Rhetorica
De retorica eiusdemque nomen". Incipit-Fragment einer lateinischen Handschrift auf Pergament.
Los 1001
Schätzung
70.000€ (US$ 79,545)
HANDSCHRIFTEN
Bis dato unbekanntes Schriftzeugnis aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts: Fragment einer Unzial-Handschrift der frühen Karolingerzeit
Rhetorica. "De rethorica eiusdemque nomen". Incipit-Fragment einer lateinischen Handschrift auf Pergament. 1 Blatt, 1 Seite. 13 Zeilen. Schriftraum ca. 10,2 x 11 cm. Blattgröße 10,6 x 13,6 cm. Unziale in braunschwarzer Tinte. Mit 15-zeiligen Feder- und Flechtwerkinitiale "R" in braunschwarzer Tinte. Wohl Norditalien erste Hälfte des 8. Jahrhunderts.
Außergewöhnlich prachtvolles Handschriftenfragment einer frühkarolingischen Unzial-Handschrift, die aller Wahrscheinlichkeit nach noch in die erste Hälfte des 8. Jahrhunderts nach Norditalien zu datieren ist, mit einer besonders großen, prächtigen Flechtwerk-Initiale "R" (9 x 5,3 cm) und 13 Zeilen Schrift. Vergleiche mit wenigen, in öffentlichen Bibliotheken bewahrten Fragmenten, unterstützen die Datierung.
Das bislang unbekannte Fragment gehört zu den ältesten Textzeugnissen der weitverbreiteten Etymologiae (Etymologiae, II, I, 1) des Isidorus von Sevilla (gest. 4. April 636), Buch II "De artibus liberalibus", Kapitel !De rhetorica eiusque nomine!.
Die Schrift ist also eine gelungene, sehr regelmäßige Unziale, die alle Merkmale dieses Schrifttyps aufweist (vgl. etwa die Buchstaben "E", "M" oder "U"). Die Schrift, aber auch die große Initiale lassen vermuten, dass die Handschrift in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts in Norditalien entstanden ist (Vgl. Codices latini antiquiores Nr. 24a, 55, 91, 127, 317, 333, 430 und 546).
Auch die R-Initiale könnte auf einer Entstehung der Handschrift in Norditalien verweisen. Die Abkürzung für 'autem' in der vorletzten Zeile ist ursprünglich irisch oder angelsächsisch, wurde jedoch im Frühmittelalter auch in insular beeinflussten Scriptorien auf dem europäischen Festland verwendet. Die Transliteration der griechischen Wörter ist nahezu perfekt; die Verwendung von Versalien in der 1. Zeile ist enigmatisch. Unleserliche Spuren und Reste einer Beschriftung auf der Rückseite.
"De rethorica eiusdemque nomine. RETHORICA est benedicendi scientia in civilibus questionibus ad persuadendum justa et bona. Dicta autem rethorica greca appellatione ‘a potu rethoresin’ [besser: ‘rethorisin’] id est a copia loquutionis. ‘Resis’ enim apud grecos locutio dicitur,’rethor’ orator." Der Text enthält somit einen der berühmtesten Definitionssätze Isidors: "Die Rhetorik ist die Wissenschaft des guten Redens in öffentlichen Angelegenheiten, um zu gerechten und guten Dingen zu überzeugen." Dieser Schlüsselsatz bildet einen zentralen Ausgangspunkt mittelalterlicher Gelehrsamkeit im Bereich des Triviums (Grammatik - Rhetorik - Dialektik).
Isidor transformiert die antike Rhetorik in ein christlich-ethisches Bildungsmodell; genau diese Definition prägt über Jahrhunderte Kloster- und Kathedralschulen und wirkt bis in den Kontext der karolingischen Reformbewegung hinein. In Alkuins "Disputatio de rhetorica et de virtutibus" erscheint sie nahezu unverändert wieder - als Verbindung von Redekunst, Herrscherethos und Tugendlehre. Der erhaltene Abschnitt deckt den Beginn der klassischen Rhetorik-Definition ab. Die Lesung entspricht der Vulgata-Fassung nach Lindsay (Oxford 1911) mit nur geringfügigen orthographischen Varianten frühmittelalterlicher Schreibpraxis. – Die Rückseite ist weitgehend weiß, da das Blatt als Einbandmakulatur verwendet wurde. Sie weist Leim- und Montagespuren auf und zeigt deutliche Dünnungen im Pergament sowie auch Wurmspuren, die nur in seltenen Fällen auch die Oberfläche recto betreffen (auf der ca. 20 kleine und kleinste Wurmlöchlein durchschlagen, die kaum zu Buchstabenverlust führten). Durch das Loslösen ging nahezu der gesamte Text verso verloren, allerdings sieht man noch Reste einer kleineren Flechtmotiv-Initiale "R" oder "P" und unten den oberen Hals eines "S", rechts in winziger Schrift ein Kommentarrest. Auch recto befindet sich links neben der Prachtinitiale ein kleiner 3-zeiliger Kommentar. Die Versoseite in bemerkenswert gutem Erhaltungszustand.
Nach Befundlage wurde das Blatt in der Frühen Neuzeit als Makulatur in einem Bucheinband (wohl 15.-16. Jh.) wiederverwendet und später - aufgrund der qualitätvollen Initiale und des bedeutenden Textes - gezielt herausgeschnitten. Die gut erhaltene Vorderseite und die auf der Rückseite sichtbaren Abschab- und Extraktionsspuren stützen diese Annahme.
Ein außergewöhnlich frühes, nahezu 1300 Jahre altes Schriftdenkmal und ein herausragendes Zeugnis frühmittelalterlicher Buchkultur. Handschriftenfragmente aus dem 8. Jahrhundert sind im Handel nahezu unbekannt und finden sich fast ausschließlich in Bibliotheks- und Museumsbeständen; ein Exemplar dieser Qualität, mit erhaltener Zierinitiale und prägnantem Text, darf als sensationell selten bezeichnet werden.
Jesus Sirach
Fragment einer frühmittelalterlichen Bibelhandschrift mit Passagen aus dem Buch Ecclesiasticus. Lateinische Handschrift auf Pergament.
Los 1002
Schätzung
8.000€ (US$ 9,091)
Fragment einer karolingischen Bibelhandschrift mit Passagen aus Jesus Sirach
Jesus Sirach. Fragment einer karolingischen Bibelhandschrift mit vier Textstellen aus dem Buch Jesus Sirach (Sir 35,23-26, 36,4-9, 36,14-17 und 36,21-24). Lateinische Handschrift auf Pergament. Qualitätvolle, regelmäßige und ausgewogene Karolingische Minuskel. Vier obere Kolumnenreste auf 1 Bl. (recto und verso) mit viermal 11 Zeilen. Schriftraum ursprünglich ca. 24-25 x 20-21 cm mit ca. 25-26 Zeilen. Blattgröße ursprünglich ca. 33-35 x 23-25 cm. Vermutlich Nordfrankreich, 1. Hälfte 9. Jahrhundert.
Sehr schönes Fragment einer frühmittelalterlichen Bibelhandschrift mit Textstellen aus dem Buch Jesus Sirach, dem kanonischen Buch Ecclesiasticus der Vulgata: "[Miserere plebi tuæ, super quam invocatum est nomen tuum: et Is]rahel quem coæqua[sti p]rimogenito tuo. [Misere]re civitati sanctificatiónis tuæ, Hierusalem, civitáti requiei tuæ. Reple Sion inenarrabilibus verbis tuis, et gloria tua populum tuum. Da testimónium quia ab initio creaturæ tuæ sunt, et suscita prædica[tiones quas locuti sunt in nomine tuo prophetæ priores]“ (Sir 35,23-26), also etwa: "Erbarme dich deines Volkes, über dem dein Name genannt ist, und Israels, das du zu deinem Erstgeborenen gemacht hast. Erbarme dich Jerusalems, der Stadt deines Heiligtums, der Stadt deiner Ruhe. Erfülle Zion mit deinen unaussprechlichen Worten und dein Volk mit deiner Herrlichkeit. Gib Zeugnis für deine Geschöpfe von Anbeginn an und verkünde die Botschaften, die die früheren Propheten in deinem Namen verkündet haben" (Sir 36:14-19). Das Buch Jesus Sirach fehlt in der Lutherbibel, für die es zu den apokryphen Texten gehört und nicht in den Kanon aufgenommen wurde.
Hervorzuheben ist die Größe der Schrift und die damit einhergehende kleine Zahl der Zeilen pro Spalte. Das Fragment stammt somit nicht aus einer Vollbibel, sondern vielmehr aus einer Teilbibel, die entweder nur das Buch Jesus Sirach oder zusätzlich einige der König Salomon zugeschriebenen Bücher der Bibel (Sprüche, Prediger, Hohelied und Weisheit) enthielt.
– Abgelöste Einbandmakulatur der oberen Hälfte eines Blattes einer Handschrift mit entsprechenden Gebrauchsspuren: oben links größerer Ausbruch, sonst beide Kolumnen wohlerhalten mit je 11 Zeilen, verso stärker verblasst und abgerieben, überwiegend aber gut lesbar. - Von größter Seltenheit. Bibelfragmente des frühen 9. Jahrhunderts sind kaum mehr auf dem Antiquariatsmarkt zu finden.
Eis, Gehard
Album mit 29 Fragmenten von meist deutschen und lateinischen Handschriften des 13., 14. und 15. Jahrhunderts
Los 1003
Schätzung
6.000€ (US$ 6,818)
Eis, Gehard. Album mit 29 Fragmenten von meist deutschen und lateinischen Handschriften des 13., 14. und 15. Jahrhunderts. Pergament und Papier, in unterschiedlichen Formaten, Miniatur- bis Quartformat. Überwiegend aus deutschen Provenienzen. Eingelegt in Halbleinen-Mappe mit 2 Hanf-Schließbändern. Meist Deutschland 13.-15. Jahrhundert.
