Los 2368

Lewald-Stahr, Fanny
(1811-1889)Brief an einen Freund. 1857

Schätzung
300€ (US$ 345)

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Los 2368 - Lewald-Stahr, Fanny - Brief an einen Freund. 1857 - 0 - thumb

Aus dem Katalog
Autographensammlung Hermann Kiewy
Auktionsdatum 7.10.2026

Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026

Lot 2368, Auction  128, Lewald-Stahr, Fanny, Brief an einen Freund. 1857

Lewald-Stahr, Fanny, Schriftstellerin, verheiratet mit Adolf Stahr, führte in Berlin einen einflußreichen literar. Salon (1811-1889). Eigh. Brief m. U. "Fanny Lewald Stahr". 4 S., eng beschrieben. Doppelbl. Gr. 8vo. Berlin 17. und 18.II.1857.
Sehr umfangreicher Trostbrief an einen Freund, der nach einer früheren Verstimmung und jetzt auch nach einem Verlust (seiner Frau?) zurückgekommen ist und Versöhnung anstrebt. "... Vor allen Dingen lassen Sie mich Ihnen sagen, daß mir Ihr Hiersein große Freude gemacht hat, u. eigentlich wohlthuend gewesen ist, weil mir war, als hätten wir Sie ganz in der alten Weise wieder gefunden, u. als fühlten auch Sie, in welcher alten u. recht ursprünglichen Beziehung Sie zu uns stehen. Es hat eine Zeit gegeben, in welcher ich das Zutrauen zu Ihnen verloren hatte - aus Gründen, die zu erörtern nicht hieher gehört, die Sie zum Theil begreifen oder doch errathen können, u. die jetzt gleichgültig sind, weil sie ihren Einfluß auf mich verloren haben. Als Sie neulich bei uns waren, uns Ihren Verlust klagend, den wir in seiner früheren Zufriedenheit gekannt haben, da fühlte ich es doch, daß die Heimath Ihres Herzens bei uns ist, u. auch bei uns bleiben wird; u. daß Sie - welche Verbindungen Sie sonst auch schliessen mögen - mit einem Theile Ihres Wesens aus Nothwendigkeit immer zu uns zurückkehren u. uns gehören werden ...". Berichtet dann über eine Aufführung von Glucks "Orpheus und Eurydike". "Die Wagner als Orpheus war sehr gut, aber das Haus voll u. heiß, u. Stahr hat darauf sich nicht gut befunden, wie denn überhaupt seit dem Herbste seine Gesundheit Nichts weniger als gut ist. Sein Hals ist schlimm u. seine Nerven sind sehr angegriffen, u. doch liegt das ersehnte Italien uns unerreichbar fern, durch den Zwang des Hierbleibens, den die Erziehung der jüngern Knaben uns auferlegt. Ich will hoffen, daß der Frühling dem geliebtesten Mann wohlthut, u. daß er mir wieder frisch u. munter wird, wie er es vor dem Jahre in dieser Zeit gewesen ist. Unser Glück in uns ist so groß, so voll, daß wir es kaum in solcher Größe verstanden, als wir es ersehnten, u. es fehlt uns nur die Gesundheit des geliebten Mannes, um dann wieder zuversichtlich in die Zukunft zu sehen ...". - Erörtert dann Zukunftspläne wie den Besuch auf dem Gut ihres hoch gelobten Freundes v. Hennig bei Graudenz und alle möglichen Ziele im deutschsprachigen Raum: Wien, Dresden, Stuttgart, Nordsee. Weiterhin ist sie bemüht, den Adressaten über seinen Verlust zu trösten und lädt ihn über die Osterfeiertage ein: "... ich denke, aus Ihrem einsamen Hause für ein paar Tage fortzugehen, u. Ihr Herz unter Freunden zu erwärmen, müsse Ihnen gutthun. Wir haben mehr verloren, als wir einmal werden verantworten können, daß wir seit Jahren so nahe beieinander uns doch so wenig gesehen haben". Er solle auf ihren Vorschlag eingehen, "wäre es auch nur, um sich aus der Zeit herauszureißen u. sich von den Erinnerungen zu zerstreuen, die jetzt in dieser Zeit die Tage Ihnen schmerzlich bringen ... Sie sind zu sehr ein moderner Mensch, als daß Sie Ihren Ruhm darin setzen könnten, unglücklich zu sein ...". - Beiliegend ein Zeitungsartikel (1911) von Rudolf Göhler über Fanny Lewald sowie ein Prospekt (mit Holzstich-Porträt) zum Erscheinen ihrer 6bändigen "Lebensgeschichte".


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