Kalachakra-Mandala
Nepal-Tibet wohl Anfang 20. Jahrhundert.
Los 653
Schätzung
800€ (US$ 909)
Gott Kala im Chakra-Kreis - eine der qualitätsvollsten Arbeiten des Genres
Kalachakra-Mandala. Nepalesisch-tibetisches Thangka, ein Rollbild des tantrischen Buddhismus. Feine Deckfarbenmalerei auf Gaze, verso mit rotem Blumenstempel. Ca. 71 x 56 cm. Nepal-Tibet wohl Anfang 20. Jahrhundert.
Die Darstellung eines Kalachakra-Mandalas symbolisiert die kosmische Ordnung und den Zeitenlauf in Form eines Rades. Hier ist es mit blauen, roten, grünen und gelben Ornamenwulsten umgeben und zeigt im Innenkreis acht vielfigürliche Szenen mit Menschen, Tieren und Göttern in akadischen Landschaften. Oben erscheint Buddha und weitere Götter in Mandorla-Aureolen oder auf Wolkenbetten, im quadratischen Innenraum reihen sich Figuren um die vielarmige Zentralgestalt (Kala).
Das Kalachakra-Mandala dient der Meditation und Heilung, die während einer Transfiguration stattfindet, bei der sich der meditierende Mensch in eine Gottheit verwandelt. So zeigen die Figuren in der Mitte neben roten, weißen, gelben und grünen Personen auch zweifarbige Halbwesen. Sie befinden sich in der prachtvollen Architektur des Palastes der Gottheit Kalachakra, die als viergesichtiger Gott mit zwölf Armen und vierundzwanzig Händen dargestellt ist - Sanskrit "Kala" heißt so viel wie Zeit, und Chakra ist der ewige Zyklus in der buddhistischen und hinduistischen Kosmologie.
Äußerst vielfigurige, höchst dekorative Thangka mit der Darstellung von Königen und Göttern. Unter dem Begriff "Thangka" fasst man in der tibetisch-nepalesischen Kunstgeschichte ein Rollbild des tantrischen Buddhismus. Die prachtvollen, großformatigen Tanghkas hingen zumeist in den buddhistischen Tempeln Nepals und Tibets, kleinere schmückten auch private Hausaltäre. Das Gazebild ist eingefasst von einem breiten rotgemaltem Rahmen. Vgl. u. a. Giuseppe Tucci: Tibetan Painted Scrolls. 3 Bände. Rom 1949. – Ganz wenige, winzige Randläsuren, kaum Gebrauchsspuren oder Fleckchen, nur minimale Rollspuren oder Bereibungen, insgesamt in bemerkenswert gutem Erhaltungszustand. In leuchtenden, besonders frischen Gouache-Farben, die Zeichnungen überaus minutiös und detailliert im Wechsel zwischen dem großen Gesamtbild und den zahlreichen umgebenden Kleinszenen - eine der qualitätsvollsten Arbeiten des Genres.
Toshiaki, Nakazawa
Folge von 12 Farbholzschnitte der Serie Kanadehon Chushingura (Die 47 Ronin).
Los 654
Schätzung
500€ (US$ 568)
Toshiaki, Nakazawa. Folge von 12 Farbholzschnitte der Serie Kanadehon Chushingura (Die 47 Ronin). Format ôban yoko-e. 23,5 x 36 cm Japan, (Meiji 30), 1897.
Bildfolge mit abwechslungsreichen, teils dramatischen Szenen: Samurai im Schneegestöber, Interieurs sowie Gruppen- und Landschaftsszenen; dargestellt sind Episoden der Geschichte der 47 Ronin.
Nakazawa Toshiaki (auch Yusai) zu den produktivsten Holzschnittkünstlern der späten Meiji- und Taisho-Zeit und war Schüler von Tsukioka Yoshitoshi. – Farbfrisch. Sämtliche Blätter verso auf Bütten montiert, dieses wiederum lose auf weißem Karton aufliegend. Insgesamt überwiegend gut erhalten. Auf Wunsch sämtliche Blätter mit einheitlichen Rahmen (schwarze Metallleisten), jedoch nur bei Abholung oder Spedition. Versand nur ohne Rahmen möglich.
Ukiyo-e Sammlung
Konvolut von ca. 50 Farbholzschnitten verschiedener Künstler mit Darstellungen von u. a. Kriegern, Schauspielern, Legenden und Schlachten
Los 655
Schätzung
1.000€ (US$ 1,136)
Ukiyo-e Sammlung. Konvolut von ca. 50 Farbholzschnitten verschiedener Künstler mit Darstellungen von u. a.Kriegern, Schauspielern, Legenden und Schlachten. Formate vorwiegend ôban. Edo (Tokio) 19. Jahrhundert.
Umfangreiche Gruppe figürlicher japanischer Farbholzschnitte mit breitem ikonographischem Spektrum zwischen Theaterdarstellungen, Kriegerbildern, Historienepisoden, Bijin-Darstellungen und mythologischen Szenen. Vertreten sind unter anderem Drucke von Utagawa Kunisada, Utagawa Kuniyoshi, Toyohara Kunichika und weiteren Meistern der Utagawa-Schule. Dargestellt sind Schauspieler, legendäre Gestalten und Gottheiten in Porträts sowie Gruppen- und Genreszenen, darunter auch dramatische Kampf- und Schlachtendarstellungen. – Unterschiedlich erhalten, teils mit Montierungsspuren, Randläsuren, kleinen Fehlstellen, Flecken oder Bereibungen; einige Blätter aufgezogen. Insgesamt dekoratives Sammlungskonvolut.
Ukiyo-e Sammlung
von 20 Ukiyo-e Farbholzschnitten verschiedener Künstler
Los 656
Schätzung
800€ (US$ 909)
Sammlung von 20 Ukiyo-e Farbholzschnitten von verschiedenen Künstlern. Format ôban tate-e (35 x 24 cm bis 36,5 x 25,5 cm). In moderner Leinenmappe (leicht berieben und bestoßen). Edo (Tokio) 1867-1900.
Private Sammlung von zahlreichen japanischen Holzschnitten in Ukiyo-e aaus der Edo und Miji-Epoche.