Einmalige Sammlung von kleinen Bruchstücken sehr unterschiedlicher, meist deutschen Handschriften, darunter Fragmente von einem Gebetbuch (Stundenbuch mit Goldinitiale), von Predigten, Rezepten, Heiligenleben, astronomischen und alchemistischen Notizen, Sprüchen, Dichtungen, theologischen Traktaten, Priameln und anderen Texten, einige beschädigt, in ihrer Größe variierend von sehr klein bis zum Quartformat. Einige Fragmente wurden von Gerhard Eis erschlossen oder veröffentlicht. Einige wenige Fragmente sind ins 16.-19. Jahrhundert zu datieren, einige weitere stammen aus den Niederlanden oder aus Frankreich.
Die Fragmente werden in von Eis beschrifteten Umschlägen in Quartformat aufbewahrt. Beiliegend: Notizzettel, Transkriptionen, Korrespondenz, Verweise auf Literatur, Hinweise auf Erwerbung und Vorbesitzer sowie weitere Belege zu den Fragmenten von der Hand des Gerhard Eis und seiner Korrespondenten.
Aus der Sammlung des Heidelberger Mediävisten und Germanisten Gerhard Eis (1908-1984), mit den Signaturen Nummern 7, 9, 10, 15, 16, 34, 53, 55, 57, 65, 67, 69, 70, 85, 90, 91, 93, 95, 96, 97, 98, 119, 120, 121, 122, 123, 133, 137 und 163. – Teils mit stärkeren Gebrauchsspuren, Fehlstellen, Läsuren, Flecken und Leimresten bei ausgelösten Makulaturstücken. Beiliegen einige weitere Stücke und Dokumente.
Rennewart-Fragment
Fragment einer deutschen Handschrift auf Pergament.
Los 1004
Schätzung
1.200€ (US$ 1,364)
Rennewart-Fragment. Fragment einer deutschen Handschrift auf Pergament. Schriftraum hier ca. 24 x 3,6 cm. Format 27,8 x 4,3 x 4,6 cm. Mit roter Kapitalstrichelung und einer 2-zeiligen Initiale "S" als rote Versalie mit blauem Federwerk. Nürnberger Raum um 1345.
Bedeutendes, nicht im Handschriftencensus erfasstes Fragment einer Nürnberger Rennewart-Handschrift aus dem 15. Jahrhundert. Erhalten als Einbandmakulatur sind beiseitig 39 Zeilen wohl einer wie üblich 40-zeiligen Handschrift auf Pergament. "Fragmente mit 40 Zeilen sind nicht ganz selten", schreibt Klaus Graf (Archivalia 59205764) und zählt einige ähnliche Fragmente auf: in Berlin (Census 1780), Dillingen (23753), Graz (1781), Klosterneuburg (1130), München Cgm 5249/7k (1774) etc. Das vorliegende ist besonders interessant, da es nicht nur fast eine ganze Kolumne (es fehlt oben wohl nur eine einzige Zeile) der Zeilenanfänge mit bis zu 3-4 Wörtern und 12-16 Buchstaben umfasst, sondern auch verso die flatternden Zeilenenden enthält mit den Reimpaaren wie "missesaget - wol behaget", "nit twingen - gedingen", "gar den líp - reínez wip" etc. Vgl. hier Uolrich's von Türheim. Rennewart. Deutsches Gedicht des 13. Jahrhundertes. Hrsg. und erl. von Dr. Karl Roth. 1856. Mit der bezüglichen Textpassage "[...] wol in gant / und die enpristen stille stant / da mit wir den lip ernern / daz wir uns des ymmer gewern / swaz nu dem prise wol behaget / nit wolt des tauffes segen / so enwil iz iuch niht twingen / ein ding wil ich gedingen [...]". (Deutsche Texte des Mittelalters XXXVIII, S. 171).
Der Dichter Ulrich von Türheim (um 1195-1250) war als Fortsetzer des Tristan-Epos’ des Gottfried von Straßburg in die hochmittelalterliche Literaturgeschichte eingegangen. Mit seiner zweiten großen Versdichtung, der dem "Rennewart" knüpfte er an den Willehalm Wolframs von Eschenbach an. Paläographisch ist das Fragment wohl in die erste Hälfte des 14. Jahhunderts zu verorten, was allerdings die Forschung erst noch bestätigen muss.
Ludwig von Brandenburg
Urkunde des Markgraphen. Deutsche Handschrift auf Pergament
Los 1005
Schätzung
500€ (US$ 568)
Pergamenturkunde des Markgrafen Ludwig von Brandenburg und Herzogs von Bayern und Grafen von Tirol
Ludwig Markgraf von Brandenburg. Lehensverleihung. Urkunde in deutscher Handschrift auf Pergament. 1 Bl. 1 S. 17 Zeilen. Kanzleitextura in Schwarzbraun. Schriftraum 9 x 22 cm. Blattgröße 23,5 x 30,5 cm. Tirol 1353.
Zeitgenössische Abschrift einer Lehensurkunde, die verliehen wurde von Ludwig der Brandenburger (1323-1361), der seit 1323 als Kurfürst von Brandenburg und seit 1342 als Herzog von Bayern und Graf von Tirol regierte, in Zorneding starb und ein Fürstengrab in der Münchner Frauenkirche bekam. "Wir ludwig von gotz gnadn margraff von brandenburg und zu lusytz dez heiligen Römischen reich oberster chammer pfaltzgraff pei dem rein hyrtzog zu payrn und zu charendn Graff zu Tyrol [...] bechennen offenlych mytt dem bryeff das für uns cham unßer truyer merln der mareyder [?] als ain procurator myt volm gewalt anstat ulrychs und ramprechts peyd prüder von wyrwerg daz wir solen ulrichen und rampirchen Lehenn verleyhenn [...] dytz bryeffs der geben yst auf Tyrol nach xpws [Christus] gepurt drewtzehem hondt jar dar nach Im dem drew und L jar am sand Erhartz Tag etc. etc. etc." – Kleiner Randausriss links und zwei etwas größere rautenförmige Ausrisse im Schriftspiegel mit einigem Textverlust, etwas angestaubt, mit Plica und Pergamentlitz (ohne Siegel). Aus dem Besitz des Germanisten und Mediaevisten Gerhard Eis (1908-1982). Siehe Gerhard Eis, Eine unbekannte Urkunde Herzog Ludwigs des Älteren vom Jahre 1353, in: Ostbairische Grenzmarken vol. 14 (1972) S. 304. – Beigegeben eine weitere Urkunde: Peter von Lemis (?). Zoll-Erbschaftsurkunde in deutscher Handschrift auf Pergament. 1 Bl. 1 S. 28 Zeilen. Süddeutsche Kanzleitextura in Schwarzbraun. Schriftraum 14,5 x 22,5 cm. Blattgröße 18,8 x 25,8 cm. Rothenburg ob der Tauber (?) 1385. - Anerkennende Beurkundung einer Vererbung des Zollrechts von Lemis (?), wohl bei Rothenburg ob der Tauber an den Kürschner Peter: "Ich Peter der Kürsn[er] von Lemis und ich Margret sein Hausfraw [...] mit dem offen prieff für uns und für all unser erben, daz der Erber Edelherre her chumrat von Rotenburg ... uns glazzen hat sein tail des zolls zu Lemis [...]". - Mit stärkeren Braunflecken, kleinen Ausbrüchen in der Plica, Text vollständig. Dabei ein Blatt mit einer vollständigen (wenn auch vielfach irrigen) Transkription von Gerhard Eis in blauer Tinte.
Chapelle de Chambon
2 mittelalterliche Urkunden. Französische Handschrift auf Pergament
Los 1006
Schätzung
300€ (US$ 341)
Blois. - Chapelle de Chambon. 2 mittelalterliche Urkunden. Französische Handschrift auf Pergament. Ca. 11 x 27 bzw. 6 x 26,5 cm. Mit Resten von Wachssiegeln am Plica-Streifen. Unter Glas in einfacher Holzrahmenleiste 20 x 30 cm. Blois 11. Februar 1359 und 17. Januar 1360.
Datiert am 11. Februar 1359 "Etienne Gobillon Conseiller de Comte de Blois reçoit de Gillet Boivin Garde de la récolte de Blois pour Perrault Lergaut à cause de sa Chapelle der Notre Dame de l'Hôtel à Chambon appartenant de Mr. de Blois ce qué lui est donné à cause de sa chapelle" (Text einer späteren Regeste, verso). Und die zweite Urkunde vom 17. Januar 1360: "Frère Etienne de Vauconcourt à reçu du Pierre de Boulogne de Blois 40 annés de Bureau 20 Royaux d'or en rabat de Compte de plus grande somme d'années de burea à lui donnés par le Comte pour cause de Vente à Noel [...]" (etwa: "Bruder Etienne de Vauconcourt erhielt von Pierre de Boulogne de Blois 40 Jahre Amtszeit 20 königliche Goldmünzen als Ausgleich für die größere Summe der Jahre, die ihm der Graf aufgrund des Verkaufs zu Weihnachten gewährt hatte [...]").
Womöglich handelt es sich um eine heute nicht mehr existente Kapelle "Chapelle der Notre Dame de l'Hôstel à Chambon", wohl in der Nähe von Blois. Nachweisen konnten wir einzig die bedeutende romanische "Chapelle funéraire de Chambon-sur-Lac" am Puy-de-Dôme in der Auvergne. – Kleine Montagespuren und Löchlein, gering fleckig. – Beiliegt: Ein weiteres Schriftstück. Französische Handschrift auf Papier. Unter Glas in einfacher Holzrahmenleiste 29,5 x 22,5 cm. Frankreich 15. Jahrhundert.
Iunianus Iustinus, Marcus
Fragment aus den Historiarum Philippicarum libri XLIV des Pompeius Trogus. Lateinische Handschrift auf Pergament
Los 1007
Schätzung
500€ (US$ 568)
Sie warfen Gold und Silber in den See zur Buße
Iunianus Iustinus, Marcus. Fragment aus den Historiarum Philippicarum libri XLIV des Pompeius Trogus. Lateinische Handschrift auf Pergament. Gotica textualis. 1 Bl. Mit 29 (von 32?) Zeilen und 3 kleineren Fragmentteilen, teils mit Schrift. Schriftraum verbleibend 18,2 x 11,6 cm. Format 19,3 x 13,6 cm bzw. ca. 1 x 3 oder 1,5 x 14 cm (Schnipsel). Norditalien (?) um 1360.
