Dorfansicht, Straßenflucht
Bleistift, partiell leicht gewischt, auf dünnem bräunlichen Velin. Ende 1940er Jahre.
21,3 x 28 cm.
Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Ausgestorben steht das Dorf, die Häuser intakt, aber unzugänglich, die Bäume amputiert und vollständig ihrer Kronen beraubt. Erratisch verteilt liegen Brocken am Straßenrand, wohl Steine wie kleine Findlinge von abgerundeter, fast elliptischer Form. Das Alltägliche erscheint verändert, in seiner Präsenz verschoben und relativiert. Auch in dieser kleinen, frühen Zeichnung Arnulf Rainers steckt "der Ursatz seines Lebens: dem Vorgefundenen nicht gehorchen." (Christian Rainer, Er hatte seine eigene Temperatur, in: Die Zeit. Nr. 01/2026, zeit.de, Zugriff 23.12.2025).
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 33 (ohne Abb.)
Rainer, Arnulf
Ich warte auf Dich (Stehendes Mädchen mit Zöpfen)
Los 6931
Schätzung
4.500€ (US$ 5,114)
"Ich warte auf Dich (...)" (Stehendes Mädchen mit Zöpfen)
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
44,6 x 23-27 cm.
Unten rechts mit Bleistift (teils schwer lesbar) betitelt sowie verso unten rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Hat sie Boden unter den Füßen? Steht, liegt oder schwebt das Mädchen? Einen Halt bietet nur die krumm-gebogene Diagonale, die sich schwer und dunkel durchs Bild zieht, deren Schattierung eine Räumlichkeit andeutet und doch nicht einlöst. Provozierend stellt Rainer unsere Sehgewohnheiten auf die Probe mit dem experimentellen Blickwinkel, lotet die bildnerischen Möglichkeiten von Perspektive, Fläche und Raum aus und lässt eine relativierte, surreale Bildwelt entstehen, die vor allem einem Bewußtseinszustand zu entsprechen scheint. Er „entdeckt bei einer Ausstellung des British Council in Klagenfurt 1947 die internationale zeitgenössische Kunst (Paul Nash, Francis Bacon, Stanley Spencer, Henry Moore). Rainer beschäftigt sich daraufhin auch mit den surrealistischen Revolutionstheorien und wird davon stark in seiner Arbeit beeinflusst. Insbesondere das Moment der freien Phantasie faszinierte ihn besonders nach den diktatorischen Erfahrungen der nationalsozialistischen Erziehungsanstalt.“ (arnulf-rainer-museum.at, Zugriff 10.02.2026). Verso eine Bleistiftskizze Rainers, "Mann im Profil".
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 37 (ohne Abb.)
Rückenfigur auf Anhöhe
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
45 x 31,2 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer / Besitz / E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Auf dem höchsten Punkt der Anhöhe, einem breiten Baumstumpf, sitzt die Rückenfigur im schlichten Künstlerkittel, den Kopf gesenkt, vollkommen vertieft ins Zeichnen, in fast statuarischer Ruhe. Durch die Raffung des Kittels in der Taille setzt sich die Kurve der Anhöhe derart fort, dass trotz der deutlichen Abgrenzung durch Hell und Dunkel die Trennung zwischen Figur und Natur unklar ist. Struppige Schwärzen gestaltet Rainer in dynamischer, fast eruptiver Heftigkeit, die sich in den durchgedrückten Stiftspuren auf der Rückseite zeigt. "Rainers Zeichnungen haben mir immer sehr gefallen. Ihre Faszination wird im Fett ihrer Graphitschwärze ausgebrütet." (Ernst Fuchs, zit. nach: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ausst.-Kat. Wien 2025, S. 4).