Vorhanden sind: I. Miyagi Gengyo. Titelblatt von "Einhundert Ansichten berühmter Orte in Edo". 1858. - II. Tokio Meisho. Die fünfzigjährige Geschichte der Kaiserlichen Universität. Um 1880. - III. Kabuki Masks. 20. Jahrhundert. - IV. Kirschblüten. Straßenszene. Um 1900. - V. Kunichika. Yaozen Restaurant in San'ya, von Kaika sanjuroku kaiseki. 1878. - VI. Kobayashi Kiyochika. Der verzweifelte Kampf von Hauptmann Asakawa in Tuchengzi. Triptychon. 1 (von 3) Ukiyo-e Farbholzschnitten. 1895. - VII. Mizuno Toshikata. Imasama Bijin. 1899. - VIII. Ochiai Yoshiiku. Aus der Serie Porträts als wahre Ebenbilder im Mondlicht (japonice: Makoto no tsukihana no sugata-e). 1867. - IX. Ogata Gekkô. Frauen bewundern Ahornbäume oder Azuma Nakanokimi aus der Serie "Gekkôs Sammelwerke" (japonice: Gekkô zuihitsu). 1892. - X. Derselbe. Staatsmann Takenouchi Sukune aus der Serie "Gekkôs Sammelwerke" (japonice: Gekkô zuihitsu). 1887. - XI. Derselbe. Zwei Frauen im Pferdestall aus der Serie "Gekkôs Sammelwerke" (japonice: Gekkô zuihitsu). Um 1890. - XII. Toyohara Kunichika. Schauspieler Bandô Hikosaburô. 1868.
Und weitere. - XIII. Utagawa Kuniyoshi. Kumawaka-maru. Tryptichon. 1 (von 3) Ukiyo-e Farbholzschnitten. Um 1870. - XIV. Utagawa Kunihisa. Takechi Samanosuke überquert den See Biwa in der Provinz Omi (japonice: Takechi Samanosuke Omi kosui watari). Triptychon. 1 (von 3) Ukiyo-e Farbholzschnitten. 1866. - XV. Yoshikazu. Soga Juro Sukenari und Soga Goro Tokimune aus der Serie "Die acht Tugenden". 1856. – Teils mit kleinen Gebrauchsspuren, winzigen Löchlein und leicht berieben sonst wohlerhalten.
Utagawa-Schule
3 Bijin-ga. Farbholzschnitte verschiedener Künstler der Utagawa-Schule
Los 657
Schätzung
130€ (US$ 148)
Utagawa-Schule. 3 Bijin-ga. Farbholzschnitte verschiedener Künstler der Utagawa-Schule (Utagawa Toyokuni I, Utagawa Toyokuni III und Utagawa Kuniyoshi). Formate ôban tate-e, jeweils ca. 37 x 26 cm. Edo (Tokio), ca. 1824-1850.
Vorhanden:
I. Utagawa Toyokuni I. Kabuki-Schauspieler in einer Frauenrolle.
II. Utagawa Toyokuni III (Kunisada). Schöne Bijin mit Laterne; Kartusche oben mit Porträt des Dichters Gon Chunagon Masafusa.
III. Utagawa Kuniyoshi. Zwei Figuren in einer Landschaft mit blühenden Zweigen und Hügeln – Mäßiger Erhaltungszustand mit altersbedingten Gebrauchs- und Handhabungspuren. Papierbedingt gebräunt. Vereinzelt sind Wurmspuren sowie kleinere Fehlstellen im Papier vorhanden. Die Kanten mit sehr kleinen Ausbrüchen. Farben etwas verblasst.
Vielseitige Gruppe szenischer Farbholzschnitte
Utagawa-Schule. Konvolut von 12 Farbholzschnitten (Ukiyo-e und Yakusha-e) verschiedener Künstler, teils als Diptychon bzw. aus Triptychen oder Serien. Formate ôban. Edo (Tokio), um 1848-1862.
Die Farbholzschnitt-Gruppe bietet ein großes Spektrum an Motiven; von Kabuki-Szenen, epischen Historiendarstellungen und genrehaften Bijin-ga-Blättern. Vorhanden sind Darstellungen verschiedener Meister der Utagawa-Schule:
I. Utagawa Kuniyoshi. Zwei Farbholzschnitte (von 3) mit zwei Figuren und einem übergroßen Karpfen.
II. Utagawa Kuniyoshi. Zwei Farbholzschnitte aus Kanadehon chushingura mit Samurai- und Ronin-Szenen (Winterlandschaft bzw. nächtliche Szene).
III. Utagawa Kuniaki. Zwei Farbholzschnitte aus der Serie Kanadehon chushingura, mit Kampfszene sowie Darstellung der Ronin vor dem Grab Enya Hangans.
IV. Utagawa Sadahide. Zwei Farbholzschnitte (von 3) eines Triptychons mit der Schlacht zwischen den Truppen von Uesugi Kenshin und Takeda Shingen.
V. Toyohara Kunichika. Zwei Bijin-Darstellungen mit Kindern in haeuslichen bzw. promenierenden Szenen.
VI. Utagawa Kunisada. Diptychon mit dem Motiv eines Figurenpaares innerhab einer Blütenbordüre. – Unterschiedlich erhalten. Teils unvollständige Diptychen bzw. Triptychen. Vereinzelt mit Randläsuren, kleinen Wurmgängen, Montierungsspuren oder minimalen Flecken; insgesamt überwiegend wohlerhaltene und dekorative Drucke.
Weiqi-Spieler
Chinesisches Tuschemalerei in Aquarellfarben auf Papier
Los 659
Schätzung
800€ (US$ 909)
Weiqi-Spieler. Chinesisches Tuschemalerei in Aquarellfarben auf Papier. 126 x 65 cm. Mit Goldbordüre aufgezogen auf festen Pappgrund und Spanholzplatte mit Leinenbezog recto, gerahmt in teilprofilierter Holzleiste 150 x 90 cm. China Ende 19. Jahrhundert.
In der chinesischen Tuschmalerei "Shuimo Hua" ist das am höchsten geschätzte Sujet die Landschaft, meist bizarre Bergwelten mit mächtigen Bäumen, mit Wasserfällen, Seen und Flüssen, die enge Schluchten durchschneiden. Figürliche Zusätze bilden meistens nur Staffagen, auch wenn sie oft titelgebend sind. Alles genannten Elemente finden sich hier: Die dargestellte Berglandschaft wirkt auch daher so gewaltig, weil die Staffagen, ein winziges Segelboot, kleine Häuser am Ufer, aber auch die Weiqi-Spieler im Bildmittelgrund eine Relation herstellen. Unten erscheinen zwei Landarbeiter, wohl damit beschäftigt, Reis zu dreschen, während auf einer Bergwiese zwei Spieler das berühmte Weiqi- bzw. Go-Brettspiel spielen, während zwei Zuschauer, einer mit langer Pfeife, ihnen Gesellschaft leisten. – Mehrere, jedoch meist nur kleinere Flecke, hier und da Oberflächenbereibungen, allenthalber kleine Randläsuren, fest auf Kartonpappe montiert, sehr dekorativ und kontemplativ. - Schön gerahmt, nicht ausgerahmt, Versand jedoch nur ohne Rahmen.
Yakusha-e
Konvolut von 4 Farbholzschnitten verschiedener Künstler
Los 660
Schätzung
180€ (US$ 205)
Yakusha-e. Konvolut von 4 Farbholzschnitten verschiedener Künstler, meist von Kabuki-Schauspielern. Formate ôban tate-e. Ca. 36,5 x 25,5 cm. Edo (Tokio), um 1852-1860.
