Los 55
Alvarez de Colmenar, Juan
(1707–1741)Beschryving van Spanjen en Portugal
Schätzung
42.000€ (US$ 48,276)
Abgabe von Vorgeboten möglich
Aus dem Katalog
Geschichte, Geographie und Reisen
Auktionsdatum 6.10.2026

Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026


EUROPA
In wahrhaft fürstlichem Luxuskolorit: Prachtexemplar in Utrechter Einband aus der Bibliothek von F. C. Koch
(Álvarez de Colmenar, Juan). Beschryving van Spanjen en Portugal. 5 Teile in 1 Band. 6 Bl., 80; 84; 128; 52; 56 S, 32 Bl. Titel in Rot und Schwarz. Mit 10 (5-8-zeiligen) kolorierten und teils goldgehöhten Initialen 4 kolorierten Buchschmuck-Vignetten, gestochener Titel- und Schlussvignette, einem montierten, ausfaltbarem gestochenem Panorama und 164 großen aquarellierten und teils goldgehöhten Textkupfern (darunter 5 flächen- und grenzkolorierte Karten; 16 kolorierte Pläne) sowie mehrfach gefalteter grenz- und flächenkolorierter Kupferstichkarte. 32,5 x 22,8 cm. Dunkelbrauner marmorierter und geglätteter Kalbslederband d. Z. (Gelenke etwas brüchig, Kapitale mit kleinen Einrissen und Läsuren, wenige Riss- oder Fehlstellen, etwas beschabt und bestoßen) über 7 Bünden mit goldgeprägtem RSchild, reiche RVergoldung, doppelten goldgeprägten Palmettenbordüren mit Eckfleurons auf den Deckeln, Blütenstempeln sowie großen inneren und äußeren Eckfleurons, blaugrün marmorierter Schnitt. Leiden, Pieter van der Aa, 1707.
Palau 212. Tiele 123. – Erste holländische und zugleich erste Folioausgabe, hier in einem zeitgenössisch kolorierten Prachtexemplar. Als Autor wurde meist der Leidener Verleger Pieter van der Aa (1659-1733) genannt, doch weisen neuere Forschungen das bedeutende, reich illustrierte Reise- und Geschichtswerk über die Iberische Halbinsel Juan Álvarez de Colmenars zu, Verfasser des im selben Jahr 1707 gedruckten Buches "Les Délices de l’Espagne et du Portugal". Mit dem Untertitel "Qui comprend les six provinces de royaume de Portugal: ou l'on voit une description exacte des antiquitez, des provinces, des Montsgnes, des Villes, des Rivieres, des Ports de Mer, des Fortresses" entspricht der Text weitgehend der vorliegenden holländischen Ausgabe: "waar in, op het naauwkeurigste, al het geene, dat, zoo ten opzigte van hunnen ouden, als tegenwoordigen staat, aanmerkens-waardig, noodig en vermaakelijk om te weeten is, verhaald en door kunstige print-verbeeldingen en land-kaarten aangeweezen werd ... te bereyzen
Beschryving van Spanjen en Portugaal".
So entstammen auch die Textkupfer der französischen Oktav-Ausgabe, sind hier allerdings unvergleichlich viel üppiger in die Typographie eingepasst. Sie zeigen Ansichten von Bilbao, Burgos, Cádiz, Gibraltar, Grenada, Lissabon, Madrid, Sevilla, Toledo etc. Die gefaltete Ansicht mit einem Panorama von Barcelona, die Karte zeigt die iberische Halbinsel. Besonders interessant sind die zahlreichen detailgetreuen Ansichten der islamischen Bauwerke der Nasridenzeit in "al-Andalus" z. B. mit Veduten von Granada und Sevilla, Ansichten der Alhambra und einem Aufriss der Treppenanlagen der berühmten Giralda. Der geschichtliche Teil "Algemeene Beschryving" enthält interessante Darstellungen, beispielsweise der Spanischen Inquisition mit erschütternden Kupfern der Autodafés vor dem Palacio Real in Madrid - hier besonders bildmächtig durch die feinste, nuancierte Kolorierung: "Verooning van de wijze, op welken de mensche, die by de Inquisitie, daar toe veroordeeld zijn, verbrand werden." (V, S. 36). Der gestochene Titel in der Platte lautet: "Manière de brûler ceux qui ont été condamnéz par l’inquisition". – Nur gering gleichmäßig gebräunt, vereinzelt leicht braunfleckig, gedruckt auf außergewöhnlich schönem, festen und breitrandigen Papier. Bemerkenswert prachtvoll ist auch der zeitgenössische marmorierte Kalbslederband aus einer Utrechter Werkstatt mit zwei großen goldgeprägten Platten-Arabesken, monogrammiert "C.V.H.". Es handelt sich um einen Meistereinband der "Vassplaat-binderij", deren Notnamen sich von einer Zentralplatte herleitet, die oft eine Vase mit Blumen darstellt. Das Atelier kann zwiscjhen 1710 und 1731 in Utrecht nachgewiesen werden. Der vorliegende Einband zeigt jedoch nicht die "Vass"-Platte, sondern eine Platte, die nebst stilisierten Blumen die Initialen "CVH" (über dem Zentraloval) und einen Anker (unter dem Zentralovral) vorstellt.
Das Exemplar stammt aus der berühmten Sammlung des Rotterdamer und Haager Juristen und Bibliophilen Ferdinand Casper Koch (1873-1957), dessen Bücher teilweise in einer spektakulären Versteigerung im Dezember 1974 durch das Hamburger Auktionshaus Hauswedell & Nolte unter dem Titel "Die Bibliothek F.C. Koch, Den Haag" verkauft wurde. Das vorliegende Exemplar gehörte jedoch nicht zu der damals angebotenen Sammlung. Tatsächlich ist in mindestens den letzten 80 Jahren kein anderes illuminiertes Exemplar oder eines, das unserem in seiner Pracht auch nur annähernd gleichkommen würde, nachweisbar. Kochs Exemplar ist dermaßen luxuriös koloriert und minutiös goldgehöht, wie es überhaupt nur für Bücher aus hochfürstlichen Bibliotheken üblich war.
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