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 57, Abb. S. 16
Rückenfigur auf Anhöhe, zeichnend
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
45 x 31 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer / Besitz / E Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Ikonisch und von monumentaler Statur zeigt Rainer den Künstler - oder die Künstlerin: Aus der extremen Untersicht gesehen, sitzt die Figur zeichnend auf einem Felsbrocken oder Baumstumpf und ist bekleidet mit einem schlichten Künstlerkittel, der die bloßen, mit feinen Wischungen plastisch durchmodellierten Waden freilässt. In den tiefdunklen, heftig-kritzelnd gestalteten Partien, die mit ihrem silbrigem Schimmer einen deutlichen Kontrast zu den großen, transparent-hellen Flächen bilden, deuten sich bereits Ideen seiner künftigen Zeichensprache an.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 56, Abb. S. 21
Rainer, Arnulf
Der Versuch, zu fliegen/flüchten - Schwebender über Kirchturm
Los 6934
Schätzung
6.000€ (US$ 6,818)
Der Versuch, zu fliegen/flüchten - Schwebender über Kirchturm
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
30,5 x 22,5 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer, Besitz E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Die Kette ist gesprengt, ein Rest hängt noch am befreiten Fuß, während der andere Fuß abwehrend dem Betrachter engegengestreckt ist. Die an einem Schirm in den Himmel emporschwebende Figur erscheint in ihrer verzerrten Körperlichkeit kaum unterscheidbar von den charakteristischen, kompakt-massigen Wolken, die sie umgeben. In krasser perspektivischer Verkürzung und kräftigen Konturen, jeweils mit daranhängenden Schattenlinien, entwickelt Rainer die surreale Szenerie. Der Prozess des Zeichnens dient dem Künstler als Mittel und Weg des Bewusstwerdens, es mischen sich Sinnliches und Unbewusstes in diener halluzinativen Vision. Im Jahr 1948 fand Rainer in Bretons Zweitem Surrealistischen Manifest von 1930 seine eigenen Absichten und Nöte bestätigt in der Aussage, dass der Surrealismus "nichts so sehr anstrebe, als vom Intellektuellen und Moralischen her eine Krise des Bewusstseins allgemeinster Art hervorzurufen" (vgl. Wielend Schmied, Hundertwasser und Rainer, in: Arnulf Rainer. Retrospektive 1950-1977, Ausst.-Kat. Kestner-Gesellschaft, Hannover 1977, S. 39).
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 54, Abb. S. 34
Rainer, Arnulf
Fröhliche Kindheit (Mädchen mit Leiterwagen)
Los 6935
Schätzung
4.500€ (US$ 5,114)
"Fröhliche Kindheit" (Mädchen mit Leiterwagen)
Bleistift auf dünnem bräunlichen Japan. Ende 1940er Jahre.
32,8 x 21 cm.
Unten rechts mit Bleistift betitelt, verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer / Besitz / E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Eine rätselhafte Mädchenfigur: Perspektivische und anatomische Verzerrungen lösen ebenso wie das Motiv und der Titel Irritation und Verwunderung aus, zugleich bezaubert die fragile Anmut der Gestalt. Experimentierend führt Rainer den Bleistift in suchenden Linien über das Papier und erfasst den Mädchenkörper sensibel, auf eine existenziell berührende Weise. Er lässt transparente Pfützenformen, die leere Flasche und einen verlorenen Ball neben den Füßen und dem schwingenden Rock des Mädchens schweben, während kompakte Flugkörperchen wie Schmetterlinge vor ihrem Gesicht im leeren Raum flattern. Verso gestrichene Fragmente weiterer Bleistiftzeichnungen Rainers.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 10 (ohne Abb.)
Strichfigur mit Zöpfen
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
42,5 x 24,5 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer / Besitz E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Mit frappierender Präzision begibt sich Rainer ins Feld der Kinderzeichnung. Die energischen, kantig geführten Linien schildern eine flache, durchsichtige Strichfigur mit übergroßem Kopf, die auf einer Bodenlinie steht, daneben die Ur-Wirbelknäuel, die sich auch bereits bei Kleinkindern aus den Bewegungen des impulsiv auf der Stelle kreisenden Stiftes bilden. Stellenweise formt Rainers ungestümer Duktus dynamische Strichbündel, gewissermaßen Ur-Kreuze. Gleichzeitig steht am Himmel eine Strahlenkeis-Sonne, Merkmal der nächsten Etappe kindlichen Zeichnens, weiter unten dann Leitermotive und zentral die kantige Figur, umrahmt von Bäumen und Pflanzen als Elementen der Welt. So unternimmt Rainer eine Reise durch die kindliche Enwicklung von Zeichenfähigkeiten, die eher innere Vorstellungen und Ideen anstatt einer Realität zum Ausdruck bringen.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 43 (ohne Abb.)
Dorfansicht mit Eisenbahn
Bleistift auf dünnem bräunlichen Velin. Ende 1940er Jahre.
22 x 31,7 cm.
Unten rechts mit Bleistift (schwer lesbar, gestrichen) betitelt, verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Die Reise ist hier zu Ende. Der Lokführer sitzt auf der Wiese, eine Weiterfahrt ist unmöglich, denn die Schienen enden, ein Prellbock und zudem noch ein Bretterzaun blockieren den Weg der spielzeughaft wirkenden kleinen Eisenbahn. Vielfach umfährt Rainer die Konturen, verdichtet sie zu einem tiefen Schwarz und erhöht damit die Kontrastwirkung. Charakteristische Strichbündel, Zonen wirrer Verknotungen und Verdickungen formen sich zu kaum deutbaren Gegenständen und durchbrechen mit ihrer impulsiven Vehemenz und Undurchschaubarkeit die nur auf den ersten Blick naiv-kindliche Erscheinung der Zeichnung.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 10 (ohne Abb.)