Das Konvolut umfasst vier Kabuki-Theaterdarstellungen:
Utagawa Kunisada. Schauspielerporträt des Ichimura Uzaemon XIII in der Titelrolle Tenjiku Tokubei aus dem Stück Sansen Ryokogane no Natsugiku.
Utagawa Kuniyoshi. Szene "Elefantenraub" mit den Schauspielern Ichikawa Ebizo V und Ichikawa Danjuro VIII.
Utagawa Kuniyoshi. Doppelbild aus der Serie Doke joruri zukushi mit zwei humoristischen Theaterszenen.
Und ein weiteres Blatt mit zwei Figuren aus der buddhistischen Legendenwelt: einer furchterregenden Wächterin des Sanzu-Flusses und der Dienerin Otake Dainichi. – Unterschiedlich erhalten: teils berieben, fleckig oder knickspurig, mit kleinen Einrissen, Fehlstellen, Wurmlöchlein bzw. Montagelöchlein im Randbereich. Insgesamt dekorative Blätter mit teils kräftiger Farbigkeit.
Shigekiyo, Utagawa und Yokohama-e
Hafenszene mit Raddampfern. Tokyo Ryogoku tsuun kaisha kowa joki ofuku seiei shinkei no zu
Los 661
Schätzung
400€ (US$ 455)
Dampfverkehr als Zeichen urbanen Wandels der Meiji-Zeit
Utagawa Shigekiyo. (Hafenszene mit Raddampfern). Tokyo Ryogoku tsun kaisha kowa joki ofuku seiei shinkei no zu (japonice: Wahre Ansicht des Wohlstandes: Der Hin- und Rückfahrt-Dampfschiff-Service der Ryogoku-Verkehrsgesellschaft). Triptychon. 3 Blatt-Farbholzschnitte, signiert "Shigekiyo-ga" (Goko Nozawa Sadakichi). Jeweils Format ôban tate-e. Zusammen ca. 36 x 72 cm. Unter Kartonpassepartout. Japan, bei Miura Taksaki, ca. 1877.
Dekoratives Triptychon mit geschäftiger Hafenszene, das die Modernisierung Japans exemplarisch am Schiffsverkehr in Tokio illustriert. Dargestellt sind die belebten Ufer des Sumida-Fluss bei Ryogoku mit rauchenden Raddampfern und kleineren Transportbooten. Im Vordergrund sowie auf den Brücken sind zahlreiche Passanten in einer Mischung aus traditioneller japanischer und moderner westlicher Kleidung dargestellt. – Mit minimalen Randläsuren; verso kleine hinterlegte Wurmspur sowie vereinzelt winzige Löchlein in der Darstellung, kaum sichtbar. Rechtes Blatt in der Ecke leicht gebräunt. Insgesamt sehr schön und farbkräftig.
Ausländische Reiter. 2 Yokohama-e Farbholzschnitte verschiedener Künstler von Reitern. Format ôban tate-e. Ca. 37 x 25 cm. 1860-1861.
Vorhanden sind:
I. Utagawa Yoshitora. England - Darstellung eines englischen Reiters, signiert "Yoshitora-ga". 37,3 x 25 cm. Verlegt bei Yama-shi 1861.
II. Utagawa Yoshimori. Russland - Reiter aus Russland, Einzelblatt aus der Serie Gokakoku no uchi wo Roshiya (japonice: "Aus fünf Ländern"), signiert "Ikkôsai Yoshimori-ga". Verlegt bei Otaya Takichi1860. – Der Holzschnitt Yoshimoris randbrüchig, gebräunt und mit kleinen Fehlstellen im unteren Randbereich.
Yokohama-e und Humoristische Szenen
4 Farbholzschnitte mit Darstellungen westlicher Persönlichkeiten und technischer Neuerungen
Los 663
Schätzung
300€ (US$ 341)
Yokohama-e. - Satirische Szenen. 4 Farbholzschnitte mit Darstellungen westlicher Persönlichkeiten und technischer Neuerungen. Format jeweils ôban tate-e- Ca. 35 x 24 cm. Ca. 1850-1900.
Vier Holzschnitte der sogenannten Yokohama-e-Gattung. Die Blätter zeigen europäische und amerikanische Persönlichkeiten in alltäglichen und humorvollen Szenen.
Vorhanden sind:
I. Utagawa Yoshiiku. Gaikoku jinbutsu zuga (japonice: "Bilder von Menschen aus dem Ausland"). Darstellung eines Franzosen und seines chinesischen Dieners aus Nanking, signiert "Ikkeisai Yoshiiku ga". Verlegt bei Maruya Tetsujiro, 1861.
II. (Utagawa-Schule). (Der amerikanische Ornithologe John James Audubon). Szene, in der Audubon die Zerstörung seiner Zeichnungen durch Mäuse entdeckt. Ca. 1850-1900. - Vgl. Yonemura 74.
III. (Utagawa-Schule). (Der schottische Historiker Thomas Carlyle). Darstellung der Anekdote um die verbrannten Manuskripte Carlyles nach einem Missgeschick mit einem Hund. Ca. 1850-1900.
IV. (Utagawa-Schule). (Darstellung des Robert Peel - Leinweberei in Belgien). - Illustration des technologischen Fortschritts d. Z. durch neue Verfahren in der Textilindustrie. Ca. 1850-1900. – Papierbedingt etwas gebräunt. Altersgemäß gut erhaltene, farbkräftige Drucke. Mit Alters- und Lagerspuren.
Yokohama-e und John Heathcoat und seine Frau
Farbholzschnitt mit der Darstellung des Erfinders der Nähmaschine, John Heathcoat
Los 664
Schätzung
120€ (US$ 136)
Yokohama-e. Farbholzschnitt mit der Darstellung des Erfinders der Nähmaschine, John Heathcoat und seiner Frau. Format ôban tate-e, ca. 34 x 23,5 cm. Unter Kartonpassepartout. Japan, Meiji-Zeit ca. 1850-1900.
Die Darstellung zeigt den englischen Erfinder John Heathcoat (1783-1861) im Gehrock und Zylinder, wie er seiner sitzenden Frau in einem Interieur ein grünes Band, das Erzeugnis seiner neu erfundenen Maschine, der Nähmaschine, präsentiert. Im Hintergrund ist ein kleiner Hund zu sehen. Oben erläuternder Text in Kanji. – Im unteren weißen Rand sehr winziger Randeinriss. Papierbedingt nur leicht gebräunt, insgesamt sehr gut erhalten und farbfrisch.
