Gossaert, Jan
Die Jungfrau mit dem Kind am Fuße eines Baumes
Los 5119
Schätzung
15.000€ (US$ 17,045)
Die Jungfrau mit dem Kind am Fuße eines Baumes. Kupferstich. 12 x 8,5 cm. 1522. B. VII, S. 546, 1, Hollstein 2.
Das im Baum auf einem Schild angebrachte Monogramm IMS steht für "Iohannes Malbodius sculpsit". Bartsch kannte den Künstler noch nicht und führte seine Arbeiten unter dem Monogrammisten ISM. Über die frühen Jahre von Jan Gossaert ist wenig bekannt, er muss jedoch in seiner Zeit eine große Bekanntheit genossen haben. Einer seiner ersten Biographen, Karel van Mander, führte an, er stamme aus einer kleinen Stadt in Artois oder Henegouwen (Grafschaft Hennegau) namens Maubeuge, oder auch Maubuse, daher sein Rufname. Andere Gelehrte gingen davon aus, dass er der Sohn eines Buchbinders war und seine Ausbildung in der Abtei Maubeuge absolvierte, während das RKD wiederum Hinweise darauf gibt, dass er auf Schloss Duurstede geboren wurde. 1503 ist er in der Antwerpener Lukasgilde nachgewiesen.
Ganz ausgezeichneter, feinzeichnender und transparent wirkender Druck, meist an die Plattenkante bzw. die Darstellung geschnitten, unten rechts minimal knapp. Nur unbedeutende Altersspuren, oben, rechts sowie unten teils ergänzend und sehr sorgsam angerändert, dort sowie auch partiell links mit sehr dezenten Federeinzeichnungen entlang der Ränder, links vom Kopf der Jungfrau unauffällig ausgebesserte Stelle, winzige Montierungsreste verso, sonst in vorzüglicher Erhaltung. Sehr selten. Aus der Sammlung Otto Schäfer, Schweinfurt (Lugt 5881, dessen Versteigerung bei Kornefld 1992, Meisterwerke der Graphik von 1425 bis 1925, Los 105).
Goudt, Hendrik
Tobias und der Engel (Der "kleine" Tobias)
Los 5120
Schätzung
900€ (US$ 1,023)
Tobias und der Engel (Der "kleine" Tobias). Kupferstich nach Adam Elsheimer. 13,1 x 19 cm. 1608. B. 1, Dutuit 1, Hollstein 1 II (von III).
Vor den Arbeiten von Mariette. Ganz ausgezeichneter, differenzierter Abzug mit Rändchen. Verso drei geglättete vertikale Faltspuren, rechts oben diagonale Knickspur, kleine punktell ausgebesserte Stelle auf dem Engel, verstärkte Stelle verso im Bereich der Kühe, in den Rändern sehr sorgsam geschlossene Risschen bzw. Läsuren, links im Textrand kleines geschlossenes Löchlein, insgesamt leicht angestaubt, nur vereinzelte winzige Fleckchen, im Gesamteindruck schön.
nach. Die vier stärksten Mächte. 4 Kupferstiche von Philips Galle. Je ca. 19,2 x 26,4 cm. Um 1574. Schuckman (New Hollstein, Groeningen) 154 III (von V), 155-157 je I (von II), Sellink/Leesberg (New Hollstein, Galle) 273 III (von V), 274-276, je I (von II). Wz. Bekrönter Doppelkopfadler.
Die Macht von Wein, des Königs, der Frauen und der Wahrheit wird hier in humanistischen Allegorien behandelt. Die komplette Suite in prachtvollen, zarttonigen Drucken mit Rand und vor den Titeln. Schwach fleckig sowie geringe Altersspuren, schwache vertikale Mittelfalte, links alte Heftspuren entlang des linken Randes, dort mit partiellen Fehlstellen, nur leichte Handhabungsspuren in den äußeren Rändern, sonst in einheitlicher und sehr schöner Erhaltung.
