Artzney Buch,
darinnen zur Notturft Menschlichen Leibß. Deutsche Hs. auf Papier
Los 1015a
Schätzung
800€ (US$ 920)
Artzney Buch, darinnen zur Notturft Menschlichen Leibß undt lebens gesundthheit, allerle Pflaster, Salben Öhll, Wundttränck, Wasser, Syrup, Confect, Pilulae, Blutt, undt Gliedwasser Vorstellung, Brandt vom feuer ... und Pestilentz beschrieben, undt begreifft dies gantze Buch. Deutsche Handschrift auf Papier. 17 nn., 240 num., 17 nn. Bl. 18,8 x 16,6 cm. Pergament d. Z. (etwas abgegriffen, fleckig und angestaubt, Vorsätze erneuert, Pergament überarbeitet) mit spanischen Kanten hs. RSchild und geprägtem Monogramm "G.W.V.E.V.T" mit Jahreszahl "1.6.2.0". Würzburg 1620.
Bemerkenswert umfangreiches Medizin- und Pharmazie-Manuskript zur Abhilfe bei allen möglichen Krankheiten der Humanmedizin. Enthalten sind ca. 453 Rezepte aus dem Jahr 1620 (begonnenI) bis ca. 1640, angefertigt wohl für den noch jugendlichen Freiherren Hans Veit III. von Würtzburg (1609-1647). Die Handschrift ist datiert (Titel verso): "Actum am 12. Julij Anno 1620". – Teils gebräunt, geringe Gebrauchsspuren, insgesamt aber wohlerhalten und gut lesbar.
Wedel, Georg Wolfgang
Collegium casuale practicum. Deutsche Handschrift auf Papier
Los 1016
Schätzung
800€ (US$ 920)
Bis dato unbekannte, unveröffentlichte Mitschrift einer Fallsammlung des Jenaer Mediziners Georg Wedel
Wedel, Georg Wolfgang. "Collegium casuale practicum. Noo: 1 [und:] No: 2". Lateinische und deutsche Handschrift von zwei Händen auf Papier. 2 Teile in 1 Band. 20,8 x 17 cm. Lagen über Bünden, ohne Einband. Möglicherweise Jena 1696.
Bei dieser Handschrift handelt es sich möglicherweise um eine Fallsammlung, die auf Vorlesungen des bekannten Jenaer Mediziners u. Chemikers G. W. Wedel (1645-1721) beruht. - Teil 1 beginnt mit einer kurzen Vorrede "A Jove Principium. / Dictum hoc m. ad Medicum spectat, si qvidem in curationibus suis se vult felicem. Praeces a. Medico dicatas vid: ap: Mart: Rulandium in curationibus it: ap: Gregor: Horstium Formula talis ee [?] posset." Er enthält 24 Casus, die folgendermaßen aufgebaut sind: Nach der Krankengeschichte, die auch auf schriftlichen Mitteilungen des oder der Kranken beruhen kann, folgt eine "Responsio", an die sich Rezepturen mit Angabe der Inhaltsstoffe u. Hinweisen zur Anwendung anschließen. Manche Casu enthalten mehrere Krankengeschichten, so dass insgesamt mehr Fälle als Casu beschrieben werden. Auffällig an diesem Teil ist der vermehrt auftretende Hinweis auf das Werk "Opera medico-chirurgica ... omnia" von Johann Michaelis (1606-1667; erschienen Nürnberg 1688). Einige Responsii auch als "Methodus s. cura Wedelii", "Curatio Wedelii" oder ähnlich bezeichnet. - Das Inhaltsverzeichnis listet u. a. auf: Foemina ischuria laborans à Calculo, Epilepsia infantilis, Vertigo, Varioli & morbilli, Arthritis, Lues, Puerpera doloribus post partem, Dysenteria, De Fluore albo, De passione hysterica, De convulsione colli. - Teil 2 enthält 35 casus, scheint aber nicht komplett zu sein (Heftstreifen ragen über den Buchblock hinaus). Dieser Teil geht nicht mehr auf Michaelis' Werk ein, ist aber identisch aufgebaut (u. wesentlich besser lesbar). Mit z. B. folgenden Krankheiten: Colica ex cardialia, De Mania, Semiparalysis, Insultus Epilepticus, Asthma Hypochondriaco, Lues venera in infante, Scorbutus Oris, Passio Hysteriaca, Variolae, Vertigo, Melancholia Hypochondria sowie Passio Hyster. c. Fluore albo. - Ein vergleichbares Werk Wedels (allerdings nur in Latein) ist das "Compendium Praxeos Clinicae Exemplaris" (Jena 1706 u. 1707), das bei kurzer Durchsicht jedoch keine identischen Fälle oder Rezepte enthält. - "Wir entnehmen den ... Vorlesungen, daß Wedel letzten Endes ein Mediziner war, der von Galenischen Schriften ausgehend immer die Praxis und eigene Erfahrung betonte und die chemiatrischen Lehren in Jena maßvoll vertreten hat. Er war ein ausgezeichneter Pharmazeut, der die zahlreichen Medikamente, mochten sie einfach oder zusammengesetzt sein, genau kannte, auch in ihrer Gefährlichkeit, und immer das Wohl seiner Patienten im Auge hatte." (Giese/von Hagen S. 177). - Papier: Mit Wasserzeichen eines waagerecht dreigeteilten Wappenschildes ohne Belegung; mit Helmzier (nicht nachgewiesen in www.wasserzeichen-online.de). - Vgl. DSB 14, S. 212f., ADB XLI, S. 408, Hirsch-Hübotter V, S. 875 u. Giese-von Hagen, Geschichte der medizin. Fakultät Jena, S. 174ff. - In den durch die ThULB digitalisierten Vorlesungsverzeichnungen der Uni Jena der entsprechenden Jahre findet sich kein offensichtlicher Hinweis auf ein "Collegium casuale" Wedels. - Zustand: – Die erste Lage lose, leicht gebräunt, vor allem an den Rändern, Tinte teils etwas durchschlagend, einige Durchschussblätter nicht komplett, teilweise mit Blei- u. Buntstiftkritzeleien (vor allem auf den leeren Blättern). In Teil 2 fehlt eine Lage mit den Casu 9 bis 12 sowie der Schluß. Teil 1 bis S. 12 mit kleiner werdenden Braunflecken. Gebrauchsspuren, Flecken, Ausrisse, durchschossen. Teil 1: Das erste Blatt mit durch Wurmfraß beschädigtem Eintrag: "G. W. W. / Casuale Aoo 1696 / C [?] Noo: 1." Es folgen ein leeres Blatt, 122 S., 2 Bl. mit Index (recto Bl. 1) u. "Tabula de methodo consultandi epistolari renunciatoria." (verso Bl. 1 u. Bl. 2 r u. v). - Teil 2: Titelblatt: Collegium Casuale / Practicum. W. No: 2." 40 nicht nummerierte Blatt (von ?).
Antiphonale
desanctis in festo S. Andreae Apostoli ad primas vesperas antiphonae
Los 1017
Schätzung
750€ (US$ 862)
Antiphonale desanctis in festo S. Andreae Apostoli ad primas vesperas antiphonae. Liturgische lateinische Handschrift mit Text und Quadratnotation auf Papier. 143 num. Bl. (recte: 142). 6-9 Zeilen mit romanischer Quadratnotation auf rotem, fünflinigen System. Titel in Rot. Schrift: Gotica. Schriftraum: 41 x 23,5 cm. Format: 49,5 x 29 cm. Mit zahlreichen rot kolorierten Initialen. Bindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (stärker beschädigt, stark gebräunt, berieben, mit Fehlstellen, unteres Kapital, 8 Messingbeschläge und 2 Messingschließen fehlen) über Holzdeckel. Deutschland, um 1630.
Die alte, polyphone Choralmusik des Mittelalters mit den Gregorianischen Gesängen zur Liturgie im Gottesdienst wurde im Laufe der Jahrhunderte zunehmend mittels Notationen kodifiziert. Dabei wurden die "Neumen", Winke der Hand, zunächst durch Quadratnoten auf vier- und im 16. Jahrhundert verstärkt auf fünfzeiligem System ersetzt. Oftmals dienten liturgische Handschriften noch bis ins 18. Jahrhundert den Chorgesängen der Mönche. Große, teils monumentale Handschriften lagen dabei auf einem Holzpult in der Mitte des Chores, so dass die ganze mönchische Chorgemeinschaft den Text lesen und die Noten erfassen konnte, die ein Weiser zeigte. – Mit zahlreichen, teils sehr großen, hinterlegten Fehlstellen und verstärkten Stegen, stock- und fingerfleckig, knickspurig und mit wenigen verwischten Buchstaben sowie mit einzelnen Wurmgängen.