Zirkus
Bleistift, partiell leicht gewischt, auf dünnem bräunlichen Velin, auf blauen Karton montiert. Ende 1940er Jahre.
17 x 25 cm.
Verso auf dem Karton mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Zu einem dichten Zirkuskonglomerat zusammengeschoben sind Zelte, Wohnwagen, ein Karussell und einige menschliche Gestalten. Mit ihren mumienhaft abgekapselten, runden Körperkonturen korrespondieren diese Figuren mit den ganz ähnlich geformten, am Himmel flottierenden Wolkengebilden. Mehrfach neben- und übereinanderliegende Linien des dicken Bleistifts konturieren die Bildgegenstände, verweigern dabei aber jede Dreidimensionalität. So bleiben die Gegenstände leere Hüllen, irreal und zeichenhaft. Das Gestaltungsprinzip der Zentralisation, angeregt von den Automatismen der surrealistischen Zeichnung und in den frühen 1950er Jahren in Rainers Schaffen zu beobachten, findet hier gewissermaßen ein frühes, gegenständliches Äquivalent.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 32 (ohne Abb.)
Dandy im Salon
Bleistift, aquarelliert und teils leicht gewischt, auf dünnem bräunlichen Velin. Ende 1940er Jahre.
42,5 x 28,5 cm.
Unten rechts mit Bleistift (schwer lesbar) signiert "Rainer (...)", verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Ein nebelhafter Schatten umgibt die schlanke, puppenhafte Figur des elegant gekleideten Dandys. Mit dem übergroßen Hut auf dem schmalen Kopf erscheint er wie ein Gegenbild zum rebellischen Rainer. Zeichenhaft und fast schwebend verteilt der Künstler die flach, beinahe ohne Räumlichkeit umrissenen Gegenstände im spärlich eingerichteten Salon. Sowohl die mit kontemplativer Ruhe geführte Linien als auch die reduzierten, spitzen Formen unterstreichen das Versponnene und Spielzeughaft-Irreale der Szenerie. Verso gestrichenes Fragment einer Zeichnung des Künstlers.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 24
Rainer, Arnulf
Vom Winde verweht - Mädchen horizontal sich an Baum klammernd
Los 6940
Schätzung
4.500€ (US$ 5,114)
Vom Winde verweht - Mädchen horizontal sich an Baum klammernd
Bleistift und Farbstift in Blau auf dünnem bräunlichen Velin. Ende 1940er Jahre.
Ca. 35,5 x 22-25 cm.
Verso unten rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer, Besitz / E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Ein Flugobjekt durchquert den Himmel, ellipsoid und doch unbestimmt in den Konturen, von tiefer Dunkelheit wie alle Bildgegenstände. Da wehen zwei Figuren an den kümmerlichen Stachelbäumen, merkwürdigerweise in entgegengesetzten Richtungen, und eine Amphore sendet Lavabrocken oder Ähnliches in die Luft. Die rätselhaft-phantastische Komposition Rainers lässt mit ihrem breiten Assoziationsfeld und den über die Komposition verteilten symbolischen Bildelementen eine endgültige Deutung offen. Die Geschichte der Zeichnung, ihr Überdauern zwischen Zeichentisch, Atelierboden, Papierkorb und Schublade, ist in den Flecken und Knickfalten, der fehlenden Ecke und den Knitterspuren sichtbar und fühlbar. Darin spiegelt sich zudem das immerwährende Ungenügen Rainers, seine verzweifelte Unzufriedenheit mit seinen bildnerischen Schöpfungen, denn da er die Übermalung noch nicht für sich entdeckt hatte, blieb ihm im Fall der Gruppe surrealistischer Zeichnungen nur das Entsorgen als Methode der Auslöschung. Verso eine Bleistiftstudie des Künstlers, "Sitzende Frau".
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 47, Abb. S. 25
Rainer, Arnulf
Landschaft mit Schornsteinen / Wolken über Anhöhe
Los 6941
Schätzung
3.500€ (US$ 3,977)
Landschaft mit Schornsteinen / Wolken über Anhöhe
2 Zeichnungen, recto/verso. Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
31,9 x 45,4 cm.
Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Zwei Kompositionen, Landschaften mit verzerrten Bäumen und bedrohlich dichten, kompakten Wolkenbrocken über der zu Hügeln aufgewölbten Erde. Die menschenleeren Szenerien spiegeln eher innere als äußere Welten, sind von durchscheinender Helle und fast ohne substantielle Bildtiefe. "Ideengeschichtlich sind die Arbeiten vom Existenzialismus geprägt, der Stimmung der Nachkriegszeit im Westen, die in Österreich über Kafka, Trakl und Kubin, nur beiläufig aber über Sartre, rezipiert wurde. Ästhetisch kommen diese unglaublich starken Bilder von jener Verbindung surrealistischer und fantastischer Ansätze, die sich in breiten Teilen der österreichischen Kunst der 'Stunde null' wiederfindet. (…) Ein erstes Paradox dieses frühen, post-surrealistischen Werks von Arnulf Rainer (und Maria Lassnig) besteht darin, dass es, von heute aus betrachtet, fast nur museumsreife Arbeiten aufweist. Rainers Teil dieses parallelen Schaffens, das er ab 1972 in der Gemeinschaftsproduktion mit Dieter Roth wiederholte, wurde erst spät ausgestellt, da der Künstler die meisten Arbeiten verbrannt, zerrissen und in den Papierkorb gesteckt hatte. Zum Glück lebte er bei seinem Wien-Aufenthalt ab 1948/49 in Untermiete bei Ernst Fuchs, der sie aus dem Papierkorb holte und sammelte." (Robert Fleck, Arnulf Rainer und seine Dynamik 1945 bis 1960, in: Maria Lassnig - Arnulf Rainer. Das Frühwerk, Ausst.-Kat. Lentos Kunstmuseum, Linz 2019, S. 70).
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 46 (ohne Abb.)
Rainer, Arnulf
Liegender Halbakt, Tisch, Industrielandschaft (Hommage an Mantegna?)
Los 6942
Schätzung
5.000€ (US$ 5,682)
Liegender Halbakt, Tisch, Industrielandschaft (Hommage an Mantegna?)
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
34,3 x 24,4 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer, Besitz / Ernst Fuchs".
Rabiat legt Rainer den Akt auf eine blanke Tischplatte inmitten der gespenstisch kargen Industrielandschaft, dazu rätselhaftes Beiwerk wie Schrank, Blatt und eine Art Szepter. Die außergewöhnliche perspektivische Verkürzung des liegenden Aktes erinnert an Andrea del Castagnos Trinitätsfresko bzw. Mantegnas Beweinung Christi, auch wenn der Blick bei Rainer auf den Kopf statt auf die Füße gerichtet ist und er die Proportionen irritierend verzerrt. In speckig glänzender Schwärze liegen die dicken, vehement geführten Bleistiftkonturen auf dem Papier und hinterlassen auf der Rückseite Druckspuren. „Obsessiv und nahezu autistisch zeichnend - das Fett des Bleistifts bestimmt die Papierarbeiten des Frühwerks -, fand er gleichwohl Anschluss an den kleinen Kreis von Literaten und bildenden Künstlern, die ebenso tastend nach der neuen Kunst für eine neue Zeit suchten.“ (Robert Fleck, in: Maria Lassnig - Arnulf Rainer. Das Frühwerk, Ausst.-Kat. Lentos Kunstmuseum, Linz 2019, S. 69).
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 36, Abb. S. 27
Rainer, Arnulf
Sitzende Frau in Rückenansicht, Thonetstuhl
Los 6943
Schätzung
3.500€ (US$ 3,977)
Sitzende Frau in Rückenansicht, Thonetstuhl
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
38 x 29-31 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer / Besitz / E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Genial stellt Rainer einen Einklang zwischen dem Schwung der gebogenen Stuhllehne und dem in die Breite verzerrten Rücken der sitzenden Frau her. Die reduzierte Ästhetik des ikonischen Bistrostuhls, Modell Nr. 18 der Gebrüder Thonet, scheint mit der doppelten Kurve aus Bugholz einerseits das Rückgrat zu ersetzen. Andererseits entsteht im Zentrum dieser Kurve, in der Rückenmitte also, eine beunruhigend transparente Leere. Darüber aber ballt sich eine Rainer'sche Wirrnis. Pelzkragen und Haarschopf der Frau verweisen in der Dunkelheit des verknoteten Liniengeflechts auf die Bedeutung der tiefen, abgründigen Schwärzen im zeichnerischen Werk des Künstlers, in denen die Linie ein Eigenleben entwickelt und sich beinahe verselbständigt.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 42 (ohne Abb.)