Heemskerck, Maerten van
Der Kreislauf der Wechselfälle menschlicher Angelegenheiten
Los 5122
Schätzung
1.200€ (US$ 1,364)
nach. Der Kreislauf der Wechselfälle menschlicher Angelegenheiten. 9 Kupferstiche von Cornelis Cort. Je ca. 22,4 x 29,4 cm. 1564. Veldman (New Hollstein, Heemskerck) 482-485, je II (von III), 486-487, je I (von II), 488-490, je II (von III). Wz. undeutlich.
Die ehemals Coornhert zugeschriebene Serie folgt den zwischen 1562 und 1563 entstandenen Vorlagen von Heemskerck. Die Zeichnungen befinden sich heute in Kopenhagen. Aus der zweiten Auflage von Theodoor Galle. Ganz ausgezeichnete bis prachtvolle Drucke mit wunderbarem Plattenton und schmalem Rand um die Plattenkanten. Geglättete vertikale Mittelfalten, vor allem zu den Rändern hin leicht fleckig, vereinzelte kleine Rostfleckchen, Veldman 482 mit kleinem hinterlegten Randeinriss oben, Veldman 488 und 489 mit je einem kleinen Löchlein, sämtlich mit den Spuren alter Heftbindung links, sonst in sehr schöner Erhaltung. Die Suite ist vollständig selten.
Hirschvogel, Augustin
Ansicht mit dem Innenhof eines Schlosses
Los 5123
Schätzung
3.500€ (US$ 3,977)
Ansicht mit dem Innenhof eines Schlosses. Radierung nach Wolf Huber. 14,1 x 21,4 cm. 1546. B. IX, S. 190, 71, Nagler 56a, Hollstein 44.
Wohl aus einer sechsteiligen Folge, die Darstellung nach einer Zeichnung von Wolf Huber; der Baum rechts wiederholt einen Baum aus Albrecht Dürers Eisenradierung "Christus am Ölberg". Ganz ausgezeichneter Druck an die sichtbare Plattenkante geschnitten, teils minimal knapp innerhalb. Etwas angestaubt und altersspurig, winziges Rostfleckchen unten am dritten Stein von links, unmerkliche Ausbesserung an einer Kettenlinie im Bereich des Himmels von verso, weitere winzige Ausbesserungen unten links sowie im Baum rechts oben, dort dezente Federretuschen, sonst jedoch im Gesamteindruck tadelloses Exemplar. Selten.
Paedopaegnion (Die Folge der Kinderspiele). 11 (von 12) Radierungen nach Pieter van Avont. Je ca. 12,6 x 20,7 cm. 1646. Pennington 492-496, 498, 501, 502, 504-506, 516, Turner (New Hollstein) 849 II (von III), 850-859 (ohne 857), je I (von II), 560 II (von V). Wz. Fünfzackige Schellenkappe, Nebenmarke Buchstaben PR.
Die fast komplette Folge vor den Nummern, das Schlussblatt vor der Adresse von de Wit. Ausgezeichnete, teils zart tonige Drucke mit schmalem Rändchen bis breiterem Rand. Etwas angeschmutzt und griffspurig, je geglättete Mittelfalte, Knickspuren, NH 550 mit leichter Bleistiftquadrierung links in der Darstellung, bei NH 853 die Eckenspitzen unten fehlend, die oberen mit Einrisschen, NH 855 mit Stockflecken, NH 859 und 860 mit blassen Wasserflecken in den Ecken, bei ersterem eine Fehlstelle im weißen Rand rechts, Montierungsspuren verso, weitere Gebauchsspuren, sonst in guter Erhaltung. Beigegeben von demselben zwei Blatt aus der verwandten Serie mit Putti und Satyren (NH 934 und 937) sowie die von Pennington als drittes Titelblatt der Serie verzeichnete Radierung mit dem Bildnis Pieter van Avonts (NH 1164). Sämtlich aus der Sammlung George Ambrose Cardew (Lugt 1134) sowie mit zwei weiteren bisher nicht identifizierten Sammlermarken "HB" (Lugt 4333) und "Dr. CB" (Lugt 4217).