Großes, textreiches Fragmentblatt aus einer der wenigen erhaltenen Handschriften des 14. Jahrhunderts, die Teile der "Epitoma historiarum Philippicarum" des Marcus Junianus Iustinus, eines römischen Historikers des 2.-3. Jahrhunderts überliefern. In seinen Texten bezieht sich Iunianus auf die "Historiae Philippicae" des Pompeius Trogus, die dieser zu Zeiten des Augustus verfasste, die er aber zu einem eigenen Œuvre komplilierte. Das vorliegende Fragment enthält eine bedeutende Passage, die vor dem Hintergrund des Verfalls des Römischen Weltreichs den Untergang verschiedener italienischer Stämme durch die Pest als Prophezeiung skizziert: "Testosagi autem cum in antiquam patriam tolosanam venissent, comprehentique pestifera lue effent, non priùs sanitatem recuperavere, quàm aruspicum responsis moniti , aurum argentumque bellis sacrilegiisque quæsitum in Tolosensem lacum mergerent, quod omne magno post tempore Caepio, Romanus consul, abstulit [...]" - übersetzt etwa: "Als die Testosagi jedoch in ihre alte Heimat Toulouse zurückkehrten und von einer verheerenden Seuche befallen wurden, hatten sie sich noch nicht von ihrer [vorigen] Krankheit erholt. Da warfen sie, gewarnt durch die Prophezeiungen der Wahrsager, das Gold und Silber, das sie durch Kriege und Sakrilege erworben hatten, in den See von Toulouse. Alles wurde nach langer Zeit von Caepio, dem römischen Konsul, wieder eingesammelt [...]".
Die Überlieferung und Lesarten des Fragments müssten wissenschaftlich überprüft werden, sie geben sicherlich interessantes Material zu neuen Erkenntnissen. – Einbandmakulatur mit entsprechenden Gebrauchsspuren, etwas gebräunt, fleckig, der Spiegel der Kolumne oben und rechts abgeschnitten, der Hauptkorpus des Textes jedoch ohne wesentliche Fehlstellen. Knickspuren, leichter Abrieb, aber insgesamt gut lesbar, mit einigen Marginal- und Interlinearglossen.
Graduale-Fragment
Französische Handschrift auf Pergament. 13 nn. Bl. mit 26 S. 23 Zeilen.
Los 1008
Schätzung
500€ (US$ 568)
Graduale-Fragment. Französische Handschrift auf Pergament. 13 nn. Bl. mit 26 S. 23 Zeilen. Gotische textura in Schwarzbraun mit Auszeichnungen in Rot und 7 großen 4-zeiligen Schmuckinitialen in Rot und Blau, zahlreichen 2-zeiligen Initialen im Wechsel rot und blau sowie romanische Quadratnotation. Schriftraum 21 x 13 cm. Format 29 x 18,5 cm. Lagen mit Fadenheftung aus einistigem Einband gelöst. Frankreich Ende des 14. Jahrhunderts.
Ein recht umfangreiches Fragment mit 26 Seiten aus einem handlichen Graduale mit hübscher Rubrizierung und romanischer Quadratnotation auf vierlinigem System. Das Graduale Romanum diente im Spätmittelalter als Chorbuch, das die Gesänge mit Texten und Noten für die für die Heilige Messe enthält. Der Text gliedert sich dabei in "Introitus", der Gesang zum Einzug der Priester zum Altar, der "Oratio", bei der die Scola, die Sängergemeinde nach den Noten intoniert und das "Responsorium", der liturgische Wechselgesang. Während das Antiphonale oder Messbuch in Händen der den Gottesdienst leitenden Priester lag, war das Graduale den Chorsingern vorbehalten.
Die angerufenen und verehrten Heiligen des Kalendariums im Kirchenjahr deuten auf eine Entstehung wohl im Norden Frankreichs hin: "Ludovici regis francorum introitus" (Ludwig der Heilige, Schutzpatron Frankreichs), "In festo visitationis beatae mariae introitus", "Anne matris marie introitus", "In conceptione beatae mare totum sicut in nativitate", "De sancto domnolo oratio" (Heiliger Domnolus von Le Mans, gallischer Bischof und Abt des 6. Jahrhunderts) etc. Der Text endet mit "Frater franciscus de mazeres feat me anima eius requiescat in pace". – Wenige blaue Initialen leicht ausgewaschen, sonst kaum fleckig, gut erhaltene Pergamenthandschrift in interessantem Groß-Oktav-Format.
Canticum canticorum
2 Fragmente aus einem Kommentar zum Hohenlied Salomonis. Mittelniederländische Handschrift auf Pergamen
Los 1009
Schätzung
600€ (US$ 682)
Canticum canticorum. 2 Fragmente aus einem Kommentar zum Hohelied Salomons. Mittelniederländische Handschrift auf Pergament. 4 S. auf 2 Bl. 2 Spalten. 2 Kolumnen mit Resten von jeweils 5-6 Zeilen der oberen Blatthälfte. Schriftraum ca. 2,5 x 10,2 cm. Fragmentgrößen ca. 3,2 x 16,6 cm. Bastarda in schwarzer Tinte mit wenigen roten Auszeichnungen. Westliche Niederlande (Holland oder Utrecht), um 1400.
Fragmente aus einem Kommentar zum Hohelied der Bibel in seltenem mittelniederländischen Idiom. Der Germanist und Mediävist Gerhard Eis identifizierte den Text in einem Aufsatz: "Wiewohl nur sehr wenig Text erhalten ist, konnte der Inhalt genau bestimmt werden. Allein schon eine Stelle wie Dijn borsten sijn beter dan wijn (BI. 2ra) ist eindeutig als Zitat aus dem Hohenlied zu erkennen (Cant. I,1 quia meliora sunt ubera tua vino). Es handelt sich aber nicht um eine reine Übersetzung, sondern um eine Erklärung des Hoheliedes". So Gerhard Eis, Fragment einer mittelniederländischen Erklärung des Hohenliedes, in: Studia neophilologica 34 (1951-1952), S. 59-62 (mit einer Edition der Fragmente).
Der in diesen Fragmenten überlieferte Text ist die mittelniederländische Bearbeitung einer anonymen Erläuterung des Hohelieds mit dem Titel Glossa tripartita super Cantica (13. Jh.). Diese Bearbeitung ist als Bedudinghe op Cantica canticorum in 43 mittelniederländischen Handschriften überliefert. Unsere Fragmente stammen aus dem Anfang von Buch 4, Kap. 10. S. Kees Schepers, Bedudinghe op Cantica canticorum. Vertaling en bewerking van ‘Glossa Tripartita super Cantica’, Leuven 2006, Bd. 1, S. 365-366, Bd. II, S. 228-230 (Edition, in der Hs. mit erheblichen Varianten). – Text teils etwas berieben, kaum fleckig, gut leserlich. Gerhard Eis erhielt diese Fragmente 1951 als Geschenk des Münchener Antiquars Adalbert Lauter. In seiner Sammlung erhielten sie die Signatur Hs. 49. Ein Brief von Lauter an Eis liegt dem Fragment bei.
Spätmittelhochdeutsche Pergamenthandschrift
einer spätmittelhochdeutschen Pergamenthandschrift mit Auszeichnungen in Rot und Blau,
Los 1010
Schätzung
400€ (US$ 455)
Da tat sich die Erde auf "da rect sich dz ertrich uff"
Spätmittelhochdeutsche Pergamenthandschrift. 2 Fragmente aus Einbandmakulatur mit Teilen von 4 Kolumnen. Gotica textura. Jeweils ca. 13,2 x 15,6 cm. Mit Auszeichnungen, Kapitalstrichelung und großen Absatzmarken in Rot und Blau. Süddeutschland Ende 14. Jahrhundert.
Zwei Fragmente einer spätmittelhochdeutschen Pergamenthandschrift mit Auszeichnungen in Rot und Blau, einst verwendet als Einbandmakulatur mit entsprechenden Fehlstellen und Überklebungen, die restauratorisch gelöst werden sollten, um den Text zuzuordnen. Möglicherweise handelt es sich um ein Erbauungsbuch mit verschiedenen Texten aus der Vita Christi, der Bibel o.ä., man liest u. a.: "[...] spricht sant jeronimus dz den psalmen chore sün einer hab gemaht der und den anderen brüdern der turst [Durst?] sig gewesen der chore wz ungereht und wolt sinem sun nit volgen. da rect sich dz ertrich uff und chore fiel zu tal mit allen den die ym geulud da bekerten [...] ding hin zu [...] und wissagte [...]". – Einstige Umschläge zweier Kopertbände mit aufmontierten alten Bibliotheksschildern (textverdeckend), einem hs. Rückentitel des 15. Jahrhunderts "Speculum morale de Sacramentis", Bereibungen, Flecken, Anschmutzungen und kleinen Löchlein, Leim- und Montagespuren. – Beiliegt: 1 weiteres Fragment einer mittelalterlichen Handschrift. Lateinische Handschrift auf Pergament. Minuskelschrift auf regliertem System. Als Umschlagmakulatur gefaltet, ca. 19 x 14 cm (ohne die Falzränder gemessen). Anfang des 14. Jahrhunderts. - Teils stärker gebräunt, mit Löchern, Rissen, Flecken und Gebrauchsspuren.
Katechetische Sammelhandschrift
Deutsche Handschrift auf Papier. Südwestdeutschland um 1400
Los 1011
Schätzung
30.000€ (US$ 34,091)
Sammelhandschrift der deutschen Mystik:
Mit zwei Traktaten von Heinrich Seuse
Theologische Sammelhandschrift mit 12 mystischen und asketischen Traktaten, darunter 2 Schriften von Heinrich Seuse. Deutsche Handschrift auf Papier, gut erhalten. Die erste Lage fehlt, einige weitere Blattverluste ohne Textverluste. 86 von einer gleichzeitigen Hand foliierten Bl. (XIIII-CXI, lückenhaft). 21-23 Zeilen. Schrift: regelmäßige Bastarda und Cursiva (Bl. 35r-72v) von einer Hand, spätere Nachträge in Cursiva (Bl. 83r-84v). Schriftraum 13,3 x 8 cm. Format 21,6 x 14,5 cm. Rubriziert. Wenig späteres flexibles weinrotgefärbtes Leder mit Kettenstichen im verstärkten Buchrücken (Kopert). Buchblock und Einband an den äußeren Ecken oben und unten gerundet. Südwestdeutschland (alemannischer Raum, vermutlich Konstanz) um 1400.