Nobukazu, Yosai
Yokohama-e Farbholzschnitt der kaiserlichen Hochzeit
Los 665
Schätzung
130€ (US$ 148)
Nobukazu, Yosai. Yokohama-e Farbholzschnitt der kaiserlichen Hochzeit. Koi go-kekkonshiki (japonice: Die allerhöchste [kaiserliche] Hochzeit). Farbholzschnitt der Vermählung von Kronprinz Yoshihito mit Kujo Sadako. Signiert "Yosai Nobukazu". Format ôban tate-e. 36,7 x 25,2 cm. Japan, bei Kodama Yakichi, Meiji 33 (1900).
Das Blatt zeigt die Hochzeit von Kronprinz Yoshihito (dem späteren Taishô-Kaiser) mit Kujô Sadako, der späteren Kaiserin Teimei, die dem Fujiwara-Clan entstammte. Die Darstellung im westlich beeinflussten Stil der späten Meiji-Zeit zeigt das Paar in prachtvoller höfischer Kleidung vor einem traditionellen Wandschirm. – Mit winzigen Randeinrissen, insgesamt von sehr guter Erhaltung.
Watanabe Nobukazu
Zeremonie zur Silberhochzeit des Kaisers. Yokohama-e Farbholzschnitt
Los 666
Schätzung
100€ (US$ 114)
Nobukazu, Watanabe . Zeremonie zur Silberhochzeit des Kaisers. Yokohama-e Farbholzschnitt. Einzelblatt aus einem Triptychon. Format ôban tate-e. 37 x 27 cm. Um 1894.
Der Holzschnitt von Watanabe Nobukazu (1872 - 1944) zeigt das Kaiserpaar während der Festlichkeiten anlässlich ihrer Silberhochzeit. Wohl ein Einzelblatt eines Triptychons. – Ein Blatt aus einem Triptychon. Mit kleinem Einriss am oberen Rand sowie kleinen Randläsuren, sonst von guter Erhaltung in besonders kräftigen Farben.
Yoshikazu, Utagawa. 2 Yokohama-e Farbholzschnitte mit Alltagsszenen aus dem Leben von Ausländern, signiert "Ichikawa Yoshikazu-ga". Je Format ôban tate-e. 35,8 x 25,1 cm bzw. 25,2 x 37,2 cm. Japan, bei Maruya Jinpachi, 1860.
Dambmann 31. – Vorhanden sind die Blätter:
I. Gaikokujin danjo kodomo yu (japonice: Spielende ausländische Jungen und Mädchen).
II. Gaikokujin shû’en no zu (japonice: Bild von Ausländern bei einem Trinkgelage - ein kleines Bankett). – Papierbedingt gebräunt. Mit leichten Abriebstellen und Lagerspuren.
Yoshikazu, Utagawa. 3 Yokohama-e Farbholzschnitte, signiert "Ichikawa Yoshikazu-ga". Format ôban tate-e . Je ca. Ca. 36 x 24. Japan, bei Maruya Jinpachi, ca. 1860.
– Holzschnitte einer Serie mit häusliche und handwerkliche Szenen aus dem Leben von Ausländern in Japan. Mit Motiven von der Kinderfürsorge über kulinarische Zubereitung bis zur Textilverarbeitung.
Vorhanden sind:
I. Gaikokujin kodomo chôai no zu (japonice: Bild einer Ausländerin bei der Betreuung ihrer Kinder)
II. Ijin yashiki ryôri no zu (japonice: Bild vom Kochen in einem ausländischen Anwese
III. Gaikokujin ifuku shitate no zu (japonice: Bild ausländischer Gewandschneiderei. - Dambmann 29.
Yoshitora, Utagawa. Amerikajin ("Amerikaner"). Yokohama-e Farbholzschnitt zweier US-Marinesoldaten mit Musketen. Aus der Serie Gaikokujin yuko no zu (japonice: Lebenswandel der Ausländer), signiert "Yoshitora-ga". Format ôban. 33,4 x 20,4 cm. Japan, bei Yamadaya Shojiro, 1861.
Dargestellt sind zwei bärtige Soldaten des United States Marine Corps, von dem eine 200 Mann starke Einheit Commodore Perry 1853 auf seiner Expedition nach Japan begleitet hatte. In den Händen halten die Soldaten ihre langen Springfield-Musketen, rechts mit aufgesetztem Bajonett. – Papierbedingt leicht gebräunt. Wohlerhalten.
Yoshikazu, Utagawa
Deckszene mit Saloninterieur eines amerikanischen Dampfschiffs. (Amerika-koku. Jokisen-chu no sha)
Los 670
Schätzung
400€ (US$ 455)
Westliche Lebensart an Bord eines amerikanischen Dampfschiffs
Yoshikazu, Utagawa. Amerika-koku. Jokisen-chu no sha (japonice: Das Land Amerika. Skizze aus dem Inneren eines Dampfschiffs). Triptychon. 3 Blatt-Farbholzschnitte, signiert "Issen Yoshikazu-ga". Jeweils Format ôban tate-e. Zusammen ca. 37 x 75 cm. Unter Kartonpassepartout. Japan, bei Maruya Jinpachi (Enjudô), 1861.
Dambmann 19. – Ein Yokohama-e-Triptychon von Utagawa Yoshikazu (1833-1904), einer Bildgattung, die Darstellungen westlicher Motive und Ausländer im Japan der Öffnungszeit bezeichnet, zeigt eine Deckszene sowie ein Saloninterieur eines amerikanischen Dampfschiffs mit zahlreichen Passagieren in westlicher Kleidung. Einige sitzen gesellig bei Speis und Trank beisammen, während andere auf Deck promenieren. – Winzig kleine, kaum sichtbare Einstiche im Papier innerhalb der Darstellung. Insgesamt von sehr guter Erhaltung.
Yoshiharu, Utagawa. (Kurort in einer Berglandschaft). Yashû Futaba-san onsen-zu (japonice: Ansicht der heißen Quellen des Futaba-Berges in der Provinz Yashû [Shimotsuke]). Triptychon. 3 Farbholzschnitte, signiert "Utagawa Ikusaburô". Jeweils Format ôban tate-e. Zusammen ca. 37 x 75 cm. Unter Passepartout. Tokio, bei Kobayashi Jirô, ca. 1877.
Meiji-zeitliches Triptychon von Utagawa Yoshiharu (1828-1888) mit einer malerischen Berglandschaft bei den heißen Quellen des Futaba-Berges in der Provinz Shimotsuke. Zwischen bewaldeten Hängen und Badehäusern tummeln sich zahlreiche Kurgäste. Rechts Badende im Thermalbecken. – Winzige, kaum merkbare Einstiche; insgesamt von sehr guter Erhaltung und sehr farbfrisch.
Yoshitora, Utagawa
Shamisen-Spielerin im Interieur mit zwei Begleiterinnen
Los 672
Schätzung
150€ (US$ 170)
Yoshitora, Utagawa. (Shamisen-Spielerin im Interieur mit zwei Begleiterinnen). Farbiger Holzschnitt. Format ôban tate-e. 36,5 x 25 cm. Unter Passepartout. Japan spätes 19. Jahrhundert.