Kopf eines muskulösen Mannes im Profil mit fliegenden Haaren. Radierung nach Leonardo da Vinci. 7 x 5,3 cm. Pennington 1579A,Turner (New Hollstein) 1251.
Prachtvoller, harmonischer Abzug mit Rändchen um die deutlich sichtbare Plattenkante. Nur vereinzelte winzige Fleckchen, verso kleine Klebereste, sonst tadellos. Aus der Sammlung Friedrich Quiring (Lugt 1041c). Beigegeben von demselben drei Radierungen "Ein Esel" (P. 2090), "Bildnis Richard Bernard" (P. 1363) und "Bildnis Jacob Franquart" (P. 1406).
Lastkahn bei Mondschein. Kupferstich und Radierung. 20,7 x 15,7 cm. 1644. Orenstein (New Hollstein) 57.
Ganz ausgezeichneter, die Nachtstimmung atmosphärisch wiedergebender Druck mit delikatem Plattenton und sehr feinem Rändchen um die Facette. Vereinzelt stockfleckig, oben eine kaum merkliche horizontale Bugfalte, an den oberen Ecken montiert, sonst schön erhalten. Selten.
Kühe am Wasser. Kupferstich und Radierung. 20,6 x 15,5 cm. 1644. Orenstein (New Hollstein) 58.
Ganz ausgezeichneter, zarttoniger Druck, die Facette an zwei Seiten noch sichtbar, sonst mit feinem Rändchen um die Einfassung. Schwach stockfleckig, an den oberen Ecken montiert, sonst schön erhalten. Selten.
Thronende Ecclesia. Eisenradierung. 22,9 x 15,6 cm. B. 45, Hollstein 52, Metzger 31 III (von IV).
Beinahe einhellig ging die bisherige Forschung davon aus, dass es sich aufgrund des präsentierten Kelchs bei der Dargestellten um die hl. Barbara handelt. In einem Hinweis von Marianne Elsen um 1935 wird die Darstellung als "Ecclesia" bezeichnet. Diese Deutung scheint, gerade im Vergleich mit anderen Darstellungen (auch Barbaras), die einleuchtendste zu sein. Die Personifikation der christlichen Kirche wurde bereits frühchristlich als "Ecclesia triumphans" wie eine machtvolle Königin, also weiblich, gekrönt und nimbiert dargestellt, und präsentiert dabei den Kelch mit dem göttlichen Blut (vgl. Metzger S. 351). Ausgezeichneter, toniger Druck mit der Funck-Nummer und mit sehr feinem Rändchen um die Plattenkante. Etwas alters- und gebrauchsspurig, minimal gegilbt, Montierungs- und Klebereste verso, sonst sehr gut. Selten. Aus der Sammlung des großherzoglichen Museums, Schwerin (mit deren Tilgungsstempel, Lugt 2273 und 1079).
Ein Landsknecht umarmt eine Frau. Eisenradierung. 22,3 x 15,2 cm. B. 70, Hollstein 78 II, Metzger 83 III. Wz. Schriftband.
Metzger ordnet das Blatt, wie auch die Arbeit "Frau Venus" (Metzger 82), als Pendants dem Themengebiet "Weibermacht und Weiberlist" zu. Identisch sind nicht nur die Maße und das Monogramm, sondern auch beide Protagonistinnen tragen den sog. "Liebesknoten" um den Hals. Ganz augszeichneter Druck mit der Funck-Nummer und mit einigem Plattenton sowie akzentuierenden Wischspuren, meist an die Plattenkante geschnitten, teils mit weißem Rändchen. Etwas fleckig vornehmlich oben sowie vereinzelt auch stockfleckig, Montierungsreste verso, geringe Gebrauchsspuren, sonst sehr gut erhalten.