Marienbrink
Nonnenbuch. Mittelniederdeutsche Handschrift auf Papier
Los 1018
Schätzung
900€ (US$ 1,034)
Seltenes Zeugnis mittelniederdeutscher Frömmigkeit im Beginenkloster von Marienbrink in Westfalen
Marienbrink. - Nonnenbuch. Mittelniederdeutsche Handschrift in braunschwarzer und roter Tinte auf Papier. 16 nn., 252 num., 8 w. Bl. (davon ca. 20 S. unbeschrieben). Format 15,2 x 10 cm. Geglättetes dunkelbraunes Kalbsleder d. Z. (Kapitäle mit Fehlstellen, Gelenke etwas brüchig, bestoßen, winzige Wurmlöchlein, neueres RSchild) mit 2 intakten Messingschließen. Marienbrink (Borken) 1688.
Handschriftliches Nonnenbuch mit Kalendarium, Gebeten und Andachteneiner Schwester aus dem westfälischen Beginenkloster Marienbrink im westlichen Münsterland bei Borken, dessen Gründung sich bis ins Jahr 1397 zurückverfolgen lässt und das 1803 während der Säkularisation aufgelöst wurde. Es handelt sich um eine der eher seltenen überlieferten Schwesternbreviere in mittelniederdeutscher Handschrift.
Vorgesetzt sind 2 Blätter mit typographischem Text "J.M. J. Geistliche Hanthierung oder Weise, in einem Jahr so viel bey Gott zu gewinnen, oder zu verdienen, als sonsten in vielen Jahren zum Newen Jahr 1711 verehret", darauf der hs. Besitzvermerk "Suster Maria Graes".
Es folgt ein Kalendarium (unpag. 1-16) "Iannarius" bis "December" mit Angabe der Monatstage und den Heiligen, darunter die für die Gegen um Borken im Bistum Münster verehrten Heiligen wie der heilige Liudger (Apostel der Westfalen), Paulus (als Patron des Bistums des Münsteraner Doms), Remigius (Patron der Borkener Probsteikirche), Ludgerus (Borkener und Hoxfelder Lokalheiliger) etc. Daran schließen sich Gebet zu allen möglichen Anlässen an (pag. 1-180): "Up unses leiven heren hemmelfardes dach ein gebett negen mal met negen te deum tho bedden up den kerckhof" (An unseres lieben Herrn Himmelfahrtstag: ein Gebet neunmal mit neun Te Deum zu beten auf dem Kirchhof), "De erste fronfast im lentzen", "De ander fronfast tho pfingsten", "De derde fronfast im Herbst" (Das Fonfasten im Frühling, zu Pfingsten, im Herbst),
Ferner: "Dyt synt de xl cellekens un inwendijge offeninge over to dencken des lydens unses leven heren ume unsen willen in der wyldernysse geledden heft" (Dies sind die 40 Zellchen [Zellen, Räume] und die innerliche Übung, um über das Leiden nachzudenken, das unser lieber Herr um unseres Willens willen in der Wildnis erlitten hat.) und vieles mehr. Es schließen sich auf einst weißen Seiten mehrere spätere Gebete an. Dann (pag. 209-239): "De Comendasije to der Be gravige" ("Die Commendatio [Seelenempfehlung] beim Begräbnis). – Nur vereinzelte Gebrauchsspuren, kaum Ausrisse, Fehlstellen oder Flecke, insgesamt wohlerhalten, Buchblock teils etwas gelockert. Datierung auf dem festen Vorsatz "1688", was mit dem Duktus der Handschrift passen würde, ferner mit Besitzeinträgen "Sûster Maria Elisabeth Graes" und "Anna Cathrina Hiller 1790" mit dem Vermerk "Schwestern im Kloster Marienbrinck".
Messbuch Graduale
Sequens Hymnusdi citur ad nocturnos in die sancta trinitatis
Los 1019
Schätzung
900€ (US$ 1,034)
Messbuch Graduale. Sequens Hymnusdi citur ad nocturnos in die sancta trinitatis et abipso die omnibus cliebus dominicis. Liturgische lateinische (und vereinzelt italienische) Handschrift mit Text und Quadratnotation auf Papier. Titel in Rot, Text in Schwarz, Rot und Grün. Schrift: Gotica. 193 num. S., num. Bl. 194-211, 25 (recte: 24). Mit farbiger Wappenzeichnung, mit 3 kalligraphischen Zierinitialien in Rot und Blau und zahlreichen roten und grünen Initialien. 7-8 Zeilen. 42 x 27 cm. Blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (stärker gebräunt, berieben und bestoßen oberes Kapital und 2 Messingschließen fehlen sowie mit wenigen Wurmlöchern) über Holzdeckel. Wohl Frankreich um 1700.
