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Lot 7121, Auction  127, Hubbuch, Karl, Tanzende Paare

Hubbuch, Karl
Tanzende Paare
Los 7121

Schätzung
900€ (US$ 1,023)

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Tanzende Paare
Kreide in Schwarz auf Skizzenblockpapier. 1928.
22,9 x 31,6 cm.
Unten rechts mit dem Nachlaßstempel, dort von Ellen Hubbuch signiert.

Engtanz. Dicht beieinander bewegen sich die beiden Paare, karikaturhaft verzerrt ihre Gesichter und die Gestalten. Der vehement bewegte zeichnerische Stil wird dem Sujet wunderbar gerecht, und sogar die vielfach gezogenen Konturen scheinen im Takt der Tanzmusik zu schwingen.

Provenienz: Privatbesitz Rheinland

Lot 7122, Auction  127, Hubbuch, Karl, Rue Rochechouart

Hubbuch, Karl
Rue Rochechouart
Los 7122

Schätzung
4.000€ (US$ 4,545)

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Rue Rochechouart
Öl auf Malpappe. Um 1957.
67 x 94 cm.
Unten rechts mit dem Signatur-/Nachlaßstempel.

Von Paris ist Hubbuch fasziniert. Er registriert, analysiert und dokumentiert auf seinen Reisen dort malerisch und in zahlreichen Zeichnungen das Alltagsleben auf der Straße. Im Verlaufe der 1950er/1960er Jahre schließt er hier wieder an seine sozialphysiognomischen Darstellungen von 1933 an. In der Metropole entstehen Arbeiten mit hektischem Verkehr, Passanten und Bewohnern, die das Gesicht der französischen Hauptstadt, "den Habitus und die Mentalität der sie bevölkernden Menschen zu einem lebendigen, kulturhistorischen Milieu verdichten" (vgl. Wolfgang Hartmann, Karl Hubbuch. Der Zeichner, Wilhelm-Busch-Museum Hannover, 1991, S. 27). In der vorliegenden Darstellung scheinen die geschäftig-gehetzten Frauen mit den städtischen Fassaden zu verschmelzen. Die Darstellung wertet nicht, sie zeichnet eher aus Solidarität ein Bild der Stadtbewohner und Zeitgenossen. Zum Motiv der Hausfrauen in der Rue Rochechouart entstehen 1957 mehrere Kompositionen Hubbuchs.

Provenienz: Nachlass des Künstlers / Ellen Hubbuch (dort 1992 erworben)
Privatbesitz Hessen

Lot 7123, Auction  127, Mammen, Jeanne, Turcy

Mammen, Jeanne
Turcy
Los 7123

Schätzung
3.000€ (US$ 3,409)

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"Turcy"
Aquarell und Bleistift auf Velin. Um 1925.
18 x 12,5 cm.
Unten rechts mit Bleistift monogrammiert "JM", oben rechts betitelt.

Subtil und treffsicher zeichnet Jeanne Mammen die Chansonette Andrée Turcy. Der sensible und behutsame Umgang mit ihrer Figur prägt das kleine, locker und mit schwingenden Bleistiftlinien konturierte Aquarell. Die Künstlerin zeichnete keine Karikaturen, anders als George Grosz, und sie war auch nie von jenem Wahrhaftigkeitsdrang getrieben, der Otto Dix die unvorteilhaften Züge seiner Zeitgenossen hervorheben ließ. Mammen besaß auch ohne deren Aggressivität und extreme Unbedingtheit eine ebenso genaue und scharfe Beobachtungsgabe wie ihre Kollegen. "Die zarten, duftigen Aquarelle, die Sie in Magazinen und Witzblättern veröffentlichen, überragen das undisziplinierte Geschmier der meisten Ihrer Zunftkollegen derart, daß man Ihnen eine kleine Liebeserklärung schuldig ist (...)" (Kurt Tucholsky, Antwort an Jeanne Mammen, in "Die Weltbühne", 25. Jg., 06.08.1929, Heft 32, S. 225).

Provenienz: Ehemals Galerie Valentien, Stuttgart (mit deren Klebeetikett verso auf das Passepartout montiert, dort typographisch bezeichnet)
Grisebach, Berlin, Auktion 01.12.2001, Lot 684
Privatbesitz USA

Lot 7124, Auction  127, Mammen, Jeanne, Frau mit Kappe und Krawatte

Mammen, Jeanne
Frau mit Kappe und Krawatte
Los 7124

Schätzung
1.800€ (US$ 2,045)

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Frau mit Kappe und Krawatte
Bleistift auf Velin. Um 1935/40.
49 x 38 cm (Passepartoutausschnitt).
Unten rechts mit Bleistift monogrammiert "JM".
Döpping/Klünner Z 646.

Mutig und selbstbewusst treten beide auf, Modell und Künstlerin: Das charaktervolle Portrait zeigt die Dame mit markanter Physiognomie, kantigem Kinn und geschlossenen Augen. Ihr Gesicht unter der kecken Kappe und die traditionell männlichen Accessoires schildert Mammen mit leichter, sicherer Hand, schnellem Strich und flächigen Bündeln kurzer Schraffuren. Zugleich spürt man ihren feinsinnigen Umgang mit der Erscheinung der Dargestellten, der eine genaue und scharfe Beobachtungsgabe mit großer Menschenfreundlichkeit in Einklang bringt. Seit den frühen 1930er Jahren entstanden in ihrem Werk zahlreiche Blätter, Bleistift- und Federzeichnungen auf einfachem Zeichenpapier.

Provenienz: Grisebach, Berlin, Auktion 27.11.2004, Lot 715
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

Tappert, Georg
Vagabundin (Alte Frau unterm Baum)
Los 7125

Schätzung
1.500€ (US$ 1,705)

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"Vagabundin" (Alte Frau unterm Baum)
2 Bl. Holzschnitt und Farbholzschnitt auf feinem Velin bzw. dünnem, silbrig beschichtetem Japan. 1908/09.
17 x 12 bzw. 17,2 x 12,3 cm (36,4 x 25,1 bzw. 17,5 x 12,7 cm).
1 Bl. signiert "G. Tappert" und betitelt.
Wietek 28, Karsch H 7.