Die Reiterschlacht. Eisenradierung nach Domenico Campagnola. 24,3 x 21,8 cm. Hollstein 49 II.
Prachtvoller, toniger und gegensatzreicher Druck mit feinem Rändchen um die Plattenkante. Minimale Altersspuren, sonst vorzüglich erhalten.
um 1540-50. Die Beweinung Christi. Holzschnitt. 17,8 x 15,8 cm. Nagler, Die Monogrammisten, I, 1068, 5, Oberhuber 1963, S. 70, Nr. 192, Francesca Buonincontri, in: I Campi, 1985, S. 321.
Der eindrucksvolle und höchst expressive Holzschnitt galt lange als ein Werk des Cremoneser Künstlers Antonio Campi. Oberhuber vermutete hingegen einen venezianischen Holzschneider aus dem Umkreis des Andrea Schiavone. Die Darstellung zeichnet sich durch ihre kompositorische Dichte und emotionalen Stimmungsgehalt aus. Die Auffassung des Leichnams Christi übernimmt Elemente von Parmigianinos Radierung des gleichen Bildthemas, jedoch ist der Zeichenduktus kantiger, ungestümer und archaischer. Der verantwortliche Formschneider bleibt vorerst anonym, jedoch sind Anklänge an die Kunst Francesco Salviatis oder Giorgio Vasaris unübersehbar. Der Holzschnitt ist von eminenter Seltenheit. Wir konnten lediglich ein weiteres Exemplar in der Graphischen Sammlung der ETH Zürich nachweisen. Die Wurmlöcher auf unserem Abzug weisen bereits auf eine gewisse Abnutzung des Holzstockes hin, ein inhärentes Phänomen, das sich auch bei zahlreichen venezianischen Formschnitten der Epoche bemerkbar macht (siehe Kat. Italienische Holzschnitte der Renaissance und des Barock, bearb. M. Matile, Basel 2003, Nr. 29, S. 87-88). Ausgezeichneter Druck mit feinem Rändchen. Geringfügige Altersspuren, der Gesamteindruck jedoch sehr schön. Aus der Sammlung Giuseppe Storck (Lugt 2318).
um 1570. Spechio dal Fin della nostra vita humana. Radierung. 39,8 x 50,2 cm. Unbeschrieben.
Außerordentlich seltene, wohl in Venedig entstandene Allegorie, welche christliche Dogmen visualisiert. Die irdische Existenz ist mühselig und entbehrungsreich, dem Tod kann kein Sterblicher entkommen. Auf Sünder warten höllische Qualen, selig sind diejenigen, die zum Himmelreich aufsteigen. Eine weitere Version im Gegensinn, die vom venezianischen Verleger Ferrando Bertelli herausgegeben wurde, ist lediglich in zwei Exemplaren bekannt (vgl. G. J. van der Sman: De eeuw van Titiaan. Venetiaanse prenten uit de Renaissance, Maastricht-Brugge 2002, S. 200-201). Ein weiteres, jedoch beschädigtes Exemplar unseres Blattes ist verzeichnet in: Bibliotheca Magica, Antiquariat Ludwig Rosenthal, Katalog 83, München 1895, S. 94, Nr. 1364. Ausgezeichneter Druck mit der Einfassungslinie. Leichte Alters- und Gebrauchsspuren, etwas gebräunt, sonst sehr gutes Exemplar.
Italienisch
16. Jh. Martha führt Maria Magdalena in den Tempel
Los 5133
Schätzung
1.200€ (US$ 1,364)
16. Jh. Martha führt Maria Magdalena in den Tempel. Clair-obscur-Holzschnitt von zwei Blöcken in Schwarz und Ocker nach Marcantonio Raimondi. 25,2 x 36,1 cm. B. XII, S. 37, 12, Strauss 7, Hollstein 7 I (von II), Takahatake 77. Wz. undeutlich (Wappen unter sechszackigem Stern?).