Besonders hübsches und in kräftigen Farben koloriertes Messbuch mit verschiedenen Einträgen. Enthalten sind zum Beispiel die Gesänge "Eisdem diebus ad laudes hymnus", "Ad primam omni tempore hymnus", "Ad tertiam dominicis ... hymnus", "Ad vesperas dominicis ... hymnus", "Ad completorium canitur per totum aduentum ... hymnus", "Eodem tempore ad tertiam exceptis festis sanctorum", "Ad tertiam toto tempore ... hymnus", etc.
Auf dem ersten Blatt befindet sich ein hübsches und farbenprächtiges Bischhof-Wappen mit den Initialien "FLAO". Darauf abgebildet ist ein Buch, eine Bischhofsmütze, ein Kreuz, eine "fleur de Lille" und zwei Bischofsstäbe. – Vorderes Innenglenk offen, mit Wurmlöchern, teilweise mit Einrissen und Fehlstellen, etwas braunfleckig sowie sieben Blätter lose.
Sweerts-Spork, Karl Rudolf
"Protocollum zum Eintreibung aller und jeden Ehren-Versicherungen
Los 1020
Schätzung
800€ (US$ 920)
Protokollbuch der Grafen Sweerts-Spork zu Schloss Lissa in Böhmen
Sweerts-Spork, Karl Rudolf. "Protocollum zum Eintreibung aller und jeden Ehren-Versicherungen und Dergleichen Examina, Reversen, Cautionen dann Bürgschafft-Leistung, samt Straff-Verbündungen auffgericht ... glücklich und gnädiger Regierung Des Hoch- und Wohlgebohrnen Herrn Herrn Frantz Carl Rudolph Grafen von Sweertz und Sporck, Reichsfreyherrn von Reist ... Anno 1734. Deutsche Handschrift auf Papier. 377 (le. w.) hs. num. Bl., 51 vacat-Bl., 5 S. Register, 7 w. Bl. 33,8 x 21 cm. Blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (Kapital eingerissen, Deckel leicht geworfen, etwas fleckig ung angestaubt, bestoßen) mit reicher floraler Präung und hs. Deckeltitel (ohne die einst breiten Bindebänder). Böhmen und Schlesien 1731-1848.
Protokoll-, Schuld- und Einzugsbuch der brabantinischen Reichsgraphen von Sweerts-Spork, die zu den sieben Patriziergeschlechtern gehörten, die das Stadtregiment zu Brüssel führten und dann einen schlesischen Ast in Schlesien und Böhmen ausbildeten, der aus der Ehelichung des Johann von Reist und Sweerts mit Johanna Emerentiana von Drysch hervorging und von dem Freiherrn Franz Johann von Sweerts-Spork (1653-1700) begründet wurde.
Angelegt unter einem der mächtigsten Vertreter des Adelsstammes, Franz Karl Rudolph Graf Sweerts-Spork (1688-1757), der auf Schloss Lissa (Zámek Lysá nad Labem) residierte, enthält der Band in allen Einzelheiten durch ein Register am Schluss erschlossenes Memoriale mit Schilderungen von Rechtsfällen, wie "Unterschiedliche vermische Clagen": "Des Schmiedhoffer Müllers Aussag", "Klagen von Matthes Wünsch", "Wie dem Galgen-Müller ein Pferdt arrestiert worden", "Wie der Andreas Fischer als ein gefangener deserteur außen arrest eschappiert",
Oftmals ist die "Stade Daube" (Dubá bei Reichenberg), "Wegen Hanß Mickses Schneider aus der Stadt Dauba", "Wegen Hanß Loß Weber Gesell aus Daube", "Wegen Ferdinand und Hanß Wenzel Taschke als Musicanten aus der Stadt Dauba". Es folgen zahlreiche Kopien von Urkunden, teils mit kalligraphischen Überschriften und Siegeln etc.: "Herrnhaus- und Weinschank", "Brandweinhaus Pachtkontrakt" etc. – Von üblichen Gebrauchsspuren abgesehen in sehr gutem Zustand, nur vereinzelt etwas fleckig oder gebräunt.