Zwei Druckvarianten desselben, sehr raren Motivs, eine in Schwarz und eine zudem mit Ocker und Blau gedruckt. Die silbrige Beschichtung auf dem feinen Japanpapier der farbigen Variante verstärkt die Kontraste und ruft den Eindruck einer verschneiten Landschaft hervor. Ganz ausgezeichnete Drucke mit breitem bzw. kleinem Rand. Äußerst selten.

Provenienz: Sammlung Gerhard Wietek, beide verso mit dessen violettem Sammlerstempel (nicht bei Lugt)

Lot 7126, Auction  127, Tappert, Georg, Stehende mit geschlitztem Rock

Tappert, Georg
Stehende mit geschlitztem Rock
Los 7126

Schätzung
900€ (US$ 1,023)

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Stehende mit geschlitztem Rock
Aquarell, Bleistift und farbige Kreiden auf Skizzenblockpapier. Wohl 1930.
38 x 27,5 cm.
Verso von Annalise Tappert mit Bleistift signiert und bezeichnet "Aquarell von Georg Tappert" sowie "10".

Offenherzig präsentiert die stehende Frau, wohl aus dem Berliner Bordell- und Cabaret-Milieu, ihren üppigen Körper. Georg Tappert wählte bereits früh die großstädtische Halbwelt zum Thema seiner Kunst: Chansonetten, Nackttänzerinnen, exotische Artistinnen, Bardamen und Straßendirnen dienten ihm als Modelle. Mit großem Einfühlungsvermögen widmete er sich den Menschen in all ihren Facetten, ohne dabei der kühlen Distanz der Neuen Sachlichkeit oder dem sozialkritischen Verismus der Zeit zu verfallen. Sein lebendiger, spontaner Duktus spiegelt die Impulsivität, mit der sich der Künstler seinem Motiv nähert, und die Zartheit und Sensibilität der Aquarellierung verleiht der Frau bei aller üppigen Körperlichkeit etwas Durchscheinendes, Verletzliches. Vorstudie zu Tapperts 1930 entstandenem Gemälde (vgl. Ketterer, München, Auktion 386, 10.12.2011, Lot 85).

Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

Lot 7127, Auction  127, Overbeck, Gerta, Kartenspieler

Overbeck, Gerta
Kartenspieler
Los 7127

Schätzung
3.800€ (US$ 4,318)

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Kartenspieler
Aquarell, Deckweiß und Pinsel in Schwarz auf Skizzenpapier. 1927.
27 x 23,6 cm.
Unten links mit Bleistift signiert "G. OVERBECK" und datiert.

Ein Trio beim Kartenspiel in einer schummrigen Kneipe. Die in dichter Räumlichkeit komponierte Szene ist dominiert von den sorgfältig gezeichneten Figuren im Vordergrund, die im Beieinander einen Moment der sorgenfreien Entspannung finden. Im Mittelpunkt von Gerta Overbecks unbestechlichem Blicks steht der Mensch. Die Malerin der Neuen Sachlichkeit suchte sich, wie ihre Künstlerfreundin Grethe Jürgens, ihre Sujets im proletarischen Milieu, im Alltagsleben der kleinen Leute mit ihren Sorgen, Freuden und Nöten, bedroht von Armut und Arbeitslosigkeit. Auch die Künstlerin selber lebte unter ärmlichen Bedingungen und trat später der Kommunistischen Partei bei.

Provenienz: Galerie Krokodil, Hamburg
Privatbesitz Schleswig-Holstein
Privatbesitz Rheinland

Literatur: Doris Müller, Gerta Overbeck. Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphik der 1920er Jahre, Münster 2002 (Kat.-Nr. 19, mit Abb.)

Lot 7128, Auction  127, Barlach, Ernst, Der Buchleser (Lesender Mann im Wind)

Barlach, Ernst
Der Buchleser (Lesender Mann im Wind)
Los 7128

Schätzung
18.000€ (US$ 20,455)

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Der Buchleser (Lesender Mann im Wind)
Gips, mit Schellack gefasst. 1936.
46,3 x 20 x 34 cm.
Laur 599, Schult 472.

Eine Personifizierung von kontemplativer Ruhe und Besonnenheit: Der Mann scheint zu lesen und doch gleichzeitig den Blick in die Ferne zu richten. Vornübergebeugt sitzt er, in seine Lektüre vertieft, auf einem kleinen Hügel, die Ellenbogen auf den Knien aufgestützt. Sein Körper bildet, im Profil betrachtet, vom Boden über den Rücken bis zum Kopf eine geschlossene Halbkreisform, die auf der Vorderseite der Figur strahlenförmig aufgebrochen wird. Das schwere bodenlange Gewand des Buchlesers, das seitlich und über Armen und Schienbeinen große Falten bildet, unterstreicht seine geerdete, fast meditative Ausstrahlung: Wie ein Fels in der Brandung wirkt die monumentale, bodenständige Erscheinung. Diese Monumentalität ist zahlreichen Skulpturen Barlachs zu Eigen, die er nach prägenden Eindrücken vom bäuerlichen Leben auf seiner Russlandreise 1906 schuf. Das Motiv des Lesens stand an zentraler Stelle in seinem zeichnerischen und bildhauerischen Werk. Besonders im Hinblick auf die infamen Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten 1933 prangert er mit seinem "Buchleser" mutig die Beschneidung der Freiheitsrechte bezüglich einer selbstgewählten Lektüre an. Barlach selbst litt unter Verfemung im Dritten Reich: Zahlreiche seiner Werke wurden 1937 aus Museen, Kirchen und von öffentlichen Plätzen entfernt. Es handelt sich wohl um ein Werkmodell Barlachs für den entsprechenden, 1937 entstandenen Bronzeguss (Laur 600). Laur sind drei weitere Stuccogüsse bekannt, alle heute in Museumsbesitz.