Gefällte Bäume
Bleistift, partiell leicht gewischt, auf dünnem bräunlichen Velin. Ende 1940er Jahre.
25,7 x 23,5 cm.
Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Ein verlassenes Trümmerfeld. Die Spuren menschlichen Wirkens zeigen sich in diesem Bild der Verwüstung, nicht jedoch menschliche Präsenz. Mit beinahe grober Gewalt, jede Linie noch mehrfach verstärkend und verdichtend, bringt Rainer die kantigen, tiefdunklen Konturen aufs Papier, verzichtet dabei aber völlig auf Binnenstrukturen und abstrahiert die Gegenstände. Große, grobe, leere Formen füllen das Bild wie Bauklötze, die hingeworfenen Spielzeuge eines Riesenkindes.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 59 (ohne Abb.)
Kahlschlag
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
39,5 x 26,5 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer / Besitz E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Menschenleer ist die Landschaft, nicht sichtbar der Verursacher des Kahlschlags. Massiv und dunkel hängen Wolken, Vögel oder andere Rainer'sche Schwebekörper und Himmelserscheinungen statisch in der Luft, von gleicher Kompaktheit und dichten Materialität wie das Bergmassiv und die toten Bäume. In den Binnenstrukturen finden sich hingegen variierte spielerisch-ornamentale Ausgestaltungen. Zwar verankern kurze Schatten die liegenden Stämme am Untergrund, doch scheint die im Bildzentrum zusammengedrängte Landschaft als Ganzes haltlos in der hellen Bildfläche zu schweben. Darin verteilen sich kleinere organische Strukturen und Wesenheiten, insekten- oder amöbenhafte Formen, und lassen an die bald darauf in Rainers Zeichnungen zu findenden Infusorien denken. Verso eine Landschaftsskizze des Künstlers.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 13 (ohne Abb.)
Wasserwelt I (Die Gestürzten stehen auf)
Lithographie auf Maschinenpapier. 1950/51.
42,4 x 65 cm (ca. 46,5 x 68 cm).
Signiert "Arnulf Rainer" und datiert.
Breicha L 3.
Engmaschig miteinander verwobene Partikel, kleine Lebewesen und Feinstrukturen bilden eine Mikro-Unterwasserwelt. Wohl eines der 20 Künstlerexemplare, neben der Auflage von 50 Exemplaren der Mappe "Cave Canem", erschienen anlässlich der Ausstellung der Hundsgruppe, Wien 1951, bei deren Eröffnung es zu Rainers berühmter, skandalträchtiger Publikumsbeschimpfung kam. "Diese Aktion wurde als 'das erste dokumentierte Happening in Wien' eingestuft." (Maria Lassnig - Arnulf Rainer. Das Frühwerk, Ausst.-Kat. Lentos Kunstmuseum, Linz 2019, S. 35). Zur Vorbereitung vgl. Los 6922. Prachtvoller Druck mit Randfragmenten.
Ausstellung: Arnulf Rainer, TRRR. Zeichnungen 1947-51, Ausst.-Kat. Galerie Ariadne, Wien 1969, Abb. 46
Wasserwelt II
Farbstifte über Lithographie in Braun auf Maschinenpapier. 1951.
42,4 x 65 cm (ca. 46,5 x 68 cm).
Nicht bei Breicha.
Zustandsdruck des Breicha unbekannt gebliebenen Blattes "Wasserwelten II", hier mit farbigen Stiften überarbeitet und noch etwas klarer in der Komposition als das endgültige Motiv. Zur Entwicklung dieser Formensprache vgl. Los 6904. Prachtvoller Druck mit Rand. Rarissimum.
Ausstellung: Vgl. Arnulf Rainer, TRRR. Zeichnungen 1947-51, Ausst.-Kat. Galerie Ariadne, Wien 1969, Abb. 47
Arnulf Rainer. TRRR. Zeichnungen 1947-51
Mit 51 Abb. und 1 Farbradierung mit Vernis mou. 1969.
22 x 32,5 cm.
Die Radierung signiert "A Rainer", im Impressum nochmals signiert. Auflage 96 num. Ex.
Die römisch numerierte Luxusausgabe des Ausstellungskatalogs der Galerie Ariadne, Wien 1969, mit einer signierten Farbradierung, "Mann und Frau" (Breicha R 91 V) von Arnulf Rainer. Mit einer Einführung von Otto Breicha. Zum ersten Mal überhaupt dokumentiert dieser maßgebliche Katalog die frühen Zeichnungen des Künstlers und behandelt sie als bedeutende eigenständige Werkgruppe.
[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.
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