Überaus anschauliche Interieurszene mit drei eleganten Damen. Im Vordergrund sitzt eine Shamisen-Spielerin. Das Zimmer ist mit gemustertem Teppich, einer Vase mit rosafarben blühenden Zweigen sowie zwei Kakemono-Bildern ausgestattet. Die Japanerinnen sind fein gekleidet in gemusterten Kimonos, aufwendig frisiert und mit zahlreichen Haarnadeln geschmückt. – Sehr farbintensiv erhalten. Knapp beschnitten, insgesamt in sehr guter Erhaltung.
Yoshitoshi, Tsukioka
Yakusha-e Farbholzschnitt eines Kabuki-Darstellers mit Schwert und grauem Umhang
Los 673
Schätzung
100€ (US$ 114)
Yoshitoshi, Tsukioka. Yakusha-e Farbholzschnitt eines Kabuki-Darstellers mit Schwert und grauem Umhang. Format chûban tate-e. 25 x 18 cm. Unter Passepartout. Edo (Japan) zweite Hälfte 19. Jahrhundert.
Der Holzschnitt zeigt einen Kabuki-Darsteller in Ganzfigur vor schwarzem Grund. Er ist in einen weiten, grau-gepunkteten Umhang gehüllt, darunter trägt er einen blauen Kimono. Aus den Falten seines Gewandes ragt der Griff seines Katana hervor. – Auf Japan aufgezogen. Überaus farbkräftig.
Zhengyan, Hu. Aprikosenzeweig in Vase. Kolorierter Holzschnitt aus dem Werk "Shizhuzhai shuhuapu" (japonice: Die Schriften und Bilder aus der Zehnbambushalle) auf dünnem Japan. 23 x 28,5 cm. Mit Passepartout. China, Qing Dinasti (1644-1911), Qianlong Periode (1736-1795).
Die Graphik ist aus einem "Handbuch für Malerei" von Hu Zhengyan (1584-1674) und gilt als ein frühes Werk der chinesischen Holzschnittkunst. Dargestellt ist ein Aprikosezweig mit mehreren Früchten in einer hübschen Vase. – Mit Mittelfalz, leicht braunfleckig und minimal knickspurig, sonst gut erhalten. Sehr dekorativ.
Rhetorica
De retorica eiusdemque nomen". Incipit-Fragment einer lateinischen Handschrift auf Pergament.
Los 1001
Schätzung
70.000€ (US$ 79,545)
HANDSCHRIFTEN
Bis dato unbekanntes Schriftzeugnis aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts: Fragment einer Unzial-Handschrift der frühen Karolingerzeit
Rhetorica. "De rethorica eiusdemque nomen". Incipit-Fragment einer lateinischen Handschrift auf Pergament. 1 Blatt, 1 Seite. 13 Zeilen. Schriftraum ca. 10,2 x 11 cm. Blattgröße 10,6 x 13,6 cm. Unziale in braunschwarzer Tinte. Mit 15-zeiligen Feder- und Flechtwerkinitiale "R" in braunschwarzer Tinte. Wohl Norditalien erste Hälfte des 8. Jahrhunderts.
Außergewöhnlich prachtvolles Handschriftenfragment einer frühkarolingischen Unzial-Handschrift, die aller Wahrscheinlichkeit nach noch in die erste Hälfte des 8. Jahrhunderts nach Norditalien zu datieren ist, mit einer besonders großen, prächtigen Flechtwerk-Initiale "R" (9 x 5,3 cm) und 13 Zeilen Schrift. Vergleiche mit wenigen, in öffentlichen Bibliotheken bewahrten Fragmenten, unterstützen die Datierung.
Das bislang unbekannte Fragment gehört zu den ältesten Textzeugnissen der weitverbreiteten Etymologiae (Etymologiae, II, I, 1) des Isidorus von Sevilla (gest. 4. April 636), Buch II "De artibus liberalibus", Kapitel !De rhetorica eiusque nomine!.
Die Schrift ist also eine gelungene, sehr regelmäßige Unziale, die alle Merkmale dieses Schrifttyps aufweist (vgl. etwa die Buchstaben "E", "M" oder "U"). Die Schrift, aber auch die große Initiale lassen vermuten, dass die Handschrift in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts in Norditalien entstanden ist (Vgl. Codices latini antiquiores Nr. 24a, 55, 91, 127, 317, 333, 430 und 546).
Auch die R-Initiale könnte auf einer Entstehung der Handschrift in Norditalien verweisen. Die Abkürzung für 'autem' in der vorletzten Zeile ist ursprünglich irisch oder angelsächsisch, wurde jedoch im Frühmittelalter auch in insular beeinflussten Scriptorien auf dem europäischen Festland verwendet. Die Transliteration der griechischen Wörter ist nahezu perfekt; die Verwendung von Versalien in der 1. Zeile ist enigmatisch. Unleserliche Spuren und Reste einer Beschriftung auf der Rückseite.
"De rethorica eiusdemque nomine. RETHORICA est benedicendi scientia in civilibus questionibus ad persuadendum justa et bona. Dicta autem rethorica greca appellatione ‘a potu rethoresin’ [besser: ‘rethorisin’] id est a copia loquutionis. ‘Resis’ enim apud grecos locutio dicitur,’rethor’ orator." Der Text enthält somit einen der berühmtesten Definitionssätze Isidors: "Die Rhetorik ist die Wissenschaft des guten Redens in öffentlichen Angelegenheiten, um zu gerechten und guten Dingen zu überzeugen." Dieser Schlüsselsatz bildet einen zentralen Ausgangspunkt mittelalterlicher Gelehrsamkeit im Bereich des Triviums (Grammatik - Rhetorik - Dialektik).
Isidor transformiert die antike Rhetorik in ein christlich-ethisches Bildungsmodell; genau diese Definition prägt über Jahrhunderte Kloster- und Kathedralschulen und wirkt bis in den Kontext der karolingischen Reformbewegung hinein. In Alkuins "Disputatio de rhetorica et de virtutibus" erscheint sie nahezu unverändert wieder - als Verbindung von Redekunst, Herrscherethos und Tugendlehre. Der erhaltene Abschnitt deckt den Beginn der klassischen Rhetorik-Definition ab. Die Lesung entspricht der Vulgata-Fassung nach Lindsay (Oxford 1911) mit nur geringfügigen orthographischen Varianten frühmittelalterlicher Schreibpraxis. – Die Rückseite ist weitgehend weiß, da das Blatt als Einbandmakulatur verwendet wurde. Sie weist Leim- und Montagespuren auf und zeigt deutliche Dünnungen im Pergament sowie auch Wurmspuren, die nur in seltenen Fällen auch die Oberfläche recto betreffen (auf der ca. 20 kleine und kleinste Wurmlöchlein durchschlagen, die kaum zu Buchstabenverlust führten). Durch das Loslösen ging nahezu der gesamte Text verso verloren, allerdings sieht man noch Reste einer kleineren Flechtmotiv-Initiale "R" oder "P" und unten den oberen Hals eines "S", rechts in winziger Schrift ein Kommentarrest. Auch recto befindet sich links neben der Prachtinitiale ein kleiner 3-zeiliger Kommentar. Die Versoseite in bemerkenswert gutem Erhaltungszustand.