Provenienz: Privatbesitz Norddeutschland

Lot 7129, Auction  127, Wunderwald, Gustav, Märkisches Dorf

Wunderwald, Gustav
Märkisches Dorf
Los 7129

Schätzung
7.500€ (US$ 8,523)

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Märkisches Dorf
Öl auf Holz. Um 1930.
50 x 70 cm.
Unten rechts signiert (in die feuchte Farbe geritzt) "G. Wunderwald", verso (wohl von fremder Hand) mit Bleistift betitelt und zweifach mit dem Nachlaßstempel.
Reinhardt 167.

Ein anonymes und zugleich vollkommen charakteristisches märkisches Dorf unter grau verhangenem Himmel, der dennoch die Häuser und kahlen Bäume in hellem, klarem Licht erscheinen lässt. Ganz ohne figürliche Staffage erstreckt sich die sandige, ungepflasterte Dorfstraße zentral und bestimmend von vorne nach hinten durch die Komposition. Mit akribischer Gründlichkeit des feinen Pinsels, pastosem Farbauftrag und zurückhaltendem Kolorit widmet sich der Künstler der unterschiedlichen Beschaffenheit der schlichten Wohnhäuser, ihrer Fassaden, Fenster und Zäune ebenso wie der Natur. "Die Redlichkeit und Akribie der Schilderung des Vorgefundenen, die Wunderwalds Berlin-Berichte auszeichnen, findet man auch in den Sommer- und Winterlandschaften Ostpreußens und der Mark." (Hildegard Reinhardt, Gustav Wunderwald (1882-1945), Hildesheim 1988, S. 29).

Provenienz: Nachlass Gustav Wunderwald
Ehemals Galerie Gunzenhauser, München
Privatsammlung Berlin

Ausstellung: Neue Sachlichkeit - 12 Maler zwischen den Kriegen, Galerie Gunzenhauser, Köln 1975, Kat.-Nr. 35 (Abb. S. 21)
Gustav Wunderwald. Gemälde, Handzeichnungen, Bühnenbilder, Berlinische Galerie, Berlin, und Städtische Galerie Albstadt 1982/83, Kat.-Nr. 86

Lot 7130, Auction  127, Fritsch, Ernst, Sanssouci

Fritsch, Ernst
Sanssouci
Los 7130

Schätzung
3.500€ (US$ 3,977)

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Sanssouci
Öl auf Leinwand. 1927.
60 x 73 cm.
Unten links mit Pinsel in Rot signiert "E. Fritsch" und datiert, verso mit Kreide in Rot bezeichnet "50".

Eine völlig undramatische Szene: Vorbei am Bahnhof Sanssouci mit seinem alten Bretterzaun und wehenden Fahnen spaziert die junge Frau und ist in der Rückenansicht mit deutlicher Distanz zum Betrachter in einer unprätentiösen, kühlen und herben Formensprache gezeichnet. Schattenlos, in leuchtend heller Farbigkeit und ganz im Stil der Neuen Sachlichkeit erfasst Fritsch, dessen frühes Schaffen noch von einem kubistisch-expressionistischen Stil dominiert war, die sommerliche Szenerie. Der Berliner Maler war seit 1919 Mitglied der damals von Lovis Corinth geleiteten Berliner Sezession und der Novembergruppe. Seit 1925 war er bei Ausstellungen der Neuen Sezession in München vertreten, 1946 wurde er Professor an der Berliner Hochschule für Bildende Künste. Heute wird er der "Verlorenen Generation" zugerechnet.

Provenienz: Grisebach, Berlin, Auktion 41, 26.11.1994, Lot 215
Privatsammlung Berlin

Radziwill, Franz
Zehn Radierungen
Los 7131

Schätzung
8.000€ (US$ 9,091)

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Zehn Radierungen
10 Bl. Radierungen auf festem Velin. 1922.
Ca. 19,5 x 24 cm (34 x 49 cm).
Alle signiert "Fr. Radziwill".
Presler 13-22.

Die komplette Folge von Radierungen. Von der geplanten Auflage von 60 Exemplaren, herausgegeben von der Werkstatt Lerchenfeld, Hamburg, wurden wohl laut Presler lediglich maximal 35 gedruckt. Zwanzig Mappen wurden von den Nationalsozialisten in Hamburg beschlagnahmt und zerstört. Motivisch beziehen sich die Radierungen teilweise auf Kompositionen in Radziwills Aquarellen und Gemälden. Enthalten sind: "Stilleben", "Mädchen am Tisch", "Ostfriesisches Haus", "Frauen am Strand", "Frauen am Tisch", "Frauen sich kämmend", "Landschaft mit Fabrik", "Landschaft", "Zwei Akte" sowie "Haus und Boot". Ganz prachtvolle, kräftige Drucke mit ausdrucksvollem Plattenton und tief eingeprägter Plattenkante. Sehr selten.

Lot 7132, Auction  127, Fischer-Geising, Heribert, Frau in Grün mit grünem Buch

Fischer-Geising, Heribert
Frau in Grün mit grünem Buch
Los 7132

Schätzung
3.000€ (US$ 3,409)

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Frau in Grün mit grünem Buch
Öl auf Leinwand. 1930.
114 x 62 cm.
Oben rechts mit Pinsel in Orange signiert "Fischer-Geising" und datiert.