Geistlich-mystische Sammelhandschrift in alemannischer Schriftsprache Alemannisch mit schwäbischen Anklängen (Vermeer (s. u.) S. 88), darin:
Heinrich Seuse: 'Büchlein der ewigen Weisheit' [Auszüge, überwiegend aus Buch XIII] (Bl. 2r-27r), nach dieser Hs. teilweise ediert von H. J. Vermeer in Germanisch-romanische Monatsschrift 41 (1960), S. 86-93.
Heinrich Seuse: 'Horologium Sapientiae', lat. [Auszug] (Bl. 28r-32v).
Betrachtung über die wichtigsten Gebete und Tugenden (Bl. 35r-42r).
'Zehn Gebote'-Erklärung (Bl. 42r-49v), nach dieser Hs. ediert von J. Werlin in Zs. für die Geschichte des Oberrheins 110 (1962), S. 132-140, Ergänzungen in 2VL 10, Sp. 1490-91.
'Von den acht Seligkeiten' (Bl. 49v-52r).
'Die zwölf Räte Jesu Christi' und weitere Betrachtungen (Bl. 52r-53r), nach dieser Hs. von J. Werlin ediert in Leuvense bijdragen 52 (1963), S. 156-168; s. auch 2VL 10, Sp. 1643-46.
'Die Goldwaage der Stadt Jerusalem' (Bl. 59-60), ediert in W. Stammler, Spätlese des MAs, S. 57-60 u. 157-160; vgl. 2VL 3, Sp. 93-94.
Traktat über die Kunst zu Leben und zu Sterben (Bl. 61v-63v), nach dieser Hs. ediert von J. Werlin (s. oben), S. 147-149.
Betrachtungen über das Paternoster und die Siebenzahl (Bl. 65v-70v), nach dieser Hs. ediert von J. Werlin (s. oben), S. 140-146.
Betrachtung über das Leiden Christi (Bl. 70v-74r)
'Zehn Staffeln der Demut' (Bl. 74v-76v), nach dieser Hs. ediert v. G. Eis in Neophilologus 52 (1968), S. 286-291; s. auch 2VL 10, Sp. 1512-14.
'Seelenkloster' (Bl. 77rv), nach dieser Hs. ediert in G. Eis, Altgermanistische Beiträge z. geistl. Gebrauchsliteratur, S. 145-150.
Geistliche Betrachtung (Bl. 77v-79r)
'Die Bruderschaft von der ewigen Weisheit' (Bl. 79v-83r)
[Nachtrag des 16. Jh.s: Andachtsübung (Bl. 83v-84v)].
Es handelt sich um eine inhaltlich kohärente, gut erhaltene Sammlung von meist selten überlieferten Texten zur Meditation, vermutlich in und für ein Franziskaner- oder Franziskanerinnenkloster geschrieben. Inhaltich teilweise mit der jüngeren Handschrift Einsiedeln, Stiftsbibl. 710 (aus Konstanz) übereinstimmend. Beschreibung der Hs. in Leuvense Bijdragen 52 (1963), S. 156-163. Verzeichnet im Handschriftencensus Nr. 2639 (https://handschriftencensus.de/2639). – Innendeckel mit dem blassen Stempelabdruck "Prof. Dr. Gerhard Eis", die alte Foliierung hebt mit "XIIII" an, davor Blatt XIII ohne Nummer, möglicherweise fehlt wie oben genannt erste 12 Blätter, wiewohl Seite XIIIIr mit rotem Initialtext anfängt "Wel[ch]er Oren hab zu Hoerent" (nach dem antiken "Qui habet aures audiendi, audiat"). Blatt "XV" dann mit älter hinterlegtem größeren Ausschnitt (2/3 Textverlust), sonst nur hinterlegte Randverluste. Wenige Fingerfleckchen, Tintenwischer und Flecken, insgesamt bemerkenswert wohlerhaltene umfangreiche Sammelhandschrift mit Texten der mittelalterlichen Mystik in Deutschland.
Provenienz: Aus der Bibliothek des Franziskanerklosters in Konstanz, Bl. 2v mit hsl. Besitzvermerk Bibliothecae F. F. Min: Conv: Constantiae (18. Jh.). Aus der Sammlung des Germanisten und Mediaevisten Gerhard Eis (1908-1982), hier mit der Signatur Hs. 112. Zwei Zettel mit bibliographischen Angaben von Eis‘ Hand hinten eingeklebt.
Passionalsbrevier
Umfangreiches Fragment aus einer spätmittelalterlichen Gebetshandschrift
Los 1012
Schätzung
1.200€ (US$ 1,364)
"Erleuchte meine Augen,
dass ich nicht im Tode entschlafe"
Passionalsbrevier. Umfangreiches Fragment aus einer spätmittelalterlichen Gebetshandschrift. Deutsche Handschrift auf Papier. 18-19 Zeilen Unterschiedliche Fragmentformate bis 15 x 10,5 cm. Breites Halbkaliko des 19. Jahrhunderts mit breiten Leinenecken, goldgeprägtem Rückentitel "Schles. Gebetsbetrachtungen, Handschr. XV. Jahrh." und wurzelmarmorierten Deckelbezügen. Schlesien (Glogau?) um 1420.
Unterschiedlich große Fragmente aus einer spätmittelalterlichen Gebetshandschrift, die möglicherweise aus dem schlesischen Glogau stammt (oder vermutlich aus der Langer'schen Bibliothek in Braunau, wie der Forscher Gerhard Eis vermutete), der auf einem beigebundenen masch. Zettel vermerkt: "Gebetsbetrachtungen über die Passion in schlesischer Mundart. Bruchstücke. Ausgelöst im August 1911 aus einem Einband von Christ. Schwytzer in Breslau, datiert 1532 (M. Fabian Francke, Ein Canczley- vnd Titelbuchlin, Wittenberg, Nickel Schirlentz MDXXXI)".
Umfangreiche Textfragmente sind erhalten mit den roten Überschriften "Antiphona", "Dy Erste Lectio", "Dy andere Lectio", "Anti[phona]", "Capitel uff dy laudes", "Dy dritte lectio", "Laudes", "Irleuchte dy awgen meyn das sy nymmer geslossen yn dem tode ..." nach dem Psalm 13, 6. Bis dato unveröffentlicht. – Provenienz: Heinrich Hinterberger, Wien 10/1957, dann Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 102. Mit Stempel und hs. Signatur der Sammlung Eis.
Stundenbuchminiaturen
Horae BMV. 2 Einzelblätter aus einem niederländischen Stundenbuch mit 2 Miniaturen
Los 1013
Schätzung
400€ (US$ 455)
Stundenbuchminiaturen. - Horae BMV. 2 Einzelblätter aus einem niederländischen Stundenbuch mit 2 Miniaturen. Lateinische Handschrift auf Pergament. Miniaturgröße ca. 8,3 x 5,7 cm Blattgröße 14,4 x 9 cm bzw. 14,6 x 9,8 cm. Mit 2 3-zeiligen Initialen in Pinselgold und Farben sowie 2 kleinen Initialen in Blattgold und jeweils einer breiten, dreiteiligen belebten Bordüre. Mit Passepartout unter Glas in vielfach profilierter, üppig vergoldeter Holzleiste gerahmt 31,5 x 36 cm. Wohl westliche Niederlande um 1440.
Zwei christologisch bedeutende Szenen aus dem Leben des Heilands Jesus Christus. Verkündigung an die Hirten: Drei Hirten in blauen und grünen Wämsern lagern anbetend auf einem grünen Hügel, als ihnen der Engel über der Stadtsilhouette von Bethlehem erscheint. In der breiten Bordüre sind zwei braune Fantasietiere mit lustigem Schopf bzw. Hut, umgeben von rotem und blauen Akanthus auf Pinselgold dargestellt. Die zweite Miniatur zeigt die Kreuzigung Christi, zur Rechten des Heilands Marie mit Johannes, rechts der Hauptmann Longinus mit dem Speer, begleitet von Soldaten. – Teilweise etwas knapp über die Rahmenlinie beschnitten (kaum Bordüreverlust), nur unwesentlicher Oberflächenabrieb, insgesamt sehr dekorativ und hübsch gerahmt.
Johannes von Neumarkt
Mystische Sammelhandschrift. Deutsche Handschrift auf Papier. Nürnberg, St. Katharina, 2. Drittel des 15. Jahrhunderts. - Umfangreiche spätmittelalterliche Sammelhandschrift
Los 1014
Schätzung
20.000€ (US$ 22,727)
Spätmitelalterliche Sammlung mystischer deutscher und lateinischer Gebete an Maria,
die Trinität und die Heiligen
Johannes von Neumarkt et al. Mystische Sammelhandschrift. Reichhaltige deutsche Sammelhandschrift auf Papier mit wenigen lateinischen Texten, aus mindestens drei gleichzeitigen Faszikeln zusammengesetzt. 150 nn. Bl. 18-22 Zeilen. Schrift: Bastarda und Cursiva von verschiedenen Händen. Schriftraum: ca. 8-9 x 6 cm. Format: 11,2 x 7,2 cm. Mit durchgehender Rubrizierung, Initialen, Überschriften, Hervorhebungen, Unterstreichungen in Rot. Alte Lagensignatur VIII (Bl. 14r) bis XX (Bl. 145r). Moderner schlichter Leinenband um 1950 (etwas streng gebunden). Wohl Nürnberg, St. Katharina, 2. Drittel des 15. Jahrhunderts.
Besonders umfangreiche, reichhaltige spätmittelalterliche deutsche Sammelhandschrift mit Texten der deutschen Mystik, die wohl aus dem Nürnberger St. Katharinenkloster stammt. Enthalten sind u.a.:
1) Lateinische Weihnachtsgebete und -gesänge mit deutschen Einsprengseln (Bl. 1r-9r), darunter ein Lied zur Krippe Jesu (Bl. 6r-7r), nach dieser Hs. von G. Eis ediert in Altgermanistische Beiträge zur geistl. Gebrauchslit. (1974), S. 162-164.
