Los 1245
Merian, Matthaeus
(1593-1650)Todten-Tanz, wie derselbe
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
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Aus dem Katalog
Alte Drucke, Theologie, Orientalia
Auktionsdatum 6.10.2026

Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 6. – 8. Oktober 2026


Merian, Matthaeus. Todten-Tanz, wie derselbe in der löbl. u. Welt-berühmten Stadt Basel, als ein Spiegel menschlicher Beschaffenheit künstlich gemahlet und zu sehen ist ... 98 S. Mit gestochenen Titel und 43 Textkupfern von A. Chovin nach Math. Merian. 22,5 x 16,5 cm. Pappband d. Z. (berieben, bestoßen, Kapitale mit Fehlstellen) mit hs. RSchild. Basel, Birmann u. Söhne, o. J. (1830).
Massmann-Taepper, 78, 13. Oppermann, Kat. 414, 1130 – Letzte Ausgabe von Merians Totentanz mit den von J. A. Chovin aufgestochenen Platten. "Sehr seltene Ausgabe, die ein überaus interessantes und kulturhistorisch wertvolles Vorwort besitzt. Die Merian'schen und Chovin'schen Totentanz-Folgen mit ihren verschiedenen Ausgaben sind von zwei Standpunkten aus als sehr interessant zu bezeichnen: vom rein bibliographisch-graphischen und vom kulturhistorischen. Bibliographisch-graphisch kann es sicher als Unikum gelten, dass eine Folge von über 40 Kupferplatten im Laufe zweier Jahrhunderte (1621-1830) immer wieder gebraucht wird mit den jeweiligen Verbesserungen, der Geschmacksrichtung der Zeit und der technischen Vervollkommnung der Graphik entsprechend. Wir können hier eigentlich von 4 Plattenzuständen sprechen, von denen die drei letzten in dieser Sammlung vertreten sind: I. Der Originalzustand, gestochen in Basel von Johann Jacob Merian, ca. 1620. II. Die Revidierung der Platten durch Matthäus Merian in Frankfurt, ca. 1649. III. Die Chovin'sche Verbesserung und Verfeinerung des Stiches, wiederum in Basel, ca. 1743. IV. Der Endzustand, von unbekannter Hand (Birmann?) für den Birmann'schen Verlag wurde 1830 hergestellt.
Kulturhistorisch gewertet, sind die Vorworte der verschiedenen Ausgaben jeweils die beste Illustration, wie sich der Mensch und seine Zeit mit der Idee des Todes und deren bildlicher Darstellung auseinandersetzte. Im Holbein'schen Totentanz, der entgültigen klassischen Formulierung, erreichte sie den Höhepunkt; unmittelbare Nachklänge herrschten noch am Anfang des 17. Jahrhunderts, wo die Auseinandersetzung mit der Todesidee einem inneren Drang entsprach, und der christliche Leser täglich seine Nichtigkeit vor Augen sieht. ‚... Ist er doch ein schändlich Koth, weil er noch lebte: und wann der Artzt schon lange daran flickt, so geht's doch endlich also, heut König, morgen todt: Und wann der Mensch tot ist, so fressen ihn die Schlangen und Würmer'. Aus der Bibel zitiert von Matth. Merian, 1649. Und 200 Jahre später, im Vorwort der Birmann'schen Ausgabe 1830: ‚... Nur ein barbarisches Zeitalter, in welchem die Wahrheiten des Evangeliums durch Aberglauben entstellt waren, durfte den Tod unter der scheusslichen Gestalt abbilden, in der wir ihn auf diesen Gemälden erblicken. Die Alten, welche überhaupt sehr selten Skelette malten, weil solche Gerippe nicht zu Gegenständen für die schönen Künste taugen, haben nie daran gedacht, die abstrakte Idee des Todes auf eine so widerliche Art zu versinnlichen'. Dem Zeitalter der Klassik, der Menschen Goethe und Winkelmann, konnte eine Ausgabe solch alter Totentanz-Folgen nur noch ein rein äusserliches, kunst- und kulturhistorisches Interesse entgegenbringen, innere Erbauung war ausgeschlossen, und tatsächlich wollter der Verleger nur ‚... ein Denkmal wieder die Erinnerung bringen, welches den Geist des Mittelalters auf eine so sprechende Weise bezeichnet.' Birmann, 1830" (Oppermann). Mit französischen und deutschen Text. – Etwas braun- und fingerfleckig, vereinzelt mit Einrissen sonst gutes Exemplar. Mit teils sehr gratigen Kupfern.
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