Geschult am Stil der Neuen Sachlichkeit, erfasst der Künstler die ruhig sitzende Frauenfigur in leicht stilisierten, klaren Formen und einem kunstvoll übersteigerten Schwerpunkt in der Farbgebung: Grün dominiert nicht nur die Gegenstände und den Hintergrund, sondern bestimmt auch die Schattierungen des subtil gestrichelten Inkarnats. Allein die geometrischen Muster des Schals leuchten kontrastierend blau-rot-orange und verstärken die farbliche Intensität der Komposition. Ausgebildet wurde Fischer-Geising ab 1914 bei Oskar Zwintscher und anschließend bei Robert Sterl an der Königlichen Kunstakademie in Dresden; den Doppelnamen nahm er erst nach dem Ersten Weltkrieg nach seinem Wohnort im Erzgebirge an.

Provenienz: Sammlung Wolfgang Joop und Edwin Lemberg, Potsdam

Lot 7133, Auction  127, Degner, Arthur, Drei Grazien

Degner, Arthur
Drei Grazien
Los 7133

Schätzung
1.500€ (US$ 1,705)

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Drei Frauen
Öl auf Hartfaser.
85 x 65 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert "Degner", verso nochmals mit Pinsel in Schwarz signiert "Degner." sowie mit Bleistift bezeichnet "28" und mit Adressangaben.

Plakativ und als kompakte Gruppe inszeniert, zeigt Arthur Degner drei von locker drapierten Tüchern umhüllte Frauen mit symbolischen Früchten - in Anlehnung an die Drei Grazien, Sinnbilder von Anmut, Schönheit und Freude. Ihre Körper formuliert er mit einem lockeren, großzügigen Duktus, die pastos aufgetragenen, kontrastierenden Farben sowie dunkle Konturen und vereinfachte Formen entsprechen ganz Degners spätexpressionistischer Bildsprache. Wie auch sein Freund Lovis Corinth, der einen großen Einfluss auf ihn ausübte, war Degner einer der wenigen bekannteren Künstler aus den ehemaligen deutschen Ostprovinzen. Beinahe sein gesamtes Frühwerk wurde im Krieg bei einem Bombenangriff zerstört.

Provenienz: Privatbesitz Berlin

Ausstellung: Juryfreie Kunstausstellung, Berlin, 23.04.-15.05.1968, Kat.-Nr. 3 (mit Abb.)

Lot 7134, Auction  127, Ehrhardt, Curt, Unmut

Ehrhardt, Curt
Unmut
Los 7134

Schätzung
1.800€ (US$ 2,045)

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"Unmut"
Öl auf Malpappe. 1953.
40,5 x 33,5 cm (Passepartoutausschnitt).
Unten rechts mit Pinsel in Blauschwarz signiert "C. Ehrhardt", verso datiert und betitelt.

Ein Gemütszustand, umgesetzt als expressiv abstrahierte Komposition. In kleine Farbflächen segmentiert ist das vielfigurige, komplexe Gemälde "Unmut". "Jede wirkende Macht ist real. Ungeheures aber schafft die Transzendenz", notierte sich Ehrhardt bereits 1918 (zit. nach: P. Arlt, Der Maler Curt Ehrhardt, Weimar 2002, S. 82). Ehrhardt kam nach dem Besuch einer Ausstellung des "Sturm" zu der Überzeugung, sich statt den Rechtswissenschaften ganz der modernen Malerei widmen zu müssen. 1918 trat er der neu gegründeten "Novembergruppe" bei. Neben der künstlerischen Avantgarde des "Sturm" und des Blauen Reiters beeinflussten den Künstler der Futurismus und der Orphismus Robert Delaunays. Unter den Nazis verfemt und in der DDR vom offiziellen Kunstbetrieb ausgeschlossen, blieb Ehrhardt auch nach seiner Übersiedlung nach Westdeutschland öffentliche Anerkennung verwehrt, und erst in den letzten Jahren wurde sein Werk wiederentdeckt.

Provenienz: Ehemals Galerie Tableau, Berlin (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite)
Privatbesitz Hessen

Lot 7135, Auction  127, Hegenbarth, Josef, Uhu

Hegenbarth, Josef
Uhu
Los 7135

Schätzung
2.500€ (US$ 2,841)

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Uhu
Leimfarbe auf Velin. 1936.
44,8 x 39,3 cm.
Oben rechts mit Feder in Schwarz signiert "Jos. Hegenbarth".
Zesch B V 595.

Aus gelben Augen blickt der sitzende Raubvogel gerade aus dem Bild. Die krümelige Wirkung der Leimfarben und die weißen kreidigen Punkte unterstreichen in ihrem lebendigen Wechselspiel die Lockerheit der Gestaltung von Gefieder und Tierkörper, der Hintergrund in einem abgetönten hellen Kolorit bleibt lediglich angedeutet. Viele von Hegenbarths Tierstudien entstanden im Dresdner Zoo. "Im Bild des Tiermalers agieren die vierbeinigen und gefiederten Modelle allein, ganz auf sich selbst oder ihre unmittelbare Umgebung konzentriert, arttypisches Verhalten, beobachtet am einzelnen Exemplar oder der Gruppe." (Renate Barth, in: Josef Hegenbarth, Werke aus dem Nachlass, Ausst.-Kat. Weimar 1980, S. 13). Verso eine weitere Zeichnung des Künstlers, "Kaffeehaus", Aquarell und Leimfarbe, gekratzt, um 1925. Das Werkverzeichnis der Handzeichnungen Josef Hegenbarths von Ulrich Zesch wurde online eingesehen am 11.03.2026.

Provenienz: Walter Protze (um 1938)
Nachlassbesitz Hamburg (um 1950)
Hauswedell, Hamburg, Auktion 168, 1969
Galerie Pels-Leusden, Berlin 1972, Nr. 5
Privatbesitz

Ausstellung: Das Tier in der Kunst des XX. Jahrhunderts (1880-1969), Galerie Pels-Leusden Berlin 1969, Nr. 54
Josef Hegenbarth. Aquarelle, Gouachen, Handzeichnungen und Grafiken, Galerie Pels-Leusden, Berlin 1972, Nr. 5

Lot 7136, Auction  127, Jaeckel, Willy, Liegender Akt einer jungen Frau auf rotbraun karierter Decke

Jaeckel, Willy
Liegender Akt einer jungen Frau auf rotbraun karierter Decke
Los 7136

Schätzung
1.800€ (US$ 2,045)

Details

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Liegender Frauenakt
Pastell auf braunem Canson-Velin. Um 1930.
50 x 65 cm.