Schrieb Bartsch die Arbeit aufgrund des Monogrammes noch vorsichtig dem nahezu unbekannten Georg Matheus zu, gilt sie in der neueren Forschung als das Werk eines unbekannten italienischen Meisters. Vor Löschung des Monogramms. Ganz ausgezeichneter, im Ockerton etwas ungleichmäßiger Druck, mit sehr prägnantem Druckrelief verso. Vertikale Mittelfalte sowie zarte vertikale Quetschfalten, Wurmlöcher und -gänge in den Druckstöcken ockerfaben bzw. vereinzelt auch schwarz retuschiert, kleine Randläsuren, in brauner Feder eingefasst, Montierungsreste verso in den Ecken, weitere Gebrauchsspuren, sonst in guter Erhaltung. Aus einer bislang unidentifizierten Sammlung (Lugt 3757) sowie mit unbekannter Sammlermarke (nicht bei Lugt). Selten.
Susanna und die beiden Alten. Holzschnitt nach Peter Paul Rubens. 43,7 x 57 cm. Wurzbach 3, Dutuit 36 I (von II), Hollstein 1 I (von II). Wz. Buchstaben NG mit Nummer 4.
Jegher begann 1625 seine Tätigkeit als Illustrator für Plantijn, mit dem er bis 1643 in Verbindung blieb. Seine epochemachende Bedeutung liegt jedoch nicht in diesen Buchholzschnitten, sondern in den großen nach Rubens ausgeführten Einzelblättern. Insgesamt schnitt Jegher in den 1630er Jahren neun Folioblätter nach Rubens; auf mehreren von ihnen bezeichnete sich Rubens außer als Zeichner auch als Verleger und verschiedene Blätter schützte er mit seinen Privilegien. Vor Tilgung des Privilegs von Rubens. Ausgezeichneter Druck mit der Einfassung. Etwas fleckig bzw. schwach stockfleckig, zwei geglättete vertikale sowie unten eine horizontale Faltspur, entlang der unteren Faltspur sowie des Randes hinterfasert und kleine ausgebesserte Stellen, die weißen Ränder mit kleinen Läsuren, diese hinterfasert, rechts unten kleines hinterlegtes Löchlein, sonst gut erhalten.
L'operateur menteur - Beim Chirurgen. Kupferstich nach Thedooor Rombouts. 42 x 72,6 cm. Nicht in Nagler und Le Blanc. Wz. Malteserkreuz im Rosenkranz mit Gegenmarke.
Mit Entsetzen, Staunen und Bewunderung drängen sich die Schaulustigen und verfolgen die Handlung des Quacksalbers, der seinem Patienten harsch und mit grober Gewalt die Zähne zieht, seine Hand mit einem Instrument in den Mund des unglücklichen, wohl einen Schrei unterdrückenden Patienten schiebt. Auf dem Tisch liegen durcheinander furchteinflößende, zahnärztliche Instrumente aus Metall, zweifelhafte Zertifikate und Diplome mit Siegeln. Der freilich überzeugendste Beweis für das fachliche Können ist jedoch zweifelsohne die Zahnkette, dieder Quacksalber mit Stolz trägt. Der von Pierre Landry verlegte Kupferstich geht zurück auf das um 1620-1625 entstandene Gemälde „Der Zahnzieher“ des flämischen Malers und Zeichners Theoodor Rombouts, das sich heute im Museo del Prado in Madrid befindet. Es zählt zu den herausragenden Beispielen flämischer Genremalerei des Caravaggismus nach 1600. Die Handlung des Bildes traf offenbar den Nerv der Zeit und provozierte einige Wiederholungen. So etwa eine druckgraphische Variante von Andreas Pauli aus dem frühen 18. Jahrhundert, die dem Original beinahe gänzlich folgt. Anders unser Beispiel, das nicht nur früher entstanden sein dürfte - Pierre Landry verlegte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Paris -, sondern die dem Vorbild folgende Komposition der Figurengruppe in ein kurioses Chriurgenkabinett einbettet. Zahlreiche Gläser und Gefäße mit allerlei Flüssigkeiten, Tinkturen und Merkwürdigkeiten gemahnen der universellen Fähigkeiten des Scharlatans.
