Los 3307

Sakheim, Arthur
(1889-1931)Marion in Rot - Typoskript

Schätzung
500€ (US$ 575)

Abgabe von Vorgeboten möglich

Los 3307 - Sakheim, Arthur - Marion in Rot - Typoskript - 0 - thumb

Aus dem Katalog
Moderne Literatur und Kunstdokumentation
Auktionsdatum 8.10.2026

Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026

Lot 3307, Auction  128, Sakheim, Arthur, Marion in Rot - Typoskript

Sakheim, Arthur. Marion in Rot. Romantyposkript (Durchschlagexemplar) mit zahlreichen Korrekturvorschlägen, Streichungen, Neu-und Umformulierungen und Kommentaren. 1 Bl., 84 einseitig bedruckte Bl. 28,5 x 21,5 cm. HPergament d. Z. (etwas bestoßen und berieben). O. O. 1913.
Kosch XIII, 705. – 1913 erschien im Georg Müller Verlag in München der "kleine Roman" (so der Untertitel) "Marion in Rot" des 1884 in Libau (heute Liepaja, Lettland) geborenen Arthur Sakheim. Nach dem Schulbesuch in seiner Heimatstadt studierte Sakheim an der Humboldt-Universität zu Berlin Geschichte, Philosophie und Sprachwissenschaften, wechselte dann zum Studium an die Sorbonne und promovierte schließlich 1908 mit einer Dissertation über E. T. A. Hoffmann an der Universität Zürich. Anschließend lebte Sakheim in Hamburg, war Journalist und schrieb fürs Theater. Daneben war er Dramaturg an den Hamburger Kammerspielen. Über seine Arbeit machte Sakheim die Bekanntschaft der Journalisten Emil Faktor und Egon Erwin Kisch. Nach dem Ersten Weltkrieg war Sakheim Redakteur bei der Zeitschrift "Blätter der Städtischen Bühnen" in Frankfurt am Main. Von dort kam er 1926 als Spielleiter an das Frankfurter Schauspielhaus. Im Sommer 1931 wurde er vom Intendanten des Schauspielhauses wegen seines "undeutschen" Spielplans fristlos entlassen. Sakheim erkrankte im selben Jahr während eines Sommerurlaubes auf Hiddensee an einer Blinddarmentzündung und starb bald nach der Operation am 23. August 1931 in der Charité in Berlin.
Das vorliegende Typoskript (ein Durchschlag des Originaltyposkripts in violettem Druck), trägt auf dem Titel die eigenhändige Widmung Sakheims: "Die erste Fassung des Buches 'Marion' lege ich in die Hände von Paula Pierstorff, die mir süßeste Seligkeit gespendet und mein heiliges Handwerk beraten hat. A. S." Datiert ist die Widmung mit "27ten Oktober 1913". Offenbar hat Sakheim ihr, seiner Geliebten, diese erste Fassung des Romans zur Korrektur gegeben, und sie hat mit großer Verve und beachtlichem Sprachgefühl die Aufgabe übernommen: zahlreiche Kommentare zu Textstellen ("dies = ist abscheulich stillos", "unnütz", "langweilig", "schrecklich", "gräßlich" usw.), Streichungen, stilistische Verbesserungen und Neuformulierungen machten den Text zu einem von der Kritik wohlwollend aufgenommenen Roman, was mehrere beigelegte Rezensionen kundtun. Über Paula Pierstorff ist leider nichts bekannt, eine Onlinerecherche erbrachte nichts. Ob sie mit dem bekannten Jenaer Nationalökonomen Julius Pierstorff in Verbindung zu bringen ist, bleibt reine Spekulation. Zwei eigenhändige Gedichte Sakheims, die dem Band ebenfalls beiliegen, unterstützen jedenfalls die Vermutung, dass ihn mit Pierstorff eine Liaison verband: Unter dem Titel "Der blonden Fürstin" findet sich die Zeile "Ich liebe diese kühlen Königsmienen, Ich liebe deine ungestümen Lenden" und ein Sonett endet mit "Ich liebe dich unendlich."
Sakheims Nachlass existiert nicht mehr. Dieses Typoskript ist somit eines der wenigen von ihm überlieferten Schriftzeugnisse. Und es ist ein weiterer starker Beweis für die bekannte Tatsache, dass hinter vielen Dichtern, Schriftstellern und Autoren Unbekannte stehen, die deren Werk ermöglichen, begleiten und mit ihrem ersten Lektorat verbessern. – Etwas fleckig.


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