Wärme und Weichheit dominieren Duktus und Tonalität der Zeichnung. "Demonstriert Jaeckel in der Figurendarstellung einerseits die Beherrschung der unzähligen, klassischen akademischen Posen, so wählt er andererseits auch immer wieder die zwanglose natürliche Haltung des Modells (...). Der Maler fordert den Betrachter geradezu heraus, den an- und abschwellenden Linien der ins Monumentale gesteigerten Plastizität der weiblichen Körperformen zu folgen und den privaten Blick auf das Modell zu wagen. Dabei geht es Jaeckel nicht um die Position des heimlichen Voyeurs, sondern darum, die Situation in ihrer Natürlichkeit als selbstverständlich zu erfahren. Jaeckels Figurenauffassung demonstriert in stilistischer wie soziologischer Hinsicht ein modernes Bild der Frau." (Dagmar Klein-Elsässer, Willy Jaeckel- So war mein Denken, Ausst.-Kat. Miesbach 2000, S. 70).


Provenienz: Nachlass des Künstlers
Privatbesitz Berlin

Lot 7137, Auction  127, Katz, Hanns Ludwig, Nordafrikanische Landschaft (Bahira)

Katz, Hanns Ludwig
Nordafrikanische Landschaft (Bahira)
Los 7137

Schätzung
7.000€ (US$ 7,955)

Details

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Nordafrikanische Landschaft ("Bahira")
Öl auf Holz. 1927/28.
86,6 x 92,2 cm.
Verso mit Kreide in Blau bezeichnet und zweifach betitelt "H.L.KATZ / Frankfurt a/M / Am Kirchberg 27 / 'Bahira'", sowie mit altem Sammlungsetikett.
Hofmann/Krohn 12.

Der Blick schweift von einer Anhöhe in den Sonnenuntergang über die weite, hügelige Küstenlandschaft Nordafrikas, in der Umgebung von Tunis. Nur ein kurzes Stück Bahngleis zeugt von menschlichem Einfluss und führt um die Kurve in einen Tunnel. Hanns Ludwig Katz, der in den späten 1920er Jahren ausgedehnte Reisen unternahm, zählt zu den Künstlern der Verschollenen Generation und emigrierte 1936 nach Südafrika, wo er 1940 verstarb. Vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten arbeitete er zunächst in Karlsruhe und später in Frankfurt am Main; 1919 wurde er im Kunstsalon Cassirer ausgestellt. In den 1920er Jahren entwickelte sich seine expressive Malweise hin zur Neuen Sachlichkeit. Lange Zeit blieb sein Werk nahezu unbeachtet, bis es 1984 von Henri Nannen - dem Stifter der Kunsthalle in Emden - wiederentdeckt wurde. Nannen erwarb einen ersten Grundstock für das Museum, das heute mit elf Arbeiten die größte institutionelle Sammlung seiner Werke beherbergt. Insgesamt sind lediglich 76 Arbeiten von Katz erhalten und bekannt. Selten.

Provenienz: Nachlass des Künstlers
Privatsammlung Südafrika/Thailand
Grisebach, Berlin, Auktion 320, 10.07.2020, Lot 206
Privatsammlung Rheinland

Ausstellung: The Hanns L. Katz (1896 [!]-1940) Memorial Exhibition, Johannesburg 1941 (Umschlagabb.)
Memorial Exhibition. Hanns L. Katz, Lawrence Adler Galleries, Johannesburg 1961, Nr. 18 ("Bahira, North Africa")
Hanns L. Katz, Alexis Preller, Irma Stern, Frans Oerder, Cassirer Fine Art, Johannesburg 1984, Liste Nr. 6 ("Bahira")
Hanns Ludwig Katz, 1892 - 1940, Jüdisches Museum Frankfurt a.M., Kunsthalle Emden (Stiftung Henri und Eske Nannen), 1992, Abb. S. 151 (verso mit deren Ausstellungsetikett)
Hanns Ludwig Katz, South African National Gallery, Cape Town 1993/94

Literatur: E(rnest) U(llmann): Hanns L. Katz Exhibition, in: Jewish Affairs, 16. Jg., April 1961, S. 46

Lot 7138, Auction  127, Jacobi, Rudolf, Brustbild eines Knaben in roter Weste

Jacobi, Rudolf
Brustbild eines Knaben in roter Weste
Los 7138

Schätzung
2.000€ (US$ 2,273)

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Brustbild eines Knaben in roter Weste
Öl auf Leinwand.
51 x 41 cm.
Verso auf dem Keilrahmen mit dem blauen Nachlaßstempel sowie mit den Maßangaben und (von fremder Hand?) bezeichnet "147".

Frische, leuchtende Farben bestimmen das sensibel gestaltete Portrait und betonen die strahlend blauen Augen. Wie häufig bei Jacobis späteren Bildnissen erscheinen die Konturen weich, ein wenig unbestimmt und von einer beinahe irritierenden Unschärfe. Rudolf und Annot Jacobis "Malschule Annot" am Berliner Lützowplatz wurde 1933 geschlossen, da beide sich weigerten, jüdische Schülerinnen zu entlassen. Nach ihrer Emigration in die USA gründeten sie im New Yorker Rockefeller Center die „Annot Art School“. Rudolf Jacobi war einer der wenigen Künstler, die auch in der Emigration berufliche Erfolge mit mehreren Einzelausstellungen feiern konnten.