Prachtvoller, markanter und wirkungsreicher Druck mit Rand um die Facette. Vertikale Mittelfalte, dort verso kleine Ausbesserungen mit hinterfaserten Stellen und unten mit geschlossenem Sprung, einzelne hinterlegte bzw. geschlossene Randläsuren, dünne Stellen und winzige Löchlein, oben links schwaches Braunfleckchen im weißen Rand, weitere unbedeutende Gebrauchsspuren, sonst sehr schön und original erhalten. Sehr selten.
Die Landschaft mit dem Felsentor. Eisenradierung. 13,4 x 18,8 cm. 1544. Nicht bei Bartsch und Nagler, Hollstein 8.
Die seltene, frühe Darstellung des gerade 20-jährigen Lautensack, ohne dessen Signet, ist in der älteren Literatur unbeschrieben, und wird im Hollstein in nur zwei Exemplaren nachgewiesen (Berlin und München). Ausgezeichneter Druck, rechts sowie teils unten mit sehr feinem Rändchen um die Plattenkante, links an die Darstellung geschnitten. Leicht fleckig und geringfügig altersspurig, unten links kurzer geschlossener Randeinriss, oben sowie links mit Spuren einer alten Federrahmung, weitere geringe Gebrauchsspuren, sonst gut erhaltenes Exemplar. Von großer Seltenheit.
Christus verflucht den Feigenbaum. Radierung. 15,5 x 21,8 cm. 1554. B. IX, S. 225, 50, Nagler 51, Hollstein 39 I (von II). Wz. Anker (?) im Kreis.
Das Blatt, hier noch mit dem frühen Datum 1554, zählt zu einer Suite mit fünf, eventuell sechs Landschaften mit biblischen Darstellungen. Ganz ausgezeichneter, in Teilen harmonischer und kräftiger Druck meist knapp innerhalb der Einfassungslinie bzw. der Plattenkante geschnitten, oben minimal knapp. Minimale Altersspuren, feine vertikale Quetschspur vom Druck, diese teils hinterlegt, zwei weitere zarte diagonale Quetschspuren oben und unten, links winziges Löchlein nahe des Randes, sonst sehr gut erhaltenes Exemplar. Selten. Aus der Sammlung Richard Jung (Lugt 3791).
Lautensack, Hanns
Tobias mit dem Engel an einem Fluss
Los 5138
Schätzung
1.200€ (US$ 1,364)
Tobias mit dem Engel an einem Fluss (Der Donaustrudel). Radierung. 19,1 x 29,2 cm. (1571). B. 44, Hollstein 44 wohl I (von III). Wz. Krone (?) im Kreis mit Kreuz darüber.
Wohl noch vor der Überarbeitung der Platte und vor der späteren Schrift, die im dritten Zustand ins Wasser geschrieben wird: "DER.STRVDL / AVF DER THONNAW / 1572". Ausgezeichneter, gleichmäßiger Frühdruck des seltenen Blattes, an bzw. rechts oben links partiell innerhalb der Einfassungslinie geschnitten. Insgesamt etwas fleckig, zwei vertikale feine Quetschspuren vom Druck, unten rechts unauffällige Diagonalfalte verso, oben rechts kleine ausgebesserte Stelle, dort mit zarter Federretusche, geringe Montierungsreste verso, sonst sehr schön. Beigegeben von demselben die Radierung "Landschaft mit einer Burg auf einem Felsen" (Hollstein 15).