2) Sieben Freuden von Maria (Bl. 9r-13v).
3) Dt. und lat. Gebete und Gesänge zu Palmsonntag (Bl. 13v- 16v), Karfreitag (Bl. 16v-20v), Ostersamstag (Bl. 20v-21v) und Ostern (Bl. 21v-26v).
4) Dt. Betrachtung (Gebet) über sieben biblische Wörter (Rufe) Jesu (Bl. 26v-28r).
5) Dt. Lieder und Reimgebete an Maria (Bl. 28r-30v).
6) Lat. Officium für das Osterfest (Bl. 30v-34r).
7) Dt. Gebet an Maria (Bl. 34rv), lat. Gebete und Gesänge an Maria (Bl. 35r-39r), weitere lat. liturgische Gebete (Bl. 39r-44r), lat. Gebete und Gesänge an Maria (Bl. 44v-48v), weitere dt. Gebete und Betrachtungen (Bl. 48v-53v), darunter Spruch der Engel (Bl. 52v), vgl. 2VL 9, Sp. 184.
8) Lat. liturgische Gebete und Gesänge (Bl. 54v-59r), darunter lat. Chunradus zugeschriebene Reimsprüche, vgl. 2VL 5, Sp. 110.
9) Dt. Betrachtungen (Bl. 60r-81v), darunter 'Marien Rosenbaum' (Bl. 79r-80v), nach dieser Hs. von Eis ediert in Germanisch-romanische Monatsschrift n. F. 17 (1967), S. 98-100.
10) 'Kunigundengürtel' (Bl. 82r-85r), nach dieser Hs. v. Eis ediert in Zs. f. Religions- und Geistesgeschichte 12 (1960), S. 263-265.
11) Dt. Leidensbetrachtung (Bl. 85r-87r).
12) Dt. Gebet von dem Heiligen Wilhelmus (Bl. 88r-91v), an die Heilige Katharina (Bl. 91v-94r), nach dieser Hs. von G. Eis ediert in Altgermanistische Beitr. z. geistlichen Gebrauchslit., S. 160-162.
13) Gebet an den Heiligen Geist (Bl. 95r-98r).
14) Johannes von Neumarkt: ‚Summe sacerdos‘ (dt.) (Bl. 98v-108r), nach dieser Hs. v. Eis ediert in Ders., Altgermanistische Beitr. zur geistlichen Gebrauchslit., S. 184-189.
15) Dt. Gebet an Maria (Bl. 109r-116r), weitere dt. Gebete (Bl. 116v-120v), dt. Betrachtung der fünf Wunden Christi und der fünf Ausflüsse Christi (Bl. 121r-129r).
16) Dt. Gebete an die Trinität (Bl. 129r-133v), an das süße Herz Christi (Bl. 133v-136v), weitere, meist kurze dt. Gebete (Bl. 136v-150v), darunter ein dt. Gebet, das an Maria zugeschrieben wird, nach dieser Hs. von G. Eis ediert in Euphorion 53 (1959), S. 441-442.
Unter den zahlreichen Aufsätzen und Artikeln, die über diese bedeutsame Sammelhandschrift und ihre einzelnen Partitionen erschienen, nennen wir hier u. a. Gerhard Eis, Geistliche Lyrik des späten Mittelalters aus unbekannten Handschriften, in: Euphorion 53 (1959), S. 441-455, hier S. 441f. - Gerhard Eis, Zur Überlieferung von 'Unser vrouwen klage', in: Germanisch-Romanische Monatsschrift N.F. 17 [48] (1967), S. 98-100. - Rainer Rudolf, Konrad, in: 2VL 5 (1985), Sp. 110. - Rolf Bergmann, Katalog der deutschsprachigen geistlichen Spiele und Marienklagen des Mittelalters (Veröffentlichungen der Kommission für Deutsche Literatur des Mittelalters der Bayerischen Akademie der Wissenschaften), München 1986, S. 489. - Edgar Büttner, Die Überlieferung von "Unser vrouwen klage" und des "Spiegel" (Erlanger Studien 74), Erlangen 1987, S. 18. – Teils etwas gebräunt, kaum fleckig, erste und letzte Blätter mit kleinen Randläsuren, jedoch keinerlei wesentlicher Textverlust, insgesamt sehr gut erhalten und klar lesbar.
Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 136, der die Sammelhandschrift in dieser Form 1958 im Wiener Antiquariat Heinrich Hinterberger erwarb (vgl. Eis in Euphorion 53 (1959), S. 441 Anm. 6). Möglicherweise enthielt sie vor seinem Erwerb noch weitere Teile. Vorsatz mit hs. Eintrag "Cod. 136" und mit blauem Stempel des "Univ.-Prof. Dr. Gerhard Eis. Neckargemünd bei Heidelberg Saarstraße 3". Fliegender Nachsatz mit zahlreichen eigenhändigen Literaturangaben des Herrn Gerhard Eis (1908-1982).
Horae BMV
Großes Fragment eines französischen Stundenbuchs des Spätmittelalters
Los 1015
Schätzung
1.800€ (US$ 2,045)
Horae BMV. Großes Fragment eines lateinischen Stundenbuchs des Spätmittelalters mit reicher Blattgold-Illumination und Ergänzungen des 16. Jahrhunderts. Lateinische Handschrift auf Pergament. Textualis von 2 oder 3 Händen. 94 S. auf 47 Bl. 18 Zeilen. Schriftraum 11,3 x 7,8 cm. Format 17 x 13 cm. Mit ca. 200 1-4-zeiligen Blattgold-Initialen auf Farbgrund mit Federwerk sowie einer Zierseite mit großer Initiale "D" in Gold und Farben (Bl. 10r), Blattgoldbordüren mit Feder- und Blattwerk sowie Goldpunkten. Hellbrauner Schweinslederband (kaum fleckig, Gelenke leicht schwach). Flandern (vermutlich Gent) um 1450.
Großes Stundenbuch-Fragment, bestehend aus den jeweils stark abgekürzten Horen des hl. Kreuzes (Bl. 1r-2v), des hl. Geistes (Bl. 3r-3v) und der Jungfrau Maria (Bl. 10r-32v). Es folgen die Bußpsalmen (Bl. 35r-40r), eine kurze Heiligenlitanei und die am Ende unvollständige Totenvigil (Bl. 44r-47v). Die Anrufung von St. Bavo in der Litanei verweist auf Gent als mutmaßlicher Herkunftsort der Handschrift. Alle Teile sind reich illuminiert mit Initialen in Rot, Blau und schimmerndem Blattgold. Hervorzuheben ist die erheblich jüngere handschriftliche Fortführung auf mehreren weißgebliebenen Pergamentstellen (unter dem Text) und auf hinzugefügten oder leer gebliebenen Blättern (Bl. 4r-9v, 33r-34v, 41r-43v). Hier finden sich Gebete (u. a. an die hl. Anna) sowie andere lateinische und französische Texte, die im späteren 16. Jh. von mindestens drei Händen hinzugefügt wurden. Die nachgetragenen Texte belegen, dass die Handschrift ca. 100 Jahre nach ihrer Entstehung noch aktiv benutzt wurde. – Teils etwas wellig und knittrig, leicht fleckig bzw. minimal fingerfleckig, insgesamt aber sehr frisch und wohlerhalten, kaum Abrieb, lediglich die Schmuckseite mit minimalen Verwischungen.
Dornblattranken-Bordüren
3 Doppellagen aus einem spätmittelalterlichen Stundenbuch in lateinischer Handschrift
Los 1016
Schätzung
800€ (US$ 909)
Dornblattranken-Bordüren. 3 Doppellagen aus einem spätmittelalterlichen Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament. 12 S. auf 6 Bl. 20 Zeilen. Textura in Rot und Braunschwarz. Schriftraum 9,2 x 6 cm. Format 16 x 11,8 cm. Mit ca. 100 1-2-zeiligen Blattgold-Initialen in rot und blauem Kasten mit weißem Federwerk, zahlreichen Zeilenfüllern, Absatzmarken, Überschriften und Rubrikation in Rot und 3 Seiten mit gold-, blau- und rot-kontorierten Bordürelinien und jeweils einer großen, 6-zeiligen Blattgoldinitiale mit reichem Flecht- und Federwerk in Rot und Blau, weißen Binnenornamenten und breitem, vierteiligen Bordürerahmen mit Akanthus-, Federwerk, Blumen, Blüten und Blattgold-Dornblattranken. Ile-de-France um 1465.
Ein authentisches Stück Spätmittelalter in leuchtendem, schillernden Blattgold. – Sehr feine, exzellente Bordüregestaltung auf Pergament, minimal angestaubt, vereinzelt unwesentlich fleckig, leicht berieben bzw. etwas Abrieb, ein Blatt unten etwas schräg beschnitten. Sehr dekorativ.
Nürnberger Dominikanerinnenkloster
St. Katharina. Fragment eines Andachtszettelchens. Textura in Braun und Rot auf Pergament.
Los 1017
Schätzung
200€ (US$ 227)
Nürnberger Dominikanerinnenkloster St. Katharina. Fragment eines Andachtszettelchens. Deutsche Handschrift auf Papier. Textura in Braun und Rot. Schriftraum ca. 8,5 x 3,4 cm. Format ca. 9,4 x 4 cm. Nürnberg zwischen 1472 und 1498.
Ausgelöstes Fragment aus einem Nürnberger Andachtsbuch der Dominikanerinnen von St. Katharina. Inhaltlich geht es wohl um das biblische Konzept der "Mehrung der ewigen Freude des Menschen", dass Gott uns Talente gibt, die wir entfalten und mehren sollen, um ewige Freude zu empfangen: "[...] und dz thust du zu merung aus ewige frewde deß hilf mir mein got, und meines hers das ich mensch eines sey [...]. Hilf mein Gott und mein Herr [...]". Mit dem originalen, hs. beschrifteten Umschlag des Germanisten Gerhard Eis (1908-1982). – Ungerade beschnitten, sonst sehr schön erhalten.