Provenienz: Nachlass des Künstlers
Privatbesitz Süddeutschland

Lot 7139, Auction  127, Jacobi, Rudolf, Waldlandschaft

Jacobi, Rudolf
Waldlandschaft
Los 7139

Schätzung
1.200€ (US$ 1,364)

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Waldlandschaft
Öl auf Leinwand.
118 x 91 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert "Rudolf Jacobi", verso auf dem Spannrahmen mit den Maßangaben sowie bezeichnet "39".

Mit kurzen horizontalen Pinselhieben schildert Jacobi das Laubwerk der sommerlich grünen Bäume am Waldrand, den Himmel in sanft rosa abgetöntem Blau gestaltet er hingegen mit schräg-vertikal geführtem, lockerem Duktus. Im Zusammenwirken beider Bildzonen entsteht eine duftige, heitere Atmosphäre. Jacobi, einer der bedeutenden Vertreter der sogenannten verschollenen Generation, lebte ab 1926 für zwei Jahre in Paris, wo ihn Maurice de Vlaminck stilistisch beeinflusste. Im Anschluss gründete er in Berlin die Malschule "Annot" und trat der Berliner Sezession bei. Bald nach seinen ersten Ausstellungserfolgen emigrierte Jacobi 1933 und kehrte erst 1967 nach Deutschland zurück.

Provenienz: Privatbesitz Rheinland

Lot 7140, Auction  127, Melzer, Moriz, Segelnder Fischer

Melzer, Moriz
Segelnder Fischer
Los 7140

Schätzung
6.000€ (US$ 6,818)

Details

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Segelnder Fischer
Öl auf Leinwand, auf Hartfaser kaschiert.
60 x 40 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Dunkelbraun signiert "M. Melzer".

Die rhythmische Bewegtheit der See durchdringt die gesamte Komposition. Die Figur des Seglers, sein Boot und die Motive im Hintergrund, Wasser, Wolken und andere Segelboote, verschränken sich miteinander durch ihre Zerklüftung und Aufsplitterung in wuchtige, scharfkantige Formen, so dass sie sich gegenseitig in der Kraft ihres Ausdrucks verstärken. Durch die Varianten der Formgebung und die Farbverteilung entsteht eine ruhige Zone in der unteren Bildhälfte des Vordergrundes und eine vehement bewegte Partie oben im Hintergrund. Melzer "knetet die Welt des Sichtbaren gewaltig um und formt sie nach seinen Gesetzen." (Gerhard Leistner, Streben nach reiner Kunst, in: Moriz Melzer. Werke von 1907 bis 1927, Ausst.-Kat. Ostdeutsche Galerie Regensburg 2007, S. 95). Nach seiner Teilnahme an der Berliner Sezession gründete der aus Böhmen stammende Melzer zusammen mit Pechstein, Tappert und anderen die revolutionäre Novembergruppe.

Provenienz: Privatsammlung Berlin

Lot 7141, Auction  127, Meidner, Ludwig, Selbstportrait mit Haube

Meidner, Ludwig
Selbstportrait mit Haube
Los 7141

Schätzung
6.000€ (US$ 6,818)

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Selbstportrait mit Haube
Öl auf strukturierter Malpappe.1959.
77,5 x 58 cm (Passepartoutausschnitt).
Oben links mit Pinsel in Rotbraun monogrammiert "LM" und datiert.

Mit freundlicher Ruhe blickt Meidner direkt zum Betrachter, den Kopf und Oberkörper nach rechts gewandt. Ein warmes Leuchten überstrahlt das Selbstbildnis des Künstlers, dessen lockerer, lebhafter und zügiger Pinselduktus in seiner Lebendigkeit die Farbwirkung unterstreicht. Mit tupfend aufgesetztem Pinsel modelliert Meidner Höhen, Falten und Strukturen des von großer Lebenserfahrung sprechenden Gesichts. Als Malgrund verwendet er zu dieser Zeit vielfach derartige Malpappen mit geprägter Leinwandstruktur. "Aus den Selbstbildnissen der letzten Jahre sieht uns ein Überlegener an, einer, der überwunden, ein Weiser, der alle Stürme überstanden hat. Einigemal ist in seinem Gesicht gar ein Anflug von Humor wahrzunehmen." (Thomas Grochowiak, Ludwig Meidner, Recklinghausen 1966, S. 217). Wir danken Erik Riedel, Ludwig Meidner-Archiv im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, für freundliche Hinweise vom 22.08.2025.

Provenienz: Privatbesitz New York
William Doyle, New York, Auktion 11.06.2025, Lot 643
Privatbesitz Österreich

Lot 7142, Auction  127, Meidner, Ludwig, Selbstportrait

Meidner, Ludwig
Selbstportrait
Los 7142

Schätzung
5.000€ (US$ 5,682)

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Selbstportrait
Öl auf Hartfaser.
50 x 43 cm.
Oben links mit Pinsel in Dunkelbraun monogrammiert "LM".

Von Müdigkeit keine Spur. Ebenso wach wie seine Umwelt betrachtet der Künstler die eigene gealterte und immer noch pfiffige Physiognomie. Liebevoll und leichthändig modelliert er die wohlvertrauten Züge durch, lässt von oben links ein strahlendes Licht helle Reflexe auf den kahlen Schädel, auf Wange und Nasenrücken werfen und verleiht dem Gesicht eine gesunde, lebendig frische Farbe. Der auf den ersten Blick zurückhaltende, grünbräunliche Hintergrund offenbart bei näherer Betrachtung der dynamischen Pinselzüge eine Vielzahl differenzierter Farbnuancen, die die Konturen des Brustbildes umspielen und oben links, im Bereich des Monogramms, ein wie Abendrot schimmerndes Leuchten erzeugen. Wir danken Erik Riedel, Ludwig Meidner-Archiv im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, für freundliche Hinweise vom 22.08.2025.