Lot und seine Töchter. Kupferstich. 18,9 x 24,7 cm. 1530. B. 16, Hollstein 16, Filedt Kok (New Hollstein) 16 I (von III). Wz. Krüglein mit Lilie.
Ausgezeichneter, klarer Druck mit der vollen Darstellung, rechts partiell sehr knapp innerhalb dieser. Nur geringfügig angestaubt, winziges Löchlein im rechten Schienbein der rechts sitzenden Tochter, minimale Gebrauchsspuren, sonst vollkommen erhalten. Aus der Sammlung Mathias F. Hans (Lugt 5924).
Joseph und Potiphars Weib. Kupferstich. 12,4 x 16,2 cm. 1512. B. 20, Hollstein 20, Filedt Kok (New Hollstein) 20 Ib (von III).
Aus der Folge "Die Geschichte des Joseph". Vor der Adresse von Petri. Ausgezeichneter, gleichmäßiger Druck mit der Einfassungslinie, partiell auf diese geschnitten. Minimal gebrauchsspurig, sonst in sehr schöner Erhaltung. Aus der Sammlung Pierre Sentuc (Lugt 3608).
Golgotha. Kupferstich. 28,7 x 41,2 cm. 1517. B. 74, Hollstein 74, Filedt Kok (New Hollstein) 74 II (von VI).
Vor der Adresse Petris. Ganz ausgezeichneter, klarer und differenzierter Druck mit sehr feinem Rändchen um die Einfassungslinie. Minimal angestaubt und nur ganz vereinzelt fleckig, geglättete vertikale Mittelfalte, diverse kleine, sehr sorgsame geschlossene Risschen mit dezenter Federretusche in der Darstellung als auch am Rand, geschlossener unauffälliger Randeinriss von unten links bis in die sitzende Gruppe am Fuße des Kreuzes Jesu, hinterfasert, im Gesamteindruck jedoch sehr schön.
Die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Kupferstich. 17,9 x 24,4 cm. B. 78, Volbehr 78, Filedt Kok (New Hollstein) 78 II (von III). Wz. Kleines Wappen mit Fleur-de-lis (Fragment).
Ausgezeichneter, toniger Druck minimal knapp innerhalb der Darstellung beschnitten, partiell Spuren der Einfassungslinie. Unbedeutende Gebrauchsspuren, vereinzelt dünne Stellen, sonst tadelloses Exemplar.
Leyden, Lucas van
Die Jungfrau mit dem Kind unter einem Baum
Los 5143
Schätzung
1.800€ (US$ 2,045)
Die Jungfrau mit dem Kind unter einem Baum. Kupferstich. 8,6 x 11,1 cm. 1514. B. 83, Hollstein 83, Filedt Kok (New Hollstein) 83 a (von b). Wz. undeutlich.
Ganz ausgezeichneter, zart silbriger Druck mit lebendigen Wischkratzern und Plattenton, meist mit der Einfassungslinie, sonst mit der vollen Darstellung. Von verso durchschlagend zwei blasse Streifen brauner Flecken durch die Figuren Mariens und links, vereinzelt weitere Flecken, die obere rechte Ecke minimal lädiert, Randeinrisschen unten, dünne Stellen, sonst in sehr gutem Zustand. Mit schwer leserlicher Sammlermarke (womöglich Lugt 2695, unidentifizierte Sammlung).
Der hl. Hieronymus in einer Landschaft. Kupferstich. 8,5 x 10,7 cm. 1513. B. 112, Hollstein 112, Filedt Kok (New Hollstein) 112 a (von b).