Ferdinand II.
Lista derer Kriegs-Völkher zu Fuß und zu Roß,
Los 1020a
Schätzung
300€ (US$ 345)
Musterungsschrift mit der Truppenliste aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges
Ferdinand II. - "Lista derer Kriegs-Völkher zu Fuß und zu Roß, alß auch derer Kriegs-Häubter, Seyner Römischen Mayestät des Kaysers Ferdinandi des Andern, so anitzt, für des durchlauchtigsten Ertz-Hauses Recht und Ehr, wieder die bohaimbschen Rebellen und deren adhaerentes, zuz Veldt liegen. Anno MDCXX. Deutsche Handschrift auf Papier. 3 nn., 46 num. S. Schriftraum 13 x 8,5 cm. Format 14,6 x 9,8 cm. Modernes Pergament unter Verwendung zeitgenössischen Materials mit hs. Eintrag. Reinschrift des 18. Jahrhunderts.
Musterungsschrift mit der Truppenliste aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges unter Kaiser Ferdinand II. (1578-1637), die die "Kriegs-Völkher zu Fuß und zu Roß", also die Infanterie mit Musketiere und Piketieren sowie Kavallerie mit den Reitertruppen der Kürassiere und Arkebusiere aufführt und mit konkreten Namen nennt. Ferner werden auch die "Kriegs-Häubter" aufgeführt, also die namentliche Erfassung der Generäle, Obristen, Regimentschefs und der Hauptleute, die Patente des Kaisers besaßen und gegen die protestantischen Stände Böhmens für "Recht und Ehre" des "Ertz-Hauses", also des Hauses Habsburg und dessen Herrschaftsansprüche und den katholischen Glauben ins Feld ziehen sollten.
Dem Jahr 1620 kam dabei eine besondere Bedeutung zu, das es einen der kritischsten Wendepunkte zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) ausmachte. Ferdinand II. hatte 1619 den Thron bestiegen, die böhmischen Stände hatten ihn jedoch als König abgesetzt und den Protestanten Friedrich V. von der Pfalz (den "Winterkönig") gewählt. Daher stand Ferdinand II. unter massivem Druck, eine schlagkräftige Armee aufzustellen, um Böhmen zurückzuerobern und seine Herrschaft zu sichern. – Bindung etwas gelockert, Innengelenke teils offen, nur gering fleckig und mit Gebrauchsspuren.
Alchemistische Sammelhandschrift. "Von dem Lapide Animale". Deutsche Handschrift auf Papier. 54 Bl., eng beschrieben. Ca. 45-50 Zeilen. Schrift: Deutsche Kurrentschrift. Format: 36 x 22 cm. Ungebunden. Lose Lagen. Deutschland, letzter Teil datiert: April 1787.
Fragmentarisch erhaltene, umfangreiche Sammelhandschrift mit alchemistischen Abhandlungen und Briefen, teilweise nach Basilius Valentinus (1394-1450).
Enthält u. a. die Texte "Von dem Lapide Animale", "Excerpta aus einem Manuscript von H. Gardtmann", "Von der höchsten Artzeney aus dem Weinstock" sowie Ausführungen zur Goldmacherkunst. Vereinzelt mit kleinen Federzeichnungen und Skizzen versehen. – Lose Lagen. Papier altersbedingt gebräunt und teils stockfleckig. Vereinzelte zeitgenössische Tintenflecken. Ränder und Ecken bestoßen, teils randbrüchig mit kleineren Läsuren. Insgesamt fragmentarisch erhalten.
Venedig
Azioni del demanio. Italienische Handschrift in Sepiatinte auf Papier
Los 1022
Schätzung
800€ (US$ 920)
Staatliches Kassenbuch aus der Zeit der napoleonischen Herrschaft in Venedig
Venedig. - "Azioni del demanio". ("Angaben zur Verwaltung des Staatsvermögens"). Italienische Handschrift in Sepiatinte auf Papier. 1 Bl. "Indice" und 12 doppelblattgroße hs. Tabellen. 20,8 x 18,8 cm. Halbleder d. Z. (etwas beschabt, bestoßen) mit goldgeprägtem Rücken und goldgeprägtem roten Deckelschild "Demanio" sowie Kleisterpapier-Deckelbezügen. Venedig 1808.