Provenienz: Privatbesitz New York
William Doyle, New York, Auktion 11.06.2025, Lot 644
Privatbesitz Österreich

Lot 7143, Auction  127, Meidner, Ludwig, Stilleben mit Heringen, Flasche und Zwiebeln

Meidner, Ludwig
Stilleben mit Heringen, Flasche und Zwiebeln
Los 7143

Schätzung
3.500€ (US$ 3,977)

Details

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Stilleben mit Heringen, Flasche und Zwiebeln
Öl auf Malpappe. 1963.
59,5 x 49,5 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Rot monogrammiert "LM" und datiert.

Ein einfaches Mahl. Zuvor aber dient der Küchentisch Meidner noch als Modellvorlage. "Das Malen muss schnell vonstatten gehen, damit danach der Schmaus noch einigermaßen frisch zubereitet werden kann." (Thomas Grochowiak, Ludwig Meidner, Recklinghausen 1966, S. 211). Zügig, mit weichem und lockerem Duktus erfasst der Künstler die ausgenommenen, silbrig schimmernden Fische und die Zwiebeln vor einem warmen, orangetonigen Hintergrund, den die helle Schüssel und die dunkle Flasche um einem effektvollen Kontrast bereichern. Wir danken Erik Riedel, Ludwig Meidner-Archiv im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, für freundliche Hinweise vom 22.08.2025.

Provenienz: Privatbesitz New York
William Doyle, New York, Auktion 11.06.2025, Lot 646
Privatbesitz Österreich

Lot 7144, Auction  127, Meidner, Ludwig, Weiß gedeckter Tisch mit Blumen

Meidner, Ludwig
Weiß gedeckter Tisch mit Blumen
Los 7144

Schätzung
2.200€ (US$ 2,500)

Details

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Weiß gedeckter Tisch mit Blumen
Öl auf Malpappe. 1961.
56 x 50 cm.
Oben rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert "LM" und datiert.

Wie nach einer Feier quillt der Tisch über vor lauter Blumensträußen und Gefäßen, die sich unordentlich auf der schimmernden weißen Damasttischdecke drängen. Der bequeme Lehnstuhl mit dickem Kissen direkt daneben fordert zum Verweilen auf, und so erscheint die Szenerie wie eine ins Bild gesetzte Einladung, voller Farbe und Lebensfreude. Mit sicherer Hand und ausgewogener Komposition organisiert Meidner die Bildfläche, pastos modelliert sein Pinsel vor dem monochromen, lasierend aufgetragenen Hintergrund dieses sehr lebendige Stilleben. Mit der Familie Kisch, aus deren Besitz das Gemälde stammt, war Meidner bekannt; Bruno Kisch emigrierte nach New York. Wir danken Erik Riedel, Ludwig Meidner-Archiv im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, für freundliche Hinweise vom 22.08.2025.

Provenienz: Ehemals Guido Kisch, Basel (mit dessen Stempel verso)
Privatbesitz New York
William Doyle, New York, Auktion 11.06.2025, Lot 642
Privatbesitz Österreich

Lot 7145, Auction  127, Meidner, Ludwig, Portrait eines Jungen mit Hut und rotem Tuch

Meidner, Ludwig
Portrait eines Jungen mit Hut und rotem Tuch
Los 7145

Schätzung
3.000€ (US$ 3,409)

Details

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Portrait eines Jungen mit Hut und rotem Tuch
Öl auf strukturierter Malpappe. 1963.
59 x 48,5 cm.
Unten links mit Pinsel in Rot monogrammiert "LM" und datiert.

Ein markantes und eigenwilliges Gesicht leuchtet in vielfältig variierten Tonwerten unter dem Schatten der breiten Hutkrempe hervor, darunter blüht ein intensives Rot im Halstuch des Jungen, während die Darstellung in ihrer Gesamtheit der großen Flächen von Hut, Körper und Hintergrund von dunkeltonigen Valeurs dominiert wird. Vehemente Pinselstriche strukturieren diese an sich gedämpften, beinahe stumpfen Farbflächen und verleihen ihnen Lebendigkeit. "Konzentrieren wir unsere Blicke jedoch auf die Gesichter, dann wird unser Erstaunen nicht gering sein über den Reichtum der Palette und über die lebendige und nuancenreiche farbige Instrumentierung von Inkarnat und Haar." (Thomas Grochowiak, Ludwig Meidner, Recklinghausen 1966, S. 212). Wir danken Erik Riedel, Ludwig Meidner-Archiv im Jüdischen Museum, Frankfurt am Main, für freundliche Hinweise vom 22.08.2025.

Provenienz: Ehemals Guido Kisch, Basel (mit dessen Besitzvermerk verso)
Privatbesitz New York
William Doyle, New York, Auktion 11.06.2025, Lot 645
Privatbesitz Österreich

Lot 7146, Auction  127, Gleizes, Albert, Deux bouteilles, un bocal et un pichet

Gleizes, Albert
Deux bouteilles, un bocal et un pichet
Los 7146

Schätzung
2.400€ (US$ 2,727)

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Deux bouteilles, un bocal et un pichet
Bleistift auf gewalztem Velin. 1942.
27 x 21,2 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert "AGleizes" und datiert, verso auf dem Karton mit dem Stempel "ALBERT GLEIZES".
Varichon 2019.

Gleizes' Verbindung zum synthetischen Kubismus ist auch in der späteren, harmonischen Zeichnung noch spürbar. Während die Gegenstände des Arrangements von Gefäßen im Zentrum der Komposition mit dichten Schraffuren sorgsam ausgearbeitet sind, bleibt das Interieur weitgehend angedeutet und dennoch von überzeugender Räumlichkeit.

Provenienz: Rémy le Fur Associes, Paris (mit dessen Klebetikett verso auf dem Karton)
Marco Angelini and Co. Ltd. at St. James´s Art books
Privatsammlung Deutschland
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen

Lot 7147, Auction  127, Thiemann, Hans, Stilleben hinter Blau

Thiemann, Hans
Stilleben hinter Blau
Los 7147

Schätzung
8.000€ (US$ 9,091)

Details

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"Stilleben hinter Blau"
Öl auf Leinwand. 1934-37.
134 x 83 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert "hans thiemann" und datiert, verso auf dem Keilrahmen mit Pinsel in Schwarz nochmals datiert und betitelt.
Essen 15.