Ganz ausgezeichneter Druck knapp bis an die Darstellung geschnitten. Vereinzelt kleine Fleckchen, leicht angestaubt, links oben winzige Randläsur, verso kleine Montierungsreste sowie Bleistiftannotationen, sonst sehr schön. Aus der Sammlung des Kupferstichkabinetts, Staatliche Museen zu Berlin (Lugt 1606, 2398) sowie der Sammlung Karl Ferdinand Friedrich von Nagler (Lugt 2529).
Leyden, Lucas van
Der hl. Franz von Assisi erhält die Stigmata
Los 5145
Schätzung
750€ (US$ 852)
Der hl. Franz von Assisi erhält die Stigmata. Kupferstich. 10,1 x 8,4 cm. Um 1514. B. 120, Hollstein 120, Filedt Kok (New Hollstein) 120 b (von c).
Ganz ausgezeichneter Abzug bis an die Einfassungslinie geschnitten, unten knapp in die Darstellung geschnitten. Etwas angestaubt, minimal fleckig, in der linken oberen Ecke mit kleiner Anfaserung, dünne Papierstellen, teils hinterfasert, unten ca. 4 mm angerändert und die Darstellung mit Feder in Schwarz sorgsam ergänzt, im Gesamteindruck sehr schön. Aus den Sammlungen E. Fabricius (Lugt 847a und 919bis) und Kurt Klemperer (Lugt 5268).
Lorrain, Claude
Le Pont de Bois (Rebekka und Eliezer)
Los 5146
Schätzung
1.500€ (US$ 1,705)
Le Pont de Bois (Rebekka und Eliezer). Radierung. 13 x 19,4 cm. Um 1638-41. Robert-Dumesnil 14, Manocci 38 IV C (von VII).
Vor der polierten Stelle im Himmel oben links. Ganz ausgezeichneter, meist klarer Druck mit regelmäßigem Rändchen um die teils distinkte Facette. Minimal angestaubt, unmerkliche Stockfleckchen, geglättete Mittelfalte verso, Montierungsreste ebenda, sonst in sehr schöner Erhaltung. Aus der Sammlung Benjamin Petzold (Lugt 2025).
Maglioli, Giovanni Andrea
Vexierbild aus Männerköpfen und einem Pferdekopf.
Los 5147
Schätzung
1.200€ (US$ 1,364)
Vexierbild aus Männerköpfen und einem Pferdekopf. Kupferstich. 13,5 x 9,7 cm. Berliner Ornamentstichkat. aus 5.
Wie die folgende Losnummer einer der seltenen Kupferstiche des Künstlers. Laut Peter Fuhring war der Künstler nicht, wie bislang angenommen, in Rom sondern in Neapel tätig, wie aus dem Titelblatt seiner Serie mit großen Seemonstern und Putten hervorgeht. Ganz ausgezeichneter, toniger Druck mit sehr feinem Rändchen um die Plattenkante. Minimal gegilbt und angestaubt, zwei feine diagonale Quetschfalten rechts, drei Nadellöchlein links, Leimflecken verso, sonst in sehr guter Erhaltung.
Maglioli, Giovanni Andrea
Vexierbild aus den Köpfen von Männern, einer Ziege und einem Pferd
Los 5148
Schätzung
1.200€ (US$ 1,364)
Vexierbild aus den Köpfen von zwei Männern, einer Ziege und einem Pferd. Kupferstich. 13,5 x 9,6 cm. Berliner Ornamentstichkat. aus 5.
Die faszinierende Komposition zeigt vier miteinander verschmolzene menschliche und tierische Köpfe, die von allen Seiten betrachtet werden können, ohne dass sich eine Hauptansicht ergäbe. Prachtvoller, toniger Druck mit feinem Rändchen um die gratige Facette. Minimal angestaubt und mit kaum merklichen Stockflecken, verso blasse Leimflecken, sonst in schöner Erhaltung.
[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.
* Alle Angaben inkl. 25% Regelaufgeld ohne MwSt. und ohne Gewähr – Irrtum vorbehalten.
Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin
Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr
Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com
Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge
Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin
Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr
Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com
Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge