Los 278

Allessandri, Innocente
Animali quadrupedi, 4 Bände, Venedig 1771.

Schätzung
38.000€ (US$ 43,678)

Abgabe von Vorgeboten möglich

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Aus dem Katalog
Varia
Auktionsdatum 6.10.2026

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Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026

Lot 278, Auction  128, Allessandri, Innocente, Animali quadrupedi, 4 Bände, Venedig 1771.

PFLANZEN- UND TIERBÜCHER


Prachtexemplar auf Levantepapier in zeitgenösischen Einbänden

Allessandri, Innocente, und Pietro Scattaglia. Animali quadrupedi tolti dal naturale dissegnati incisi e miniati co i lor veri colori. 4 Bände. Mit 4 kolorierten Kupfertiteln, 4 großen gestochenen Kopfvignetten, Holzschnitt-Initialen und Buchschmuck sowie Widmungsblatt mit gestochener Wappen-Vignette und 201 kolorierten Kupfertafeln. 49 x 34 cm. Hellbraunes Halbkalbsleder d. Z. (minimal berieben, etwas bestoßen) mit breiten Pergamentecken und Deckelbezügen aus zweifach farbigem Kattunpapier (nur wenige Fehlstellen, Läsuren oder Beschabungen). Venedig, (Carlo Palese), 1771-1775.
Nissen, ZBI, 79. Thieme-Becker I, 254 (unter Alessandri) und XXIX, 534 (unter Scattaglia). Ceresoli 44. Wood 183. Brunet II, 1639. Graesse I, 68. – Erste und einzige Ausgabe der "Animali quadrupedi", des monumentalen zoologischen Prachtwerks, das als eines der schönsten, seltensten und wertvollsten naturwissenschaftlichen Illustrationswerke des 18. Jahrhunderts gilt. Die wissenschaftlich fundierten Begleitbeschreibungen ("Descrizioni degli animali") stammen von dem Zoologen und Naturforscher Lodovico Leschi, der Druck wurde Carlo Pelese in dessen venezianischer Offizin anvertraut. Das Werk richtete sich an ein gebildetes, elegantes Publikum des venezianischen Spätrokoko und der Aufklärung, es wurde in monatlichen Lieferungen ausgegeben, so dass vollständige Exemplare äußerst rar zu finden sind.

Die künstlerisch überragenden, außergewöhnlich schönen 201 Tafeln müssen den Vergleich mit den französischen und englischen Naturgeschichten des 18. Jahrhunderts keineswegs scheuen, übertreffen viele von diesen oft um Längen. So hebt auch Claus Nissen die virtuose Stecherkunst, die malerische Einbettung der Tiere in Landschaften und die atemberaubende Qualität der gouachierten Tafeln hervor des Künstlerduos Innocente Alessandri (um 1742-1792) und Pietro Scattaglia (1739-1810) lobend hervor (vgl. Nissen II, 127).

Einige wenige Exemplare der Auflage wurden bedeutenden Subskribenten zugeeignet, in denen dann ein eigens von derselben Offizin gedrucktes und mit einem individuellen Wappenkupfer versehenen Widmungsblatt eingelegt wurde. Vorliegt hier das Exemplar für den "Panie Kochanku" genannten, bedeutenden Fürsten Karol Stanislaw Radziwill (1734-1790), den polnisch-litauischen Adligen und Woiwoden von Wilna und Starost-Verwalter von Lemberg. Radziwill war nicht nur einer der mächtigsten, sondern auch wohlhabendsten Großgrundbesitzer Europas in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. So zeigt das Wappenschild drei miteinander verbundene schwarze Jagdhörner, deren dünnere Enden in der Mitte aneinanderstoßen und ein Dreieck oder einen laufenden Stern bilden: "A Sua Altezza Carlo Stanislao Radzwill, Duca di Nieswitz e d’Olika, Conte die Kletsch ec. Palatino di Wilna, Cavaliere degli Ordini dell’Aquila Bianca, di Sant’ Andrea e di Sant’Uberto, ec. ec.", gezeichnet "Innocente Alessandri e Pietro Scattaglia". – Das lose beiliegende Widmungsblatt mit wenigen Randlasuren, etwas geknickt und leicht angestaubt, sonst kaum irgendwelche ernstzunehmenden oder auffallenden Gebrauchsspuren wie blasse Feuchtränder oder Fleckchen. Text gedruckt auf meist blütenweisen schweren Bütten, die Tafeln auf noch wertvollerem, geglättetem Büttenpapier einer der bedeutendsten norditalienischen Mühlen der Fratelli Venturini. Diese schufen die hochwertigsten Meisterpapiere für Künstler und luxuriöse Kunstdrucke und betrieben dafür mehrere erfolgreiche Papiermühlen in Toscolano am Gardasee, das damals zur Republik Venedig (der Terraferma) gehörte. Das für die Tafeln der "Aminali quadupedi" geschaffene Papier zeigt zwei Wasserzeichen im Wechsel: zwei Sterne mit Monogramm "FV" (Fratelli Venturini) bzw. drei Halbmonde (Tre mezzolune) mit der Versalschrift "SOL IMPERIAL". Es gehört damit zu den kostbarsten der sogenannten "Levantepapiere".

Die Darstellungen der Säugetiere in ihrem natürlichen Habitat, in Wäldern, auf Wiesen und Steppen, in Haus und Hof, vor oder in Seen und Flüssen ist meist sehr genau beobachtet, wenn sich ein die "Pantera femmina" (der weibliche Panther) lauernd sprungbereit macht, der "Gatto tigrato americano" (die amerikanische Wildkatze) den Fels hinabsteigt, die "Jena" (Hyäne) auf Beute lauert, sich die "Scimie rosse del Senegal" um reifes Obst streiten, der "Cane d'armi" (Vorsteherhund) anschlägt oder der "Cane da corsa" (Jagdhund) springend über die Landschrift flieht. Nicht zuletzt ist das zeitgenössische Kolorit hervorzuheben, das ebenso sorgfältig wie exakt und in sehr nuancierten Farben aufgetragen und vielfach durch Eiweiß fixiert wurde, wodurch die dargestellten Tiere eine schimmernde, lebendige Oberfläche bekommen. Vorsätze mit ovalem Sammerstempel der "Ornithologischen Bibliothek Erich Horstkötter, Dinklage".


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