm. Blauer Pappband d. Z. (stärker beschabt, berieben, bestoßen und bekratzt, RSchild fehlerhaft) mit goldgepr. RSchild. Berlin 1820.
Reinschrift einer umfangreichen Vorlesungsmitschrift der preußischen Militärakademie, die auf den Ausführungen des Generalstabmajors, Dozenten an der Berliner Kriegsschule und Adjutanten Scharnhorsts, Carl Ludwig Heinrich von Tiedemann (1778-1812) beruht. "In dieser Eigenschaft gehörte er zu denjenigen Offizieren, welche Scharnhorst seit 1801 zu Berlin in den Kriegswissenschaften unterrichtete und zwar war er einer der Lieblingsschüler des Meisters. Als dieser am 27. März 1802 dem Könige die besten der von seinen Hörern eingelieferten Ausarbeitungen überreichte, waren die von Tiedemann darunter" (ADB XXXVIII, 280f). Tiedemanns strategisch-kriegstaktische Schriften wurden Unterrichtsmaterial in den preußischen Militärschulen, doch wohl erst 1820 kodifiziert. Von dieser Fassung sind jedoch nur hektografierte, autografierte oder lithografierte Manuskripte für den Dienstgebrauch nachweisbar, meist unter dem Titel "Vorlesungen über die Tactic, bearbeitet von einem Officier des General-Staabes".
Die Einleitung beginnt mit einem Zitat von Carl von Clausewitz (1780-1831): "Krieg ist derjenige Zustand, in welchem sich Staaten befinden, wenn sie sich zur Erreichung ihrer Absichten in Beziehung auf andere Staaten djerjenigen Mittel bedienen, die ihnen ihre Macht und die Gewalt, über die sie verfügen können, darbietet [...]" (S. 1). Krieg wird hier also zu einer ebenso legalen, wie legitimen und logisch-konsequenten Fortführung des Verhältnisses von Staaten untereinander. Wenn Unterhandlungen nicht weiterführen, steht die maximale physische Gewalt zu Gebote, die dem Mächtigeren das höhere Recht einräumt, o tempora o mores! – Sehr sauber und frisch, kaum Gebrauchsspuren, Block etwas ausgebunden, wenige Lagen gelöst, sehr schönes Exemplar aus der Bibliothek des Prinzen Adalbert von Preußen (1811-1873) mit dessen gekrönten Exlibris auf dem vorderen Innenspiegel.
Werkamp, Friedrich Johann Ludwig Philipp
Versuch einer theoretisch praktischen Anleitung zur Ausübung der Taktik in den Evolutionen und beim Manövriren
Los 454
Schätzung
500€ (US$ 575)
Werkamp, Fr(iedrich Johann Ludwig Philipp, gen. alt Berkhausen der Ältere). Versuch einer theoretisch praktischen Anleitung zur Ausübung der Taktik in den Evolutionen und beim Manövriren. XXXVIII, 518 S., 1 Bl. Mit 140 Darstellungen auf 12 gefalteten gestochenen Tafeln. 18 x 10,5 cm. Rotes marmoriertes Halbleder d. Zt. (gering berieben) mit reicher RVergoldung und dreiseitigem blauem Schnitt. Stuttgart, Buchdrukerei der Hohen Karlsschule, 1791.
Gradmann: Gel. Schwaben 272. Jähns 3, 2578f. – Sehr seltenes militärtaktisches Werk des württembergischen Majors und späteren Oberstleutnants von Werkamp (geb. 1745), seit 1793 durch Adoption auch "von Irmtraut" genannt. Bereits 1759 trat er in den Militärdienst ein, nahm am Siebenjährigen Krieg wie auch am Krieg von 1793 am Rhein teil. Anschließend zog er sich vom Militärdienst zurück und lebte in Stuttgart, wo er noch 1811 im Adressbuch nachweisbar ist. Die zahlreichen Darstellungen illustrieren die unterschiedlichsten Marsch- und Formationsbewegungen militärischer Einheiten. Das Subskribenten-Verzeichnis (S. XVII-XXXII) enthält 421 Personen darunter 19 Fürsten und Militärs aus Deutschland, der Schweiz, Dänemark und Holland. Zu finden ist di ausführliche Rezension in "Neues militairisches Journal" 6, S. 141ff. ("aber manche gute Beobachtung, welche von jeden (!) Officier gelesen zu werden verdient, enthält seyn Werk.") – Durchgehend mit schwachem Feuchtigkeitsrand, kaum stockfleckig. Ein kleiner Eckabriss, 3 Blatt mit kleinem Brandloch. Tafel 4 alt aufgezogen und am unteren Rand etwas beschnitten.
Beethoven, Ludwig van
Zwei Bearbeitungen für Klavier zu 4 Händen
Los 455
Schätzung
100€ (US$ 115)
MUSIK UND THEATER
Beethoven, Ludwig van. Zwei Bearbeitungen für Klavier zu 4 Händen. 23,5 x 32,5 cm. Pappband d. Z. (Gebrauchsspuren). Wien bzw. Hamburg (1820-1827).