Blattgold-Initialen
4 Doppellagen aus einem spätmittelalterlichen Stundenbuch in lateinischer Handschrift
Los 1018
Schätzung
700€ (US$ 795)
Blattgold-Initialen. 4 Doppellagen aus einem spätmittelalterlichen Stundenbuch in lateinischer Handschrift auf Pergament. 16 S. auf 8 Bl. 15 Zeilen. Saubere, klare Textura in Braunschwarz. Schriftraum 9,4 x 6 cm. Format 18,9 x 12,2 cm. Mit 93 prächtigen 1-2-zeiligen Blattgold-Initialen in schwarzgerahmten Kästen und auf Rot- und Blaugrund mit weißer Federwerk-Dekoration, 57 Zeilenfüllern und 5 schmaleren, aus den großen Initialen herauswachsenden Bordüren sowie 16 breiten, mit Blumen, Blüten, Blättern und Akanthus mit Goldpunkten gefüllten Federwerk-Bordüren. Ile-de-France um 1480.
Aus einem besonders üppig ausgestatteten Stundenbuch: Die leuchtenden Goldinitialen akzentuieren die saubere Textur des biblischen Worte und Heiligenlitaneien und finden einen glänzenden Widerpart in den blitzenden Goldpunkten der breiten Außenstegbordüren, die gefüllt sind mit bunten Blumen und Früchten, Margeriten, Hagebutten, Rosen, Passions- und Fächerblumen, Distelblüten, Blaubeeren oder dicken Erdbeeren. – In sehr guter Erhaltung, erstaunlich breitrandig und in leuchtendem Blattgold - ein authentisches Stück des leuchtenden Mittelalters.
Schwarcz, Ulrich
und Evangelien der Messe. Deutsche Handschrift auf Pergament
Los 1019
Schätzung
12.000€ (US$ 13,636)
Perikopenregister mit einem spätmittelalterlichem Mariengedicht
Schwarcz, Ulrich. Register der Epistel- und Evangelienlesungen für das ganze Kirchenjahr. Verzeichnis der Bibelstellen, die während der Messe in den Episteln und Evangelien gelesen werden, vom 1. Adventssonntag bis zum Ende des Kirchenjahres. Deutsche (ostfränkische) Handschrift auf Pergament. 12, 2 Bl. 1-2 Spalten. 46-60 Zeilen. Format ca. 35,6 x 18 cm. Flüssige, schnell geschriebene kursive Schrift in Sepiatinte mit roten Auszeichnungen für Einführungen, Überschriften, wichtigen Textpassagen und Registerziffern. Bayern (Franken) 1481.
Frühneuzeitliches ausführliches Registers zum Erschließen einer Perikopenhandschrift von einem Kompilator, der sich namentlich "Ulrich Schwarcz" nennt. Ferner enthalten ein langes Mariengedicht - ein einzigartiges Sprachmonument
S. 3-13. Ausführliches Register der Epistel- und Evangelienlesungen für das ganze Kirchenjahr. Jeder Eintrag verzeichnet das relevante Bibelbuch und die Kapitelnummer (häufig mit einem Textanfang der Lesung), jeweils mit einem Verweis (in roter Tinte) auf die Seiten- oder Blattzahl eines Buches, das diese Lesungen enthält. Dieses Buch ist keine Bibel, da die Seiten- oder Blattzahlen zwar in Blöcken, aber dennoch regelmäßig ansteigen. Vielmehr handelt es sich um ein liturgisches Perikopenbuch, das die Bibellesungen vollständig enthält. Mit Hilfe dieses Registers konnte ein Priester sich auf die Lesungen während der Messe vorbereiten oder eine Predigt konzipieren. Vermutlich hat der Schreiber das Werk für den eigenen Gebrauch angefertigt.
S. 3-13. Das Incipit des Registers lautet: "Hienach vindest du bezaychnett in disem register uber die epistlen und evangelien nach ordnung des Jars und wie man sy list in den empteren nach der zeytt [...]" (S. 3), "Die 4 ewangelienn fachentt an am grönen dorstag [...] und fachentt an im buch Johannes am 13 capittell [...]" (S. 7), "Ostertag" (S. 8). Der Kompilator nennt seinen Namen und das Jahr seiner Arbeit am Ende der Vorrede auf S. 3: "das hann ich selber verczaychnett in dem jar als man zaltt von der gepurd vnsers lieb herren Jhesu Christi 1481. Ulrich Schwarcz".
S. 14-19. Register der Epistel- und Evangelienlesungen für die Heiligenfeste und für die ‚ledigen Tagen‘ (S. 17-18). Auf Bayern verweisen nur die Lesungen für die Festen der Heiligen Vitus, Oswald, Ottmar und Konrad. Die in Franken besonders verehrten Heiligen fehlen.
S. 20-21. Anmerkungen zur Bibel, Sprüche und dicta. Nachträge der Schreiberhand.
S. 22 u. 24. Vier Priamel (Spruchdichtungen). Nach dieser Hs. ediert in G. Eis, ‚Priamelstudien. Interpretationen und Funde‘, Festschrift für Franz Rolf Schröder zu seinem 65. Geburtstage, hg. von Wolfdietrich Rasch, Heidelberg 1959, S. 178-195, hier 187-190. S. auch Gerhard Eis u. Gundulf Keil, "Nachträge zum Verfasserlexikon", Studia neophilologica 31 (1959), S. 219-242, hier S. 228-229. Kommentar zum ersten Priamel mit dem Namenszug Markus Schwarcz und der Datierung1520 auf S. 22. Gedruckt in Eis, ‚Priamelstudien‘, S. 188. Priamel Nr. 4 nachgedruckt in Eva Willms und Hansjürgen Kiepe (Hg.), Gedichte 1300-1500, München 1972, S. 359, 420.
Vorgeschaltet ist auf S. 1 ein langes Mariengebet mit 13, jeweils mit "O" anfangenden Anrufen an die Mutter Gottes: "O du edele davendes (Davids) geschlächtt Maria, wann du mitt mechtigen wort santt gaberhell …". Nach dieser Hs. ediert in Josef Werlin, Ein Mariengebet in Prosa aus dem 15. Jahrhundert, in: Leuvense Bijdragen 52 (1963), S. 86-90.
Der Bleistiftvermerk "Kl. Heilsbr. 5. XII 08", den Merlin (s. oben, S. 86-87) auf dem Nachsatzblatt gelesen hat, ist nicht mehr vorhanden; er verweist wohl auf das zwischen Ansbach und Nürnberg gelegene Kloster Heilbronn. Womöglich stammt die Hs. aus diesem Kloster. – Mit deutlichen Spuren des regen Gebrauchs wie Fingerflecken unten rechts, aber auch einigen dunkleren Flecken am rechten Rand, Tintenflecken, kleinem Berieb, wenigen Wurmlöchlein etc. Eine Seite mit mehreren Streichungen und gewischten Textauslöschungen in Rot von einer zeitgenössischen Hand (S. 12), eine alte Rissnähung (Fol. 13), das letzte Blatt zur unteren Hälfte abgeschnitten.
Aus der bedeutenden Sammlung des Heidelberger Germanisten und Mediaevisten Gerhard Eis (1908-1982) mit dessen Einträgen. Eis‘ Signatur: Hs. 26. Eis erwarb die Handschrift 1957 im Antiquariat Jacques Rosenthal in München. Katalogbeschreibung im Hinterdeckel (Katalog 138, 1956, Nr.151). Eis zitiert hierzu folgende Literatur (handschriftlich auf dem fl. Nachsatz):
Gerhard Eis, Priamelstudien. Interpretationen und Funde, in: Festschrift für Franz Rolf Schröder zu seinem 65. Geburtstage, hg. von Wolfdietrich Rasch, Heidelberg 1959, S. 178-195.
Gerhard Eis und Gundolf Keil, Nachträge zum Verfasserlexikon, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 83 (Tüb. 1961/62), S. 167-226.
Josef Werlin, Ein Mariengebet in Prosa aus dem 15. Jahrhundert, in: Leuvense Bijdragen 52 (1963), S. 86-90.
Gerhard Eis (Hg.), Mittelhochdeutsche Lieder und Sprüche (Germanistische Bücherei 2), München 1949.
George Fenwick Jones, The "Signs of Old Age" In Oswald von Wolkenstein's Ich Sich und hör (Klein No. 5), in Modern Language, Vol. 89, No. 5, German Issue (Oct., 1974), S. 767-786.
Eva Willms und Hansjürgen Kiepe. Gedichte 1300 - 1500, Nach den Handschriften und Frühdrucken in zeitlicher Folge, Nr. 4016, München 1972, S. 359, 420.
Breidenbach, Bernhard von
Peregrinatio in terram sanctam.
Los 1020
Schätzung
200€ (US$ 227)
"De Jacobitis et eorum erroribus"
Breidenbach, Bernhard von. Peregrinatio in terram sanctam. 2 Blätter Schriftraum 22,4 x 14,8 cm. Blattgröße 30,6 x 21,6 cm. Mit 2 großen Textholzschnitten und 4 eingemalten roten 3-zeiligen Initialen mit Federwerkschwüngen. Speyer, Peter Drach, 1490.
GW 5076. Hain-Copinger 3957. Goff B-1190. ISTC ib01190000. – Zwei Blätter mit Teilen aus den Beschreibungen der Völkerschaften, die der Mainzer Domherr, Jurist, Schriftsteller und Verleger, Bernhard von Breidenbach (1440-1497), auf seiner berühmten Pilgerreise zusammen mit dem Künstler Erhard Reuwich anfertigte. Mit zwei Holzschnitt-Alphabettafeln und den Passagen "De Jacobitis et eorum erroribus" (über die Irrtümer der Jakobiter, der Juden), "De Nestorianis et eorum erroribus" (über die christliche Glaubensgemeinschaft der Nestorianer und deren Fehler) sowie "De Armenis et eorum erroribus" (über die Armenier und deren Glaubenssätze). – Nur kleine Einrisse, Ränder leicht brüchig, etwas gebräunt oder fleckig.
Schedel, Hartmann
Liber Chronicarum. 3 Fragmente aus Schedels Weltchronik
Los 1021
Schätzung
300€ (US$ 341)
Schedel, Hartmann. Liber Chronicarum. 3 Fragmente aus Schedels Weltchronik. Holzschnitte. 7 x 7 cm bis 12,5 x 22,5 cm (Darstellung). Nürnberg, Anton Koberger, 1493.
Dargestellt ist einmal Moses, der von Gott auf dem Berg Sinai die Gesetzestafeln erhält, die Stadtansicht von Carthago und Trier. – Etwas stock-, braun- und feuchtfleckig, mit teils hinterlegten kleineren Einrissen. Dekorative Blätter mit kräftigem Kolorit. – Dabei: I. Sebastian Brant. Laurentum. Holzschnitt aus "Strasbourg Vergil". 18 x 15 cm (Darstellung). Straßburg 1502. - II. Sebastian Münster. Fragment mit der Ansicht der Stadt Brügge. Holzschnitt. 5,5 x 10 cm (Darstellung). Münster 1570.
Schedel, Hartmann
Vedute der Stadt Breslau aus dem "Liber chronicarum"
Los 1022
Schätzung
300€ (US$ 341)
Schedel, Hartmann. Vedute der Stadt Breslau aus dem "Liber chronicarum". Doppelblattgroßes Einzelblatt mit großer Stadtansicht sowie einigen weiteren figürlichen Textholzschnitten. 44 x 62 cm. Unter Glas mit Passepartout in golgeprägter Holzprofilleiste. Nürnberg, Anton Koberger, 1493.
Die Darstellung zeigt die polnische Stadt Breslau unter dem lateinischen Namen "Bressla". – Mit Mittelfalz, etwas braunfleckig. Nicht ausgerahmt, Versand nur ohne Rahmen.
Ecclesia militans
Stundenbuchminiaturen. 2 Miniaturmalereien in Gold und Farben auf Pergament
Los 1023
Schätzung
600€ (US$ 682)
Ecclesia militans. - Stundenbuchminiaturen. 2 Miniaturmalereien in Gold und Farben auf Pergament. 11 x 7 cm und 11,2 x 8,4 cm. Montiert auf feste braune Kartonpappe mit Passepartout 30 x 24 cm. Frankreich Ende des 15. Jahrhunderts.
Zwei eindrucksvolle, besonders fein und künstlerisch sehr gekonnte Miniaturen, die wohl demselben Stundenbuch oder einem Messbuch entstammen, das um das Jahr 1500 in Frankreich entstanden ist. Die Farben sind äußerst nuanciert, der Pinselgoldauftrag sehr sauber gehöht, die Personenauffassung sehr anatomisch durchgebildet. Das eine Blatt zeigt eine große Pinselgoldinitiale, wohl "A" oder "V" auf Schlingwerk-Ornamentgrund und mit einer aufwändigen Binnenszene: Judith enthäuptet den in königlicher Bettwäsche unter dem Baldachin seines Paradebetts schlafenden assyrischen Feldherrn Holofernes, hoher General Nebukadnezars II.
Die zweite Miniatur zeigt Johannes den Täufer mit Buch und Lammattribut, in - wiewohl goldgehöhtem - Lumpenkleid, wie er auf zwei Figuren, möglicherweise auf Herodes Antipas mit seiner jungen Tochter Salome. Johannes hebt seine Rechte belehrend, er kritisiert die Sitten des Tetrarchen von Galiläa, was zu seiner Gefangennahme und schließlich Enthauptung durch Salome führt.
Mit dieser Interpretation der enigmatischen Szene, wäre die Verbindung der beiden Miniaturen gegeben: Die Szenen vereint das Bild einer wehrhaften Kirche, einer "Ecclesia militans", die sich - freilich noch als altestamentarische Synagoge der Feinde des "wahren Glaubens" widersetzt: Judith wehrt sich gegen Holofernes, Johannes gegen Herodes, was freilich zu zwei Ermordungen mit dem Schwert führt, bei denen der eine allerdings einen jüdischen General, der andere einen Propheten Christi trifft. – Sehr sauber und wohlerhalten, kaum Oberflächenbereibungen oder Läsuren, die schon sehr individuellen Personen, aber auch die Hintergründe sind von erstaunlicher Feinheit und durchgearbeiter Präzsion.
Heinrich zu Hardegg
Erbschaftskunde zur Bestätigung eines Pachtzehnten
Los 1024
Schätzung
300€ (US$ 341)
Heinrich zu Hardegg. Erbschaftskunde zur Bestätigung eines Pachtzehnten. Deutsche Handschrift in Kanzlei-Bastarda auf Pergament. 1 S. auf 1 Bl. Schriftraum ca. 7,5 x 21,5 cm. Mit kalligraphischer Initiale "J", Plika und angehängten Pergamentstreifen (ohne Siegel). Oberösterreich 1500.
Erbschaftskunde zur Bestätigung der Übertragung eines Pachtzinses auf den Besitzungen des Grafen Heinrich zu Hardegg, deren Stammburg die ab 1488 errichtete Schlossanlage zu Greinburg in Oberösterreich war. "Ich Andra Sanndorffer Bekenn in dem offen brief von der als der wolgeborne Herr Herr Heinrich Grave zu Hardegk und im Hochamt Freyherr zu Staremberg ... ein Antheil vom Zehent ... zu großen Neuendorf gelegen grossen und klainen zu wald und zu dorf ... erblich an mich kommen...". Datiert am Schluss: "Geben an Montag nach letare durch Christi geburds fünffzehenhundet Jar". – Beiliegt das Faltblatt mit dem eigenhändigen Vermerk von Gerhard Eis: "Gekauft am 27. Aug. 1971 bei Jacques Rosenthal, Eching". Sowie zahlreiche Blätter mit einer Korrespondenz desselben.
Geomantia
Eyn kunst des warsagens. Deutsche Handschrift auf Papier. Süddeutschland, frühe Mitte des 16. Jahrhundert
Los 1025
Schätzung
500€ (US$ 568)
Geomantia Eyn kunst des warsagens. Deutsche Handschrift auf Papier. 16 nn. Bl. mit 24 beschriebenen S. Schrift: Bastarda kursiva. Schriftraum: 23 x 16 cm. Format: 30 x 20,8 cm. Mit Zahlentabellen und spiegelübergreifenden Textblöcken. Geheftet (Blätter teils lose). Süddeutschland, frühe Mitte des 16. Jahrhundert.
Geomantie mit der Anleitung zum Deuten des Schicksals aus den Handlinien, laut Gerhard Eis (1908-1982) handelt es sich um eine "Abschrift der 1532 von Peter Jordan von Mainz gedruckten "Geomancia". Ein Exemplar ist in Göttingen vorhanden. Erwähnt von Johann Bolte (Bleistift-Anmerkung vorletzte Seite): "Geomantia: eyn kunst des warsagens, die bey den allten in geheym und grossen wirden gehalten ist worden, durch welche auch vil zukünfftiger ding, es sey zu glück odder zu unfal, eröffnet werden, unnd das alles leychtlich durch rechnunge der Planeten stunden, unnd des menschen namen, der so etwas künfftigs zu wissen begeret : mit beygesetzter Tafeln ... zu lassen sey" (Mainz, Peter Jordan, 1532, vgl. VD16 G 1314). – Wenige Wurmlöchlein, unwesentliche Feuchtfleckchen, sehr schöne, saubere Handschrift. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 154. – Mit einer ausfürlichen Begutachtung und Beschreibung von Wolfram Sexauer vom 10. Februar 1971, mit paläographischen Ausführungen: "Der Verfasser nennt sich am Ende des Werkes zweimal ein Georgius Fuchs.
Da dessen Name sonst unbekannt ist, und da auch eine Jahresangabe fehlt, bleibt es nur, auf Grund von Schreibeigenheiten die Zeit der Entstehung zu erschließen. Der Verfasser bedient sich einer recht flüssigen Kurrentschrift mit einem mittelstark rechtsgeneigten Duktus. Ober- und Unterlängen sind sehr ausgeprägte, und solche überlangen Buchstaben sind noch auffallender geneigt. Das Schriftbild zeigt im ganzen eine nicht ungeübte Schreiberhand aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, möglicherweise aus dem letzten Dritttel. Im allgemeinen schreibt Fuchs deutliche, doch nicht immer mit Sorgfalt. Besonders die letzten Seiten zeigen sichtbar Eile, worunter das Schriftbild zu leiden hat."
Miracula Christi
-Gedicht zum Lobe Mariens und deutsche Sprüche. Lateinische und deutsche Handschrift auf Papier
Los 1026
Schätzung
400€ (US$ 455)
Miracula Christi per Claudianum. Distichen-Gedicht zum Lobe Mariens und deutsche Sprüche. Lateinische und deutsche Handschrift auf Papier. 2 S. auf 1 Bl. Ca. 28 Zeilen. Schriftraum ca. 14 x 7,5 cm. Format ca. 15,5 x 10,5 cm. Bastarda und Kurrentschriften in Sepiatinte. Deutschland Anfang 16. Jahrhundert.
Hüsches Spruchfragmentblatt mit den bekannten Distichen "Miracula Christi", die traditionell dem Dichter Claudius zugeschrieben wurden (Ps. Claud. carm. min. app. 21 = Anth. Lat. 879 R.2). Es handelt sich um eine interessante, extrem verkürzte Fassung der Evangelientexte in wenigen Distichen:
Miracula Christi per Claudianum
Angelus alloquitur Mariam, quo praescia uerbo
Concipiat salua uirginitate deum.
Dant tibi Chaldaei praenuntia munera reges:
Myrrham homo, rex aurum, suscipe tura deus.
Permutat lymphas in uina liquentia Christus, 5
Quo primum facto se probat esse deum.
Quinque explent panes, pisces duo milia quinque,
Et deus ex paruo plus superesse iubet [...]
Das Fragmentblatt ist wohl bis dato unbekannt und sicher eine willkommene Bereicherung der Forschungsarbeit des Francesco Lubian, Un caso di riscrittura metrica 'ultrabreve' dei vangeli: i distici Miracula Christi, in: Studia patristica vol. 85 (2017) S. 51-64).