Übersicht über die Staatsfinanzen der französischen Krone in Italien mit genauen Angaben der Steuer- udn Güteransprüche, der Staatsschulden, Obligationen und Tilgungen, der Verwaltung der Staatsdomäne der Terra ferma wie der Stadt Venedig. Napoleon hatte 1806
Im Jahr 1806 gliederte Napoleon Venedig in den Herrschaftbereich des "Regno d'Italia" ein. Die Franzosen führten eine hocheffiziente, aber auch rücksichtslose Finanzverwaltung ein, für die sie die Staatsfinanzen minutiös dokumentierte: Wie viel Besitz hat der Staat, wie wird er verwaltet, wie viel wurde verkauft (Distrazione), um die enormen Staatsschulden (Debito pubblico) und Kriegskosten zu tilgen. Einbezogen werden nicht zuletzt die wertvollen staatlichen Wälder (Boschi), die dem Okkupanten ebenfalls reichen Ertrag versprachen.
"Azioni del demanio", "Derivazione del Azione del Demanio", "Amministrazione del Demanio", "Distrazione delle Proprietà del Demanio", "Debito pubblico e monte", "Boni e loro ammortizzazione", "Prospetto dell'Amministrazione del Demanio in origine", "Prospetto delle Distrazioni del Demanio", "Prospetto del Debito Pubblico e Pensioni", "Amministrzione della Corona", "Amministrazione dei Boschi" (etwa: "Staatseigentum", "Abzweigung von Staatseigentum", "Verwaltung des Staatseigentums", "Entziehung von Staatseigentum", "Staatsverschuldung und Gesamtverschuldung", "Anleihen und deren Tilgung", "Übersicht über die ursprüngliche Verwaltung des Staatsvermögens", "Übersicht über die Umwidmungen des Staatsvermögens", "Übersicht über die Staatsverschuldung und Renten", "Verwaltung der Krone", "Verwaltung der Wälder"). – Sehr sauber und in bestem Zustand, Reinschrift fast ohne Gebrauchsspuren.
Grand Orient de France
Initiations-Urkunde der Mutterloge für Friedrich von Romberg.
Los 1023
Schätzung
200€ (US$ 230)
Grand Orient de France. Initiations-Urkunde der französischen Mutterloge für Friedrich von Romberg der Julius-Loge zur Eintracht. Französische Handschrift auf Pergament. 40 x 53 cm. Mit zahlreichen "Timbres et scelles" und Signaturen der Logenobersten sowie Kopfstempel der "Mère Loge à L'Orient d'Arras". Gefaltet. Arras 5. Mai 1814.
Logendiplom der großen Mutterloge "Loge à L'Orient d'Arras" für den Genadier und Gardecorpos-Offizier des preußischen Regiments Friedrich von Romberg. Nach der Niederlage Preußens gegen Napoléon im Jahr 1806 verlegte Friedrich Wilhelm III. Einheiten in die Provinz Pommern (unter anderem nach Stargard und Stettin), wo Romberg der Freimaurerloge Julius zur Eintracht beitrat, die wiederum angegliedert war an die Mutterloge "à L'Orient": "Au nom et sous les auspices du Grand Orient de France. D'un lieu éclairé, où règnent la Paix, le Silence et la Charité, à toutes les Loges Régulières [...]. Nous, Vénérables Officiers, dignitaires et Membres composant la Respectable Mère Loge de Maîtres Anglais, Écossais et Français d'Artois, sous le titre distinctif de la Constance à l'Orient d'Arras [...]. En conséquence de la délibération prise à l'unanimité dans la séance d'hier, voulant donner au Cher et Très Fidèle Frère Frédéric De Romberg, Chef d'un bataillon de Grenadiers du Royaume de Prusse, âgé de 36 ans, né à Wesel en Westphalie, [possédant] le 1er Grade, Membre de la Respectable Loge Julius de la Concorde à l'Orient de Stargard dans la Poméranie, un Témoignage de la haute estime qu'il nous a inspiré, lui donner en même temps un gage de notre sincère attachement, et établir entre nous et lui un Lien de Domicile réciproque [...]. Fait à l'Orient d'Arras le 5e jour du 3e mois de l'An de la Vraie Lumière 5814 (Ère vulgaire 5 Mai 1814)." – Etwas abgegriffen, mit hübsche hellblauen Seidenband (ohne Siegel), Gebührenstempel, unten etwas fingerfleckig, mit Knickspuren, dekorativ.