Nach Befundlage wurde das Blatt in der Frühen Neuzeit als Makulatur in einem Bucheinband (wohl 15.-16. Jh.) wiederverwendet und später - aufgrund der qualitätvollen Initiale und des bedeutenden Textes - gezielt herausgeschnitten. Die gut erhaltene Vorderseite und die auf der Rückseite sichtbaren Abschab- und Extraktionsspuren stützen diese Annahme.
Ein außergewöhnlich frühes, nahezu 1300 Jahre altes Schriftdenkmal und ein herausragendes Zeugnis frühmittelalterlicher Buchkultur. Handschriftenfragmente aus dem 8. Jahrhundert sind im Handel nahezu unbekannt und finden sich fast ausschließlich in Bibliotheks- und Museumsbeständen; ein Exemplar dieser Qualität, mit erhaltener Zierinitiale und prägnantem Text, darf als sensationell selten bezeichnet werden.
Jesus Sirach
Fragment einer frühmittelalterlichen Bibelhandschrift mit Passagen aus dem Buch Ecclesiasticus. Lateinische Handschrift auf Pergament.
Los 1002
Schätzung
8.000€ (US$ 9,091)
Fragment einer karolingischen Bibelhandschrift mit Passagen aus Jesus Sirach
Jesus Sirach. Fragment einer karolingischen Bibelhandschrift mit vier Textstellen aus dem Buch Jesus Sirach (Sir 35,23-26, 36,4-9, 36,14-17 und 36,21-24). Lateinische Handschrift auf Pergament. Qualitätvolle, regelmäßige und ausgewogene Karolingische Minuskel. Vier obere Kolumnenreste auf 1 Bl. (recto und verso) mit viermal 11 Zeilen. Schriftraum ursprünglich ca. 24-25 x 20-21 cm mit ca. 25-26 Zeilen. Blattgröße ursprünglich ca. 33-35 x 23-25 cm. Vermutlich Nordfrankreich, 1. Hälfte 9. Jahrhundert.
Sehr schönes Fragment einer frühmittelalterlichen Bibelhandschrift mit Textstellen aus dem Buch Jesus Sirach, dem kanonischen Buch Ecclesiasticus der Vulgata: "[Miserere plebi tuæ, super quam invocatum est nomen tuum: et Is]rahel quem coæqua[sti p]rimogenito tuo. [Misere]re civitati sanctificatiónis tuæ, Hierusalem, civitáti requiei tuæ. Reple Sion inenarrabilibus verbis tuis, et gloria tua populum tuum. Da testimónium quia ab initio creaturæ tuæ sunt, et suscita prædica[tiones quas locuti sunt in nomine tuo prophetæ priores]“ (Sir 35,23-26), also etwa: "Erbarme dich deines Volkes, über dem dein Name genannt ist, und Israels, das du zu deinem Erstgeborenen gemacht hast. Erbarme dich Jerusalems, der Stadt deines Heiligtums, der Stadt deiner Ruhe. Erfülle Zion mit deinen unaussprechlichen Worten und dein Volk mit deiner Herrlichkeit. Gib Zeugnis für deine Geschöpfe von Anbeginn an und verkünde die Botschaften, die die früheren Propheten in deinem Namen verkündet haben" (Sir 36:14-19). Das Buch Jesus Sirach fehlt in der Lutherbibel, für die es zu den apokryphen Texten gehört und nicht in den Kanon aufgenommen wurde.
Hervorzuheben ist die Größe der Schrift und die damit einhergehende kleine Zahl der Zeilen pro Spalte. Das Fragment stammt somit nicht aus einer Vollbibel, sondern vielmehr aus einer Teilbibel, die entweder nur das Buch Jesus Sirach oder zusätzlich einige der König Salomon zugeschriebenen Bücher der Bibel (Sprüche, Prediger, Hohelied und Weisheit) enthielt.
– Abgelöste Einbandmakulatur der oberen Hälfte eines Blattes einer Handschrift mit entsprechenden Gebrauchsspuren: oben links größerer Ausbruch, sonst beide Kolumnen wohlerhalten mit je 11 Zeilen, verso stärker verblasst und abgerieben, überwiegend aber gut lesbar. - Von größter Seltenheit. Bibelfragmente des frühen 9. Jahrhunderts sind kaum mehr auf dem Antiquariatsmarkt zu finden.
Eis, Gehard
Album mit 29 Fragmenten von meist deutschen und lateinischen Handschriften des 13., 14. und 15. Jahrhunderts
Los 1003
Schätzung
6.000€ (US$ 6,818)
Eis, Gehard. Album mit 29 Fragmenten von meist deutschen und lateinischen Handschriften des 13., 14. und 15. Jahrhunderts. Pergament und Papier, in unterschiedlichen Formaten, Miniatur- bis Quartformat. Überwiegend aus deutschen Provenienzen. Eingelegt in Halbleinen-Mappe mit 2 Hanf-Schließbändern. Meist Deutschland 13.-15. Jahrhundert.
Einmalige Sammlung von kleinen Bruchstücken sehr unterschiedlicher, meist deutschen Handschriften, darunter Fragmente von einem Gebetbuch (Stundenbuch mit Goldinitiale), von Predigten, Rezepten, Heiligenleben, astronomischen und alchemistischen Notizen, Sprüchen, Dichtungen, theologischen Traktaten, Priameln und anderen Texten, einige beschädigt, in ihrer Größe variierend von sehr klein bis zum Quartformat. Einige Fragmente wurden von Gerhard Eis erschlossen oder veröffentlicht. Einige wenige Fragmente sind ins 16.-19. Jahrhundert zu datieren, einige weitere stammen aus den Niederlanden oder aus Frankreich.
Die Fragmente werden in von Eis beschrifteten Umschlägen in Quartformat aufbewahrt. Beiliegend: Notizzettel, Transkriptionen, Korrespondenz, Verweise auf Literatur, Hinweise auf Erwerbung und Vorbesitzer sowie weitere Belege zu den Fragmenten von der Hand des Gerhard Eis und seiner Korrespondenten.
