Los 84

La Spezia
"Renseignements sur La Spezia". Französische Handschrift auf Papier und grenzkolorierter Lageplan

Schätzung
800€ (US$ 920)

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Los 84 - La Spezia - "Renseignements sur La Spezia". Französische Handschrift auf Papier und grenzkolorierter Lageplan  - 0 - thumb

Aus dem Katalog
Geschichte, Geographie und Reisen
Auktionsdatum 6.10.2026

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Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026

Lot 84, Auction  128, La Spezia, "Renseignements sur La Spezia". Französische Handschrift auf Papier und grenzkolorierter Lageplan

Einzigartiges Dokument zur Militärspionage Frankreichs in den Militäranlagen von La Spezia
La Spezia. "Renseignements sur La Spezia". Französische Handschrift auf Papier und grenzkolorierter Lageplan des Hafenarsenals. 2 Bl. 31 x 19 cm und ca. 22 x 22 cm. Frankreich um 1870.
Klandestin von einem französischen Spion wohl für die Regierung unter Napoleon III. angefertigte handschriftliche Beschreibung der Militäranlagen des Arsenals von La Spezia im italienischen Ligurien am Mittelmeer. Nachdem Napoleon Bonaparte die wegen ihrer tiefen Bucht strategisch enorm bedeutende Hafenstadt im Jahr 1805 als Teil von Ligurien direkt dem Ersten Französischen Kaiserreich angegliedert hatte, wurde La Spezia erst im März 1861 mit der Gründung des Königreichs Italien wieder und "offiziell" italienisch. Schon 1857 wurde der Architekt und General Domenico Chiodo (1823-1870) von dem piemontesische Ministerpräsidenten Cavour beauftragt, Pläne für einen Marinestützpunkt in La Spezia zu erstellen. Dieser entwarf daraufhin das monumentale Militärarsenal von La Spezia ("Arsenale Militare Marittimo"), mit dem das junge Königreich sein Selbstbewusstsein auch gegenüber dem Frankreich Napoleons III. manifestierte. Dieser wiederum unterhielt in dieser Zeit enge diplomatische und militärische Kontakte zu Italien. Französische Ingenieure, Spione und Marineoffiziere beobachteten den Bau des strategisch extrem wichtigen Tiefwasserhafens im sogenannten "Golfo dei Poeti" genauestens.

So zeigt der minutiös auf dünnes Seidenpapier gezeichnete Plan die Bucht von La Spezia, die vorgelagerte Insel Terrizzo, das Küstenprofil und das Hinterland mit allen für die Verteidigung relevanten Einrichtungen wie Berge (M. Castellazo", "M. Parodi" etc.) mit Bastionen und Beobachtungspunkten, die Eisenbahnlinie ("chemin de fer du littoral"), die Festungen ("Fort Muzzerone"), die Militäranlagen "Arsenal", den berühmten Deich "Diga foranea" zur Verteidigung und Abriegelung ("Digue a fleur d'eau") und vieles mehr.

Detailliert beschreibt der Informant auf dem angehefteten Blättchen "Renseignements sur La Spezia" die Einrichtungen in tabellarischer Form: "Inauguration de l'Arsenal": "L'arsenal a été inauguré le 28 Août 1869. A coûté environ 70 millions sans compter les 60 millions nécessites par la digue et les forts" (in Blau hinzugesetzt: "Prix = 130 Millions). Es folgen exakte Angaben zur Anzahl und den Abmessungen und einzelnen Anlagen der Werften ("Darses"), die Trockendocks ("Bassins de radoub"), die Kräne ("Grue ... possède une grue de 160 tonnes", die Schiffbauhellinge bzw. -plätze ("Cales de Construction"), die Kohlevorräte ("Dépôts de charbon"), die Bewehrung mit Waffen ("Artillerie - L'Artillerie est établie à San-Vito") und genaue Angaben über die Munitions- und Sprengstofflager ("Les poudres se trouvent à Panigaglia et dans le Val de Lochi"). Auch die Lagerung der die für die Zündung notwendige Schießbaumwolle findet historisch seine vollkommen richtige Erwähnung ("Le fulmi-coton est a Ferrazzola").

Die Tabellen verso enthalten eine in besonders winziger, wiewohl gut lesbarer Handschrift aufgeführte "Liste des forts, batteries redoutés, ouvrages avancés etc.", gegliedert nach "défendant la passe", "contre un barbardement du large", "contre une attaque de l'Est" und "contre une attaque de NO". Links auf derselben Seite wird der Damm ("Digue") in seiner Lokation, seinen Ausmaßen und seiner Bestückung mit Kannonen etc. detailliert beschrieben: "Digue [...] Sera défendue par les cannoniers 'Castor et Pollux' armées chacune de 2 Canons de 120 K. et par le cuirassé 'Roma' [...]". – Etwas gebräunt, die Eisengallustinte nur auf dem Seidenpapier mit kleinen Einrissen durch geringen Tintenfraß, jedoch ohne Bild- oder Textverluste. - Eindrucksvolles Dokument der französischen Spionage im Risorgimento.


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