Geistliches Gebeth Buch
Deutsche Handschrift auf Papier. Mit 12 ganzseitigen Miniaturen.
Los 1024
Schätzung
500€ (US$ 575)
Gebetbuch einer Güttlersfrau aus dem bayrisch-schwäbischen Monheim
Geistliches Gebeth Buch, darin erhelt Mogen-Aben Meß-Vesper Beich- und Communion, und andere verschidene Gebetter samt den angehengten heiligen Kreuzweg. 1828. Deutsche Handschrift auf Papier. 1 S. (Titel), 393 num. S., 5 nn. Bl. Schriftraum 13 x 7,8 cm. Format 16 x 10,2 cm. Deutsche Kurrent in hellbrauner Tinte, Auszeichnungen in Fraktur-Kalligraphie. Mit zahlreichen bunten Initialen, Vignetten, Buchschmuck und ca. 12 ganzseitigen Miniaturen. Dunkelbraun-schwarzes Leder d. Z. (gering beschabt, bestoßen, leicht abgegriffen) mit Strukturprägung und reicher Rückenvergoldung und goldgeprägten Deckelbordüren (alles etwas gedunkelt und beschabt) mit hübschen Kattunpapier-Vorsätzen. Monheim 1818-1828.
Laut hs. Eintrag auf dem weißen Vorsatzblatt stammt das Buch von einer "Güttlersfrau", einer Kleinbäuerin, aus dem bayrisch-schwäbischen Monheim im heutigen Landkreis Donau-Ries, ungefähr auf halbem Wege zwischen Nürnberg und Augsburg. So lautet ein späterer hs. Bleistift-Eintrag auf einem weißen Vorsatzpapier: "Ana Maria Handschiegel Güttlersfrau in Monheim anno 1818 gerschrieben". "Güttler" bezeichnet dabei Kleingrundbesitzer unter den Bauern, die ein kleines Gut ("Gütle") besaßen, jedoch die Landwirtschaft meist nur als Nebenerwerb zu einem Handwerk betrieben.
Die hübschen Illustrationen zeigen in bunt-aquarellierten Farben zahlreiche Initialen, Girlanden, Kopf- und Schlussvignetten sowie ganzseitige Titelbilder oder figürliche Darstellungen von "Maria" und "Jesus", jeweils mit einem einmontierten Holzschnitt, ferner die Symbole der Sakramente wie "Leidens Kelch Jesu", "IHS", "Beicht Gebetter", "Das ist das Lamm Gottes welches hinwägnimb d. Sünd d. w." etc. – Teils mit etwas Durchschlag von den farbigen Illustrationen, wenige Farbverwischungen, kaum fleckig, kaum Gebrauchsspuren, sehr gut erhalten.
"Bihr Suppen", "Lungen Schoal" und "Sausse zu Ochsenfleisch" und Torten - Eine Kochbuchhandschrift der Biedermeierzeit
Lieselotte Chrapkowski. Deutsche Handschrift auf graugrünem Papier. 131 S., 18 Vacatbl. Ca. 19-27 Zeilen. 24,5 x 20 cm. Späterer Pappband des 20. Jahrhunderts mit goldgeprägtem Rückenschild (minimal bestoßen). Süddeutsch-österreichischer Raum, um 1820.
Umfangreiches handschriftliches Kochbuch in sauberer, gleichmäßiger Kurrentschrift mit zahlreichen Rezepten der gehobenen bürgerlichen Küche des süddeutsch-österreichischen Raums. Die Sammlung vermittelt einen anschaulichen Einblick in die Koch- und Tafelkultur des frühen 19. Jahrhunderts und umfasst ein breites Spektrum an Suppen, Fleisch- und Mehlspeisen, Strudeln, viele Torten und anderem feinen Backwerk.
Enthalten sind u. a. Rezepte für:
"Suppe mit Eierschöberl, Fleisch Bitzel, Reis Bitzel, Leber Schöal, Lungen Schoal, Grießnockerl in die Suppen, Consumé in die Suppen, Consume zu machen, Biscolade Suppe, Wein Suppe, Bihr Suppen, Fastenschöberl Suppen, Gries Suppen, Gersten Suppen, Obers Suppe, Mehl Suppen, Gogl Suppen, Gallert Suppen."
