Los 3305

Rühmkorf, Peter
(1929-2008)Fünf eigenhändige Briefe (jeweils mit Umschlag)

Schätzung
800€ (US$ 920)

Abgabe von Vorgeboten möglich

Los 3305 - Rühmkorf, Peter - Fünf eigenhändige Briefe (jeweils mit Umschlag) - 0 - thumb

Aus dem Katalog
Moderne Literatur und Kunstdokumentation
Auktionsdatum 8.10.2026

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Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026

Lot 3305, Auction  128, Rühmkorf, Peter, Fünf eigenhändige Briefe (jeweils mit Umschlag)

Rühmkorf, Peter. Fünf eigenhändige Briefe an eine Berliner Publizistin, jeweils mit frankiertem Umschlag. Hamburg 2001-2003.
Konvolut von fünf, teils mehrseitigen Briefen des Schriftstellers Peter Rühmkorf (1929-2008), der ein umfangreiches lyrisches, essayistisches und journalistisches Werk hinterließ, das seit 2022 im Göttinger Wallstein-Verlag in der auf 21 Bände angelegten "Oevelgönner Ausgabe" erscheint. 1993 erhielt der vielfach ausgezeichnete Wort- und Gedankenakrobat auch den Büchner-Preis. Gewiss zählte Rühmkorf zu den markantesten und streitbarsten Erben der Aufklärung, die seit den späten fünfziger Jahren die Geschichte und Geschicke der Bundesrepublik kritisch begleiteten.
Die vorliegenden Briefe an die Berliner Publizistin und Autorin Gabriele H. Killert sind bemerkenswert persönliche Zeugnisse, spontan und lässig in der Diktion, originell und charakteristisch im oft schnoddrigen Ton. Typisch Rühmkorf, ein einzigartiges Phänomen im Literaturbetrieb.

Die Briefe im Einzelnen:
1. Eigenhändiger Brief, datiert: "Auf seinen S-H-Latifundien den 28. Dez. 2001". 5 (einseitig beschriftete) Bl., unterschrieben mit "Ihr P. R."
Über die "üblichen X-mas-Katastrophen", die eine rasche Reaktion auf zugesandte Gedichte verhinderten. Im Folgenden äußert er sich ausführlich und positiv über "DIE GEDICHTE" ("metaphorisch abenteuerlich erknospend", "VIELES: hin zu Augen + heftig zu Ohren gehend") und den "schönen" Besuch in Hamburg. Dann: "wünsche sprühenden Silvester und gut in Gang kommendes Neues Jahr", ganz zum Schluss einige Sätze über seine Arbeitsbedingungen: "Praktisch lassen sich meine Arbeitsaufwände gar nicht ohne Hinzutreten eines Mäzens finanzieren + wenn man nicht ständig auf Achse ist, läßt sich die Schreibstube gar nicht halten". - Mit eigenh. adressiertem Briefumschlag. - Beiliegend ein Zimmer-Ausweis und ein Zettel mit einer Notiz von P.R.

2.
Maschinenschriftlicher Brief, mit eigenh. Korrekturen, datiert: Hamburg, 4. Jan. 2002. 2 Bl. mit handschriftlichem Gruß und einer Anmerkung nebst Zeichnung, unterschrieben mit "Ihr mehrfarbiger P. R."
"... ob ich selbst diesmal drin [im Lyrik-Jahrbuch] bin, weiß ich nicht. Befürchte, ich hatte eine Sache unterm Gänsekiel, aber fand dann den letzten, alles besiegelnden Blutstropfen nicht. ... Die Ro-Sache leider noch absolut in der Schwebe. Hatte auf den unerwarteten (und in Watte verpackten) Böller sehr behutsam mit Pfeil und Flitzebogen geantwortet. Waren am Silvesterabend bei Grassens und als ich erzählte, wollte GG so!-fort öffentlich losschäumen ... Wir haben eine eigenartige wechselseitige Zuneigung". - Mit eigenh. adressiertem Briefumschlag. - Unter dem handschr. Absender ein "P.S." von Rühmkorf zu der "philatelistischen Rarität" mit der er den Brief frankierte ("Heine mit den Nazi-Runen").

3. Maschinenschriftlicher Brief auf ZETA-Papier, mit eigenh. Korrekturen, datiert: Hamburg, 20.2.2002. 2 Bl., mit handschriftlichem Gruß und kleiner Zeichnung, unterzeichnet mit "Dein Peter R."
"Hatte ja gleich nach unserm letzten Telefono schreiben wollen, aber dann kehrte Frau Sorge hier gleich in mehrerlei Gestalten ein, düster umwölkt und mit Fledermausschwärmen im Gefolge, nun inzwischen der Himmel wieder einigermaßen gelichtet und praktisch erster Briefschreibetag nach ziemlich aussichtlosem Versacken in u.a. TABU-Anfechtungen." Außerdem Bemerkungen über seinen "alten Freund Richard Anders". - Mit eigenh. adressiertem Briefumschlag.

4.
Maschinenschriftlicher Brief auf ZETA-Papier, mit eigenh. Korrekturen, datiert: Hamburg, 26.2.2002. 1 Bl., mit handschriftlichem Gruß und kleiner Porträtzeichnung "Sehr herzlich grüßt und küßt die erlesene Hand mal wieder Dein Peter R."
Über eine Rezension von G. H. Killert: "Es ist ja nicht das Loblied allein, das wohltut, sondern die absolut aus der Rezensionsnorm weichende Federführung". - Über Sinclair Lewis: "Herrdeshimmels, konnte der schreiben, schneidig-graziös, und bei allem wirklich kondensierten Aha-Gehalt auch noch so scheinbar Lamäng." - Mit eigenhändig adressiertem Briefumschlag.

5.
Eigenhändiger Brief, datiert Roseburg, 24.12.2003. 6 Bl. Unterzeichnet mit "Ihr ergebener und auch sonst so Signalgast Peter Rühmkorf".
"Stille Nacht, heilge Nacht, Laden zu, dicht gemacht, und der Freunde still gedacht ...". Mit Äußerungen über F. W. Bernstein und eine Rezensionn der Empfängerin ("Nun zu Ihrer Rezi"), dann über seine Wohnverhältnisse, wo er "kein Schiffahrtslexikon zur Hand [habe], kein niederdeutsches Wörterbuch, kein Kluge + kein Goetze, kein Ploetz, kein 'Handbuch der Heraldik + der Ornamente', kein Benn, kein Brecht, kein Brehm - überhaupt kein einziges der in den frühen 70ern gelesenen Bücher mit ihren zahlreichen Ankreuzungen + Bedenklichkeitskürzeln" - und seine Verpflichtungen, "gegen die ich vom beträchtlichen Schuldenberg aus nicht an-argumentieren kann" und die Schwierigkeiten, auf dem Land "Die Zeit" zugestellt zu bekommen. Mit der Anmerkung am Schluss: "Korrektur {des Briefes] ist nicht mehr gelesen. Was steht, steht + was liegt, liegt + in 5 Minuten auch ich". - Beiliegend eine weiße Papierserviette, auf der Rühmkorf seine Adresse notiert hat ("P.R. Övelgönne 50 22605 HH"). – Alle Briefe gefaltet, in sehr gutem Erhaltungszustand.


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