I. Ouverture d'Egmont. Tragédie de Göthe. Op. 84. Arrangée pour le Pianoforte à quatre mains ... par Charles Steinacker. 15 S. (Titelseite und gestoch. Musiknoten). Wioen, Cappi und Diabelli, (1810). - Plattennr. 345. - II. Grand Septour arrangée pour le Pianoforte à quatre mains par C(arl) Czerny. Op. 20. 45 S. (Titelseite und gestoch. Musiknoten). Hamburg, A. Cranz, (1827). - Angebunden: III. W. A. Mozart. Quatour No. 10, arrangée pour le Piano Forté à quatre mains par C. D. Stegmann. 31 S. (1 Bl. Titel, S. 4-31 gestoch. Musiknoten). Bonn und Köln, N. Simrock (o. J., um 1830). - Plattennummer 1621. – Stockfleckig.
Dalberg, Johann Friedrich Hugo von
Ueber die Musik der Indier
Los 456
Schätzung
1.800€ (US$ 2,069)
Joseph Haydn gewidmet
Dalberg, Johann Friedrich Hugo von. Ueber die Musik der Indier. Eine Abhandlung von Sir William Jones. Aus dem Englischen übersetzt, mit erläuternden Anmerkungen und Zusätzen begleitet von F. H. Dalberg. Nebst einer Sammlung indischer und anderer Volks-Gesänge. 2 Bl., XVI, 2, Bl., 132 S., 1 Bl. sowie 56 S. Musiknoten in Typendruck. Mit gestochenem Frontispiz und 29 Kupfertafeln auf blauem Papier. 19,5 x 17 cm. Roter Halbpappband d. Z. (etwas berieben und bestoßen, Kapitale mit Einrissen) mit goldgeprägtem RTitel. Erfurt, bei Beyer und Maring, 1802.
Goedeke VII, 782, 147,9. MGG II, 1871. Eitner V, 302 u. III, 133. – Einzige deutsche Originalausgabe und zugleich eine der frühesten Materialsammlungen zur indischen Musik. "William Jones war der erste Europäer, der sich mit gründlicher Kenntnis der Sanskrit-Sprache in die einheimischen musiktheoretischen Texte vertieft hat. Obwohl er viel mißverstanden hat … war doch sein Ausgangspunkt der richtige. Jones war ein Genie und hat viele Generationen von Forschern angeregt …" (MGG). Diese deutsche Ausgabe erschien erst etwa 10 Jahre nach der englischen.
Dalberg fügte dem englischen Original wesentliche Ergänzungen als Ergebnis "jahrelanger Sammlung von authentischen Nachrichten über die Musik der Inder, Perser, Araber und Chinesen bei" (MGG). Hierzu gehört eine Instrumentenkunde (S. 66-84 mit 3 Kupfern), die Sammlung Indostansicher Volksmelodien nach Hamilton Birds 1789 in Calcutta gestochenen Airs of Hindostan sowie eine Folge von 26 Kupfertafeln nach Rogmalas malerischen Synästhesien indischer Tongebilde. Die hier erstmals veröffentlichten Vorlagen ergielt Dalberg 1798 in London von Richard Johnson, einem ehemaligen Amtskollegen von Jones. Enthält am Schluß Notizen über Musik und Instrumente der Südsee-Insulaner. – Etwas stockfleckig und mit winzigen Gebrauchsspuren sonst gutes Exemplar.
Hanslick, Eduard. Vom Musikalisch-Schönen. Ein Beitrag zur Revision der Aesthetik der Tonkunst. VI, 104 S. 20 x 13,5 cm. Leinen d. Z. mit goldgepr. RTitel. Leipzig, R. Weigel, 1854.
Kosch VII, 299. – Erste Ausgabe dieser Schrift zur Musikästhetik des Wiener Musikkritikers (laut Verdi "il Bismarck della critica musicale"), der Richard Wagner nicht besonders schätzte und dafür von diesem als Merker in den "Meistersingern" eine unsterbliche Personifizierung verpasst bekam. Das schmale Buch ist ein Geniestreich des jungen Hanslick. Es wurde heftig debattiert, die Wiener Universität nahm es sogar als Habilitationsschrift an, und so wurde der promovierte Jurist und Journalist der erste Professor für Musikwissenschaft an der Wiener Universität.
Vorsatz mit mont. Karte mit eigenhändiger Widmung Hanslicks: "Seinem werthen Freunde Wilhelm Emil Wahlberg - treu anhänglich - d. Vf. Wien, den 3. Oktober 1854". – Leicht gebräunt.
Kircher, Athanasius. Musurgia universalis sive ars magna consoni et dissoni in X. libros digesta. 2 Bände. 6 Bl., 690 S.; 5 Bl., 462 S., 19 Bl. Mit 2 Holzschnitt-Druckermarken auf den Titeln, gestochenem Titel, gestochenem Porträt, 21 Kupfertafeln, zahlreiche (2 ganzseitige) Textholzschnitten und topographischen Notendrucken. 32 x 22,5 cm. Pergament d. Z. (Band I.: VDeckel lose, oberes Kapital fehlt, berieben und fleckig, mit Fehlstellen; Band II.: berieben, fleckig, mit Fehlstellen) mit hs. RTitel. Rom, Haeredes F. Corbelletti, 1650.
Dünnhaupt 2332, 8. Merrill 8. RISM B VI, 449. MGG VII, 938. Eitner V, 369. Fétis V, 35. Gregory-Bartlett I, 135. Wolffheim I, 732. HirschI, 266. – Erste Ausgabe. Umfangreiches und prachtvolles musiktheoretisches Kompendium des deutschen Universalgelehrten Athanasius Kircher (1601-1680). Mit zahlreichen Notendrucken und musiktheoretischen Modellen der Renaissance. – Leicht braun- und fingerfleckig, knickspurig, vereinzelte Blätter lose und leicht gewellt.
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