Aus der Sammlung des Heidelberger Mediävisten und Germanisten Gerhard Eis (1908-1984), mit den Signaturen Nummern 7, 9, 10, 15, 16, 34, 53, 55, 57, 65, 67, 69, 70, 85, 90, 91, 93, 95, 96, 97, 98, 119, 120, 121, 122, 123, 133, 137 und 163. – Teils mit stärkeren Gebrauchsspuren, Fehlstellen, Läsuren, Flecken und Leimresten bei ausgelösten Makulaturstücken. Beiliegen einige weitere Stücke und Dokumente.
Rennewart-Fragment
Fragment einer deutschen Handschrift auf Pergament.
Los 1004
Schätzung
1.200€ (US$ 1,364)
Rennewart-Fragment. Fragment einer deutschen Handschrift auf Pergament. Schriftraum hier ca. 24 x 3,6 cm. Format 27,8 x 4,3 x 4,6 cm. Mit roter Kapitalstrichelung und einer 2-zeiligen Initiale "S" als rote Versalie mit blauem Federwerk. Nürnberger Raum um 1345.
Bedeutendes, nicht im Handschriftencensus erfasstes Fragment einer Nürnberger Rennewart-Handschrift aus dem 15. Jahrhundert. Erhalten als Einbandmakulatur sind beiseitig 39 Zeilen wohl einer wie üblich 40-zeiligen Handschrift auf Pergament. "Fragmente mit 40 Zeilen sind nicht ganz selten", schreibt Klaus Graf (Archivalia 59205764) und zählt einige ähnliche Fragmente auf: in Berlin (Census 1780), Dillingen (23753), Graz (1781), Klosterneuburg (1130), München Cgm 5249/7k (1774) etc. Das vorliegende ist besonders interessant, da es nicht nur fast eine ganze Kolumne (es fehlt oben wohl nur eine einzige Zeile) der Zeilenanfänge mit bis zu 3-4 Wörtern und 12-16 Buchstaben umfasst, sondern auch verso die flatternden Zeilenenden enthält mit den Reimpaaren wie "missesaget - wol behaget", "nit twingen - gedingen", "gar den líp - reínez wip" etc. Vgl. hier Uolrich's von Türheim. Rennewart. Deutsches Gedicht des 13. Jahrhundertes. Hrsg. und erl. von Dr. Karl Roth. 1856. Mit der bezüglichen Textpassage "[...] wol in gant / und die enpristen stille stant / da mit wir den lip ernern / daz wir uns des ymmer gewern / swaz nu dem prise wol behaget / nit wolt des tauffes segen / so enwil iz iuch niht twingen / ein ding wil ich gedingen [...]". (Deutsche Texte des Mittelalters XXXVIII, S. 171).
Der Dichter Ulrich von Türheim (um 1195-1250) war als Fortsetzer des Tristan-Epos’ des Gottfried von Straßburg in die hochmittelalterliche Literaturgeschichte eingegangen. Mit seiner zweiten großen Versdichtung, der dem "Rennewart" knüpfte er an den Willehalm Wolframs von Eschenbach an. Paläographisch ist das Fragment wohl in die erste Hälfte des 14. Jahhunderts zu verorten, was allerdings die Forschung erst noch bestätigen muss.
Ludwig von Brandenburg
Urkunde des Markgraphen. Deutsche Handschrift auf Pergament
Los 1005
Schätzung
500€ (US$ 568)
Pergamenturkunde des Markgrafen Ludwig von Brandenburg und Herzogs von Bayern und Grafen von Tirol
Ludwig Markgraf von Brandenburg. Lehensverleihung. Urkunde in deutscher Handschrift auf Pergament. 1 Bl. 1 S. 17 Zeilen. Kanzleitextura in Schwarzbraun. Schriftraum 9 x 22 cm. Blattgröße 23,5 x 30,5 cm. Tirol 1353.
Zeitgenössische Abschrift einer Lehensurkunde, die verliehen wurde von Ludwig der Brandenburger (1323-1361), der seit 1323 als Kurfürst von Brandenburg und seit 1342 als Herzog von Bayern und Graf von Tirol regierte, in Zorneding starb und ein Fürstengrab in der Münchner Frauenkirche bekam. "Wir ludwig von gotz gnadn margraff von brandenburg und zu lusytz dez heiligen Römischen reich oberster chammer pfaltzgraff pei dem rein hyrtzog zu payrn und zu charendn Graff zu Tyrol [...] bechennen offenlych mytt dem bryeff das für uns cham unßer truyer merln der mareyder [?] als ain procurator myt volm gewalt anstat ulrychs und ramprechts peyd prüder von wyrwerg daz wir solen ulrichen und rampirchen Lehenn verleyhenn [...] dytz bryeffs der geben yst auf Tyrol nach xpws [Christus] gepurt drewtzehem hondt jar dar nach Im dem drew und L jar am sand Erhartz Tag etc. etc. etc." – Kleiner Randausriss links und zwei etwas größere rautenförmige Ausrisse im Schriftspiegel mit einigem Textverlust, etwas angestaubt, mit Plica und Pergamentlitz (ohne Siegel). Aus dem Besitz des Germanisten und Mediaevisten Gerhard Eis (1908-1982). Siehe Gerhard Eis, Eine unbekannte Urkunde Herzog Ludwigs des Älteren vom Jahre 1353, in: Ostbairische Grenzmarken vol. 14 (1972) S. 304. – Beigegeben eine weitere Urkunde: Peter von Lemis (?). Zoll-Erbschaftsurkunde in deutscher Handschrift auf Pergament. 1 Bl. 1 S. 28 Zeilen. Süddeutsche Kanzleitextura in Schwarzbraun. Schriftraum 14,5 x 22,5 cm. Blattgröße 18,8 x 25,8 cm. Rothenburg ob der Tauber (?) 1385. - Anerkennende Beurkundung einer Vererbung des Zollrechts von Lemis (?), wohl bei Rothenburg ob der Tauber an den Kürschner Peter: "Ich Peter der Kürsn[er] von Lemis und ich Margret sein Hausfraw [...] mit dem offen prieff für uns und für all unser erben, daz der Erber Edelherre her chumrat von Rotenburg ... uns glazzen hat sein tail des zolls zu Lemis [...]". - Mit stärkeren Braunflecken, kleinen Ausbrüchen in der Plica, Text vollständig. Dabei ein Blatt mit einer vollständigen (wenn auch vielfach irrigen) Transkription von Gerhard Eis in blauer Tinte.
Chapelle de Chambon
2 mittelalterliche Urkunden. Französische Handschrift auf Pergament
Los 1006
Schätzung
300€ (US$ 341)
Blois. - Chapelle de Chambon. 2 mittelalterliche Urkunden. Französische Handschrift auf Pergament. Ca. 11 x 27 bzw. 6 x 26,5 cm. Mit Resten von Wachssiegeln am Plica-Streifen. Unter Glas in einfacher Holzrahmenleiste 20 x 30 cm. Blois 11. Februar 1359 und 17. Januar 1360.
