Los 441

Hamdy Bey, Osman
(1842-1910)Les costumes populaires de la Turquie en 1873.

Schätzung
15.000€ (US$ 17,241)

Abgabe von Vorgeboten möglich

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Aus dem Katalog
Varia
Auktionsdatum 6.10.2026

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Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026

Lot 441, Auction  128, Hamdy Bey, Osman, Les costumes populaires de la Turquie en 1873.

Hamdy Bey, (Osman). Les costumes populaires de la Turquie en 1873. Ouvrage publié sous le patronage de la Commision Impériale Ottomane pour l'Exposition Universelle de Vienne. 319, VII S. Mit goldgedrucktem Widmungskarton und 74 Tafeln in Heliogravur nach Fotografien. 37,5x 28,5 cm. Kalbslederband d. Z. (Gelenke etwas schwach, teils leicht offen, sonst nur an Stehkanten unwesentlich berieben). Konstaninopel, Levant Times & Shipping Gazette, 1873.
Prunkband mit frühen Fotografien der türkischen Modetrachten, die auf der Wiener Weltausstellung von 1873 präsentiert wurden, auf der der bedeutende osmanische Archäologe, Maler und Museumsgründer Osman Hamdi Bey (1842-1910) persönlich anwesend war, wo er wohl das vorliegende Exemplar zusammen mit seiner Frau und Mitautorin Marie de Launay dem Erzherzog Rainier d'Autriche (1827-1913) persönlich überreichte. Der Erzherzog, mit vollem Namen Rainer Ferdinand Maria Johann Evangelist Franz Ignaz von Österreich verkehrte als Förderer von Kunst und Wissenschaft in den allerhöchsten Kreisen. Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften und Protektor des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie hatte er die Präsidentschaft der Wiener Weltausstellung von 1873 übernommen.

Das Exemplar trägt auf einem in goldenen Lettern lithographierten Widmungsblatt die Zugeignung "A Son Altesse Impériale et Royale Monseigneur l'Archiduc Régnier. Les auteurs: O. Hamdy, Marie de Launay". Das Exemplar ließ Hamdi Bey in einer türkischen Meisterbuchbinderei in dunkelgrünes Halbmaroquin binden, mit prächtiger Rückenvergoldung. Besondere Aufmerksamkeit widmete der Binder jedoch den fantastischen Reliefdeckeln:

Der sicherlich aus Istanbul stammende Buchbinder (Mücellid) folgte dabei der Tradition der osmanischen Prunkeinbände, indem er auf eine mit reliefiertem Leder in unterschiedlichen Farben und reicher Flächenvergoldung eine weitere erhabene Schablonenschicht auflegte, die hier mit dem zartesten glatten, üblicherweise marokkanischen Ziegenleder (Saffian) bezogen und dann mit goldgeprägten Riefeln, Guillochen, Stempelfleurons und Wellenkonturen mit Goldpunkten und Pendentifs (Cevahir) versehen wurde.

Den äußeren Rahmen bildet eine Guilloche-Bordüre, die mit 14 Medaillons mit der inneren Bordüre verklammert ist. Die untere Lage zeigt eine reiche Goldbordüre mit roten Lederreliefs, die Schlangenmäander mit Dornen und Blüten ausbildet. Die floralen Elemente des Bodens steigern sich in ihrer Raffinesse zur Mitte des Einbandes: vier halbe Mandelformen (Shamsa, Semsen) ragen von oben und unten in den Mittelspiegel, sie sind gefüllt mit braunen Ranken, die große und in sich wieder reliefierte Blätter auf flächig gehämmerten Goldgrund ausbilden. Weitere sechs Semsen, diesmal mit nachblauen Ranken und Blättern, umgeben als radiale Strahlenelemente das große hochrechteckige Mittelfeld, auf dessen Goldgrundspiegel eine noch gewagteres noch feineres noch fantasievolleres und noch prächtigeres Flechtwerk-Labyrinth in braunem Reliefleder erscheint, das mit Margeriten, Lilien, Butterblumen und anderen Blüten, Blattwerk und Dornen durchwirkt ist - und so die allerhöchste Ornamentkunst des osmanischen Zeit in einer letzten großen Blüte repräsentiert.

Die mit geglättetem hellgrünen Saffianleder ausgelegten Innendeckel beprägte der Mücellid bemerkenswerter Weise mit breiten floralen Bordüren, die aus dem europäischen Formenvokabular entnommen wurden: mit Weinlaub, Weintrauben und Blattranken. Ein innerer Goldfiletenrahmen bildet gar typische Rokoko-Elemente der westlichen Einbandkunst aus, während das Mittelmedaillon sich aus zahlreichen Einzelstempeln mit zwei größeren Abhängern (Cevahir) zusammensetzt. Es folgen die mit hellgrüner Seide bezogenen fliegenden Vorsätze, bevor dann das Innere des Buches anhebt mit der Widmung an den Erzherzog und dem Titel.

Eine kleine Volte bildete die Wiener Weltausstellung für den Autor Osman Hamdi Bey - ebenso wie dessen Frau und Mitautorin - da dieser dort das erst 17-jährige französische Mädchen Marie kennenlernte, die als "Naile" seine zweite Frau und Mutter seiner drei Kinder werden sollte. – Durchgehend sauberes, sehr breitrandiges, sehr schönes und unbeschnittenes Exemplar.


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