Darunter sind zwei deutsche Sprüche eingebracht, der erste liest sich:
Stene kan man kopen und uns darnache bedenken
God wil uns dorch sin wordt erwecken
Dat maket de loue an Jesum Christ
De vor uns middeler worden ist
Verso weitere zahlreiche Einträge mit mehreren Sprüchen in lateinischer und auch in griechischer Sprache. – Leicht fleckig, gebräunt und mit etwas Tintendurchschlag, insgesamt aber wohlerhalten. Beiliegen Transkriptionen des Germanisten und Mediaevisten Gerhard Eis (1908-1982) und weitere Materialien.
Eleazar und der verlorene Sohn
Fragmente aus zwei biblischen Erzählungen. Deutsche Handschrift auf Papier. Süddeutschland (Zell?) 1542 und 1545.
Los 1027
Schätzung
1.000€ (US$ 1,136)
Mit lavierten Federzeichnungen von Reiterzügen
Eleazar und der verlorene Sohn. Fragmente aus zwei biblischen Dichtungen, Textschluss auf Bl. 3v. Deutsche Handschrift auf Papier. 3 Bl. mit 6 S. Schrift. Gotische Kursive. Format: 17,5 x 13 cm, an den Rändern beschnitten. Mit 3 Zeilen Notensystemen und mehreren lavierten Federzeichnungen in Sepiatinte. Moderner Pappeinband. Süddeutschland (Zell?) 1542 und 1545.
Zwei deutsche Textfragmente mit dem Bruchstück eines Gedichtes vom verlorenen Sohn, datiert 26. Mai 1542 sowie dem Fragment eines Gedichtes vom "Eleazar", datiert auf den 2. April 1545.
Es handelt sich um Nacherzählungen in lockeren, umgangssprachlichen Versen des Schlusses der biblischen Geschichte des verlorenen Sohnes nach Lukas 15: 11-32 (Bl. 1) und der vollständigen Geschichte des weisen Eleazars, der sich lieber von den Schergen des Königs Antiochus umbringen lässt als Schweinefleisch zu essen oder vorzugeben, dies zu tun, nach 2 Makkabäer 6: 18-31 (Bl. 2-3). – Saubere, gut leserliche Handschrift, etwas fleckig und gebräunt, einige kleine Löchlein und Randläsuren. Mit mehreren hübschen Randzeichnungen und Federproben, darunter Reiter auf wunderlichen, raupenähnlichen Pferden sowie ein Reiterzug (wohl als verspielter Ausstrich eines Vermerkes auf Bl. 2v). Letzte Seite mit Zeichnungen von Häusern in Sepia und zwei Figuren (Holzfäller?) in roter Tinte.
Provenienz: Besitzeintragungen "Georg Rues" und "Georg Riebstäschel Zur Zell Anno 1673." Im Vorderdeckel der Besitzername Schoeppl und der rote Stempel Archiv Schöppl (19. oder 20. Jh.). Aus der Sammlung des Heidelberger Germanisten Prof. Dr. Gerhard Eis (1908-1982), hier mit der Signatur Hs. 148. Im Vorderdeckel der Vermerk „gekauft 21. V. 1966 von Jacques Rosenthal".
Weinmeister, Georg
Zwei Briefe an den Ingolstädter Zöllner Georg Weinmaister
Los 1028
Schätzung
200€ (US$ 227)
Briefe des Ingoldstädter Zöllners
aus Straubing an der Donau
Weinmeister, Georg. Zwei Briefe an den Ingolstädter Zöllner Georg Weinmaister. Deutsche Handschrift auf Papier. 2 Bl., 2 S., verso Regesten. 24-25 Zeilen. Schrift: Kanzleibastarda. Format: 27,5 x 20 bzw. 30,5 x 20,5 cm. Mit einigen kalligraphischen Auszeichnungen. Straubing, wohl 1565 und 1567.
Zwei Briefe an den Ingolstädter Zöllner Georg Weinmaister zu Steinbach (Rat und Mautner zu Ingolstadt 1550-1571). "In der Franziskanerkirche zu Ingolstadt hängt ein Epitaph in Solnhofer Stein mit nachstehender Inschrift: Anno domini 1571 den 1. Tag July starb der ernvest Jörg Weinmaister gewesner Fürstl. Rhat und Zolner alhie seines alters 72 Jar. Anno 15. den tag starb die erbar und tugendsam fraw Katharina Winmanin on Starenberg sein Eheliche Hausfraw. Denen got genedig sei. Amen. Das ist alles, was wir von ihm wissen" (Brief Günzinger, Stadtarchiv Ingolstadt, an Gerhard Eis). – Gebrauchsspuren, Schnitte, Leimreste, sonst ordentlich und gut lesbar. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 72.
Rosarium philosophorum
Alchemistische Sammelhandschrift. Deutsche Handschrift auf Papier.
Los 1029
Schätzung
8.000€ (US$ 9,091)
"Aristotelles dem Fürsten Allexander" - mit einem deutschen Gedicht auf den "Stein des Weisen"
Rosarium philosophorum. - Alchemistische Sammelhandschrift. Deutsche Handschrift auf Papier. 114 nn. Bl. Kursive Schrift von drei oder vier Schreibern. Format: 21,2 x 15,6 cm. Klappenband d. Z. (leicht abgegriffen, gebräunt, etwas angeschmutzt, gelegentlich stärker berieben, etwas bestoßen, nur winzige Einrisse an Gelenken) mit blindgeprägtem Schweinslederbezug. Schweiz, Ende 16. bis Anfang 17. Jahrhunderts.
"Aristotelles dem Fürsten Allexander" und "Ross gartt der weysen" - Ein umfangreiches Kompendium alchemistischer Werke, die zusammen das alchemistisches Grundwissen ihrer Zeit vermitteln. Enthalten sind folgende Schriften. Besonders hübsch ist auch die kleine Federzeichnung "Hic est furnus sancti thomae de aquino" (S. 84v, alte Zählung "16).
1) Pseudo-Aristoteles an den Fürsten Alexander über die Alchemie (Bl. 1r-7v)
2) 'Schrift der Verkündung' mit zeitgenössischen Randbemerkungen (Bl. 7v-33v)
3) Pseudo-Arnald von Villanova: Brief an Papst Bonifaz VIII. (Bl. 34r-43r)
4) Arnald von Villanova (?): Rosengaert der Weisen (Bl. 49r-73v)
5) Pseudo-Thomas von Aquin: Etlich Kunst der Philosophie (Bl. 77r-92v), mit einer Federzeichnung des Ofens des Thomas von Aquin auf Bl. 84v.
6) Pseudo-Raymundus Lullus: Lux mercuriorum (dt.), anschließend alchemistische Rezepte (Bl. 94r-100r)
7) Lapis. Dt. Gedicht über den Stein der Weisen (Nachtrag von anderer Hand) (Bl. 103r-105r)
Auf leergebliebenen Blättern (1r-1v, 23v, 43r-46r, 73v. 106v-109v, 113v-114v) wurden im Zeitraum 1650-1694 persönliche und geschäftliche Aufzeichnungen von Mitgliedern der in der Ostschweiz (u.a. Lausanne) ansässigen Familien Krachbeltz, Criblet und Sechaux eingetragen. – Nur ganz vereinzelt etwas fleckig, wenige Randverstärkungen, Vorsätze stärker angestaubt und gedunkelt, wenige Seiten leicht angeschmutzt zum Schluss. Die unbeschriebenen Blätter meist blütenweiß. Der bemerkenswert schöne Klappenband mit reicher Blindprägung im Schweinsleder ist teils leicht abgegriffen und etwas angeschmutzt, zeigt neben Floralvignetten Blindstempel mit Eicheln und jeweils eine elegante Rolle mit den sieben Kardinaltugenden.
Provenienz: Besitzvermerk des 17. Jhs. ‚Dism Buch ist mein Hans Jacob Maybach‘ (Bl. 7r). Antiquariat Jacques Rosenthal 09/1965. Aus der Sammlung des Heidelberger Germanisten Prof. Dr. Gerhard Eis (1908-1982), hier mit der Signatur Hs. 145. Beiliegend mehrere Briefe und Notizen, teilweise von Gerhard Eis, die Hs. betreffend.
Dialogus oder gesprech von dem absterben
Friderici Staphyli. Deutsche Handschrift auf Papier. Um 1600. - Abschrift
Los 1030
Schätzung
180€ (US$ 205)
Ein Dialogus oder gesprech von dem absterben Friderici Staphyli. Deutsche Handschrift auf Papier. 27 nn., 3 unbeschr. Bl. Ca. 23-24 Zeilen. Schrift: Bastarda currens. Format: 19,4 x 15,6 cm. Moderner Kleisterpapier-Umschlag. O. O. um 1600.
Etwas spätere Abschrift einer 1564 erschienenen Schrift über den doppel-konfessionellen lutherisch-protestantischen und römisch-katholischer Theologen Friedrich Staphylus (1512-1564). "Der Beitrag stellt ein Beispiel für den wirksamen Einsatz theatralischer Mittel im Kontext der reformatorischen Polemik vor. Im Jahr 1564 veröffentlichte ein unbekannter protestantischer Autor einen theatralischen Dialog über den Tod von Friedrich Staphylus, einem ehemaligen Protestanten, der konvertiert war und schließlich Superintendent der katholischen Universität Ingolstadt wurde. Der Dialog ist Teil eines längeren Streits über Staphylus und seine gegenreformatorische Lehre sowie über die Frage nach einem angemessenen 'christlichen Tod'. Er bedient sich des Musters von Lukians Dialogen der Toten, um einen 'Augenzeugenblick' in die jenseitige Welt und den Besitz der Wahrheit zu beanspruchen, dem diejenigen, die nur eine 'weltliche' Perspektive haben, nicht widersprechen können" (Cora Dietl, Two Perspectives on a 'Wrong Saint': Ein Dialogus oder Gespreche von dem absterben Friderici Staphyli, 1564, EMD 24 2020, S. 135-164). Vgl. den Druck bei VD16 P 1357. – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 203. Vorsatz mit Stempel "Prof. Dr. Gerhard Eis" und eigenhändigem Zusatz in Bleistift: "Gekauft am 15. I. 72 von Jacques Rosenthal, Eching". Auf dem letzten weißen Blatt verso weitere umfangreiche Einträge von Gerhard Eis (1908-1982).
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