Datiert am 11. Februar 1359 "Etienne Gobillon Conseiller de Comte de Blois reçoit de Gillet Boivin Garde de la récolte de Blois pour Perrault Lergaut à cause de sa Chapelle der Notre Dame de l'Hôtel à Chambon appartenant de Mr. de Blois ce qué lui est donné à cause de sa chapelle" (Text einer späteren Regeste, verso). Und die zweite Urkunde vom 17. Januar 1360: "Frère Etienne de Vauconcourt à reçu du Pierre de Boulogne de Blois 40 annés de Bureau 20 Royaux d'or en rabat de Compte de plus grande somme d'années de burea à lui donnés par le Comte pour cause de Vente à Noel [...]" (etwa: "Bruder Etienne de Vauconcourt erhielt von Pierre de Boulogne de Blois 40 Jahre Amtszeit 20 königliche Goldmünzen als Ausgleich für die größere Summe der Jahre, die ihm der Graf aufgrund des Verkaufs zu Weihnachten gewährt hatte [...]").
Womöglich handelt es sich um eine heute nicht mehr existente Kapelle "Chapelle der Notre Dame de l'Hôstel à Chambon", wohl in der Nähe von Blois. Nachweisen konnten wir einzig die bedeutende romanische "Chapelle funéraire de Chambon-sur-Lac" am Puy-de-Dôme in der Auvergne. – Kleine Montagespuren und Löchlein, gering fleckig. – Beiliegt: Ein weiteres Schriftstück. Französische Handschrift auf Papier. Unter Glas in einfacher Holzrahmenleiste 29,5 x 22,5 cm. Frankreich 15. Jahrhundert.
Iunianus Iustinus, Marcus
Fragment aus den Historiarum Philippicarum libri XLIV des Pompeius Trogus. Lateinische Handschrift auf Pergament
Los 1007
Schätzung
500€ (US$ 568)
Sie warfen Gold und Silber in den See zur Buße
Iunianus Iustinus, Marcus. Fragment aus den Historiarum Philippicarum libri XLIV des Pompeius Trogus. Lateinische Handschrift auf Pergament. Gotica textualis. 1 Bl. Mit 29 (von 32?) Zeilen und 3 kleineren Fragmentteilen, teils mit Schrift. Schriftraum verbleibend 18,2 x 11,6 cm. Format 19,3 x 13,6 cm bzw. ca. 1 x 3 oder 1,5 x 14 cm (Schnipsel). Norditalien (?) um 1360.
Großes, textreiches Fragmentblatt aus einer der wenigen erhaltenen Handschriften des 14. Jahrhunderts, die Teile der "Epitoma historiarum Philippicarum" des Marcus Junianus Iustinus, eines römischen Historikers des 2.-3. Jahrhunderts überliefern. In seinen Texten bezieht sich Iunianus auf die "Historiae Philippicae" des Pompeius Trogus, die dieser zu Zeiten des Augustus verfasste, die er aber zu einem eigenen Œuvre komplilierte. Das vorliegende Fragment enthält eine bedeutende Passage, die vor dem Hintergrund des Verfalls des Römischen Weltreichs den Untergang verschiedener italienischer Stämme durch die Pest als Prophezeiung skizziert: "Testosagi autem cum in antiquam patriam tolosanam venissent, comprehentique pestifera lue effent, non priùs sanitatem recuperavere, quàm aruspicum responsis moniti , aurum argentumque bellis sacrilegiisque quæsitum in Tolosensem lacum mergerent, quod omne magno post tempore Caepio, Romanus consul, abstulit [...]" - übersetzt etwa: "Als die Testosagi jedoch in ihre alte Heimat Toulouse zurückkehrten und von einer verheerenden Seuche befallen wurden, hatten sie sich noch nicht von ihrer [vorigen] Krankheit erholt. Da warfen sie, gewarnt durch die Prophezeiungen der Wahrsager, das Gold und Silber, das sie durch Kriege und Sakrilege erworben hatten, in den See von Toulouse. Alles wurde nach langer Zeit von Caepio, dem römischen Konsul, wieder eingesammelt [...]".
Die Überlieferung und Lesarten des Fragments müssten wissenschaftlich überprüft werden, sie geben sicherlich interessantes Material zu neuen Erkenntnissen. – Einbandmakulatur mit entsprechenden Gebrauchsspuren, etwas gebräunt, fleckig, der Spiegel der Kolumne oben und rechts abgeschnitten, der Hauptkorpus des Textes jedoch ohne wesentliche Fehlstellen. Knickspuren, leichter Abrieb, aber insgesamt gut lesbar, mit einigen Marginal- und Interlinearglossen.
Graduale-Fragment
Französische Handschrift auf Pergament. 13 nn. Bl. mit 26 S. 23 Zeilen.
Los 1008
Schätzung
500€ (US$ 568)
Graduale-Fragment. Französische Handschrift auf Pergament. 13 nn. Bl. mit 26 S. 23 Zeilen. Gotische textura in Schwarzbraun mit Auszeichnungen in Rot und 7 großen 4-zeiligen Schmuckinitialen in Rot und Blau, zahlreichen 2-zeiligen Initialen im Wechsel rot und blau sowie romanische Quadratnotation. Schriftraum 21 x 13 cm. Format 29 x 18,5 cm. Lagen mit Fadenheftung aus einistigem Einband gelöst. Frankreich Ende des 14. Jahrhunderts.
Ein recht umfangreiches Fragment mit 26 Seiten aus einem handlichen Graduale mit hübscher Rubrizierung und romanischer Quadratnotation auf vierlinigem System. Das Graduale Romanum diente im Spätmittelalter als Chorbuch, das die Gesänge mit Texten und Noten für die für die Heilige Messe enthält. Der Text gliedert sich dabei in "Introitus", der Gesang zum Einzug der Priester zum Altar, der "Oratio", bei der die Scola, die Sängergemeinde nach den Noten intoniert und das "Responsorium", der liturgische Wechselgesang. Während das Antiphonale oder Messbuch in Händen der den Gottesdienst leitenden Priester lag, war das Graduale den Chorsingern vorbehalten.
Die angerufenen und verehrten Heiligen des Kalendariums im Kirchenjahr deuten auf eine Entstehung wohl im Norden Frankreichs hin: "Ludovici regis francorum introitus" (Ludwig der Heilige, Schutzpatron Frankreichs), "In festo visitationis beatae mariae introitus", "Anne matris marie introitus", "In conceptione beatae mare totum sicut in nativitate", "De sancto domnolo oratio" (Heiliger Domnolus von Le Mans, gallischer Bischof und Abt des 6. Jahrhunderts) etc. Der Text endet mit "Frater franciscus de mazeres feat me anima eius requiescat in pace". – Wenige blaue Initialen leicht ausgewaschen, sonst kaum fleckig, gut erhaltene Pergamenthandschrift in interessantem Groß-Oktav-Format.
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