Ferner Saucen und Fleischgerichte wie z. B. "Sodosses Fleisch, Sausse zu Ochsenfleisch, Kälbernes; daneben zahlreiche Mehlspeisen und Backwaren wie Gugelhupf von Germ Teig, Zuckerbrot zu machen, Feiner Gugelhupf, Abgeriebner Gugelhupf, Eis Kaffée, Gebackene Mehlkoist, Reis Schöal, Striezel, Karthoffel Schöal, Suttene Mehlkoist, Leberknödl, Mandl Strudl, Tiroler Strudl, Krausche Mandeln, Höllenfizzen zu machen (Höllenpfannkuchen bzw. Schmarren), Dieselbe auf eine andere Art, Gefülzte Milch, Mandl Torten, Biskoten Torten, Gehobene Torten, Biskoten Gugelhupf, Semmel Torten, Brodt Torten, Englischer Brötl, Mohrun Torten (Mohrentorte/Schokoladentorte), Englisch Brod, Reicher Podin, Reicher Podin auf ander Art sowie Dunstgekochter Mehlkoist". – Papierbedingt etwas gebräunt sowie vereinzelt gering stockfleckig bzw. tintenfleckig, zu Beginn etwas stärker, im Verlauf nachlassend. Gelegentliche zeitgenössische Durchstreichungen und Korrekturen. Vorsätze neueren Datums. Nur vereinzelt kleine Randläsuren oder Knickspuren. Insgesamt wohlerhaltene und sauber geschriebene Handschrift mit gut lesbarem Schriftbild.
Zirkel, W.
"Doctor Faust. Schauspiel in 4 Acten". Deutsche Handschrift auf Papier
Los 1026
Schätzung
450€ (US$ 517)
"Pforten der Hölle, öffnet Euch der bekannten Stimme, die Euch ruft!"
Zirkel, W. "Doctor Faust. Schauspiel in 4 Acten". (Persiflage auf Faust). Deutsche Handschrift auf Papier. 49 Bl. 19-21 Zeilen. Schrift: Deutsche Kurrentschrift. Format: 21 x 17,5 cm. Pappband (Rücken aufgeplatzt, Kanten bestoßen und Deckel stark berieben). Deutschland ca. 1841.
Bisher nicht im Druck nachweisbare dramatische Bearbeitung des Volksbuchstoffes in vier Akten. Das Faustspiel weist im vorliegendem Manuskript parodistische und persiflierende Züge auf. Zu den handelnden Personen gehören: Doctor Faust, Wagner, Mephistophiles, Fitzliputzli, Prinzessin Bianka, Kasper, der Herzog von Parma Piacensa sowie weitere Figuren. Der Text enthält zahlreiche Regieanweisungen. Die Handlung setzt in einem "Zimmer in Fausts Behausung" ein und führt über Beschwörungsszenen und den Teufelspakt bis zu Auftritten der Furien und vielem mehr. Ein Ausruf in Szene 4 lautet: "Pforten der Hölle, öffnet Euch der bekannten Stimme, die Euch ruft!" – Buchblock gelockert, 2 Blätter lose beiliegend. Durchgehend unterschiedlich stark braun- und stockfleckig. Erstes (Titel-)Blatt mit größerem Randeinriss. Vereinzelt ferner mit Knickspuren und Randläsuren.
Gästebuch der Familie von Schimmelmann. Ca. 180 Bl., davon 28 mit handschriftlichen Einträgen, 152 Bl. vacat. Mit 4 Aquarellen (3 blattgroß, 1 halbseitig) und einer Federzeichnung. 26,5 x 21 cm. Schweres, geprägtes Jugendstil-Lederalbum d. Z. (etwas berieben und bestoßen) mit Messing-Schließe. Naumburg 1910-1919.
Gästebuch von Gertrud Freifrau von Schimmelmann mit Einträgen aus den Jahren 1910 bis 1919. Frau von Schimmelmann studierte Malerei in Oldenburg bei Hugo Ziegler. Zahlreiche Gäste danken in ihren Einträgen für die Gastfreundschaft im Hause Schimmelmann. Enthalten sind drei reizende Aquarelle des Münchner Malers Willy Hermann, eines Schülers von Lovis Corinth. Sie zeigen die SMS Oldenburg in Wilhelmshaven sowie Eindrücke von der Hochzeitsfeier seiner Tochter Gudrun mit einem Marineoffizier im Jahr 1919. – Wohlerhalten.
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