Das vielschichtige Vexierspiel zwischen verschiedenen Realitätsebenen und den gestaffelten, in subtil abgestuften Farbwerten gestalteten Raumelementen beherrscht bereits die bedeutende frühe Komposition Thiemanns. Erst kurz zuvor, um 1933, wandte sich der Künstler "jener metaphorisch abstrakten Formensprache zu, die fortan seine Bildwelt bestimmt. Sie führt ihn zurück zu den Grundelementen der abstrakten Malerei, zu Punkt, Linie und Fläche im Sinne seines Lehrers Kandinsky." Mit dieser elementaren Formensprache baut er jedoch eine ganz eigene, metaphernreiche und geradezu dichterische Bildwelt auf. "Hier wird die Nähe zu seinem zweiten großen Lehrer am Bauhaus, zu Klee, spürbar." (Gerd-Wolfgang Essen, Hans Thiemann. Das malerische Werk, Hamburg 1977, S. 15). Es findet sich hier zum ersten Mal ein bevorzugtes Element seiner Bilder: die aufrecht stehende Sprossenleiter, deren zeichenhaften, mehrdeutigen Charakter Thiemann bewusst unbestimmt belässt.

Provenienz: Sammlung Wolfgang Joop und Edwin Lemberg, Potsdam

Literatur: Hans Thiemann und die Berliner Fantasten, Ausst.-Kat. bauhaus-archiv Berlin 2000, Abb. S. 28

Lot 7148, Auction  127, Heldt, Werner, Straße mit Menschenmenge

Heldt, Werner
Straße mit Menschenmenge
Los 7148

Schätzung
3.500€ (US$ 3,977)

Details

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Straße mit Menschenmenge
Pinsel in Schwarz auf dünnem Velin. 1946.
20,8 x 29,5 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz monogrammiert "WH." und datiert.
Seel 370.

Einer Flutwelle ähnlich strömt die Menschenmenge in den Vordergrund und verwandelt die Straße in einen reißenden Fluss. Die Antlitze zeichnet Heldt mit merkwürdig derben, maskenhaft vereinfachten Grimassen, und er sperrt die demonstrierende Menge in die geometrische Form der stilisierten Fassaden ein. Starke Schwarz-Weiß-Kontraste dominieren das Blatt. Bereits um 1935 entstanden Zeichnungen Heldts zum Motiv der Menschenmenge (vgl. z.B. Seel 315), in denen er sich u.a. mit den Thema der Revolution von 1848 auseinandersetzte, und er verfasste zudem 1935 unter dem Titel "Einige Beobachtungen über die Masse" einen Text dazu.

Provenienz: Bassenge, Berlin, Auktion 20, 11.1972, Lot 1199
Privatbesitz Berlin

Lot 7149, Auction  127, Heldt, Werner, Berliner Häuser

Heldt, Werner
Berliner Häuser
Los 7149

Schätzung
1.500€ (US$ 1,705)

Details

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Berliner Häuser
Pinsel in Schwarz auf Velin. Um 1947.
21,2 x 24,2 cm.
Verso mit Kugelschreiber in Blau von Eberhard Seel signiert sowie mit dem Nachlaßstempel, dort mit Bleistift bezeichnet "98".
Seel 477.

Wie fragile Kartenhäuser erscheinen die Gebäude in Werner Heldts "Häuserstilleben". Die Fassaden ruhen schwebend auf einer geschwungenen Linie, fast wie auf einem Boot. Heldt schuf zahlreiche Zeichnungen und Lithographien zum Thema "Berlin am Meer", in denen er die unsichere Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg symbolisiert. "Werner Heldt ist der Maler Berlins in einem besonderen Sinn. Er gibt uns das Bild einer von allem Lokalkolorit entschlackten Stadt. Durch diese Stadt ist der Abgrund der Zeiten gegangen. (...) Ein kalter Wind hat ihre Straßen leergeweht, reingefegt." (Wieland Schmied, Das Werk Werner Heldts, in: Eberhard Seel, Werner Heldt, Köln 1976, S. 8).

Provenienz: Ehemals Dr. Marianne Richter, Berlin
Privatbesitz Berlin

Lot 7150, Auction  127, Heldt, Werner, Stilleben vor Häuserfront

Heldt, Werner
Stilleben vor Häuserfront
Los 7150

Schätzung
7.000€ (US$ 7,955)

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Stilleben vor Häuserfront
Aquarell und Pinsel in Schwarz auf Bütten. 1954.
21,3 x 48 cm.
Unten rechts mit Bleistift monogrammiert "WH." und datiert.
Seel 803.

Konzentriertes und koloristisch wirkungsvolles Stadtstilleben, eines der Hauptmotive Heldts der Nachkriegszeit. Das Arrangement im Vordergrund erscheint monumentalisiert. Mit vereinfachten, geometrisierten Formen und harten Schwarz-Weiß-Kontrasten zeichnet Werner Heldt seine teils klaren, teils ambivalenten und schwer deutbaren Bildgegenstände. Er beschränkt sich auf wenige, klare Farben und versetzt mit einer bogenförmigen Konturlinie zwischen Vorder- und Hintergrund die Komposition in Schwingung. Die kurzen Vertikalen der Fenster in der langen Fassadenfront nehmen mit ihrer rhythmischen Wellenbewegung diesen Schwung auf. Ein kühles, helles Licht erfüllt die Komposition mit jener kristallinen Klarheit, die so charakteristisch für Heldts späte Stadtstilleben ist.

Provenienz: Grisebach, Berlin, Auktion 251, 27.11.2015, Lot 612
Privatbesitz Berlin

[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.

* Alle Angaben inkl. 25% Regelaufgeld ohne MwSt. und ohne Gewähr – Irrtum vorbehalten.


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